Vergewaltigung: Keine Beweise, aber Gegenklage

Darf ein nicht überführter Täter sein Opfer auf Schadensersatz verklagen?


  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
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Benutzer123859  (46)

Ist noch neu hier
Viele Vergewaltigungsopfer können nach der Tat nicht darüber sprechen, weil sie sich so schämen und versuchen nur noch zu verdrängen. Irgendwann aber holt sie das Erlebte wieder ein und nach einer Therapie wollen sie die Tat sogar anzeigen. So ähnlich ging es meiner Sportlerkollegin in London bei den olympischen Spielen. Jetzt traut sie sich nicht mehr damit an die Polizei zu gehen, weil sie sagt sie kann es eh nicht mehr beweisen.

Findet Ihr es gerecht, wenn der Täter aus Mangel an Beweisen sein Opfer auf Schadensersatz verklagen kann?

Welche Frau traut sich denn dann noch eine Anzeige zu erstatten?
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wenn der mutmaßliche Täter das mutmaßliche Opfer auf Schadensersatz verklagt, dann muss ja erst einmal irgendeine Art von Schaden entstanden sein. Wäre ich zu unrecht beschuldigt worden und hätte einen realen Schaden wegen der Klage, dann wäre eine Gegenklage durchaus zu überdenken.

Man merkt auch, dass du, wahrscheinlich durch den aktuellen Fall, schon sehr befangen bist und direkt von Täter und Opfer sprichst. Wenn ich aber zu unrecht beschuldigt und freigesprochen werde, dann wäre ich ja kein Täter.

Ob man, wenn man wirklich schuldig ist und trotzdem wegen Mangel an Beweisen freigesprochen wird, noch eine Gegenklage startet... da müsste man schon sehr abgebrüht sein.
 

Benutzer12784  (40)

Sehr bekannt hier
Viele Vergewaltigungsopfer können nach der Tat nicht darüber sprechen, weil sie sich so schämen und versuchen nur noch zu verdrängen. Irgendwann aber holt sie das Erlebte wieder ein und nach einer Therapie wollen sie die Tat sogar anzeigen. So ähnlich ging es meiner Sportlerkollegin in London bei den olympischen Spielen. Jetzt traut sie sich nicht mehr damit an die Polizei zu gehen, weil sie sagt sie kann es eh nicht mehr beweisen.

Findet Ihr es gerecht, wenn der Täter aus Mangel an Beweisen sein Opfer auf Schadensersatz verklagen kann?

Welche Frau traut sich denn dann noch eine Anzeige zu erstatten?

Ein Mann arbeitet in einer Kindertagesstätte und eines Tages zeigt ihn eine Mutter an weil sie meinte er würde ihre Tochter sexuell missbrauchen. Hintergrund er hat dem Mädchen geholfen weil es sich am Klo angemacht hat und am Heulen und fertig war. Die Geschichte geht vor Gericht und der Mann wird freigesprochen. Jetzt ist er aber Arbeitslos, wird in dem Bereich auch Schwierigkeiten haben wieder was zu finden, sollte er ein Recht haben Schadenersatz zu fordern? (Wahre Geschichte)

Es ist wahnsinnig schwer etwas ohne Beweise zu beurteilen. Da gehts oft ums glauben oder auftreten. Was soll man machen. Und natürlich muss auch jeder das Recht haben sich gegen unberechtigte Vorwürfe zu schützen.
Ob das Gerecht ist? Nein vielleicht nicht. Erklär mir aber wie es besser möglich wäre.
 

Benutzer36171 

Beiträge füllen Bücher
Hier erreichen wir die Grenze der "Macht" eines Gerichts. Wenn Aussage gegen Aussage steht und es sonst keine, stichhaltigen Beweise gibt, dann muss das Gericht freisprechen und einer der beiden hat das Nachsehen. Entweder das Opfer, das zusehen muss, wie der Täter damit davonkommt. Oder der "Täter", dessen Ruf runiert wird (dass letzteres möglich ist, scheinst du irgendwie zu verdrängen?).

