Würdet ihr den Knopf drücken?

Benutzer52655 

Sehr bekannt hier
ich denke, dass es deutlich weniger Leute gäbe, die für 10 Millionen einem Fremden in den Kopf schießen würden, als Leute, die für 10 Millionen einen Knopf drücken, und irgendwo auf der Welt stirbt jemand.
Das denke ich zwar auch, aber für mich persönlich macht das keinen Unterschied. Das Ergebnis ist das selbe: Ein Mensch ist tot und ich bin schuld, und zwar nicht durch einen unglücklichen Zufall (Unfall oder was auch immer), sondern weil ich das bewusst und gezielt so entschieden habe.
Damit möchte ich nicht leben, das können auch 10 Milliarden nicht aufwiegen.
 

Benutzer75752 

Verbringt hier viel Zeit
Dürfte ich mir aussuchen wens trifft - direkt!
Wenn nicht allerdings vermutlich auch, bei 6 Milliarden Menschen auf der Welt ist die wahrscheinlichkeit dass es jemanden trifft den ich kenne derartig gering. Vermutlich würde meine Geldgier siegen.
 
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Gast
Many, du machst eine ganze Reihe von abstrusen Denkfehlern.

Auf der einen Seite: 10 Millionen Euro (?), also ein Leben ohne Sorgen. Auf der anderen Seite: einer von 6 Milliarden Menschen stirbt. Sofort. Also eine Chance von über 99%, dass ich diesen Menschen nicht mal ansatzweise kenne (obwohl, wie wir ja wissen, dank Web 2.0 jeder jeden kennt).

Du baust deine Argumentation auf völlig irrelevanten Gesichtspunkten auf.

1. Für die Tatsache, daß ich einen Menschen umgebracht habe, um mir allein einen geldwerten Vorteil zu verschaffen, spielt es absolut keine Rolle, ob auf der Erde nun 6 Mrd. Menschen leben oder nur 82 Mio. Das ist und bleibt in beiden Fällen Mord.

2. Genausowenig spielt es eine Rolle, ob ich die Person, die ich da umgebracht habe, nun kenne oder nicht.

Das heisst: ich drücke diesen Knopf, und an meinem Leben ändert sich nichts, außer, dass ich fürderhin reich und sorgenlos bin. Am Leben der allermeisten anderen Menschen ändert sich auch nichts. Es stirbt irgendwer. Dasselbe passiert auf der Welt dauernd. Jede Sekunde. Und vermutlich meistens auf schlimmere Art und Weise und oft aus unmoralischeren Gründen.

Dein Argument, daß sich am Leben der allermeisten Menschen ja so oder so nichts ändert, ist, sorry für die Ausdrucksweise, total beknackt.

Es spielt keine Rolle, ob wir in einer Gemeinschaft leben, die aus 6 Mrd. Menschen besteht oder nur aus 82 Mio. Mord und ähnlich gelagerte Verbrechen stehen nicht ohne Grund unter Strafe, auch wenn sich am Leben der allermeisten Menschen nichts ändert, wenn so eine Straftat begangen wird.

Nee, also ich höre am besten sofort auf zu schreiben, mir wird grad schlecht, wenn ich solche Gedankengänge hier lese.
 

Benutzer65190 

Verbringt hier viel Zeit
Hm ok der Typ ist selber drauf gegangen (hab ich mir schon gedacht...)
Aber für so viel Geld, puuh... schwierig. Also wenn keiner aus meinem Umfeld dran glauben muss und ich den jenigen nicht sehen muss wie er verreckt.. joa verlockend. Aber richtig vorstellen kann ichs mir nicht, dafür muss so eine Situation erst kommen. Nachher stirbt noch ein Baby, das will ich nicht =(
Ich mach mal nicht mit bei der Umfrage, kann mich nicht entscheiden.
 

