Sorgen um meinen besten Freund.

Benutzer111034 

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Guten Abend.

Ich weiß grade, gar nicht, wo anfangen. Der Kern der Sache: ich mache mir wahnsinnige Gedanken um meinen besten Freund. Und ich würde ihm gerne helfen, aber ich weiß langsam nicht mehr wie.

Mein bester Freund lebt in einer sehr unglücklichen Beziehung, er liebt diese Frau und sie behandelt ihn wie Dreck. Sie geht andauernd fort in Urlaub und tut in dieser Zeit so, als ob er nicht existiert. Sie hat ihn mehrfach beschissen, als sie im Urlaub war. Das eine mit einem Kumpel, der dann gestorben ist. Seitdem trägt sie ein Tattoo mit seinem Namen und Todesdatum auf dem Arm. Meinen besten Freund belastet das so unheimlich, dass er Berührungen jeder Art mit dem Tattoo vermeidet, weil es ihn immer daran erinnert.

Letztes Jahr ist sein Vater an einer Lungenkrankheit gestorben und das muss ein ziemlich qualvoller Tod gewesen sein und er fehlt ihm sehr. Auch die Art des Todes belastet ihn sehr und er spricht oft davon, dass er sich bei einer schweren Krankheit das Leben nehmen würde. Er hat einen Berg Schulden von früher und den wird er nur sehr langsam los. Er hat einfach einen ganzen Haufen Probleme und seine Freundin (die ich mittlerweile hasse), macht alles noch schlimmer.

Heute der nächste Hammer, er hat gesehen, dass sie ohne Vorwarnung sämtliche Bilder von ihm und ihr aus einer Internet-Plattform gelöscht hat. Sie ist übrigens grade wieder im Urlaub, daher passt das ganz gut zusammen. Es geht ihm dementsprechend im Moment. Er geht heute Abend feiern und hat mir vorhin erklärt, dass er hofft, die Nacht (mit diversen Rauschmitteln) nicht zu überleben und dass er generell immer über die Straße läuft, weil er hofft, überfahren zu werden. Vor einem Jahr ist er beim Feiern mit einem Herzstillstand kollabiert, wurde zwei Mal reanimiert und hat sich am nächsten Morgen selbst entlassen. Er hat also suizidale Tendenzen, aber er möchte nicht konkret Hand an sich legen.

Das klingt für mich extrem und besorgniserregend. Ich kann kaum schlafen, wenn er feiern ist, vor lauter Angst, dass ihm was passiert. Er ist mir wichtig, er ist der Einzige, der nach einer Trennung geblieben ist und der bedingungslos immer zu mir gehalten hat. Es ist eben nicht so, dass er depressiv in der Ecke hängt, sondern er verdrängt alles total und auch diese Todesgedanken erzählt er immer mit einem Grinsen. Frei gemäß dem Motto "so ernst mein ich das nicht". Aber ich weiß, dass er es tut. Wenn wir zusammen sind, haben wir Spass, reden, lachen. Wenn er mir schreibt, bin ich sofort bei ihm, ich fahre regelmäßig spätabends zu ihm und nachts wieder heim, obwohl ich arbeiten muss. Ich telefoniere mit ihm, ich rede mir seit Jahren einen Wolf, dass die Tussi nicht gut für ihn ist. Ohne Erfolg, ist mir klar, dass er das nicht hören will. Er weiß es aber auch selber.

Ich weiß, dass er selber erkennen muss, dass die Frau schlecht für ihn ist und er weiß, dass das keine Zukunft hat. Aber er kann nicht von ihr lassen, ich warte seit Ewigkeiten darauf, dass er es von selber erkennt. Vergebens. Psychologische Hilfe, das Thema haben wir diskutiert und er war mal kurz bereit, das anzugehen. Ich habe ihm gesagt, wie er das angehen soll, aber er hat's nie gemacht. Und mittlerweile ignoriert er das Thema total. Er macht dicht.

Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Ich bin verzweifelt, ich will ihn nicht verlieren, ich will nicht, dass ihm was zustößt. Ich will ihm helfen, aber ich weiß nicht mehr, wie. Ich bin immer für ihn da, wenn er mich braucht, versuche mein Möglichstes, ihn abzulenken, aber ich habe Angst, dass es nicht reicht.

Off-Topic:
(Es hat sich bereits einmal mein bester Freund das Leben genommen, daher bin ich da auch besonders panisch und empfindlich.)
 
A

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Wie weit hast du denn schon mit ihm über seine Probleme und insbesondere seine Freundin geredet?

Und wie läuft es außerhalb der Beziehung für ihn? Also was Beruf, Freunde, Familie angeht? Ist er da glücklich oder ist die gesamte Lebenssituation für ihn schlecht?
 

Benutzer111034 

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Ich rede oft mit ihm über seine Freundin. Und er regt sich auf, schimpft wahnsinnig über sie, aber trennen kann er sich aus unerfindlichen Gründen nicht. Sie haben sich schon des Öfteren getrennt, sind aber immer wieder zusammen gekommen. Ich habe ihn gefragt, wieso er sich das immer wieder antut und er meint, er kann nicht aufhören zu hoffen, dass es doch noch besser wird. Wenn man ihn fragt, ob er diese Frau auch in zwei Jahren noch an seiner Seite sieht, lacht er nur.

Zu reden ist mit der Frau nicht, es fliegen dann Gegenstände durch's Zimmer, sie hat ihn schon mal von der Polizei rauswerfen lassen, versteht ihn absichtlich immer falsch.

Er meint oft, dass der Beruf im Moment eins der wenigen Dinge ist, die ihn halten. Es macht ihm Spass. Er ist momentan nebenher dabei, einen Online-Vertrieb aufzubauen und das zusätzlich zu seiner "normalen" Arbeit ist extrem stressig und nervenaufreibend. Er arbeitet sehr viel und seine Freundin streitet deswegen andauernd mit ihm. Anstatt ihn zu unterstützen macht sie ihm noch mehr Stress.

Familie hat er kaum, sein Vater war die Bezugsperson, mit der er über vieles geredet hat und der ist tot. Seine Mutter sieht er sehr selten trotz geringer Entfernung und mit seinem kleinen Bruder besteht eben Chat-Kontakt. Mehr Familie hat er nicht.

Freunde hat er viele, aber keine engen, sag ich mal. Und wenige, mit denen er so redet wie mit mir, also wenige, bei denen die Vertrauensbasis da ist. Auch bei mir hat es sehr lange gedauert, bis er mir Sachen anvertraut hat, da kamen über die Jahre immer neue Sachen zum Vorschein. Ohne eingebildet klingen zu wollen, gibt es wohl kaum Menschen, denen er so vertraut wie mir. Dass seine Freundin damit ein Problem hat und ihm den Kontakt untersagt hat, ist nicht besonders hilfreich. Denn dann kann er mit niemandem reden, zumindest nicht so unverblümt wie mit mir. Wir bezeichnen uns immer als unsere gegenseitigen Therapeuten.

Objektiv betrachtet ist seine Situation zwar stressig, aber nicht so schlimm, deswegen Todesgedanken zu haben. Deswegen liegt für mich eine Depression nahe. Aber er ignoriert es, wenn ich das Thema anspreche. Er ist eben auch mein bester Freund, weil er ähnlich tickt wie ich. Er kotzt sich aufs Übelste bei mir aus und feiert seine Probleme dann weg. Das funktioniert aber eben nicht lange. Ich finde da keinen Zugang zu ihm und es kostet mich eben Nerven, von ihm zu hören, dass er niemals guckt, ob ein Auto kommt, weil er hofft, einfach überfahren zu werden. Außerdem kann ich es mir eigentlich nicht leisten, nach Gesprächen und Abenden mit ihm erst um 5 nach Hause zu gehen.
 
A

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Gast
Es ist recht schwer darauf einen Rat zu geben. Ich kann auch nicht viel mehr sagen, als mit ihm über die Beziehung zu reden und ihn darin zu bestärken sie zu beenden. Auch dass du ihm schon professionelle Hilfe vorgeschlagen hast, finde ich gut.
Warum hat er es denn letztendlich nicht gemacht? Wenn du einen Überblick über seine Freizeit hast, mach sonst du für ihn einen Termin aus, wenn er sich nicht überwinden kann den ersten Schritt zu tun.
 
2 Woche(n) später

Benutzer111034 

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Er hat die Beziehung beendet. Ich dachte, jetzt wird es besser, aber nein, es wird schlimmer. Seitdem rastet er völlig aus, seine Depressionen sind so schlimm wie noch nie. Er spricht von Selbstmord, zum Psychologen will er aber auch nicht. Auch, dass ich einen Termin mache und ihn dort hin fahre, lehnt er ab. Mittlerweile stehe ich kurz davor, ihn beim nächsten Besuch ins Auto zu packen und in die Psychiatrie zu fahren.

Ich bin mittlerweile völlig runter mit den Nerven, jeden Tag befürchte ich das Schlimmste. Ich bin so fertig, jeden Tag sitze ich da und höre mir an, wie er darüber philosophiert, es wäre besser, tot zu sein. Und ich bin völlig hilflos, egal, was ich sage, ich erreiche ihn nicht. Ich habe gar keine Worte dafür, wie schrecklich das für mich ist, ihn sowas sagen zu hören. Wenn ihm was zustoßen würde, ich wüsste nicht, wie ich weitermachen soll.

Ich habe so langsam einfach das Limit erreicht, wo ich für ihn da sein kann, ohne selber zusammenzubrechen. Und trotzdem kann ich mich nicht zurückziehen. Er ist mein bester Freund und ich würde alles für ihn tun. Ich hatte bereits einen besten Freund, der auch schwer depressiv war. Ich habe damals versucht, für ihn da zu sein und habe mich dann aber zurück gezogen, um mich selbst zu schützen. Das Ende vom Lied war, dass er sich das Leben genommen hat, weil er das Gefühl hatte, alle (einschließlich mir) lassen ihn im Stich. Ich kann mich nicht zurückziehen, ich kann mich nicht schützen, ich kann ihn nicht aufgeben.

Ich bin einfach so hilflos im Moment.
 

Benutzer111034 

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Professionelle Hilfe, tolle Idee! :zwinker:

Ja, aber was soll ich machen? Zwingen kann ich ihn ja nicht. Und ich habe ihn schon gefragt, wie ich ihn überzeugen könnte, er meint, er weiß es nicht. Er isst nicht mehr, er schläft nicht mehr, er dröhnt sich nur noch zu. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich darüber nachdenke, wie ich ihn stationär in eine Klinik eingewiesen bekomme. Aber ich meine, er ist ein 22 Jahre alter, mündiger Erwachsener. Wenn er nicht will... Ich will nicht warten müssen, bis er es versucht.
 
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