Traurig - überall stoße ich auf Ablehnung

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Ich kann Damian nur zustimmen. Lass dich von einem fehlgeschlagenen Therapieversuch nicht entmutigen. Es kann sehr gut sein, dass man erst nach mehreren Anläufen den Therapeuten findet der zu einem passt und einen wirklich weiterbringt.
 

Benutzer101996 

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Hallo Stormy,

Deine Geschichte ist wirklich sehr traurig. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass alle Menschen dich ablehnen. Dein Beitrag lässt doch erkennen, dass du dich sehr gut artikulieren kannst und ich finde dein Schreibstil wirkt auch sehr sympathisch.

Es ist nur so ein Gedanke von mir, aber vielleicht ist es auch so, dass du Reaktionen deiner Mitmenschen irgendwie selektiv wahrnimmst und immer negativ auf dich beziehst, weil du vielleicht wegen deiner schlechten Sozialisation in der Kindheit auch ein negatives Selbstbild hast?
Ich meine das Mobbing in der Kindheit ist die eine Sache und das gibts leider auch nicht gerade selten. Aber dass du als erwachsene Frau von allen anderen Erwachsenen abgelehnt wirst?

Habe ich es richtig verstanden, dass du schon eine Partnerschaft geführt hast? Das setzt doch soziale und emotionale Kompetenz voraus. Ich meine, dazu musst du erstmal längere Zeit konstanten Kontakt zu einem anderen Menschen haben. Du musst in der Lage sein Gefühle für den anderen Menschen zu entwickeln und diese auch zuzulassen und dich irgendwann auch dem anderen Menschen zu öffnen. Und vorallem muss der andere Mensch auch Gefühle für dich entwickeln und deine Nähe geniessen und dich sehr, sehr doll mögen.
 

Benutzer102949 

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Das, was dir fehlt ist Selbstvertrauen. Wer kein Selbstvertrauen hat, hat höchstwahrscheinlich kaum Ausstrahlung und das merken die Mitmenschen, mit denen du näheres zu tun hast und auch die, denen du nur über den Weg läufst. Ich habe den Eindruck, du nimmst dir jede Kritik und jede Randbemerkung viel zu ernst und zu persönlich und ich weiß auch nicht, wie wir dir in diesem Forum helfen sollen. Wenn jeder unterstreicht wie mies es dir geht, wie sehr du jedem Leid tust, damit ist dir nicht geholfen. Es hängt von DIR ab, ob und was du an deiner Lebenslage ändern möchtest, du musst die Initiative ergreifen. Eine Therapie würde ich dir auch am ehesten empfehlen, denn wenn du selber nicht genau weißt, welche Hintergründe es hat, dann kann dir das vielleicht dabei helfen. Es kann dir auch helfen dir selbst zu vertrauen, an dich zu glauben und dich nicht immer von einem Außenstehenden runtermachen zu lassen.
 

Benutzer6428 

Doctor How
Von mir auch nochmal ein Kompliment: Du schreibst tatsächlich sehr gut und ich finde es auch toll, dass du dich nicht für einen Partner verbiegen möchtest. Klar ist es nochmal ein weiterer Schritt es dann auch tatsächlich nicht zu tun, aber das musste ich auch erst lernen :zwinker:
 

Benutzer120069  (40)

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Das, was dir fehlt ist Selbstvertrauen. Wer kein Selbstvertrauen hat, hat höchstwahrscheinlich kaum Ausstrahlung und das merken die Mitmenschen, mit denen du näheres zu tun hast und auch die, denen du nur über den Weg läufst. Ich habe den Eindruck, du nimmst dir jede Kritik und jede Randbemerkung viel zu ernst und zu persönlich und ich weiß auch nicht, wie wir dir in diesem Forum helfen sollen. Wenn jeder unterstreicht wie mies es dir geht, wie sehr du jedem Leid tust, damit ist dir nicht geholfen. Es hängt von DIR ab, ob und was du an deiner Lebenslage ändern möchtest, du musst die Initiative ergreifen. Eine Therapie würde ich dir auch am ehesten empfehlen, denn wenn du selber nicht genau weißt, welche Hintergründe es hat, dann kann dir das vielleicht dabei helfen. Es kann dir auch helfen dir selbst zu vertrauen, an dich zu glauben und dich nicht immer von einem Außenstehenden runtermachen zu lassen.


Ja, das ist wohl der entscheidende Punkt: mangelndes Selbstvertrauen!
Eine Bekannte sagte mir mal das ich keine Ausstrahlung habe. Ich konnte damit nichts anfangen, da ich immer dachte, jeder Mensch hat doch eine Ausstrahlung!
Aber ist das ein Grund jemanden sofort sehr unsympathisch zu finden und ihn abzulehnen?
Warum denkt nicht mal jemand das ich so wenig Selbstvertrauen habe, wird wohl eine Vorgeschichte haben.
Bitte lacht mich nicht aus, aber ich kam mir manchmal schon behindert vor! Ich wurde nämlich im Erwachsenenalter oft schon wie eine geistig Behinderte behandelt. Es ist ein Wunder das man mir überhaupt zutraut mir selbst den Popo abzuwischen.
Egal, was ich im Berufsleben machte, alles wurde misstrauisch beäugt und oft für schlecht befunden.
Lob und Anerkennung kenne ich nicht.
Eine frühere Bekannte sagte mir mal, ich soll sehen, ob man mir meine Defizite nicht als Behinderung anerkennen kann. Ich habe eine ungeschickte Motorik und das fällt nun mal schnell auf.
Fiel auch in der Tagesklinik auf. Einmal sollte ich Pizzastücke von einem Tablett auf Teller verteilen. Da ich unter Zeitdruck stand, stellte ich mich unbeholfen an. Da schrie mich ein Mitpatient vor allen anderen an, was das denn soll. Ich hätte ja eine Feinmotorik wie ein Schlächter!
Vielleicht habe ich mir auch das wieder zu sehr zu Herzen genommen, aber die ständige Kritik setzt mir sehr zu.
Nächste Woche beginne ich ein Praktikum in einem Altenheim. Ich habe jetzt schon Horror davor, das mangelnde Selbstvertrauen eben...
Ich werde dort in der Küche helfen und demenzkranke Menschen betreuen.
Ich habe so große Angst das ich auch da wieder abgelehnt und schikaniert werde.
 