Benutzer32843 

Sehr bekannt hier
Ich würde drücken, wenn ich die Person dann selber aussuchen könnte... wenn nicht, würde ich niemals drücken. Meine psychische Gesundheit ist mir dann doch mehr wert als 10 Millionen.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich würde nicht drücken. Weder wenn es eine beliebige Person trifft, noch wenn ich mir die Person aussuchen darf oder wenn ich einige Personen ausschließen darf.

Ich möchte niemals daran schuld sein, dass eine Person stirbt, so lange ich damit nicht mein eigenes Leben oder das Leben einer anderen Person, die mir wichtig ist, rette.
 

Benutzer65590 

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Du baust deine Argumentation auf völlig irrelevanten Gesichtspunkten auf.

1. Für die Tatsache, daß ich einen Menschen umgebracht habe, um mir allein einen geldwerten Vorteil zu verschaffen, spielt es absolut keine Rolle, ob auf der Erde nun 6 Mrd. Menschen leben oder nur 82 Mio. Das ist und bleibt in beiden Fällen Mord.

2. Genausowenig spielt es eine Rolle, ob ich die Person, die ich da umgebracht habe, nun kenne oder nicht.

Dein Argument, daß sich am Leben der allermeisten Menschen ja so oder so nichts ändert, ist, sorry für die Ausdrucksweise, total beknackt.

Es spielt keine Rolle, ob wir in einer Gemeinschaft leben, die aus 6 Mrd. Menschen besteht oder nur aus 82 Mio. Mord und ähnlich gelagerte Verbrechen stehen nicht ohne Grund unter Strafe, auch wenn sich am Leben der allermeisten Menschen nichts ändert, wenn so eine Straftat begangen wird.

Du hast ja vollkommen recht. Das alles spielt rechtlich und moralisch gesehen überhaupt keine Rolle, und das bestreite ich nicht im geringsten. - Wenn dem nicht so wäre, könnte ich ja auch einfach under the bridge gehen, dort einen Obdachlosen abstechen und dann sagen: "WTF, den kennt keiner, den braucht keiner, und wenn ich seine Organe nach China verkaufe, bekomme ich auch noch Geld dafür und kann davon meine Kinder auf die Schule schicken. Also, wo ist das Problem?"

Es ist natürlich vollkommen und diskussionslos klar, dass Mord, so wie er im StGB definiert ist, sich nicht nach dem Ansehen der Person oder der Menge der zur Auswahl stehenden Opfer richtet. Mord ist Mord, klar, und wenn ich halt einen Knopf drücke, um einen Menschen zu töten, anstatt ihn von Angesicht zu Angesicht per Messerstich zu erledigen, so ist das für die Béwertung unwichtig: ich habe ihn für Geld getötet, also ermordet (by the way könnte es übrigens sein, dass durch die Tatsache, dass der Knopfdruck einen zufälligen Menschen töten würde, sich vielleicht der Vorsatz der Tat bestreiten lassen könnte, so dass wir es hier streng rechtlich evtl tatsächlich nicht mit Mord zu tun haben. Aber das klingt wie eine Testfrage aus Strafrecht AT, also Juristten an die Front).
---

Dessen ungeachtet hast du meinen Punkt offenbar nicht verstanden: ohne jeden Bezug zu Recht und Moral könnte die hier diskutierte Tat dennoch von vielen Menschen durchgeführt werden, weil der (in diesem Fall un)gesunde Menschenverstand sagen könnte: na und? - Weil man sich diese Tat einfach leicht als Nicht-Tat vorstellen kann. Man drückt einen Knopf - nichts passiert. Man bekommt das Geld - Sorgen ade. Jemand ist gestorben? - Man merkt nichts davon. Das Leben geht also konsequenzenlos weiter - abgesehen vom gewaltigen Geldsegen.

Was ich also sagen will: diese hypothetische Situation ist als untimativer Charaktertest ausgelegt: das Töten wird anonymisiert und absolut straf- und konsequenzenlos gestaltet, und man wird in enormem Umfang belohnt. Es ist daher vollkommen vorstellbar, dass sehr viele Menschen sich für die Tat entscheiden würden, besonders, wenn sie meinen in meinem ersten Post dargelegten Gedankengang ebenfalls denken würden: ich töte niemanden, den ich kenne, der Akt des Tötens ist ein alltägliches Knopfdrücken.

