Transgender, Geschlechterrolle & Geschlechtsumwandlung

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Liebe PL Community

Nach einer laaaangen Diskussion über Geschlechtsumwandlung stiessen meine Freunde und ich auf eine Fragestellung, die man nur nach dem Bauchgefühl beantworten konnte. Vielleicht möchte sich ja jemand dazu äussern :zwinker:

Unabhängig von einzelnen sehr toleranten Leuten muss man als Frau* oder Mann*, die / der sich im falschen Körper sieht und das entsprechend auslebt viel Kritik und leider auch Diskriminierung aussetzen. Ein Freund von mir sagt nun, dass er nicht an typisch "weibliche" oder "männliche" Eigenschaften glaubt (von den Geschlechtsmerkmalen mal abgesehen), sondern nur an eine individuelle Entwicklung, die von unserer Kultur beeinflusst wird. D.h. an anerzogene Geschlechterrollenklischees, in denen sich manche dann einfach nicht zurecht finden können. Diese Leute, die sich selber oft als "Transgender" bezeichnen, hätten seiner Meinung nach in einer idealen, offenen Gesellschaft nicht das Bedürfnis, sich als das andere Geschlecht auszugeben...

Und jetzt eure Meinung dazu!

*Das mal als Vereinfachung und nicht, um aunerwähnte Gender auszuschliessen!
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Das denke ich mir ehrlich gesagt auch oft. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie man sich fühlen soll, wenn man denkt, man lebt im Körper des falschen Geschlechts. Ich persönlich bin jedenfalls nicht der Meinung, dass ich wie eine Frau denke. Ich glaube auch, wäre ich ein Mann, würde sich für mich nicht großartig etwas ändern. Mein Hirn passt auch gut in einen männlichen Körper, und bisexuell bin ich sowieso, also würde sich auch meine sexuelle Ausrichtung nicht ändern :zwinker:

Ich wollte früher immer ein Junge sein, weil die in meinen Augen ein viel spannenderes Leben haben. Mittlerweile habe ich aber (u.a. durch die Studie feministischer Literatur) ein differenzierteres Bild der Frau und lebe meine eigene Interpretation davon. Letztendlich bin ich bzgl. dem Geschlechtsumwandlungsthema daher eher skeptisch (das beinhaltet allerdings nicht das Phänomen der Intersexualität). Ich glaube, ich muss da einfach auf die Fachleute vertrauen, dass der medizinische Umgang mit der Problematik wissenschaftlich ausreichend begründet ist.
 

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
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Diese Leute, die sich selber oft als "Transgender" bezeichnen, hätten seiner Meinung nach in einer idealen, offenen Gesellschaft nicht das Bedürfnis, sich als das andere Geschlecht auszugeben...

Ich finde diese Fragestellung durchaus interessant und sicher berechtigterweise gesellschaftskritisch.
Einerseits hat die Idee schon durchaus eine logische Grundlage, denn es gibt sehr viele Genderklischees, die sicher erdrückend sein können, wenn man sich in seiner naturgegebenen Gestalt nicht darin wiederfindet. Andererseits ist es heutzutage auch weiträumig akzeptiert, wenn man sich diesen Klischees eben nicht unterwirft. Hat man also eine Geschlechteranpassung aus kulturellen Gründen wirklich "nötig" oder gibt es schwerwiegendere Gründe, die da greifen müssen? Ist diese Annahme am Ende vielleicht nur der Versuch, diese Menschen doch ins "normale Raster" einzupassen, wenn man sagen kann: "Hach, es geht ihnen nur so, weil die Gesellschaft so schlecht ist, sonst wären sie ebenso zufrieden wie alle anderen."

Ich denke, man muss dabei sehr aufpassen, dass man das Problem dieser Menschen mit der Behauptung, es sei lediglich kulturell bedingt, nicht kleiner macht, als es ist.

Man müsste einige Dinge gründlich untersuchen, um eine fundierte Antwort auf diese Frage zu bekommen.
Ist es wirklich so, dass alle Transgender typisch weiblichen oder männlichen Klischees des anderen Geschlechts entsprechen oder gibt es auch Transgender, die in einer offenen Umgebung ohne viel kulturellen "Genderdruck" aufgewachsen sind und sich trotzdem im falschen Körper fühlen? Solche Beispiele würden ja die Hypothese widerlegen.