Benutzer120069  (40)

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Von mir auch nochmal ein Kompliment: Du schreibst tatsächlich sehr gut und ich finde es auch toll, dass du dich nicht für einen Partner verbiegen möchtest. Klar ist es nochmal ein weiterer Schritt es dann auch tatsächlich nicht zu tun, aber das musste ich auch erst lernen :zwinker:

Danke für das Kompliment. :smile:
Als ich noch ganz jung war, war ich eher unterwürfig, aber heute würde ich mich nicht mehr verbiegen lassen.
 

Benutzer120069  (40)

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Mir fällt da noch etwas ein.
Mir wurde gesagt ich wirke wie eine, der man "ein x vor ein u vormachen" kann.
Bedeutet das, das ich irgendwie blöd wirke? Das man mich leicht verarschen kann? :unsure:
Also hat die Ablehnung, auf die ich stoße, nicht nur mit meinem mangelnden Selbstbewusstsein zu tun?
 

Benutzer102949 

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Ja, das ist wohl der entscheidende Punkt: mangelndes Selbstvertrauen!
Eine Bekannte sagte mir mal das ich keine Ausstrahlung habe. Ich konnte damit nichts anfangen, da ich immer dachte, jeder Mensch hat doch eine Ausstrahlung!
Aber ist das ein Grund jemanden sofort sehr unsympathisch zu finden und ihn abzulehnen?

Der erste Eindruck zählt eben oft am meisten. Wenn du mit einer Visage mit 3-Tage-Regenwetter ins Büro kommst und man dir schon in 10km Entfernung ansehen kann, dass du ein in Selbstmitleid verfallendes kleines, mauerblümchenartiges Weibchen bist, tja, dann wird das Interesse wohl nicht zu groß sein. Das ist natürlich voll übertrieben, nur hoffe ich, dass du jetzt verstehst wie ich das meine.
Wenn du morgens aufstehst, dich für die Arbeit fertig machst und in den Spiegel guckst, was denkst du dir, wenn du dich ansiehst? Sag mir das jetzt nicht aus dem Stehgreif, denke jetzt auch nicht darüber nach, sondern teste das mal morgen früh, wenn du aufstehst.

Die Bemerkungen mit der Behinderung waren natürlich wieder daneben. Aber lass dich von sowas doch nicht so fertig machen. Jeder kennt sowas, nur denke ich mir nach soetwas immer "Entweder ein Arschloch mit gutem Tag, oder ein Nichtarschloch mit schlechtem Tag oder ein Megaarschloch mit richtig beschissenem Tag. Nicht mein Bier." Böms. Gut, ich würde jetzt lügen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass es mich danach einfach nicht mehr kümmert. Nur fange ich nie an, an mir selbst zu zweifeln! Eher neige ich dazu die Person zu verteufeln, sie zu verfluchen oder mit einem guten Vertrauten den Dampf abzulassen und spätestens nach 24Std. hab ich das schon wieder vergessen. ^^
Lass nicht zu viel an dich heran. Schon gar nicht von Leuten, die dich nicht/nicht gut genug kennen oder die dir nichts bedeuten.
 
S

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Ja, das ist wohl der entscheidende Punkt: mangelndes Selbstvertrauen!
Eine Bekannte sagte mir mal das ich keine Ausstrahlung habe. Ich konnte damit nichts anfangen, da ich immer dachte, jeder Mensch hat doch eine Ausstrahlung!

Ausstrahlung hat ja auch jeder, die Frage ist ob positiv oder negativ. Es ließt sich so als wäre dir null bewusst wie du auf andere Menschen wirkst. Wenn einem die Wirkung auf andere egal ist, dann wäre dieser Zustand schon fast ein Segen, nur Jemand der nach Anerkennung ringt dem fällts doppel schwer.

Aber ist das ein Grund jemanden sofort sehr unsympathisch zu finden und ihn abzulehnen?

So sind die Menschen eben. Es gibt sehr viele die ne Sicht wie ein Schubladenschrank haben, auf und wieder zu. Da bedarf es meißt nur wenige Kriterien um sofort abgeurteilt zu werden und in die Schublade gepackt zu werden. Das wird man nicht ändern können, doch mir scheint es so, als wäre deine subjektive Wahrnehmung so negativ verzerrt das du die kleinen Dinge im Leben garnicht wahrnimmst. Das man nur Ablehnung bekommt, das kann ich und will ich nicht glauben. Du magst ne schwere Kindheit gehabt haben, nur bedeutet es nicht das alle Menschen dich wie in der Vergangenheit behandeln. Du bist auf einem Entwicklungsstandard stehen geblieben. Jemand der nie gelernt hat was Anerkennung bedeutet, der wird es auch nicht merken, wenn man ihm es auf die Stirn schreibt. Verstehst du was ich meine?


Warum denkt nicht mal jemand das ich so wenig Selbstvertrauen habe, wird wohl eine Vorgeschichte haben.

Menschen sind oberflächlich. Es interessiert schlichtweg niemand ob du es damals schwer gehabt hast. Das ist natürlich zu bedauern und wünschen tue ich es keinem, nur die anderen können auch nichts dafür. Besonders nicht, weil sie im ersten Augenblick nicht an der Vorgeschichte interessiert sind. Weißt du bei einem Buch am Anfang was drin steht? Oder ließt du dir viel mehr die Kurzbeschreibung auf der Rückseite durch? Genauso funktioniert es auch bei uns. Das was du im kurzen Moment bereit bist zu geben, entscheidet darüber ob jemand weiteres Interesse hat. Vielleicht ist das Buch ja interessant es hat nur eine bescheidene Kurzbeschreibung, also legst du es zurück ins Regal.


