Volles Geld zurück bei kaputtem Computer?

Benutzer7857  (34)

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Hallo!

Wenn man schon fast 2 Jahre einen Computer hat, er aber noch in der Garantiezeit ist und er 3mal versucht wurde vom Montuer der Firma zu reparieren und der dann immer noch kaputt ist, kann man dann sein ganzes Geld zurückfordern oder wird einem eine "Nutzungspauschale" abgezogen?


Danke
 

Benutzer9364 

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Wenn die versuchen eine Nutzungspauschale zu verlangen, kannst du argumentieren, dass der Rechner aufgrund des Mangels nicht die zugesicherten oder handelsüblichen Funktionen erfüllt hat, womit er für dich unbrauchbar war. Somit konntest du ihn für deine Arbeit nicht nutzen und die können dir keine Nutzungspauschale (Wertminderung, Abnutzung, Leasing) in Rechnung stellen.
 

Benutzer211 

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ich hab jura studiert und kann dir folgendes sicher sagen: du bekommst dein geld zurück, wenn du möchtest.

nach dem neuen schuldrecht läuft das so: bei einem mangel hat der verkäufer das recht, zwischen verschiedenen maßnahmen zu wählen: naclieferung und nachbesserung. üblicherweise nimmt der verkäufer, wie ja auch in deinem fall, eine nachbesserung, also nen reparaturversuch, vor. scheitert die nachbesserung dreimal, wird der mangel also nicht beseitigt, kannst du vom kaufvertrag zurücktreten.

richtig ist auch, wie bereits gesagt wurde, daß der verkäufer versuchen kann, dir eine nutzungspauschale aufzudrücken. die momentane rechtsprechung machts dir allerdings in zweierlei hinsicht einfach: zum einen liegt die beweislast beim verkäufer. das heisst, der verkäufer muß dir nachweisen können, dass der PC auch mit dem mangel noch voll betriebsfähig war. glücklicherweise gibts aber den sog. "weiterfressenden mangel". demnach sind auch solche sachen als ganzes schadhaft, wenn nur sie nur teilweise funktionieren.

du kannst dich also ruhig auf die hinterbeine stellen. viel glück!
 

Benutzer1680  (40)

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Na so einfach würde ich das nicht sehen. Wenn die 3 mal immer was anderes kaputt gegangen ist können sie es ja noch weiter versuchen.
Und außerdem muß der Mängel ja schon beim Kauf verhanden gewesen sein und nicht erst nach 18 Monaten passiert sein. Glaub da mal kaum das man da sein volles Geld zurückbekommt. Wenn das so einfach wäre würden das ja viele machen und sich dann nen neuen PC kaufen.
 

Benutzer2610 

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@Ben21: Gilt die Beweislastumkehr nicht nur in den ersten 6 Monaten?
 

Benutzer211 

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Kirby schrieb:
@Ben21: Gilt die Beweislastumkehr nicht nur in den ersten 6 Monaten?

wär mir neu. aber nagel mich nicht drauf fest...bin strafrechtler :smile:

@mhel: das stimmt natürlich. bin jetzt aber davon ausgegangen, daß dreimal vergeblich versucht wurde, ein und denselben schaden zu beheben. der schaden muß aber nicht bei übergang der sache vorhanden gewesen sein. sonst wär die rechtsnorm ja hinfällig. wichtig ist , wie ich ja geschrieben hatte, daß der verkäufer zunächst nachbessern darf, und wenn er's beim dritten mal (wie du richtigerweise gesagt hattest) nicht schafft, einen bestimmten schaden zu beheben, kann vom KV zurückgetreten werden. hinsichtlich der nutzungsvorteile ist dann aber natürlich entscheidend, wann man das erste mal um nachbesserung gebeten hat.
 

Benutzer1680  (40)

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Dann stellt sich aber noch die Frage was kaputt ist. Lüfter, CD Laufwerke, Festplatten ... könnt man alles als Verschleißteile ansehen
 

Benutzer2610 

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Ben21 schrieb:
wär mir neu. aber nagel mich nicht drauf fest...bin strafrechtler :smile:

Tue ich aber dennoch :zwinker:

§434 BGB: Sachmangel schrieb:
(1) Die Sache ist frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat.

§438 BGB: Verjährung der Mängelansprüche schrieb:
BGB § 438 Verjährung der Mängelansprüche
(1) Die in § 437 Nr. 1 und 3 bezeichneten Ansprüche verjähren
[...]
3. im Übrigen in zwei Jahren.

§474 BGB: Begriff des Verbrauchsgüterkauf schrieb:
(1) Kauft ein Verbraucher von einem Unternehmer eine bewegliche Sache
(Verbrauchsgüterkauf), gelten ergänzend die folgenden Vorschriften.

§476 BGB: Beweislastumkehr schrieb:
Zeigt sich innerhalb von sechs Monaten seit Gefahrübergang ein Sachmangel, so wird vermutet, dass die Sache bereits bei Gefahrübergang mangelhaft war, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art der Sache oder des Mangels unvereinbar.

