Trennungsgedanken nach Abtreibung

Benutzer148362 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo ihr Lieben...ich fange am besten mal direkt an:

Ich bin seit 3 Jahren mit meinem Freund zusammen und im Januar wurde ich ungewollt schwanger. Mein Freund war mir eine tolle Stütze, hat von Anfang an hinter mir gestanden und mir gesagt, dass er egal was passiert hinter mir steht. Er sagt mir immer wieder dass er mich liebt... wir waren zusammen beim Frauenarzt und auch zusammen bei der Beratung zum Schwangerschaftsabbruch.

Um es kurz zu halten: Er liebt mich total, ist mittlerweile sogar für das Kind. Und ich????? Ich bin dagegen und wenn ich ehrlich bin, Zweifel ich gerade an allem. Ich hab mir die letzten Wochen viele Gedanken gemacht, ob ich überhaupt abtreiben kann und so weiter. Hab mich darüber informiert und viel gelesen und bin mittlerweile an dem Punkt, an dem ich sage, dass es JETZT für MICH die richtige Entscheidung ist. Ich will hier jetzt auch keine Grundsatzdiskussion für und gegen den Abbruch führen, denn um was es geht kommt jetzt:

Aufeinmal hab ich das Bedürfnis abzuhauen. Mich zu trennen, alleine zu wohnen, mein Ding zu machen. Zu reisen, feiern, flirten. Gerade im Hinblick auf die Abtreibung.... ich entscheide mich gegen das Kind, weil ich mich zuerst noch selbst verwirklichen will (bin im Studium und erst 24). Dann muss ich es aber auch wirklich durchziehen, es fühlt sich an, als hätte ich eine Verpflichtung gegenüber dem kleinen in mir..

Ich sehe meinen Freund aufeinmal nicht mehr in meiner Zukunft. Die letzten Jahre waren nicht immer schön. Er hat viel Mist gebaut aber an seiner Liebe Zweifel ich kein bisschen. Auch wie er jetzt für mich da ist, ist wirklich schön. Und das er ein Kind mit möchte ist irgendwie auch total der Liebesbeweis, aber irgendwie ist es nicht mehr das was ich will.

Es fühlt sich an, als hätte mich die ganze Geschichte verändert. Als hätte es mir vor Augen geführt was ich noch alles will im Leben und das er nicht der Mann ist, mit dem ich für immer zusammen sein werde.
Der Termin ist in einer Woche und ich denke, dass ich diesen auch noch abwarten werde.
Mir ist bewusst, dass ich momentan auch unter vielen Hormonschwankungen leide und deshalb will ich den Abbruch und ein paar Tage abwarten, um wieder klar zu denken.

Aber momentan fühlen sich meine Gedanken oder Pläne richtig an. Ich lächle, wenn ich daran denke mein Ding zu machen.

Ich war die letzten 6 Jahre in einer Beziehung. Von meinem 18. bis 21. Lebensjahr mit meinen Exfreund (mein erster Freund) und danach mit meinem jetzigen Freund bis heute... Ich war eigentlich nie allein... und aufeinmal ist dieser Wunsch größer denn je..

Was sagt ihr dazu? Hormonbedingt?? Ich glaube einfach ich brauche momentan Zeit für mich. ICH muss damit klar kommen. Klar, für meinen Freund ist es auch schwer, aber ICH bin diejenige die die letzte Entscheidung trifft. Ich lege mich dort auf den Stuhl nächste Woche und ich glaube ich muss erst mal selbst damit klar kommen.

Momentan fühlt es sich nämlich so an, als würde er mich mit seiner Liebe erdrücken. Er wird immer anhänglicher und gibt sich eigentlich total die Mühe und mich nervt es einfach nur. Würde ihn am liebsten gerade gar nicht sehen. Brauche Zeit für mich.....
 

