Schlaflos in Ba-Wü

Benutzer111034 

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Guten Abend, gute Nacht.

Ich trage mich aktuell mit einem Problem, das meinen ganzen Alltag beeinträchtigt. Und zwar leide ich hin und wieder an Depressionen. Ich habe eine Therapie gemacht, die ich damals beendet hatte. Seitdem bin ich größtenteils stabil. Längere Tiefs als ein paar Tage hatte ich ewig nicht.

Doch die letzten 2-3 Wochen plagen mich arge Ängste, ich trage grade rel. viel Verantwortung. Meine Eltern sind im Urlaub und ich wohne nicht mehr daheim. Somit trage ich die Verantwortung für meine beiden Katzen (beide krank, müssen AB verabreicht bekommen 2x täglich) und die Verantwortung für meine Oma, Mitte 80, die demnächst eine OP hat. Ich muss sie spritzen und generell alles vor der OP klären. Meinem besten Freund geht es sehr schlecht (s. ein alter Thread von mir), ich habe den Kontakt abgebrochen, weil ich ihn nicht mittragen kann im Moment. Meine Ausbildung beginnt im Oktober, davor muss noch schriftliches Hickhack geklärt werden. U.a. braucht die Schule mein polizeiliches Führungszeugnis, das nicht so blütenrein ist, wie es sein sollte.

Ich dachte, ich kann das alles, aber die Verantwortung wächst mir über den Kopf. Ich bin dauermüde, könnte die ganze Zeit schlafen. Egal, wie viel ich schlafe, es ist nicht genug. Ich habe keine Möglichkeit, mich zu entziehen, alle Ansprechpartner sind außer Landes. Ich habe keine Wahl, ich muss das schaffen.

Und nun, heute, kann ich nicht schlafen. Ich habe den Kopf so voll, mir geht es wirklich sehr schlecht. Ich kann nicht schlafen, ich habe bereits diverse Tabletten genommen (rezeptfreie) und Alkohol getrunken, ich kann trotzdem nicht schlafen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Auch wenn es Quatsch ist, verletzt es mich sehr, dass mein Partner zwei, drei Meter von mir entfernt seelenruhig schnarcht. Ich möchte, dass er aufwacht und sieht, dass es mir schlecht geht und für mich da ist. Aber das ist ja Blödsinn, wenn ich es ihm nicht sage. Und wecken werde ich ihn deswegen nicht. Also habe ich keinen Grund, sauer auf ihn zu sein.

Ich bin grade sowohl physisch als auch psychisch total am Ende meiner Kräfte und ich kann trotzdem nicht schlafen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, in die Psychiatrie zu fahren. Aber ich habe Angst, dass die mir Gespräche usw. aufdrängen. Ich will nur etwas zum Schlafen, aber das hat mir das KH schon beim letzten Mal mit Hinweis auf die Psychiatrie, in die ich mich bitte begeben soll, verweigert. Mein HA verweigert mir Schlaftabletten o.ä. mit Hinweis auf meine "hohe Suchtgefährung" und "psychische Instabilität".

Ich kann die Verantwortung grade nicht abtreten, meine Eltern sind in Irland, die anderen Verwandten auch außerhalb von Deutschland. Ich muss es durchhalten, ich weiß nur nicht wie. Ich weiß nicht genau, was ich mir von diesem Thread erhoffe. Vielleicht etwas Zuspruch, vielleicht Tipps. Auf jeden Fall halte ich die gegenwärtige Lage keine 14 Tage mehr durch.
 

