Trennung... Loslassen. Wie?

J

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Hallo liebes Forum,

ich weiß einfach nicht mehr wohin mit mir ...

Ich bin mit meinem Freund nun seit drei Jahren zusammen. Wobei die Zahl nur theoretisch stimmt - praktisch gesehen haben wir uns über die Jahre einige Male getrennt um dann (meist wenige Tage später, einmal auch erst Wochen später) wieder zusammen zukommen,weil es einfach nicht ohne den anderen ging. Wir haben aber nun beide... mehr schlecht als recht eingesehen, dass es so nicht mehr weitergeht mit uns. Wir sind einfach völlig am Ende unserer Kräfte angekommen und momentan kann man unsere Beziehung als ein großes Desaster bezeichnen. Das Problem ist nur, dass sie trotzdem für mich momentan die letzte rettende Insel ist und ich grade sehr klammere.

Mein Freund ist sich innerhalb der letzten paar Monate völlig drüber klar geworden, dass er das mit uns beenden will. Wie er selbst sagt für uns, wobei er zugibt, dass er auch an sich denkt dabei (klar, wer tut das nicht). Wir haben dann einige kleine Anläufe gemacht seit Neujahr, sind aber immer wieder (oft wegen Annäherungen meinerseits) aufeinander zugekommen und haben uns verhalten wie ein Paar. Das hat ihn immer noch mehr in seiner Entscheidung bestärkt, dass es so nicht weitergeht. Im Endeffekt hat nämlich jeder dritte "Pärchenabend" im Streit geendet. Vielleicht kennt ihr den Effekt? Je sicherer er sich wurde, dass wir das nicht mehr machen können, desto unsicherer wurde ich. Obwohl ich tendenziell über die Jahre öfter die war, die sagte, es muss einfach mal enden.

Er sagt, er traut uns eine Zukunft zu. Und er will nicht, dass wir sie mit unserem momentan katastrophalen Verhalten kaputtmachen. Er will nicht, dass wir uns kaputt machen. Das machen wir natürlich irgendwie. Wir (in letzter Zeit eher ich, früher vorallem er) sind oft am weinen, am schreien, am durchdrehen. Das habe ich immer verstanden, das klingt ja so schrecklich vernünftig. Und auch ich kann mir eine Zukunft mit ihm vorstellen, so blöd sich das mit 18 anhört. Die will ich auch nicht riskieren. Nur, wenn es jetzt nicht klappt, warum dann in einem, zwei, fünf Jahren? Wie soll das denn klappen? Machen wir jetzt zwei Jahre was wir wollen oder "warten" wir richtig aufeinander? (Was irgendwie dämlich ist. Entweder ist es aus oder eben nicht, oder?)

Ich konnte ihm vor wenigen Wochen noch nur zustimmen, hab mich aber schon immer schwer in dieser letzten "Verabschiedung" getan, die es irgendwann geben muss. Wir sind seit drei Jahren so eng miteinander, wir können uns nicht trennen und dann noch ab und zu plaudern oder Freunde sein, wir bräuchten Kontaktabbruch. Ich hab immer Angst vor diesem letzten Moment zusammen. Oft schon haben wir gesagt hey, heute letzter Abend und dann haben wir z.B. weil es uns beiden guttut und so entspannend ist so getan als wäre nichts, miteinander geschlafen, sind dann eingeschlafen und dann war das für ihn geklärt und das sollte vorbei sein. Damit konnte ich nicht leben.

Wahrscheinlich bin ich ein Mensch für dramatische, romantische Abschiedsworte. Schrecklich, ich weiß. Aber ich denk immer. Hey, unsere Beziehung hat als Ende mehr verdient als das, oder?

Dieses von mir nie einen Schlussstrich akzeptieren und unsere Anziehungskraft, die uns immer wieder nahebringt hat es uns nie möglich gemacht wirklich etwas zu beenden. Dadurch wurde es aber in den letzten Wochen immer schlimmer. Das "wir trennen uns" zu Beginn wurde schnell zu "Du trennst dich ja von mir", weil ich es doch nochmal versuchen wollte. Als ich dann einsah, dass das nicht geht hab ich ihm "Du verlässt mich!" entgegengeschleudert.