Sofern es Hinweise gibt, dass das "Opfer" tatsächlich nur gelogen hat, um den "Täter" zu diskreditieren, sollte eine solche Gegenklage natürlich möglich sein. Ich denke, diese sollte aber nur von einem Gericht angenommen werden, sofern es konkrete Hinweise gibt, damit eine solche Klage nicht dazu ausgenutzt wird, um ein wirkliches Opfer zu schädigen. Aber natürlich kann es trotzdem zu Fehlern kommen und ein einzelner Mensch rutscht durch die Maschen des Systems; das lässt sich nicht ändern.
 
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Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Es ist ein Unterschied ob eine Klage wegen Mangel an Beweisen nicht nachgegangen werden kann, oder ob beweisen wird, dass der Kläger lügt.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Natürlich muss jemand, der in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen wurde, das Recht haben seinerseits eine Gegenklage zu führen.
Hat er die Tat tatsächlich begangen, ist das natürlich richtig arschig und extrem abgebrüht. Hat er sie aber NICHT begangen, dann wäre m.E. eine Gegenklage natürlich völlig o.k., ja sogar absolut angeraten. Diese Möglichkeit muss also bestehen.
Das Problem ist jetzt aber eben, dass WIR bzw. Außenstehende generell in vielen Fällen eben nicht wissen, ob der 1. oder 2. Fall vorliegt.
 

Benutzer123859  (46)

Ist noch neu hier
Das Problem liegt wohl mehr in darin, dass bei Anzeigen mit sexuellem Hintergrund und Prominenten alles sofort in die Medien kommt und auch die Gerichte dabei nicht besonders diskret vorgehen. Bei Steuerverfahren wird kommt nie (selten) vor der Verurteilung ein Name ans Tageslicht. Da wird erstmal diskret ermittelt. Bei sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung muss das Opfer davon ausgehen, dass es eine Klage wie im Fall Kachelmann wegen Rufschädigung bekommt. Wenn meine Freundin Anzeige erstatten würde, dann wäre ihre Karriere beendet und wahrscheinlich käme nichts bei raus, weil sie nach der Rückkehr aus London zu lange geschwiegen hat.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Deshalb sollte man nach so einer Tat auch zum Arzt gehen, selbst wenn man erst einmal keine Anzeige erstatten möchte.

Aber warum sollte ihre Karriere beendet sein? Sportliche Leistung hat ja, so ganz objektiv betrachtet, nichts damit zu tun, ob man mal vergewaltigt wurde oder nicht.
 

Benutzer123859  (46)

Ist noch neu hier
Deshalb sollte man nach so einer Tat auch zum Arzt gehen, selbst wenn man erst einmal keine Anzeige erstatten möchte.

Aber warum sollte ihre Karriere beendet sein? Sportliche Leistung hat ja, so ganz objektiv betrachtet, nichts damit zu tun, ob man mal vergewaltigt wurde oder nicht.

Wirklich, Deine Wortwahl ist ungeheuerlich. ... ob man mal vergewaltigt wurde.

Natürlich hat die sportliche Leistung nichts damit zu tun. Aber kannst Du Dir vorstellen, wie sportliche Leistung noch gebracht werden kann, wenn alle gegen Dich sind, weil Du einen der Ihren von ganz oben angezeigt hast. Ist schon ein wenig naiv, oder? Aber dennoch Danke, Du bist wenigstens ehrlich und beteiligst Dich an der Diskussion.
 

Benutzer20579  (37)

Planet-Liebe ist Startseite
Ich finde, hier wird ein bisschen was durcheinandergeschmissen.

Man muss bei so einem emotionalen Thema schon versuchen, Sachverhalte zu trennen und bestimmte Fallgruppen voneinander zu unterscheiden.

Wenn ein Täter überführt wird und ihm die Tat vor Gericht nachgewiesen werden kann, dann ist eine Gegenklage gegen das Opfer nicht erfolgversprechend und sollte auch nicht erfolgen.

Wenn ein Angeklagter freigesprochen wird, ist er in dem Moment kein überführter Täter mehr, sondern entweder ein Täter, dem man es nicht nachweisen kann oder kein Täter, also selbst Opfer einer unberechtigten Anschuldigung.

