Umgang mit "Familienschuld" des 2. Weltkriegs

Benutzer107106 

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Redakteur
Hallo ihr Lieben,
noch leben sie, die letzten derer, die den Weltkrieg aktiv erlebt haben, bald wird keiner von ihnen mehr "hier" sein. Die meisten unserer Großeltern hier im Forum werden ihn wohl in der einen oder anderen Art mitbekommen haben.

Ich bin immer ein bisschen erstaunt, wie andere von den Familienerlebnissen aus dem Krieg erzählen. Scheinbar treffe ich nie auf Menschen die sagen können, dass die liebe Oma brav das BDM-Abzeichen trug, ein Hitlerbild im Hausflur hing oder Opi mehr als einen Polen oder Juden auf dem Gewissen hat. Seltsam...

Wie ist das bei euch?
Wisst ihr was eure Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern so getrieben haben? Was genau war das?
Wie fühlt ihr euch dabei?
Haben Geständnisse aus ihrer Vergangenheit die Beziehung zwischen euch merklich verändert, als ihr die Tragweite dessen verstanden habt?

*********
Zu mir:
Die Familie meines Vaters ist fein raus: Als Bauernfamilie mussten sie das deutsche Volk ja ernähren, was sie auch getan haben. Keiner der Söhne wurde gezogen und es gab - weil sie so weit vom Schuss lebten - noch nicht mal die Partei oder sowas. Meine Ahnen überlebten kaisertreu den 2. Weltkrieg und benannten alle ihre Kinder nach den Söhnen und Töchtern vom letzten Wilhelm :grin: Mein Urgroßvater war wohl ziemlich entsetzt, als nach dem Krieg tatsächlich Demokratie herrschte. "Man hat ja gesehen wohin das führte."

Mütterlicherseits sieht es da allerdings ganz düster aus:
Mein Großvater trat in die NSDAP ein - ganz freiwillig - und wurde als junger Mann nach Russland geschickt. Ob er Menschen tötete? Wahrscheinlich. Gesprochen wurde darüber nicht. Die Russen nahmen in Gefangenschaft, er wurde an die Engländer verkauft und kam in den späten 40er Jahren nach Deutschland zurück. Die Erlebnisse hat er nie überwunden. Er hatte ein schweres Trauma erlebt und war schwerst depressiv. Er verstarb mit Ende 40 an Krebs. Die Zeugnisse und Orden hat meine Mutter noch bis heute. Nicht aus Stolz, sondern weil sie inetressante, wenn auch sehr gruselige Familienerbstücke sind.

Meine Großmutter ist als junges deutsches Mädel brav in den BDM gegangen, hat ihr Halstuch mit Stolz getragen und zu Hause die Bücher der lieben Jutta gelesen. Als sie vom Anschlag auf Hitler im Radio hörte, weinte sie bitterlich. "Wir wussten es ja nicht besser." Abgeschottet in einer ländlichen Kleinstadt haben sie nicht viel vom Krieg mitbekommen. Das Grauen kam erst, als beide Brüder im Krieg waren und man die Post erhielt, die niemand bekommen möchte: Der eine Bruder in der Nordsee mit dem U-Boot ertrunken. Der andere wurde über Frankreich vom Himmel gehohlt. Er hatte das Glück quasi neben einem französischen Roten Kreuz Zelt bruch zu landen, sodass die Ärzte und Schwestern sein Leben - und sein Bein - retten konnten. Er war der Einzige seiner Generation in meiner Familie der sauer auf sich selbst war, dass er diesen Mist überhaupt mitgemacht hatte und froh war über das was ihm passiert ist. Der Abschuss geschah beim ersten Sprung, so ist ihm manche Sünde erspart geblieben. Er verstarb jung an den Spätfolgen der Schussverletzungen.

In der Kiste meiner Mutter liegt noch heute das Schreibmaschinen-Schreiben des Marine-Generals an meinen Urgroßvater, der den nassen Tod meines Großonkels bezeugt. Auch mit 75 trieb dieser Brief Tränen in die Augen meiner Oma: Die Trauer um ihren großen, gutaussehnden Bruder und das bitterliche Schluchzen ihrer Mutter wurden wieder ganz real.

