Rentner tötete seine Frau und bestrafte sich selbst

Benutzer127708 

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Ist er jetzt freigesprochen worden?


Ja, tolles Beispiel, bei der ich auch immer die Bücher von Ferdinand von Schirach, vor allem "Schuld" sehr empfehlen kann.
 

Benutzer149315 

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Klingt für mich nach einem Urteil dass der aktiven Sterbehilfe den Weg geöffnet werden kann. Und das halte Ich für löblich.
 

Benutzer89539 

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Ist er jetzt freigesprochen worden?
Nein, er ist schuldig gesprochen worden. Allerdings nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags im minderschweren Fall.

chosy chosy : Mit aktiver Sterbehilfe ist der Fall nicht zu vergleichen. Seine Frau wusste ja nichts von seinen Plänen und hat offenbar zu keinem Zeitpunkt in den eigenen Tod eingewilligt.
 

Benutzer149315 

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chosy chosy : Mit aktiver Sterbehilfe ist der Fall nicht zu vergleichen. Seine Frau wusste ja nichts von seinen Plänen und hat offenbar zu keinem Zeitpunkt in den eigenen Tod eingewilligt.

Es geht hierbei ja auch weniger im einen Vergleich, sondern darum, dass die Argumentation vom Richter durchaus wegweisend zu verstehen sein kann.
Grade weil diese direkte Einwilligung fehlte ist es eben noch interessanter. Der Richter schien zumindest davon überzeugt zu sein, dass der Mann nur "das Beste für Sie wollte" und dies entsprechend gewichtet hat.

In manchen Situation ist der tatsächliche Wille nicht zu ermitteln und falls es dazu einem Freispruch kommen würde, so sollte § 216 des StGB doch auch arg in Bedrängnis kommen.

Das Urteil liest sich halt so, dass das Leben nicht das höchste Gut ist und gegen etwas anderes abgewägt werden kann.
 

Benutzer146682 

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Puh... also ich tue mich schwer damit. Im Grunde ist es gut, dass er eine Bewährungsstrafe bekommen hat, aber das Urteil ist schon sehr, sehr milde dafür, dass da jemand ohne Rücksprache mit der betroffenen Person beschlossen hat, es sei jetzt an der Zeit zu sterben...
 

Benutzer95651  (35)

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Ich muss ehrlich sagen, dass er mir sehr leid tut, die Frau gar nicht mal so sehr.
Hätte sie es überhaupt noch verstanden, wenn er es ihr erzählt hätte?
Auch war es ihm wahrscheinlich wichtiger, sie nicht mit dieser schweren Entscheidung zu belasten, immerhin lud er sie auf eine schöne Spazierfahrt ein.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn nach so vielen gemeinsamen schönen Jahren der geliebte Partner an Demenz erkrankt und man ihn "verfallen" sieht.

Aber sie dann leiden und sterben zu sehen war für ihn am Ende bestimmt unbeschreiblich schlimm.

Ich persönlich finde das Urteil "schön" gesprochen.
 

Benutzer146682 

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Ich muss ehrlich sagen, dass er mir sehr leid tut, die Frau gar nicht mal so sehr.
Hätte sie es überhaupt noch verstanden, wenn er es ihr erzählt hätte?

Das wissen wir nicht, wenn sie ihn zumindest noch erkannte und wusste dass er ihr Ehemann ist (was ich jetzt mal einfach dem "Lass mich nicht allein" entnehme) kann sie noch nicht so schlimm dement gewesen sein? Meistens geht sowas ja gerade verloren...

Auch war es ihm wahrscheinlich wichtiger, sie nicht mit dieser schweren Entscheidung zu belasten, immerhin lud er sie auf eine schöne Spazierfahrt ein.

Naja, also ist es okay wenn jemand einen anderen Menschen, der ihm vertraut, auf eine schöne Spazierfahrt einläd, in dem Wissen dass er eigentlich nen erweiterten Suizid plant? Die Gründe sind doch erst mal egal...