Bitte lacht mich nicht aus, aber ich kam mir manchmal schon behindert vor! Ich wurde nämlich im Erwachsenenalter oft schon wie eine geistig Behinderte behandelt. Es ist ein Wunder das man mir überhaupt zutraut mir selbst den Popo abzuwischen.

Wie wird denn eine geistig behinderte Person behandelt? Irgendwie ließt es sich so als wärst du ein wenig froh. Du beschreibst sehr häufig wie gemein Leute zu dir sind und du nie Anerkennung bekommst. Kann es nicht sein das du dich in diesem Gedanken permanent verrennst, weil du nicht willst das du dich mit gewissen Defiziten auseinander setzen musst? Jemand der so verzweifelt ist das die Verzweiflung selber ihm Halt in der Situation gewährt, was wiederrum verhindert das Defizite die dazu führen nicht erkannt und geändert werden können.


Egal, was ich im Berufsleben machte, alles wurde misstrauisch beäugt und oft für schlecht befunden.
Lob und Anerkennung kenne ich nicht.

Ist das deine Interpretation oder hat man dir das wortwörtlich gesagt?



Vielleicht habe ich mir auch das wieder zu sehr zu Herzen genommen, aber die ständige Kritik setzt mir sehr zu.

Was wäre, wenn du keine Kritik bekommen würdest? Beziehungsweise wie definiert sich Kritik bei dir? Für manch einen sind Tipps schon eine Form der Kritik.



Nächste Woche beginne ich ein Praktikum in einem Altenheim. Ich habe jetzt schon Horror davor, das mangelnde Selbstvertrauen eben...

Und warum änderst du es nicht? Das klingt ja so als wolltest du sagen "ich kann nichts dafür, es ist mein mangelndes Selbstvertrauen." Die Einstellung im Leben macht die Musik, so wie es heraus schallt so kommt es auch zurück.



Ich werde dort in der Küche helfen und demenzkranke Menschen betreuen.
Ich habe so große Angst das ich auch da wieder abgelehnt und schikaniert werde.

Nimm es mir nicht Übel aber man ist nur Opfer wenn man das auch selber will. Niemand kann dich zu einem Opfer degradieren, wenn du es nicht zulässt. Du bist Diejenige die darüber entscheidet ob die Art des Gegenüber dich zum Opfer werden lässt oder eben nicht. Menschen können und werden scheiße zu dir sein, du aber entscheidest ob es die Art ist die dich beeinflusst. Ich denke du solltest dir zur Verarbeitung deiner Probleme aus vergangenen Tagen Hilfe holen und diese auch in Anspruch nehmen bis sich Besserung auftut.
 

Benutzer120069  (40)

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Hallo,

Ich kenne das alles genau wie du es im ersten Beitrag beschreibst. Ich bin 24 Jahre jung und habe auch schon viele schlechte Erfahrungen gesammelt. Bei mir liegt es an einer Körperbehinderung die mich irgendwie "dumm" wirken lässt. Ich habe in der Realschule so einige schlechte Erfahrungen mit Mitschülern gehabt. Es gab Leute die spaß hatten wenn sie mir Schmerzen zufügten. Schimpfwörter wie z.B. Krüppel und Spasti hörte ich täglich. Auch heute höre ich immer noch Spasti und Krüppel...meistens auf der Straße und meistens von Frauen. Ich hatte auch wenige Freunde und heute habe ich auch kaum Freunde. Ich bin 24 Jahre und hatte noch nie eine Freundin. Ich habe mich des öfteren Verliebt aber keine Frau kann sich eine Beziehung mit einem wie mir vorstellen. Ich kann laufen aber es sieht nicht normal aus. Ich habe meine Fachhochschulreife und eine Assistenten-Ausbildung (Schulisch in zwei Jahren) gemacht. und danach eine Ausbildung angefangen die mir aber nicht liegt. ich habe meinen Abschluss versucht aber nicht geschafft. jetzt hänge ich zu Hause und habe keine Unterstützung von den Ämtern. Ich habe einen Grad der Behinderung von 30%.

Ich bin beruflich auf einen Bürojob angewiesen aber bekomme keinen. Ich habe keine Chancen in Deutschland. das ist glaube noch mal ne Nummer härter. soll nicht heißen das dein Beitrag nicht schlimm ist.

Hallo,

dein Beitrag hat mich sehr, sehr betroffen gemacht!
Es tut mir unwahrscheinlich leid für dich, wie man dich wegen deiner Körperbehinderung behandelt hat!
Unfassbar, wie grausam Menschen sein können, jemanden als "Krüppel" zu betiteln. Als wenn es das Schicksal nicht schon schlecht genug mit einem gemeint hat.
Ich schreibe dir ganz ehrlich etwas. Ich weiß das viele Frauen sich nicht vorstellen können, mit einem körperbehinderten Mann zusammenzusein.
Bin mir nicht sicher, ob ich es könnte. Wobei ich denke, es ginge, wenn ich mich wirklich verlieben würde.
Man muss da einfach realistisch sein.
Ich habe schon die Erfahrung gemacht, das manche Männer sogar schon eine Zahnprothese abstößt und sie eine solche Frau nicht zur Partnerin haben wollen.
So viel Oberflächlichkeit kann ich nicht nachvollziehen.
Ich wünsche dir sehr, das dir noch eine nette Frau begegnen wird. Gib die Hoffnung nicht auf!
 
P

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Einen schönen Sonnabend wünsche ich Dir
und will mir die Zeit jetzt nehmen, Deinen Beitrag auseinander zu nehmen.

