Unerklärlicher Hass

Freya  

Öfters im Forum
Hallo,

danke fürs Reinschauen. Als ich 15/16 war, war starker Hass mein oft nicht ganz unbegründeter, ständiger Begleiter. Meist richtete er sich gegen die Familie meines Freundes, da diese mich überhaupt nicht akzeptierte. Sie haben ständig Witze darüber gemacht, dass ich Vegetarierin bin, und in der Schule noch was erreichen wollte (Sie sind der Meinung, Frauen brauchen keinen höheren Abschluss, da sie nur für den Haushalt zuständig seien). Probleme mit Freundinnen kamen dann auch immer mal hinzu.
Mit der Zeit hat sich dieser Hass aber ziemlich gegeben. Ab und an wurde ich zwar wieder von solchen Gedanken eingeholt, aber längst nicht in dem Maße wie früher. Ich war der Meinung, dass ich gelernt hätte, mit Konflikten besser umzugehen... Aber weit gefehlt.

Jetzt ist die Schwester meines Freundes (immer noch der gleiche von damals) schwanger, und irgendwie macht mich das richtig aggressiv. Ich kann gar nicht sagen wieso. Ich hab sie seit einer Ewigkeit nicht gesehen, und auch offiziell keinen Streit mit ihr. Ich mag sie einfach nicht. Besonders schlimm ist für mich ihre herablassende Art und ihre Arroganz. Einerseits tut mir das Kind jetzt schon leid, andererseits kann ich es auch, glaub ich, nicht ertragen dass sie glücklich ist. Die Vorstellung sie mit einem Babybauch sehen zu müssen, macht mich fast verrückt vor Hass.
Auch seinem Cousin wünsche ich nur Schlechtes. Nicht, dass er stirbt (wobei mir das wahrscheinlich egal wäre), sondern ich freue mich total, wenn er wiedermal einen Korb bekommt, oder Probleme im Job hat.
Kürzlich hat sich ein befreundetes Pärchen, sehr schlecht verhalten. Das haben auch Andere so empfunden. Allerdings hat mich das als Einzige wieder so dermaßen aufgebracht, dass ich mich gar nicht mehr unter Kontrolle hatte, und in meinem Zimmer voll laut geschrien habe, obwohl meine Schwester Besuch hatte. Wut war an der Stelle schon berechtigt, aber ich finde selbst, dass ich total übertrieben habe.

Ich denke, dass es total wichtig wäre, gelassener zu werden. Das würde mir selbst gut tun, meinen Freunschaften bzw. allgemeinen sozialen Kontakten und letztenendes auch meiner Beziehung. Mein Freund ist immer sehr verletzt, wenn ich was Böses über seine Familie sage. Leider kann ich es mir oft nicht verkneifen.

Wer kennt dieses Problem bzw. hat Ideen wie man mit solchen Gefühlen umgehen kann?

Dankeschön.

Gruß
 

Xhexenia  

Planet-Liebe ist Startseite
Das klingt für mich nach einem schweren emotionalen Problem, das einen tieferen Ursprung hat.
Die Schwester deines Freundes, auch wenn du sie nicht leiden kannst, nimmt laut deiner Aussage überhaupt nicht teil an deinem Leben und dennoch richtet sich dein Hass auf sie. Das ist völlig unbegründet.
Gelassener zu werden wird dich nicht weiterbringen, denn Gelassenheit bedeutet in dieser Situation letztlich nur, Gefühle, die da sind, zu unterdrücken oder seine Mitmenschen zu täuschen - dich selbst aber wirst du nicht täuschen können.
Ich rate dir, dich professionell beraten zu lassen und den Grund deines Hasses herauszufinden.
 

Eswareinmal  

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Völlig banale Idee:
Hat dein Hass begonnen oder sich gesteigert, als du angefangen hast die Pille zu nehmen?
Nur weil - bei mir war das so. Ich wusste teilweise gar nicht mehr wohin mit der ganzen Aggression. Mich konnte einfach eine Woge von Hass überfluten und dann wollte ich brüllen und schlagen und treten...
Ein Pillenwechsel hat das Problem gelöst.
 

Freya  

Öfters im Forum
Hey, danke für die Idee. So mit 16 hab ich damals begonnen die Pille zu nehmen. Allerdings haben ich auch zeitgleich die Eltern meines Freundes hassen gelernt. Inwiefern es mit der Pille zusammenhängt, kann ich schlecht beurteilen. Ich denke auf jeden Fall, dass die Pille an meinen damaligen zahlreichen Hassanfällen mit beteiligt war. Seit einem Jahr habe ich jetzt eine Kupferspirale, und ich dachte auch, dass es besser geworden sei, bis ich mich vor ein paar Tagen wieder schrecklichst aufregen musste...
 

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Teilt dein Freund diese seltsamen Ansichten seiner Verwandtschaft?
Ist abzusehen, dass seine Schwester, sobald das Kind da ist, zu Hause bleiben wird?
Hat dich dein Freund/seine Familie irgendwie am erfolgreichen Verfolgen deiner Karrierepläne gehindert?
Hast du deinem Freund/seiner Familie gesagt, dass du nichts von diesen Ansichten hälst und davon auch nichts hören willst? Wenn ja, wie hat er/sie darauf reagiert?
 

