Thema Heimscheißer

Benutzer143097 

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Liebe Community,
es kostet mich gerade so unglaublich viel Überwindung diesen Thread zu erstellen, ich weiß nicht mal ob ich ihn abschicke. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Witz wirkt, bitte ich euch trotzdem darum mein Problem zu respektieren.

Es ist so dass ich mich um das Thema Stuhlgang ziemlich stresse. Ist jemand in der Nähe? Muss in der nächsten Zeit jemand ins Bad? etc.. Ich hab mich jetzt schon so trainiert, dass ich wirklich nur zuhause groß muss, und seitdem meine Brüder aus dem Haus sind hab ich sogar unter der Woche ein Bad für mich alleine. Ich kann außerdem auch nur im hellen aufs Klo gehen, weil ich Angst habe, dass, wenn es dunkel ist, ich bei eingeschaltetem Licht Schatten an die Jalousie werfe und mich jemand sehen könnte, dabei leben wir sogar ziemlich versteckt. Das hat schon dazu geführt dass ich oftmals einfach im Dunkeln gehe.
Wenn meine Brüder zu Besuch sind geht's nur wenn sie unterwegs sind.

Soweit kein allzu schlimmes Problem, wäre da nicht eine dreiwöchige Reise nach Barcelona mit Unterkunft in einem Wohnheim mit geteilten Toiletten. Und statt mich auf die Reise zu freuen mache ich mir jetzt schon (die Reise ist im Juli) Sorgen darum wie das werden soll.. Ich weiß selber wie blöd das klingt, aber vielleicht weiß ja irgendwer Rat oder hat ein paar gute Worte für mich..

Wovor ich genau Angst hab? Das man was hört, was riecht, oder das jemand merkt, dass ich das Fenster geöffnet habe. Es ist so irrational.. Zumal ich in einer übertriebenst liberalen Familie aufgewachsen sind. Lauthals wird verkündet wenn jemand muss, bei offener Tür, einer hockt gerade auf dem Klo, der andere putzt einen Meter daneben seine Zähne.. Warum kann ich nicht nur annähernd so locker sein? Bis vor der Pubertät war das für mich eigentlich auch kein Problem, aber mittlerweile..

Weiß jemand Rat?

Vielen, vielen Dank schonmal!
 

Benutzer155480 

Sehr bekannt hier
Ich würde therapeutische Hilfe suchen. Deine Angst schränkt Dich in einer normalen Lebensführung massiv ein
 

Benutzer102673 

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Also - ich denke, fast jede Frau kann das Problem nachvollziehen.

Und tröste Dich: vor zwei Jahren war ich eine Woche in Urlaub, mit 15 Leuten in einem großen Haus. Das Klo war nicht viel mehr als 1m² groß. Ich habe mich nicht überwinden können, sodass ich Ende der Woche nicht mal mehr richtig gehen konnte, ich hatte richtig starke Schmerzen.
Das war es überhaupt nicht wert, ich weiß es auch. Aber ich will Dir damit sagen, dass ich Dich gut verstehen kann.

Da gibt es doch aber hilfreiche Tipps für Dich:

- es wird passende Momente geben, wo gerade wenig los ist, geh dann
- ich habe mal gehört, bei Klos ohne diese "Stufe", sondern wo alles gleich ins Wasser plumpst, machen einige Frauen ein "Nest" aus Klopapier, damit man das Plumpsen nicht hört :grin:
- ist das ne Einzelkabine? Dann kannst Du zeitgleich mit der elektrischen Zahnbürste die Zähne putzen oder den Wasserhahn aufdrehen (ein Grund, warum in Japan auf öffentlichen KLos übrigens Musik gespielt wird: um die Wasserkosten zu senken)
- kennst Du die Leute im Wohnheim? Seid Ihr ne Reisegruppe? Unter Mädels haben wir das nämlich mal einfach besprochen, und da hatte eben jede ihre Chance, ungestört auf die Toilette zu gehen (da waren so diese abgeteilten Klos wie in Kaufhäusern).
-trinke morgens keinen Kaffee, sodass Du nachher mit X-Beinen herumsitzt, weil Du dringend musst und nicht gehen kannst
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Weiß jemand Rat?

Ich würde auch zu einer Therapie raten. Denn was m.E. geboten ist, ist, dass du trainierst, mit deinen Ängsten umzugehen und idealerweise lernst, dass das, was dir Angst macht, nur deshalb schlimm ist, weil es dir Angst macht. Das sollte aber am Besten in einem gesicherten Rahmen und mit therapeutischer Hilfe geschehen, denn deine Ängste wirken ja massiv in deinen Alltag hinein.
 

Benutzer143097 

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cocos cocos Vielen Dank für deine Tipps! Das mit dem Nest ist eine gute Idee, die meisten Länder machen sich nämlich über diese Stufe bei deutschen Toiletten lustig, weil sie unsere Ingenieurskunst nicht verstehen, kann also gut sein dass das so Toiletten sind. :grin:
Zahnbürste ist vermutlich schlecht, Waschbecken gibt's nämlich auf jedem Zimmer, und ich denke dass in jede Kabine auch nur ein Klo ist, und mehr nicht.
Ich kenne die Leute überhaupt nicht, und ich weiß nicht einmal ob es eine Geschlechtertrennung gibt.


