Vorstellung vom Arbeitsleben...

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Gut, ich hatte es nun schon ein paar Mal, dass Mitarbeiter sich anderweitig orientieren und nach einer gewissen Zeit feststellen, dass auch andere nur mit Wasser kochen - und sich zurück bewerben. In den meisten Fällen erkennt man da aber sowas wie Überlegungen, Abwägungen und ähnliches. Ist ja positiv, wenn sich gute Leute dann doch wieder einfinden, ich habe dann kein Problem, die wieder einzustellen. Manche Erfahrungen muss man halt erst machen, bevor man weiß, was man wirklich will.

Allerdings: Heute hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art. Eine Mitarbeiterin, 19 Jahre, hatte zum 31.1.15 gekündigt. Gestern war der 3.2.15 und ich bekam einen Anruf von ihr, ob sie zurück kommen könnte. Geheult am Telefon wie ein Schlosshund, verzweifelt, regelrecht bettelnd. Heute hatte ich dann ein persönliches Gespräch mit ihr: das hatten sie sich so nicht vorgestellt, ist direkt mit der neuen Chefin aneinander geraten, keine Einarbeitung, das Team ist neu... Auf meine Frage, was denn aus dem Grund für ihre Kündigung bei mir geworden ist - öffentliche Verkehrsmittel schlecht, Probleme mit den Wochenenddiensten - antwortete sie, dass sie damit kein Problem mehr habe - fährt sie halt mit dem Fahrrad die 8 km.

Also mal ehrlich - ich raffe das irgendwie nicht. Junge Menschen müssen Reife entwickeln, schon klar. Aber nach drei (!!!) Tagen direkt wieder aufgeben und zurück wollen? Kann man nicht auch von jungen Erwachsenen erwarten, dass die solche Entscheidungen vorher durchdenken? Wie seht Ihr sowas? Hat die einfach nur etwas Pech gehabt oder ist diese Springerei bei existenziellen Dingen doch irgendwie normal geworden?

Ich weiß ehrlich noch gar nicht, was ich jetzt mit dem Mädel machen soll. Einerseits tut die mir irgendwo leid und ihre Arbeitsleistung spricht für eine Wiedereinstellung. Andererseits: Die Suppe hat sie sich selbst eingebrockt, warum sollen andere beim auslöffeln helfen? Da fühlt sich der Arbeitgeber wie eine Nutte - geritten, eine andere probiert und dann doch festgestellt, dass die erste gar nicht so schlecht war...
 

Benutzer136760 

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Kann ich auch nicht nachvollziehen und würde ich nie machen. Ist mir auch noch nicht untergekommen.

Aber da ich deine Branche aus anderen Diskussionen rausgelesen habe: stell sie wieder ein. Gutes Personal ist in dem Bereich schwer zu finden und vielleicht hat sie ja aus der Erfahrung was gelernt.
 

Benutzer58449  (31)

Planet-Liebe ist Startseite
Kann man nicht auch von jungen Erwachsenen erwarten, dass die solche Entscheidungen vorher durchdenken? Wie seht Ihr sowas? Hat die einfach nur etwas Pech gehabt oder ist diese Springerei bei existenziellen Dingen doch irgendwie normal geworden?

Ich weiß ehrlich noch gar nicht, was ich jetzt mit dem Mädel machen soll. Einerseits tut die mir irgendwo leid und ihre Arbeitsleistung spricht für eine Wiedereinstellung. Andererseits: Die Suppe hat sie sich selbst eingebrockt, warum sollen andere beim auslöffeln helfen?

Ich stimme dir da auf der einen Seite voll und ganz zu.
In meinem Job passt mir auch nicht alles. Ich arbeite auch ungerne an Weihnachten und allen anderen Feiertagen, an Wochenenden und mache ungerne mal eine Spätschicht aber:

Ich muss ja irgendwo mein Auto, einen Teil der Miete und mein anderes Zeug finanzieren. Wenn da gerade nichts besseres, total sicheres auf dem Markt ist und die Umstände nicht unzumutbar sind, dann behalte ich meinen Job.
Thats Life.