Benutzer63483  (41)

Sehr bekannt hier
Hallo,

erstmal ist es doch ganz gut, dass Du Dir hier zumindest ein kleines Ventil gesucht hast. :smile:
Fairerweise muss ich sagen, dass ich die Einstellung der Ärzte ganz gut finde - schließlich geht es bei Schlafmitteln nur darum, Dich weiter "leistungsfähig" zu halten, aber nicht nach der Ursache zu forschen.
Natürlich könnte man sagen, dass die seit Deiner Therapie bekannt ist, trotzdem scheint Dich ja immer noch etwas "packen" zu können, was die momentan unerträglichen Auswirkungen hervorruft.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Dich die Gedanken an alle Aufgaben stark einengen/einschnüren - und es ist erlaubt, egal ob kleine oder große Angelegenheit, davorzustehen und NICHT die Starke zu markieren.
Wenn man einmal auf dieses Gleis gesetzt wurde, reichen auch schon kleine Ereignisse, um sich bedrängt und unsicher zu fühlen.

Wenn ich mir den Absatz mit Deinem Partner so anschaue, brauchst Du trotzdem jemanden, bei dem Du Deine Verantwortung oder Last auch mal abladen kannst.
Das müssen ja nicht wieder zwingend Gespräche in Therapie sein - vielleicht hilft schon ein Mitwisser, vor dem Du Dich auch nicht schämen musst, Schwächen zuzugeben.

Wenn Du so aufzählst, hört sich das echt viel an, aber wenn Du wirklich nicht kannst, dann ist z.B. das mit Deinem besten Freund im Moment keine "Schande". :schuettel: Er wird das sicher auch wissen.
Papierkram ist lästig, wird sich aber sicherlich klären lassen - am besten mit weniger Druck und ein bisschen guter Hoffnung? Die Ausbildung wird Dir vermutlich sicher sein, ob da ein leicht lädiertes Führungszeugnis etwas dran ändert, wage ich für die meisten Ausbildungsgänge zu bezweifeln.
Such Dir dafür doch mal einen Tag aus, wo Du von allem anderen frei haben kannst, z.B. auch erst in 14 Tagen, wenn das geht!

und wenn Du schlafen kannst, dann schlaf - da bist Du weder faul noch ignorant (den "Aufgaben" gegenüber) - das ist schon eine natürliche Reaktion auf Deinen innerlichen Stress.
Insgesamt weißt Du, denke ich, wie Du auf manche Situationen reagierst - diese hier ist nichts anderes, als ein überdehntes "Mehrere Tage-Tief", was einen eben trotzdem schockt und verunsichert,

und auch wenn das jetzt nicht geht: ich wünsche Dir eine gute Nacht :winkwink:
 

Benutzer101356 

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Hallo,

das sind ja wirklich ganz schön viele Sachen auf einmal. Erstmal: Nur die Ruhe, du schaffst das. :smile:

Was mir so dazu einfällt:

1.) Mach dir eine Liste, mit allen Aufgaben und Teilschritten, die so anstehen. Gibt es Sachen, die du dringend erledigen musst, z.B. Behördenkram, weil das eine Weile braucht bis du das nötige Dokument erhälst, das du dann zum Termin x brauchst? Dann mach die Sachen zuerst.
Meine Freunde belächeln mich immer, weil ich so eine Listen-Anhängerin bin. ;-) Aber ich finde es wirklich hilfreich: Alles, was aufgeschrieben ist, ist aus dem Kopf raus => ich wälz mich dann abends nicht mehr mit dem Gedanken rum "ich muss noch xyz machen, das darf ich auf gar keinen Fall vergessen". Und eine Liste macht die Aufgaben übersichtlicher und strukturierter. Du siehst vor dir, was du tun musst (was vielleicht erstmal unglaublich viel scheint). Und dann arbeitest du die Liste ab, Stück für Stück. Manche Sachen gehen ja schnell, einen Anruf erledigen oder so - und schon hast du einen Punkt weniger auf der Liste. Für mich ist das ein Geländer, an dem ich mich entlang hangeln kann, und ich hab das Gefühl, immer noch den Überblick zu behalten. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn du abends auf deinen Zettel schaust und ganz viele Sachen richtig dick durchgestrichen hast. (Deswegen auch kleinere Teilschritte aufschreiben, das motiviert. ;-) )

