Waldlauf

Benutzer29206  (36)

Verbringt hier viel Zeit
Die meisten unserer Entscheidungen sind vorbestimmt, aber nicht so, wie ein Determinist oder gar ein Deist das gerne hätte. Die sozialen und gesellschaftlichen Zwänge führen nicht unmittelbar zu der einen oder anderen Entscheidung hin, sie legen allerdings einen begrenzten Pool von Entscheidungen fest. Innerhalb dessen ist es uns allerdings möglich, einzugreifen und zu verändern. Indem wir uns verändern, unsere Illusionen verlieren, an anderen ganz bestimmt festhalten, Erfahrungen machen und ihre Ergebnisse gutheißen oder verwerfen - so sind wir auch Handelnde, haben Einfluss auf andere Individuen, bestimmen ihren Weg und auch den unsrigen. Nein, ich kann mich nicht jede Minute das entscheiden, was ich möchte. Aber ich kann mich derart konditionieren, Dinge zu tun, die möglicherweise vorher ausserhalb meines Radius lagen.
Ich kann nicht unabhängig bestimmen, aber ich kann mich willentlich bestimmten Einflüssen aussetzten oder mich ihnen entziehen. Manchen mehr und manchen weniger, aber indem ich reflektiere, erhalte ich meinen Willen. Dieser Wille wird mit Zweifeln gefüttert und umrissen und gibt die Möglichkeit, durch eine bewusste Einordnung und ein Bequemwerden mit dem eigenen Tun und Denken individuelle Handlungsmuster zu erstellen, mit denen ich mich identifiziere.

Einige Fragen werden bleiben und einige Bereiche bleiben immer fraglich, weil wir auch das in uns zur Kenntnis nehmen müssen, das mit dem eigenen Selbstbild nicht zusammenpasst. Aber das ist keine Ausrede! Gerade die große Zahl an Sinneseindrücken gibt uns eine so große Auswahl an Ausprägungen in die Hand, dass es an uns liegt, ob wir den unbequemen und anstrengenden Weg der persönlichen Individualisierung gehen und kennenlernen, was wir sind - oder ob wir angesichts der Schablonenhaftigkeit einer jeden Lebensvorlage verzweifeln, weil für uns gerade nichts genau passendes dabei ist.
 