Was ist mit Menschen, die sich kulturelltypisch betrachtet eher wie das andere Geschlecht verhalten, aber sich trotzdem nicht wünschen, dem anderen Geschlecht anzugehören? Wenn es nur um anerzogene Norm geht, wieso haben dann manche das Gefühl, einen falschen Körper zu haben und andere fühlen sich einfach, so (anders) wie sie sind, völlig geborgen mit ihrem naturgegebenen Geschlecht?

Zu Bedenken ist auch, dass die Menschen, die es betrifft, ja durchaus eine intensive therapeuthische Betreuung durchlaufen (zumindest, wenn geschlechtsangleichende Maßnahmen geplant sind) und ich denke, hier wird sehr wohl differenziert und herausgefunden, ob es demjenigen in seiner Rolle nur so schlecht geht und er deshalb eine andere will oder ob derjenige sich tatsächlich zum anderen Geschlecht zugehörig fühlt.
In einer Dokumentation hat dazu mal jemand gesagt, der Unterschied bestünde darin, dass man nicht sagt, man wäre lieber ein Mann/eine Frau, denn solche Phasen haben viele Menschen mal; sondern man sagt und fühlt, dass man ein Mann/eine Frau IST. Ich habe den Eindruck, dass die Theorie, eine ganz offenen Gesellschaft könnte das verhindern, nur bei erstgenannten greift, also bei denen, die sich tatsächlich nur rollenbedingt unwohl und unpassend fühlen; dass Transgender aber noch viel weiter geht und etwas ganz anderes für diese Menschen bedeutet.
 
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Benutzer6874  (35)

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Die Vorstellung dass die Geschlechterrollen "natürlich" sind, und nicht einfach anerzogen, die ist derart übermächtig, dass dagegen bis auf den heutigen Tag nicht anzukommen ist. Die Zeit ist einfach nicht reif dazu. Da hilft keine Wissenschaft.

Es hängt auch einfach viel zu viel Kultur am Geschlechter-Dimorphismus. Ein grosser Teil der Menschen würden glatt den Boden unter den Füssen verlieren, wenn die geschlechtliche Zuordnung auf einmal in Frage gestellt wäre, oder das Geschlecht als kulturelles Produkt erklärt würde. Ob das so ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wissenschaft würde dann einfach zum politischen Kampfplatz.

Wir müssen irgendwie den direkten Ausgang aus dem Dilemma finden. Jenseits von allen Erklärungen. Dieser Ausgang heisst Toleranz.
Viele Menschen sind besondere Lebensformen gegenüber schon heute tolerant. Anderen muss man vorläufig einfach sagen "was andere tun und für wen sie sich halten, geht euch nichts an", und die Gesetze entsprechend anpassen.
 

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
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Ich wollte früher immer ein Junge sein, weil die in meinen Augen ein viel spannenderes Leben haben. Mittlerweile habe ich aber (u.a. durch die Studie feministischer Literatur) ein differenzierteres Bild der Frau und lebe meine eigene Interpretation davon.
Das ist genau die Differenzierung, die ich meine.
Ja, ich denke, dass es viele Menschen gibt, denen es in jungen Jahren so geht wie dir, weil sie nicht den Erwartungen ihres Umfeldes entsprechen oder sich die andere Seite angenehmer vorstellen etc. - und die sich trotzdem nicht dauerhaft und mit allen Konsequenzen wünschen, zum anderen Geschlecht zu gehören.
Mit Transgendern hat das also nicht viel zu tun. Das ist etwas, was man nicht so einfach nachfühlen kann. Es ist nicht temporär, es ist andauernd und voller Überzeugung und ja, ICH vermute, es ist eben nicht an Geschlechterrollen gebunden.
Ich habe mal eine Weile in einem Transgenderforum mitgelesen und die Emotionen verfolgt, man grenzt sich dort ganz klar von solchen "normalen jugendlichen Identitätsproblemen" ab.
 
