Selbstmord

Selbstmord?

  • NIEMALS!!

    Stimmen: 95 24,7%
  • Ich habe schonmal daran gedacht, aber ich würde es nicht tun!!

    Stimmen: 190 49,4%
  • Manchmal glaube ich es sei der einzige ausweg

    Stimmen: 45 11,7%
  • Ich hatte es schon vor/ versucht

    Stimmen: 55 14,3%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    385

Benutzer67966 

Verbringt hier viel Zeit
... wird mir speiübel.

Darf ich mitspucken?

Sie laufen weg, machen es sich einfach und tun Menschen weh, die sie lieben. Selbstmord ist feige und egoistisch!

Darf ich es nochmals fragen? Was ist Dir mehr wert als Dein eigenes Leben? Ist es nicht mindestens genauso egoistisch, einem anderen sein Recht auf Selbstmord abzusprechen, weil es mir hinterher weh tun könnte?

Und jeder Schmerz vergeht irgendwann.

Bist Du Dir da so sicher, dass das stimmt? Oder ist das nicht eher ein Kalenderspruch?

@Toffi: Ich akzeptiere Deine Meinung. Ich finde es schön, dass Dir das Leben so viel Spaß macht und Du so viele Interessen und Freunde hast. So sollte es eigentlich auch sein. Dennoch bist Du sehr geneigt, Deine persönliche Meinung (die, wie ich schon erfahren habe, etliche andere mit Dir teilen) allen aufs Auge zu drücken. ("Jeder hat sein Päckchen zu tragen und muss sehen, wie er damit fertig wird." etc.) Damit bin ich nicht so ganz einverstanden.
 
G

Benutzer

Gast
Darf ich es nochmals fragen? Was ist Dir mehr wert als Dein eigenes Leben? Ist es nicht mindestens genauso egoistisch, einem anderen sein Recht auf Selbstmord abzusprechen, weil es mir hinterher weh tun könnte?

Ich habe leider einen Selbstmord in der Familie ( letztes jahr kleiner Bruder ) und ich glaub solche Sätze lässt man nur raus wenn man nicht selbst betroffen ist. Für mich, uns als Familie ist eine Welt zusammen gebrochen und so viel zerstört. Ich bin mir ganz sicher, dass sich keiner von uns betroffenen jemals einer selbst das Leben nehmen wird, weil wir sehen wie unheimlich brutal das für die hinterbliebenen ist. Begriffe wie "Recht auf Selbstmord" sind doch ne Farce.
 
S

Benutzer

Gast
Ich habe noch nie an Selbstmord gedacht und würde das auch nie tun.
Mein Leben ist mir viel zu wichtig und auch wenns manchmal Scheiße läuft, weiß ich, dass es auch immer wieder besser wird.
Mir sind meine Freunde viel zu wichtig und ich will sie hier nicht allein lassen.

Ich liebe mein Leben und deswegen würde ich es NIE freiwillig weg schmeißen!
 

Benutzer61913 

Verbringt hier viel Zeit
ich habe schon an Selbstmord gedacht. Vor einigen Jahren lief vieles schief; wie das halt so is...Drogen, Ausbildung hingeschmissen etc. So kam ich übers Internet in diverse Selbstmordforen und hab Menschen kennengelernt, die heute leider nicht mehr am Leben sind. Naja...zweimal war ich kurz davor, hab aber gekniffen.

Inzwischen denke ich nich mehr an SM. Alleine schon wegen unserem kleinen Sohn. Ich will doch erleben, wie er groß wird:smile:


alex
 

Benutzer62768  (36)

Verbringt hier viel Zeit
Ich hab schonmal drüber nachgedacht, was wohl in meinem Leben alles schieflaufen müsste, damit ich daran denke.
Ergebnis: Mir ist kein einziger Grund eingefallen.
Wie heißt es doch so schön: "Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her" (oder so ähnlich).
Also ich glaube, jedes noch so schreckliche Gefühl, was das Leben für einen Moment nicht mehr lebenswert erscheinen lässt, ist vergänglich.

