Unglückliche Kindheit belastet mein ganzes Leben

Benutzer119774 

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Guten Tag liebe Forumsgemeinde,

vielleicht hat jemand einen guten Rat für mich.

Ich komme im Leben überhaupt nicht klar.
Bin inzwischen sicher, schon in der frühen Kindheit traumatisiert worden zu sein.
Meine Geburt war schon komplikationsreich, Kaiserschnitt im letzten Moment, Sauerstoffmangel.
Schon da hat meine Mutter mich nicht gewollt, hat mich von Anfang an gehasst, weil sie keine Kinder wollte.
Ich vermute, sie hat von Anfang an ihre Wut an mir ausgelassen. Meine Oma hat mir mal erzählt, dass meine Mutter wütend herumgeschrien und mich geschüttelt hat, wenn ich bei meinen ersten Gehversuchen den Glastisch anfasste. So lernte ich erst spät laufen, mit fast 20 Monaten.
Ich erinnere mich auch, wie sie einmal mit erhobender Hand vor dem Wickeltisch gestanden hat, auf dem ich lag. Da war ich vielleicht zwei oder drei Jahre alt.

Meine Oma wollte damals dafür sorgen, dass ich meinen Eltern vom Jugendamt weggenommen werde, aber die Eltern meiner Mutter konnten das verhindern.

Mein Vater hat viel weggeguckt. Er war zu schwach, um sich gegen meine Mutter durchzusetzen. Vieles bekam er ja auch nicht mit.
Mein Vater ist kein schlechter Mensch, aber er hatte hohe Anforderungen an mich, die ich nicht erfüllen konnte. Denn ich tat mich mit fast allem sehr schwer.
Obwohl ich ein kleines und zierliches Mädchen war, war ich schwerfällig und ungeschickt. Man durfte mich kaum aus den Augen lassen, weil ich ständig über etwas stürzte, vom Rad oder die Treppe runterfiel.
In der Schule konnte ich auch nicht die Leistungen erbringen, die von mir erwartet wurden. Ich konnte gut auswendig lernen, aber das gelernte nicht umsetzen. Trotz meiner Liebe zu Zahlen war ich immer schlecht in Mathe.
Ich sprach und las leiernd und habe bis heute eine leise Stimme, deren Lautstärke sich für mich normal anhört. Bis heute betone ich manche Worte falsch.

Ich war sehr ängstlich. Wenn mir zu Hause etwas aufgetragen wurde oder ich sollte in der Schule etwas erledigen, fragte ich gleich voller Angst:"Aber und wenn...?"
Jeder lachte mich aus.
Angst hatte ich nur nicht, wenn es darum ging sich an jemandem zu rächen. Wenn ich heftig schikaniert wurde, konnte ich bösartig werden.
Doch normalerweise war ich ein schüchternes Mädchen, das kaum auffiel.
Das nur gut war um veräppelt oder gemaßregelt zu werden.
Andere Kinder bezeichneten mich nur als "Affe", "Esel" oder "Lahmarsch", weil ich alles im Zeitlupentempo machte. Noch heute bin ich auffallend langsam.
Als 11-jährige wurde ich auf Anraten der Klassenlehrerin zum Psychologen geschickt. Die Therapie fand in einer Gruppe statt, wo mich die anderen auch auslachen, als ich schüchtern sagte:"Ich kann nicht so aus mir rausgehen."

Auffallend war, dass ich oft in unangemessenen Situationen lachte.
Das passierte immer dann, wenn ich mit meinen Emotionen überfordert war und eigentlich traurig oder unsicher war.
Andere haben sicher oft an meinem Verstand gezweifelt.

Als Kind und Jugendliche stürzte ich mich in eine Phantasiewelt. Las Unmengen an Büchern und beschäftigte mich mit Tieren. Der Umgang mit ihnen war wie eine Therapie für mich. Noch heute komme ich an keiner Weide vorbei ohne Pferde und Esel zu streicheln.

