Stress und Liebe

Benutzer151742  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo liebes Forum!

Am besten erkläre ich erst einmal meine Situation: Ich hatte nicht das leichteste Leben, erst einen Exfreund, der mir psychisch und physisch, bevorzugt beim Thema Sex, wehgetan hat.
Trotz sehr gesundem Lebensstil, aber dank viel Stress habe ich Colitis Ulcerosa, Migräne und neuerdings Neurodermitis auf dem Kopf.
Seit Weihnachten 2014 bin ich mit meinem aktuellen Freund zusammen, es ist leider eine Fernbeziehung und er studiert auch, weshalb wir uns nur in der vorlesungsfreien Zeit sehen können.
Er ist ganz anders als mein Exfreund und hilft mir neben der Therapie, die ich wegen ihm begonnen habe, aber dennoch gibt es gerade zwei große Probleme.

Problem 1: Wir kommen bei dem Thema Sex natürlich nur langsam voran.
Erstens, weil man natürlich schlecht über mehrere hundert Kilometer hinweg sowas in Angriff nehmen kann und zweitens, weil ich eben auf dem Gebiet noch sehr verstört bin.
Er gibt sich zwar große Mühe, mir zu helfen, und mich nicht unter Druck zu setzen, aber besonders gerade geht es mir damit einfach nur schlecht, denn ich habe wieder sehr viel Stress: Mein Studium ist ziemlich heftig, in der vorlesungsfreien Zeit fast schlimmer als außerhalb, denn sie ist vollgepflastert mit Klausuren, Übungsvorlesungen für diese Klausuren, Praktika (Bedeutet bei uns praktische Arbeit im Labor) und Protokollen vorhergegangener Praktika, die fertiggestellt werden wollen.
Bis jetzt kam ich ganz gut beim Thema Sex voran, denn wenn ich etwas erstmal geschafft habe, merke ich, dass es eben gar nicht so schlimm ist.
Natürlich weiß ich das schon vorher, aber erst dann verschwindet die Panik wirklich.
Jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem man nicht einfach das Motto "Augen zu und durch" anwenden kann, denn es soll ans Eingemachte gehen - und er ist leider sehr ordentlich ausgestattet und ich scheinbar... ziemlich eng.
Das ist ein ziemliches Problem, denn Finger, egal mit wie kurzen Nägeln, bereiten mir sehr große Schmerzen, vielleicht wegen der schlechten Erfahrungen, keine Ahnung.
Er hatte die Idee, ich könnte mich mit einem meiner Spielzeuge vordehnen, aber als wir das dann in Angriff nehmen wollten, bin ich schon in Tränen ausgebrochen, bevor ich auch nur ausgezogen war.
Kurze Anmerkung: Ich hatte weit weniger Probleme damit, ihn zu berühren, als mich berühren zu lassen, letzteres haben wir deshalb auch noch so gut wie gar nicht probiert - aber Zugucken ist mir scheinbar schon zu viel.
Ich habe ihn dann ins Nebenzimmer verfrachtet und es allein versucht, aber ich war vollkommen verkrampft und staubtrocken und habe es nach einer Weile aufgegeben.
Ich fürchte allerdings, dass das auch ohne Heulflash davor nicht besser werden wird, ich komme auch allein mit meinem Körper in der Hinsicht nicht besonders gut klar, allein, weil meine Libido ziemlich tot ist.

Problem 2: Mein Freund ist sehr verständnisvoll, wie gesagt, außerdem kann er es ganz gut kompensieren, auf dem Trockenen zu sitzen:
Wir haben uns zB auch durch Online-Rollenspiel kennen gelernt, haben das mittlerweile aufgrund von Geldproblemen und Co in Skype verlagert.
Wie in jeder Geschichte gibt es eben auch dabei sexuelle Handlungen, besonders bei welchen, die nicht gerade für Kinder gemacht wurden, ist das ja ganz normal.
Er kann mit "erotischem Rollenspiel" eben gut Hungerzeiten überbrücken - aber wenn es mir schlecht geht, ist auch das nur Stress für mich und ich habe da absolut keinen Nerv für.
Dank meiner vielen Zipperlein geht es mir leider oft schlecht...
Gerade habe ich neben all dem Prüfungsstress, der bei mir in letzter Zeit schon regelmäßig zu vollkommen beziehungsunabhängigen Heulattacken führt (Eigentlich bin ich kein nah am Wasser gebauter Mensch :what:) noch mit der vollen Neurodermitis-Dröhnung zu kämpfen, durch die mir an den Seiten in meinen Augen extrem die Haare ausfallen.
Mein Freund meint, wenn man es nicht weiß, sieht man es gar nicht, aber mich belastet das extrem; werden ein paar Leute hier wohl verstehen können.