Das hört sich schrecklich an ich weiß. Aber verdammt, die Situation ist einfach komplizierter als die Zeilen, die ich hier schreiben darf. Am Anfang war er der in der Beziehung, der mich "auf Händen getragen". Meiner Ansicht nach waren das einfach unsere Charakterzüge. Er romantisch und zärtlich, total verliebt ich war jedoch wegen einer einzigen vorhergehenden Beziehung mit einem älteren Jungen komplett verstört, wollte mich auf keine Beziehung einlassen und wenn schon dann nicht in der Beziehung öffnen, verwundbar machen lassen. Ich hab die Beziehung (das war wohl der erste Fehler von mir) zu beginn gar nicht so ernst genommen, aber innerhalb von drei Monaten hat sie sich zu einer sehr ernsten entwickelt. Und klar genoss ich es dann, so einen Freund zu haben, der mir alle Freiheiten lässt, damit ich mich nicht eingesperrt fühle. Im Nachhinein wirft er mir heute oft an den Kopf, das er sich vernachlässigt fühlte, die ganze Zeit, ich nur weg war und er auch nichts von meiner Vergangenheit wusste, was er mir sehr sehr nachträgt.

Danach hatten wir die besagte "längere" Trennungsphase, die geendet hat, weil er ja... ich wollte es schon wieder verharmlost hier hinschreiben aber: mich betrogen hat. Ich hab zum ersten Mal gemerkt, wie sehr mir der Kerl was bedeutet und hab dann ein paar Tage um ihn "gekämpft" statt (was eher mein Charakter wäre) "fick dich" zu sagen. Wir kamen dann wieder zusammen. Mit meiner Bedingung, das er was gut machen muss. Irgendwie. Ich meinte nicht einen wuuunderschönen Abend oder sowas materielles sondern generell. Sich etwas zurücknehmen, Vertrauen aufbauen, mich wieder das Gefühl geben was besonderes zu sein und nicht irgendsoein Mädchen, das man mal eben betrügen kann.

Er hat es versucht, ich weiß. Aber er ist schrecklich gescheitert. Ich habs ja gemerkt. Er konnte nicht mehr so wie früher. Nachdem er rausbekommen hatte, dass er lange vieles von mir nicht wusste hatte auch er gewisse Vertrauensprobleme. Und so wurde unser letztes Jahr zum ständigen Vorwürfemachen. Und aneinanderklammern.

Wie gesagt, inzwischen ist ihr vom mir anfänglich so nah sein weit weggedriftet, er "hängt" nicht mehr an mir (was ich gut finde, ich habe ihm auch damals gesagt, dass es mir manchmal zuviel "OOh ich liebe dich so etcpp" ist) - vielmehr ist er ein völlig anderer Mensch geworden, woran ich mit oben genanntem sicher nicht unschuldig bin. Und dazu verändert man sich zwischen 16-19 eben sehr extrem. Er kommt mir jetzt nur noch kalt und arrogant (im Umgang mit mir) vor, er sagt selbst zu mir, dass er mich nie wieder so wie früher behandeln könnte, aber auch nicht annähernd so liebevoll wie er möchte. "Ich kann es einfach nicht", sagt er.

Mich wiederrum bringt das alles Näher an den Kern der Sache, ich werd emotionaler immer mehr darin verstrickt und mir wird die Beziehung immer wichtiger. Gerade da ich dank ihm und meiner Familie in den letzten Monaten viel Selbstbewusstsein, das lange nicht da war, aufbauen konnte und mal aussortieren kann, wer von meinen Freunden echt Freund ist und wer nicht. Da bleiben dann nicht soviele Menschen übrig. Nur er war eben immer da. Leider begreife ich das wohl etwas spät. Ich weiß.

Warum ich das Gefühl hab, er lässt mich sitzen? Weil ich in den letzten Monaten eine soziale Phobie entwickelt habe. Die tausend Ärzte und Doktoren, bei denen ich war, sind sich da aber nicht ganz so einige, was genau ich habe, feststeht für eigentlich alle dass ich depressiv bin. Mir fällt in den letzten Monaten in die Schule gehen, mit Freunden treffen immer schwerer, wofür es keinen augenscheinlichen Grund gibt (der den Psychologen gefallen würde, weil einfach, bsp Mobbing) - wahrscheinlich habe ich gewisse Dinge in der Vergangenheit nie verarbeitet.
Ich fühl mich grade also echt merkwürdig. Zu erfahren, dass man nicht nur "seltsam" sondern "krank" ist, vielleicht in die Psychatrie mus, alles, was man so erfolgreich verdrängt hat wieder aufarbeiten muss, Medikamente schluckt, abends von Schlaftabletten zum Teil völlig zugedröhnt ist... das ist alles grade sehr schwer und ich hab einfach niemanden, der da ist.