[ironie]Mal abgesehn davon find ich mich selber doch viel zu geil ... :grin: [/ironie aus]
 

Benutzer39497 

Sehr bekannt hier
nunja, wieso ist es feige, wenn jemand freiwillig, ohne bitte, jemanden umbringt?


wenn du das beispiel von oben siehst, war es verbunden mit einem amok lauf...

was daran feige sein soll, entweder werde ich tödlich verletzt oder direkt sterben durch nen herzschuss, oder einfach vereltzt und verbring paar jahre im kannst, oder die kugel trifft so das ich ned mehr gehen kann oder ähnliches.

im endeffekt ist es ein spiel, das spiel aber von selbst zu beenden ist für mich feige, auch wenn ich mich selber umbringen würde, ist es für mich ein feiger akt, entweder ich sterbe durch jemand anderst oder sonst.

ob man es nun tut oder ned ist egal, für mich ists feige.

ich steig nicht einfach so aus einem spiel aus...:zwinker:

Den Vergleich mit dem Amoklauf finde ich in diesem Zusammenhang fehl am Platz. Solche Taten werden meist aus Wut oder Rachegelüsten begangen, die gepaart sind mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Oft waren Amokläufer Opfer von Mobbing oder waren sonstwie im Leben benachteiligt.

Und dass solche Taten oft mit dem Selbstmord des Täters enden, liegt vielleicht daran, dass sich diese damit den drohenden Konsequenzen entziehen wollen. Ob man das nun als mutig oder feige bezeichnen soll, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das ist einfach eine Frage des Blickwinkels.

Wer wirklich vor hat sich umzubringen, aufgrund einer Depression oder einer anderen qualvollen Erkrankung, wird (hoffentlich) so viel Anstand und Ehrgefühl besitzen und nicht versuchen andere (unschuldige) Leute mit in den Tod zu reissen. Klar könnte es einem egal sein, wenn man vor hat abzutreten, aber so viel Moral und Respekt vor dem menschlichen Leben sollte man normalerweise auch in dieser ausweglosen Situation besitzen.

Die Idee das Leben als Spiel herauszufordern, in dem man durch irgendwelche Aktionen angeschossen, erschossen oder im Knast endet, halte ich persönlich für dämlich und stellt für einen depressiven Selbstmordkandidaten mit Sicherheit keine befriedigende Option dar. Denn man könnte darüber streiten ob nicht genau dies feige ist, weil man sich nicht traut einen klaren Schnitt zu setzen, sondern das Weiterleben dem Zufall überlässt. Man bürdet einem anderen (Polizisten) nicht nur die Schuld einer Tötung auf, man gibt ihm oder der Behörde dadurch auch die Macht über das eigene Leben zu entscheiden, was meiner Meinung nach eher ein Zeichen von Machtlosigkeit ist und dass man nicht in der Lage ist eine klare Entscheidung zu fällen.

Zur berühmten Diskussion ob Selbstmord feige, mutig oder egoistisch ist, denke ich dass es eher eine Frage des Blickwinkels ist und von den genannten Eigenschaften alle ein wenig zutreffend sein könnten.

Man könnte sagen, es ist feige, weil man sich nicht dem Leben stellt und alles aufgibt und hinter sich lässt, statt sein Päckchen mit Demut zu tragen.

Man könnte sagen, dass es mutig ist, weil man die schwerste aller Entscheidungen überhaupt trifft und einen klaren Schnitt setzt. Man nimmt in Kauf alles und damit auch die schönen Dinge auszulöschen und eine Reise ins Ungewisse anzutreten. Ob es nun die grosse Leere des Nichts ist, oder ob es nach dem Tod irgendwie weitergeht, ist ja das ungelöste Rätsel der Lebenden.