Ich glaube, ich bin an den hysterischen Wutanfällen meiner Mutter und den ständigen Demütigungen anderswo zerbrochen.
Es ist heute so, dass ich an den kleinsten Hürden im Alltag scheitere.
Ich weiß nicht, wie ich viele alltägliche Dinge anpacken soll, bin völlig unbeholfen. Auch kann ich nicht mit Stresssituationen umgehen. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, werde ich nervös und habe richtige Blackouts.
Ich kann dann so in Rage geraten, dass ich zu Hause herumtobe bis ich mich beruhigt habe.

Ich komme mit anderen Menschen nur schwer zurecht.
Kann auf einzelne zugehen und mich auf sie einlassen, aber sobald ich mich bei mehreren integrieren soll, baue ich sofort eine Mauer um mich auf.
Viele Verhaltensweisen im sozialen Miteinander sind mir bis heute ein Rätsel.
Es gibt bei mir auch kein Zwischending. Entweder kann ich mich voll auf jemanden einlassen oder gar nicht. Wenn ich bereit bin mich auf jemanden einzulassen, bin ich zu vertrauensselig.
Ein zwangloser Kontakt mit nettem Smalltalk macht für mich keinen Sinn und ist Zeitverschwendung.
Vieles beherrsche ich auch nicht intuitiv. Wenn man mir Regeln aufstellt, fällt es mir auch manchmal schwer sie zu befolgen, weil ich gern meinen eigenen Weg gehe.
Schlimm ist auch, dass mein Leben absolut planbar sein muss.
Überraschungen oder erst mal in der Situation zu sein, wo ich an Dinge ran muss, die ich nicht kenne, werfen mich völlig aus der Bahn.
Oder ich bin mit einer Bekannten verabredet, mit der ich zu zweit einen netten Abend verbringen wollte. Ich komme zu ihr und sie sagt mir, dass wir zu Freunden von ihr fahren könnten. Oder schon zwei oder drei Personen da sind, wenn ich bei ihr erscheine. Solche Situationen überfordern mich regelrecht.

Könnt ihr mir einen Rat geben?
Ich habe mal eine Verhaltenstherapie gemacht, die mir aber nichts brachte.
Kann man eine Traumatisierung überhaupt therapieren?

Viele Grüße,
Soleja
 
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Benutzer121406 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo Soleja, ich muss sagen, dass ich sehr schockiert bin.. ich lese einen Beitrag einer ziemlich eingeschüchterten und absolut unsicheren Frau und es macht mich sehr betroffen. Du musstest als Kind viel einstecken, hast dich natürlich permanent unter Druck gefühlt und warst deshalb (würde ich mal schätzen) ständig nervös und unsicher.. das ist krass.. Es gibt Trauma-Therapien, natürlich.. ich war im Rahmen eines psycho-somatischen Problem in Reha, dort gab es Therapien, die meisten waren Trauma-Patienten. Es gibt natürlich Unterschiede in den Trauma-Therapien, meist geht es dort um sexuelle Übergriffe, Misshandlung oder ähnliches. Hast du denn keine Psychotherapeutin? Bzw. einen Hausarzt, mit dem du dich auf die Suche nach einem Therapieplatz machen könntest?
 

Benutzer119774 

Benutzer gesperrt
Hallo Soleja, ich muss sagen, dass ich sehr schockiert bin.. ich lese einen Beitrag einer ziemlich eingeschüchterten und absolut unsicheren Frau und es macht mich sehr betroffen. Du musstest als Kind viel einstecken, hast dich natürlich permanent unter Druck gefühlt und warst deshalb (würde ich mal schätzen) ständig nervös und unsicher.. das ist krass.. Es gibt Trauma-Therapien, natürlich.. ich war im Rahmen eines psycho-somatischen Problem in Reha, dort gab es Therapien, die meisten waren Trauma-Patienten. Es gibt natürlich Unterschiede in den Trauma-Therapien, meist geht es dort um sexuelle Übergriffe, Misshandlung oder ähnliches. Hast du denn keine Psychotherapeutin? Bzw. einen Hausarzt, mit dem du dich auf die Suche nach einem Therapieplatz machen könntest?