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn nach so vielen gemeinsamen schönen Jahren der geliebte Partner an Demenz erkrankt und man ihn "verfallen" sieht.

Das ist bestimmt nicht schön, und auch bestimmt nicht leicht zu verkraften, aber auch kein Grund für jemand anderen die Entscheidung zu fällen, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist. Wenn der andere sich das quasi wünscht, ist es noch mal was anderes, wobei ich generell vorsichtig bin soweit es aktive Sterbehilfe betrifft... das Thema finde ich verdammt schwierig, gerade weil es unter diesem Deckmäntelchen auch ermöglicht, jemanden loszuwerden der irgendwie "lästig" geworden ist. Sei es weil man sich mit der Pflege überfordert fühlt, weil man selbst die Situation nicht aushalten kann und dadurch zu dem Schluss kommt, der Betroffene dürfte das auch nicht können, weil man nicht damit zurechtkommt dass ein geliebter Mensch leidet oder weil man (ganz böse gesprochen) ans Erbe will - oder den nervenden Partner endlich loswerden. Das eine ist im Grunde nicht besser als das andere.. das Motiv mag aus der Sicht desjenigen, der die Entscheidung fällt, mal ein gutes und mal ein weniger gutes sein, aber es ist doch Tatsache, dass die Person, die das meiste Mitspracherecht gehabt hätte, nicht gefragt worden ist.

Aber sie dann leiden und sterben zu sehen war für ihn am Ende bestimmt unbeschreiblich schlimm.

Ich persönlich finde das Urteil "schön" gesprochen.

Das kann gut sein, ja. Als Signal finde ich das Urteil aber.. schwierig. Ich bin nicht sicher, wie viele Jahre man auf Bewährung ansetzen kann oder ob es andere Möglichkeiten gibt, den Mann in Freiheit zu lassen (z.B. Unzumutbarkeit wegen seines Gesundheitszustands?) aber zwei Jahre sind verdammt wenig dafür, dass er seine Frau ungefragt in den Tod kutschiert hat...
 

Benutzer135918 

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Schwere Kost. Es wirkt für mich wie das ende von Rome und Julia nur mit dem Fehler, dass einer überlebte!
 

Benutzer95651  (35)

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Jakina Jakina So unterschiedlich sind bei diesem Thema eben die Standpunkte.
Da er sich ja mit umbringen wollte, kann man die Gründe der Lästigkeit und des Erbes ja weglassen. Aber oft mag es leider stimmen.

Ich persönlich hätte wohl nichts gegen die Entscheidung, wenn ich mal dement werden sollte. Man ist doch eben einfach nicht mehr man selbst und das wäre für mich persönlich nicht lebenswert.
(Es soll dann aber bitte schneller und schmerzloser gehen...)
 

Benutzer146682 

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Jakina Jakina So unterschiedlich sind bei diesem Thema eben die Standpunkte.
Da er sich ja mit umbringen wollte, kann man die Gründe der Lästigkeit und des Erbes ja weglassen. Aber oft mag es leider stimmen.

Klar, ich unterstelle diesem Mann auch keine böse Absicht und bin genau wie du froh dass er dafür, gerade in seinem Alter und mit seinen Gebrechen, nicht auch noch im Gefängnis gelandet ist. das Strafmaß als solches finde ich aber trotzdem viel zu niedrig, gerade weil es auch andere Menschen gibt... die dann vielleicht mit Berufung auf das Gerichtsurteil auch mit milden Strafen wegkommen, obwohl sie eigentlich wesentlich höhere verdienen würden. Es geht hier immerhin darum, dass ein Mensch durch Vorsatz ums Leben gekommen ist. Egal, ob der Mann sich selbst mit umbringen wollte oder nicht.

Ich persönlich hätte wohl nichts gegen die Entscheidung, wenn ich mal dement werden sollte. Man ist doch eben einfach nicht mehr man selbst und das wäre für mich persönlich nicht lebenswert.
(Es soll dann aber bitte schneller und schmerzloser gehen...)