Auch in diesen Fällen muss man also unterscheiden:

Wird aus Mangel an Beweisen freigesprochen, dann weiß man nicht, ob die Tat stattgefunden hat oder nicht. In dem Fall finde ich, dass auch eine Gegenanzeige auf Schadensersatz oder wegen Verleumdung keinen Sinn macht, weil man ja eben nicht weiß, ob eine Tat stattgefunden hat - genauso wenig weiß man eben aber auch nicht, ob das Opfer die Tat erfunden hat und damit den Täter geschädigt hat. Wäre in meinen Augen im Kachelmann-Fall so eine Konstellation, wo man es am Ende einfach nicht weiß - und da gehe ich von der Gerichtsentscheidung aus, nicht von den ferndiagnostischen und hellseherischen Fähigkeiten mancher Zeitungsleser!- dann macht auch eine Gegenklage keinen Sinn.

In den Fällen, wo freigesprochen wird, weil definitiv keine Vergewaltigung vorliegt, da finde ich auch eine Gegenklage berechtigt. Schlimm genug, dass es Leute gibt, die sich sowas ausdenken, aber da muss einfach auch ein Schutz der zu Unrecht angeklagten Männer stattfinden - dass da echte Opfer drunter leiden, ist eben Kollateralschaden der Miststücke (sorry), die sich sowas ausdenken.

Ergänzend: Dass viele Opfer sich schämen und nicht zum Arzt gehen, ist schrecklich und furchtbar. Und ich finde auch schlimm, wenn solche Taten nicht verfolgt werden können. Aber: Es kann auch nicht Sinn eines Rechtssystems sein, Leute einzubuchten, weil das Opfer sich geschämt hat, die behauptete Tat zu verfolgen und man es dem vermeintlichen Täter nun nicht mehr beweisen kann. Wie soll man sich das auch vorstellen? Jemand behauptet eine Vergewaltigung und dass er sich so geschämt hat - und das reicht für eine Verurteilung?

Ich bin bei dem Thema leider auch nicht so objektiv, wie ich manchmal gerne wäre, da einfach der Schrecken solcher Taten bei mir eine fürchterliche Abneigung gegen die Täter hervorruft. Trotzdem muss man aber die Emotionen da zurückstecken, wo es darum geht, nur die zu bestrafen, denen eine solche Tat nachweisbar ist. Es kann nicht sein, dass hinterher aus Opferschutzgesichtspunkten Unbeteiligte im Knast sitzen. Es gilt eben "in dubio pro reo".

Als Denkstütze kann ich da nur folgenden Gedankengang liefern: Stell dir nicht vor, dass du / deine Freundin / dein Kind das Opfer bist, sondern stell dir vor, dass dein Vater / dein Freund / dein Bruder der Täter sein soll. Das verändert auch den Blickwinkel zugunsten der Angeklagten, die behaupten, nichts getan zu haben - und damit auch Recht haben können.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Natürlich hat die sportliche Leistung nichts damit zu tun. Aber kannst Du Dir vorstellen, wie sportliche Leistung noch gebracht werden kann, wenn alle gegen Dich sind, weil Du einen der Ihren von ganz oben angezeigt hast. Ist schon ein wenig naiv, oder? Aber dennoch Danke, Du bist wenigstens ehrlich und beteiligst Dich an der Diskussion.
Du hast nicht erwähnt, dass es sich dabei um ein hohes Tier aus den eigenen Reihen handelt. Hellsehen kann ich leider noch nicht.
 

Benutzer111415  (28)

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Findet Ihr es gerecht, wenn der Täter aus Mangel an Beweisen sein Opfer auf Schadensersatz verklagen kann?
Nein. Es soll zwar vorkommen, dass jemand absichtlich zu unrecht angeklagt wird (auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann, es dürfte wohl recht unangenehm sein, zu sagen, man wäre vergewaltigt worden, dementsprechend kann ich es mir nicht vorstellen, dass jemand dies einfach so tut), und es kann auch passieren, dass Anzeige gegen Unbekannt erstattet wurde und dann ein Unschuldiger angeklagt wird, allerdings sollte das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer nicht auch noch finanziell belastet werden. Zudem bin ich der Meinung, dass solche Verfahren mit Ausschluss der Öffentlichkeit (zumindest, bis geklärt ist, dass der mutmaßliche Täter der tatsächliche Täter ist, und sofern das Opfer zustimmt) vonstatten gehen, so dass da nicht allzu viel an die Öffentlichkeit gelangen sollte.