Und trotz der Trennungsgeschichte, die bei uns läuft dachte ich eben (wie es früher gewesen wäre) er würde sich wahnsinnige Sorgen machen, er würde mich einfach in den Arm nehmen und dasein, scheiß auf Trennung. Ich dachte, wenn man drei Jahre zusammen war dann will man da sein. Aber nein.

"Übertreib es nicht" "Dramatisier es nicht" "Wirst nicht sterben" "Warum weinst du denn jetzt?" "Ich kann dir auch nicht helfen" - Sätze die heute Abend oft gefallen sind. Klar, vielleicht wirke ich manchmal ein bisschen dramatisch wenn ich es ihm erzähle, weil ich eben sonst vieles runterschlucke und er "alles abbekommt". Aber wenn man sich jemandem so öffnet... dann tun solche Antworten weh. Ich erwarte doch auch nicht, dass er etwas ändern kann, nur dass ich jemanden habe, der mich ein bisschen stärkt... Ist das egoistisch, das jetzt noch von ihm zu verlangen? Ich dachte nur auch, er würde das wollen, er könnte es mit Verantwortungsgefühl und Gewissen und der Liebe, die er noch hat nicht vereinbaren, mir einfach den Rücken zuzuwenden, wenn es mir so geht. Tut er aber, will er.

In Gesprächen wird er immer kälter und ich bin da grad leider keine Person die sich im Griff hat. Ich raste dann aus weil ich denke, heeey du bist nicht so, zeig doch einfach wie du fühlst! Ich schreie ihn oft an weil ich einfach will, dass er mal wieder mit normaler und nicht mit dieser kalt-arroganten Stimme mit mir redet. Ich weiß, das ist nicht vernünftig, aber das ist... ich kann nicht anders. Er hat vorhin vöööllig wirklich völllig entnervt mit mir geredet. War einfach angenervt. Ich hab ihn gebeten, wenn er mich nicht mehr in seinem Leben will solle er doch bitte auch auflegen und mich einfach nie mehr kontaktieren. Er hat darauf völlig entnervt "Jo. Gute Nacht, ne" gesagt und wollte auflegen. Ich bin dann völlig durchgedreht.
Ihr merkt, das geht einfach schief.
Ich weiß nicht, wie wir diese Trennung durchziehen sollen. Wir hatten uns dann geeinigt dass dies echt das letzte Gespräch sei. Weil mich das ja offensichtlich mitnimmt hab ich geweint. Ich habs sogar versucht zu unterdrücken, da mir klar war, er würde angenervt sein. Er hat es gemerkt und mich angeschnautzt. "Was weinst du denn jetzt, mein gott!" Er meinte, er weine ja auch nicht, auch wenn es ihm auch schwerfiel, aber wir müssen das eben tun. Und ich würde ja auch nicht merken, wie schlecht es ihm ginge.

Ich wurde dann so wütend als er auch noch meinte er könne mein "Leid" nicht mehr ertragen, dass es wieder geendet hat wie sowas nie enden sollte ich weiß... *schäm* Ich hab gesagt, ich hasse ihn und er soll mich in Ruhe lassen und aufgelegt. Danach bin ich hier erstmal zitternd rumgerannt. Ich kann nicht nochmal anrufen und wahrscheinlich hat er recht, nochmal zu reden macht gerade alles noch schlimmer. Wir machen es immer schlimmer, bzw momentan wahrscheinlich nur noch ich.

Aber trotz allem schlechten, was ihr nun mitbekommen habt, wir beiden hatten wunderschöne Zeiten und Momente immer. Er ist mein "Zuhause" und war meine "erste große Liebe", wie ich seine. Er hat mir Selbstvertrauen geschenkt und wunderschöne Erfahrungen. Es fällt mir schwer, mich emotional davon loszulösen. Ich weiß, gerade wenn man älter wird, scheint sowas immer einfacher zu werden und vielleicht schüttelt ihr jetzt auch nur entnervt den Kopf und sagt "Mein Gott, ihr seid erst 18 und 19. Trennt euch und gut ist." Aber es klappt einfach nicht. Ich brauche ihn gerade so sehr wie nie, ich weiß wirklich nicht wie ich sämtliche Psychologenmarathontage ohne ihn aushalten soll und mit wem ich reden kann. Klar, wie schön er sagte "Schaffst du schon allein"... alles geht irgendwie allein. Aber es geht schrecklich schwer. Ich weiß einfach nicht, wie ich das umsetzen soll, was für ihn offensichtlich klar ist.