Hallo Mysterious Soul,

danke für deine Antwort.
Ja, du hast recht. ich habe mich als Kind permanent unter Druck gefühlt, war ständig nervös und unsicher.
Deshalb habe ich mich außerhalb meines Elternhauses bestimmt auch immer komisch verhalten, was dann wieder nach sich zog, dass andere mich auch ablehnten.
Ich war eigentlich immer einsam. Nachmittags musste ich raus spielen gehen und wenn ich keine Kinder dafür fand, fuhr ich stundenlang allein mit meinem Fahrrad durch die Gegend.
Ich kann mich auch nicht erinnern, dass meine Mutter ein einziges Mal in den Schulferien etwas mit mir unternommen hat. Bei ihr standen eh immer an erster Stelle ihre Kleidung und Frisur. Dass ihre Tochter Liebe und Unterstützung gebraucht hätte, auf die Idee ist sie wohl nicht gekommen.

Vielleicht wäre alles nicht so schlimm, wenn ich heute im Erwachsenenalter zurechtkäme. Da dem aber nicht so ist, verzweifle ich regelrecht.
Ich habe schon gar keine Hoffnung mehr auf Freundschaft, eine erfüllende Partnerschaft und auf einen Job, in dem ich zurechtkomme.

Ich frage mich oft, welches Lebensgefühl wohl die Menschen haben, die in ihrer Kindheit geliebt wurden.
Das ist für mich unvorstellbar.

Ich würde gern eine Trauma-Therapie machen. Sonst sehe ich schwarz für meine Zukunft!
Ich bin zur Zeit nur bei einer Psychologin in Behandlung, die sich nur darauf beschränkt mir regelmäßig Antidepressiva zu verschreiben.

Viele Grüße,
Soleja
 

Benutzer121406 

Sorgt für Gesprächsstoff
Dann empfehle ich dir schnellstmöglichst eine Verhaltenstherapeutin oder sogar Traumatherapeutin aufzusuchen, dazu kannst du einfach über die Gelben Seiten gehen, schauen welche Art von Psychotherapeuten es bei dir in der Nähe gibt und sie anrufen, so habe ich das mit meiner auch gemacht damals... es dauert eine Zeit bis du jmd. findest bzw. du eine Therapie beginnen kannst, deshalb solltest du schleunigst damit anfangen dir jmd. zu suchen. Wenn sie dir nur AD's verschreibt, ist es eine Psychiaterin die dir dann in Punkto Therapie nicht wirklich weiterhilft..

Natürlich prägt die Kindheit deine Zukunft, ist bei mir nicht anders.. Du musst auf jeden Fall etwas tun! Ich wünsche dir viel Erfolg! Du kannst mich auch gern anschreiben, wenn du Fragen hast bezügl. Therapien oder so, die du hier nicht öffentlich stellen magst..
 

Benutzer119774 

Benutzer gesperrt
Hallo Mysterious Soul,

ich bin sehr verzweifelt! Ich wollte dir eine Privatnachricht schicken, aber leider funktioniert das nicht.
Das System moniert immer, dass man max. 420 Zeichen eingeben dürfe. Ich habe meinen Text noch mal gekürzt, so dass er bestimmt nicht mehr als diese Zeichenanzahl hat.
Daher kopiere ich ihn hier rein:

Hallo Mysterious Soul,

danke für dein Angebot dich privat anzuschreiben.

Hast du denn auch eine Trauma-Therapie gemacht? War sie erfolgreich?

Ich denke auch, dass die meisten Probleme, die ich heute habe, in meiner traumatischen Kindheit begründet sind. Es ist ja nicht nur meine Kontaktstörung, sondern auch das Problem im Beruf zu versagen, weil ich die geforderten Leistungen nicht erbringen kann. Ich bin sehr schnell überfordert und überhaupt nicht belastbar. Ich arbeite außerdem sehr langsam.

Hattest du ähnliche Probleme wie ich?

Ich möchte so gern etwas ändern.
Ich habe bereits eine Therapie in einer Tagesklinik gemacht. Dort wurde eine "nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher-vermeidenden, zwanghaften und abhängigen Anteilen" diagnostiziert. Das hat mir aber auch nicht weitergeholfen, weil ich eben aller Wahrscheinlichkeit traumatisiert bin.

Ich würde mich freuen, wenn du mir antwortest.