Inzwischen bist Du eine erwachsenen Frau und grübelst über die Art und Weise des Lebens und was Dich in einer Weise verzweifelt gemacht hat. Und Dich emotional verletzt hat.
Du schreibst, Du bist von Anfang an kalt und lieblos behandelt worden, das aufzuarbeiten ist ein Thema für sich und geht unter Umständen an ganz tiefe Wurzeln.
Ich denke da nur an das Thema Wunschkind und wunschgemäß ein Junge oder ein Mädchen. Du bist ein Mädchen geworden, ein Mädchen mit all seinen guten Seiten. ! Aber war das von Deinen Eltern so gewollt, wie weit konntest Du die Frage stellen und wie weit hast Du eine Antwort darauf erhalten.
Wenn Du schreibst, Du bist nie in den Arm genommen worden, dann stellt sich für mich die Frage, ob Deine Eltern sich bewußt waren, da ist ein Mensch, dem ist Liebe entgegenzubringen. Eltern-Kinderliebe ist natürlich was anderes als heute die Beziehung zu einem Mann in Deinem Fall.

Hier sehe ich auch die Eigenschaft sich in Gefühlen in einen anderen Menschen reinzudenken und reinzufühlen. Du hast es von Deinen Eltern nicht mit auf den Weg bekommen. Gefühle zu entwickeln ist eine Eigenschaft, die man selbst erlernen muß, das Rüstzeug dazu kommt aus der Familie und von den Eltern.
Jetzt stellt sich für mich die Frage, warst Du ein Einzelkind oder hattest Du noch ein oder zwei Geschwister, denn das hab ich entweder nicht raus oder überlesen. Wenn Du als Einzelkind aufgewachsen bist, dann waren Deine Eltern vielleicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt, waren noch nicht reif dafür, hatten das Alter noch nicht für ein Kind, um es großzuziehen.

Hier liegt eventuell der Punkt, wo diese Ferne, dieses mit sich allein Fertigwerden begründet liegt, Deine Eltern haben es nicht merken wollen oder haben die Probleme des Alleinseins nicht erkannt, hier könnten die Ursachen in deren Kindheit selbst liegen. Ein Mensch der als Kind allein mit sich fertig werden musste, fängt erst spät an sich um seine Wurzeln zu kümmern und nachzuforschen, was war wann.

Deine Mutter tat alles um Dich loszuwerden, so schreibst Du, dann war sie doch mit sich selbst und mit der Beziehung zu ihrem Mann schon überfordert, sie hat keine Kraft aus der Beziehung schöpfen können, die sie in Liebe zu ihrer Tochter hätte wandeln können. Möglicherweise hat sie die Beziehung nicht als Punkt sich weiterzuentwickeln gesehen, sondern nur als Belastung. Das wäre dann der Fall, wenn sie von Deinem Vater nie Unterstützung erhalten hätte, egal auf welcher Ebene, ich sage nur z.B. Windeln waschen, Dich als Kind versorgen, füttern, mit Dir mit dem Kinderwagen ausfahren, und was da so alles noch möglich wäre.

Du schreibst im weiteren Verlauf, man wollte „sozialisieren“. Sowas kann man sicher als Ziel in den Gedanken haben, aber die Umsetzung muss anders erfolgen. Nur mit Geld oder mit dem Gedanken, das Kind muß in Arbeitsgemeinschaften, Hauptsache es ist beschäftigt, dass so umzusetzen ist fatal und letztendlich führt es zu dem Bild was Du beschreibst.
In Beschäftigung für und mit einem Kind muß ich Begeisterung wecken, muß dem Kind vermitteln, da ist was, das könnte dir gefallen und hier kommt die Reaktion ins Spiel, Deine Reaktion. Eltern sollten erkennen, was einem Kind gefällt und was ihren lästig ist. Der Drang zu befohlener Beschäftigung wirkt wie eine Vollbremsung, erzeugt Gegenwehr, Ablehnung, Abneigung, nicht nur gegen die Beschäftigung selbst sondern möglicherweise auch gegen die Personen, die Dich beschäftigt haben. Hieraus resultiert oder könnte Deine Berührungsangst her stammen.

Du hast Schranken fallen lassen und Dir die für Dich liebsame Beschäftigung gesucht und allein gefunden. Damit warst Du als Einzelgänger so quasi vorprogrammiert. Was jetzt kommt ist, das sich andere Kinder von Dir abwenden und dich nicht mit in ihr Spiel in ihre Beschäftigung integrieren, ein Teufelskreis, der immer schneller und tiefer wird, die Absonderung deinerseits und die Ablehnung der anderen auf der anderen Seite wird immer weiter zur sich weit öffnenden Schere.

Mit der Weiterentwicklung in jugendliches Alter schreitet das voran, die Isolation Deiner Persönlichkeit findet Ausdruck in Deinem Rückzug aus der bunten Welt . Du wirst immer mehr zum Einzelgänger und Dein Leben sondert sich immer mehr von der Gemeinschaft ab. Um Dich zu beweisen flüchtest Du in Leistung , Leistung in Schule und Beruf, Leistung um Anerkennung zu bekommen.
Mit diesem Verhalten kommen etliche in dieser Ellenbogengesellschaft gar nicht klar, sie erkennen das eigentliche Problem nicht, dass Du schleunigst wieder unter Menschen musst um Dich wieder zu integrieren.
Ich sage Ellenbogengesellschaft mit vollem Bewußtsein, da diese Gesellschaft nicht fähig ist diese Probleme aufzufangen,..... und die Menschen die das nötige Selbstbewußtsein haben und die Stärke mit aufbringen, zum Teil auch nicht gewillt sind die schwachen der Gesellschaft mit aufzufangen und mitzureißen.
Mit Geld und einem Sozialgesetzbuch macht man keine Gesellschaftsordnung Kapitalismus salonfähig !
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So oft ich Deinen Beitrag lese, so oft kommen mir immer wieder andere Gedanken und so oft versuche ich die Lösungsansätze zu ändern. Aber hier liegt mein Problem sicherlich, die Fragen müssen erst mal aufs Papier und Du musst Lesen und dann eventuell beantworten, schöner wäre ein Gespräch in welchem man einhakt und sofort auf Details in den Antworten eingehen könnte..