Die ganze Fallbeschreibung ist also darauf ausgelegt, rechtliche und moralische Bedenken durch die ultimative Einfachheit und Straffreiheit und die hohe Belohnung der Tat zu übertünchen: und unter diesen Bedingungen würden, auch wenn hier viele auf Moral pochen, wohl sehr viele Leute die Tat begehen. Das war und ist mein Punkt.

Off-Topic:
Und nochwas: wir Menschen in der "Ersten Welt" drücken täglich auf viele Knöpfe und nehmen damit auch ohne 10 Millionen indirekt den Tod vieler anderer, unglücklicherer Menschen in Kauf, sozusagen.
 

Benutzer56469  (36)

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dazu brauch ich mir gar keinen film ansehen... :rolleyes: ich könnte es niemals mit meinem gewissen vereinbaren, jemanden umzubringen, NUR damit ich reich bin... was für ein schwachsinn :kopfschue
:jaa: Seh ich genauso. Was tu ich mit 10 Millionen Dollar/Euro wenn dadurch ein Mensch stirbt. Das ist doch Mord. :kopfschue:eek:
 

Benutzer9517  (31)

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Um noch mal einen weiteren Gedanken in die Diskussion einfliessen zu lassen (bedeutet also nicht notwendigerweise, dass ich die folgende Argumentation unterstuetze):
Man koennte die 10 Millionen auch dazu nutzen, einige Menschenleben zu retten. So wuerde man doch den Tod eines Menschen mehrfach wieder aufwiegen. In dem Fall muesste die Entscheidung, das Geld zu nehmen, doch gerechtfertigt sein, oder?

Dann könnte man fragen:

Würdet Ihr euer Leben opfern, wenn 10 Millionen einem guten Zweck zukommen?

Das Leben eines anonymen Unbekannten zu opfern ist ja nicht grad vornehm...
 
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Gast
Du hast ja vollkommen recht. Das alles spielt rechtlich und moralisch gesehen überhaupt keine Rolle, und das bestreite ich nicht im geringsten. - Wenn dem nicht so wäre, könnte ich ja auch einfach under the bridge gehen, dort einen Obdachlosen abstechen und dann sagen: "WTF, den kennt keiner, den braucht keiner, und wenn ich seine Organe nach China verkaufe, bekomme ich auch noch Geld dafür und kann davon meine Kinder auf die Schule schicken. Also, wo ist das Problem?"

Es ist natürlich vollkommen und diskussionslos klar, dass Mord, so wie er im StGB definiert ist, sich nicht nach dem Ansehen der Person oder der Menge der zur Auswahl stehenden Opfer richtet. Mord ist Mord, klar, und wenn ich halt einen Knopf drücke, um einen Menschen zu töten, anstatt ihn von Angesicht zu Angesicht per Messerstich zu erledigen, so ist das für die Béwertung unwichtig: ich habe ihn für Geld getötet, also ermordet (by the way könnte es übrigens sein, dass durch die Tatsache, dass der Knopfdruck einen zufälligen Menschen töten würde, sich vielleicht der Vorsatz der Tat bestreiten lassen könnte, so dass wir es hier streng rechtlich evtl tatsächlich nicht mit Mord zu tun haben. Aber das klingt wie eine Testfrage aus Strafrecht AT, also Juristten an die Front).
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Ok, dann sind wir uns dahingehend doch einig.

Dessen ungeachtet hast du meinen Punkt offenbar nicht verstanden: ohne jeden Bezug zu Recht und Moral könnte die hier diskutierte Tat dennoch von vielen Menschen durchgeführt werden, weil der (in diesem Fall un)gesunde Menschenverstand sagen könnte: na und? - Weil man sich diese Tat einfach leicht als Nicht-Tat vorstellen kann. Man drückt einen Knopf - nichts passiert. Man bekommt das Geld - Sorgen ade. Jemand ist gestorben? - Man merkt nichts davon. Das Leben geht also konsequenzenlos weiter - abgesehen vom gewaltigen Geldsegen.