Er versucht, mich wegen beiden Punkten nicht unter Druck zu setzen, aber wir sind halt gerade in einer Einzimmerwohnung zusammengepfercht und selbst, wenn er sagt, wir machen mal einen Tag dann halt nix zusammen und mich vor den PC setzt, sitzt er da halt mit Leichenbittermiene auf dem Bett vor seinem Laptop und ich fühle mich einfach nur schlecht.
Ich komme gerade weder bei Punkt 1, noch bei Punkt 2 weiter, das pisst ihn natürlich an, aber mich macht es einfach nur fertig, denn da ich kein Bafög kriege, meine Eltern aber nicht SO gut verdienen, stehe ich wirklich unter extremem Leistungsdruck und bin gerade wirklich am Ende meiner Kräfte.
Wie gesagt, die letzten Tage habe ich viel geweint, weil ich einfach nicht mehr konnte, nach dem Zwischenfalls aus Punkt 1 musste ich mich noch in eine Übungsvorlesung quälen und bin dort fast zusammengebrochen, mir war abwechselnd heiß und kalt, dann übel, dann dachte ich, ich kippe um, ich konnte kaum atmen...

Ich würde dazu einfach gern ein paar Meinungen und vielleicht Lösungsvorschläge hören, denn ich weiß nicht mehr weiter.
Am liebsten würde ich ihn einfach ein paar Tage nach Hause schicken, aber weder hat er das Spritgeld, um wieder hochzukommen, noch hab ich das Geld, um zu ihm runterzufahren.
Obwohl ich ihn wirklich liebe, ging mir schon durch den Kopf, wegen all dem Stress einfach mit ihm Schluss zu machen, so fertig bin ich.
 

Benutzer152906 

Meistens hier zu finden
Das Du "so eng bist" ist wohl eher eine Frage des Stresses und weniger, weil es wirklich so ist. Oder hattest Du mir Deinem Ex-Freund da auch Probleme mit ?

Was die Bestückung angeht ... kann das natürlich auch ein Problem sein. Aber von welchen Ausmaßen reden wir hier ? Vielleicht solltest Du ihn mal mit zum Frauenarzt nehmen und dort ein Gespräch führen.
 

Benutzer151742  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Mit meinem Exfreund hatte ich ähnliche Probleme, obwohl er da ein ziemlicher Schlumpf war.
Er war aber auch immer ziemlich grob und ungeduldig, allgemein ziemlich rücksichtslos.
Frauenarzttermine werden ja leider auch nicht einfach rumgeschmissen, zum Glück hab ich einen "demnächst", aber das ist auch erst in 2 Wochen.
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
was ich so für mich erahne und befürchte ... du hast da eine großbaustelle im kopf und deswegen blockiert alles.
offenbar hast du irgendwie eine blockade was sex angeht, setzt dich ständig unter druck funktionieren zu müssen und landest dann in einem teufelskreis. :smile:

hast du dir das denn schon jemals mit genuss selbst gemacht?

natürlich kann frau nicht einfach "dehnen"!
frau muss WOLLEN.

wenn mann im kopf nicht dazu bereit ist (bewusst oder unbewusst), dann steht da ganz einfach nix.
wenn frau im kopf nicht dazu bereit ist (bewusst oder unbewusst), dann machts da unten die türe zu und nix kommt (schmerzfrei oder gar lustvoll) rein.

sex ist eine kopfsache.
hast du extrem schlechte erfahrungen gemacht, muss erst das alte auf- und verarbeitet werden.

im gegenzug solltest du ihm dann seine freiheiten lassen und versuchen offen mit ihm zu reden.
er hat ja auch noch zwei gesunde hände und kann sichs selbst machen.
[DOUBLEPOST=1440622094,1440621886][/DOUBLEPOST]um das noch kurz anzufügen:
stress ist für MICH absolut kein grund keinen sex zu haben.
für mich ist sex eine wunderbare art meinen stress abbauen zu können.

aber jeder mensch ist halt anders. :zwinker:
 