Benutzer14766 

Verbringt hier viel Zeit
Ganz hast du es noch immer nicht verstanden. Wenn ich sage, ich glaube an Determinismus, dann bedeutet dass, dass meiner Meinung nach jeder Mensch nur die Entscheidung treffen KANN, die seiner Persönlichkeit entspricht. Wenn ich also sage, ich entscheide mich dafür, sagen wir, dass ich Wehrdienst leiste, so ist diese Entscheidung nicht in erster Linie das Resultat meines Willens, sondern das Resultat, meiner Sozialisierung, also aller Faktoren wie Erziehung, Bildung, soziales Umfeld/Millieu, jedweder Erfahrung, die ich im laufe meines bisherigen Lebens gemacht habe, sei es ein Film, den ich gesehen habe oder ein Buch das ich gelesen habe. Der Gedanke der dahinter steht ist, dass ein völliger anderer Mensch, wenn er bis zu diesem Zeitpunkt exakt mein Leben gelebt hätte, auch exakt die selben Entscheidungen treffen würde. Natürlich ist es eine theorie, eine Philosophie, letztlich eine Glaubensfrage. Aber wenn man sich mal über das Gegenteil Geanken macht, das also jeder Mensch frei ist und die Konsequenzen seines Handelns, bzw. die Verantwortung einzig und alleine bei ihm liegen, dann wird umso offensichtlicher, wieso der Determinismus sehr realitätsnah ist. Man nehme z.B. die Gesellschaftliche Instanz der Justiz. was sind die Konsequenzen für den einzelnen innerhalb einer Gesellschaft mit Gesetzen, wenn man sich frei entscheiden kann? Nun man kann sich entscheiden, sich an die Gesetze zu halten, oder diese zu brechen.
In der Konsequenz würde das bedeuten, dass feste Verhaltensregeln die Gesellschaft spalten, in jene, die sie einhalten und jene, die sich über sie hinwegsetzen. Also gibt es im Prinzip aus sicht eines Gesetzgebers innerhalb des Volkes nur potenzielle Opfer und potenzielle Täter. Das ist die Wahl die man hat.
Der Determinismus im Gegenzug sagt ´, man wird nicht Täter oder Opfer, weil man sich dazu entscheidet, sondern weil die Umstände einen dazu bringen. In erster linie mag es einem schwer fallen, einem Serienmörder der 10 Kinder getötet hat zuzugestehen, dass die Gesellschaft eine Mitschuld an seiner Tat trägt. Doch in gewisser Weise tut der Gesetzgeber dies bereits. Jemand der Geisteskrank ist wird nicht so hart bestraft, wie jemand der im vollbesitz seiner Geistigen kräfte steht.
Und letztlich bedeutet die Schuld in einem solchen Fall nicht zuerst beim Täter zu suchen, sondern bei der Gesellschaft und in seiner gesellschaftlichen Konditionierung die einzige Möglichkeit, die Gesellschaft zu verbessern, um jene Faktoren auszumerzen, die einen Mnschen dazu bringen Kinder zu töten. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass kein Mensch böse geboren ist. Und ein Mensch, der ein geregeltes Leben führt, so wie die meisten Leute wird nicht zum Kindermörder. Also muss es andere Faktoren geben, die einen Menschen dazu bringen. Kein Mensch, der beispielsweise mein Leben leben würde könnte ein Kindermörder werden - weil ich kein Kindermörder werden könnte!
Sehr ausschweifend, aber ich hoffe jetzt ist klarer was ich meine, denn die Philosophie des Determinismus lässt sich letztlich auf alles übertragen, sei es die Partnerwahl, die sexuellen Vorlieben oder das Lieblingsgetränk.


@Dumuzi
Man ist vielleicht der Meinung, eine "Auswahl" zu haben, doch die letztliche entscheidung kann gar nicht frei sein. Die einzige freie Entscheidung wäre jene, die man mit einem Würfel ermittelt. Alles andere ist Konditionierung. Genauso entscheidet meine Konditionierte Persönlichkeit darüber, welche Erfahrungen ich verwerfe und welche ich behalte.
Der eine Mensch lernt aus einem Autounfall und erkennt, welchen Fehler er begangen hat, dass es zu einer solchen Situation kam, während ein anderer Mensch in exakt der selben Situation die Schuld bei allen anderen Sucht und so keine Erfahrung daraus ziehen kann.
Wie Gesagt, letztlich ist es eine Glaubensfrage. Man kann den Determinismus genausowenig wiederlegen, wie man ihn beweisen kann. Man kann nur seine Plausibilität aufzeigen.
 

Benutzer29206  (36)

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Das Problem mit dieser Philosophie genauso wie mit der des absoluten freien Willens ist leider in ihrem Charakter verankert. Eben weil sie den Anspruch erhebt, nicht beliebig zu sein, muss sie plakativ und absolut werden. So fallen einmal wieder Grautöne heraus, die zwar für den Theoretiker eine Randzone bilden und daher zu vernachlässigen sind, aber in der praktischen Anwendung sehr wohl ins Gewicht fallen.
Ich habe nicht nur die Wahl, Gesetze zu befolgen oder zu brechen, ich habe auch einen analytischen Verstand, der mir hilft, in meiner eigenen persönlichen Situation eine Entscheidung zu treffen und einiges zu tun und anderes zu lassen. Manchmal halte ich Gesetze, manchmal breche ich welche. Und das kann sehr oft sogar auch ein und dasselbe Gesetz sein.
Jemand, der durch die Umstände zum Verbrecher wird, ist deswegen nicht vom Vorwurf der Tat freigesprochen. Sicherlich bringen mich die Umstände wesentlich leichter in diese Richtung, lassen mich eventuell schneller zum Täter werden, bestimmen meine Stabilität. Aber die Entscheidung wird mir nicht abgenommen, die Entscheidung treffe ich ganz allein und da mir bewusst ist, was das für Konsequenzen hat, so bin ich fähig, abzuwägen und zu einem Entschluss zu kommen. Die Begründung mag je nach Umstand verschieden sein, auch die statistischen Werte für die jeweilige Entscheidung. Doch einen Automatismus gibt es hier nicht, denn es obliegt dem eigenen Willen, die Konsequenz nun in Kauf zu nehmen oder nicht. Eine Entscheidung kann durch die Umstände verständlich werden, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie akzeptiert werden muss.