Auf der anderen Seite bist du nicht ihre Mutti. Ich würde das Geschäftliche sehen wollen und solange der Laden läuft bzw. sie ihre Arbeit macht für die du sie bezahlst, wäre es mir egal auf welchem Reifestand sie ist.
Wobei, du könntest ja anmerken das du dieses Abklatschen mit Arbeitsplätzen nur einmal mitmachst.
 
S

Benutzer

Gast
Sie ist 19 Jahre, was erwartest du denn? Wo soll der Realismus denn herkommen? Ich glaube nicht, dass sie vor Dir schon anderen Unternehmen durch getestet hat. Ich würde sie wieder einstellen mit der max. Probezeit - bewähren soll sie sich nun.
 

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Es wäre der dritte Anlauf. September 2013 bis August 2014 Schülerin, dann Unterbrechung, dann von November 2014 bis Januar 2015 Hilfskraft. Okay, aller guten Dinge sind ja auch drei...

Sie ist 19 Jahre, was erwartest du denn? Wo soll der Realismus denn herkommen?
Keine Ahnung. Aber mit 19 derart naiv durchs Leben stolpern?
 

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Und wenn es ein 4. Mal vorkommt?
Du bist schon sehr großmütig...ich kenne nicht viele Arbeitgeber bei denen man ein 3. Mal angekrochen kommen darf ^^
Das ist eben die spannende Frage für mich: Hilft man denen damit, eine weitere Chance zu geben?

Meine Wahrnehmung über die letzten Jahre zeigt mir, dass es immer häufiger vorkommt, dass die geistige Reife immer später entwickelt wird. Da sind 22-jährige Männer, die sich für einen Job in der Küche bewerben, aber dann feststellen müssen, dass es doch nicht so hilfreich war, dass Mama gestern noch das Brot für "den Jungen" geschmiert hat. Da leistet man immer mehr Erziehungsarbeit, wo die längst erledigt sein sollte.

Aber wenn da immer wieder Hilfestellungen gegeben werden - wie lernt man mit Problemen klar zu kommen? Tut man solchen Leuten damit einen Gefallen?

Ach keine Ahnung... :frown:
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Keine Ahnung. Aber mit 19 derart naiv durchs Leben stolpern?

Klar. Schon meiner Generation wurde beigebracht, wie besonders und toll wir sind, und dass wir uns bloß nichts gefallen lassen sollen. Das wurde nicht besser, was ich so sehe.
Ich nehme mich da gar nicht aus, ich wollte (und will :whistle:) die eierlegende Wollmilchsau, bitte, beim Job.

Manchmal muss eben Dinge tun, die man nicht so gerne tut, oder die NICHT immer Spaß machen, oder für die man überqualifiziert ist ... aber wenn ich dann um mich rum zu einen höre, wie schön es in einer idealen Welt wäre, und zum andern die, die die unmöglichsten Bedingungen mitmachen, weil sie glauben keine Wahl zu haben, frage ich mich schon wo der gesunde Mittelweg ist.
Und ob meine Generation (und die drunter) einfach wirklich nicht mehr so belastbar sind, aus welchen Gründen auch immer... ich hab noch keine logische Erklärung gefunden.

Aber meine Wollmilchsau, die hab ich, samt Eiern... und ich warte drauf, dass die Realität mich mit Knüppeln einholt.

Kurz, ob es wirklich naiv ist... wer weiß, aber was ich so um mich herum kenne, ist es die Regel.
 

Benutzer107106 

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Redakteur
Wenn sie ihre Arbeit gut gemacht würde ich sie wieder einstellen, aber ihr klar machen, dass es jetzt keine Extras mehr gibt. 6 Monate Probezeit mit Urlaubssperre, damit sie merkt, dass es dir ernst ist. Wenn ihr das nicht genehm ist, nimm sie nicht wieder, dann scheint es ihr nicht ernst genug gewesen zu sein.
 
S

Benutzer

Gast
Biete ihr doch einen Lehrplatz an. Natürlich mit der Bedingung das auch zu meistern. Sicherlich hast du den Nachteil, weil du den Lehrling nicht ruckizucki wieder los wirst. Ich denke der Dame fehlt die Beständigkeit und die Sicht in die Zukunft.

Lehrlinge sind so oder so, so ein Thema für sich. Das was du bei dir noch für Selbstverständlich ansiehst, darfst du nicht auf heutigen Maßstab münzen. Das klappt nicht.

Das was dir die Schule ausspuckt ist entweder unbrauchbar oder durch Eltern nicht ansatzweise erzogen, in Reife und Verhalten. Ausnahmen gibt es sicherlich, qualitativ aber nicht die Regel. Entweder man tut sich den Strass an und geht den Kompromiss ein einen Roh-Diamand zu haben und ihn zu schleifen oder man lässt es bleiben und sich entsprechend lange nach fähigem Personal. Auch das gibt es heute nicht mehr um die Ecke...
 

Benutzer13901  (45)

Grillkünstler
Firebird Firebird ganz ehrlich wennihre Arbeitsleistung und EInstellung bei dir passt würde ich sie zurück nehmen da ich denke das sie es mit einer guten Einstellung danken wird. Zumindest wenn keine betriebswirtschaftlichen Erwägungen dagegen sprechen. Was die Bealstabrkeit von jungen Arbeitnehmern oder Praktikanten etc heute angeht schreibe ich lieber nichts denn was ich da in letzter zeit erlebt habe ist für mich unverständlich. Und ja Naivität scheint in der Generation um die 16-22 derzeit ein großes Problem zu sein
 

Benutzer72433 

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ich musste schon bei dem threadtitel lachen als ich ihn grade gesehen habe - jap, so siehts aus. die kids kommen aus der schule (oder als jugendliche aus dem studium) und dann... fuck, das arbeitsleben, böse, unbarmherzig, hart... miese realität. ups, auf einmal im leben angekommen... wäre man doch wieder in der schule (oder in dem studium) über die/das man vor nem jahr noch so geschimpft hat.

ich find LULU1234 LULU1234 's vorschlag gut. wiedereinstellung, ok (da du sagst sie hat gute arbeit geleistet), aber erstmal unter verschärften bedingungen.

Das ist eben die spannende Frage für mich: Hilft man denen damit, eine weitere Chance zu geben?
ich meine: ja. sie hat die erfahrung gemacht, nenn ihr halt nen einstiegstermin in - keine ahnung, nem monat - soll sie ruhig noch nen bisschen die suppe auslöffeln und draus lernen. aber: du schadest dir nicht und hilfst ihr. zudem sind arbeitnehmer die dem chef irgendwie dankbar sind eben doch die besseren als die, die den chef eigentlich hassen... :zwinker:
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
Redakteur
Keine Ahnung. Aber mit 19 derart naiv durchs Leben stolpern?
In dem Alter sind viele noch nicht gefestigt. Ich bekomme ganz häufig mit, dass so zwischen 18 und 22 regelrecht ne richtige Krisenphase/Findungsphase stattfindet.

Das ist eben die spannende Frage für mich: Hilft man denen damit, eine weitere Chance zu geben?

Ja, auf jeden Fall. Was spricht wirklich ernsthaft dagegen, wenn die Leistung stimmt? Kannst ja schauen, welche Bedingungen Du stellst.

Da leistet man immer mehr Erziehungsarbeit, wo die längst erledigt sein sollte.

Aber wenn da immer wieder Hilfestellungen gegeben werden - wie lernt man mit Problemen klar zu kommen? Tut man solchen Leuten damit einen Gefallen?

Ja, leider ist das so.
Manche brauchen eben noch viel Hilfe in dem Alter. Nicht jeder ist mit 18 "erwachsen" und komplett eigenständig und in der Lage, sein Leben in allen Belangen selbst zu regeln. Ist halt alles etwas nach hinten gerutscht.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Nein, ich würde sie nicht nehmen. Egal wie gut sie in ihrem Job ist. Wer nach DREI TAGEN aufgibt, der hat m.E. ein ernsthaftes Problem....und das wirst Du auch wieder - früher oder später - zu spüren bekommen.