2.) Was bei mir funktioniert, wenn mir beim Einschlafen unglaublich viele Sachen (was ich noch tun muss) durch den Kopf gehen: Mich selbst zur Ordnung rufen. Ich sage mir dann selbst: "Ja, ich habe viel zu tun. Aber: darum kümmere ich mich morgen. Jetzt im Moment kann ich nichts tun, und es bringt überhaupt nichts, sich jetzt einen Kopf darum zu machen. Jetzt muss ich schlafen, dann bin ich morgen fit und kann dann wieder arbeiten." Und dann konzentrier ich mich bewusst auf was Schönes, entspann mich (z.B. stell dir bewusst vor, du würdest auf einer Wiese oder am Strand liegen - wie würde sich das anfühlen, was würdest du um dich hören etc), oder höre Musik oder so. Probier's mal, vielleicht funktioniert das bei dir auch.

3.) Sag deinem Freund ganz konkret, dass du dir etwas Unterstützung wünschst und brauchst, und wie er dir helfen kann. "Mir wird das grad alles etwas zu viel. Könntest du mich bitte öfters in den Arm nehmen/in Ruhe lassen/den Einkauf übernehmen..." Bei vielen Sachen wird er dir vielleicht nicht direkt helfen können, aber oft tut es ja schon gut, wenn man mal fest gedrückt wird. Sag ihm, was du brauchst - er wird dich sicher gerne unterstützen. :smile:

Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen. Augen zu und durch, das wird schon. :smile:
Liebe Grüße, Primavera
 

Benutzer44777  (38)

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Zusätzlich zu dem was schon geschrieben wurde: bitte pass mit Alk und Tabletten auf. Manche Kombinationen sind echt nicht schön - auch bei rezeptfreien Zeugs.

In Situationen mit viel Stress kann es hilfreich sein ein wenig Sport zu treiben. Versuch mal abends eine Runde Joggen zu gehen. Ggfs kannst du auch mit deinen Freund einen Spaziergang machen.

Ansonsten: wenn ich dein Freund wäre, würde ich wollen, dass du mir deine Sorgen erzählst und wenn es dir schlecht geht, mich auch aufzuwecken.

Für's Einschlafen gibt es übrigens bei Youtube etliche Relaxing Videos :zwinker:
 

Benutzer121711 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo AnoMs,

konntest du denn noch schlafen?

Ich kann dich gut verstehen, ich hatte auch einmal ein Tief während meines Studiums, wo mir alles zuviel wurde.
Ich musste soviel bewältigen und erledigen, aber aus Angst, Sorgen und Erschöpfung kam ich zu nichts mehr, alles kam mir so anstrengend vor, ich hab mich in negativen Gedanken verfangen und stand mir selbst im Weg..Nachts lag ich dann hellwach und müde im Bett mit riesigen Schuldgefühlen, weil ich wieder nicht alles geschafft hab, was ich mir vorgenommen hatte.

Wenn ich in einer richtig stressigen Situation bin, die mir über den Kopf zu wachsen scheint, dann helfen mir folgende Dinge:

(@Primavera: Ich war bis jetzt am Tippen und hab dann erst gesehen, dass du fast das Gleiche schon gepostest hast. Ich wollts dann trotzdem posten, ich hoff das ist ok :zwinker:. Wollt nix klauen oder nachmachen)

1. Schreib dir erst mal alles auf, was du zu erledigen hast, ordne sie nach Wichtigkeit und - falls möglich - notiere dir deine folgenden Tagesabläufe mit diesen integrierten Aufgaben (ist für mich z.B. bei Amtssachen wichtig wegen Öffnungszeiten oder Fristen). Es kann dir helfen, schwarz auf weiß einen Überblick über deine Aufgaben zu haben und es gleichzeitig aus deinem Kopf zu bekommen, anstatt mit dir rumzuschleppen. Das gilt auch für Kummer etc, schreib vor dem Zubettgehen deine Gedanken, Ängste, Sorgen etc auf. Sie sind nicht weg, aber du hast durch das Aufschreiben alles reflektiert, was dich beschäftigt und deinen Kopf freigemacht. Und ein freier Kopf kann besser schlafen.