@Lenwe
Meine Persönlichkeit wird nicht nur von aussen determiniert, sondern vor allem in Kindheit und Jugend von mir selbst, da in dieser Zeit eine Reihe von Präzedenzfällen geschehen, für die ich bei Gleichaltrigen, Eltern usw. zwar Muster finde, sie jedoch auf mich angleichen muss. Nach diesen Präzedenzfällen richtet sich in den meisten Fällen das folgende Handlungsgebäude, welches dann später durch zufällige einschneidende Erlebnisse entweder bestätigt oder auf die Probe gestellt wird.
Eine Theorie kann man nicht nur beweisen oder verwerfen, man kann ihren Gültigkeitsanspruch auch etwas genauer definieren.
 

Benutzer14766 

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Eigentlich kann man eine Theorie überhaupt nicht beweisen und zwar nie, nichtmal in der Naturwissenschaft, geschweige denn in der Psychologie.
Und diese Kindheitserfahrungen, die du ansprichst sind doch genau das wovon ich spreche. Wenn man nämlich einmal sein Entscheidungsmuster entwickelt hat, so kann man dieses letztlich nur mit dem eines anderen Menschen überlagern, niemals jedoch neu überdenken, da dass überdenken selber durch das Entscheidungsmuster geprägt wird.
Wie ich bereits sagte, alles eine Glaubensfrage. Deine Theorie kannst du genausogut untermauern, wie ich die meine. Beweisen kann man gar nichts. Ich frage mich nur, wenn ich das Leben sagen wir von Hitler gelebt hätte, und zwar genau das gleiche, hätte ich aufgrund meiner Persönlichkeit überhaupt irgendwas anders machen können?
Ich sage: Nein
Du sagst: Ja
Tja mehr als das können wir eigentlich nicht feststellen.
Kommen wir also darin überein, dass wir nicht übereinkommen können :zwinker:
 

Benutzer29206  (36)

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Eine Theorie, die falsifiziert wurde, ist erwiesenermaßen falsch. Und was den freien Willen angeht, dazu werden uns die Neurowissenschaften zwar nicht den Durchbruch, aber doch einige klärende Erkenntnisse liefern.
Huh, Hitler ist ja mächtiges Glatteis :zwinker:
Aber dazu habe ich schon noch eine Frage: Wenn Hitler durch die Umstände dazu gebracht wurde, so zu handeln - war ein Hitler dann nicht zwangsläufig fällig? Müssten diese Umstände deiner Meinung nach nicht auf jeden Fall in einer zumindest hitler-ähnlichen Entwicklung gipfeln?
 

Benutzer14766 

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Ich habe ja auch nur gesagt, man könne keine Theorie beweisen, nicht man könne keine wiederlegen :zwinker:
Ja, dass glaube ich. Ich denke die Leute machen es sich zu einfach, alle Verbrechen und greultaten des Nationalsozialismus einer oder einigen wenigen Personen zuzuschreiben. Die Gesellschaftlichen Hintergründe, in der sowas wie der Nationalsozialismus überhaupt stattfinden konnte sind für mich der wesentliche Faktor. Betrachtet man nämlich Beispielsweise die berühmte Rhetorik Hitlers aus heutiger Sicht, so finde ich sie lächerlich und kann auf emotionaler Ebene nicht nachvollziehen, wie diese die Menschen dazu gebracht haben soll, ihm bis in den Tod zu folgen. Es muss also damals Gesellschaftliche Faktoren gegeben haben, die heute (hoffentlich) nicht mehr vorhanden sind, die ein Nazi-Regime unter Hitler begünstigten. Und diese Faktoren sind als Teil einer langen historischen Selbstkonditionierung zu verstehen. Die Leute haben sich nicht von heute auf morgen dazu entschieden alle Juden zu hassen sondern sie haben einen Gesellschaftlichen Trend aufgenommen, dessen Ursprünge weit zurückreichen und letztlich aus einem anderen Gesellschaftlichen Trend entsprungen sind.