Freya  

Öfters im Forum
Teilt dein Freund diese seltsamen Ansichten seiner Verwandtschaft?
Nein, er teilt sie nicht. Er schämt sich auch ziemlich für seine Familie.
Ist abzusehen, dass seine Schwester, sobald das Kind da ist, zu Hause bleiben wird?
Klar bleibt sie zuhause. Dann wird nicht nur ihr Mann überbehütet, sondern auch das arme Kind.
Hat dich dein Freund/seine Familie irgendwie am erfolgreichen Verfolgen deiner Karrierepläne gehindert?
Mein Freund findet es super, dass ich mir Ziele gesetzt habe, und von seiner Familie hab ich mich nicht davon abbringen lassen.
Hast du deinem Freund/seiner Familie gesagt, dass du nichts von diesen Ansichten hälst und davon auch nichts hören willst? Wenn ja, wie hat er/sie darauf reagiert?
Es gab mal ne Diskussion zwischen mir und seiner ganzen Familie, und da hab ich ihnen schon deutlich gezeigt, wie wenig ich von ihnen halte. Sein Vater hat darauf hin seltsame Gerüchte über mich verbreitet.
 

Freya  

Öfters im Forum
Auf was soll ich denn neidisch sein? Auf ihre Hitler-Bilder, die im Wohnzimmer hängen, auf ihren sehr eingeschränkten Horizont, oder auf die Alkoholsucht, dich ich insgeheim bei seiner Mutter vermute? Oder ne, vielleicht auf seine Schwester, die seitdem sie 15 ist, in der Dorfbäckerei steht und ihre Urlaube ausschließlich in der Heimat verbringt? :ratlos:
 

Eswareinmal  

Beiträge füllen Bücher
Ich finde, dass du drei Dinge voneinander trennen solltest, um hier zielführend zu diskutieren.

1. Deine Wut auf seine Familie. Die trenne ich vom Rest, weil sie nicht unbegründet ist.
2. Deine Neigung, cholerisch zu reagieren (Situation im Freundeskreis)
3. Dass du dich nicht zurückhalten kannst, negative Dinge über die Familie deines Freundes in dessen Gegenwart zu sagen, weil man sich hier einfach in Taktgefühl und Empathie üben sollte.

Natürlich gehört alles zusammen, aber es in einen Topf zu schmeißen bringt nichts. Zum Beispiel Punkt 1 und 2. Das eine ist es, eine begründete Wut zu empfinden, wenn man in eine Familie hineingebracht wird.
Klar darf dich das nerven und ihr Verhalten darf dich auch wütend machen. Ich geh aber mal nicht davon aus, dass du rumbrüllst, oder? Das hast du aber in Situation 2 gemacht.
Interessante Fragen wären für mich:
Wo steckst du in Sit.1 die Wut hin? Wie gehst du mit ihr um?
Gibt es thematische Parallelen in Situationen, in denen du wütend wirst (z.B. Ungerechtigkeit, Rollenverständnis Mann-Frau...)?

Und abschließend zu Punkt 3: die eigene Familie ist einfach was besonderes. Niemand ist gern in einer blöden Familie aufgewachsen und wenige Menschen hören gern von außen Kritik an der eigenen Familie, weil da einfach besondere Strukturen herrschen. Da musst du dich evtl. in Takt und Empathie üben, um deine Meinung wenigstens angemessen zu vermitteln.
 

Freya  

Öfters im Forum
Klar darf dich das nerven und ihr Verhalten darf dich auch wütend machen. Ich geh aber mal nicht davon aus, dass du rumbrüllst, oder? Mittlerweile seh ich sie so gut wie gar nicht mehr, weil ich wegen dem Studium weggezogen bin, und mein Freund auch von zuahause ausgezogen ist. Aber ich bin ihnen gegenüber nie laut geworden (und hab es auch nicht vor).
Das hast du aber in Situation 2 gemacht. Meine Freunde direkt schreie ich eigentlich auch nicht an. Das ist bisher selten vorgekommen. Kürzlich in meinem Zimmer, hab ich alleine vor mich hingebrüllt^^
Interessante Fragen wären für mich:
Wo steckst du in Sit.1 die Wut hin? Wie gehst du mit ihr um?
Obwohl ich sie kaum mehr sehe, bin ich immer noch wütend auf sie. Eigentlich sollte ja Wut irgendwann mal nachlassen, aber sobald mein Freund von seiner Familie spricht, steigt wieder der Hass in mir hoch. Ich gehe damit gar nicht um, ich versuche einfach, das Thema auf etwas anderes zu lenken, und mir nichts anmerken zu lassen. Das klappt oft, aber eben nicht immer.
Gibt es thematische Parallelen in Situationen, in denen du wütend wirst (z.B. Ungerechtigkeit, Rollenverständnis Mann-Frau...)?
Ich habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Egal ob es mich betrifft, oder nicht. Ich hab mich eigentlich schon immer gegen jegliche Form der Ungerechtigkeit eingesetzt.
Schlimm finde ich es auch, wenn Leute schon so sehr früh ihre Jugend abgeben. Stichwort: Doppelhaushälfte, zu-alt-zum-Weggehen-Syndrom, ... mit Anfang 20. Allerdings würde ich nie jemanden deswegen verurteilen. Ist halt meine persönliche Horrorvorstellung.
 
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