2. Plane trotz Stress genügend Auszeiten ein. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Zeit zu kanpp ist und man lieber alle Aufgaben auf einmal durchkaut, aber oft fehlt einem die Energie und man drückt sich evtl vor manchen Dingen (ich z.B. schiebe gerne dieses schriftliche Hickhack vor mir her). Schaffe eine Balance, mache nach einer erfolgreichen Arbeit eine Pause, in der du etwas tut, was dir Spaß macht.
Gönn dir z.B. etwas Leckeres, sobald du dich um deine Oma gekümmert hast, treff dich mit einer Freundin auf einen Kaffe, nachdem du etwas Schriftliches bei den Ämtern erledigt hast oder les zwischendurch in einem guten Buch. Wenn man ausgeglichener ist, dann schafft man auch mehr.
Und vor allem: Setz dir realistische Ziele, die du wirklich tagsüber schaffen könntest. Wenn du dir einen zu großen Haufen vornimmst und ihn nicht bewältigen kannst, dann "versagst" du immer wieder, was dich runterzieht.

3. Vllt hilft dir vor dem Zubettgehen ein entspannendes Bad? Hol dir ein Entspannungsbad-Öl von Kneipp o.Ä., lass die Seele baumeln, versuch runterzukommen von deiner Anspannung und einem stressigen Tag.
Versuch auch vor dem Schlafengehen keinen PC/TV etc. zu benutzen, das könnte dich zu sehr "aufputschen", hör lieber sanfte Musik und schließe mit dem Tag ab.

4. Rede mit jemandem über deinen Stress. Es hilft ungemein, sich hin und wieder alles von der Seele zu reden und manchmal stecken mehr Emotionen in einem, als man anfangs denkt.
Ich hab es mal ewig lang aufgeschoben und dann, 3 Uhr nachts vor einer Klausur hab ich heulend meinen Freund angerufen und mich ausgeweint. Er meinte nur "Warum hattest du mir nichts gesagt?" Ich wollte stark sein und alles selbst schultern, aber manchmal geht das einfach nicht.
Ich kann dich verstehen, wenn du wütend auf deinen Partner bist, der schlafen kann wie ein Baby, während es dich innerlich vor Sorgen zerreißt, aber du sagst es ganz richtig - er kann nichts dafür. Jeder ist seines Glückes Schmied - du bist für dich selbst verantwortlich.
Trotzdem kannst du dir von ihm helfen lassen, indem er dich moralisch unterstützt, dir zuhört und dich auffängt oder dir mal was Feines kocht. Sag ihm, dass du ihn in dieser schwierigen Zeit ganz besonders brauchst und ich bin sicher, er wird dir soweit helfen, wie es für ihn möglich ist.

5. Konzetriere dich auf die Dinge, auf die du Einfluss hast. Natürlich macht dir dein polizeiliches Führungszeugnis Sorgen, aber du kannst die Entscheidung deiner Ausbilder nicht beeinflussen. Entweder sie lehnen dich ab oder sie nehmen dich. Auch wenn es schwer ist, zerbrich dir nicht den Kopf wegen diesen Dingen, sondern konzetriere dich aufs Wesentliche.

=====

m4jO hat recht, Schlaftabletten etc. sind zwar verlockend, aber sie "können´s nicht richten". Es wäre nur eine Notlösung, die dir letztenendes wahrscheinlich nichts bringt, weil es deine Sorgen und der Druck sind, die dich wachhalten.

Ich hoffe meine Tipps sind nicht zu banal! Ich drück dir die Daumen, dass du alles gut schaffst!

Liebe Grüße,
Mirumu
 

Benutzer111034 

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Ich danke euch für eure lieben Antworten.