PS Bitte bearbeite nicht immer deine Posts mit völlig neuen Argumenten, dieses Überkereuzte Argumentieren ist um diese Uhrzeit ein bischen umständlich.
 

Benutzer29206  (36)

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Danke für die Hitler-Antwort. Darauf einzugehen würde wohl weit vom Thema kommen.

Das überkreuzte Argumentieren entstand usprünglich in deinem Post von 21:58 Uhr, in dem du nachträglich einen speziell an mich gerichteten Nachsatz angefertigt hast, mit dem du auf meinen nachfolgenden Post teilweise Stellung bezogen hast. :zwinker:
 

Benutzer14766 

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Hey, es sollte kein Vorwurf sein, nur ne Bitte!
Ich seh schon, wir beide sind sehr ähnlich konditioniert :zwinker:
Wir müssen beide immer das letzte Wort haben *g*
(Kennst du Mel Brooks Dracula? So ähnlich muss das hier auf andere Wirken...)
 

Benutzer29206  (36)

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Naja, das ist schon eine Problematik einer Zweier-Diskussion, dass das ganze durch gegenläufige Ansätze einen Wettbewerbscharakter bekommt und der Gockel mit dem letzten Schrei sich triumphierend auf die Spitze des Misthaufens setzt :bier:
Ich wäre ja schon glücklich, noch heute abend oder morgen ein paar Posts zu sehen, die nicht zum Inhalt haben "Ich stimme Lenwe zu, aber ich muss Dumuzi in xy Punkten recht geben" und vice versa :grin:
 

Benutzer14766 

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Ja und irgendwann ist es dann 7:00 Morgens und wir versuchen immer noch jeder das letzte Wort zu haben...
Wie auch immer ich mach jetzt Schluss. Der klügere gibt ja bekanntlich nach :bier:
Aber im Ernst, hat spaß gemacht sich mal mit jemandem unterhalten zu können, ohne dass man nach dem zweiten Post schon angeflamed wird alà :'Du akzeptierst ja eh keine anderen Meinungen' oder'mit dir kann man überhaupt nicht diskutieren' .
Also Gute Nacht :winkwink:
 

Benutzer28635 

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Solche Gedanken hab ich beim Laufen eher nicht. Wenn ich allerdings mit dem Mountainbike unterwegs über Stock und Stein bin, dann fühl ich mich schon klasse. Meine Gedanken sind dann aber durchweg positiv und nicht so düster.
 

Benutzer29206  (36)

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@Lenwe
Nur wer es bis um diese Uhrzeit schafft, der kann auch ermessen, was für ein Unsinn das mit dem letzten Wort wirklich ist! Oder eher fruchtbar und produktiv? :zwinker:

Einen Teil von sich zu ergießen ist immer irgendwo befriedigend, egal ob verbal oder... :engel:
Hiermit also erklimme ich Nachteule ganz offiziell das höchste Astloch. Gute Nacht!
 
K

Benutzer

Gast
Vorab:

Ich freue mich über die Diskussion, die ich ausgelöst habe. Das Lesen Eurer
Beiträge zeigt mir, dass ich meinen Finger auf eine Wunde stelle gelegt habe,
die viele mit mir teilen - wenn auch in völlig unterschiedlichen Ausprägungen.

Das Niveau Eurer Kommentare ist unerwartet hoch.

Tarim86 schrieb:
Hallo alle zusammen ich miche mich hier einfach mal ein.
Ich frage euch wer seid ihr?
Ich frage euch was wollt ihr?
Ich frage euch wohin geht ihr?
Ich frage euch an was glaubt ihr?