Und zuletzt könnte man sagen, dass es egoistisch ist, weil man die trauernden Angehörigen hinter sich lässt. Aber auch in diesem Punkt wurde ja schon in Frage gestellt, ob man moralisch wirklich dazu verpflichtet ist, sein Leben nur zum Wohle der Angehörigen weiter zu leben.
 

Benutzer35742  (41)

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Darf ich mitspucken?



Darf ich es nochmals fragen? Was ist Dir mehr wert als Dein eigenes Leben? Ist es nicht mindestens genauso egoistisch, einem anderen sein Recht auf Selbstmord abzusprechen, weil es mir hinterher weh tun könnte?



Bist Du Dir da so sicher, dass das stimmt? Oder ist das nicht eher ein Kalenderspruch?

@Toffi: Ich akzeptiere Deine Meinung. Ich finde es schön, dass Dir das Leben so viel Spaß macht und Du so viele Interessen und Freunde hast. So sollte es eigentlich auch sein. Dennoch bist Du sehr geneigt, Deine persönliche Meinung (die, wie ich schon erfahren habe, etliche andere mit Dir teilen) allen aufs Auge zu drücken. ("Jeder hat sein Päckchen zu tragen und muss sehen, wie er damit fertig wird." etc.) Damit bin ich nicht so ganz einverstanden.

Hallo Dunsti

Ich drücke meine Meinung niemandem aufs Auge, ich gebe sie hier nur preis und stehe dazu. Das heißt nicht dass ein anderer sie auch haben muss.
Und ja, ich war betroffen, auch in meinem Freundeskreis gab es einen Selbstmord und genau deswegen rede ich so.

Und nein, es ist kein Kalenderspruch, jeder Schmerz vergeht irgendwann, auch wenn es einem in dem Moment nicht so vorkommt.

Ich will auch niemandem das Recht absprechen über sein Leben selber zu entscheiden. Sprich, wenn jemand meint er müsste seinem Leben ein Ende setzen und es gibt keine Möglichkeit mehr demjenigen zu helfen, dann soll er es tun. Das ändert aber nichts daran dass es in meinen Augen höchst feige und egoistisch ist.

Gruß
 

Benutzer67966 

Verbringt hier viel Zeit
Ich drücke meine Meinung niemandem aufs Auge, ich gebe sie hier nur preis und stehe dazu. Das heißt nicht dass ein anderer sie auch haben muss.

Na, dann ist ja gut. Es klang für mich in einigen Zeilen so.

Und nein, es ist kein Kalenderspruch, jeder Schmerz vergeht irgendwann, auch wenn es einem in dem Moment nicht so vorkommt.

Auch hier bekomme ich schon wieder den Eindruck, als wenn es sich nicht um Deine persönliche Meinung handelt. Aber dass ich das falsch verstehe, hast Du ja bereits gesagt.

Ich denke, dass es Schmerzen gibt, die niemals vergehen. Die einen ein Leben lang begleiten. Das kann für psychische Erkrankungen genauso gelten wie für körperliche. In der Klinik, in der ich arbeite, werden Menschen ins Leben zurückgeholt, am Leben erhalten, therapiert, in den Alltag entlassen, die in ihren Augen (!) kein lebenswertes Leben mehr vor sich haben. Weit über 80% dieser Menschen versuchen innerhalb der ersten 24 Monate nach der ersten Aufnahme, sich das Leben zu nehmen, sofern sie es können. Und dann passiert genau das, was nanuk schon beschrieben hat.

Es handelt sich um Menschen, die durch Brandverletzungen oder Verätzungen aufs Übelste verletzt und verstümmelt wurden. Oder um Menschen, die durch Unfälle oder Erkrankungen zum Teil nur noch einen Arm oder nur ihren Kopf oder gar nur noch die Augen alleine bewegen können, die zum Teil künstlich beatmet und ernährt werden, aber volles Bewusstsein haben, ansprechbar sind, Fernsehen gucken, mit Hilfsmitteln im Internet surfen, ... und vor allem Schmerzen haben, die sie vor eine Wahl stellen: Entweder sie leben 1, 2, 10, 20 Jahre im Tiefschlaf weiter und merken so gut wie nichts, oder sie müssen zumindest zeitweise Schmerzen ertragen, wenn sie wach sind. Erkläre denen bitte mal, dass ein Selbstmord feige ist und jeder Schmerz irgendwann mal vergeht.