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Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
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Ja, den Gedanken habe ich bereits vorher schon mal gehört, und es klingt für mich durchaus schlüssig. Letztlich scheint es bei der TG-Thematik doch im Wesentlichen darauf hinauszulaufen, dass man sagt "Ich bin [Geschlecht]" - und über diese eine klare Entscheidung hinaus wird es schwammig. Damit will ich nicht sagen, dass es wirklich nicht mehr ist, aber alles darüber hinaus wird dann irgendwie schwer zu greifen.

Die Konsequenz wäre dann natürlich, dass TG sich in einer völlig aufgeklärten, emanzipierten, vorurteilsfreien Utopie obsolet machen würde :zwinker:. Andererseits haben ja doch fast alle Menschen ein mehr oder weniger streng definiertes Bild von "männlich" und "weiblich" im Kopf. Spätestens bei der Sexualität: Die meisten Menschen haben recht klare Vorstellungen davon, mit welchem Geschlecht sie verkehren wollen, und da geht es auch bei weitem nicht nur um die Genitalien (es gab ja auch bei PL mal einen Thread, wo die Frage aufkam, wie viele (Hetero)Männer sich Sex mit einer operierten Transfrau vorstellen könnten - und die Quote war relativ gering, obwohl körperlich ja eigentlich alles passen müsste). Auch hört man ja davon, dass sich Trans*Menschen oft schon von frühester Kindheit an zum anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Ist das alles anerzogen?

Ich finde das Thema jedenfalls sehr interessant, und genau diese Frage ist der Knackpunkt, weshalb ich trotz aller Beschäftigung damit bislang nicht wirklich behaupten würde, Transsexualität verstanden zu haben. Wenn ein Mensch sich als transsexuell sieht, respektiere ich dessen Urteil und erkenne das so an - aber wie Fedora Fedora sagte: Vielleicht ist es für andere Menschen einfach nicht bis zum Letzten nachvollziehbar.

So oder so würde ich jedenfalls sagen, dass die Schranken in den Köpfen der Menschen kleiner werden sollten :zwinker:. Mehr Toleranz gegenüber allem, was dem gängigen Klischee von Mann und Frau widerspricht wäre absolut wünschenswert. Wenn es dann immer noch Transsexualität gäbe, wäre unsere Frage ja beantwortet. :grin:

Noch ein Nachtrag: Alle Therapieansätze, die Leuten über transsexuelle Gedanken "hinweghelfen" wollten und das für Spinnerei hielten, sind ja letztlich gescheitert, während die Therapie, dieses subjektive Gefühl einfach anzuerkennen und den Leuten ein Leben zu ermöglichen, das damit im Einklang ist, den Leuten ihren Frieden schenken. (Disclaimer: Wobei ich da natürlich nur ein Laie bin)
 
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Was ist mit Menschen, die sich kulturelltypisch betrachtet eher wie das andere Geschlecht verhalten, aber sich trotzdem nicht wünschen, dem anderen Geschlecht anzugehören? Wenn es nur um anerzogene Norm geht, wieso haben dann manche das Gefühl, einen falschen Körper zu haben und andere fühlen sich einfach, so (anders) wie sie sind, völlig geborgen mit ihrem naturgegebenen Geschlecht?

Genau die gleiche Frage habe ich meinem Freund auch gestellt. Er behauptete dann, dass man sich eben in etwas reinsteigert und sie fehlende Akzeptanz für das Anderssein eben auf den falschen Körper zurück führt. Er brachte als Argument auch ein, dass es Menschen gäbe, die sich nicht mit dem Menschssein an sich identifizieren können, also sich als Roboter oder als Tier fühlen... Natürlich gibt es das und eine Wertung darüber möchte ich mir sparen, da ich zu wenig darüber weiss.