Beantwortet diese 4 Fragen für euch selbst und ihr werdet sehen das es unendlich viele Antworten geben wird !
Ein wiederspruch ?Ich denke nein!
Den der Mensch wandelt sich jede Sekunde seines Lebens und er muss diese Fragen und noch mehr ständig neu beantworten.
Und das zeichen das ihr lebt ist das ,das ihr selbst hinter jeden einzelnen Entscheidung stehen könnt und ihr euch selbst noch im Spiegel eurer Seele(oder wie man das nennen will zb Bewusstsein)akzeptieren könnt!

Greatz Tarim

Jein. Ich habe zu den oben genannten Fragen mal eine Verschärfung erfragt:
Wenn Du NICHT gerade Kind, Mitsportler, Glaubensbruder, Arbeistkollege,
Sportkollege etc bist, wer bist Du dann?

Eines der Probleme die wir haben ist, dass wir uns immer in Rollen bewegen,
die uns durch das jeweilige Umfeld aufgedrückt werden. Wir passen uns an
unsere Gesellschafter an und schwimmen mit und dabei verlieren wir den Blick
für uns selbst. Schon an dieser Stelle verlieren wir die Möglichkeit, aktiv den
weiteren Verlauf zu bestimmen. Du redest von Entscheidungen, hinter denen
der Mensch steht, aber das ist nur eine Farce. Es ist nicht so, dass Du einen
freien Willen hast, die Entscheidungen, die Du triffst sind lächerlich unbe-
deutend.


Tarim86 schrieb:
Was du hier sagst ist durchaus richtig ,du sagst das keine Entscheidung frei ist weil wir uns überhaupt entscheiden müssen oder hab ich da was falsch verstanden?

Im Prinzip ja: Wir können uns nicht entscheiden, weil man uns von Geburt an
der Fähigkeit der Entscheidung beraubt. Du wirst in ein Leben geboren, dass
von Anfang an Fremdbestimmt ist und Regeln unterworfen wurde, in die Du
gezwängt wirst. Wenn Du Dich nicht daran halten wirst, wirst Du einer der
Aussteiger, die so gerne belächelt werden.

Viele Institutionen übernehmen das Entscheiden für Dich und alle wollen sie
natürlich nur Dein bestes:

Die Eltern, die entscheiden, ob Du auf natürlichem Wege gezeugt wirst oder
(in ein paar Jahren) nach einem PID-Verfahren die "beste" Spermie und Ei-
zelle gewählt wird.

Der Arzt, der entscheidet, ob Du auf natürlichem Wege geboren wirst oder
per Kaiserschnitt.

Die Eltern, die entscheiden, welchen Kindergarten, Hort, welche Grundschule
Du besuchen wirst.

Die Lehrer, die auf der Grundschule entscheiden, welche weitere Schule Du
besuchen wirst.

Die Lehrer auf der weiterführenden Schule, die Deinen Abschluß und damit
Deine "Chancen" (welch Lachnummer!) entscheiden.

Die Dozenten oder Ausbilder, die Deine Konditionierung auf die nächsten 40-
50 Jahre vornehmen.

Die Arbeitgeber, die Dich ausbeuten um ihren Luxus zu vergrößern, die
Gewerkschafter, die ihre Macht sichern wollen

All das läßt sich beliebig fein aufsplitten und lenkt von der Frage ab:

Hat DICH irgendwann IRGENDJEMAND mal gefragt, was Du willst, oder machst
Du einfach, was das "Leben" (besser: die Gesellschaft) von Dir erwartet?

Wirst Du Dich integrieren und die Fresse halten, Deine Arbeitskraft ausnutzen
lassen, Dich dem Konsum unterwerfen und von Machtbesessenen regieren
lassen?

Oder hast Du den Mut, Dich dagegen aufzulehnen? Zu rebellieren, im Kleinen
oder im Großen?

Wirst Du was bewegen? Oder wirst Du bewegt?