Was ich also sagen will: diese hypothetische Situation ist als untimativer Charaktertest ausgelegt: das Töten wird anonymisiert und absolut straf- und konsequenzenlos gestaltet, und man wird in enormem Umfang belohnt. Es ist daher vollkommen vorstellbar, dass sehr viele Menschen sich für die Tat entscheiden würden, besonders, wenn sie meinen in meinem ersten Post dargelegten Gedankengang ebenfalls denken würden: ich töte niemanden, den ich kenne, der Akt des Tötens ist ein alltägliches Knopfdrücken.

Die ganze Fallbeschreibung ist also darauf ausgelegt, rechtliche und moralische Bedenken durch die ultimative Einfachheit und Straffreiheit und die hohe Belohnung der Tat zu übertünchen: und unter diesen Bedingungen würden, auch wenn hier viele auf Moral pochen, wohl sehr viele Leute die Tat begehen. Das war und ist mein Punkt.

Off-Topic:
Und nochwas: wir Menschen in der "Ersten Welt" drücken täglich auf viele Knöpfe und nehmen damit auch ohne 10 Millionen indirekt den Tod vieler anderer, unglücklicherer Menschen in Kauf, sozusagen.

Ich verstehe schon, worauf du hinauswillst. Allerdings widerspreche ich deiner Aussage in deinem ersten Beitrag, daß es einer sonderlich gefestigten Moral bedarf, um in dieser Situation zur Besinnung zu kommen und den Knopf nicht zu drücken.

Man muß nur ein bißchen seinen Kopf einschalten und den Willen zeigen, nicht auf einer rein primitiv-instinktiven Ebene zu denken. Das bewirkt nämlich, daß das Drücken des Knopfes eben nicht als "konsequenzenlos" erscheint, das lediglich Reichtum bewirkt und sonst "merkt man nichts". Man hätte immer noch einen Menschen umgebracht.

Und was deinen letzten OT-Punkt angeht:
Hier muß ich dir widersprechen. Sicher mag unsere Lebensweise hier den Tod anderer Menschen mitverursachen (Stichwort: Biokraftstoffe hier, Hunger dort), allerdings erfolgt das mittelbar und hat außerdem vielschichtige Ursachen, die für sich allein genommen noch keinen zwingenden Tod verursachen. Völlig anders ist die Lage aber bei dem Knopf. Hier ist die Ursache des Todes eines Menschen einzig und allein auf das Drücken des Knopfes zurückzuführen - direkt und unmittelbar. Insofern hinkt dein Vergleich gewaltig.
 

Benutzer65590 

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Ich verstehe schon, worauf du hinauswillst. Allerdings widerspreche ich deiner Aussage in deinem ersten Beitrag, daß es einer sonderlich gefestigten Moral bedarf, um in dieser Situation zur Besinnung zu kommen und den Knopf nicht zu drücken.

Man muß nur ein bißchen seinen Kopf einschalten und den Willen zeigen, nicht auf einer rein primitiv-instinktiven Ebene zu denken. Das bewirkt nämlich, daß das Drücken des Knopfes eben nicht als "konsequenzenlos" erscheint, das lediglich Reichtum bewirkt und sonst "merkt man nichts". Man hätte immer noch einen Menschen umgebracht.

Und was deinen letzten OT-Punkt angeht:
Hier muß ich dir widersprechen. Sicher mag unsere Lebensweise hier den Tod anderer Menschen mitverursachen (Stichwort: Biokraftstoffe hier, Hunger dort), allerdings erfolgt das mittelbar und hat außerdem vielschichtige Ursachen, die für sich allein genommen noch keinen zwingenden Tod verursachen. Völlig anders ist die Lage aber bei dem Knopf. Hier ist die Ursache des Todes eines Menschen einzig und allein auf das Drücken des Knopfes zurückzuführen - direkt und unmittelbar. Insofern hinkt dein Vergleich gewaltig.