Ich bin schlaflos herumgesessen bis um halb 3. Da war ich dann körperlich und psychisch so am Ende, dass ich mir meinen Kram geschnappt und ins KH gefahren bin. Der Arzt hat mir eine Tavor mitgegeben zum Schlafen und meinte, ich soll mit meinem Arzt besprechen, dass ich eine Medikation wenigstens bis zur Rückkehr meiner Eltern kriege. Die Tavor habe ich nicht genommen, die ist in meiner Handtasche für absolute Notfälle. Ich habe sie heute Nacht nicht mehr genommen, weil ich ja zwei Stunden später schon raus musste und Angst hatte, dass ich verschlafe. Vier Uhr: Zurück aus dem KH und immer noch bzw. noch fertiger wollte ich dann endlich ins Bett zu meinem Partner. Der lag aber auf beiden Decken und hat mich dann auch noch blöd angepampt, als ich versucht habe, mir unauffällig eine zu klauen. Dann hat es mir gereicht und ich bin in mein Elternhaus gefahren, wo ich mich noch zwei Stunden von links nach rechts gedreht habe.

Auf der Arbeit habe ich die "professionelle" Ebene gewahrt, aber kein Kuss, kein Guten Morgen, nur das, was zwingend notwendig war. Ich kann das grade nicht, er tut mir so weh damit. Ich dachte, heute nach der Arbeit habe ich Zeit, um ruhig mit ihm zu reden und ihm zu erklären, dass er mich verletzt. Aber nein, der Herr geht lieber einen Beta-Account bei seinem Kumpel zocken. Gegen sieben soll er wohl heimkommen, er würde mich dann anrufen. Ich beiße mir grade total in den Arsch, dass ich ihn überhaupt angerufen habe. Der Kracher kommt aber noch: Bedingt durch den Schlafmangel habe ich den ganzen Tag schon bohrendes Kopfweh und meine chronische Sehnenscheidenentzündung plagt mich heute auch sehr, habe mich auf der Arbeit etwas verlupft. Meine Novamin helfen gegen beides ziemlich gut, aber ratet mal, wo die liegen? Richtig, bei ihm. Gibt er mir den Schlüssel? Nein. Einfach nein. So ganz ohne Begründung oder sonst was. Nein. Ich muss jetzt warten, bis er dann vielleicht mal irgendwann heimkommt und mich eventuell ganz vielleicht anruft.

Dass mir alles über den Kopf wächst, weiß er, das habe ich die Tage ein paar Mal gesagt. Von ihm kommen nur kluge Sprüche, wie wenig dramatisch und easy das doch alles wäre. Das weiß ich, dass es objektiv vielleicht nicht viel ist, aber mir im Moment das Kreuz bricht. Und unter diesen Bedingungen soll ich es schaffen, meinen Stolz zu überwinden? Ich bin nun mal eher der Typ "ich zeig's allen, ich bin selber groß" und konkret zu sagen, es geht mir schlecht, fällt mir schwer. Ich habe im Moment einfach so das Bedürfnis, mich mal in seine Arme zu legen, bisschen zu heulen und Druck abzulassen. Aber so? Nur über meine Leiche. Dazu bin ich echt einfach zu stolz.

Und jetzt mal ehrlich, entgangen kann es ihm nicht sein, dass es mir dreckig geht. Ich sehe beschissen aus, meine Augenringe ziehe ich über den Boden hinter mir her, meine Hände zittern und bin weiß wie 'ne Wand. Ist es echt zu viel verlangt, wenn ich mir wünsche, dass er mal herkommt und sagt: "Hey, du siehst gar nicht gut aus, ist wirklich alles okay bei dir"?

