Tipps zur Verarbeitung

Benutzer185086  (34)

Ist noch neu hier
Hallo,
ich habe mich neu hier angemeldet und erhoffe mir ein paar Tipps die mir etwas das Leben erleichtern.
Ich bin 34 Jahre alt und wurde ab dem Alter von 5 Jahren von meinem Vater missbraucht. Weil Gewalt in unserer Familie ein großes Thema war und jeder sein Ventil gesucht hat, wurde ich zum Ventil meiner Brüder. Sie haben mich körperlich und seelisch sehr gequält. Meine Mutter hat weg geschaut wenn sie mich geschlagen haben. Sie gab mir die Schuld, weil sie der Meinung war ich sei eine Schlampe und würde ihr den Mann weg nehmen. Wenn ich mich nicht so verhalten habe wie sie es wollte dann hat sie mir gedroht mich mit meinem Vater alleine zu lassen.
Mit 16 hat mein Opa mich versucht zu vergewaltigen, zum Glück war er aber zu betrunken dafür und ich konnte aus der Situation flüchten. Meine Mutter brach zu ihm den Kontakt ab und gab mir die Schuld dafür.
Mit 17 bin ich von zu Hause weggelaufen und in eine Beziehung gerutscht die mir nicht gut tat.
Durch eine Vergewaltigung wurde ich schwanger, das Kind habe ich behalten.
Ich habe eine Therapie gemacht aber wirklich geholfen hat sie mir nicht.
Ich bin sozial sehr eingeschränkt, Nähe macht mir große Angst. Ich kann damit nicht umgehen. Aktuell habe ich einen sehr netten Verständnisvollen Freund. Aber ich merke einfach dass ich an meine Grenzen komme. Ich habe aus Verzweiflung eine Hypnosetherapie begonnen. Aber eine Verbesserung stellt sich nicht ein. Meine größte Angst ist das es sich nie ändern wird. Das ich immer Angst vor Nähe haben werde. Ich halte auch Freunde höflich neutral auf Abstand.
Hat noch jemand so Probleme Nähe zu zulassen und einen Weg gefunden damit umzugehen?
 

Benutzer178694 

Sorgt für Gesprächsstoff
So enttäuschend das im ersten Moment klingen mag, aber der Weg zu einer Verbesserung der Situation kann nur über eine Therapie erfolgen. Selbst kommt man mit solch schrecklichen Erlebnissen nicht klar, besonders dann nicht, wenn es schon im Frühkindlichen Alter begonnen hat.
Hypnosetherapien sind hier ein recht guter Ansatz, allerdings braucht auch das, wie eine Gesprächstherapie seine Zeit.

Du musst dir bewusst werden, dass du zwei kaputte Seelen hast, die geheilt werden müssen. Deine Kinderseele und deine Erwachsenenseele. Ohne dem Kind in dir zu helfen, wird es deinem erwachsenen ich nicht besser gehen.

Das ist ein längerer Weg, den du vor dir hast, der manchmal schwer und steinig wird, der dir aber mit jedem Schritt, mit dem du dich dem Ende näherst leichter fallen wird und es dir besser gehen wird.

Den größten und schwierigsten Schritt hast du bereits hinter dir, sich Hilfe zu suchen, sich einzugestehen, dass man alleine eben nicht damit klarkommt.
Ab diesem Punkt sollte es mit dem richtigen Therapeuten und der richtigen Therapieform eigentlich stetig bergaufgehen.

Unter www.therapie.de findet sich die Möglichkeit, einen auf das Thema Trauma-Gewalt-Missbrauch spezialisierten Therapeuten über die Suche zu finden.
Dieses Thema liegt auch nicht jedem Therapeuten, denn auch der muss damit umgehen können.

Ich weiß, wie schwer es ist solch traumatische Ereignisse zu verarbeiten und ich weiß, wie lange der Weg sein kann.
Ich weiß aber auch, dass du es schaffen kannst, du bist stärker als du denkst, im Vergleich zu allem, was du bereits hinter dir hast, ist die Therapie die leichteste Übung.
Wenn dein Freund dir eine Stütze ist, wie du sagst ,dann nutze diese Stütze auf deinem Weg. Klär aber vorher ab, wie sehr du ins Detail gehen kannst mit dir und mit ihm.

Ich wünsche dir alle Kraft der Welt auf diesem Weg die Unterstützung und Hilfe, die du brauchst
 

Benutzer185086  (34)

Ist noch neu hier
Ich danke dir für deine netten Worte. Tatsächlich habe ich mir das immer leichter vorgestellt. Bis jetzt ging es auch, aber ich merke einfach wie "schlecht sozialisiert" ich bin.
Und das belastet mich mehr als ich mir selbst eingestehen konnte.
 

Benutzer178694 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich danke dir für deine netten Worte. Tatsächlich habe ich mir das immer leichter vorgestellt. Bis jetzt ging es auch, aber ich merke einfach wie "schlecht sozialisiert" ich bin.
Und das belastet mich mehr als ich mir selbst eingestehen konnte.
Und diesem Gefühl der Belastung, dieser teilweisen Ohnmacht, der man in so einer Situation während der Aufarbeitung gegenübersteht, der darfst du auch mal nachgeben, du darfst alles scheiße finden, es auch mal rauslassen. So beginnt Verarbeitung.
Ich würde sagen, von dem was ich weiß, dass du auf einem guten Weg bist. Vielleicht siehst du noch nicht wirklich das Licht am Ende des Tunnels, aber schon ein paar hellere Stellen.
Gib nicht auf, mach weiter ich bin sicher du packst das.

Sich öffnen, was du auch hier getan hast, ist der schwerste Schritt, das kostet Kraft und jede Menge Überwindung, daher meinen tiefsten Respekt vor dir und dieser Leistung.
Geh den weg weiter, das ist es definitiv wert
 

Benutzer32843 

Sehr bekannt hier
Liebe TS,
Solche langjährigen und bereits früh beginnenden Traumatisierungen sind schwierig!
Ich würde dir raten, dir wieder einen Therapeuten (am Besten spezialisiert auf Traumatherapie) zu suchen - das ist vermutlich eine Situation, in der man damit rechnen sollte, langjährig Therapie zu benötigen, einfach, weil das Trauma auch über viele Jahre entstanden ist und dementsprechend viele Folgen mit sich bringt.
Hypnosetherapie kann auch helfen - du bist da hoffentlich bei einem guten Psychotherapeuten, der Hypnosetherapie macht, und nicht irgendjemand mit einem Wochenendkurs? Hypnose wenn sie schlecht ausgeführt ist, kann auch zu Retraumatisierungen etc. beitragen. Gerade, wenn du merkst, dass dir die Therapie eigentlich nicht hilft, wäre es sinnvoll, dass du dir erneut eine "richtige" Psychotherapie suchst.
 
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