Ich muss zugeben, dass ich die Vorstellung schon sehr abstrakt finde und mich als Cis-Frau auch schwer hineindenken kann, bzw. habe ich ähnlich Lotusknospe Lotusknospe nicht das Gefühl, dass meine Persönlichkeit fest an ein Geschlecht gekoppelt ist und ich mich ans Frau sein schon mal gut adaptiert habe. Dass es in unsere Gesellschaft von Nöten für jemanden sein kann, sich einer OP zu unterziehen, oder als anderes Geschlecht zu leben, kann ich gut nachvollziehen. Die eigene Hauptfragestellung kann ich mir aber schwer beantworten :zwinker:
 

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
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Er behauptete dann, dass man sich eben in etwas reinsteigert und sie fehlende Akzeptanz für das Anderssein eben auf den falschen Körper zurück führt.
Auf den Punkt gebracht bedeutete das, die Leute hätten einfach eine psychische Störung, die man im Umkehrschluss auch (anders) behandeln könnte. Das hat man von Homosexuellen auch lange behauptet (und tut es vielerorts noch). Wir wissen heute, dass das nicht der Realität entspricht. Selbst homophobe Menschen, denen die Vorstellung einer heterosexuellen Partnerschaft als das höchste Gut anerzogen wird und die das wollen und glauben, stellen manchmal fest, dass sie homosexuell sind (und sie steigern sich sicher nicht da rein). Ebenso denke ich, dass selbst Menschen, die in ihrer Rolle, in der sie im Leben stehen, hochzufrieden sind und denen es auf reiner Faktenbasis mit ihrem Geschlecht "gut" geht, bisweilen feststellen können, dass sie transsexuell sind. Es ist schwer, das zu belegen, weil die populären Beispiele meist so "typisch weiblich" oder "typisch männlich" sind. Aber es gibt doch ganz sicher auch dort nicht nur schwarz-weiß.

Was, wenn sich ein vermeintlich typischer Junge, der gern Fußball spielt [und bitte durch beliebige männliche Klischees ergänzen] auch feststellen würde, dass er sich eigentlich als Mädchen fühlt? Würde man das im Fernsehen zeigen oder entspräche es zu wenig unseren Klischees, auch diesem Menschen zuzugestehen, dass er transsexuell fühlen kann?
Sieht man vielleicht nur deshalb so oft Transsexuelle in Klischeerollen, weil es das ist, was wir erwarten, wenn man schon transsexuell ist?
 
B

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Was, wenn sich ein vermeintlich typischer Junge, der gern Fußball spielt [und bitte durch beliebige männliche Klischees ergänzen] auch feststellen würde, dass er sich eigentlich als Mädchen fühlt? Würde man das im Fernsehen zeigen oder entspräche es zu wenig unseren Klischees, auch diesem Menschen zuzugestehen, dass er transsexuell fühlen kann?
Sieht man vielleicht nur deshalb so oft Transsexuelle in Klischeerollen, weil es das ist, was wir erwarten, wenn man schon transsexuell ist?

Das stimmt, unser Bild wird von den Medien stark beeinflusst. Ich habe sogar einen Sketch im Kopf, bei dem in einer gestellten Talkshow eine Frau auftrat, die sich als schwuler Mann fühlte, das war aber an die 10 Jahre her... Für mich persönlich macht ein schwuler Mann in einem Frauenkörper nun nicht mal wenig Sinn, ich glaube aber (leider!) schon, dass das viele Menschen gar nicht ernst nehmen würden :frown:
 

Benutzer137374  (49)

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Nach einer laaaangen Diskussion über Geschlechtsumwandlung stiessen meine Freunde und ich auf eine Fragestellung, die man nur nach dem Bauchgefühl beantworten konnte. Vielleicht möchte sich ja jemand dazu äussern :zwinker:
Ein extrem interessantes Thema, welches ich auch schon haeufiger ueberdachte. Ich teile die Ansicht Deines Freundes. Meiner Meinung nach handelt es sich um eine psychische Erkrankung anerzogener Geschlechtsfixierung. Waere ich zB schwer krank und man wuerde meinen Kopf auf den Koerper einer toten Frau verpflanzen, waere das sicher gewoehnunsgbeduerftigt, aber ich kaeme nie auf die Idee, mein frueheres Geschlecht durch massive Eingriffe in diesen gesunden Koerper veraendern zu wollen. Warum macht man das? In liberalen Gesellschaften kann jeder so "metrosexuell" leben, wie es ihm oder ihr gefaellt. Weshalb sollte man eine unnatuerliche Physis erzwingen, auch wenn das Hirn gegengeschlechtlicht tickt?
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
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Weshalb sollte man eine unnatuerliche Physis erzwingen, auch wenn das Hirn gegengeschlechtlicht tickt?
Pragmatische Antwort: Weil es den Menschen hilft, und sie sich hinterher wohler fühlen. Manche Menschen nehmen freiwillig die Risiken der GaOP in Kauf - das spricht ja schon dafür, dass es diesen Menschen (unabhängig von allen theoretischen Überlegungen) sehr wichtig ist, im gefühlt passenden Körper zu sein.
 