Welche Frau traut sich denn dann noch eine Anzeige zu erstatten?

Das frage ich mich auch. Man sollte die Opfer nicht noch stärker davon abschrecken, Anzeige zu erstatten.
Im Normalfall trauen sie sich es auch so schon kaum, wenn dann noch eine Gegenanzeige zu befürchten wäre, würde es wohlmöglich zu noch weniger Anzeigen trotz stattgefundener Vergewaltigungen kommen.
Und man sollte zudem bedenken, dass es in solchen Fällen häufig keine Beweise gibt, auch wenn der mutmaßliche der tatsächliche Täter ist.
 

Benutzer121281  (32)

Planet-Liebe ist Startseite
Der ganze Thread inkl. der Antwortoptionen scheint mir doch etwas sehr emotional belastet zu sein.

Wurde jemand zu Unrecht angeklagt, muss die Person natürlich in der Lage sein, eine etwaige Wiedergutmachung einklagen zu können.
Sowas spricht sich eben extrem schnell rum a la "Hast du gehört? Der Hans steht wegen Vergewaltigung vor Gericht" und man kann sich ja vorstellen, wie derlei trotz bewiesener Unschuld auch noch hinterher die Runden ziehen wird.
 

Benutzer102346 

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Naja, das Problem ist, es gibt leider Frauen, die ihrem Ex aus Gehässigkeit so einen Vorwurf reindrücken und dann später kleinlaut zugeben müssen, gelogen zu haben. Hilft dem Ex in dem Fall aber nicht weiter, wenn er schon bei der Arbeit gekündigt wurde (wer will schon einen Vergewaltiger beschäftigen) oder der Vermieter schmeißt einen raus (wer will schon "SO EINEN" in der Wohnung haben).
Da kann man danach mit dem Freispruch in der Hand so viel wedeln wie man will, das Leben ist erst mal auf den Kopf gestellt.
Und ich denke, in so einem Fall sollte es durchaus angemessen sein, Schadensersatz für evtl. Umzüge, entgangenes Gehalt etc. einklagen zu können.
Leider sind nicht alle Fälle so eindeutig, aber es muss möglich sein.
 

Benutzer32430  (35)

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Gleich voraus: Ich stimme Hexe in allen Belangen zu! Sehr guter Beitrag!

Dennoch möchte ich auf einiges nochmals gesondert eingehen. Denn bei einigen Aussagen musste ich doch tief Luft holen!

Welche Frau traut sich denn dann noch eine Anzeige zu erstatten?

Ähm, ich glaube, es wird so manche Vergewaltigung angezeigt, oder? *amkopfkratz* Deine Aussage fällt etwa in eine Kategorie mit "Man kann ja abends nicht mehr alleine auf die Straße gehen!" *gähn*

Findet Ihr es gerecht, wenn der Täter aus Mangel an Beweisen sein Opfer auf Schadensersatz verklagen kann

Die Frage ist schon putzig formuliert. Jemanden aus Mangel an Beweisen verklagen....hihi.

Nun gut, also ja. Ich finde es gerecht, wenn ein Freigesprochener klagen kann. Freigesprochen ist freigesprochen. Und es ist falsch, nur weil eine Straftat als besonders verwerflich gilt, einen Freispruch aus tatsächlichen Gründen nicht mehr zu akzeptieren. Fällt natürlich schwer, wenn man selbst betroffen ist, aber glücklicherweise ist unser Strafrecht nicht auf Emotionen gegründet.

Wie soll denn entschieden werden, wer klagen darf und wer nicht? Soll der Richter sagen "Sie sind zwar freigesprochen, aber klagen dürfen Sie nicht. Vielleicht waren Sie's ja doch!"
Wenn du es vielleicht jetzt merkst - genau gegen solche Rufschädigungen will der Betroffene ja doch erst klagen :zwinker:

Im Übrigen ist es eine Frechheit von einigen hier, bei einem Freispruch "ohne Beweise" automatisch anzunehmen, dass die Tat dennoch begangen wurde und weiterhin von einem "Opfer" zu sprechen! Schonmal daran gedacht, dass die Tat wirklich niemals stattgefunden haben muss? Meine Güte...