Meinen Opa und meine Großonkel habe ich nicht kennen gelernt, sie starben weit vor meiner Geburt.
Das schlimmste an der Sache mit meiner Oma ist die Reflexionslosigkeit gewesen. Ich habe sie sehr geliebt, aber das fand ich einfach seltsam.

Meine Mutter fand es immer betrückend zu wissen, dass ihr Vater wahrscheinlich Menschen getötet hatte. Und das nicht nur weil er Soldat war, sondern im Namen Hitlers.
 

Benutzer148000  (22)

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Meine Urgroßeltern waren einfache Soldaten mehr nicht.
Solange man nur Leute im Kampf getötet hat, braucht man keine Gewissensbisse zu haben,
nur wenn man Zivilisten und Unbewaffnete erschießt ist man ein Verbrecher.
 

Benutzer142764  (25)

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Meine Familie kommt zum größten Teil aus Polen. Mein Opa allerdings hat für Deutschland als Fallschirmspringer gekämpft und wurde verwundet bzw. hat sein Bein und seine hörkraft verloren.
Aber als einfacher Soldat, hat er nicht mitbekommen, was mit den Juden passiert ist. Erst viel später hat er von der Arbeit einen Ausflug nach Auschwitz gemacht. Er konnte einfach nicht fassen, das er für solche Schweine gekämpft hat und auch noch so stark seine Lebensqualität eingebüßt hat. Er hat immer seine ganze Geschichte erzählt: von der Militärschule bis er meine Oma kennengelernt hat. Aber nie über die Nazis, das hat ihn zu sehr geschockt bzw. war ihm Vllt auch peinlich.
Und das weiß ich auch nur von meiner Mama, und sie weiß es, weil meine Oma es ihr erzählt hat.
 

Benutzer121281  (32)

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Von der väterlichen Seite weiss ich nicht so viel aus der Zeit. Einfache Bauern, ich vermute sie waren auch eher für Ernährung etc zuständig.

Auf der mütterlichen Seite habe ich einen jüdischen Zweig. So sah es dann dort auch aus. Meine Familie hat da anscheinend einige Flüchtlinge versteckt, in 'unserer' Region was es minimal sicherer als in Großstädten.
 

Benutzer137280  (33)

Meistens hier zu finden
Bei mir ist es so :

Familie väterlicher Seite:

Opa im Krieg in Frankreich--> Kriegsgefangenschaft in den USA
Oma saß zuhause mit meinem Onkel

Familie mütterlicher Seite:

Opa war an der Ostfront, mehrere Auszeichnungen für das Töten von gegnerischen Soldaten.
Verlor ein Bein, als er auf eine Mine getreten ist und dann wieder nachhause versetzt wurden.
Oma war ein junges Mädchen, welches aus Ostpreußen übers Haff floh.
Darüber habe ich in der Schule sogar mal eine Facharbeit geschrieben.
 

Benutzer129180  (35)

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Ich weiß gar nichts davon was meine Großeltern gemacht haben im Krieg. Ehrlich gesagt ist für mich das Kapitel Weltkrieg abgeschlossen, ich habe niemanden umgebracht und damit ist das auch erledigt. Warum sollte ich mich schuldig fühlen für etwas was meine Vorfahren getan haben!?
 

Benutzer132163  (25)

Benutzer gesperrt
Bei meinen Großeltern väterlicher Seite kann ich dazu nicht viel sagen außer dad bride in der Hitlerjugend waren. Was damals ja normal war, war ja wie ein JUZ.

Mein Opa mütterlicher Seite hat war damals Bombenflieger gegen Hilter"um45"


Meine Oma und ihre Familie versuchten sich so gut es geht zu wehren. Sie nahmen sogar heimlich Juden auf.
Meine Oma hat aus der Zeit viele Vergewaltigungsversuche hinter sich. Die soldaten waren überall und sie das schönste Blonde Blauäugige Mädchen in Dorf.
 

Benutzer123649 

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Meine Großväter waren beide nicht im Krieg. Von meinem Urgroßvater weiß ich, dass er ein einfacher Soldat war und aus russischer Gefangenschaft fliehen konnte. Er erzählte oft davon, aber starb, bevor ich das Interesse daran entwickelte.

Ich fühle weder Familienschuld noch Erbschuld als deutsche Staatsbürgerin.
 

