Trennung - Habe aber Angst (m)

Benutzer162537  (31)

Ist noch neu hier
Hallo liebes Forum,

kurz zu mir: ich bin 27, männlich und seit fünf Jahren mit meinem Freund zusammen. Es ist die erste längere Beziehung in meinem Leben. Die ersten drei Jahre hatten wir eine Fernbeziehung (Fahrzeit: 90 min), im vierten Jahr bin ich in seine Stadt mit ihm zusammen gezogen, nach 9 Monaten des gemeinsamen Wohnens bekam er eine Versetzung in eine andere Stadt (mit einer Fahrzeit von 5h). Ich wohne bis heute in der gemeinsamen Wohnung und halte sie alleine.

Das haben wir durchgestanden, aktuell steht ein erneuter Umzug für ihn an (diesmal hätten wir eine Fahrzeit von 2h, Verbesserung, kann man sagen)

Problem: Mir macht diese Beziehung zu schaffen. Zur Zeit weiß ich mir keinen besseren Ausweg als eine Trennung. Dazu sind die Dissonanzen zwischen uns zu groß, zu elementar kann man sagen. Das war schon immer so, aber in letzter Zeit stört es mich massiv. Das leidige Thema Sexualleben spielt dabei eine Rolle, klar, aber ich denke, das wäre weniger das Problem. Es fällt mir schwer, interessante Gesprächsthemen zu finden, vll ist das auch bedingt durch unsere unterschiedlichen Tätigkeitsfelder (er im Einzelhandel, ich in der Wissenschaft). Gemeinsame Hobbys konnten wir in den gemeinsamen fünf Jahren kaum welche entwickeln, beim gemeinsamen Freundeskreis sieht das ähnlich aus. Wir sind einfach sehr unterschiedlich, das macht sich auch bei den „Anforderungen“ an Freunde bemerkbar. Und so machen wir einfach sehr viele Dinge getrennt, sodass es sich manchmal anfühlt wie eine „Teilzeitbeziehung“.

Wahrscheinlich ist das auch bedingt durch die Fernbeziehung, welche uns beide sehr viel Kraft kostet. Aber auch in unseren gemeinsamen Monaten in einer Stadt gelang uns das alles auch nicht wirklich. Die wenigen zarten neugeknüpften Kontakte gingen verloren, als er wegziehen musste

Wir streiten uns oft. Über alltägliche Dinge aber auch über unsere offene Beziehung die wir aufgrund der sehr raren Zeit zusammen führen. Dabei geht es um Regeln des Umgangs mit anderen Personen, Eifersucht spielt dabei wahrscheinlich vor allem von seiner Seite aus eine Rolle. Diese Streits führen wir meist über Whatsapp oder Skype. Die finden also schriftlich statt – ebenso die Versöhnung.

In eine dieser Bekanntschaften im Rahmen der offenen Beziehung hatte ich mich auch leicht verknallt. Er repräsentierte vieles, was ich aktuell so vermisse. Kein gutes Zeichen, schätze ich. Aktuell besteht kein Kontakt mehr zu ihm.

Ich bin nun drei Jahre in der Stadt, in der ich ursprünglich mit ihm zusammen gezogen bin. Angekommen im sozialen Sinne bin ich nie. Das liegt daran, dass ich mehr oder weniger isoliert an einer Qualifikationsarbeit schreibe und nicht so wirklich Kollegen habe. Viele Personen in meinem Bekanntenkreis werden nun Eltern. Für sie tun sich neue Kontexte und Aufgaben auf. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass Wochenenden meist für die Beziehung reserviert sind (und ich entweder zu ihm oder er zu mir fährt) und man natürlich auch viel Zeit (alleine) mit dem Partner verbringen will. Einen stabilen größeren Freundeskreis aufzubauen fällt da schwer, da doch Wochenenden meist für sowas prädestiniert sind.