Benutzer151742  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Das stimmt schon, dass ich mir da viel Druck mache...
Gerade jetzt, wo ich mir den Arsch aufreiße und trotzdem nirgends Erfolge sehe (Studium) wäre es sehr schön, wenn wenigstens das mal klappen würde.
Und ich traue mich einfach nicht, zu warten, bis ich kopftechnisch eventuell mal soweit wäre, denn bis dahin ist er vermutlich an Altersschwäche gestorben.
Wir sind ja schon immerhin ein Stück weit gekommen, das hat sich für mich bis jetzt alles andere als toll angefühlt, aber wir haben's geschafft - und das ging auch ohne Kopf.
Ich weiß, dass der Großteil der Menschheit ziemlich anders zum Thema Sex steht als ich, aber für mich ist es halt noch etwas, das absolut nicht in meiner Komfortzone liegt und mir nur zusätzlichen Stress beschert - besonders, wenn es eben einfach nicht klappt.
Selbstbefriedigung klappt bei mir zwar, ist aber auch ein teilweise recht schmerzhaftes, frustrierendes Thema und wie gesagt, meine Libido ist eh nicht großartig vorhanden, also dementsprechend auch nicht sehr oft.
Dabei setze ich mich aber eigentlich nicht unter Druck, wieso auch? Bin ja nur ich dabei.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Oh, bei dir kommt aber viel zusammen - da weiß ich überhaupt nicht, wo man anfangen soll. :hmm:

So unterschwellig höre ich bei deinem Beitrag viel schlechtes Gewissen deinem Freund gegenüber heraus. Er belastet dich gerade zusätzlich, das mit dem Sex will nicht funktionieren und dann gibt es auch noch diese Heulkrämpfe zum aushalten. Es wäre interessant zu wissen, was dein Freund so dazu sagt? Es ist schwer einzuschätzen, wie sehr er wirklich darunter leidet und wie sehr du dir da (womöglich) einfach was zusammenreimst. Häufig ist es ja doch so, dass man gerade für die Personen die man liebt eine schier unendliche Toleranz aufbringen kann und vielleicht stört es ihn nicht mal so sehr, wie du vermutest?

Da bei dir vieles zusammenkommt, müsste man auch einmal wissen, wo genau deine Prioritäten liegen? Ich habe so den Eindruck bekommen, dass Studium da ziemlich weit vorne liegt. Ich weiß nicht, wielange du schon studierst (oder habe ich es überlesen?) aber ich kann dir aus Erfahrung sagen (und viele werden das womöglich bestätigen) das die ersten Semester echt die ekligsten sind. Da fliegt man entweder raus oder hat sich irgendwann dran gewöhnt, bzw. wächst man da so rein und macht sich nicht mehr so den großen Stress. Würde dich ermuntern wollen, da einfach dran zu bleiben und dein bestes zu tun. :smile:

Was den Sex anbelangt: ich finde so Cyber-sexsachen an sich extrem erregend und kann mir kaum vorstellen, dass dich das nicht auch packt? Befriedigst du dich denn selbst, wenn ihr irgendwie erotisch miteinander chattet? So völlig auf Null kann deine Libido ja nicht sein. Wenn es mit der Lust hapert, ist es ein guter Trick aus den Sachen Libido zu ziehen, die einen noch kicken. Sobald man dann mal am rummachen ist, ist es viel einfacher, sich auch mal auf Dinge einzulassen, die einen vielleicht anfänglich eher trocken gelassen haben. :grin:

Ich glaube daher, das beste für euer Sexleben wäre, wenn ihr das beibehaltet, was für euch funktioniert, und auch dort ein wenig am Ball bleibt. Selbst wenn man nicht diese ganzen Psycholasten mit sich herumschleppt, die du ja leider auch noch zu bewältigen hast, können solche Probleme, wie du sie schilderst, auftreten. Das ist also kein wirkliches Drama, sofern niemand eines daraus macht. Das mit dem Toys fand ich übrigens eine gute Idee! Schade, dass das nicht funktioniert hat? Benutzt du denn Vibratoren sonst so bzw. bist du diese Form der Stimulation gewöhnt? Wie sieht aus mit Gleitgel, wenn du Probleme hast, feucht zu werden?