Benutzer108566 

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Meine Großeltern sind Nachkriegskinder, können also nur von ihrer Kindheit im besetzten Deutschland sprechen.

Väterlicherseits weiß ich nichts was die Urgroßeltern gemacht haben.
Mütterlicherseits sieht es düster aus. Inklusive SS-Mitgliedschaft und flammenden Nazireden am Kaffeetisch des Kindergeburtstags meiner Mutter damals zwischen meinem Uropa und dem Onkel meiner Mutter. Mit unserer Generation wurde darüber nicht mehr gesprochen, dafür waren die Männer dann zu alt. Aber noch heute erzählen mein Großvater (der als Nachkriegskind null Verständniss für die Haltung seines Schwiegervaters und Schwagers hatte) und meine Mutter von diesen Kaffeetafeln und die eisige Stimmung überträgt sich bis in die Gegenwart.


Edit: Ich wusste erst nach dem Tod der beiden Männer von ihrer Nazivergangenheit und innerlich zog sich alles zusammen. Es hat nachträglich maßgeblich meinen Blick auf die Beiden verändert. Aus dem netten Großonkel und dem netten Uropa wurden plötzlich SS-Männer und ich kriege da heute noch keine klare Sicht und kein klares Gefühl. Irgendwas verknotet sich innerlich.
Meine Familie sprach und spricht aber viel über dieses Kapitel Deutschlands. Man tauscht sich über Erfahrungen innerhalb der Familie aus, über Bücher und Dokumentationen. Mich hat das schon irgendwie geprägt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer109511  (27)

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Mein Urgroßvater väterlicherseits war wohl ein strammer Nazi, weswegen es später, nach dem Krieg, den ein oder anderen heftigen Krach zwischen ihm und meinem Großvater gab. Verwandte meiner Oma väterlicherseits hingegen haben während des Krieges mehrere jüdische Mitbürger in ihrem Haus versteckt und ihnen damit wohl das Leben gerettet.
Meine Urgroßmutter mütterlicherseits musste mit meiner Oma und meiner Großtante aus Schlesien fliehen als die Rote Armee kam.
Mehr weiß ich allerdings nicht, die paar Informationen hab ich von meinen Großeltern bekommen. Meine Großeltern waren während des Kriegs beide noch Kinder und haben somit auch nicht viel mitbekommen von den Machenschaften des Nazi-Regimes.
Ich selber fühle mich für nichts schuldig, was auch immer meine Urgroßeltern und deren Familien damals getan haben (ich weiß ja nicht viel). Ich fühle weder eine Familienschuld noch eine Schuld als deutsche Staatsbürgerin.
Klar, wir tragen die Verantwortung, unsere Demokratie zu schützen und dazu beizutragen, dass etwas so Grauenvolles wie damals nicht wiederholt. Aber schuldig fühle ich mich für nichts, weil das alles weit vor meiner Zeit, auch vor der Zeit meiner Eltern passierte und selbst meine Großeltern zu dieser Zeit noch kleine Kinder waren.
 

Benutzer127708 

Sehr bekannt hier
Ich bin ja noch vergleichsweise jung, aber meine Oma hat immer ausführlich erzählt.
Sie war zu Kriegsende grade 12, hat also weniger mit bekommen, manches aber doch. So erzählt sie bis heute, dass sie einmal an der Straße vorbeigefahren ist, auf dem Heimweg, als kurz zuvor ein Zug getroffen wurde und eine junge Frau tot mit dem Gesicht im Schlamm am Boden lag.
Mein Opa ist leider sehr früh verstorben, was ich sehr schade fand, da er für mich eine sehr interessante Person gewesen wäre.
Er war 13 als der Krieg ausbrach, wurde also später eingezogen, auch genommen lag dann aber drei Wochen nur auf der Krankenstation, da er einfach sofort krank geworden ist.
Er hatte also Glück im Unglück.

Mein Urgroßvater war Bürgermeister in unserem Heimatdorf und weigerte sich strikt in diesen "Sauhaufen" einzutreten. Er wurde natürlich abgesetzt aber nicht verschleppt, dafür war er wahrscheinlich zu unwichtig und ungefährlich.
Sein Verhalten bewundere ich sehr und seinen Mut sich, obwohl er seinen Job verlor gegen dieüvermacht zu stellen.

