schlechte Kindheit = schlechte Zukunft?

Benutzer85124 

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Hallo ihr Lieben,

was habt ihr für Erfahrungen mit Psychologen und Sonstigem gemacht, um Probleme, deren Ursachen in eurer Kindheit lagen, aus dem Weg zu räumen? Waren sie erfolgreich oder ist man sowas wie verflucht, wenn man keine so schöne Kindheit hatte?

Danke im Voraus :ashamed:
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Einfacher hat man es mit einer guten Kindheit natürlich. Aber auch, wenn man eine schlechtere Kindheit hatte, sprich, dort Probleme mit den Eltern hatte, unter einer psychischen Erkrankung gelitten hat, etc., kann man auch im Jugendalter bzw. als Erwachsener sein Leben selbst in die Hand nehmen, sich, wenn nötig, Hilfe von außen holen und ein glücklicher, erfolgreicher und zufriedener Mensch werden.
Ich glaube wirklich, dass man es letztendlich selbst in der Hand hat - ob man frustriert da sitzt und sich denkt "Ich armes Schwein!", oder sich sagt: "Und jetzt erst recht!", sich aufrappelt und alles tut, damit sich der eigene Traum verwirklicht.
 

Benutzer105680 

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Hey,


also ich war schon an dem Punkt, an dem ich mit dem Leben abschließen wollte, das war mit 16, das hatte sehr viele Ursachen, Eltern, Streit, Freundin, nie Erfolge sprich keine Zukunft.

Der Psychologe damals hat mir geholfen ein paar Probleme aus der Welt zu schaffen, aber bei weitem nicht alles, noch heute fällt es mir schwer mich auf andere einzulassen, anderen zu Vertrauen, da ich in der Vergangenheit oft enttäuscht wurde, auch den Kontakt zu einer festen Freundin kann ich noch nicht aufbauen, da blocke ich irgendwie automatisch...

Aber nun mit 22, ist beruflich alles super gelaufen, obwohl ich echt eine Niete @Realschule war und auch keinen wirklichen Abschluss dort habe (war Grotten schlecht in Chemie und Mathe) heute bin ich eine Art Chemiker (Galvaniseur) und alles hat sich zum positiven entwickelt. Ich habe einen festen Freundeskreis, dem ich inzwischen zu 90% vertraue und komme mit meinen Eltern gut klar, also es kann sich alles zum guten wenden.

/Micha

__________________
 

Benutzer53338 

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Die Vergangenheit wird immer zu einem gehören, man wird das was in der Kindheit geschehen ist nie vergessen können und es wird immer einen großen Einfluss auf das spätere leben haben - sei es positiv wie auch negativ. Es ist Fluch und Segen zugleich, denke ich, denn es liegen einem mehr Steine im Weg als vielleicht bei anderen Menschen. Segen deswegen, weil ich denke wenn man es schafft mit dem was geschehen ist umzugehen, es den Charakter stärken kann und man auch aus den negativ gemachten Erfahrungen irgendwo noch profitieren kann. Manche Leute schaffen das alleine, andere brauchen die Unterstützung durch professionelle Helfer und manche schaffen es eben nie.

Therapeutische Hilfe hat mir insofern geholfen mit bestimmten Verhaltensweisen nun besser umgehen zu können, allerdings auch die Erkenntnis gebracht, dass meine Kindheit zu verkorkst war als das ich jemals sagen könnte "geheilt" zu sein.
 