Alles für sich genommen also vll überwindbar, aber zusammen…?? Ich möchte eigentlich gern einen Neuanfang, denke, dass das auch für uns beide das Beste wäre. Ich bin oftmals traurig, einsam, weil wir auch so viel Zeit abends im Skype verbringen, stelle mir vor, wie es wäre, nochmal ungebunden zu sein, bereit zu sein für „was Neues“…auch meine Arbeit leidet darunter. Ich kann mich kaum konzentrieren.

Ich hab aber vor dem Moment der Trennung krass Schiss. Ich habe sowas noch nie gemacht, er hängt auch sehr stark an der Beziehung, redet immer von Hochzeit und Kinderkriegen (wie soll sowas bei zwei Homos funktionieren haha) obwohl ich mich ihm gegenüber oft abweisend verhalte.

Meine Frage: Wie mache ich sowas am Besten? Einfach kurz und schmerzlos oder die Botschaft mit anschließendem langen Monolog? Er hat derzeit Urlaub, ist bei mir und hat Abschlussprüfungen einer mehrjährigen Weiterbildung heute und morgen. Danach wollte ich es vll übermorgen angehen. Dann kann er den Rest seines Urlaubs hier in der Stadt verbringen und sich von Freunden und Familien auffangen lassen. Ich würde temporär „ausziehen“ und bei Bekannten auf der Couch übernachten. Ich habe überlegt, seiner besten Freundin vorab Bescheid zu geben, dass sie von sich aus nach etwas Zeit sich nach seinem Gemütszustand erkundigt. Ich habe Angst, dass er sich abkapselt und von alleine keinen Trost sucht. Aber in dem Punkt bin ich mir nicht sicher.

Was würdet ihr tun? Könnt ihr mir was raten? Was würdet ihr mir raten? Ich bin sehr aufgewühlt.


Vielen Dank für das Lesen des langen Textes.

Liebe Grüße

Ordnung der Dinge
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer150539 

Sehr bekannt hier
Wie man sich trennt, ist etwas sehr subjektives. Ich hab schon so einige Trennungen hinter mir - von SMS, Whatsapp oder persönlich über "Trennungszeiten" über kurz-und-schmerzhaft hab ich alles schon hinter mir und war immer scheisse. Ich hab mich schon "im Guten" getrennt (und nie mehr gesprochen) und im Streit, bin mit manchen noch befreundet und anderen nicht.

Fazit: Mach es so, wie es dir am besten gefällt. Ein Brief, persönlich oder wie auch immer. Ich z.B. kann nicht sprechen in der Situation und habe schon lange Briefe verfasst und dem anderen zum Lesen gegeben. So kann mir niemand ins Wort fallen, ich vergesse nichts und brech nicht in Tränen aus. 2 Personen standen plötzlich vor meinre Tür "Ich lieb dich nicht mehr, das wars" und brachten mir einige Zeit später meine Sachen vorbei/ich holte sie ab. bei jemand anderem war es ein Streit per Facebook (tatsache!) Und das Fazit "wir sind ab jetzt getrennte Leute"! n bisschen noch rumzicken wegen seinen Sachen (und meinen) und das wars.

Bei euch ist es wohl schwieriger, wenn du noch in der gemeinsamen Wohnung lebst. Er wird "ausziehen" müssen oder ihr löst die Wohnung gemeinsam auf. Beides nichts, was von heute auf morgen klappen wird. Mach dir darüber schon mal Gedanken. Fair ist es nie, aber man muss jemandem auch nicht mehr Steine in den Weg legen, als nötig - oder?
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Fernbeziehungen können aber echt hart sein, wenn man dafür nicht gemacht ist. Und auch eine Belastungsprobe für eine Beziehung, finde ich.