wenn ich den Thread so weiterlese schreibst Du, das an Deinem Wesen was grundsätzlich falsch sein muss. Niemals, Du bist ein Mensch, mit all seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit Deinen Gedanken und Gefühlen, mal egal, wie weit sie bis heute ausgeprägt sind und da ist nichts grundlegend falsch. ! Ich würde von falsch nie sprechen oder würde nie falsch dazu sagen, sag dazu sie sind anders ausgeprägt und nicht im Wollen anderer Menschen auf der gleichen Wellenlänge oder im Sinne eines Dir nicht gesinnten Menschen. Dafür sind wir Mensch, mit unseren Eigenschaften, mit unseren Eigenarten, mit dem was uns liebenswürdig macht und dem was andere nicht so toll an uns finden. Aber mit dem was andere nicht so toll an mir z.B. finden muß ich auch klarkommen. Dazu muß man dann auch ein gewisses Selbstbewußtsein entwickeln und an den Tag legen, ich bin was, ich will was, ich bin wer und nehmt mich so wie ich bin.

Mann oder Frau sollen sich weiterentwickeln , ist ja auch gut so, aber muß man sich dabei in seiner Identität in seiner Persönlichkeit völlig aufgeben und sein ICH verlassen ?

Deine weiteren Texte und Schilderungen habe ich gelesen, machen mich zum einen traurig, das in der Entwicklung und Erziehung jede Menge verpasst und unterlassen wurde, aber Du bist noch jung und wenn Du jetzt versuchst an Dir anzuknüpfen und versuchst erst mal schriftlich auf einige User einzugehen, dann sehe ich da sehr gute Entwicklungschancen die in der Kindheit aufgebauten Schranken abzubauen und loszuwerden.
Ob Deine Stimme leise ist, oder Du schüchtern klingst ist vielleicht ein Merkmal, wo Du unsicher rüberkommst, aber ich bin überzeugt, dass wenn Du hier etwas Fuß fast, sich das in Kürze ändern wird. Am besten wäre natürlich Du hättest jemanden, mit dem Arbeiten kannst, der Dir sagt, sprich lauter, der Dir zur Seite steht und Dich fördert und fordert. Vielleicht sogar jemand, der Dich nicht weiter kennt und den Du nicht weiter kennst, um das gegenseitige auf Tuchfühlung gehen klein anzufangen und groß werden zu lassen.
Wenn es einen Partner gäbe, der Dich da unterstützt wäre es toll, es müsste jemand sein, der Dich im Augenblick erst mal mit Samthandschuhen anfasst, aber dem Du dann irgendwann auch mal die Samthandschuhe ausziehen kannst – Kopf hoch Stormy – Du kriegst das alles hin, davon bin ich überzeugt
 

Benutzer120069  (40)

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Hallo praeteritum,

ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, so ausführlich auf meinen Beitrag einzugehen!
Das finde ich echt lieb. :smile:

Weißt du, ich habe oft darüber nachgedacht das vielleicht von Anfang an mit mir etwas nicht stimmte und meine Eltern mich deshalb abgelehnt haben.
Zum Beispiel lernte ich erst sehr spät laufen, stolperte auch danach noch jahrelang über meine eigenen Füße. Sprechen lernte ich auch relativ spät, sprach lange sehr undeutlich.
Es dauerte lange bis ich radfahren konnte. Bis es soweit war, hatte ich schon etliche Stürze hinter mir.
Es war einfach so das ich mich in vielen Dingen sehr schwer tat.
Ich war auch immer extrem langsam in allem was ich tat. Deswegen wurde ich auch in der Schule oft gehänselt.

Aber ich glaube, das ist überhaupt nicht der Grund.
Alles hing wohl damit zusammen, das ich absolut unerwünscht war.
Meine Mutter war 18, als sie mit mir schwanger wurde und sehr unglücklich. Von einer Tante weiß ich, das die Überlegung anstand mich abzutreiben. Da mein Vater sich aber bereit erklärte, meine Mutter zu heiraten, kam ich halt auf die Welt.
Sie waren beide zu jung und unreif für ein Kind.
Ich bin ziemlich sicher das meine Mutter meinen Vater auch nie geliebt hat. Sie fand zunehmend eine Ersatzbefriedigung im Putzen. Alles musste immer super sauber sein und deshalb durfte ich auch nie Kinder mit nach Hause bringen.
Daher wurde ich nach den Hausaufgaben ja auch immer rausgechickt und musste bei verschiedenen Mädchen fragen gehen, ob sie mit mir spielen würden.
Da ich höchst unerwünscht war, stellte sich natürlich auch nie die Frage nach einem zweiten Kind.

Meine Eltern hatten wirklich mit sich selbst genug zu tun. Es gab oft Streit und mindestens dreimal sprachen sie auch schon von Scheidung.
Ich sehe mir auch nicht gern Fotos aus meiner Kindheit an. Wie meine Mutter so steif hinter mir steht und mir höchstens mal die Hand auf die Schulter legt.

Ich hatte unter ständigen Abwertungen und hysterischem Herumschreien meiner Mutter zu leiden.
Deshalb fand ich es auch so schlimm, woanders auch oft wie Dreck behandelt zu werden.
Es kam auch vor, das ich mit meinen Eltern zu Besuch war und dort mit den Kinder spielen sollte. Wenn es nur einen harmlosen Streit gab, hatte ich von einem der Kinder ganz schnell einen Schlag ins Gesicht weg.
Wir fuhren ja auch mal mit einer Familie in den Urlaub, deren Tochter mich zu hassen schien.
Einmal kabbelten wir uns harmlos am Strand und plötzlich schlug sie wie von Sinnen auf mich ein! Ich kann mich nicht erinnern, von meiner Mutter jemals so heftig Prügel bezogen zu haben wie von diesem Mädchen!
Bei all diesen Vorfällen wehrte ich mich nie, denn ich hätte körperlich keine Chance gehabt.
Ich hinkte der normalen körperlichen Entwicklung stark hinterher. Mit 7 Jahren z.B. sah ich aus wie eine 5-jährige.