Ich bin genauso wie Du der Überzeugung, dass jeder seine eigene Meinung haben soll und auch vertreten darf. Nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich Deine Meinung nicht teilen kann. In gewissem Umfang sehe ich es jedoch genauso wie Du: Es gibt viele Menschen, denen man mit einfachen Mitteln helfen kann, ein schönes und erfüllendes Leben weiterzuleben, die sich aber nicht trauen, aus welchen Gründen auch immer, diese Hilfe abzurufen. Es gibt viele Menschen, die Unrecht getan haben, davon profitiert haben, und sich nun durch einen Suizid der Strafverfolgung entziehen. Zum Beispiel in diesen Fällen stimme ich mit Dir überein, hier ist ein Selbstmord egoistisch und feige. Nichtsdestotrotz liegt die Entscheidung über mein Leben bei mir und nicht bei meinen Freunden oder meiner Familie oder bei irgendwelchen Behörden. Auch wenn ich anderen Menschen mit dieser Entscheidung unendlich wehtun kann.
 

Benutzer35742  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Na, dann ist ja gut. Es klang für mich in einigen Zeilen so.

Ich denke, dass es Schmerzen gibt, die niemals vergehen. Die einen ein Leben lang begleiten. Das kann für psychische Erkrankungen genauso gelten wie für körperliche. In der Klinik, in der ich arbeite, werden Menschen ins Leben zurückgeholt, am Leben erhalten, therapiert, in den Alltag entlassen, die in ihren Augen (!) kein lebenswertes Leben mehr vor sich haben. Weit über 80% dieser Menschen versuchen innerhalb der ersten 24 Monate nach der ersten Aufnahme, sich das Leben zu nehmen, sofern sie es können. Und dann passiert genau das, was nanuk schon beschrieben hat.

Es handelt sich um Menschen, die durch Brandverletzungen oder Verätzungen aufs Übelste verletzt und verstümmelt wurden. Oder um Menschen, die durch Unfälle oder Erkrankungen zum Teil nur noch einen Arm oder nur ihren Kopf oder gar nur noch die Augen alleine bewegen können, die zum Teil künstlich beatmet und ernährt werden, aber volles Bewusstsein haben, ansprechbar sind, Fernsehen gucken, mit Hilfsmitteln im Internet surfen, ... und vor allem Schmerzen haben, die sie vor eine Wahl stellen: Entweder sie leben 1, 2, 10, 20 Jahre im Tiefschlaf weiter und merken so gut wie nichts, oder sie müssen zumindest zeitweise Schmerzen ertragen, wenn sie wach sind. Erkläre denen bitte mal, dass ein Selbstmord feige ist und jeder Schmerz irgendwann mal vergeht.

Von solchen Menschen rede ich gar nicht, die haben mein vollstes Verständnis.

Mit "jeder Schmerz vergeht irgendwann" meinte ich z.B. denjenigen, der oder die gerade von seinem Partner verlassen wurde. Oder mal ein anderes Beispiel: Mein Bruder ist am Kindstod verstorben als er gerade 5 Monate alt war. Da war meine Mutter gerade 19. Meine Schwester ist mit 14 in die Drogenszene abgerutscht. Heute ist sie 40, macht sich weiter kaputt, leidet an Hepatitis C und eigentlich ist es ein Wunder dass sie noch lebt. Ich denke das gehört mit zu den schlimmsten Dingen die einer Mutter passieren können. Doch auch ihr Schmerz verging irgendwann. Vergessen hat sie es nie, trotzdem konnte sie irgendwann ein glückliches Leben weiterleben. Und auch sie hat irgendwann über Selbstmord nachgedacht. Sowas meine ich mit dem Päckchen, dass jeder zu tragen hat. Der eine leider mehr, der andere weniger.