Achja, und Neurodermitis ist ein Arschloch. Da bin ich Leidensgenosse, allerdings habe ich es nur an den Händen und zum Glück nicht am Kopf. Meinst du, der Stress triggert das bei dir oder hast du schon herausgefunden, wann das besonders schlimm auftritt? Bei den ganzen Krankheitsbildern, die du schilderst, solltest du - falls du es nicht eh schon tust - dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Das mal als ein paar erste Gedanken. :smile:
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
führst du bei der sb denn was ein oder reibst du einfach die klit?
denn wenn du nur die klit stimulierst, würde mich das wundern wenn das schmerzen bereitet. :confused:

ich würds auf jeden fall beim frauenarzt ansprechen, aber bin weiterhin der meinung, das es vermutlich keine körperliche ursache hat, sondern eher eine kopfsache ist.

gleichzeitig mal noch ne frage:
du sagst, das du angst hast, das er dich verlassen würde wenn er keinen sex bekommt und du willst da dann "irgendwie durch" und es offenbar iiiiirgendwie über dich ergehen lassen und ertragen.
das ist in meinen augen der völlig falscheste weg, den man gehen kann.

willst du das den rest deines lebens so durchziehen?
 

Benutzer151742  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
@ Fuchs:
Ja, ich hatte schon mit der Neuro einen Hautarzttermin und ziemlich hartes Kortison bekommen - allerdings traue ich der Ärztin nicht so ganz, weil die kompetente Dame mir gesagt hat, ich soll das Mittel 8 Wochen auf meine Birne reiben, obwohl schon laut Beipackzettel nach längerer Anwendung als 3 Wochen Hirnschäden drohen können :what:
Der nächste Termin beim Hautarzt des Vertrauens kommt zum Glück demnächst, außerdem kenne ich mich sehr gut mit Kräutern und Hausmittelchen aus - nur bei akutem Stress kann man da halt draufwerfen, was man will, das nützt alles nix.
Nehme ja durch die Colitis schon Immunhemmer, will nicht wissen, wie's ohne gerade wäre.

Mein Freund ist auch im Forum und wird einfach demnächst mal selbst ein kurzes Statement abgeben, wobei andere einen ja schon immer ein bisschen anders wahrnehmen, als man sich selbst; aber mal sehen.

Eigentlich kriege ich es bei den gewohnten Dingern mittlerweile gut ohne Gleitgel hin - wenn ich nicht gerade in so einer Situation bin.
Da wollte ich aber auch nicht mit anfangen, weil ich mir damit glaube ich dann eher noch mehr weh getan hätte, wenn ich gequetscht hätte, was einfach nicht passt...

An sich finde ich unser eRP ziemlich okay, aber ich mache das noch nicht besonders lange und da ich ja hauptsächlich im Kopf ein gebranntes Kind bin, bin ich da zwar deutlich lockerer als im RL und meine Stressgrenze liegt auch deutlich höher, aber im Moment sprengt der Stresspegel für mich einfach alles.
Wenn er dann noch gerne zu Sachen rotieren möchte, die mir nicht besonders liegen, ist da für mich im Moment vorbei.
[DOUBLEPOST=1440623368,1440623151][/DOUBLEPOST]@ Haarefan:
Naja, danach war es ja bis jetzt immer weniger schlimm für mich.
Ich dachte, wenn ich das erste Mal so rumkriege, dann kann ich mich bei dem Thema endlich entspannen.
Natürlich ist das nicht schön, aber ich bin ja schon in Therapie und bis jetzt habe ich kopftechnisch auf dem Gebiet keine großen Fortschritte gemacht...

Nur Klit funktioniert bei mir nicht wirklich, aber seit meinem Ex ist das halt so eine komische Sache, die nicht mehr so ganz funktioniert.
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
chu-chu8 chu-chu8
wie lange war der schwachsinn mit deinem ex denn gelaufen und war es der einzige schwachsinn?
bei einer (psycho)therapie kann man nicht erwarten, das der onkel doc sich da was anhört und dann sagt: "machen sie mal diese übung und jene und dann nehmen sie noch dings und dongs ... dann ist alles wieder gut!"
eine psychotherapie ist ein weg der verarbeitung mit erlebten ... und da gehört dann eben auch so eine lustlose zeit dazu.
das sollte (d)ein dich liebender freund sicherlich einsehen. :smile:

wobei ich mir auch vorstellen könnte, das ICH da zu ungeduldig wäre und zumindest mein schatz mir beim onanieren "helfen" sollte. :grin:

sex ist so vielfältig ... da muss man nicht zwanghaft geschlechtsverkehr haben. :zwinker:
 

Benutzer70527  (31)

Sehr bekannt hier
So, der ominöse Freund kommt auch mal zu Wort. Erst mal vielen Dank für die Antworten; schön, dass meine Freundin und ich ernst genommen werden. Hab ich auf PL aber auch gar nicht anders erwartet.