B

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Alles sehr interessante Antworten bisher, danke an alle! Nun gibt es aber viele Menschen, die einem Idealbild nacheifern, zum Beispiellassen sich gerade Cis-Frauen Brüste vergrössern, weil es ihrer Meinung nach die erotische Ausstrahlung erhöht.

Meine Überlegung: Vielleicht sollte man auf die Gesellschaft einen anderen Blick kriegen, also eine mögliche Geschlechtsumwandlung nicht als etwas ansehen, das vom sozialen Druck kommt, sondern, das einem der Rolle näher bringt, die man in dieser Gesellschaft gerne verkörpern würde. Und wenn diese Rolle an ein Geschlecht gekoppelt ist, so be it! Etwa in dem Sinn... Sich dessen als Betroffener bewusst zu werden ist natürlich nicht einfach. Sollte das aber der Fall sein, sehe ich auch keinen Grund zur Empörung, da meiner Meinung nach jeder mit seinem Körper tun sollte, was er will. Was nicht bedeutet, dass man extremen Handlungen nicht genug Bedenkzeit und psychologische Betreuung bieten sollte.

Als Anregung für Interessierte empfehle ich den Film "The Ballad of Genesis and Lady Jaye", der Streifen war Grund für unsere Diskussion :zwinker:
 

Benutzer137374  (49)

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Pragmatische Antwort: Weil es den Menschen hilft, und sie sich hinterher wohler fühlen. Manche Menschen nehmen freiwillig die Risiken der GaOP in Kauf - das spricht ja schon dafür, dass es diesen Menschen (unabhängig von allen theoretischen Überlegungen) sehr wichtig ist, im gefühlt passenden Körper zu sein.
Das ist aber nicht wirklich eine zufriedenstellende Erklaerung. Jeder Mensch duerfte sich wohler fuehlen, wenn er sich Heroin spritzt. Dennoch ist das nicht Mittel der Wahl. Ein Depressiver waehlt als Loesung gern den Suizid. Dennoch raet man nicht dazu. Bei Entscheidungsfindungsprozessen sollte meiner Ansicht nach effiziente Folgerichtigkeit an erster Stelle stehen, um ein bestmoegliches Ergebnis zu erreichen. Und DAS ist Pragmatismus. Wenn ich einen Frauenkoerper "irgendwie" bei mir besser faende, waere eine Abloesung von dieser Fixierung pragmatischer als Hormone und OPs.
 

Benutzer107106 

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Vielleicht kann man das ein bisschen mit anderen äußerlichen Erscheinungen vergleichen:
Im ganz kleinen habe ich das damals nach meiner Schwangerschaft und den körperlichen Veränderungen erlebt, dass ich nicht das Gefühl hatte, das das noch mein Körper ist. Ähnlich empfand eine Freundin von mir, die durch eine depressive Phase schwerst magersüchtig wurde und binnen eines Jahres von 70 auf 45kg runterhungerte. In solchen Momenten steht man vorm Spiegel und denkt: "Das bin nicht ich!" Das Selbstbild was man von sich selbst hat, hat nichts mit dem zu tun was man im Spiegel vor sich sieht. Was eine Magersüchtige mit Sport, Therepie und Essen wieder "hinbekommt" oder ich als frisch gebackene Mutter mit den Monaten einfach selbst erledigt habe (Gewöhnung+körperliche Veränderung zum Normalzustand zurück), wird bei Transgendern nie eintreffen können. Man kann sich die Haare noch so kurz schneiden, man kann sich noch so die Brüste abbinden, man kann sich noch so 3 x mal am Tag rasieren und Röcke kaufen, man wird niemals auch nur im Ansatz seinem inneren Bild entsprechen.
 

Benutzer89539 

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Das ist aber nicht wirklich eine zufriedenstellende Erklaerung. Jeder Mensch duerfte sich wohler fuehlen, wenn er sich Heroin spritzt. Dennoch ist das nicht Mittel der Wahl. Ein Depressiver waehlt als Loesung gern den Suizid. Dennoch raet man nicht dazu. Bei Entscheidungsfindungsprozessen sollte meiner Ansicht nach effiziente Folgerichtigkeit an erster Stelle stehen, um ein bestmoegliches Ergebnis zu erreichen. Und DAS ist Pragmatismus. Wenn ich einen Frauenkoerper "irgendwie" bei mir besser faende, waere eine Abloesung von dieser Fixierung pragmatischer als Hormone und OPs.
Mit genau dem Ansatz ist die Psychologie jahrzehntelang an die Wand gefahren, während sich umoperierte Trans*menschen hinterher langfristig wohl fühlen und psychisch gesund sind. Daher ist auch der Vergleich zu Heroin und Suizid - sorry - ziemlich bescheuert.
 
B

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Das ist aber nicht wirklich eine zufriedenstellende Erklaerung. Jeder Mensch duerfte sich wohler fuehlen, wenn er sich Heroin spritzt. Dennoch ist das nicht Mittel der Wahl. Ein Depressiver waehlt als Loesung gern den Suizid. Dennoch raet man nicht dazu. Bei Entscheidungsfindungsprozessen sollte meiner Ansicht nach effiziente Folgerichtigkeit an erster Stelle stehen, um ein bestmoegliches Ergebnis zu erreichen. Und DAS ist Pragmatismus. Wenn ich einen Frauenkoerper "irgendwie" bei mir besser faende, waere eine Abloesung von dieser Fixierung pragmatischer als Hormone und OPs.

Ohne deine Antwort werten zu wollen: Als pragmatisch empfände ich in diesem Fall eher die Gegenüberstellung der Pros und Contras einer solchen OP. Klar hört sich das nach einem drastischen Eingriff an, aber wir leben nun mal nicht in einer idealen Welt, wo alle lieb und tolerant zueinander sind. Vielleicht sind falsche Brüste und Hormone für mache Menschen eben besser, als sich sein Leben lang rechtfertigen zu müssen & angeglotzt zu werden. Ich finde, das sollte jeder für sich entscheiden...
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
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Auf den Punkt gebracht bedeutete das, die Leute hätten einfach eine psychische Störung, die man im Umkehrschluss auch (anders) behandeln könnte. Das hat man von Homosexuellen auch lange behauptet (und tut es vielerorts noch). Wir wissen heute, dass das nicht der Realität entspricht.
Naja, es sind halt Abweichungen von der biologischen Norm, die (derzeit) nicht therapierbar sind und dessen auch nicht bedürfen, weil sie einfach das Leben abseits vom Verhalten bösartiger Mitmenschen nicht oder wenig einschränken.

Ist vielleicht nicht politisch korrekt, aber wo (außer eben das sie begnin/harmlos sind für Betroffene und Gesellschaft) unterscheiden sich Homosexualität oder sexuelle Identitätsprobleme von wirklich krankhaften sexuellen Störungen wie Pädophilie oder ähnlichem? Selbst für Pädophilie findet sich sicherlich eine evolutionäre Begründung.

Ich wäre mir da auch nicht so sicher, ob wir da nicht in zwanzig Jahren ganz andere therapeutische Methoden haben. Wir stehen da ja gerade erst am Anfang. Ich halte das beim besten Willen nicht für so weit hergeholt, dass wir uns irgendwann per Spritze für eine bestimmte sexuelle Orientierung entscheiden und umentsscheiden können. Wir sind da weitaus mehr von unseren Genen und Hormonen beherrscht, als es wohl den meisten lieb ist.
 