Zum ersten Punkt: das glaube ich nicht. Ich bin der Meinung, dass es vielen Menschen sehr leicht fallen würde, den Knopf zu drücken, weil entweder a) sie die Konsequenzen nicht richtig einschätzen könnten - es passiert ja nichts - oder b) es ihnen egal sein könnte - was passiert denn schon groß?

Mein OT-Punkt sollte auf folgendes hinweisen: sicher ist es ein Unterschied, einen Menschen aktiv durch Knopfdruck aus Bereicherungsgründen zu töten, oder durch seine allgemeine Lebensweise ohne individuelle Schuld an einem System zu partizipieren, welches Leid und Tod von weniger privilegierten Menschen en masse in kauf nimmt, mehr noch, darauf aufbaut.
Das Ergebnis und die damit in Zusammenhang stehenden Denkmuster sind aber vergleichbar. Vor allem in der Beziehung: für unseren Lebensstandard muss ein Großteil der Weltbevölkerung leiden. Die meisten Menschen finden das schlecht. Aber: arbeiten wir aktiv daran, dies zu ändern? Nein, du nicht, ich nicht. Warum? Weil "ja nichts passiert". Wir merken nichts von dem Leid, das wir verursachen.
Natürlich muss man auch hier noch einschränkend erwähnen: im Gegenstaz zum Knopf-Fall würde sich nicht direkt etwas ändern, wenn wir hier unsere individuelle, eigene Handlung verändern würden, sondern nur, wenn sich das ganze System änderte, was natürlich unrealistisch ist. Zu dem "es passiert ja nichts" kommt also noch das gute alte "ich kann doch eh nix dran ändern".
Allerdings weist dieser Sachverhalt darauf hin, dass wir alle, Moral hin oder her, den Tod uns unbekannter Menschen durchaus gewinnhabend in Kauf nehmen. Ist der Schritt zur direkten, aber abstrakten Tötung von unbekannten Menschen bei noch größerer, direkter Belohnung da so fern? Ich denke nicht.
 

Benutzer84435 

Meistens hier zu finden
Das wäre ganz klar Mord - aus Habgier. Dafür sollte jeder Mörder lebenslänglich bekommen.

Ganz klar nein!
 

Benutzer9517  (31)

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Das wäre ganz klar Mord - aus Habgier. Dafür sollte jeder Mörder lebenslänglich bekommen.

Ganz klar nein!

Sas sehe ich genau so.

Aber die Umfrage bewegt sich eben im luftleeren Raum: Leistung und Gegenleistung würden 1. funktionieren, und die Tat würde 2. straffrei bleiben.
Stellt sich nur die Frage, warum denn das gute Gewissen nicht auch grad inbegriffen ist.
 

Benutzer84435 

Meistens hier zu finden
Es bleibt trotzdem ein Mord aus Habgier. Und ich könnte mir nicht mehr in die Augen sehen, wenn ich wüsste, dass ich einen Menschen vorsätzlich umgebracht habe.
 
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Zum ersten Punkt: das glaube ich nicht. Ich bin der Meinung, dass es vielen Menschen sehr leicht fallen würde, den Knopf zu drücken, weil entweder a) sie die Konsequenzen nicht richtig einschätzen könnten - es passiert ja nichts - oder b) es ihnen egal sein könnte - was passiert denn schon groß?

Sorry, aber genau das finde ich ja so schrecklich.

Um a) die Konsequenzen richtig einschätzen zu können und b) zu wissen, was dabei passiert, braucht man über keine gefestigte Moral verfügen, sondern muß nur kurz den Kopf einschalten. Das kann doch nicht so schwer sein!

Dabei käme simplerweise heraus, daß man a) als Konsequenz einen Menschen umbringt und daß dabei b) ein Mensch zu Tode kommt.

Es braucht doch keinerlei geistiger Verrenkungen, um genau das zu erkennen und zwingend zu dem Schluß zu führen, daß man den Knopf eben nicht drückt. Viel schlimmer als die völlig Kopflosen finde ich ja noch die Leute hier, die gar nicht so gedankenlos sind, sondern ganz bewußt und ernsthaft eine Abwägung vornehmen und sagen, daß sie den Knopf drücken würden, sofern dabei ein verhaßter Mensch ums Leben kommt.

Off-Topic:
Mein OT-Punkt sollte auf folgendes hinweisen: sicher ist es ein Unterschied, einen Menschen aktiv durch Knopfdruck aus Bereicherungsgründen zu töten, oder durch seine allgemeine Lebensweise ohne individuelle Schuld an einem System zu partizipieren, welches Leid und Tod von weniger privilegierten Menschen en masse in kauf nimmt, mehr noch, darauf aufbaut.
Das Ergebnis und die damit in Zusammenhang stehenden Denkmuster sind aber vergleichbar. Vor allem in der Beziehung: für unseren Lebensstandard muss ein Großteil der Weltbevölkerung leiden. Die meisten Menschen finden das schlecht. Aber: arbeiten wir aktiv daran, dies zu ändern? Nein, du nicht, ich nicht. Warum? Weil "ja nichts passiert". Wir merken nichts von dem Leid, das wir verursachen.
Natürlich muss man auch hier noch einschränkend erwähnen: im Gegenstaz zum Knopf-Fall würde sich nicht direkt etwas ändern, wenn wir hier unsere individuelle, eigene Handlung verändern würden, sondern nur, wenn sich das ganze System änderte, was natürlich unrealistisch ist. Zu dem "es passiert ja nichts" kommt also noch das gute alte "ich kann doch eh nix dran ändern".
Allerdings weist dieser Sachverhalt darauf hin, dass wir alle, Moral hin oder her, den Tod uns unbekannter Menschen durchaus gewinnhabend in Kauf nehmen. Ist der Schritt zur direkten, aber abstrakten Tötung von unbekannten Menschen bei noch größerer, direkter Belohnung da so fern? Ich denke nicht.

Oh doch, der Schritt ist gewaltig, eben aus den von mir genannten Gründen. Das Problem ist zudem auch einfach, daß gar nicht klar ist, wie wir konkret unser Leben verändern müßten, daß es nicht zum Tod anderer Menschen kommt, eben weil es hier keine unmittelbaren, zwingenden Ursachen gibt. Beim Knopfbeispiel ist das aber gerade nicht so, da ist klar, was, wieso und weshalb zum Tode eines Menschen führt.

Demzufolge nehmen wir mit unserer Lebensweise auch nicht einfach so den Tod anderer Menschen in Kauf. Das ginge nur, wenn wir die Wahl zwischen konkreten, verschiedenen Verhaltensweisen hätten, die im einen Fall zum Tode von Menschen führen und im anderen Fall nicht. Wenn wir uns dann hier für den ersten Fall entscheiden würden, dann wäre das eine Inkaufnahme des Todes fremder Menschen. Hier in der Realität ist das aber nicht so, da wir keine alternative Lebensweise zur Auswahl haben. Wir wissen ja einfach nicht, was wir genau falsch machen.

Insofern bleibe ich dabei, daß dein Beispiel kein geeignetes Analogon ist.
 
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Viel schlimmer als die völlig Kopflosen finde ich ja noch die Leute hier, die gar nicht so gedankenlos sind, sondern ganz bewußt und ernsthaft eine Abwägung vornehmen und sagen, daß sie den Knopf drücken würden, sofern dabei ein verhaßter Mensch ums Leben kommt.

Ja, das finde ich sogar richtig pervers.
 

Benutzer65590 

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Sorry, aber genau das finde ich ja so schrecklich.

Um a) die Konsequenzen richtig einschätzen zu können und b) zu wissen, was dabei passiert, braucht man über keine gefestigte Moral verfügen, sondern muß nur kurz den Kopf einschalten. Das kann doch nicht so schwer sein!