OHGOTT habe ich viel geschrieben und das ist schon nur 1/8. Es tut mir leid, vielleicht hat sich ja jemand durch das Kuddelmuddel gekämpft und hat sowas schonmal erlebt oder kann mir Tipps, Ratschläge... oder sonstwas geben. Eigentlich sollte ich ihn wirklich nicht mehr anrufen oder mich melden, das hab ich ihm auch vor dem "Ich hasse dich" versprochen. Und er ist wirklich genervt von mir. Aber ich weiß, das ich ihn oft wohl auch sehr verletze... auch wenn er so kalt wirkt und argh....

Pure Verzweiflung, dieser Post. Pardon. :geknickt:
 

Benutzer30217 

Sophisticated Sexaholic
Für mich ist das ganze weniger kompliziert. Wenn man sich einmal trennt, dann hoffentlich aus guten Gründen und dann ist eben auch Schluss. Und wenn man sich wegen jeder Kleinigkeit trennt, dann ist man unreif und nicht bereit für eine Beziehung. Klar, man will sich ändert, gelobt Besserung, aber wieviele Menschen setzen das wirklich um? Und dann vermisst man den anderen, was doch auch vollkommen nachvollziebar ist, aber dann gibt es die Menschen, die aufgeben und mit den gleichen Problemen wieder zusammenkommen und dann gibt es die Menschen, die den Schmerz aushalten, weil sie wissen, dass es ihnen irgendwann besser gehen wird. Du hast deine ganz eigenen Probleme und solltest dich auf dich und dein Leben konzentrieren, dieser ganze Beziehungsk(r)ampf kostet doch viel zu viel Energie.
 

Benutzer9076 

Verbringt hier viel Zeit
Liebe junebug,

ich fühle und leide mit Dir mit. Deine die verzweifelte Lage schonungslos schildernden Worte zu lesen, macht mich total betroffen. Ich erkenne in eurer Situation mich und meine Freundin (?) wieder. Nur sind wir ein paar Jahre älter und seit beinahe sieben Jahren zusammen. Wir streiten uns auch ständig, sagen uns nicht mehr, dass wir uns lieben und haben - im Gegensatz zu euch - auch kein Sexualleben mehr.

Die Angst vor einem Leben ohne ihn, die Du schilderst, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich kann Dir aber (aus leidvoller Erfahrung) sagen, dass es auch ein Leben ohne ihn geben wird und dass Du sicherlich noch einmal so glücklich werden wirst.
Sicher: Das, was ihr gemeinsam erlebt habt, bleibt und wird durch nichts und keinen anderen ersetzt. Aber es gibt noch so viele andere schönen Sachen, die Du erleben kannst und wirst. Da bin ich mir sehr sicher. Schließlich lässt Dein schöner Schreibstil auf einen sehr vernunftbegabten und romantisch-emotionalen Menschen schließen.

Auch wenn ich Dir jetzt gut zurede, dass es auch ein Leben ohne ihn, ein Leben ohne diese Beziehung geben wird, rate ich euch um eurer Beziehung willen dazu, Zwiegespräche zu führen.

Zwiegespräche sind Gespräche, die gewissen Regeln unterliegen. Zum Beispiel darf man nur von sich und den eigenen Gefühlen sprechen, muss den Partner ausreden lassen, darf nicht kolonialisieren, usw. Auch sollten sie einen festen Rahmen haben und in einer ruhigen, ablenkungsfreien Umgebung stattfinden. Mehr zum Thema "Zwiegespräche" findet ihr in dem Buch "Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch" von Michael Lukas Moeller (mittlerweile schon in der 30. Auflage!). Zehn bzw. 20 gut investierte Euro. ;-)

Ich drück' euch ganz, ganz fest die Daumen!
Kopf hoch!
 

Benutzer104696 

Sorgt für Gesprächsstoff
Dazu kann ich eigentlich nur sagen, dass es normal ist, sich an die schönen Dinge der Beziehung zu erinnern. Das kann dir/euch auch niemand mehr wegnehmen. Allerdings ist es nutzlos, sich an eine auseinander brechende Beziehung zu klammern und ständig zu versuchen, alles wieder gut zu machen. Letztenendes - und da spreche ich aus Erfahung - wirst du merken, dass es auch ohne den Partner geht. Mit etwas Abstand wirst du sogar froh sein, diesen Schritt gemacht zu haben. Ich glaube, dass dich die Beziehung im Moment mehr Kraft kostet, als dass sie dir Kraft gibt. Vielleicht geht es dir ja besser, wenn du dich davon einfach mal gelößt hast?
 
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