Benutzer137374  (49)

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Alles sehr interessante Antworten bisher, danke an alle! Nun gibt es aber viele Menschen, die einem Idealbild nacheifern, zum Beispiellassen sich gerade Cis-Frauen Brüste vergrössern, weil es ihrer Meinung nach die erotische Ausstrahlung erhöht.
Meine Überlegung: Vielleicht sollte man auf die Gesellschaft einen anderen Blick kriegen, also eine mögliche Geschlechtsumwandlung nicht als etwas ansehen, das vom sozialen Druck kommt, sondern, das einem der Rolle näher bringt, die man in dieser Gesellschaft gerne verkörpern würde. Und wenn diese Rolle an ein Geschlecht gekoppelt ist, so be it! Etwa in dem Sinn... Sich dessen als Betroffener bewusst zu werden ist natürlich nicht einfach. Sollte das aber der Fall sein, sehe ich auch keinen Grund zur Empörung, da meiner Meinung nach jeder mit seinem Körper tun sollte, was er will. Was nicht bedeutet, dass man extremen Handlungen nicht genug Bedenkzeit und psychologische Betreuung bieten sollte.
Das Problem beruht auf der Verhaeltnismaessigkeit. Fast jeder erfuellt anzunehmend lieber eine Rolle in der Gesellschaft, die seinen Vorstellungen entspricht. Wuenscht sich Ansehen und Wuerdigung dieser Rolle. Wenn das Erreichen dieser Rolle unverhaeltnismaessig bezueglich des Aufwandes ist, nannte ich die Person psychisch krank. Man darf auch nicht vergessen, dass Dritte involviert werden muessen und es sich nicht etwa um eine persoenliche Leistung/Ueberwindung handelt, das angestrebte Ziel zu erreichen.
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Alles sehr interessante Antworten bisher, danke an alle! Nun gibt es aber viele Menschen, die einem Idealbild nacheifern, zum Beispiellassen sich gerade Cis-Frauen Brüste vergrössern, weil es ihrer Meinung nach die erotische Ausstrahlung erhöht.
Meine Überlegung: Vielleicht sollte man auf die Gesellschaft einen anderen Blick kriegen, also eine mögliche Geschlechtsumwandlung nicht als etwas ansehen, das vom sozialen Druck kommt, sondern, das einem der Rolle näher bringt, die man in dieser Gesellschaft gerne verkörpern würde. Und wenn diese Rolle an ein Geschlecht gekoppelt ist, so be it! Etwa in dem Sinn... Sich dessen als Betroffener bewusst zu werden ist natürlich nicht einfach. Sollte das aber der Fall sein, sehe ich auch keinen Grund zur Empörung, da meiner Meinung nach jeder mit seinem Körper tun sollte, was er will. Was nicht bedeutet, dass man extremen Handlungen nicht genug Bedenkzeit und psychologische Betreuung bieten sollte.
Das Problem beruht auf der Verhaeltnismaessigkeit. Fast jeder erfuellt anzunehmend lieber eine Rolle in der Gesellschaft, die seinen Vorstellungen entspricht. Wuenscht sich Ansehen und Wuerdigung dieser Rolle. Wenn das Erreichen dieser Rolle unverhaeltnismaessig bezueglich des Aufwandes ist, nannte ich die Person psychisch krank. Man darf auch nicht vergessen, dass Dritte involviert werden muessen und es sich nicht etwa um eine persoenliche Leistung/Ueberwindung handelt, das angestrebte Ziel zu erreichen.
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Vielleicht kann man das ein bisschen mit anderen äußerlichen Erscheinungen vergleichen:
Im ganz kleinen habe ich das damals nach meiner Schwangerschaft und den körperlichen Veränderungen erlebt, dass ich nicht das Gefühl hatte, das das noch mein Körper ist. Ähnlich empfand eine Freundin von mir, die durch eine depressive Phase schwerst magersüchtig wurde und binnen eines Jahres von 70 auf 45kg runterhungerte. In solchen Momenten steht man vorm Spiegel und denkt: "Das bin nicht ich!"
Das ist aber wieder mein Punkt. Wuerde man meinen Kopf auf den einer Frau verpflanzen, waere das natuerlich nicht mehr so ganz ich :zwinker: Nur was macht und denkt und fuehlt man dann bezueglich erwaegbarer Konsequenzen. Persoenlich finde ich ein paar Schwangerschaftsstreifen eher suess, aber das muss die Frau selbst entscheiden. Treibt Sport nimmt ab. Das ist ja nicht gravierend. Und die Magersuechtige muss essen (naheliegenderweise). Das kann man doch nicht mit massivsten operativen (verstuemmelnden) Eingriffen vergleichen.

