Sozialverhalten in der Öffentlichkeit...

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Hehe, ja... da ist mein Standardspruch "Alter ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen!" - oder auch "Klar, kein Problem - das nächste mal aber bitte in einem freundlicheren Tonfall.". Grade bei so Sitzplatzthematiken stehe ich aber oft von vorneherein auf, wenn alles besetzt ist und viele alte Leute einsteigen... gibt so eine Haltestelle, da ist das regelmässig der Fall, da kann ich jede Kontaktaufnahme gleich vermeiden.
Da geht es mir wiederum anders.
Ich habe überhaupt kein Interesse daran, eine Kontaktaufnahme gleich zu vermeiden, sondern finde es gelegentlich schon mal ganz nett, ein paar Worte mit Menschen zu wechseln, die mir zufällig begegnen. Und gerade bei Bahnfahrten, bei denen 90-99% der Leute auf ihr Smartphone schauen, oder lesen, passiert das ja so selten, dass es für mich durchaus eine willkommene Abwechslung ist.

Und bei diesen unfreundlichen alten Menschen entscheide ich einfach nach meinem Eindruck: Erscheint mir die Person noch fit genug, um eine Weile zu stehen, bleibe ich sitzen (natürlich mit der entsprechenden Antwort, dass ich gerne aufgestanden wäre, wenn sie mich in einem zivilisierten Tonfall gefragt hätte) und wenn nicht, dann stehe ich auf und formuliere meine Antwort nicht ganz so freundlich, wie du.

Um prophylaktisch aufzustehen, bin ich aber schon zu bequem. Ich habe es nämlich schon oft genug erlebt, dass die Leute mein Sitzplatz-Angebot nicht angenommen haben ("So alt und gebrechlich bin ich jetzt auch noch nicht. Bleiben Sie ruhig sitzen.", oder "Ich muss sowieso gleich wieder aussteigen.") - und da bin ich dann auch nicht unglücklich, wenn ich weiter bequem sitzen kann. :zwinker:
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BTW: (Es tut mir leid zu lesen, das du wegen solch einem Pfosten einen Unfall hattest... - vielleicht bist Du dir dessen mittlerweile auch bewusst.... dennoch...) - Solch "Rücksichtsnahme" (also genau diese Art) im Strassenverkehr - ist Brandgefährlich. Fahr lieber deine Linie - und bleib berechenbar... drängelt einer von hinten - werde notfalls (auf der Landstrasse) etwas langsamer - oder blinke Ihn im passenden Moment vorbei. Keinesfalls Vollbremsungen oder Ausweichmanöver... ich gehe aber davon aus - das Du dir dessen mittlerweile bewusst bist :zwinker:
Ist eine Vollbremsung nicht eher das "Manöver des letzten Augenblicks", um einen Frontalzusammenprall zu verhindern, wenn einem mal wieder so ein Idiot entgegen kommt, der sich beim Überholweg massiv verschätzt hat?
Und wenn ich selbst gerade von einem solchen Idioten überholt werde und sehe, dass es knapp wird, gehe ich doch auch vom Gas, um ihm ein früheres Einscheren zu ermöglichen, so dass ein Unfall verhindert wird.

(Da ich selbst ein Auto fahre, das in den Augen mancher Verkehrsteilnehmer per Definition langsam ist - auch wenn ich 10 km/h über dem Tempolimit fahre - kenne ich solche brenzligen Situationen leider viel zu gut und bin es gewöhnt, ein wenig für diese Leute mitzudenken, um Unfälle zu vermeiden.)
 
A

Benutzer

Gast
Ähm, was soll ich denn in dieser Situation sonst machen? :what:
Frontal in das andere Auto reinfahren? Ausweichen und im Graben landen, nur weil das Gegenüber es nicht hinbekommt, vernünftig zu überholen?

Lass es einfach gut sein, ich habe nicht das Gefühl, dass du mich verstehen willst.

Eigentlich ging es mir doch überhaupt nicht um die Verkehrsituation - sondern vielmehr um das Thema des Threads.

Jeder Autofahrer (mich eingeschlossen) ist schon einmal in ähnlichen Situationen gewesen - das gehört zum Strassenverkehr... und auch ich bin schon mit 2 Rädern im Grünstreifen gefahren um einen Frontalcrash zu vermeiden und dem überholenden entegegen kommenden Fahrzeug Platz zu lassen... auch habe ich oft genug Vollbremsungen machen müssen.... das kennt jeder.