Ich redete hauptsächlich von Menschen, die Selbstmord begehen weil sie Liebeskummer haben, von Teenagern die sitzengeblieben sind und damit nicht klarkommen oder wie Du schon erwähntest von Verbrechern, die ihrer Strafe entgehen möchten.

Das, was Du beschrieben hast, sind Menschen die ich verstehen kann wenn sie nicht mehr leben wollen, in meinen Augen was völlig anderes als ein sitzengebliebener Teenager.

Schonmal vorab sorry an die Mods: Würde jemand meiner direkten Verwandten nur noch durch Schläuche am Leben gehalten und würde mich bei klarem Verstand bitten die Maschinen abzustellen, ich würds tun.

Das ist aber (finde ich) etwas völlig anderes als ein klassischer Selbstmord.
 

Benutzer67966 

Verbringt hier viel Zeit
Von solchen Menschen rede ich gar nicht. Ich redete hauptsächlich von Menschen, die Selbstmord begehen weil sie Liebeskummer haben, von Teenagern die sitzengeblieben sind und damit nicht klarkommen oder wie Du schon erwähntest von Verbrechern, die ihrer Strafe entgehen möchten.

Es gibt viele Menschen, denen man mit einfachen Mitteln helfen kann, ein schönes und erfüllendes Leben weiterzuleben, die sich aber nicht trauen, aus welchen Gründen auch immer, diese Hilfe abzurufen. Es gibt viele Menschen, die Unrecht getan haben, davon profitiert haben, und sich nun durch einen Suizid der Strafverfolgung entziehen.

Wie Du siehst, sind wir eigentlich einer Meinung. :smile:

Es ist wohl richtig, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Und dass die unterschiedlich groß sind. Manche handlich, manche sperrig. Einige alleine nicht mehr zu tragen, und dann wird es schwierig. Gibt es jemanden, der mit anfassen kann?

Gerade bei meiner täglichen Arbeit kann ich diese pauschale Aussage: "Selbstmord ist feige und egoistisch" nicht unterschreiben.

Hinzu kommt eine persönliche Erfahrung. Ich bin mit 12 Jahren beim Schulschwimmen auf den Fliesen ausgerutscht (ohne zu rennen oder zu toben, einfach auf ausgelaufenem Duschgel) und so unglücklich auf den Rand eines Spülbeckens gefallen, dass ich seitdem meine Beine nicht mehr bewegen kann. Ich war ein Dreivierteljahr in einer Spezialklinik, 200 km von meinem Zuhause entfernt. Meine Eltern kamen mit der neuen Situation gar nicht klar. Ich musste danach die Schule wechseln, weil es in unserem bayerischen Kaff kein rollstuhlgerechtes Gymnasium gab, das heißt, ich wurde mit einem Fahrdienst jeden Tag 2 x 80 = 160 km durch die Gegend gegondelt. Da der auch noch andere Leute einsammelte, musste ich im Winter um 4.00 Uhr morgens aufstehen und war nicht vor halb 6 abends zu Hause. Dann Hausaufgaben und ins Bett. Mehr konnte ich nicht machen, unser Haus war voller Treppen, kein Computer, kein Internet, kein Fernsehen. Keine Freunde mehr (die interessierten sich nach einem Jahr und neuer Schule nicht mehr für mich oder bekamen von ihren kleinkarierten Spießereltern Umgangsverbot). Meine Eltern wollten mich nicht alleine auf die Straße lassen, das heißt, mein Leben bestand aus Bett oder im Rollstuhl 3 Meter hin und zurück fahren, drehen war wegen der Enge des Zimmers nicht möglich. Nach einer Woche bekam ich eine nette Druckstelle (also eine offene Hautstelle) am Gesäß, nachdem der Rollstuhl aus Kostengründen schlecht passte und die Matratze auch nicht die war, die verordnet wurde. Das sind Schmerzen, die kaum zu ertragen sind. Meine Mutter sah das als Pflegefehler ihrerseits an und holte keinen Arzt, sondern versuchte, das selbst zu therapieren. Ich durfte erstmal nicht mehr in die Schule, ich konnte mich vor Schmerzen kaum aufsetzen. Nach knapp 14 Tagen habe ich versucht, mich mit einer Überdosis Schlafmittel umzubringen, nicht wissend, dass das nicht geht. Ich hatte gehofft, nicht wieder aufwachen zu müssen. Ich habe keinen Ausweg mehr gesehen. Ich war damals 14 Jahre alt.