Ich habe meine Aufgaben gut strukturiert, Listen angefertigt, mache ich immer so. Es ist auch echt nicht so, dass ich keinen Moment mehr habe, um durch zu atmen. Aber nicht der Termindruck, sondern diese Verantwortung im Moment, die ich nicht abgeben kann, drückt mich so runter. Nur damit ihr seht, womit ich mich kopfmäßig täglich 1000x rumschlage ist: "Wenn meine Oma jetzt stirbt, wie sage ich es allen? Am Telefon? Bestatter muss man dann ja auch irgendwie informieren, welchen? Wie macht man das alles?" "Wie kriege ich es auf die Kette, um die gleiche Uhrzeit jeden Tag zum Spritzen bei ihr zu sein?" Schichtdienst eben, ist fast unmöglich. "Wer fährt sie zum Arzt?"

Knapp bei Kasse bin ich zu allem Überfluss auch noch, die Spritpreise brechen mir das Genick. Auf das Auto bin ich (s. Oma-Problematik) angewiesen, sonst würde ich es gar nicht tanken grade. Gott sei Dank kann ich gerade eh nicht essen, sonst würde das Geld wohl nicht bis zum nächsten Zahltag reichen. Wenn jetzt eine größere Ausgabe ansteht, habe ich ein Problem. Ich habe keine Reserven, keine Eltern in der Nähe zum Anpumpen oder sowas.

Ich komme nicht klar, mir wächst das alles so über den Kopf. Ich hasse es, die Älteste (und irgendwie auch Einzige) zu sein. Ich liebe meine Oma so sehr, aber die Verantwortung für sie zu tragen ist mir zu heftig. Einkaufen gehen, ja, mich um sie kümmern, gerne, mit ihr spazieren liebe ich. Aber die Verantwortung für sie zu tragen, macht mich fertig.

Keine Ahnung, wie ihr mir helfen sollt oder könnt. Wahrscheinlich gar nicht. Bisschen Auskotzen tut auch schon gut zwischendrin. Auch wenn ich das Gefühl habe, ich komme die Tage aus dem Meckern und Schimpfen und mies drauf sein gar nicht mehr raus.
 

Benutzer121711 

Verbringt hier viel Zeit
Oje, was für eine Nacht! Deine Situation beschäftigt mich sehr, weil ich vieles von mir und meinem damaligen Tief wiedererkenne. Ich könnte dir gerade einen Roman zurückschreiben, aber ich versuch es einigermaßen kurz und übersichtlich zu halten:

Du hast, was deinen "Stolz" betrifft, nicht ganz unrecht. Ich würde wahrscheinlich auch so reagieren. Doch mal einige Fragen zu deinem Freund (bevor ich ihn unbewusst und vorschnell in eine Schublade stecke):
- hat er denn überhaupt nachgefragt, wo du mitten in der Nacht warst?
- als du den Schlüssel von ihm wolltest, hast du es ihm wirklich deutlich genug vermittelt, dass es dringend ist? Männer und Frauen sprechen in verschiedenen Sprachen und manchmal muss man nicht nur mit der Tür ins Haus fallen, sondern sie eintreten.

Du sagst, du hast nicht mehr als ein "Nein" als Antwort aus ihm herausbekommen. Hast du denn auch wirklich nachgebohrt, warum es nicht geht, oder hat dich deine stolze Haltung dazu gebracht, es verletzt so stehen zu lassen ganz nach dem Motto "dann halt nicht"?

Hätte es für dich denn die Option gegeben, einfach vorbeizufahren und ihn dir zu holen? In so einer Situation hätte das eher weniger mit "Stolz" und "Ich renn ihm doch nicht auch noch hinterher" zu tun, sondern mit "Ich kann für mich selbst sorgen und wenn du zu faul (?) bist ihn mir zu bringen, dann warte ich nicht auf dich, sondern hol den doofen Schlüssel eben selbst".