Dabei käme simplerweise heraus, daß man a) als Konsequenz einen Menschen umbringt und daß dabei b) ein Mensch zu Tode kommt.

Es braucht doch keinerlei geistiger Verrenkungen, um genau das zu erkennen und zwingend zu dem Schluß zu führen, daß man den Knopf eben nicht drückt. Viel schlimmer als die völlig Kopflosen finde ich ja noch die Leute hier, die gar nicht so gedankenlos sind, sondern ganz bewußt und ernsthaft eine Abwägung vornehmen und sagen, daß sie den Knopf drücken würden, sofern dabei ein verhaßter Mensch ums Leben kommt.

Off-Topic:


Oh doch, der Schritt ist gewaltig, eben aus den von mir genannten Gründen. Das Problem ist zudem auch einfach, daß gar nicht klar ist, wie wir konkret unser Leben verändern müßten, daß es nicht zum Tod anderer Menschen kommt, eben weil es hier keine unmittelbaren, zwingenden Ursachen gibt. Beim Knopfbeispiel ist das aber gerade nicht so, da ist klar, was, wieso und weshalb zum Tode eines Menschen führt.

Demzufolge nehmen wir mit unserer Lebensweise auch nicht einfach so den Tod anderer Menschen in Kauf. Das ginge nur, wenn wir die Wahl zwischen konkreten, verschiedenen Verhaltensweisen hätten, die im einen Fall zum Tode von Menschen führen und im anderen Fall nicht. Wenn wir uns dann hier für den ersten Fall entscheiden würden, dann wäre das eine Inkaufnahme des Todes fremder Menschen. Hier in der Realität ist das aber nicht so, da wir keine alternative Lebensweise zur Auswahl haben. Wir wissen ja einfach nicht, was wir genau falsch machen.

Insofern bleibe ich dabei, daß dein Beispiel kein geeignetes Analogon ist.


Zum ersten Punkt: Klar, aber vielleicht kommt man einfach durch kurzes Nachdenken zum Schluss: dann stirbt halt einer. Who cares? Daher die gefestigte Moral.
Denn meiner Meinung nach ist die Verlockung doch sehr groß, durch einen einfachen Knopfdruck Multimillinär zu werden, wenn die fatalen Konsequenzen für das Leben eines Menschen, die damit verbunden wären, so leicht zu ignorieren sind. Denn man sieht es nicht, man merkt es nicht, man wird nie davon erfahren. Es passiert nichts. - Natürlich passiert etwas, aber das kann einem angesicht des eigenen neuerworbenen Glückes doch herzlich egal sein!
Du darfst nicht davon ausgehen, dass alle Menschen durch Nachdenken zu dem Schluss kommen, dass Töten immer schlecht ist. Und, wie gesagt, im vorliegenden Fall wird es einem sehr, sehr leicht gemacht, das Töten nichtmal als solches wahrzunehmen. Ich bleibe dabei: wenn 5 von 10 Probanden auf den Knopf drücken würden - es würden nur 2 von 10 mitmachen, wenn man von ihnen verlangen würde, nicht auf einen Knopf zu drücken, sondern jemanden zu erstechen.

Zum OT-Beispiel: Auch hier versteifst du dich zu sehr auf den Punkt der Handlungsalternativen. Mein Punkt war der: in beiden Fällen geht es um Dinge, die keine spürbare negative Auswirkung haben, und daher für viele Menschen vernachlässigbar sind. Letztendlich ist der Tod eines unbekannten Menschen irgendwo auf der Welt viel weniger schlimm als der Tod des geliebten Kaninchens im Wohnzimmer.

Allgemein finde ich, das hohe Maß an Empörung, Abwehr und Entsetzen, welches dieses Gedankenspiel hier hervorruft, ist schon ein guter Indikator dafür, dass viele sich bei dem Gedanken ertappt haben, dass sie sich eine derartige Handlung vielleicht eben doch vorstellen könnten. Denn, ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass der überwiegende Teil der Menschheit so moralisch integer wäre, dass er ein solches Angebot ablehnen würde.
 
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