Bis heute bewahrt meine Oma stolz Opas Schmuckmesser aus der Armeeentlassung auf, auf dem noch ein Hakenkreuz eingraviert ist. Das hat aber vorrangig damit zu tun, dass ich ihr gesagt habe, dass sie doch bitte alles vom Opa mir vererben soll.
Mein Cousin hat im Gegensatz zu mir allgemein wenig interesse an unserer Familiengeschichte weshalb Oma alle Opa Utensilien bis heute und bis zu ihrem Tod wie einen Schatz für mich aufbewahrt.
 

Benutzer101125  (30)

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Väterlicherseits weiß ich absolut gar nichts. Meine Großeltern sind verstorben als ich noch relativ jung war (5/6 Jahre alt) und der eh schon schlechte Kontakt zwischen meinem Vater und seiner Schwester ist nach der Beerdigung der beiden relativ schnell abgebrochen.

Von meinem Opa mütterlicherseits weiß ich eigentlich auch nichts. Da er aber relativ ländlich aufgewachsen ist, vermute ich, dass da nicht viel war. Die Tante meines Opas hat einen Sohn im Krieg verloren bzw er war jahrelang vermisst und erst vor wenigen Jahren kam die Bestätigung, dass er im Krieg gestorben ist.
Meine Oma mütterlicherseits musste fliehen als sie 13/14 Jahre alt war und sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern, da ihre Mutter schwer krank und dazu natürlich nicht in der Lage war. Ihr Vater war an der Front.
 
G

Benutzer

Gast
Mütterlicherseits weiß ich tatsächlich nichts über die Verbindung zum NS-Regime - bzw. ob es da überhaupt eine gegeben hat. Meine Großmutter ist 1940 geboren und hat eher Erinnerungen an die Nachwehen des zweiten Weltkrieges und den unglaublichen Hunger, der nach 45 herrschte. Die Familie lebte damals in der französischen Zone, wo die Nahrungszuteilungen am geringsten ausfielen.

Meine Urgroßeltern väterlicherseits waren vermögend und "arisch"* - meine Großtante (meine Oma lebt nicht mehr) erzählte, man hätte aus diesem Grund versucht, meinen Urgroßvater zum Beitritt in die NSDAP zu bewegen. Angeblich haben sie das aber nicht geschafft. Während des Krieges ist mein Uropa zur See gefahren und hat hauptsächlich Waren geschmuggelt, bis sie ihm das Schiff unterm Hintern weggebombt haben. Meine Urgroßmutter hat sich in der Zeit, die er nicht Zuhause war, offenbar geweigert das obligatorische Hitlerbild im Wohnzimmer an die Wand zu hängen und ihre Töchter auch nicht zum BDM geschickt. Von beiden - meiner Oma und meiner Großtante - existieren aber Passfotos, die sie als junge Mädchen in entsprechender Uniform zeigen. Ebenso gibt es ein Foto, auf dem meine Oma (etwa drei bis vier Jahre alt) im Garten zu sehen ist, wie sie gemeinsam mit den Nachbarskindern den Hitlergruß zeigt. Wer das Foto gemacht hat (ich nehme an, so junge Kinder hat ein Erwachsener angewiesen, für das Bild zu posieren) weiß ich nicht.

Während des Krieges haben meine Urgroßeltern ihre Töchter zur Sicherheit aufs Land geschickt, weil alle großen Städte bombardiert wurden. Sie und ihre kleine Schwester lebten in direkter Nachbarschaft zum KZ Buchenwald. Und meine Oma, damals etwa 12 Jahre alt, hat mir immer wieder erzählt, dass die Menschen, die in der unmittelbaren Umgebung lebten, wussten, was dort passierte. Es war klar, dass nicht genug Platz für all die Menschen sein konnte, die regelmäßig mit den Güterzügen ankamen. Und sie sagte immer, man konnte das verbrennende Fleisch riechen, wenn die Krematorien angeworfen wurden. Grauenhaft.

Ich bin mir nicht sicher, wie genau meine Urgroßeltern zum Dritten Reich, Hitler und dem Holocaust standen - aber meine Oma war zeitlebens auf's Schlimmste traumatisiert und absolut entsetzt von allem, was sie im Zweiten Weltkrieg sehen musste. Ich war leider noch zu klein, um näher mit ihr darüber zu sprechen als sie gestorben ist. Ich hätte es sehr gern getan.