Ich muss sagen, dass ich mein Tief damals im Studium nicht ohne den Rückhalt meines Freundes geschafft hätte und ich kann mir grad nur bedingt vorstellen, wie es für dich sein muss, ganz alleine und mit so einer großen Verantwortung auf dich gestellt zu sein..:frown:
Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass mein Freund einen Psychologen zum Vater hat und er deswegen sensibler auf solche Themen gepolt ist als wenn er keinen hätte. Er hat es manchmal geschafft, mehr zu sehen als ich und ich habe seine klaren Worte, die es auf den Punkt bringen, sehr gebraucht. Ohne sie hätte ich z.B. nicht bemerkt, mit welch großen Schritten ich mich auf eine ausgewachsene Depression bewege, da ich damals gerne alle runtergespielt habe, was mich betraf.

Deswegen kann es auch sein, dass dein Freund es mit seinen "klugen Sprüchen" einfach nicht besser weiß und es garnicht so meint, wie es in deiner angespannten Situation vllt erscheinen mag. Er versteht wahrscheinlich überhaupt nichts von dem, was du ihm schilderst, weil er nie in einer vergleichbaren Situation war und er, wie du schon ganz richtig gesagt hast, nur die objektive Seite sieht. Von außen sieht immer alles ganz anders aus. Doch ich verstehe nur zu gut, was du damit meinst, wenn du schreibst "Das weiß ich, dass es objektiv vielleicht nicht viel ist, aber mir im Moment das Kreuz bricht."
Ich z.B. konnte damals nicht einmal mehr einkaufen gehen, obwohl ich nichts mehr zu essen da hatte und der nächste Supermarkt nur 10 min entfernt war. Das "Warum" zu erklären ist schwierig. Ein Außensteher wie dein Freund würde wahrscheinlich nur die Fakten (Essen muss her, Supermarkt ist 10 min entfernt, ist doch kein Ding, alles easy), aber es steckt viel mehr dahinter.
Diese ganzen Emotionen, der Druck und die Verantwortung, die spürst nur du und manche Leute verstehen es, wenn du es erklärst und manche eben nicht.

Wenn es dir schwer fällt direkt zu sagen, dass es dir schlecht geht, dann sag es nicht, sondern handle einfach. Schnapp ihn dir einfach ohne Umschweife wenn du es brauchst und knuddle mit ihm, ohne ihm alles groß zu erklären. Hol dir einfach deine Umarmungen. Dich wegstoßen wird er wohl kaum. Und wenn er es erwidert, dich drückt und streichelt und die Stimmung dabei passt, dann kannst du ja das Thema anschneiden und dich bei ihm ausweinen. Dieser Weg ist vielleicht einfacher für dich als wenn du zu Beginn deinen Stolz überwinden musst, um ihm alles zu erklären und ihn zu bitten, dich doch bitte mal zu trösten. Dadurch zeigst du, bevor schon etwas zu "deinen Gunsten" passiert ist, deine schwache Seite und dann tut es umso mehr weh, wenn er dich sitzen lässt, aus welchen Gründen auch immer.

Was das Zocken betrifft, so hat er sich wahrscheinlich nichts groß dabei gedacht. Er kann ja eigtl nicht groß was für dich tun und in der Freizeit rund um die Uhr bei dir zu sein kann/will er auch nicht (schließlich hat er ja ein eigenes Leben). Und dass du ihn gestern genau in dem Moment gebraucht hast, als er zum Kumpel aufgebrochen ist, konnte er nicht riechen oder von vornherein wissen.
Sicher, er hätte auch absagen können und bei dir bleiben können, aber vllt hat er den Ernst der Lage nicht verstanden.

Wenn du schreibst, dass er nicht einmal sieht, wie dreckig es dir geht, so kommt die Frage bei mir auf, wie lange ihr schon zusammen seid. Vllt kennt er dich noch nicht gut/lang genug, um solche Anzeichen zu sehen?

Versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte mich nicht "auf die Seite deines Freundes" schlagen oder dich runtermachen oder so, sondern dir nur einen neutralen Blick auf ihn geben, der dir vllt mit den ganzen Emotionen nicht möglich ist. Ich kann natürlich auch komplett falsch liegen und er ist einfach zu faul und zu bequem, sich "auch noch mit deinen Problemen" rumzuschlagen :frown:.