Ja, richtig, ich habe nie gelernt Gefühle bei anderen wahrzunehmen oder mich in andere hineinzuversetzen.
Manchmal verletzte ich auch jemanden ohne das bewusst zu machen.
Es kam mir nicht in den Sinn, das ich gerade etwas beleidigendes gesagt hatte.

Ich erinnere mich noch das ich auch eine Zeit hatte, in der ich mich selbst verletzte.
Ich biss mir dabei mit aller Kraft in den Handrücken. Manchmal schleuderte ich auch vor Wut meine Puppen gegen die Wand oder zerstörte einen Gegenstand.

Du hast wohl recht, wenn du schreibst, das meine Eltern den falschen Weg gewählt haben um mich zu sozialisieren. Denn es war einfach so, das mir diese Dinge ja keine Freude machten.
Sie zwangen mich aber zu diesen Dingen. Ich musste mich für jeden Ausflug mit der Jugendgruppe anmelden und sollte einmal mit dem Zug wer weiß wo hin fahren, weil sich Jugendliche vom Ferienlager irgendwo wiedertreffen wollten. Ich wollte das nicht, aber es wurde einfach über mich bestimmt, das ich hinzufahren hatte. Mit den Worten:"Du kannst dich nicht überall ausschließen!"
Dabei legten die anderen überhaupt keinen Wert auf meine Anwesenheit. Sie hatten mich im Ferienlager schon so komisch und herablassend behandelt. Ungefähr so:"Wie, du hast noch keinen Freund? Was bist du denn für eine?"
Also habe ich mich jüngeren Mädchen angeschlossen.

Ich fand auch schlimm, das auf dem Gymnasium meine Klassenlehrerin so darauf bedacht war mir Kontakte zu suchen. So wurden drei Klassenkameradinnen dazu "verdonnert" sich um mich zu kümmern. Dabei brachte das doch nichts, weil ich ja spürte, das sie das ungern taten.
Die eine war wenigstens noch so nett und erteilte mir Flötenunterricht, obwohl wir gar nicht zueinander passten. Eine Freundschaft entwickelte sich natürlich nicht.

Ich fühlte mich nur im Reitstall wohl. Körperkontakt kannte ich ja nur von den Pferden.
Ich denke heute noch, teils belustigt und teils wehmütig daran zurück, das mein Pflegepferd mich wirklich liebte. Ich konnte ihm das Fell vom Leib bürsten, es ließ alles geduldig über sich ergehen.
Als ich dieses Hobby kurz vor Ende meiner Schulzeit aufgab, suchte ich mir ein anderes Hobby, in das ich mich stürzte. Das waren Brieffreundschaften und die wurden für mich fast zum Lebensinhalt. Mit einer jungen Frau hat sich auch tatsächlich eine wahre Freundschaft entwickelt.

Irgendwie ist da halt ständig dieses Gefühl, minderwertig zu sein.
Minderwertig in meiner Intelligenz, in meinem Wesen, in meinem Aussehen...
Denn jeder Punkt ist ja schon massiv kritisiert worden, so das ich denke, ich werde nie an die Ansprüche anderer heranreichen.
Dabei wünsche ich mir so sehr, auch mal gemocht und vielleicht sogar geliebt zu werden.

LG
Stormy
 

Benutzer102949 

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Stormy, ich werde jetzt mal versuchen dir einen anderen Blickwinkel klar zu machen.
Du erzählst davon, dass deine Eltern jung mit dir schwanger wurden und du nicht geplant warst. Mal ohne Witz, aber welche Tante erzählt einem denn bitte, dass man "unerwünscht" war und abgetrieben werden wollte/sollte? Deine Eltern haben sich aber für dich entschieden! Sie haben geheiratet, obwohl sie noch so jung waren und anscheinend sind sie immer noch zusammen.
Wenn ich mir deinen Text so durchlese (insbesondere was die Vereine, Ausflüge usw. angeht), da habe ich das Gefühl, deine Eltern haben gemerkt, dass du Probleme mit deinen Mitmenschen hattest. Sie wollten dich integrieren, deshalb haben sie dich dorthin geschickt. Aber das war auch wieder falsch, weil du das ja nicht wolltest. Ja nur, was hätten sie denn tun sollen? Dich zu Hause lassen, dich einschließen und zusehen wie du vereinsamst?
Ich kenne leider sehr viele, die noch jünger sind (10-20 Jahren), deren Eltern ist es ziemlich sch.... egal, was ihr Kind treibt, was die Schule macht, ob und wie es sich mit den Mitschülern versteht. Die tun mir furchtbar Leid, denn die sind richtig einsam.

Mittlerweile bist du 31 Jahre alt. Schon lange erwachsen und alt genug, um all deine Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Die Jammerei ändert nichts daran, dass es dir im Moment immer noch mies geht. Daran ändert sich auch nichts, in dem du die Schuld deinen Eltern, den Lehrern, den Mitschülern und vielen anderen Leuten von früher zuschiebst. Hör auf, dich als etwas minderwertiges zu betiteln, denn du weißt, dass es nicht stimmt. Hör auf, dauernd über die Vergangenheit zu trauern und fang an in der Gegenwart zu leben und das zu tun, was dir weiterhilft, dich weiterbringt und dir Freude macht. Das fängt damit an das zu verarbeiten, was in der Vergangenheit vorgefallen ist und hört dort auf, aus dir herauszukommen, Selbstvertrauen und -sicherheit aufzubauen. Ich lese hier nur Dinge, du an dir schlecht sind, die du nicht magst, wegen denen du gemobbt wurdest. Wie ist es denn umgekehrt? Was kannst du gut, was gefällt dir an dir, was machst du furchtbar gerne? Wenn du all das geschafft hast, dann bist du vielleicht ein ganz neuer Mensch, der nur so vor lauter Lebensfreude strahlt. Glaubst du denn, du hast dann immer noch Probleme mit Leuten in Kontakt zu kommen, Freundschaften aufzubauen und dich in Kreisen aufzuhalten, in denen du nicht gemobbt, getriezt und geärgert wirst?