Und wenn eine Tat nunmal nicht mehr zu beweisen ist, dann ist das nunmal so. So hart das klingt. Soll der vermeintliche Täter jetzt prophylaktisch eingesperrt werden? Na herzlichen Dank...
 
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Benutzer40590  (42)

Sehr bekannt hier
Ich sehe das ganz genauso wie Hexe mit dem Zusatz von Harley.

Wird er aus Mangel an Beweisen frei gesprochen wird man ebenso keine Beweise für seine Unschuld haben - und eine Klage deshalb wäre wohl sinnlos, sollte aber nicht unmöglich sein.
Außerdem könnte die Gegenklage auch wieder eine gewisse Außenwirkung haben und auch durch weitere Ermittlungen neue - entlastende- Erkenntnisse bringen. Ich glaube jemand der "glück" hatte das er nicht überführt wurde und nur daher frei ist würde sich hüten weitere Ermittlungen zu provozieren.

Steht jemand wegen Vergewaltigung vor Gericht ist sein Leben in vielen Bereichen im Arsch - selbst wenn er unschuldig ist. Wenn jemand nur "aus Mangel an Beweisen" freigesprochen wird bleibt noch viel mehr zurück als wenn die Unschuld bewisen wurde (und selbst dann wird er ewig Probleme deshalb haben).

So leid mir die Opfer tun - jemand der zu Unrecht in einem solchen Fall angeklagt wurde tut mir genauso leid. Und in dem Fall ist der ehemals Angeklagte ganz klar ein auch ein Opfer.
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ist halt eine beschissene Situation, was aber auch daran liegt, dass hier eine Art Status Quo vom Gericht als Urteil gefällt wird (an die Jurafraktion: ist das überhaupt wirklich so?)

Imho sollte es so sein, dass jemand entweder schuldig ist oder ein Freispruch erster Klasse fällt, diese Graustufen machen es dem Gericht einfach und den Beteiligten schwierig. Oder man sollte einfach die Staatsanwaltschaft bzw. damit den Staat verklagen können. Einfach ungerecht, wenn jemand schaden hat, ohne eine Schuld daran zu tragen und auch keine Möglichkeit hat, dies einzuklagen.
 

Benutzer20579  (37)

Planet-Liebe ist Startseite
Imho sollte es so sein, dass jemand entweder schuldig ist oder ein Freispruch erster Klasse fällt, diese Graustufen machen es dem Gericht einfach und den Beteiligten schwierig.
Seltsamer Beitrag irgendwie, aber vielleicht verstehe ich ihn auch nur nicht.

Das Leben hat nun einmal Graustufen und gerade vor Gericht gibt es ungefähr 100 Millionen Graustufen - weit öfter, als "schuldig" oder "unschuldig". Einfacher Fall: Die Zeugin sagt, "er hat mich vergewaltigt", der Angeklagte sagt, "habe ich nicht". Es gibt kein eindeutigen Beweise, keine weiteren Zeugen - wie so oft bei Sexualdelikten, da ist das ja geradezu typisch. In dem Moment ist ein Graustufenfall da.

Das hat nichts mit "sich einfach machen" zu tun. Wer das glaubt, tue sich den Gefallen und besuche eine beliebige öffentliche Gerichtsverhandlung. Es ist nie einfach, wenn man dort sitzt und nicht weiß, was passiert ist - im Zweifel wissen das die beiden, die da sitzen - und einer von beiden lügt.