*möchte das Wort in diesem Zusammenhang nicht anders als in Anführungszeichen verwenden.
 

Benutzer125231 

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Meine Urgrossmutter, die 101 Jahre alt wurde, hatte beide Weltkriege miterlebt. Genau so wie der Aufschwung von der Norwegischer Wirtschaft. Es war nicht gerade schön, und irgendwie hat es mir auch Leid getana, Sie zuzuhören. Da der 2. Weltkrieg Sie besonders getroffen hatte.

Ihre Familie war zwar grösstenteils verschohnt, aber die Angst war halt immer da. Soviel ich weiss, hatten Sie keinen grossen Hungersnot. Man ass halt viel Fisch und anderes Zeug, wie Kartoffeln. Aber der ständiger Angst ist halt da.


Mein Urgrossvater hatte eine sehr erfolgreiche Lederei & Sattlerei. Als die Nazis Norwegen eroberten, haben Sie die Lederei beschlagnahmt um darin Uniformen und Taschen für die Ausrüstung zu produzieren. Er durfte zwar den Job behalten, musste aber leider seine Mitarbeiter "versklaven". Hatte ja keine andere Wahl zu dieser Zeit.

Diese Zeit hat meine Norwegischer Familienteil mehr und intesiver getroffen, als der Türkischer Teil. Der eigentlich verschohnt blieb.
 

Benutzer18168 

Planet-Liebe Berühmtheit
väterlicherseits war mein opa zu jung für den krieg, sein vater zu alt. der halbbruder meines opas war noch nördlich von narvik stationiert und die haben sich den ganzen krieg mit schneemann bauen vertrieben.. kampfhandlungen gab es wohl keine.. meine oma stammt aus dem sudetenland und war ebenfalls zu jung für alles.. von ihren älteren brüdern ist einer an der ostfront gefallen und der zweite wurde in frankreich am finger verletzt und ist nach kriegsende noch an der ostfront auf eine mine getrteten und hat ein bein verloren.. er war in schwere kämpfe verwickelt und hat da wohl nicht nur einen erschossen

mütterlicherseits weiß ich nicht viel aber mein opa soll wohl 2 tage nachdem er in marsch richtung ostfront versetzt wurde mit einem anderen ein schiff auf der elbe geklaut haben und sich abgesetzt haben und ist dann wohl im getümmel von dresden untergetaucht.. meine oma war brav bdm-mädchen und hat den angriff auf dresden miterlebt
 

Benutzer89539 

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Ich hatte Gelegenheit, mit zwei Angehörigen der Generation aus meiner Familie über die Zeit zu reden.

Beide hatten nie etwas gesagt über begangene Verbrechen, und ich habe auch nie gefragt. Ob sie etwas verschwiegen haben, weiß ich natürlich nicht, aber ich halte die Spekulation darüber auch für müßig.

Da der eine auch im Krieg war (der andere erst im "Volkssturm", und bei erster Gelegenheit desertiert), liegt es nahe, dass er auch jemanden getötet hat. Er hat auf jeden Fall mal freimütig gestanden, von der HJ begeistert gewesen zu sein. Sein Grund lautete sinngemäß: Ich war ein Junge, und dort gab es Abenteuer, Kameradschaft, Lagerfeuer etc. - natürlich hat es ihm Spaß gemacht. Finde ich natürlich nicht toll, aber ich kann es verstehen. Wer weiß, wie ich als Kind der Zeit auf die Propaganda reagiert hätte?

Also in Kurzform: Ich hatte und habe deswegen nie einen negativen Gedanken über die Generation. Ich kann nicht wissen, ob da nicht doch was, aber im Zweifel gilt die "Unschuldsvermutung".

Was würde es auch für einen Sinn machen, Leute (Verwandte!) unter Generalverdacht zu stellen? Ich kann ihnen wohl schlecht ihre Generation zum Vorwurf machen.
 