Just my 2 Cents...
 

Benutzer33809 

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ich möchte nicht behaupten, dass sie mit ihrer meinung falsch liegen, möchte ihre schwarzmalerei nur nicht unterstützen. wenn ich meine lebenssituation und meinen bisherigen werdegang unter den gleichen vorraussetztungen wie sie betrachten würde, würde ich bestimmt die selben schlüsse ziehen wie sie. gar keine frage. ich würde mich von gesellschaftlichen regeln und zwängen eingeengt und unterworfen fühlen. ich wäre dann unfrei in meinen gedanken und taten. ich könnte mich nicht selbst verwirklichen. schon die tatsache, dass es gesetztlich geschrieben steht, das jeder das recht auf selbstverwirklichung hat wäre dann eine farce und absolut lächerlich.
freiheit fängt meiner meinung nach im kopf an. ich sehe mein leben als eine reihe von positiven zufällen, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute stehe und aus mir gemacht heben, was ich heute bin. für alles gibt es den richtigen zeitpunkt und den richtigen ort. das zu erkennen und zu akzeptieren ist oft nicht einfach. die grenzen, die mir die gesellschaft aufzeigt und in denen ich mich bewegen sollte um gesellschaftlich akzeptiert zu sein, halte ich gern ein weil es dann oft einfacher erscheint sein leben zu leben. geistiger leerlauf so zusagen um kraft zu sparen. diese grenzen sind aber fließend und sehr, sehr weit auseinander und lassen mir unheimlich großen spielraum. es kommt darauf an, wie man diese für sich auslegt. manchmal bewege ich mich an deren rand oder überschreite sie gar. wenn das geschieht, geht ein aufschrei durch die „normale“ gesellschaft weil ich dann unangenehm aufgefallen bin und sich das ja bekanntlich nicht gehört. ich könnte dann beschämt und peinlich berührt sein. mache ich aber nicht, weil ich mir die frage stelle: brauche ich diese schreihälse? sind sie mir irgendwo von nutzten? nein! ich lege keinen wert auf deren meinung und höre sie daher auch nicht.
ich bin glücklich mit dem was ich habe und was ich bin. ich fühle mich frei und sehe meine chancen. einige nutze ich, andere nicht. es liegt in meiner hand.
würde ich so denken wie sie, würde ich traurig, wütend, wenn nicht gar aggressiv werden. das will ich aber nicht und lege mir daher die dinge so zurecht, wie ich sie brauche und wie sie mir am günstigsten erscheinen.
ich gehe abends ins bett, nicht weil ich morgen wieder früh aufstehen muß um arbeiten zu gehen weil ich geld verdienen will um konsumieren zu können. ich gehe ins bett, weil ich müde bin! ich gebe obacht, dass mir mein geist nicht im wege steht weiß ihn aber wohl für mich zu nutzen.
diese selbst auferlegte „scheinbare kleingeistigkeit“ macht mir oft einiges leichter. das soll aber nicht heißen, dass ich nicht bereit wäre, herausvorderungen anzunehemn.
 

Benutzer14766 

Verbringt hier viel Zeit
Und genau deshalb wird es ja als "kleingeistigkeit" bezeichnet. Weil man diesen Weg wählt, einfach nur aus dem Grund, dass er einfacher ist.
Mich würden einmal konkrete Beispiele dieser sog. Freiheit im Alltag eines Bürgers interessieren, denn nur wenn man sich einmal detaillierter darüber Gedanken macht fällt einem die Schwäche dieses Gedankengebäudes auf, bzw. Wie Eng seine Grenzen wirklich sind. Vor allem wenn man sich dabei klar macht, dass 95% dieser sog. "freien Entscheidungen" sich nur um den Konsum drehen!
 