Trotzdem wollte der Drängler / Raser dir nicht bewusst etwas antun in der Situation - und die sind nicht alle Sch****

Du hattest das aber so beschrieben, das du aufgrund von deiner "Rücksichtnahme" seinerzeit einen Unfall gebaut hast (in 18 Jahren ist mir das noch nicht passiert)... insofern wollte ich anmerken das defensives Fahren nicht immer der richtige Weg ist.

Ich gebe Dir aber Recht - das gegenseitige Verständnis ist hiermit dann erschöpft, wie ich schon schrieb - mach wie du denkst.
 

Benutzer11345 

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rein zufällig habe ich meine Abschlussarbeit in meinem Studium zu diesem Thema absolviert:
Zivilcourage, weshalb Menschen helfen oder eben nicht.

Kurzform: Der Mensch ist ein Herdentier. Wir orientieren uns an anderen Menschen. Vor allem wenn noch weitere Menschen vor Ort sind welche helfen können greifen die folgenden Aspekte
1. Weshalb ich, es gibt doch noch genug andere die Helfen können. z.B. die Mutti hat bestimmt einen besseren Draht zu Kinder wie ich. Oder der Mann ist stärker, der kann doch viel leichter die Tür auf halten, oder ich kann das nicht, das kann bestimmt wer anders.
2. Ich schätze die Situation einfach nur falsch ein, die Person braucht bestimmt keine Hilfe. Die anderen hätten sonst schon irgendwie reagiert. Wenn ich da jetzt frage mache ich mich doch nur lächerlich und werde zum Gespött der anderen.

Hinzu kommt, dass wir unter einem bestimmten Zeitdruck stehen. Hinzu kommt, dass wir medial (durch TV, Zeitung etc.) abstumpfen und für das Leid anderer nicht mehr im gleichen Maße empfänglich werden.

*dies spiegelt nur eine Seite da und erklärt in einem kurzem Abriss weshalb die Möglichkeit besteht, dass Menschen nicht helfen. Es ist keine pauschale und allgemeingültige Aussage zu der Gesellschaft
 

Benutzer75070 

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Off-Topic:
Eigentlich ging es mir doch überhaupt nicht um die Verkehrsituation - sondern vielmehr um das Thema des Threads.

Jeder Autofahrer (mich eingeschlossen) ist schon einmal in ähnlichen Situationen gewesen - das gehört zum Strassenverkehr... und auch ich bin schon mit 2 Rädern im Grünstreifen gefahren um einen Frontalcrash zu vermeiden und dem überholenden entegegen kommenden Fahrzeug Platz zu lassen... auch habe ich oft genug Vollbremsungen machen müssen.... das kennt jeder.

Trotzdem wollte der Drängler / Raser dir nicht bewusst etwas antun in der Situation - und die sind nicht alle Sch****

Du hattest das aber so beschrieben, das du aufgrund von deiner "Rücksichtnahme" seinerzeit einen Unfall gebaut hast (in 18 Jahren ist mir das noch nicht passiert)... insofern wollte ich anmerken das defensives Fahren nicht immer der richtige Weg ist.

Ich gebe Dir aber Recht - das gegenseitige Verständnis ist hiermit dann erschöpft, wie ich schon schrieb - mach wie du denkst.

Ich wüsste grad nicht, wo ich geschrieben habe, dass rücksichtslose Menschen das nur machen, um mich ganz persönlich zu ärgern. Dass ich mich dann ärgere, wenn ich zum 5. Mal bremsen muss, weil jemand an einer unübersichtlichen Stelle überholt, finde ich durchaus normal.

Genauso wie ich mich ärgere, wenn mir mit dem Einkaufswagen zweimal hintereinander in die Hacken gefahren wird - da sage ich dann auch mal was.

Aber genug dazu.
 

Benutzer72433 

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Deine Sicht auf andere Menschen tut mir für Dich leid.
Bei solchen Sätzen rollen sich mir schon wieder die Zehennägel.. ich interpretiere das nämlich so: "Meine Sicht auf die Dinge ist die richtige, und alle, die eine andere Sicht haben, die sind irgendwie komisch, nicht vollständig, nicht richtig, und deswegen bemitleide ich sie." - du kannst dir vorstellen, dass das nicht sonderlich gut ankommt.
In der Summe deiner Posts klingt aber immer wieder durch, das du dich mit selbiger wohl fühlst...
Das ist keine Frage des "wohl fühlens" - auch wenn ich damit durchaus gut leben kann - sondern wielmehr eine Frage dessen, wie ich die Welt und die Menschen wahrnehme - entsprechend bilde ich mir meine Meinung über selbige, und die lautet nunmal, dass ich von den meisten Menschen nicht sonderlich viel halte. Dass es positive Ausnahmen gibt ist ein anderer Punkt, und über die bin ich auch recht froh.
Mir würde sehr viel im Leben verloren gehen, würde ich das streichen - mir tut es aus meiner Perspektive für andere leid, wenn Sie sich das selbst verweigern.
Es ist übrigens nicht so, dass ich nie in der Öffentlichkeit lächeln würde - wenn ich Grund dazu sehe tue ichs auch - nur vermeide ich alles, was zu von mir unerwünschter Kontaktaufnahme führen könnte.