Quelle: Offizielle Online-Version des BGB, bereitsgestellt von der Juris GmbH in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium

Ergo: Wenn nach 6 Monaten ein Mangel auftritt gibt es keine Beweislastumkehr, somit muss der Käufer nachweisen dass der Mangel schon beim Gefahrenübergang (=Kauf) vorhanden war, womit die auf 2 Jahre erweiterte Gewährleistung in vielen Fällen fürn **** sein dürfte (meine persönliche Meinung).
 

Benutzer211 

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Ergo: Wenn nach 6 Monaten ein Mangel auftritt gibt es keine Beweislastumkehr, somit muss der Käufer nachweisen dass der Mangel schon beim Gefahrenübergang (=Kauf) vorhanden war...[/QUOTE]

fehlinterpretation. das vorligen eines mangels bei gefahrenübergang hat nix mit der gewährleistung an sich zu tun. die von dir zitierten §§ sind ja auch aus dem schuldrecht, und nicht aus dem gewährleistungsrecht. folglich hat die tatsache, daß eine sache nicht schon bei gefahrenübergabe mangelhaft war, nur auswirkungen auf die beweislastumkehr, nicht aber auf die gewährleistungsansprüche.hab grade keine lust, den palandt zu wälzen. ich poste das bei gelegenheit mal.
 
1

Benutzer

Gast
Bin zwar nicht vom Fach, aber die Tatsache dass der Händler bereits mehrfach kostenlos nachgebessert hat impliziert doch, dass er einen Sachmangel bereits anerkannt hat, oder?

Gruß
hefe
 

Benutzer2610 

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@Ben21:
Dass Ansprüche existieren will ich auch gar nicht in Abrede stellen, lediglich dass es in der Praxis schwierig werden dürfte diese nach Ablauf von 6 Monaten durchzusetzen, eben da der Käufer beweisen muss dass der Mangel schon beim Kauf bestand.

Allerdings lohnt sich diese Variante nur in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf. Denn bis dahin gilt die so genannte Beweislastumkehr zugunsten des Käufers. Bedeutet: Treten Mängel innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf auf, so wird vermutet, dass die Sache schon bei der Übergabe mangelhaft war. Hier ist der Verkäufer in der Beweispflicht.

Nach sechs Monaten der Käufer beweisen, dass die Ware schon zum Zeitpunkt des Kaufs mangelhaft war. In der Praxis, so haben Verbraucherschützer festgestellt, ein äußerst schwieriges Unterfangen.
Quelle: MDR-Info Verbrauchertipps

Im Sinne des Verbraucherschutzes wird jetzt bei der Gewährleistung eine Beweislastumkehr eingeführt. Bisher musste der Kunde beweisen, dass ein Mangel schon beim Kauf der Ware vorhanden war. Dies war oft schwierig.

Ab 01.01.2002 gilt:
- Tritt ein Mangel in den ersten sechs Monaten der Gewährleistung auf, wird vermutet, dass die Ware bereits beim Kauf fehlerhaft war. Der Händler muss gegebenenfalls nachweisen, dass es nicht so war. Nach den sechs Monaten liegt dann die Beweislast beim Käufer.
Quelle: Rechtsanwaltskanzlei Schell

Tritt ein Mangel der Kaufsache in den ersten sechs Monaten auf, wird vom Gesetzgeber vermutet, daß die Ware bereits bei der Übergabe fehlerhaft war. Der Verkäufer muß ggf. beweisen, daß der Mangel erst später entstanden ist. Bei Fehlern, die erstmals nach sechs Monaten auftreten, liegt die Beweislast beim Käufer
Quelle: Rechtsanwälte Düwel & Zinger

usw. usf.
 

Benutzer211 

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Kirby schrieb:
@Ben21:
Dass Ansprüche existieren will ich auch gar nicht in Abrede stellen, lediglich dass es in der Praxis schwierig werden dürfte diese nach Ablauf von 6 Monaten durchzusetzen, eben da der Käufer beweisen muss dass der Mangel schon beim Kauf bestand.


Quelle: MDR-Info Verbrauchertipps


Quelle: Rechtsanwaltskanzlei Schell


Quelle: Rechtsanwälte Düwel & Zinger

usw. usf.

das nachzuweisen ist zivilprozessual ne kleine sache. wenn man ne rechtsschutzversicherung hat, was ich jedem nur empfehlen kann.

und was hefeweiz gesagt hat, ist richtig. wäre mal interessant zu erfahren, wann der verkäufer erstmalig auf den fehler aufmerksam gemacht wurde, bzw. ob dies in den ersten 6 monaten nach kauf der fall war. dann wär die beweislastumkehr auch beim dritten nachbesserungsversuch noch bestandskräftig.
 

Benutzer2610 

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Na dann frage ich mich warum das
In der Praxis, so haben Verbraucherschützer festgestellt, ein äußerst schwieriges Unterfangen.
ist wenn das doch so einfach geht wie du sagst ...
Recht haben und Recht bekommen sind 2 Paar Stiefel.
 
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