Benutzer33809 

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das wort „gedanken gebäude“ gefällt mir gut!!! ja, vielleicht ist es wirklich eine art freiwillige schizophrenie die ich mir da zurecht lege.
meine einstellung mit beispielen, gar mit konkreten, zu untermauern fällt mir sicherlich schwer.
früher war ich beispielsweise einmal der meinung, dass man unserem land seine gesellschaftliche akzeptanz mit einem berufsabschluß erhöht und festigt. versuchen sie heute mal einem jugendlichen beizubringen, dass dies auch so ist. sie stoßen auf taube ohren und kommen sich vor, als ob sie einen ochsen ins horn kneifen. recht hat er! es ist ja auch nicht so, zumindest momentan. diesem dann aber dabei zu helfen, sein eigenes kleines gedankengabäude zu erschaffen und ihn dazu zu bringen, sich selber ein ziel zu setzten, weil es sich dann unbeschwerter und einfacher lebt, ist vollkommen ok.
wie gesagt, ich kann ihnen kein konkretes beispiel nennen, möchte ihnen aber eines liefern, welches ihnen helfen soll mich zu verstehen.

vor zwei wochen habe ich auf einem festival meine papiere verloren. ausweis, führerschein und so weiter. ich habe mich nicht darüber geärgert, dass ich jetzt wochenlange, stressige amtslaufereien vor mir habe und mich dies auch noch sinnlos viel geld kostet. ich habe mich darüber geärgert und empfand es als extrem schade, das mein führerschein weg war. mein schöner rosa lappen. ausgestellt 1994! einen ranzigeren und zerfledderteren führerschein als meinen habe ich bisher noch nicht gesehen. er ist für mich ein ausdruck meiner prsönlichkeit und beschreibt mit seinem zustand meine persönlichkeit. ich will so eine bekloppte plastikkarte nicht haben! mit dem plasteersatz hätte ich allerdings gut weiter leben können, er hat ja dieselbe bedeutung. ich hätte aber nicht wochenlang rumgemeckert, wie wahrscheinlich 95% der gesellschaft, dass die leute vom amt inkompetent sind und ich massig geld in den sand gesetzt hätte, welches ich für besseres hätte verwenden können.
ich bin ein sehr emotionaler mensch und hänge an meinen errungenschaften. der identitätsverlust war für mich also schlimmer als der materielle. ich identifiziere mich mit meiner habe und könnte ihnen z.b. zu fast jedem meiner kleidungsstück eine geschichte ertzählen. ich setzte halt nur meine prioritäten anders.
ich hoffe, das es ihnen weiter hilft, meine sicht der dinge zu verstehen.
übrigens hat sich alles wieder angefunden und seit gestern darf ich meinen ersten und einzigen fürerschein wieder in den händen halten.
 