Ich könnte jetzt auch sagen: was tun mir die Menschen leid die so abhängig von anderen sind, nicht in der Lage mal alleine zu sein oder selber Entscheidungen zu treffen, kein Mut sich mal einzumischen... ein in meinen Augen recht erbärmliches Leben - aber das wäre arrogant und dumm. Eben jeder so, wie es ihm am ehesten liegt. Ist vollkommen in Ordnung, dass Menschen unterschiedlich sind.

Um prophylaktisch aufzustehen, bin ich aber schon zu bequem. Ich habe es nämlich schon oft genug erlebt, dass die Leute mein Sitzplatz-Angebot nicht angenommen haben ("So alt und gebrechlich bin ich jetzt auch noch nicht. Bleiben Sie ruhig sitzen.", oder "Ich muss sowieso gleich wieder aussteigen.") - und da bin ich dann auch nicht unglücklich, wenn ich weiter bequem sitzen kann. :zwinker:
Diese besagte Haltestelle ist genau eine vor meiner, ich stehe also maximal zwei Minuten länger :zwinker: sonst würde ich das auch nicht unbedingt machen, aber so ist es an gewissen Tagen (Markt - viele alte Leute mit schwerem Gepäck, die möchten immer sitzen) einfach angenehmer für mich.

1. Weshalb ich, es gibt doch noch genug andere die Helfen können. z.B. die Mutti hat bestimmt einen besseren Draht zu Kinder wie ich. Oder der Mann ist stärker, der kann doch viel leichter die Tür auf halten, oder ich kann das nicht, das kann bestimmt wer anders.
2. Ich schätze die Situation einfach nur falsch ein, die Person braucht bestimmt keine Hilfe. Die anderen hätten sonst schon irgendwie reagiert. Wenn ich da jetzt frage mache ich mich doch nur lächerlich und werde zum Gespött der anderen.
Möglich, dass manchmal eines von beidem greift, aber wenn es nur darum geht jemanden kurz etwas zu reichen wo er nicht drankommt - maximal 10 Sekunden mit hallo, danke und schönen Tag noch - und überfordern kann das auch nur dann jemanden, wenn man selber nicht drankommt.
Ich finde übrigens nicht, dass man sich zum Gespött machen kann, indem man Hilfe anbietet, diesen Gedanken finde ich durch und durch absurd. Denkt das wirklich jemand?

Hinzu kommt, dass wir medial (durch TV, Zeitung etc.) abstumpfen und für das Leid anderer nicht mehr im gleichen Maße empfänglich werden.
Diesen Gedanken hatte ich schon beim Eingangsbeitrag, ihn aber bewusst nicht formuliert... denn einerseits halte ich es für wahrscheinlich dass das mit reinspielt (auch in Anbetracht dessen dass ich nicht in der Lage bin, viele Filme/Sendungen zu sehen, die andere unterhaltsam finden - ich kann es wirklich nicht, ich kann nicht hinschauen und wenn ichs versuche kotze ich entweder gleich oder es hängt mir noch Jahre hinterher) und auf der anderen Seite geht das schon wieder in einen völlig anderen Bereich, eine andere Fragestellung über.
Naja, und zu guter Letzt fällt es mir schwer bei dem Thema sachlich zu bleiben... was ich über Menschen denke die z.B. sowas wie "Saw" zu ihrem Vergnügen ansehen, das spreche ich besser nicht aus, da fehlt mir wirklich jeder Hauch von Verständnis.
 

Benutzer18889 

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was ich über Menschen denke die z.B. sowas wie "Saw" zu ihrem Vergnügen ansehen, das spreche ich besser nicht aus, da fehlt mir wirklich jeder Hauch von Verständnis.

Es ist ein Film? Warum sollte ich den nicht zu meinem Vergnügen ansehen? Dafür werden die schließlich produziert und da dabei niemand zu Schaden kommt, eben weil es ja rein fiktional ist, braucht dich das nicht aufzuregen.

Entweder missverstehe ich dich und du meinst das irgendwie anders oder ich finde deine Aussage diesbezüglich völlig absurd.
 

Benutzer72433 

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M Maria88 wunderbares Beispiel, warum ich die Thematik in meinem Eingangsbeitrag nicht aufgegriffen habe :grin: ich finde es so absurd, dass Leid, Schmerz, Verzweiflung, Grausamkeit usw. einem - auch wenn es nur ein Film ist! - als willkommene Unterhaltung dienen kann. Ich frage mich dann tatsächlich, was in der Psyche dieses Menschen wohl kaputt ist, dass er sowas nicht nur erträgt, sondern willentlich anschaut.
Damit aber bitte genug von diesem Thema in diesem Thread - wir können das gerne in einem anderen erläutern, aber ich möchte die Themen nicht vermischen und vor allem keine Diskussion darüber hier anzetteln.
 

Benutzer18889 

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Off-Topic:
M Maria88 wunderbares Beispiel, warum ich die Thematik in meinem Eingangsbeitrag nicht aufgegriffen habe :grin: ich finde es so absurd, dass Leid, Schmerz, Verzweiflung, Grausamkeit usw. einem - auch wenn es nur ein Film ist! - als willkommene Unterhaltung dienen kann. Ich frage mich dann tatsächlich, was in der Psyche dieses Menschen wohl kaputt ist, dass er sowas nicht nur erträgt, sondern willentlich anschaut.
Damit aber bitte genug von diesem Thema in diesem Thread - wir können das gerne in einem anderen erläutern, aber ich möchte die Themen nicht vermischen und vor allem keine Diskussion darüber hier anzetteln.

Off-Topic:
Kannst von mir aus gern einen anderen Thread dafür aufmachen. Ich fände die Diskussion spannend.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich finde übrigens nicht, dass man sich zum Gespött machen kann, indem man Hilfe anbietet, diesen Gedanken finde ich durch und durch absurd. Denkt das wirklich jemand?
Naja... beim Thema Sitzplatz anbieten gibt es schon mal Leute, die entrüstet antworten, dass sie doch noch garnicht so alt und gebrechlich sind. :zwinker:
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Zivilcourage, weshalb Menschen helfen oder eben nicht.

Zivilcourage ist mMn aber noch mal was anderes als die Thematik einem alten Mann über die Straße zu helfen, für letzteres braucht man ja tatsächlich keine Courage.

Wie dem auch sein: Ich persönlich kann den negativen Erfahrungswerten hier im Thread überhaupt nicht zustimmen. Ich selbst bin z.B. alles andere als alt und gebrechlich, auch schau ich nicht so aus als würd ich Sachen nicht gebacken kriegen. Trotzdem sind die Leute idR sehr freundlich oder gar zuvorkommend mir gegenüber, bzw. freuen sich sogar, wenn sie mir helfen können (genau wie ich mich ja auch freue, wenn ich helfen kann). Und wenn ich mich umschaue, dann sehe ich auch viele Leute, die freundlich miteinander sind.

Ansonsten denke ich, dass es schon auch genug Menschen gibt, die absichtlich nicht helfen, und zwar aus dem Grund, weil sie denken, dass sie selbst schon genug Scheiße gefressen haben, und jetzt ruhig auch mal andere Scheiße fressen können. Vielleicht fühlen sie sich dann auch noch gut dabei, keine Ahnung. Aber solche Leute gibt es leider auch, und das finde ich sehr schade.
 

Benutzer160853  (34)

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Mich langweilt, dass früher alles besser war. Aus meiner Sicht verteilt sich die soziale Klugheit von Menschen noch immer nach der Normalverteilung.
Allerdings finde ich krampfhafte Hilfsbereitschaft auch völlig überzogen.
Ich habe im übrigen öfter die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen sich weitaus sozialverträglicher verhalten als alte Menschen. Bei solchen Dingen gibt es kein richtig und kein falsch, sondern es kommt auf den Einzelfall an.
Ich halte Egoismus dabei auch für legitim. Der Sitzplatz in der Bahn oä. nach einem langen Arbeitstag nicht aufgeben zu wollen, ist hinnehmbar.
Eine Bemerkungen aus der Sicht eines Behinderten: Hilfen anzubieten halte ich für grundsätzlich gut. Aber dann bitte nicht mit dieser Trauermiene, die eher an Bambis Tod erinnert als etwas ziemlich normales.
 

Benutzer152150 

Sehr bekannt hier
Auch wenn ich im Alltag oft kalt und unnahbar wirke, so hab ich einen ausgeprägten Helfer-Komplex und grüße so ziemlich jeden, der mir entgegenkommt.

In der Zeit, als ich noch in meinem Elternhaus war, waren glücklicherweise nicht meine Erzeuger meine Vorbilder (die waren ja nur seltenst da), sondern eher meine Großmutter und unser Majordomus, beides Paradebeispiele der Hilfsbereitschaft, Integrität und Menschlichkeit.
Wenn ich irgendwann mal auch nur derem Vorbild nahekäme, wäre ich glücklich fürs Leben.

Ich hab immer in meinem magischen Beutel Erste-Hilfe-Set und Wehwehchen-Pflege (wie hübsche Pflaster für Kinder) dabei und gehe nie einfach an Obdachlosen vorbei, die an Häusern gelehnt, hoffen, das ihnen jemand etwas gutes tut (nur bei denen, die einen aufdringlich angehen hab ich Probleme).
Ich wandere gerne im Schatten größerer Menschen als ich selbst es bin, wie mein Gefährte, der wahrscheinlich im Duden unter dem Begriff "Altruismus" zu finden ist oder ein paar Kollegen, die schon berufsmäßig ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben um anderen zu helfen und sie zu schützen.

Solche Situationen, wie die Geschichte mit dem gestürzten in der Bankfiliale in Essen gehen mir ziemlich ans Herz....aber sie entkräften mich nicht, sondern bestärken mich in meinem Verlangen anders zu handeln, nicht wegzuschauen, einzustehen für andere wie ich es schon selbst für Menschen gemacht habe, die ich nicht unbedingt mag.
Das grenzt schon in gewissem Sinne ein wenig an Wahnsinn, denn ich könnte auch dann nicht anders, wenn es sicheren Schaden für mich bedeutet.
Die Wahrheit ist, mit dem Freitod meines Brudes, diesem letzten Akt den er unternahm um mich zu schützen, hab ich eine Verpflichtung auf mich genommen, die ich nie gegenüber anderen, die in Not sind ausgleichen vermag.

Die Worte "Noblesse oblige", "Lead by example", "behandle andere, wie du selbst behandelt werden möchtest", oder die Worte, die sogar ihren Weg in meine Haut gefunden haben "Ein Baum fällt für einen anderen" bedeuten mir mehr, als irgendjemand ermessen kann.

Wer mich auch immer geschaffen hat, mag das Gott sein, die Evolution, die Erfahrungen meines Lebens oder die Würfel des Schicksales, haben mir zwar eine sehr aggressive Seite mitgegeben, aber vor allem auch eine barmherzige Seite.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich sehe das ähnlich wie @aquanaut und C Clavicular . Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen, die nicht helfen, per se schlechte Menschen sind oder heute mal richtige Arschlöcher sein wollen (dass es die auch gibt, schließe ich aber natürlich auch nicht aus).

Einerseits gibt es ja so etwas wie die Focus Illusion. Worauf ich mich gerade konzentriere, dass erscheint mir wichtig und alles andere nehme ich kaum wahr. Das läuft unbewusst ab und kaum ein Mensch ist gänzlich davor gefeit; es gibt zig Studien dazu (oder "Experimente" wie bei dem Video, bei dem ein Gorilla im Hintergrund durchs Bild läuft, den die meisten Menschen nicht bemerken). Also ja, es ist natürlich sehr gut möglich, dass man die ein oder andere Person in "Not" einfach übersieht, weil man nur seine Einkaufsliste und was man tun muss, wenn man zuhause ist, im Kopf hat.

Bei wirklich ernsthaften Notsituationen ist das, was C Clavicular beschreibt, ja auch schon ganz gut erforscht.

Bei Situationen, in denen es nicht eindeutig ist, dass jemand Hilfe benötigt, scheuen sich viele (unbewusst) davor, Hilfe anzubieten. Denn damit verlässt man irgendwo ja seinen persönlichen Raum, mit dem man gerade durch die Stadt eilt, und betritt einen anderen Raum. Deswegen überlegen viele Menschen, die eine Situation nicht übersehen, erst einmal eine Weile beobachtend. Mir ist es tatsächlich auch schon ab und zu passiert, dass ältere Leute total schnippisch reagiert haben, als ich (freundlich!) meine Hilfe angeboten habe. Auch Personen im Rollstuhl möchte man ja nicht unhöflich behandeln, indem man davon ausgeht, dass sie Hilfe benötigen. Ein Hilfsangebot kann schließlich auch aufdringlich und übergriffig aufgefasst werden.

Die meisten Menschen helfen aber m. E. n., wenn man sie direkt anspricht und freundlich darum bittet. Und dann auch nicht widerwillig, sondern "Oh ja, natürlich!". Deshalb wird in Notsituationen ja auch geraten, Menschen gezielt anzusprechen und nicht nur bspw. "Hilfe" zu rufen.

Ich halte das nicht für ein Problem der Erziehung oder menschlichen Moral an sich. Ich halte das vor allem für ein Kommunikations- und Wahrnehmungsproblem. Möglicherweise war das "früher" in einem Dorf anders, weil man die Menschen besser kannte und besser einschätzen konnte. In einer anonymen Großstadt ist das evtl. schwieriger.

Ich versuche schon, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, aber immer kann das nicht jedem gelingen. Ich sehe darin nichts Böses und frage eben direkt um Hilfe, wenn ich sie gerade brauche. In einer Situation, in der ich das nicht mehr kann, hoffe ich aber natürlich auch, dass jemand so aufmerksam und "mutig" ist, mir zu helfen.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
...oder auch: spinn ich denn? Mancher mag diese Frage jetzt pauschal mit "ja" beantworten, aber das hilft mir nicht weiter... :tongue:

Eigentlich sind es zwei verschiedene Punkte, die aber ineinander übergehen. Dass ich nicht unbedingt der geselligste Mensch bin und generell von der Menschheit keine besonders gute Meinung habe dürfte bekannt sein - ich ziehe mich lieber zurück, meide andere Menschen zum größten Teil und wäre ziemlich glücklich, wenn ich nicht fast jeden Tag gezwungenermaßen (Einkaufen, öffentliche Verkehrsmittel usw.) Menschen begegnen würde... und viele würde ich einfach gerne instant zum Mond schiessen.

Trotzdem - und das finde ich so absurd - bekomme ich immer wieder den Eindruck, dass ich regelrecht eine Ausnahme damit bin, dass ich andere Menschen bewusst wahrnehme und ihnen auch helfe.

Beispiele:
Eine alte Dame im Rollstuhl beim einkaufen, sie versucht verzweifelt an etwas aus dem Regal zu kommen, kippt dabei fast ihren Rollstuhl um und schafft es nicht. Etliche Leute laufen ungerührt an ihr vorbei... naja, ich hab ihr dann erst nur den einen Artikel gereicht, bin selber weiter einkaufen... und dann nochmal zurück weil ich dachte "vielleicht braucht sie mehr Hilfe", hab sie in einer quasi identischen Situation wieder getroffen... naja, ich hab ihr dann beim gesamten Einkauf geholfen, auch an der Kasse, und nachher noch kurz mit ihr gequatscht bis der Krankentransport zum abholen kam. Ihre Aussage: niemand anders hätte ihr ansatzweise geholfen.
Alter Mann beim einkaufen, beugt sich nach vorne, seine Mütze fällt ihm vom Kopf über den Wagen auf den Boden, er guckt ziemlich verzweifelt - drumherumzulaufen und sich zu bücken wäre ihm wohl nicht leicht gefallen. Ich hätte ja eigentlich erwartet dass irgendwer in der Nähe (6 Leute) sich einfach mel eben bücken und die aufheben würde... nichts, garnichts. Hab also meinen halb eingepackten Einkauf stehen lassen, bin hin, hab ihm seine Mütze gereicht... "es gibt doch noch gute Menschen, vielen Dank!".
Kleines Mädchen auf dem Weihnachtsmarkt, vielleicht acht Jahre, rennt panisch-schreiend durch die Menge: "Oma, Oma, wo bist du??" - ja, nen paar Leute haben geguckt, aber niemand hat ihr geholfen. Hab sie mir geschnappt, beruhigt, ihr versprochen dass wir Oma zusammen finden, sie beschreiben lassen wie Oma aussieht (von oben hat man ja doch mehr Überblick) und wir haben Oma gefunden.

All solche Sachen... immer wieder. Ich greife ja auch nicht gerne ein, eben weil ich Kontakt eigentlich lieber vermeide, aber ich kann doch nicht zusehen wie andere Hilfe brauchen und niemand schaut. Erinnert mich immer wieder an Leute die bei einem Unfall lieber filmen und gaffen, anstatt Hilfe zu leisten. Ich kapiers nicht: ist das heute wirklich normal, solche (in meinen Augen) asoziale Verhaltensweise? Andere sind doch - theoretisch - viel sozialer, geselliger als ich... warum tun die nichts?!?


Der andere Punkt: das wo ich Leute gerne zum Mond schiessen würde. Sonstwie laut Musik hören im Bus, sich über drei Sitze flegeln, in irgendeiner Form (egal ob Parfum oder Körpergerüche) stinken wie nur was, einem (unnötig!) auf die Pelle rücken... warum?
Ich halte es doch eigentlich für selbstverständlich dass man sich bemüht, seine Mitmenschen so wenig wie möglich zu belästigen. Im besten Fall einfach garnicht wahrgenommen zu werden.
Oder, auch: Einkaufskorb inklusive Müll für die Angestellten stehen lassen - anstatt mal eben die drei Schritte zu gehen, die Verpackungen selber wegzuwerfen und den Korb wieder wegzustellen. Oder bei Macces: Soßen auf den Tisch schmieren, Tablett stehen lassen, die "gehasste" Gurkenscheibe an die Fensterscheiben klatschen wo die Angestellten sie wegputzen dürfen: "seid doch selber schuld, sowas auf den Cheeseburger zu machen" - und nen Schritt weiter: kompletter Cheeseburger im Pissior in der Herrentoilette versenkt, Boden unter Wasser und Pisse... warum tun die das?!?
Oder ein Thema hier von PL: in der Nähe schwangerer Frauen rauchen und auf Hinweis trotzdem keine Rücksicht nehmen... nach dem Motto "verpiss dich doch", wenn die einzige Sitzgelegenheit nunmal da ist (mancher erinnert sich vielleicht).


Liegt jetzt der Fehler bei mir, dass ich mehr Sozialverhalten erwarte/Rücksichtslosigkeit und Aufdringlichkeit als wirklich schlechtes Benehmen und beschissenen Egoismus sehe? Spinne ich einfach in meinen Erwartungen, sind die zu hoch - oder sehen das noch andere so? Ist es heutzutage einfach "normal", nur auf sich selber und vielleicht persönlich bekannte Menschen acht zu geben?
Nein der Fehler liegt nicht bei dir, ich bringe dir sogar ein Stück weit Bewunderung für dein Zivilcourage zu. Du gibts dich hier eigentlich völlig anders als du nun schreibst. Warum Bewunderung : Weil ich es selsbt kenne, gerade wenn man nicht auf Kontakt gepolt ist und lieber allein sein Möchte dann die Hilfsbereitschaft doch noch nach oben kommen zu lassen ist etwas groß artiges. Du kannst sehr wohl erwarten, dass man Rücksicht nimmt.

Zum Thema Körpergeruch muss ich allerdings etwas sagen: Da könne manche Menschen echt nichts dafür, die leiden selbst. Ich habe das ab und an auch hormonbedingt dass ich dann etwas intensiver rieche und es belastet einen dann auch .

Ich denke du solltest dich mal mit Mrs. Brightside Mrs. Brightside auseinandersetzen. Die kann dir sicher Tipps geben. So wie ich sie kenne jagt sie jeden hoch der im Bus über zig Sitze flänzt usw . Du willst allerdings nicht auf Konfrontation gehen oder ?
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
also ich kann neverys beitrag (nr. 45) nur zustimmen (bis auf die sache mit gewalt ua in serien und filmen-es gibt nämlich viele gründe,aus denen man an sowas gefallen finden kann.fände einen thread dazu auch super!).

auch das mit dem ungewollte-kontakte-vermeiden kenne ich von mir nur zu gut.wenn ich grad selbst lust auf kontakte hab,ists schön,wenn sich welcher ergibt.aber wenn dem mal wieder nicht so ist,sondern das nur zusätzlichen stress bei mir erzeugt (vermeide nicht grundlos reizüberflutung und bin seltenst ausser haus),dann gilt es,sowas zu vermeiden-und da ist es nun mal am zielführendsten,auch sowas wie augenkontakt zu vermeiden.

Naja... beim Thema Sitzplatz anbieten gibt es schon mal Leute, die entrüstet antworten, dass sie doch noch garnicht so alt und gebrechlich sind. :zwinker:
hierzu geb ich mal zu bedenken:nur weil jemand jung ist,ist er noch lang nicht gesund.ich muss oft sitzen bleiben und kann älteren keinen platz anbieten,zb weil ich grad wegen migräne und/oder medis sonst zu stürzen drohe.

___________________________________________________________

zur hilfsbereitschaft noch was,was gern vergessen wird,wie mir scheint:
menschen,die anderen hilfe generell verweigern,führen das ganze prinzip von hilfsbereitschaft ad absurdum.denn:jeder der in not ist,ist froh,wenn ihm dann geholfen wird.hilft er selbst aber nicht generell anderen,kann er selbst keine hilfe erwarten,wenn er welche braucht.^^



 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Das Schlimmste ist ja was ich erlebt habe : Ein Mann mit Kampfanfall lag mitten vorm Einkaufcenter. Keiner bemühte sich um ihn, ein Paar Jugendliche traten soagr noch nach dem "Penner " wie sie ihn beschimpften !

Ich wie ich bin , direkt alles weggeräumt, Leute weg gescheucht , dass er sich nicht noch mehr verletzt und Notruf abgesetzt. Keiner half mir . Die Polizei war zuerst da eine Fußstreife die zwei Blocks weiter unterwegs war.

Aber keiner von den Passante half !

Wenn selsbt so eine offensichtliche Notsituation nur noch Hohn und Spott zubringt dann kann ich leider nicht mehr von unserer Gesellschaft erwarten, dass sie für kleinere Notsituationen Hilfsbereitschaft aufbringen .
 

Benutzer11345 

Meistens hier zu finden
Ich finde übrigens nicht, dass man sich zum Gespött machen kann, indem man Hilfe anbietet, diesen Gedanken finde ich durch und durch absurd. Denkt das wirklich jemand?
ja, und das ist völlig normal soetwas zu denken.
Das ist der Knackpunkt an der Sache: Es liegt "allen" zuggrunde. Du kannst dem Einzelnen keinen Vorwurf machen nicht geholfen zu haben.
Von Außen ist es leicht zu sagen, dass jemand einer Person helfen könnte. Im Geschehen selbst ist man mit einer Situation unmittelbar konfrontiert. Dieses "sich plötzlich in einer Situation befinden" überfordert viele. Deshalb greift man auf bekannte Mechanismen zurück: Orientierung an anderen.
Oder stell dir vor du bist in der Stadt. Da streiten sich zwei Teenies. Du gehst dazwischen und die meinen beide "das ist doch meine beste Freundin, wir haben uns nur angeregt unterhalten" Oh :ashamed:Und die Leute drumherum werden dich auslachen weil du die Situation anders eingeschätzt hast. Dann bist du die Dumme. Weshalb? Weil es hätte dir doch auffallen müssen, schließlich haben alle anderen die Situation richtig eingeschätzt.
Also schauen wir uns lieber die anderen Leute an: reagieren die? nein, ich habe die Situation fehlinterpretiert (jetzt kommts:smile: ..denkt sich jeder anwesende einzelne
[doublepost=1478967638,1478967497][/doublepost]
Diesen Gedanken [Abstumpfung] hatte ich schon beim Eingangsbeitrag, ihn aber bewusst nicht formuliert...
das nennt man auch Empathie. Und die kann man sich in einer reizüberfluteten Gesellschaft auch abtrainieren. Wir rennen mit Scheuklappen durch die Gegend und sind für das Leid anderer nicht Empfänglich.
[doublepost=1478967800][/doublepost]
Zivilcourage ist mMn aber noch mal was anderes als die Thematik einem alten Mann über die Straße zu helfen, für letzteres braucht man ja tatsächlich keine Courage.
Die Psychologie sagt: Zivilcouragte ist jegliches intentional motivierte Verhalten jemand anderem zu helfen.

Was nun der Einzelne darunter versteht, eine heroische Tat, oder jemanden über die Straßen helfen, ist wiederum etwas anderes :smile:
[doublepost=1478968175][/doublepost]
Ich sehe das ähnlich wie @aquanaut und C Clavicular .
Bei wirklich ernsthaften Notsituationen ist das, was C Clavicular beschreibt, ja auch schon ganz gut erforscht.

Bei Situationen, in denen es nicht eindeutig ist, dass jemand Hilfe benötigt, scheuen sich viele (unbewusst) davor, Hilfe anzubieten.

Es betrifft beides. Hilfe wird sowohl bei Kleinigkeiten als bei auch größeren Situationen verwehrt. Auch bei Notsituationen sagt man sich "ich kann doch keine Herz-Lungen-Wiederbelebung" --> infragestellung der eigenen Kompetenz und weitergabe der Verantwortung.

Kurzum: Helfen kann oftmals sehr einfach sein "guten Tag, brauchen sie Hilfe?" ist oftmals der Schlüssel zum Erfolg.
 
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