Meine Mutter rief damals den Arzt, ich kam wegen der Druckstelle erneut in die Spezialklinik und bekam eine intensive psychologische Betreuung. Konfrontiert mit den unhaltbaren Zuständen zu Hause, gab man sich endlich mal die Mühe, etwas annehmbares für mich zu finden. Ich kam in ein Internat, rund 120 km von meinem Zuhause entfernt. Meine Eltern haben meine Behinderung bis heute nicht akzeptieren können.

Auch aus heutiger Sicht sehe ich meinen Suizidversuch nicht als feige an. Auch wenn ich heute, 15 Jahre später, recht gut mit meinem Leben klar komme.

Was ich damit sagen will: Ich finde pauschale Aussagen sehr bedenklich.


Würde jemand meiner direkten Verwandten nur noch durch Schläuche am Leben gehalten und würde mich bei klarem Verstand bitten die Maschinen abzustellen, ich würds tun.

Es ist mir als Ärztin verboten, Sterbehilfe zu leisten.

Als Christin kann ich manchmal nur hoffen, dass es Menschen gibt, die nicht nur das deutsche Strafgesetzbuch kennen. Ich will keine Diskussion lostreten, warum das 4. Gebot vor dem 5. steht, ob das 5. nur das Morden und nicht das Töten meint, ob es sich um eine Tötung handelt, wenn der Mensch sowieso nicht mehr lebt, sondern nur externe Maschinen die Lebensfunktionen nachahmen; und ob man im Rahmen eines "zivilen Ungehorsams" eine zweijährige Bewährungsstrafe für "Tötung auf Verlangen" hinnehmen kann, wenn man damit einem Menschen helfen konnte. Denn diese Diskussion wird bereits seit Jahren auf den allerhöchsten Ebenen ergebnislos geführt. Ich habe dazu eine eigene sehr gefestigte Meinung und denke, dass alle Argumente dazu bereits elendig oft ausgetauscht wurden. Das alles soll aber nicht heißen, dass ich meinen Beruf nicht nach den geltenden rechtlichen und berufsethischen Vorgaben ausführe.
 

Benutzer35742  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Na dann hast Du ja auch ein recht schweres Päckchen zu tragen und wenn ich das so lese haben deine Eltern ja nicht gerade dazu beigetragen dich von dieser Last zu erleichtern. In so einer Situation braucht man eben auch mentalen Beistand. Wieder so eine Ausnahmesituation.

Trotzdem möchte ich dich was fragen: Bist Du heute nicht doch froh dass Du lebst?

Ist ja nicht so, dass ich für andere Argumente nicht zugänglich bin und ich muss sagen dass ich es in den von Dir geschilderten Situationen wirklich nachvollziehen kann, was Du schreibst. Vielleicht hätte ich meinen Ausgangspost auch einfach anders formulieren wollen. Bei dem Begriff Selbstmord habe ich zunächst an Teenager gedacht die Liebeskummer haben oder an Erwachsene die sich mit ihrem Geld verspekuliert haben oder Ähnliches.

Sterbehilfe ist ja wieder ein ganz anderes komplexes Thema. Meine Eltern haben soviel ich weiß eine besondere Verfügung deswegen aufsetzen lassen, dass ich im Falle eines Falles entscheiden darf, ob die Geräte abgeschaltet werden dürfen.
 
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