Benutzer14969  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Mein Großvater väterlicherseits war in Russland und ist angeschossen worden. Die Wunde hat sich infiziert, er ist in die Heimat geschickt worden und ist danach nie wieder fronttauglich geworden und musste nicht mehr zurück. Bis heute hat er Probleme durch die Wunde. Ansonsten erzählt er nichts und mein Vater meint als er und seine Brüder gefragt haben hat er immer abgeblockt - Ich habe nie versucht meinen Opa danach zu fragen. Von meinem Urgroßvater auf dieser Seite existieren Fotos aus dem 1. Weltkrieg in Unteroffiziersuniform aber da weiß ich sonst nichts drüber.

Meine Oma mütterlicherseits durfte nicht in den BDM was sie damals sehr schade fand weil sie die Kleider so schön fand hat sie mir mal erzählt - für tiefgreifende Überlegungen war sie zu Jung und auch ihr jüngerer Bruder war zu Jung und ist nicht gezogen worden. Einmal hat sie mir erzählt dass sie bei Fliegeralarm mal in ein Fabrikgebäude geflohen ist. Sie hat an der Wand unter hohen Außenfenstern gesessen und die Wand ist beschossen worden. Auf der anderen Raumseite sind Leute erschossen worden.
Meine Urgroßeltern auf dieser Familienseite sind in den Niederlanden geboren und haben versucht sich möglichst aus allem rauszuhalten. Der Bruder meines Urgroßvaters ist wegen angeblicher Wilderei standrechtlich erschossen worden. Die toten Kaninchen die er dabei hatte waren aus eigener Zucht und er wollte sie verkaufen. Mein Urgroßvater ging wohl davon aus dass das geschehen ist weil aus der Familie niemand in die Partei wollte und in der Stadt gegen die Familien die sich quergestellt haben gewettert worden ist. Heute ist eine Straße hier im Ort nach diesem Bruder benannt. Die Familie hat als selbstversorger gelebt.. haben Tiere gehalten und Gemüse angebaut und deswegen war keiner auf eine Arbeitsstelle angewiesen. Das Haus was mein Urgroßvater gebaut hat steht heute noch und die Ställe und Felder (Jetzt ein großer Garten) sind zwar unbenutzt aber existieren noch
 
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Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
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Meine beiden noch lebenden Großeltern mütterlichseits waren damals noch Jugendliche bzw. Kinder (mein Opa Jahrgang '29, meine Oma noch jünger) und haben von den eigentlichen Kampfhandlungen und Greulen wohl nicht viel mitbekommen.
Mein Opa war wohl in der HJ., aber einfach nicht der Typ, der für solche Sachen wirklich brennt. Dazu ist er einfach ein zu besonnener und gutmütiger Mensch.
Meine Oma wurde während des Krieges zu Verwandten nach Bayern aufs Land geschickt, damit ihr nichts passiert.

Väterlichseits weiß ich nicht viel, der Opa ist schon lange tot, die Oma noch länger (vor meiner Geburt gestorben). Er hat wohl gedient.
Wobei ich ihm da durchaus einiges zutraue, er war charakterlich eher hart und kühl. Nicht gerade der Typ, der einen Juden versteckt hätte.
 

Benutzer127708 

Sehr bekannt hier
Ich weiß gar nichts davon was meine Großeltern gemacht haben im Krieg. Ehrlich gesagt ist für mich das Kapitel Weltkrieg abgeschlossen, ich habe niemanden umgebracht und damit ist das auch erledigt. Warum sollte ich mich schuldig fühlen für etwas was meine Vorfahren getan haben!?
Ich glaube niemand redet hier von Schuld, sondern von Bewusstsein an der deutschen und damit verbundenen Familiengeschichte.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Off-Topic:
Mein Opa war wohl in der HJ., aber einfach nicht der Typ, der für solche Sachen wirklich brennt. Dazu ist er einfach ein zu besonnener und gutmütiger Mensch. [...] Wobei ich ihm da durchaus einiges zutraue, er war charakterlich eher hart und kühl. Nicht gerade der Typ, der einen Juden versteckt hätte.
Hmm, ich weiß nicht, wie sehr man darauf vertrauen kann. Bei meinen zwei genannten Verwandten kann ich es mir auch nicht vorstellen (und unterstelle ihnen wie gesagt auch nichts), aber teilweise gab es ja Fälle von Nazigrößen mit richtig schmutzigem Dreck am Stecken, die privat wie die warmherzigsten Menschen überhaupt erschienen sein sollen.
 
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