Benutzer98634 

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Hallo Maddie,
ob und inwieweit ein Psychologe o.ä. letztendlich helfen kann, kann man nicht so pauschal sagen, weil jeder Mensch ein Individuum ist und kein Fall genau wie der andere ist. Da können verschiedene Dinge hereinspielen: Zum Beispiel, um welche Probleme, deren Ursache in der Kindheit liegen, es sich handelt. Oder in welchem Maß der Hilfesuchende über die Fähigkeit verfügt, sich dem Therapeuten und/oder einem verschütteten Schmerz zu öffnen.
Man muss da mitunter ausprobieren und Erfahrungen sammeln, was einschließen kann, dass man von einem zu einem anderen Therapeuten wechselt, wenn der "Draht" zu dem ersten einfach nicht stimmt. Was man sich jedoch klarmachen sollte, ist, dass der Therapeut "nur" ein ausgebildeter Fachmann ist, der um viele Dinge weiß, der den Hilfesuchenden auf seinem Weg begleitet und ihm zur Seite steht. Die eigentliche Aufarbeitung, Therapie, usw. läuft in dem Hilfesuchenden selber ab...

Hoffe, dass ich dir damit ein wenig helfen konnte und wünsche dir, falls du selber betroffen bist, viel Glück...:smile:
 

Benutzer54534 

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Ich bin der Überzeugung, dass, wenn man eine schlechte Kindheit hatte, die Zeit einen auch sehr geprägt hat. Das setzt sich dann im späteren Verhalten durch und es ist einfach ein Unterschied ob du es beschissen hattest oder nicht. Genau das gleiche Spiel mit Scheidungskindern.
 

Benutzer108930  (45)

Benutzer gesperrt
Ja, ich glaube daran, dass eine schlechte Kindheit in der Mehrzahl der Fälle auch eine schlechte Zukunft bedeutet.
Ich kenne mehrere Menschen, bei denen es so ist, mich eingeschlossen.

Meine Eltern haben mir von Anfang an im Leben keine Chance gegeben.
Haben mir alles wütend entrissen, wenn etwas nicht gleich klappte.
Ich wurde angeschrien, wenn ich Fehler machte.
Wurde mit den schlimmsten Schimpfworten betitelt.

All das hat seine Spuren hinterlassen.
Ich konnte kein Selbstwertgefühl entwickeln und so zogen sich Schikanen und Demütigungen weiter durch mein Leben.
Ich bin nicht in der Lage einen Job gut zu machen, weil ich ständig an mir selbst zweifle.
Ich kann keine Beziehung und keine Freundschaft aufbauen, weil ich sehr sensibel bin und immer wieder meine Rückzugsmöglichkeit brauche.

Soziale Interaktion habe ich nie adäquat gelernt.
Wie gehe ich auf Menschen zu und füge mich in eine Gemeinschaft ein?
Wie schaffe ich es, die Gedanken und Gefühle anderer zu verstehen?
Warum sind andere anders als ich und haben nicht unbedingt gute Absichten?
Wie kann ich rechtzeitig erkennen, dass mir jemand schaden will?
Wie kann ich Empathie empfinden, jemanden trösten, der traurig ist?
Wie kann ich diplomatisch rüberbringen, dass ich enttäuscht bin und dass auch auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen wird?

All diese Punkte sind für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Ich brauche meine Routinen, habe große Veränderungsängste.
Ich kann nicht schlafen, wenn jemand im gleichen Raum schläft.
Manchmal werde ich wahnsinnig bei der Reizüberflutung, die der Alltag mit sich bringt. Bei Straßenlärm (Sirene eines Krankenwagens oder Motorradgeräusche) drehe ich fast durch.
Es kostet auch so viel Kraft sich ständig mit anderen Menschen auseinandersetzen zu müssen. Immer wieder Missverständnisse aus dem Weg räumen zu müssen.

Bei mir wurde eine nicht näher bestimmte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher vermeidenden, zwanghaften und abhängigen Anteilen diagnostiziert.

Ich habe zwei Therapien hinter mir.
Gebracht hat keine etwas.
 

Benutzer18889 

Beiträge füllen Bücher
Ich bin der Überzeugung, dass, wenn man eine schlechte Kindheit hatte, die Zeit einen auch sehr geprägt hat. Das setzt sich dann im späteren Verhalten durch und es ist einfach ein Unterschied ob du es beschissen hattest oder nicht. Genau das gleiche Spiel mit Scheidungskindern.


Off-Topic:
Hierzu empfehle ich bei Interesse die Kauai-Studie von Emmy Werner.

Die ist echt interessant und fand heraus, dass etwa 30 % aller Kinder, die unter schlechten Bedigungen (Armut, Misshandlung, Scheidung, ...) aufwachsen, sich trotzdem positiv entwickeln.

Den Link habe ich nur auf die Schnelle gefunden. Er wirkte auf den ersten Blick gut, aber dafür übernehme ich keine Garantie. :tongue: Ich selbst kenne sie von der Uni.

http://www.ursula-nuber.de/i/ursula_nuber_leseprobe_resilienz_schicksal.html
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
dazu hab ich ne ganz simple meinung: man entscheidet sich entweder für "oh gott, ich hatte eine schlechte kindheit, deswegen fällt mir jetz alles total schwer und ich bin nen ganz armes ding und jeder muss mich verstehen!" oder für "ok, ich hatte ne scheiss kindheit, aber dadurch hab ich erfahrungen gemacht die anderen abgehen, habe draus gelernt und kann mein leben jetzt besser meistern als die, die diese erfahrungen nicht gemacht haben.".

wahlweise selbstmitleid oder erfahrung und stärke draus ziehen.

menschen sind lernfähig, sie können schlechte erfahrungen wegstecken und stärker draus hervorgehen - das einzige was einen dran hindert ist man selber, und das sollte man auch nach möglichkeit selber geregelt kriegen. nicht, dass es einfach wäre - ich sprech da auch aus erfahrung - aber es ist machbar.
 
R

Benutzer

Gast
menschen sind lernfähig, sie können schlechte erfahrungen wegstecken und stärker draus hervorgehen - das einzige was einen dran hindert ist man selber, und das sollte man auch nach möglichkeit selber geregelt kriegen. nicht, dass es einfach wäre - ich sprech da auch aus erfahrung - aber es ist machbar.
Kommt darauf an, was man unter "schlechter Kindheit" versteht.

Es gibt Fälle, in denen das nicht so einfach möglich ist, schon alleine, weil wichtige Entwicklungsschritte den Eltern sei Dank nie stattgefunden haben und diese sich schlichtweg nie wieder aufholen lassen.
 

Benutzer108930  (45)

Benutzer gesperrt
Kommt darauf an, was man unter "schlechter Kindheit" versteht.

Es gibt Fälle, in denen das nicht so einfach möglich ist, schon alleine, weil wichtige Entwicklungsschritte den Eltern sei Dank nie stattgefunden haben und diese sich schlichtweg nie wieder aufholen lassen.

Dem stimme ich voll zu!
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Kommt darauf an, was man unter "schlechter Kindheit" versteht.

Es gibt Fälle, in denen das nicht so einfach möglich ist, schon alleine, weil wichtige Entwicklungsschritte den Eltern sei Dank nie stattgefunden haben und diese sich schlichtweg nie wieder aufholen lassen.
da hast du natürlich recht mit - aber sowas wie "15 jahre im keller eingesperrt" wollte ich jetzt mal aussen vor lassen, das ist für mich keine "schlechte kindheit" mehr.

aber selbst sowas wie 17 jahre lang keine sozialkontakte lassen sich relativ problemlos aufholen - und damit auch alles andere was dazu gehört.


was meintest du denn zum beispiel?
 

Benutzer102035 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich glaube allgemein kann man auch mit einer schlechten Kindheit eine gute Zukunft haben, wobei es natürlich im Einzelnen darauf ankommt, was genau vorgefallen ist. Man sollte allerdings mit seinem alten Leben abschließen, sofern möglich.
 