Es wäre interessant zu wissen, was dein Freund so dazu sagt? Es ist schwer einzuschätzen, wie sehr er wirklich darunter leidet und wie sehr du dir da (womöglich) einfach was zusammenreimst.

Das ist ein schwieriges Thema - und der Grund, weshalb es mich freut, dass Chu nichts dagegen hat, wenn ich mich einschalte. Ich "leide" nicht darunter, habe Verständnis und gebe mir Mühe, ihr möglichst wenig Druck zu machen. Ich glaube immer noch, dass der größte Druck von ihr selbst kommt.

Sex an sich bringt mir persönlich befriedigungs-technisch nichts. Ich bin chronischer Viel-Onanierer und habe es noch nie erlebt, dass eine Frau mich mit Hand, Mund oder Geschlechtsöffnung zum Orgasmus bringen kann; den Endspurt erledige ich immer selbst. Sex ist für mich "alles drumrum": Nahe sein, einander Gutes tun, die Reaktion des Gegenübers (oder Untendrunters :zwinker:) genießen. Befriedigung ist weder Hauptziel noch Großteil der Motivation.
Natürlich möchte ich trotzdem Sex - aber das ist für mich gar nicht das dringendste Anliegen. Das dringendste Anliegen ist, dass meine Freundin besser mit sich selbst klarkommt. Die Sex-Blockade ist für mich ein Symptom mehrerer Probleme: Unaufgearbeitete Vergangenheit (Therapietermin naht aber!), Probleme mit dem eigenen Körper und Stress. Wenn die drei Sachen sich lösen (und dabei möchte ich helfen, so gut ich kann), wird Sex besser klappen.

Wenn ich angepisst hier rumsitze, mir Kommentare verkneife und einfach Zeit brauche, mich abzuregen, damit ich vernünftig darüber sprechen kann, dann nicht wegen der Sex-Sache. Zur Verdeutlichung: Ich bin für zwei Monate (die gesamten Semesterferien) hier hochgefahren und habe meinen Laptop und meine Kamera dabei. Daheim zocke ich viel, mache Musik; an aktiven Tätigkeiten (außer zusammen fernsehen etc.) bleiben mir hier oben noch unser Rollenspiel und Fotografieren.

Den ganzen Tag kann ich nicht rumrennen und fotografieren. Fernsehen, sich unterhalten, kuscheln und spazieren gehen finde ich toll, klar, aber das große Aktive, das mir bleibt, sind unsere Text-Rollenspiel-Sessions. Wenn das aus irgendeinem Grund nicht klappt, bin ich enttäuscht. Meistens nicht sauer, nie wirklich wütend, aber enttäuscht. Das Rollenspiel hilft mir dabei, abzuschalten und Stress loszuwerden.

Genau wie meine Freundin bin ich ein Mensch, der über Dinge, die nicht klappen, den ganzen Tag nachdenkt und nie seine Ruhe hat. Der einzige Unterschied: Bei Kuscheln, Sex und unserem Rollenspiel kann ich abschalten und das hinter mir lassen. Sie lässt das nie hinter sich. Uni-Stress, Neurodermitis und andere Problemchen sind immer da und lassen sie nie los. Da Sex für sie so ein Neuland ist (zumindest angenehmer Sex; das mit ihrem Ex waren ja meiner Meinung halbe Vergewaltigungen und definitiv nicht angenehm), verstehe ich das. Ich will gar nicht, dass sie sich zu Sex "überwindet", fühle mich selbst auch nicht sonderlich attraktiv, wenn das etwas ist, was sie "hinter sich bringen" muss. Aber ich weiß, dass sie sich manchmal einen Ruck geben muss. Unser erster Zungenkuss war für sie eine extrem nervenaufreibende Erfahrung - vorher, beim Drübernachdenken. Ich hab mich drauf gefreut, sie war am Rotieren. Als er vorbei war: "War gar nicht so schlimm!"
Sich das erste Mal nackt zu zeigen, war genau so. Als es vorbei war: "War gar nicht so schlimm!"
Das erste Mal nackt kuscheln und an mir rumspielen: "War gar nicht so schlimm!" Vorher aber natürlich ANGST, ANGST, ANGST.
Seit einiger Zeit hat sie zwar noch große Angst, sich anfassen zu lassen, findet es aber nicht schlimm, mich bei der SB zu unterstützen. Küssen und kuscheln können wir, während ich mich befriedige, und mein Cumshot-Fetisch wird auch befriedigt.
Befriedigungstechnisch reicht mir das. Sozial aber nicht. Mein soziales Gewissen möchte sie anfassen dürfen - und zwar so, dass es ihr angenehm ist. Mein soziales Gewissen möchte ihr zeigen, dass man an "mehr" als SB mit Knutschen Spaß haben kann. Ich möchte nicht um meinetwillen weitergehen und zum "echten" Sex kommen, sondern als Teil einer gesunden Beziehung und damit sie ihre schlechten Erfahrungen los wird und mal was Angenehmes in diesem Kontext spürt.