Auch bei tragischer Vergangenheit, es ist dein Leben und mach was draus.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
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Eine Bekannte sagte mir mal das ich keine Ausstrahlung habe. Ich konnte damit nichts anfangen, da ich immer dachte, jeder Mensch hat doch eine Ausstrahlung!
Aber ist das ein Grund jemanden sofort sehr unsympathisch zu finden und ihn abzulehnen?
Warum denkt nicht mal jemand das ich so wenig Selbstvertrauen habe, wird wohl eine Vorgeschichte haben.

Weißt du, viele Menschen finden mich einfach komisch, weil ich aufgrund negativer Erfahrungen im Jugendalter auch ein sehr geringes Selbstbewusstsein habe und manchmal sehr launisch oder missmutig bin. Manchmal geht es mir wie dir, ich würde denen am Liebsten erzählen, was mir passiert ist und hoffen, dass sie verstehen weshalb ich so bin, wie ich bin. Hab ich aber noch nie gemacht, lediglich mein Freund weiß davon, da ich einfach keine Lust auf Mitleid habe, und ich mir denke, dass jeder sein Päckchen mit sich rumträgt, jeder geht eben anders damit um. Der weilen versuche ich mich davon nicht runterziehen zu lassen, leichter gesagt als getan, ich weiß.
 

Benutzer42813 

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Warum wollen die anderen nicht verstehen, dass ich so abweisend wirke, weil ich eben so eine schwere Kindheit hatte?

So ungefähr schreibst du weiter oben - und dazu ist mir noch was eingefallen: Weil all diese anderen auch, jeder auf eine ganz einzigartige Weise, ebenfalls eine schwere Kindheit hatten. Deswegen interessiert sie in den meisten Fällen eben nicht, was jetzt deine schwere Kindheit so sehr von ihrer jeweiligen und dann noch mal von der der fünf anderen Leute im Büro unterscheidet.

Denn das ist tatsächlich so - es gibt keine Kindheit, die nur und ausschließlich aus Sonnenschein bestand. Keine Menschen, die nie kritisiert wurden. Jeder, jeder, jeder einzelne Mensch da draußen wurde schon mal ausgegrenzt, hat sich schon mal gefürchtet - und daher wird jeder zu Recht fragen, warum du deswegen eine Sonderbehandlung möchtest, nur weil es dir auch so ging.

Die Chefin, vor der du dich gerade fürchtest, weil sie dich kritisiert, wurde vielleicht als Kind von ihrem Onkel vergewaltigt, dann starben die Eltern, als sie 12 Jahre alt war, und sie wurde zu genau diesem Onkel in die Pflege gegeben... Ich kenne eine Frau, der genau das passiert ist. Und wenn man zu der jetzt sagt: Du darfst deiner Mitarbeiterin keine Tipps geben oder sie auf Fehler hinweisen, weil ihre Eltern sie nicht ausreichend liebhatten, öfter mal böse auf sie waren und sie in einen Spielverein abschoben, damit sie dort lernte, besser mit sozialen Kontakten umzugehen, und sie hat diese ganzen Sachen noch nicht verarbeitet - dann kommt diese Chefin sich wahrscheinlich verarscht vor. Denn du hattest doch all das, was sie sich als Kind so verzweifelt gewünscht hätte...

***

Ich meine dabei nicht, dass du kein Recht auf eine Therapie hast - das hast du nämlich.

Aber du hast tatsächlich kein Recht auf eine Sonderbehandlung, nur weil du eine stellenweise schwere und subtil unangenehme, zerstörerische Kindheit hattest. Und du hast auch kein Recht darauf, dass die Leute um dich herum sich immer voller Verständnis fragen und sorgen müssen, was mit dir los ist.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer120196  (36)

Sorgt für Gesprächsstoff
@Shiny Flame
Ich versuche mal, deinen Beitrag auf das Wesentliche zu reduzieren.

"Du bist Eine unter Vielen; heule nicht rum!
Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!"

Ich glaube nicht, dass solche Beiträge für die Threadstarterin sonderlich hilfreich sind.
 

Benutzer91572 

Beiträge füllen Bücher
@Shiny Flame
Ich versuche mal, deinen Beitrag auf das Wesentliche zu reduzieren.

"Du bist Eine unter Vielen; heule nicht rum!
Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!"

Ich glaube nicht, dass solche Beiträge für die Threadstarterin sonderlich hilfreich sind.

Wo liest du denn bitte sowas heraus?

Ich kann hier nur heraus lesen: "Was du erlebt hast war schlimm, jedoch bist du damit nicht alleine. Auch andere Menschen haben schwere Zeiten durchgemacht und haben es dennoch gemeistert - das kannst du auch. Trau dich doch Hilfe von aussen zu suchen, dass solltest du dir wert sein"

Da steht doch nichts, dass sie sich alleine helfen soll?! Ansonsten jammert die TS seit 2 Seiten - klar, sowas ist auch notwendig, manchmal muss man erst mal alles auskotzen, aber irgendwann muss man ja konkrete Tipps machen bzw. machmal auch darauf hinweisen, dass es andere Menschen auch nicht immer gut hatten. Gerade in der Position der TS, als ein Mensch der leidet, hat man oftmals nicht den Blick dafür.

Was fändest du denn hilfreicher (mal abgesehen davon, dass du nur andere Tipps kritisierst)?
 

Benutzer42813 

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@ Shiny Flame Shiny Flame
Ich versuche mal, deinen Beitrag auf das Wesentliche zu reduzieren.

"Du bist Eine unter Vielen; heule nicht rum!
Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!"

Ich glaube nicht, dass solche Beiträge für die Threadstarterin sonderlich hilfreich sind.