Wenn man es nicht weiß, gilt "in dubio pro reo" - aber nicht "er war es nicht". Sondern eben "im Zweifel war er es nicht". Der Zweifel geht aber nicht weg, man kann ihn auch nicht wegreden und sich ausdenken, wer Recht haben könnte - dafür braucht es eben Beweise. Die muss im Strafrecht nicht das vermeintliche Opfer bringen, sondern der Staat - weil sonst Opfer ohne Geld keine Ermittlungen bezahlen könnten. Und wenn es dem Staat nicht gelingt, jemanden zu überführen, muss er "aus Mangel an Beweisen" freisprechen, wenn nicht sogar eine Überzeugung dafür besteht, dass jemand komplett unschuldig ist. Auch Letzteres kommt vor Gericht vor - oder ein Verfahren wird aus bestimmten Gründen eingestellt. Ist aber nicht so medienwirksam. :zwinker:

Off-Topic:
Und bevor wieder jemand wegen des "er" schreit: Ja, auch Frauen können Täter sein. Ich nehme das "er" für "den Angeklagten" und gehe von der tatsächlichen Mehrheit vor Gericht aus, die aus Männern besteht.


Oder man sollte einfach die Staatsanwaltschaft bzw. damit den Staat verklagen können. Einfach ungerecht, wenn jemand schaden hat, ohne eine Schuld daran zu tragen und auch keine Möglichkeit hat, dies einzuklagen.
Das verstehe ich auch nicht so ganz. Im Falle, das jemand aus Mangel an Beweisen frei gesprochen wird, ist es doch eben unklar, ob derjenige eine Schuld hat, oder nicht. Genauso kann ein Opfer zu Unrecht seinen Täter frei rumlaufen sehen. Wenn es nicht klar ist, was passiert ist, verliert irgendjemand - aber was wäre die Alternative - die Fälle so lange biegen, bis man glaubt, man hätte eine Lösung?
 

Benutzer123859  (46)

Ist noch neu hier
Vielleicht muss ich die Frage etwas nachbessern.

Wie kann eine Frau eine Frau Anzeige auf Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung stellen, ohne in den Medien einen Hype auszulösen und ohne mit einer Schadensersatzklage des "vermeintlichen" Täters belangt zu werden, falls die Beweise nicht für eine Verurteilung vor Gericht ausreichen?


Konstruieren wir einen hypothetischen Fall: Eine bekannte Sportlerin wird von ihrem Trainer ...
Ein Verband, der eh für seine wegschauende Mentalität bekannt ist und seine Funktionäre schützt.
Das ganze während der olympischen Spiele, wo bereits ein Skandal dem nächsten folgte.
 

Benutzer119934 

Öfter im Forum
Wie kann eine Frau eine Anzeige auf Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung stellen, ohne in den Medien einen Hype auszulösen und ohne mit einer Schadensersatzklage des "vermeintlichen" Täters belangt zu werden, falls die Beweise nicht für eine Verurteilung vor Gericht ausreichen?

Konstruieren wir einen hypothetischen Fall: Eine bekannte Sportlerin wird von ihrem Trainer ...
Ein Verband, der eh für seine wegschauende Mentalität bekannt ist und seine Funktionäre schützt.
Das ganze während der olympischen Spiele, wo bereits ein Skandal dem nächsten folgte.

So hart sich das anhört: wenn diese Frau es versäumt entsprechende Beweise zu sichern (durch direkten Besuch bei einem Frauenarzt), dann ist es für einen außenstehenden Dritten bei der Beurteilung des Tathergangs nahezu unmöglich dem Geschehenen gerecht zu werden.

Der Fall Kachelmann macht es deutlich, daß selbst eindeutige Beweise mitunter manchmal nur einen Teil der Wahrheit nachvollziehbar belegen können (ich will keine Position beziehen, aber man muß es sich mal klar machen): Beide hatten Sex. Sie behauptete unter Zwang, er behauptete einvernehmlich. Das bedeutete zwar, daß die Spuren, die den Sex bewiesen haben, eindeutig waren, aber nicht wessen Behauptung eine Lüge war. Da der Fall so präsent in der Presse war, konnte jeder sich zwar eine Meinung bilden, aber wer hätte mit Bestimmtheit sagen können, wer da log...

Und genau das ist das Problem: Behauptungen eignen sich in den seltensten Fällen dazu eine Tat eindeutig zu belegen. Allerdings genügen manchmal Behauptungen, um eine Verurteilung zu erwirken, selbst wenn diese nicht durch ein Gericht erfolgt, sondern "nur" durch eine Öffentlichkeit in der man sein weiterers Leben verbringen muß...

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