Evtl. ja ein klassischer Rückschaufehler, aber ich teile deine Wahrnehmung, dass mit der gegenwärtigen Generation im jungen Erwachsenenalter irgendwas seltsam ist, woran aber natürlich in erster Linie die Eltern "Schuld" sind.

Kleines Beispiel: Mein Neffe ist für das Studium (1. Semester) in eine andere Stadt gezogen. Seine Wohnsituation ist nicht so prall.....und das führt dazu, dass meine Schwester (also seine Mutter) jeden Abend im Netz unterwegs ist und für ihn eine Wohnung sucht. Hallo? Wir waren damals in einer ähnlichen Situation, aber unsere Mutter wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, für uns eine Wohnung zu suchen. Sie war zwar immer mit Rat und Tat zur Stelle, aber zunächst mussten wir schon selber "ran". Ich frage mich echt, was aus so einer gepamperten Generation werden soll.....Ansprüche bis zum Abwinken, aber nicht wirklich was dafür tun wollen. Wobei: Im Bulimie-Lernen sind sie echt gut...
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Nein, ich würde sie nicht nehmen. Egal wie gut sie in ihrem Job ist. Wer nach DREI TAGEN aufgibt, der hat m.E. ein ernsthaftes Problem....und das wirst Du auch wieder - früher oder später - zu spüren bekommen.
das würde ich nen bisschen anders sehen - es ist auch was gutes wenn jemand schnell und sicher erkennt, dass er einen fehler gemacht hat, diesen bereut und das auch zugeben kann. gut, heulen am telefon... da neige ich dazu, berechnung zu unterstellen, das wäre ein klarer minuspunkt. da ich das gespräch aber nicht geführt habe kann ich das nicht beurteilen, Firebird Firebird wird sicherlich genug erfahrung in solchen dingen haben um sich selber ein urteil zu bilden.
ich bleibe aber dabei: fehler zu erkennen, dazu zu stehen und diese zuzugeben - auch das ist eine mittlerweile seltene fähigkeit, nicht nur in der altersklasse. grade dass sie es so schnell erkannt hat und nicht erstmal noch nen halbes jahr rumtrotzt.

unter aufgeben verstehe ich einfach etwas völlig anderes, wenn etwas chancen hätte, es einem aber zu unbequem oder nicht sicher genug ist - sie hat ja nur eingesehen, dass sie einen fehler gemacht hat.
 

Benutzer120063 

Planet-Liebe Berühmtheit
Zum Thema Wiedereinstellung ja/nein wurde ja hier schon alles gesagt - ich möchte mal anmerken, dass sie sich vielleicht auch deshalb schnell wieder meldet, weil sie hofft, so einer noch eine Chance bei dir zu haben. Dass die Tür zu ist, ist nach vier Monaten ja wahrscheinlicher als nach drei Tagen.

Ich hoffe ja, dass ich nie in so eine Situation komme - aber wenn ich den Arbeitgeber wechseln sollte und dann merken würde, dass es beim neuen furchtbar ist würde ich mir auch möglichst schnell überlegen, ob ich bein meinem alten Arbeitgeber noch eine Chance habe.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
das sind mitunter Gründe weshalb ich imemr so am Zedern bin mir was neues zu suchen weil ich nicht weiß ob ich vom regen in die Traufe komme.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich hatte bisher immer relativ viel Glück, sowohl was meinen eigenen Einstieg ins Arbeitsleben anging (wobei... hmm... ich war gerade am Anfang eigentlich auch nur ein besserer Sachbearbeiter mit Programmierkenntnissen) und auch alle jungen Kollegen die ich hatte waren recht weit. Die einzige Ausnahme die mir einfällt war ein Typ der gerade frisch sein Informatikstudium abgeschlossen hatte und der echt schon das Klischee des jungen "ich weiß alles besser, ich hab studiert"-Typen abgab. Der durchlebte seine 3-4 Abteilungen bei uns, bevor er die Firma dann komplett verlassen hat.

Was den Fall von Firebird Firebird angeht: Wenn sie gute Arbeit leistet, dann würde ich ihr wohl auch noch die dritte Chance geben und wenn es nur deshalb ist, damit man nicht selbst jemand neues suchen und einarbeiten muss.
 
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