Das Selbstbild was man von sich selbst hat, hat nichts mit dem zu tun was man im Spiegel vor sich sieht. Was eine Magersüchtige mit Sport, Therepie und Essen wieder "hinbekommt" oder ich als frisch gebackene Mutter mit den Monaten einfach selbst erledigt habe (Gewöhnung+körperliche Veränderung zum Normalzustand zurück), wird bei Transgendern nie eintreffen können. Man kann sich die Haare noch so kurz schneiden, man kann sich noch so die Brüste abbinden, man kann sich noch so 3 x mal am Tag rasieren und Röcke kaufen, man wird niemals auch nur im Ansatz seinem inneren Bild entsprechen.
Es ist nachweislich unmoeglich, ein Selbstbild ueber das Spiegelbild zu erzeugen, sonst gaebe es keine Magersuechtigen.
[DOUBLEPOST=1421695902][/DOUBLEPOST]
Ohne deine Antwort werten zu wollen: Als pragmatisch empfände ich in diesem Fall eher die Gegenüberstellung der Pros und Contras einer solchen OP.
Was sollten es da denn an Pros geben? Es gibt das potentielle Pro der psychischen Befindlichkeit. Physische Pros sind ausgeschlossen.
Klar hört sich das nach einem drastischen Eingriff an, aber wir leben nun mal nicht in einer idealen Welt, wo alle lieb und tolerant zueinander sind. Vielleicht sind falsche Brüste und Hormone für mache Menschen eben besser, als sich sein Leben lang rechtfertigen zu müssen & angeglotzt zu werden. Ich finde, das sollte jeder für sich entscheiden...
Ich auch, aber das war ja nicht die urspruengliche Fragestellung. Es ging ja nicht darum, ob man sich wie auch immer operieren lassen koennen sollte, sondern inwiefern das nachvollziehbar bezueglich des Betroffenen ist.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Ich bin mir nicht so sicher, ob sich in einer offenen Gesellschaft der Wunsch von Trans-Personen nach einem anderen Körper erübrigen würde. Wie bereits erwähnt wünschen sich diese Menschen ja nicht, das andere Geschlecht zu sein, sondern sind das andere Geschlecht, jedoch in einem dafür unpassenden Körper. Woher dieser Wunsch rührt ist - zumindest mir - unklar. Die Geschlechterrollen in der Gesellschaft helfen aber mit Sicherheit nicht, die Probleme Transsexueller zu verbessern, denn sie verschärfen die Gegensätze zwischen den Geschlechtern und geben ihnen somit mehr Kontrast. Ob sie aber aber tatsächlich ursächlich für Transsexualität bzw. derlei Wünsche sind, vermag ich nicht zu beantworten.

edit: losgelöst von der Transgenderproblematik kann man sich natürlich noch über Geschlechterrollen unterhalten. Ich bin kein großer Fan davon und erachte die tatsächlich als "unnatürlich" bzw. als soziokulturelle Erscheinungen. Der Nutzen von diesen Vorstellungen ist für mich zweifelhaft. Eventuell ist es nützlich, eine vorgefertigte Vorstellung davon zu haben, was ein Mädchen oder ein Junge ist und zu tun hat, während man noch aufwächst und sich eine eigene Identität aufbaut? Für eine erwachsene Person empfinde ich die meisten Geschlechterrollen aber als sehr befremdlich und einengend. Ich persönlich wäre jedenfalls froh, wenn wir mal mit weniger Klischees auskommen könnten und man auch von mir weniger "typische Männlichkeit" erwarten würde, nur weil ich mit einem Schwanz gesegnet wurde. Ich versuche mich in meinem Leben und meiner Partnerwahl an diesen Vorstellungen nicht länger zu orientieren.
 
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H huhngesicht : Ich lasse das mal hier so stehen und danke für die Antwort. Ich schätze, wir gewichten das psychische Wohl hier unterschiedlich stark und darüber lässt es sich nicht weiter diskutieren. Versteh meinen "Abgang" bitte nicht als Desinteresse, wie du richtig bemerkt hast, wichen wir etwas vom Urthema ab und ich würde ein weiteres Abschweifen gern verhindern :smile:
 
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