Ich würde dir so gerne helfen, das ist wirklich ein Riesendruck, den du mit dir rumschleppst..Am liebsten würd ich dich mal drücken :frown:!
Da werd ich glatt wütend auf deine Eltern, die können doch nicht einfach in den Urlaub fahren und sich einen faulen Lenz machen und (um es mal dramatisch auszudrücken) das Schicksal deiner Oma in deine 20 Jahre alten Hände legen. Auch wenn du die Älteste bist, gerade was die Pflege älterer Menschen betrifft, ist das zuviel Verantwortung für ein so junges Mädchen, das kann selbst für Erwachsene zu viel werden. Gibt es denn keine weiteren Verwandten (Tante, Onkel etc), die dir da helfen können, v.a. was deinen Schichtbetrieb betrifft? Jemanden, mit dem du die Arbeit teilen könntest?

Und ganz ehrlich, falls (Gott bewahre!) wirklich etwas mit deiner Oma passieren sollte, dann wäre es keine Option, sondern deine Eltern MÜSSEN sofort anreisen und sich um alles kümmern. Urlaub hin oder her! Da wären solche Dinge wie "Welchen Bestatter und wie macht man Beerdigungen" etc das ALLERLETZTE, worüber du grübeln solltest, denn deine Eltern haben gewisse Verpflichtungen! Sie sind ja wohl auch mit deiner Oma verwandt und wenn es die Mutter einer deiner Elternteile ist, dann ja erst recht, oder?

Was deine Fragen betrifft:
Wenn meine Oma jetzt stirbt, wie sage ich es allen? Am Telefon?
- ja, Telefon ist die einfachste und schnellste Möglichkeit

Bestatter muss man dann ja auch irgendwie informieren, welchen? Wie macht man das alles?
- das kannst kaum du alleine entscheiden, das würde ich an deiner Stelle mit deinen Eltern telefonisch klären und dann den ausgesuchten Bestatter anrufen, während deine Eltern zurückkommen

Wie kriege ich es auf die Kette, um die gleiche Uhrzeit jeden Tag zum Spritzen bei ihr zu sein? Schichtdienst eben, ist fast unmöglich.
- nahe Verwandte/dein Partner/gute Freunde/evtl verlässliche Nachbarn, die dir helfen und sich mit dir abwechseln?

Wer fährt sie zum Arzt?
- s.o.

Das mit dem Geld ist natürlich ziemlich dumm. Kann dir dein Freund oder Verwandte unter die Arme greifen? Oder deine Eltern dir trotzdem etwas überweisen? Nur weil sie im (Ausland?) sitzen, heißt das ja nicht, dass keine Geldtransaktionen möglich sind.

Es kann doch jetzt nicht wahr sein, dass deine Eltern dich ohne genügend Geldpuffer mit deiner Oma alleine lassen?!
Es kann doch nicht sein, dass du nichts mehr zu essen kaufen kannst, weil du ständig zu deiner Oma fahren musst, während sie irgendwo in einem Hotel sitzen und es sich gut gehen lassen? Also sry, da läuft was schief!!!

Dass du deine Oma lieb hast und dich gerne um sie kümmerst steht außer Frage, denn was Medikation und Spritzen etc betreffen, so ist das nochmal ein anderes Kaliber! Das ist keine Aufgabe, die man einer Person überlässt, die so etwas noch nie gemacht hat!

Lass deinen Frust raus, dafür gibt es solche Foren!
Bitte achte auf dich und versuch trotzdem genügend zu essen! Wenigstens ein paar Kleinigkeiten!

Ich weiß auch nicht, wie wir dir noch helfen könnten außer dass wir dir zuhören und dir schreiben :frown:.
Aber ich hoffe, du kannst mit meinem Post etwas anfangen (das mit dem "kurz und übersichtlich" ging wohl daneben..)

Liebe Grüße und gute Nacht
 
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