Benutzer102673 

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Hallo winterliebend,

Ich muss sagen, dass ich diese Aufgewühltheit, die Du gerade empfindest - völlig unabhängig davon, ob nun hormonbedingt oder nichts, das ändert nichts - als angemessen empfinde. Schließlich ist ein entstehendes Leben nichts, worüber man nonchalant hinweggehen sollte. Das darf so sein, dass Dich dies, und auch alle anderen potentiellen Konsequenzen, nicht kalt lassen. Das bedeutet auch, dass Du Dir Gedanken machst und auch ein Verantwortungsgefühl hast.
Ein "Ok, Kind gezeugt, los, wegmachen, weiter wie gehabt!" fände ich sehr viel erschreckender und unwürdig.

Das wollte ich vorweg sagen.

So ein Kind ist ein neuer Lebenszustand, der bedeutet, dass man sich in vielerlei Weise bindet. Ich setze mal voraus, dass auch Du davon ausgehst, dass der "Erzeuger" auch der Papa sein sollte. Somit hat die Schwangerschaft eine gewisse Lebensdimension für Dich.
Daraus folgend finde ich Deine Gedankengänge alles andere als befremdlich und sehr einleuchtend und auch Dir selbst scheint dieses Ereignis einiges klar zu machen. So ist es manchmal - dass man Entscheidungen getroffen haben muss, um zu sehen, dass man es doch nicht will. In dem Falle ist es zu einer Schwangerschaft gekommen, und Du merkst nun deutlich, was Du möchtest und was nicht. Natürlich ist es so, dass hier ein entstehendes Leben der Gedankenauslöser war, aber dazu habe ich oben schon etwas geschrieben. Der Preis ist hoch, und das ist Dir bewusst, und auch hier möchtest Du dem kleinen Mitbewohner die größtmögliche Verantwortung zukommen lassen, die Du Dir vorstellen kannst.

Ich denke alles in allem: Ein "Scheideweg" für Dich momentan, aber Du weißt, wo Du hinmöchtst. Das bedeutet für Dich in mehrfacher Hinsicht, Abschied zu nehmen. Und das darf sehr schmerzen, auch wenn man weiß, dass man selbst es ist, der diesen Schmerz herbeiführt. Aber manchmal ist es der richtige Weg. Auch richtige Wege können schwer zu beschreiten sein.

Daher viel Kraft für Dich, und ich denke, Du hast einen ganz reifen Standpunkt und reife Ansichten.
 

Benutzer36171 

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Ich glaube, wenn man auf einmal da steht und man steht vor so einer Entscheidung (Abtreibung ja oder nein), dann bekommt man eine neue, zusätzliche Sichtweise. Denn durch die Konfrontation mit einer möglichen (und ziemlich konkreten) Zukunft, also der Elternschaft gemeinsam mit deinem Freund, die euch aneinander bindet, merkst du gerade, was du wirklich willst. Und was du eben nicht willst.

Wenn ich mir deinen Text so durchlese, dann bin ich sicher, dass du die für dich richtige Entscheidung treffen wirst.
Ich finde aber nicht, dass du irgendwem irgendetwas schuldig bist.
 

Benutzer148362 

Sorgt für Gesprächsstoff
(Editiert von Lotusknospe Lotusknospe )

Mir geht es hier in dem Forum tatsächlich nur um die TRENNUNG! Der Rest ist für mich hier kein Thema. Ich denke auch dass es weh tun wird, deshalb hab ich vielleicht auch Bedenken und hab hier rein geschrieben. Wenn ich mir vorstelle wie sehr ich ihn verletze, da seinerseits alles ok ist.
Aber es scheint wirklich ein Scheideweg zu sein und ich muss mich nun entscheiden...
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich hab hier mal aufgeräumt. Sämtliche allgemeine, OT-Abtreibungsdiskussionen sind hier fehl am Platz und werden gelöscht. Bitte konzentriert euch auf das Thema der TS.
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich denke auch, dass die bevorstehende Abtreibung halt ein Anlass ist, dir (erneut) Gedanken darum zu machen, wie du dir deine Zukunft vorstellst... Und wenn du für dich halt entschieden hast, diese Beziehung nicht mehr zu wollen, sondern stattdessen Dinge zu wollen wie
alleine zu wohnen, mein Ding zu machen. Zu reisen, feiern, flirten
dann solltest du auch genau das tun.
Man entwickelt sich im Leben nun mal weiter und dann und wann ändern sich eben die eigenen Wünsche und Ziele - was der Auslöser dafür ist, ist mMn nicht relevant.
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
Redakteur
Ich finde es gut und richtig, dass du dir diese Gedanken machst.
Du möchtest ein Kind abtreiben und hast dafür Gründe.
Du hast eigene Vorstellungen von der Zukunft, die nicht zu den Vorstellungen deines Partners passen.
Klar machst du dir da Gedanken.