An den Rat mit der Therapie.. Womöglich habt ihr Recht, aber ich meine, solange ich es umgehen kann ist es doch kein therapiebedürftiges Problem, oder? Außerdem kennt es, denke ich mal, so gut wie jede Frau..
 

Benutzer161689 

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Es gibt viele Menschen die dieses PRoblem haben. Mein Vater war früher selbst immer nur im Elternhaus am Klo, auch wenn er schon Jahre mit meiner Mutter zusammengewohnt hat.
Das is ein PRoblem was sich wohl ohne therapeutische Hilfe schwer in den Griff kriegen lässt.
Ich geh mal davon aus, dass dir dieses "primitive" Klo gehen einfach vor anderen Unangenehm. So quasi "die da, die war grad kacken glaub ich". Das ist blöd, dass das so ist, aber ich glaub man kann schon daran arbeiten.
Ich hoffe du bekommst das in den Griff. Nimm für den NOtfall etwas gegen Verstopfung mit in den Urlaub, weil das manchmal vorkommt, dass man dan Anfangs länger nicht aufs klo geht ^^
 

Benutzer155480 

Sehr bekannt hier
"Umgehen" bedeutet: Schmerzen und körperlich schädigenden Verhalten ausüben. Vermeidungsverhalten ist der denkbar schlechteste Weg, mit Angst umzugehen. Und ja, sowas ist absolut therapiebedürftig.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
An den Rat mit der Therapie.. Womöglich habt ihr Recht, aber ich meine, solange ich es umgehen kann ist es doch kein therapiebedürftiges Problem, oder?

Du kannst es nur umgehen, weil du deinen Alltag einschränkst. Du hast jetzt Panik vor einer Reise im Juli, ich denke schon, dass du ein Problem hast, was du angehen solltest. Die Entscheidung liegt natürlich bei dir, aber ich würde es nicht wollen, dass eine so blöde Sache mir so viel Lebensqualität raubt. Du willst doch bestimmt noch mehr reisen, musst es vielleicht auch beruflich. Ängste sind Scheinriesen, je näher man ihnen kommt, desto kleiner werden sie. Aber man muss sich auch an sie ranwagen, denn je mehr man ihnen nachgibt umso mehr Macht gibt man ihnen über einen selbst.

Außerdem kennt es, denke ich mal, so gut wie jede Frau..

Das würde es auch nicht besser machen (und wäre auch nur ein Indiz für ein verqueres Frauenbild in unserer Gesellschaft) und außerdem glaube ich auch nicht, dass jede Frau jetzt Panik vor einem Trip im Juli hätte bzw. das Licht im Bad ausmacht, damit Nachbarn, die es nicht gibt, nicht anhand einer Silhouette auf den Jalousien erahnen können, dass jemand möglicherweise aufs Klo geht.
 

Benutzer15049  (35)

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Ich kann es irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen, wie man sich wegen etwas was absolut jeder Mensch tut, so dermaßen schämen kann, dass es täglich die Gedanken bestimmt.
Eine Verhaltenstherapie wäre da wohl wirklich angebracht. Noch ist es kein Problem, kann aber Dauer schon dazu führen, dass man das Haus nicht mehr verlässt, weil man ja zur Toilette müssen könnte, wenn man sich weiter reinsteigert.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich kann es irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen, wie man sich wegen etwas was absolut jeder Mensch tut, so dermaßen schämen kann, dass es täglich die Gedanken bestimmt.

Bei Angststörungen liegt es ja in der Natur der Sache, dass die Furcht objektiv nicht nachvollziehbar ist.
[doublepost=1486503086,1486503040][/doublepost]
Off-Topic:
Leute, hört doch auf, dieses Problem aufs Geschlecht zu schieben. Echt jetzt.

Ich denke schon, dass das Geschlecht eine Rolle spielt, denn solche Angststörungen werden durch sexistische Rollenbilder gefördert.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ein bisschen mehr oder weniger Probleme damit, dass andere das große Geschäft mitkriegen, das ist bestimmt normal. Ich kann da mit meinem Freund auch ganz offen drüber reden und trotzdem nicht so gut auf Toilette gehen, wenn er da ist. Nicht weil ich bewusst nicht will, sondern weil es nicht wirklich funktioniert.
Aber das
das jemand merkt, dass ich das Fenster geöffnet habe.
wenn es dunkel ist, ich bei eingeschaltetem Licht Schatten an die Jalousie werfe und mich jemand sehen könnte
ist ja schon nochmal eine andere Nummer und meiner Meinung nach nicht mehr im Rahmen. Ich weiß nicht, wie gut da eine "Selbst-Konfrontations-Therapie" oder die eigene Auseinandersetzung damit helfen. Ist das denn auch in öffentlichen Toiletten so, wo du die Leute um dich herum nicht kennst und auch nicht unbedingt siehst?
 