Benutzer14766 

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Die Frage ist, wie soll man jemanden dazu bringen, sich selber ein Ziel zu setzen, ohne ihn in seiner Zielsetzung zu beeinflussen? Ich halte es für unmöglich!
Die Identifikation mit dem persönlichen Eigentum ist genauso ein Beispiel für die Konsumnot unserer Gesellschaft. Bei ihnen mag es der Führerschein sein. Bei jemand anders ist es vielleiht ein Porsche. Nur wenn man keinen Porsche besitzt, dann hat man als Person, die der Meinung ist das ein solches Auto den Charakter der eigenen Persönlichkeit am besten widerspiegelt ein Problem. Also arbeitet man mehr, härter und länger, spart Geld und verzichtet anderweitig auf Lebensstandart, nur um sich dieses Auto zuzulegen. Und wenn man es dann besitzt, was dann? Ist man dann ein vollständiger Mensch, wunschlos Glücklich und erfüllt? Nein, man findet etwas neues, dass man meint haben zu "müssen", weil man sich damit identifiziert. Und in diesem Kaufzwang, em die Menschen ob sie es zugeben oder nicht unterworfen sind passieren vor allem 2 Dinge:
1. Die Persönlichkeiten der Menschen werden immer eindimensionaler.
Übertrieben ausgedrückt heisst dass, dass es nur noch Golf und BMW -Fahrer gibt, dass jeder Mensch seine zugehörigkeit über sein Eigentum deffiniert, und jemand, der kein Eigentum besitzt nirgendwo zugehörig ist.
2. Bringt es die Menschen dazu, ihre Arbeitskraft für Dinge aufzubringen, die im Gesamtgesellschaftlichen Kontext wenig nützlich sind. Ein Mensch verbringt nun mal den Großteil seines Lebens mit Arbeit. Wenn er also nur für sein Auto arbeitet (wieder übertrieben), dann opfert er entsprechend den Großteil seines Lebens quasi der Autofirma. Er lebt nicht für sich, sondern für das Bild, in dem er sich selber gerne sehen würde. Ein Mensch kauft sich in der Regel keinen Sportwagen, weil er selber sportlich ist, sondern weil er es gerne wäre! Konsum dient also nur zur kompensation der eigenen Unerfüllten Wünsche und damit als Ersatzmittel für den Drang des Menschen sich selber zu verbessern. Es ist nun mal eine Tatsache, dass eine große Gesellschaftliche Umwälzung, trotz der globalen Misststände vom Großteil der Bevölkerung nicht gewünscht wird, wenn dadurch der Status qou gefährdet wird. Beispiel gefällig? Wieso kaufen die Menschen in Deutschland nach wie vor ihren Kaffee bei den großen Ketten wie Tschibo oder Eduscho, oder im Supermarkt (Jacobs), statt ein paar Euro mehr in fair Trade Produkte zu investieren? Schlichte gemüter argumentieren mit meiner Meinung nach schwachsinnigem Zeug alà "man weiss ja nie wo das Geld hingeht...".
Tatsache ist nun mal, dass wir lieber 2,50€ beim Kaffee sparen und dafür eine Südamerikanische Kaffeebauenrfamilie im Elend leben lassen, als den Status quo zu gefährden. Und für das gesparte Geld kaufen wir uns dann wenn wir mal unterwegs einen Kaffee wollen einen Becher bei Starbucks...
 

Benutzer33809 

Verbringt hier viel Zeit
das ist alles sehr interessant, was sie da schreiben und ich finde das thema äußerst interessant. ich hoffe nur, dass sie sich bis nächste woch gedulden können. dann bin ich gerne wieder für sie da.
auf wiedersehen und ein schönes wochenende

hochachtungsvoll ihr hüpfgemüse
 
K

Benutzer

Gast
*Moderator aus dem Off*

So, liebe Zuschauer, an dieser Stelle unterbrechen wir die durch und durch
interessante Diskussion über das Thema "Entscheidungsfreiheit und Freier
Wille des aufgeklärten Menschen".

Ich würde mich freuen, sie am Montag wieder hier begrüssen zu dürfen. Selbe
Stelle, selbe Welle.

*langsam senkt sich der Vorhang, das Licht erlischt*
 
T

Benutzer

Gast
''Vorhang aufmach Licht an''

@Ken Guru du sagst die Entscheidungen die ein Mensch trifft sind nur eine Farce, klar ist es dem Universum egal ob ich ein Brötchen oder ein Brot esse vereinfacht ausgedrückt aber trotzdem verändere ich es damit.Ich nehme somit auf alles um mich herum und auf mich selbst Einfluss egal was ich tue bzw nicht tue und sei es auch noch so unbedeutend.
Trotzdem muss ich die Entscheidungen die ich treffe so gestalten das ich damit leben kann und für mich selbst sind sie bestimmt keine Farce.

Oder hast Du den Mut, Dich dagegen aufzulehnen? Zu rebellieren, im Kleinen
oder im Großen?

Wirst Du was bewegen? Oder wirst Du bewegt?

Und nach deiner Meinung ist auch das schon vorherbestimmt da ja alle anderen diese Entscheidung für mich getroffen haben?
Und was heisst schon Rebbelion ich springe damit nur von einer auf die andere Schiene .Ich dagegen Entscheide bei jeder Sache neu ob mir das passt oder nicht und sage was ich denke ,bzw tue das was ich für richtig halte und natürlich wird dein Leben von deiner Umwelt geprägt aber nur bis zu einem bestimmten Punkt und den rest nenne ich leben.

Hups gar keiner da''Vorhang zu''
 
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