Für dich geht es gerade um viel mehr als "Kind oder kein Kind".
Einen konkreten Rat habe ich nicht, aber ich kann deine Gedanken da total nachvollziehen.
 

Benutzer93289 

Verbringt hier viel Zeit
Eine gute Freundin von mir steckte in einer ähnlichen Situation. Allerdings war sie nicht ungewollt schwanger, sondern das Kind war geplant. Als sie dann positiv getestet hat, trennte sich ihr Verlobter sich von ihr. Wirklich ganz traurige Geschichte.

Entsprechend stand sie auch vor der Entscheidung - Kind behalten oder abtreiben. Sie war logischerweise auch bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung. Danach war sie sich ziemlich sicher, dass sie das Kind abtreiben möchte. Und zwar genau aus den gleichen Gründen, wie du sie nennst. Sie möchte noch reisen, feiern, ihr Leben genießen etc. Sie nahm sich dann nochmal ein Wochenende Zeit um das alles sacken zu lassen. Ganz alleine für sich. Und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, dass sie natürlich das Kind möchte. Hinterher kann sie es gar nicht mehr verstehen, wie sie überhaupt je darüber nachdenken konnte abzutreiben.

So, lange Rede, kurzer Sinn. Nimm dir doch auch ein paar Tage Zeit nur für dich allein. Ohne Partner. Höre in dich hinein.
Für mich hört sich das sehr nach Panik bei dir an. Panik davor, was du nach der Geburt alles nicht mehr machen kannst. Bzw was du, ich nenne es mal so, mit Klotz am Bein (sei es Partner oder Kind) nicht mehr machen kannst.

Aber wie viel du nach der Geburt noch machen kannst, liegt ganz bei dir! Wir sind für zwei Wochen in den Urlaub gefahren, da war meine Tochter 13 Tage alt. Mit 3 Monaten ging es für 2 Wochen in den Norden, jetzt mit 7 Monaten für 3 Wochen nach Gran Canaria. Bekannte von uns haben mit 4 Kindern eine Backpacker-Tour durch Thailand gemacht. Wir waren mit unserer zehn Wochen alten Tochter auf einer WG Party. Sie hat halt im Nebenraum geschlafen und ich habe sie zwischendrin gestillt. Ich war mit Freunden in der Disco als meine Maus 5 Monate alt war. Mein Mann und ich haben noch regelmäßig Sex und gehen auch gerne mal abends essen. Eben dann mit Kinderwagen.
Ich hätte das vor der Geburt so niemals für möglich gehalten. Aber tatsächlich geht das Leben auch mit Kind noch weiter und zwar mindestens genauso schön! Trotz Schlafmangel! :cool:

Ich fürchte, dass du deine Beziehung aufgrund der ungewollten Schwangerschaft nur als Belastung siehst. Dabei gibt es so viele Dinge, die als Pärchen / Familie so viel mehr Spaß machen. Abends einschlafen, morgens aufwachen, gemeinsam essen (gehen), spazieren gehen, Babyschwimmen, morgens mit Baby frühstücken gehen, während alle anderen in der Uni sitzen bzw arbeiten, in der Baby Abteilung einkaufen, morgens aufwachen und ein kleiner Sonnenschein strahlt dich vom einen zum anderen Ohr an, Urlaub macht doch zusammen 10x mehr Spaß, etc.

Wie gesagt, ich an deiner Stelle, würde mir etwas Zeit für mich ganz allein nehmen. Mal erfühlen wie das Leben allein sich so anfühlt.

Ich wünsche dir von Herzen dass du die richtige Entscheidung für dich triffst!
 
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