Du bist dir mit deiner Entscheidung aber schon recht sicher, oder? Oder könntest du dir vorstellen ihm mal all deine Gedanken zu sagen? Sprich, dass ihr es noch mal ein letztes Mal probiert? Und er auch die Chance hat sich zu bemühen, Dinge zu ändern. Und damit er auch weiß, wie es dir momentan geht.
Eine Möglichkeit wieder in die Nähe zu ziehen, gibt es aber nicht, richtig?
Streitigkeiten über Whatsapp schriftlich auszutragen ist aber wirklich nicht gut. Ich habe das leider auch schon gemacht, aber dabei kommt einfach nie was Gutes bei raus. Über Skype mit Cam telefonieren wäre da vielleicht noch die beste Lösung.

Trennungen sind aber immer kacke. Egal, wie man es macht. Am besten ist so was aber immer persönlich. Und keine Vorwürfe machen. Und mach' deutlich, dass du keinen Schritt zurück mehr siehst, wenn die Sache für dich klar zu Ende ist. Denn sonst sieht er Hoffnung und denkt, er könnte dich durch seine Verhaltensänderung umstimmen und macht sich Hoffnungen.
 

Benutzer162537  (31)

Ist noch neu hier
Danke erstmal für die schnellen Antworten.:* Gern möchte ich auf einige Sachen eingehen.

Du bist dir mit deiner Entscheidung aber schon recht sicher, oder? Oder könntest du dir vorstellen ihm mal all deine Gedanken zu sagen? Sprich, dass ihr es noch mal ein letztes Mal probiert? Und er auch die Chance hat sich zu bemühen, Dinge zu ändern. Und damit er auch weiß, wie es dir momentan geht.
Eine Möglichkeit wieder in die Nähe zu ziehen, gibt es aber nicht, richtig?

Ich weiß nicht. Ich könnte schon mit ihm über einige Dinge reden, ich hab es auch schon getan, ein bisschen was hat sich auch geändert zwischen uns...aber nicht genug in meinen Augen.
Und außerdem: Was bringt es denn, jemanden mehr oder weniger "nach seinen Wünschen formen zu wollen"? Wenn man zu vielen Dingen, die den Partner bewegen, rumtreiben, interessieren etc. keinen Zugang hat, kann das wie ich finde auch nicht erzwingen. Ich wöllte das auch nicht, dass sich jemand nur mir zuliebe mit mir etwas macht oder redet. Ich glaube, eine gemeinsame Basis ist in jeder Beziehung gut und wichtig. Daher habe ich die Erfahrung gemacht dass das Sprichwort "Gegensätze ziehen sich an" irgendwie langristig nicht hinhaut...
Ja, es gab eine Möglichkeit zusammen zu ziehen. Bei seiner erneuten Versetzung. Ich wollte das aber nicht. Ich kann mir das nicht vorstellen, nach all der Zeit getrennt nochmal mit ihm zusammenzuziehen. Ich habe Angst, in der neuen Stadt wieder keinen Anschluss zu finden, und nur Sachen zu zweit machen. (ergo DVD-Abende, Essen gehen, Kino - das sind so Sachen, die wir zusammen machen)



Bei euch ist es wohl schwieriger, wenn du noch in der gemeinsamen Wohnung lebst. Er wird "ausziehen" müssen oder ihr löst die Wohnung gemeinsam auf. Beides nichts, was von heute auf morgen klappen wird. Mach dir darüber schon mal Gedanken.

Darauf habe ich den vergangenen Monaten für den Fall der Fälle schon hingewirkt. Nach seiner ersten Versetzung hat er einige Sachen schon mitgenommen, verkauft, die ihm gehören. Er steht im Mietvertrag drin, ja. das könnte dumm für mich ausgehen, wenn der Vermieter nur ne Kündigung akzeptiert und kein Rausstreichen meines Freundes. Und in einer dt. Großstadt als mittelloser Doktorand, der von der Hand in den Mund lebt, ne neue Wohnung zu finden...viel Freude dabei. Aber diese "Kollateralschäden" wäre ich bereit zu tragen.

Fair ist es nie, aber man muss jemandem auch nicht mehr Steine in den Weg legen, als nötig - oder?

Wie meinst du das?
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren