Vernunftsehe oder „Muss man denn verliebt sein?“

Benutzer138994  (40)

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An Silvester ergab sich die Möglichkeit, mich sozusagen mit einer Fachfrau zum Thema Heirat, Gefühle und Liebe zu unterhalten.

Musikalisch hatte es mich zu "anderen Fraktion" verschlagen und ich kam mit der jungen hübschen Pfarrerin ins Gespräch.

Neben allerlei Kuriositäten rund um das Thema "Hochzeit" berichtete sie sichtlich gefrustet, dass sich sich bei den Vorbereitungsgesprächen oftmals frage, warum dieses Paar denn nun heirate.

So wirklich zum Thema Bund für´s Leben hätten sich viele Brautpaare nix zu sagen, das Gefühlsleben sei im Laufe der Jahre (des unverheirateten Zusammenlebens) bereits sichtlich erkaltet.

Schon häufig habe sie tatsächlich folgende Aussage zu hören bekommen: "Naja, wird halt mal Zeit, die anderen im Freundeskreis heiraten ja auch:"

Viele Paare würden gar nicht die wirklich große Liebe heiraten. Sondern eben den, der zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben halt der Partner ist.
Na und? Was ist daran so schlimm?
 

Benutzer36171 

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Vor allem könnten das mein Mann oder ich auch ironisch so fallen lassen, obwohl es gar nicht stimmt. :tongue:

Tatsächlich haben wir absichtlich als Studenten geheiratet, um die Verknüpfung von Heiraten wegen der Steuerklasse, Heiraten wegen Kindern, Heiraten weil man halt schon so alt ist, ... zu umgehen. :grin: So war es wirklich einfach nur, um verheiratet zu sein, weil es sich richtig anfühlte.

Aber ich finde, ehrlich gesagt, gar nicht schlimm, wenn es anders ist. Heiraten kann auch einfach nur praktische Gründe haben, na und? Schließlich ist es ein Vertrag mit rechtlichen Folgen.
 
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Benutzer63164 

Verbringt hier viel Zeit
Na und? Was ist daran so schlimm?

Schließlich ist es ein Vertrag mit rechtlichen Folgen.

Zwischen einem zivilrechtlichen Vertrag, zwecks Steueroptimierung geschlossen zwischen zwei aneinander gewöhnten Individuen und dem feierlichen Jawort mit allem drum und dran in einer Kirche ist aber noch immer ein gewisser Unterschied.

Und darum geht es ja: Zwischen dem Bild, das die Brautleute in den Vorbereitungsgesprächen abgeben und dem, was dann einige Wochen später als große Liebe zelebriert wird, klafft sehr häufig ein gewisse Lücke.

Das zeigt sich mir als dem Musiker dann recht häufig darin, dass die Braut voller Elan was Besonderes haben will, der Kerl aber nicht verhehlen kann, dass ihm das alles irgendwie egal ist. Als Mann muss man halt mal heiraten, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus bauen.

Hat sich halt so ergeben, dass diese eine das dann geworden ist.... . Und da ich vom Land komme, kann ich das durchaus unterschreiben. Ich kenne Paare. wo es wirklich nur darum geht, gewissen gesellschaftlichen Ansichten zu genügen.

(Das soll jetzt kein Landbevölkerungsbashing sein. Ich bin ja selbst ein Landei.)
 

Benutzer133456  (49)

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Das Modell der Vernunftehe ist weltweit vermutlich noch immer das Gaengigste, wenn man mal die reinen Zahlen in betracht zieht - die halbe Welt sind Inder und Chinesen. Und dort wird ueberwiegend so entschieden, wie ich waehrend meiner Jahre dort auch feststellen konnte. Als Madame und ich gemeinsame Sache machten, fragten ihre Eltern auch, "hat der Haus, Auto, Karriere?" Diese Dinge sind einfach Zutaten im Mix des Lebens, die auch beruecksichtigt werden muessen, denn von der reinen Romantik allein kommt man auf diesem Planeten auf Jahrzehnte gerechnet dann eben doch nicht durch.

Meine indischen und chinesischen Freunde sind mit ihren Vernunftehen gluecklich.

Es ist eine Frage der Erwartungshaltung. Wir Westler leben so ein bisschen in Gebrueder Grimms Lala-Land. Die Prinzessin und der Koenigssohn muessen sich wie verrueckt ineinander verlieben, und dann bitte so bleiben, lebenslang! Welch ein schrecklicher Quark; eine Garantie zum Ungluecklichsein, von anfang an. Unter so einem Druck kann das nix werden. Da ist man ja schon fertig, bevor man ueberhaupt angefangen hat.

Zusammen das Leben zu erleben, beinhaltet eine so grosse Menge anderer Faktoren, die auch stimmen muessen, dass man mit Verliebtheit alleine auf Dauer nicht durchhalten kann. Und da sind dann so Ehen, wo eher die Rahmenbedingungen optimiert sind, sehr viel geringeren Dauerbelastungen ausgesetzt. Solange der andere nicht verhasst wird, kann man auch gut auf einem relativ neutralen Territorium gluecklich werden. Man hat ja den Lebensstil, Kinder, Tiere, Freunde, Autos...

Gar nicht dumm, sowas. Und muss ja nicht heissen, dass man den anderen nicht liebt. Nur eben MUSS man es nicht hauptsaechlich, und lebenslang.

Unser westliches Modell von der reinen Liebesheirat, das ist, wie wenn man in ein Restaurant geht und erwartet, dort ausschliesslich sein Lieblingsgericht vorgesetzt zu bekommen, und zwar in himmlischer Korrektheit, und man kann es den ganzen Tag lang essen; und alles andere ist egal - ob man die Rechnung bezahlen kann, ob die Stuehle bequem sind, ob die Innenausstattung gefaellt... gefaehrliches Pflaster.
 
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Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Zwischen einem zivilrechtlichen Vertrag, zwecks Steueroptimierung geschlossen zwischen zwei aneinander gewöhnten Individuen und dem feierlichen Jawort mit allem drum und dran in einer Kirche ist aber noch immer ein gewisser Unterschied.

Und darum geht es ja: Zwischen dem Bild, das die Brautleute in den Vorbereitungsgesprächen abgeben und dem, was dann einige Wochen später als große Liebe zelebriert wird, klafft sehr häufig ein gewisse Lücke.
Man muss ja nicht unbedingt pompös kirchlich heiraten... :zwinker:
 

Benutzer36171 

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Zwischen einem zivilrechtlichen Vertrag, zwecks Steueroptimierung geschlossen zwischen zwei aneinander gewöhnten Individuen und dem feierlichen Jawort mit allem drum und dran in einer Kirche ist aber noch immer ein gewisser Unterschied. Und darum geht es ja: Zwischen dem Bild, das die Brautleute in den Vorbereitungsgesprächen abgeben und dem, was dann einige Wochen später als große Liebe zelebriert wird, klafft sehr häufig ein gewisse Lücke.
Kirchliche Trauungen (und Taufen und Gottesdienste) sind ja generell ganz schön verlogen, finde ich. Da ist und war ja schon immer mehr Schein als Sein. Ich kenne nur wenige Christen, die sich wirklich durch Nächstenliebe auszeichnen...
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Kirchliche Trauungen (und Taufen und Gottesdienste) sind ja generell ganz schön verlogen, finde ich. Da ist und war ja schon immer mehr Schein als Sein. Ich kenne nur wenige Christen, die sich wirklich durch Nächstenliebe auszeichnen...
Naja... in meiner Gegend gibt es durchaus einige Leute, die aus der Überzeugung für ihren Glauben heraus sehr nett und hilfsbereit sind, sich in der Jugendarbeit engagieren, sich für soziale Projekte der Kirche einsetzen, usw., weil das für sie die gelebte Nächstenliebe ist. (Darunter sind auch einige Leute, die ich echt gerne mag und schätze, obwohl ich von ihrem Glauben und ihrer Religion überhaupt nichts halte.)
Aber viele Leute, die kirchlich heiraten, sind doch überhaupt nicht richtig gläubig. Sie gehen vielleicht an Weihnachten der gläubigen Oma zuliebe mit in die Kirche und scheren sich sonst nicht wirklich darum. Aber weil es sich halt so gehört, weil die Oma sonst traurig wäre und weil diese kirchliche Zeremonie natürlich schon irgendwie ein tolles, ramontisches Ambiente hat, wird dann eben auch kirchlich geheiratet. - Und das ist dann wirklich viel mehr Schein, als sein.

Andere Paare haben geheiratet, "weil wahrscheinlich nichts besseres nachkommt". Ja. Junge Leute die im Alter nicht einsam und kinderlos sein wollen. (War ihre eigene Aussage). Der erstbeste feste Partner wurde nach kurzer Zeit geheiratet, ein Kind gezeugt und dann warten wir mal ab wie das aussieht wenn die erste Verliebtheit und der Trubel um die Kinder weg ist.
Hm... ich glaube, ich wäre auch ein Kandidat für so etwas, wenn ich denn überhaupt mal eine halbwegs passende Partnerin finden sollte. :ashamed:
Angesichts meiner Unfähigkeit wäre ja schon so ein einmaliger Erfolg bei der Partnersuche so was, wie ein Sechser im Lotto... und das dann aufzugeben, weil nicht alles pefekt ist, um auf einen zweiten Sechser im Lotto zu hoffen, wäre wohl schon extrem riskant. Da ist es doch viel besser, sich mit der nicht 100%ig perfekten Beziehung zu arrangieren und damit dann die anderen Lebensträume, wie die Gründung einer Familie umzusetzen, als mit 99%iger Wahrscheinlichkeit für den Rest des Lebens unglücklicher, kinderloser Single zu sein.
Und wenn dann z.B. der Sex ausbaufähig ist, dann ist er das eben. Das ist doch immernoch besser, als eine Wette auf besseren Sex mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit nahe Null.

Da gefällt mir die etwas pragmatischere Perspektive von Tahini Tahini schon deutlich besser, als die rosarot-kitschige Illusion der reinen Liebesheirat. :zwinker:

Off-Topic:
Wenn schon, denn schon. :grin: Wenn man es nicht nur macht um mit Gottes Segen den Bund der Ehe zu schließen, dann muss es schon pompös sein. :grin: Jedenfalls wird es bei uns meist so gehandhabt, dass standesamtlich eher schlicht geheiratet wird und kirchlich das tolle weiße Brautkleid kommt. :love: Ich selbst weiß noch gar nicht was ich mal will.. Ist einerseits eine Geld- und andererseits eine Glaubensfrage. Ein Stück weit spielt auch das Umfeld noch mit. In den ländlichen Regionen ist es tatsächlich bei uns noch sehr üblich, dass man kirchlich heiratet. Eine Feier habe ich ohne Kirche und stattdessen mit einem Festredner erlebt. Das hatte auch was. War echt cool. :smile:
Ein großes Fest, bei dem man sich evtl. auch ordentlich in Schale wirft, fände ich ja auch durchaus toll. Aber dazu muss man sich doch nicht vorher in der Kirche 1-2 Stunden lang das Gelaber des Pfarrers anhören, von dem man wenig hält und vielleicht auch Dinge versprechen, die man überhaupt nicht halten will (ich meine jetzt nicht das "in guten, wie in schlechten Zeiten", sondern eher so was, wie die Kinder christlich erziehen). :whistle:
Aber ich weiß schon, dass viele nicht wirklich gläubige Menschen aus solchen Gründen in der Kirche heiraten. Nur für mich wäre das eben definitiv überhaupt nichts.
 
1 Woche(n) später

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Interessantes Video!

Das Modell von Susanne und Frank-Thomas finde ich schon irgendwie interessant und ich könnte mir durchaus vorstellen, mit so einem ähnlichen Arrangement ziemlich glücklich zu sein. :ashamed:
 

Benutzer160853  (34)

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Kirchliche Trauungen (und Taufen und Gottesdienste) sind ja generell ganz schön verlogen, finde ich. Da ist und war ja schon immer mehr Schein als Sein. Ich kenne nur wenige Christen, die sich wirklich durch Nächstenliebe auszeichnen...

Woher kommt eigentlich dieser Kirchentrigger in letzter Zeit....
 

Benutzer36171 

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Woher kommt eigentlich dieser Kirchentrigger in letzter Zeit....
Off-Topic:
:grin: Ich hab aber nicht angefangen!

Vielleicht war meine Wortwahl mit "verlogen" zu hart. Ich wollte eigentlich nur ausdrücken, dass in der Kirche ja vieles gesagt, aber von vielen nicht wirklich so gemeint wird. Nach meinem Eindruck picken sich die meisten Menschen einfach das heraus, was für sie persönlich tröstlich ist und womit sie persönlich etwas anfangen können und lassen das andere als Tradition "über sich ergehen", weil es eben dazu gehört. (Was ich übrigens legitim finde.) Und dann gibt es ja auch Menschen, die in die Kirche gehen, weil sie eben müssen, weil ihre Familie es so erwartet. Oder was weiß ich.
Ich wollte nur sagen, dass ich es nicht sehr überraschend finde, wenn Veranstaltungen wie eine kirchliche Trauung mehr Schein sind als Sein. Das liegt in der Natur der Sache von solchen "öffentlichen" Veranstaltungen und hat nicht unbedingt etwas mit der Kirche zu tun.
 

Benutzer107106 

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wollte mir gerade die doku anschauen.. :what::ratlos::nope:


Wir werden diesen Beitrag aus redaktionellen Gründen nicht mehr zur Verfügung stellen. Hier finden Sie weitergehende Informationen dazu:


Neue Erkenntnisse zu Dokus - WDR findet weitere Mängel – Sender beauftragt Autorin nicht weiter - Presselounge - WDR
Schade. War nämlich eigentlich echt interessant, doof, wenn eine der drei Stories ausgedacht oder überspitzt dargestellt wurde.
Zumindest war ein Paar dabei, dass mit 38 einfach beschloss “wir heiraten jetzt und bekommen Kinder“, weil sie sonst keinen Partner/in hatten. Co-Parenting nur eben als Familie und nicht als zwei singles. Außerdem gingen die zusammen in den Swingerclub, um Spaß am Sex zu haben, da Romantik nicht so ihr Ding war.
 

Benutzer137391  (46)

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ja ich war jetzt auch ganz enttäuscht, dass der film nicht mehr "verfügbar" ist :geknickt:
 

Benutzer158340 

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Auf Youtube funktioniert es doch noch? Oder seh ich das falsch?
 

Benutzer138994  (40)

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Woher kommt eigentlich dieser Kirchentrigger in letzter Zeit....
Off-Topic:
Das wundert dich? Ich finde, es wird endlich mal Zeit, dass die Allgemeinenheit die Kirche hinterfragt. Der Gottesgkaube ist ein Überbleibsel der alten Welt, als diese noch großteils von Monarchen regiert wurde. So langsam wird es Zeit, dass die Menschheit erwachsen wird und dem Aberglauben abschwört.
 

Benutzer164451 

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Das wundert dich? Ich finde, es wird endlich mal Zeit, dass die Allgemeinenheit die Kirche hinterfragt. Der Gottesgkaube ist ein Überbleibsel der alten Welt, als diese noch großteils von Monarchen regiert wurde. So langsam wird es Zeit, dass die Menschheit erwachsen wird und dem Aberglauben abschwört.

Ja, das klingt doch cool. Fangen wir wieder an Leute zu kritisieren, die an das Falsche glauben :thumbsup: sehr moderner Ansatz

[doublepost=1547967903,1547967728][/doublepost]Zum Thema: Ich glaube schon dass Vernunftehen sehr gut funktionieren können und ich kenne auch einige Paare, die typischen österreichisch/russischen Ehen halt. Die meisten wirken glücklich, wobei ich ein paar Russinnen kenne die sich scheiden gelassen und anschließend Russen geheiratet haben.

Wir selber haben sehr schnell geheiratet zum Zweck zusammenleben zu können
 

Benutzer138994  (40)

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Ja, das klingt doch cool. Fangen wir wieder an Leute zu kritisieren, die an das Falsche glauben sehr moderner Ansatz
Ich kritisiere nicht die die glauben, Sonden den Glauben ansich. Obwohl ich verstehen kann warum sich Religion entwickelt hat, ist der logische Schritt zur Weiterentwicklung der Menschheit,wenn wir Religion hinter uns lassen.
 

Benutzer164451 

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Ich kritisiere nicht die die glauben, Sonden den Glauben ansich. Obwohl ich verstehen kann warum sich Religion entwickelt hat, ist der logische Schritt zur Weiterentwicklung der Menschheit,wenn wir Religion hinter uns lassen.

und für Andere ist es das Logischste wenn alle muslimisch werden, weil Mohammed der letzte Prophet war. Oder dass wir alle Scientologen werden, weils die modernste Religion ist etc. natürlich ist immer das am logischsten woran man selber glaubt.
 
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