Natürlich muss sie sich selbst helfen - denn es ist einfach so, wenn man selbst am Boden ist, und wenn man aus guten Zeiten keine Freude mehr über hat, die einen da rausboxen, dann muss man sich selbst helfen. Es gibt einfach keine Engel, die vom Himmel fallen und einem die ganze Mühsal da raus nehmen. Sie hat jetzt im Leben keine besonders guten Startchancen mitbekommen - das ist scheiße. Das wird nicht weniger scheiße dadurch, dass andere Leute auch schlechte Startchancen hatten, es ist einfach scheiße.

Aber: Der Rest der Welt wird sich jetzt nicht drum prügeln, ihr zu helfen, ihre Probleme aufzulösen und sich endlich geliebt zu fühlen. Das ist einfach nicht so. Denn: Der Rest der Welt schleppt eigene Traumata und Verletzungen mit sich herum, und bei denen fragt von außen auch niemand danach, wo die herkommen und warum unfreundliches Verhalten da her kommt.

Sie muss sich selbst helfen. Wenn du dich erinnerst - von mir ist der lange Beitrag oben, bei dem ich ihr rate, gezielt zu einem Verhaltenstherapeuten zu gehen und zu versuchen, soziales Verhalten eben bewusst zu erlernen, anzuwenden, dann mit ihm durchzusprechen, was geklappt hat, was nicht, mit ihm neue Strategien zu entwickeln und so im Lauf der Zeit doch noch das zu erlernen, was andere Menschen schon früher lernen konnten. Außerdem kam von mir der Tipp, sich eben tatsächlich mal Bücher über HSP zu besorgen und sich mit den dort vorgeschlagenen Lösungsstrategien zu beschäftigen. Aber das muss sie selbst machen. Das wird keiner für sie tun.

Und so lange sie immer, wenn die Chefin sie kritisiert, große Angst kriegt, jetzt schon wieder nicht geliebt zu werden - so lange ist es tatsächlich auch sinnvoll, wenn sie auch darüber nachdenkt, dass die Chefin damit gar nicht sie persönlich meint, sondern auch einfach ihr Leben zu leben versucht, obwohl sie als Kind die eine oder andere Verletzung einstecken musste.

***

Jeder Mensch ist es wert, dass es ihm gut geht und dass er sich geliebt fühlt. Aber wenn man das nicht hat, dann gibt es Möglichkeit eins: Den Rest des Lebens darüber jammern, dass die Eltern damals nicht liebevoll genug waren (das kann man auch wunderbar zur Ausrede für ganz massiven Egoismus nutzen) - oder man wählt Möglichkeit zwei: Man geht zu einem Therapeuten und entwickelt mit ihm konkrete Zielvorstellungen und versucht, was dran zu ändern, auch ohne dass alle anderen auf der Welt sich für einen verbiegen müssen.

Ich bevorzuge Möglichkeit zwei. Auch ich hatte eine teilweise recht miese Kindheit, miese Männer, Missbrauchserfahrungen, Mobbing, Überforderung im Job und ähnliche schöne Sachen - und es wird einfach keiner kommen, mir meinen Pfad ebnen und dafür sorgen, dass alles gut wird. Aber als ich angefangen habe, zu überlegen, was ich selbst tun kann - und mir dann zu überlegen, was davon ich alleine nicht kann und wofür ich gezielte Unterstützung brauchte, z.B. therapeutischer Natur - da standen meine Chancen für ein glückliches Leben auf einmal deutlich besser.

Ich wünsche jedem ein glückliches Leben, Stormy schon alleine dafür, dass sie so einen schönen Nick ausgewählt hat. Aber wenn man es nicht hat, dann muss man selbst sich darum kümmern, dass es besser wird. Kinder haben das Recht auf Eltern, die sich um sie kümmern, weil sie noch zu jung dafür sind. Erwachsene - die müssen es einfach irgendwann selber versuchen oder eben selber nach angemessener Hilfe suchen, wenn sie merken, dass sie es alleine nicht schaffen. Und sie sollten auch realistisch genug sein, um zu erkennen, wenn sie es alleine nicht schaffen, und stark genug, um Hilfe dann auch anzunehmen, selbst wenn es manchmal unbequem ist.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, indem er dir Wege ebnet, an die du zuerst niemals gedacht hättest. Aber die Schritte, die musst du alleine gehen. So ist es einfach im Leben.
 
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Benutzer42813 

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Pflegefamilien für Erwachsene nennen sich "betreutes Wohnen", und die kann man durchaus bekommen. Wenn man allerdings eine Betreuung für einen Erwachsenen will, die eben genauso fürsorglich ist wie die von Eltern - dann geht das nur, wenn man eben tatsächlich in gewisser Weise hilfebedürftig ist. Denn normalerweise brauchen Erwachsene einfach auch keinen mehr, der sich um sie kümmert - das ist es eben, was mit der "Mündigkeit" gemeint ist, die man mit achtzehn erreicht. Mündig = ab jetzt bist du alt genug und in der Lage, dich selbst um dich zu kümmern.

Wenn jemand das Gefühl hat, dass er das einfach nicht schafft, sich auf diese "mündige" Weise um sich selbst zu kümmern - dann braucht er halt einfach psychologische Unterstützung, sei es in einer Tagesklinik oder in einer betreuten Wohngruppe. Und da laufen dann halt auch Leute rum, die einem sagen, was man tun und lassen soll - das tun Eltern bei ihren minderjährigen Kindern schließlich auch. Und das muss man sich dann auch gefallen lassen. Man kann nicht gleichzeitig die Vorteile einer beschützten Kindheit und die Vorteile eines selbstbestimmten Erwachsenenlebens auf einmal haben.

Wie gesagt, die meisten Erwachsenen brauchen einfach keine Pflegefamilien mehr. Und die, die sie brauchen, leben auch in einer - nur nennt sich das dann eben Heim, Einrichtung, Behindertenwerkstatt oder betreutes Wohnen. Ich habe keine Ahnung, ob Stormy so was braucht. Das kann ich über das Internet einfach nicht erkennen. So was können nur die Leute wirklich sicher erkennen, die dafür ausgebildet sind.

Auch dafür sind Therapeuten ausgebildet. Auch dabei können sie einem helfen.
 
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