Benutzer143097 

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Ich muss sagen dass öffentliche Toiletten für mich sowieso nicht in Frage kommen. Einerseits weil ich, wenn ich unterwegs bin, einfach nicht muss. Andererseits weil ich mir einfach aus Ekel vor den Toiletten das sowieso nicht vorstellen kann. Aber da spielt denke ich weniger diese Parcopresis eine Rolle, sondern einfach eine Abneigung für öffentliche Toiletten im allgemeinen.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Was spräche gegen eine Therapie? Dein Vermeidungsverhalten füttert deine Phobie nur noch mehr. Sowas kann u.U. dann auch echt gesundheitsschädigend sein, wenn man sich nicht erleichtert, obwohl man eigentlich muss.
 

Benutzer143753 

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Hallo meine Liebe,

ich kann dich nur zu gut verstehen, weil ich ganz genau das gleiche Problem hatte bzw. habe. Also Urlaub mit Freunden war eine Qual, ich hatte auch schon wochenlang davor Panik und dann war Urlaub mit Bauchkrämpfen angesagt.

Ich habe das ganze jetzt ein wenig in den Griff bekommen. Zwar kann ich dir keine Anleitung geben, aber man kann es schaffen...reine Kopfsache!!

Zuerst einmal ist es in so einem Fall mal hilfteich, wenn man über das Thema ungezwungen reden kann. Bei manchen Leuten kann ich echt lautstark verkünden: "so, spielt mal weiter, ich muss jetzt kacken gehn..." :grin: So blöd das jetzt klingt, aber kaum ist es ausgesprochen, ist das Eis gebrochen und man kann viel leichter. Vielleicht kannst du das ja mal zu deinen Brüdern sagen, und du wirst sehen, dass sich die Welt weiterdreht auch wenn deine Familie über deinen Stoffwechsel Bescheid weiß.

Ich habe auch mal einfach auf (sauberen) öffentlichen Toiletten geübt, wo mich kein Mensch kennt. Zwar leide ich da gewöhnlich unter stressbedingter Verstopfung, aber wenn du mal Rizinusöl oder leichte Abführkapseln nimmst und dann gezwungen bist, öffentlich aufs Klo zu gehen, dann gewöhnen sich sowohl Kopf als auch Körper daran. Du musst EINMAL über diese Schwelle springen, und dann wird es von Mal zu Mal leichter.

Nur so als Mutmache: ich bin jetzt seit 5 Tagen in Paraguay, einem Land ohne großartige Sanitärhygiene. Den ganzen Tag über mit Freunden zusammen und war auch schon 4x auf der Toilette (inklusive einmal in der Wildnis kacken). Ich bin sooo froh darüber, dass ich da jetzt sehr viel entspannter bin. Das gibt unheimlich viel Lebensqualität zurück. :jaa::jaa::jaa:
 

Benutzer140755 

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ich frage mich wirklich, wie sowas funktioniert??

deine gedanken kann ich zwar nachempfinden, aber wenn ich muss, dann muss ich!
da hilft kein verkneifen oder gut zureden - mein darm lässt da nicht mit sich reden oder sich trainieren.

das kann zwar auch unangenehm werden, aber immer noch besser, als eine massive verstopfung zu bekommen.
 

Benutzer105371 

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Zunächst gebe ich @Burlesque uneingeschränkt Recht, dieses Problem ist definitiv nicht ausschließlich weiblich, ich weiß von genug Männern, die in dieser Hinsicht gehemmt sind.

Auch die Empfehlung, gegen diese Phobie therapeutisch vorzugehen, kann ich in deinem Fall nur absolut befürworten.
Deiner Beschreibung nach ist es bei dir keine kleine Hemmung, die hier und da ein paar Einschränkungen nach sich ziehen, sondern ein psychologisch ernstzunehmendes Problem, bei dessen Lösung dir schnellstmöglich geholfen werden sollte und auch kann:smile:

Wenn dich zum jetzigen Zeitpunkt dieses Thema schon im Hinblick auf deinen Sommerurlaub in einem knappen halben Jahr quält, dann scheint dein Stuhlgang dein Leben zu bestimmen, statt - wie er eigentlich sollte - es zu erleichtern.

Nur Mut, lass dir helfen, das ist ganz sicher möglich:smile:
 

Benutzer150539 

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Hach, ich kenne dieses Problem. Ich hatte jahrelang nur wenige Toiletten, auf die ich ausserhalb meiner 4 Wände wirklich aufs Klo kann. Mehrheitlich in Kellern und einsamen Ecken, mit Wänden bis oben. Trennwände gehen garnicht!
Musste es auch lernen, aber so ganz klappt es nicht. Und das, obwohl ich in der Medizin arbeite und eigendlich wissen müsste, dass das alles völlig normal ist. Aber mein Körper kann einfach nicht, wenn da jemand nebenan ist.
 
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