LG
Soleja
 

Benutzer77271 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo Soleja

Den Tipp zu einer Therapie oder für professionelle Unterstützung hast du bekommen und dies ist sicher die richtige und kompetente Anlaufstelle, da dir dort auch situationsgerecht und angemessen geholfen werden kann.

Du hast hier einiges geschrieben und jedes Leben besteht aus so vielen Gegebenheiten, dass man sie gar nicht alle beschreiben oder sich daran erinnern kann. Vergangenes kann nicht verändert werden, aber verändert angesehen werden und damit das geschehen kann ist sicher jemand vom Fach notwendig, der auch die entsprechende Verantwortung und Hilfe bieten kann.

Auf was bist du stolz in deiner Vergangenheit, was hat dich gefreut, was siehst du an dir, dass du erreicht hast, was hat dir am heutigen Tag Spass gemacht, Freude bereitet oder dir ein gutes Gefühl gegeben. Manchmal muss man klein anfangen und die Freude im Moment suchen. Finde auch heraus, wohin du willst, wo du dich in ein paar Jahren siehst, was sich verändert hat und was du verändern willst. Indem du dich hier mitteilst, öffenst du dich schon und bist bereit auch Feedback zu erhalten und somit ist der erste Schritt deines Lebens gemacht.

Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Mut und Vertrauen
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
[...] sondern auch das Problem im Beruf zu versagen, weil ich die geforderten Leistungen nicht erbringen kann. Ich bin sehr schnell überfordert und überhaupt nicht belastbar. Ich arbeite außerdem sehr langsam.
naja, wenn man erstmal überfordert ist, erbringt man auch keine leistungen mehr, das ist ganz normal. wenn dann noch mehr gestresst wird ists natürlich eh vorbei. da kann ich dir nur raten rechtzeitig vorher abzublocken - oder wenns mal wieder soweit ist mal für nen paar minuten komplett aufzuhören, durchzuatmen, und dann neu anfangen.

was arbeitest du denn? so wie du dich beschreibst - ruhig, langsam, eher sanft - hätte ich dir ja schon geraten eher nen job mit tieren zu machen. solche eigenschaften sind da oft unbezahlbar - das kann ich dir definitiv sagen da ich auf einer wildtierpflegestation aufgewachsen bin und da vor allem gelernt habe mein temperament zu zügeln und immer schööön ruhig, sanft und leise zu bleiben :zwinker:
solche arbeit beinhaltet aber natürlich auch, dass man unschönes erlebt, und da musst du wissen ob du damit klarkommst und auch mal nen leben gehen lassen kannst.

ansonsten, abgesehen von der therapie die dir sicher gut tun würde, würde ich dir dringend raten was für die körperbeherrschung zu tun. ganz einfach deswegen, weil das etwas ist, das du auf jeden fall hinkriegen kannst, und damit dürfte auch dein generelles langsam-sein gemildert werden. schwimmen, tanzen, kampfsport - irgendwas womit du dich halbwegs anfreunden kannst. zudem gibt einem das ganz automatisch nen stück selbstwertgefühl, wenn man sich immer sicher und beherrscht bewegen kann.


ansonsten, wenn du wen zum quatschen brauchst: auch von mir das angebot dass du dich jederzeit melden kannst. ich habs selber jahrelang erlebt das opfer zu sein, verspottet und zusammengeschlagen zu werden und alles drumherum, ich weiss dass es nicht leicht ist da alleine rauszukommen. ab und zu hilfts schon sich einfach mal auszuheulen, nen akuten rat zu holen oder einfach ablenkung zu haben. wenn dir danach ist - meld dich.
 

Benutzer102211 

Öfters im Forum
Die Idee von nevery find ich sehr gut, versuch in einen Beruf mit Tieren oder allgemein einen Beruf in der Natur zu bekommen.
Was noch:
- laß die Vergangenheit ruhen
- weg von den Psychopharmaka, such Dir eine passende Gruppentherapie oder eine Selbsthilfegruppe, die dich gut integriert
- beginne einfach mal spontan, Dich aufzubauen und zwar, indem Du einfach Sport machst

Das wäre ein Anfang, weiteres folgt.

Das Faultier
 
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