Der Unterschied ist dann aber.. du hättest deine Entscheidung fällen können. Über eine schriftliche Absichtserklärung oder was auch immer. Ob die Frau das auch konnte, wissen wir nicht, und das macht das Ganze schon etwas haarig für meinen Geschmack.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Es geht hierbei ja auch weniger im einen Vergleich, sondern darum, dass die Argumentation vom Richter durchaus wegweisend zu verstehen sein kann.
Grade weil diese direkte Einwilligung fehlte ist es eben noch interessanter. Der Richter schien zumindest davon überzeugt zu sein, dass der Mann nur "das Beste für Sie wollte" und dies entsprechend gewichtet hat.

In manchen Situation ist der tatsächliche Wille nicht zu ermitteln und falls es dazu einem Freispruch kommen würde, so sollte § 216 des StGB doch auch arg in Bedrängnis kommen.

Das Urteil liest sich halt so, dass das Leben nicht das höchste Gut ist und gegen etwas anderes abgewägt werden kann.

Abgesehen davon, dass du das Urteil wohl kaum gelesen haben wirst (weil es noch gar nicht geschrieben ist), kann ich deine Argumentation nicht teilen. Weder hat das Gericht das Leben mit irgendetwas abgewogen, noch ist mit der Entscheidung aktive Sterbehilfe näher herangerückt.

Was das Gericht getan hat, war schlicht und einfach das geltende Recht anzuwenden. Das sieht für die Straftat des Rentners (Totschlag) grundsätzlich fünf bis fünfzehn Jahre Freiheitsstrafe vor, in Ausnahmefällen jedoch ein bis zehn Jahre (minder schwerer Fall). Innerhalb des letztgenannten Strafrahmens für minder schwere Fälle hat das Schwurgericht zwei Jahre festgesetzt und diese konnten zur Bewährung ausgesetzt werden.
Irgendetwas "Wegweisendes" ist darin nicht zu sehen. Es gab ein Tötungsverbrechen mit menschlich tragischem Hintergrund und das Tatgericht hat hierfür eine milde Strafe festgesetzt. Mehr ist nicht passiert. Menschlich tragisch, juristisch völlig unspektakulär.
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Klar, ich unterstelle diesem Mann auch keine böse Absicht und bin genau wie du froh dass er dafür, gerade in seinem Alter und mit seinen Gebrechen, nicht auch noch im Gefängnis gelandet ist. das Strafmaß als solches finde ich aber trotzdem viel zu niedrig, gerade weil es auch andere Menschen gibt... die dann vielleicht mit Berufung auf das Gerichtsurteil auch mit milden Strafen wegkommen, obwohl sie eigentlich wesentlich höhere verdienen würden. Es geht hier immerhin darum, dass ein Mensch durch Vorsatz ums Leben gekommen ist. Egal, ob der Mann sich selbst mit umbringen wollte oder nicht.

Ich denke, es ist kaum zu befürchten, dass zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafen für Tötungsverbrechen durch das Urteil zur Regel werden. Es handelt sich um eine eher seltene Konstellation.
 

Benutzer149901  (23)

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dann wird aus einem mord mehr oder weniger ein totschlag nur weil man es gut gemeint hat? also so in der art verstehe ich die urteilsbegründung
 

Benutzer20579  (37)

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dann wird aus einem mord mehr oder weniger ein totschlag nur weil man es gut gemeint hat? also so in der art verstehe ich die urteilsbegründung
Mord ist immer eine Tat, die ein qualifizierendes Merkmal braucht. Ohne Mordmerkmal ist es kein Mord. Wenn man die Ausführungen zum Urteil liest, wird schnell klar, wieso es eben kein Mord war.

Tja, man kann nur sagen, wenn man einen erweiterten Suizid plant, muss man es richtig machen. Klingt makaber, aber ich finde diese Fälle, bei denen einer übrig bleibt, äußerst tragisch. Erst Recht, wenn man sich die Hintergründe dieser Taten ansieht - häufig sind das doch extrem tragische Hintergründe und schwere Krankheitsverläufe, die sich aus der Ferne leicht beurteilen lassen.
 
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