So viel zum Ruck, der nicht von mir ausgeht, sondern von dem sie selbst sagt: Sie braucht ihn manchmal, weil sonst nichts vorangeht.
Ich persönlich habe Zeit. Ich wünsche mir mehr, aber es lässt mich nicht leiden oder vollkommen unbefriedigt zurück.

Das Rollenspiel, wie schon erwähnt, ist für mich nicht ganz so nachvollziehbar. Das ist für mich wirklich zu 100% abtauchen, Stressabbau und Kopf mit was anderem beschäftigen. Für sie kann es auch ein Stressfaktor sein, und damit habe ich noch große Probleme. Das nachzuvollziehen und wirklich Verständnis dafür zu haben.

Mich tröstet (erotisches) Rollenspiel über die Dürrephasen hinweg. Ihr ist der nichterotische Teil am liebsten. Das führt zu Situationen, in denen (mal bewusst, mal unbewusst) um Erotisches "herumgespielt" wird. Wir machen ja nicht nur Cybersex, sondern schreiben zusammen eine Handlung, in der manchmal (wenn's nach mir geht: ständig :grin:) gevögelt wird, aber eben nicht nur. Mir fehlt etwas, wenn Charaktere nie miteinander schlafen.

Wenn wir zur Erotik kommen, ist das für mich großartig - und für sie, soweit ich weiß, zumindest oft (wenn auch nicht immer) angenehm bzw. "aushaltbar". Erregt wird sie dadurch aber nicht. Für sie ist es einfach Teil des Spiels; das kann ich akzeptieren. Dabei fasst sich auch keiner von uns an; ich lese mir das höchstens hinterher noch mal durch, werde scharf und handle entsprechend. Aber eine Hand am Keyboard, eine in der Hose - das gibt's bei uns nicht.

Dass ich das so ausführlich hier schreibe, hat zwei Gründe.
Erstens: Es macht mir zu schaffen, wenn wir lange nichts Erotisches spielen, weil das meine Ersatzbefriedigung ist. So weit habe ich es ja schon geschildert.
Zweitens: Ich finde symptomatisch, dass meine Freundin sich sehr in alle Aspekte der Geschichte einfühlen kann, aber nicht in den erregenden Aspekt. Wenn ein Charakter verletzt wird, hibbelt sie und will wissen, wie's weitergeht. Wenn es Stress gibt und zwei Charaktere kurz davor stehen, sich zu kloppen, ist sie aufgeregt. Wenn zwei Charaktere miteinander in der Kiste landen ... tippt sie ungerührt.

Ähnlich ist es einfach im realen Leben. Wenn wir kuscheln, knutschen, an mir rumfummeln (und sicher auch später, wenn ich dann mal an sie "ran darf"), ist das aushaltbar. Ganz okay. Passt schon. "Erregung" ist noch gaaaanz weit weg. Das macht mir Sorgen, weil ihre Bemühungen, sich vorzubereiten, damit schmerzhaft und aussichtslos sind.

Chu wird wohl demnächst die Pille absetzen und mal schauen, was das so mit ihrer Libido anstellt. Ich hoffe, dass das (zusammen mit der Therapie; die ist am wichtigsten) schon Besserung verspricht.

Kurzfassung/Fazit: Ich wünsche mir Sex, habe es da aber nicht eilig und mache definitiv keinen Druck. Wenn ich manchmal angepisst wirke, dann wegen meiner Ersatzbefriedigung, die für mich (genau wie Fuchs Fuchs gesagt hat) ein sehr, sehr wichtiger Stressabbau ist - für meine Freundin manchmal aber mehr Stress bedeutet.
 

Benutzer151742  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Joa, da kann ich eigentlich nichts groß korrigieren.
Abgesehen davon, dass ich das eRP schon manchmal gar nicht schlecht finde - aber eben doch selten.