A

Benutzer

Gast
Die Frage ist halt, welche Probleme man damit lösen will. Ich hatte als Kind (aus gutem Grund) furchtbare Angst vor meinen Eltern. Aus diesem Grund kann ich noch immer nicht mit Menschen dieser Generation vernünftig reden, wenn mich ein Professor anredet, kann ich keinen Mucks mehr machen und hoffe, dass die Situation schnell wieder vorbei ist. Selbst, wenn sie eh nett zu mir sind.

Ansonsten war ich auch bei mehreren Therapeuten, ich habe mir meine starke Phobie wegtherapieren lassen, die wohl auch aus dieser Kindheit entstanden ist. Das war absolut erfolgreich und ist mir sogar von der Krankenkassa gezahlt worden. Sobald ich arbeiten gehe - bin noch Studentin - will ich unbedingt wieder eine Therapie machen :smile:
 
R

Benutzer

Gast
was meintest du denn zum beispiel?
Ich meinte dann wohl das, was du nicht mehr unter "schlechter Kindheit" verstehst, sondern Fälle von krasser Vernachlässigung beispielsweise. Da können die Betroffenen nicht einfach so beschließen, von nun an ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, da ist unter Umständen einfach zu viel kaputt gemacht worden, irreparabel.
Off-Topic:

Dein Postfach ist voll. :zwinker:
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Ich meinte dann wohl das, was du nicht mehr unter "schlechter Kindheit" verstehst, sondern Fälle von krasser Vernachlässigung beispielsweise. Da können die Betroffenen nicht einfach so beschließen, von nun an ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, da ist unter Umständen einfach zu viel kaputt gemacht worden, irreparabel.
naja, "vernachlässigung" muss jetzt nicht unbedingt nur negativ sein - gegebenenfalls schaut man sich dann schneller nach anderen kontaktpersonen um. aber damit hab ich (glücklicherweise) keine erfahrung, und da möchte ich mich auch nicht weiter aus dem fenster lehnen.

ich denke dabei halt ganz allgemein an das sozusagen "übliche": unterdrückung, missbrauch, fertig gemacht werden, verachtet oder ignoriert werden - eben das, was leider relativ häufig vorkommt und sicher nicht ohne spuren bleibt.

Off-Topic:

und das mit dem postfach war eigentlich absicht - aber jetzt ist mal wieder platz :zwinker:
 

Benutzer85124 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo ihr Lieben,
Danke nochmal für alle Beiträge bis jetzt und für alle, die vielleicht noch kommen. Es ist gut zu wissen, wo man mit seinen Ansichten steht.
Ich denke auch, dass es möglich ist, trotz schlechter Kindheit das Beste aus seinem Leben machen zu können. Aber wie ihr auch schon teilweise gesagt habt, hängt es sehr davon ab, was man erlebt hat, ob man sich trotz allem noch selbst motivieren kann, sein Leben anzupacken, ob man noch unterstützt wird oder nicht und von noch mehr.
Dass es Dinge gibt, die verarbeitet werden müssen und dass man Probleme mit manchen Dingen hat, die für manch andere Menschen wie selbstverständlich funktionieren, steht außer Frage. Ich kann auch verstehen, dass nicht jeder diese Blockaden verstehen kann, aber unterschätzt sie bitte nicht. Grad weil manche Probleme lächerlich erscheinen, sind sie eine extreme Belastung, weil man nicht so "funktioniert", wie man sollte und möchte. Ich denke, "Selbstzweifel" sagt jedem etwas.
Mir geht es bei diesem Thema vor allem um Heilung, Wege zur Heilung und ob und wie viel man durch psychologische Hilfe von diesen, sagen wir "schlechten" Eigenschaften ablegen kann. Danke für Beispiele und guten Rat. Ich hoffe, dass die Beiträge jedem ein bisschen helfen: Denen, die betroffen sind und denen, die es nicht von sich kennen, aber so einiges besser verstehen können.
 

Benutzer53338 

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Ich denke diese "schlechten Eigenschaften" kann man schlecht ablegen, man kann aber lernen mit ihnen umzugehen und sie ggf. auszutricksen.
 

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