Der Schwachsinn mit meinem Ex lief sechs Jahre, es war auch eine Fernbeziehung, daher hab ich ihn auch nur 4x im Jahr gesehen - aber dann eben auch Wochen am Stück.
Danach war ich immer froh, ihn wieder los zu sein, aber... das ist ein anderes Thema.
Ich weiß, dass der Psychodoc mir nicht in 5 Minuten helfen kann, aber ich habe einfach manche Dinge schon so gut verarbeitet, seitdem ich meine Therapie angefangen habe, dass es mich frustriert, dass sich auf dem Gebiet so gar nichts bewegt.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Cool das du dich zu Wort! :thumbsup:

Ich schreibe das mal als Antwort an deinen Freund, Chu... :smile:

Ich finde das gerade interessant, muss aber mal länger drüber nachdenken. Was mir auch komisch erscheint ist, dass Chu den Cybersex-teil am Rollenspiel nicht erregend findet. Ich bin bezüglich der Thematik ja auch nicht unbescholten und habe früher tagelang mit Rollenspielen zugebracht, die teilweise dann auch eine erotische Komponente hatten (eben zwecks des Realismus - man spielt ja keine Kinderserie nach). Aber ich muss sagen, so diszipliniert war ich da nicht, bzw. hat mich das arg sexuell stimuliert.

Das sie das so krass trennen kann deutet für mich ganz unmissverständlich auf eine Art mentale Blockade hin. Irgendwas in ihr verwehrt ihr da den Zugang zu ihrer eigenen Sexualität, wenn da nichts aufkommt. Ohne therapeutische Hilfe lässt sich das sicher nicht ohne weiteres lösen, aber man kann ja schon einmal anfangen und ein wenig darüber nachdenken, warum das wohl so sein könnte?

Ansonsten fühle ich mich in meinem Verdacht auch bestätigt, dass du an sich nicht unzufrieden bist bzw. der nicht stattfindende Sex dich jetzt tot traurig macht oder völlig unbefriedigt lässt. Das ist wohl auch das Gute daran, wenn man sich selbst sexuell genügt und zufrieden ist. Von der Seite sehe ich also auch kein Problem.

Das du sie ein bisschen "drängelst" zu neuen Erfahrungen finde ich auch genau richtig. Das ist so eine Sache, die man sich als Partner durchaus herausnehmen kann. Du respektierst sie ja, weißt aber, dass sie es ohne diese Hilfestellung viel schwerer hätte, ein paar schöne Erlebnisse zu haben und das an sich nur Angst ist. Da finde ich also völlig okay, dem Partner mal etwas Mut zu verleihen, denn was anderes ist es ja auch nicht. Auch das mit dem Sex würde ich jetzt schon noch weiter probieren, einfach weil das schon eine kleine Nummer komplexer sein kann und mehrere Anläufe vielleicht eher die Regel als die Ausnahme darstellen.

Was Chu's Stress anbelangt, weiß ich nicht so ganz, wie man ihr helfen kann. Das erscheint ja wirklich alles sehr viel und ich wüsste nicht, was man da zuerst mal in Angriff nehmen sollte. Chu fehlt da einfach der Ausgleich. Wenn sie das Rollenspiel so wie du nutzen könnte, um auszuschalten und aufzutanken wäre das sehr vorteilhaft. Anscheinend benötigt sie aber Zeit alleine. Das Aufsuchen von stillen und ruhigen Orten, etc. deutet daraufhin, dass da ein starkes Bedürfnis nach besteht bzw. sie momentan einfach zu viele Reize abbekommt.

Für diese Rückzugsmomente, die gerade sein müssen damit sie nicht noch durchdreht, muss Raum sein. Ist nicht schön für einen Partner, aber ich würde das überhaupt nicht als Beziehungsproblem wahrnehmen, sondern viel mehr als Überlastung von ihr durch Studium und den ganzen anderen Mist. Dabei ist der Partner die größte Hilfe, wenn er eben mal nicht anwesend ist.

Mehr fällt mir gerade nicht ein, aber ich denke noch drüber nach... :smile:
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
Off-Topic:
boah ... ich hoffe, ihr ehrt mich jetzt, wenn ich gestehe das alles mit meiner leseschwäche gelesen zu haben! :grin:


ich denke, ihr seid da auf einem gesunden weg. :smile:
gleichzeitig seid ihr beide euch meiner meinung nach nicht im klaren, wie lange der weg dauern wird. :zwinker:

gut finde ich die geduld von deinem freund.
aber ich kann das relativ gut nachempfinden, denn der reine gv ist für mich auch nicht zwingend erforderlich und genieße auch die weiteren spielarten.

aber man kann mit dem langsamen eben meiner meinung nach auch viel mehr erreichen.
das hirn muss ja langsam umtrainiert werden, das nicht jedes mal wenn da ein mann mit testosterongeruch und ner latte vor einem ist, das gleichzeitig mit körperlichen schmerzen verbunden ist.
von daher macht ihr das meiner meinung nach eben richtig so, indem ihr es eher langsam angeht und der orgasmus des anderen erstmal VOR dem eigentlichen gv dann zur normalen angelegenheit zählt. :zwinker:
 

Benutzer70527  (31)

Sehr bekannt hier
Fuchs Fuchs - Vielen Dank für die ausführliche Antwort; wir sind da eindeutig ähnlicher Meinung. Wie gesagt: Dass das Rollenspiel kein Rückzugsort sein kann, irritiert mich. Das sehe ich als das größte Problem zwischen uns beiden. Sie selbst hat mit all der Vorgeschichte und Studium ja noch einige größere Probleme. Zwischenmenschlich ist die unterschiedliche Wahrnehmung von Stress und Rollenspiel das größte. Aber auch das kriegen wir hin.

haarefan haarefan - Danke fürs Lesen und Antworten!

Chu hat ihren Laptop schon aus und macht sich bettfertig. Sie hat mich aber gebeten, zum Thema "mentale Blockade" noch hinzuzfügen: Das kommt definitiv vom Ex. Vor ihm und am Anfang mit ihm hatte sie Lust auf Sex; so haben wir schon vor unserer Beziehung eine Asexualität ausgeschlossen (denn damit würde ich gar nicht klarkommen, so egoistisch das auch klingen mag). Er war dann äußerst selbstbezogen, hat ihr wehgetan und ihr in den sechs Jahren ganze drei (in Zahlen: 3) Orgasmen beschert, an denen sie auch noch mitverantwortlich war. Die Schmerzen waren ansonsten enorm. Dass das nicht spurlos an jemandem vorbeigeht (und dann sechs Jahre lang!), ist klar. Da kommt der ganze Mist her.

Ich habe schon oft genug bewiesen, dass ich nicht ihr Ex bin. Nicht nur dadurch, dass ich ihr nicht wehtue und ihr nichts aufzwinge, sondern auch, weil ich nicht mit ihrer Verlustangst spiele. Bei ihm musste sie sehr große Angst haben, dass er sie verlässt (obwohl das dann das beste war, was ihr passiert ist...); bei mir hat sie diese Angst auch noch. Ich sage aber, wann immer das aufkommt, dass ich definitiv nicht wegen des Problemchens, das gerade aktuell ist, Schluss machen werde.

Langsam sieht sie ein, dass ich zwar denselben Vornamen wie dieser Idiot habe, die Gemeinsamkeiten da aber aufhören. In Stresssituationen vergisst sie das gerne mal unfreiwillig, aber ich erinnere sie daran.

Die Therapie kriegt das in den Griff. Da bin ich mir sicher. Irgendwann spielen wir unsere Charaktere, haben Spaß daran - und stellen das hinterher nach. Ich weiß nicht, wie lange das dauert, aber ich werde dann noch leben und noch da sein. :grin:

Bevor sie heute diesen Thread gestartet hat, war ich ziemlich hoffnungslos, weil das immer wieder Thema wird und sich nichts ändert. Aber das Niederschreiben und eure Antworten helfen wirklich. Danke!

Allein durch diesen Thread hat sich auch die Herangehensweise für den nächsten Versuch geändert: Eigentlich werde ich ja in den Nebenraum geschickt, während sie mit dem größten Plaste-Schwengel, den sie hat, "Tür eintreten" spielt, weil klein anfangen und steigern in ihrer Erfahrung nix bringt. Nach euren Antworten hat sie mir gerade versprochen, dass ich beim nächsten Mal anwesend sein und das verlangsamen darf - ich darf helfen. Oder zu helfen versuchen. Für mich schon ein großer Fortschritt.

Hoffnungslos war ich vor allem, weil sie zwar Sex versuchen möchte, aber weder mich an die Spielzeuge lassen noch selbst die Spielzeuge in meiner Anwesenheit benutzen will; das hat dann was von Kamel und Nadelöhr. Aber das hat sich ja gerade geändert. ... Danke! :grin:
 
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