Psychotherapie - gesellschaftlich akzeptiert oder nicht?

Benutzer160853  (34)

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Ich will nochmal kurz in eine andere Richtung denken: Als ich im Herbst mich einfach kraftlos fühlte und Ruhe brauchte, stand auch schnell das Thema Therapie im Raum. Ich entschied mich anders und bemerkte, dass ich mit einigen Wochen Ruhe wesentlich besser zurecht komme. Die Gründe für meinen Zustand lagen klar auf den Tisch und ich konnte während der Ruheperiode meinen Frieden damit finden oder zumindest meinen eigenen Umgang damit organisieren.

Im beruflichen Kontext würde ich es nicht so offen kommunizieren. Ich halte mich dort aber allgemein mit Diagnosen bei Krankheiten zurück, sondern bin einfach "krank". Nach meiner Wahrnehmung helfen beim Umgang mit diesem Thema Fälle aus der eigenen Lebenswelt besser als das Schicksal von Prominenten, diese gehen entweder verschütt oder im allgemeinen Takt der Nachrichten irgendwann unter. Der Fall Robert Enke hat beispielsweise im Sport nichts verändert, wie auch?
Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass einige öffnen, wenn das Thema von der Liste der Sprachlosigkeit runterkommt.
 

Benutzer162736 

Öfters im Forum
Ich selbst befinde mich auch in Therapie und ich finde dass besonders Depressionen noch nicht von der Gesellschaft so akzeptiert werden wie sie es sollten. Kein normaler Hausarzt schreibt mich krank "nur" weil ich es morgens nicht aus dem Bett geschafft habe, jeder Lehrer und Klassenkamerad denkt sich "Die macht sich wieder einen schönen Tag". Ich bin kurz davon in der Schule eine Attestpflicht zu bekommen, weil es keiner versteht dass es einzelne Tage in der Woche gibt an denen es mir psychisch nicht gut geht und dass ich nicht aus Spaß zu Hause bleibe. Ich bekomme von einzelnen Personen vorgeworfen ich wäre nicht für meinen Beruf geeignet aufgrund meiner Depressionen, ich könnte keine Verantwortung im Job übernehmen. Es wird gemeckert wenn man sich krank schreibt, aber Mittags es geschafft hat sich aufzuraffen und unter Leute zu gehen. Dies ist eine Große Leistung für jemand mit Depressionen, aber man ist somit dann gezwungen im Haus zu bleiben, weil ja sonst jeder denkt man würde blau machen.

Man wird schnell als Psycho abgestempelt oder es wird gesagt "Dein Leben ist so schön, es gibt keinen Grund depressiv zu sein"
Besonders oft kommen auch Sätze wie "Geh doch mal raus, dann gehts dir besser." Das Problem ist, man MÖCHTE raus, aber es klappt nicht. Es fehlt an viel Aufklärung in der Gesellschaft.
 
1 Woche(n) später

Benutzer172498 

Öfters im Forum
Ich glaube, da die Gesellschaft leider so ist (wir haben uns ja selbst zu dem gemacht, was die Menschen heute eben sind), dass Leute es nie lassen werden, blöd zu gucken.
Ich weiß aber genauso, aus einiger Erfahrung, dass Plätze bei Psychologen usw. mega ausgebucht sind und habe auch von Leuten erfahren, die auf mich echt super sicher und zufrieden gewirkt haben, dass sie eine Therapie machen, weil es eben innen drin nicht so ganz perfekt ist alles. Die Wartelisten sind mega lang und mir wurde auch schon von anderen empfohlen, eine Therapie zu machen (wegen meiner Vergangenheit).
Was ich auf jeden Fall weiß, ich habe in einer Kita gearbeitet, dass in dem Fall Ergo-Therapien und all das wirklich bei so vielen Kindern empfohlen wird, wegen diesem oder jenem, einfach, um die Kinder zu stärken. Ich denke von daher, dass es oft auch einfach als Unterstützung gesehen wird, sich entwickeln zu können. Und verlieren kann man ja nichts.
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich persönlich habe dazu keinerlei Meinung, wenn es andere betrifft, weil ich sogar wissenschaftlich belegt weiß, wie unterschiedlich Empfindungen sein können, und wie wenig man andere wirklich verstehen kann. Ich hätte jetzt auch nicht das Gefühl, dass es ein gesellschaftliches Stigma gäbe, berufliche Nachteile kann ich mir aber gut vorstellen.

Für mich persönlich gibt es jedoch Gründe, aus denen ich mir psychologische Hilfestellung erlauben würde, und andere nicht. Aber ich gehe auch nicht wegen jedem Ziepen zum Arzt. Und genauso, wie ich von mir erwarte, ein gewisses Maß an Schmerz auszuhalten, erwarte ich auch, nicht wegen Kleinigkeiten Hilfe zu benötigen. Während ich da bei anderen keinerlei Urteil darüber fälle, was Kleinigkeiten sind, und was nicht, bei mir schon, gebe ich zu.
 

Benutzer140528  (50)

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Oh ja, ich hatte bevor wir Hilfe für unser Mädchen brauchten auch einige Klischee typische Gedanken.
Das hat sich komplett gedreht, weil wir erfahren haben, wie gut da gearbeitet wird.
Und geholfen hat es auch. Ohne die Hilfe, ich wüsste nicht, wie es gelaufen wäre.
 
G

Benutzer

Gast
Ich habe es bis jetzt immer absolut positiv mitbekommen. Viele Menschen gehen sogar offen damit um und im Grunde genommen sind doch alle froh darüber, dass es diese Möglichkeit gibt.
Man muss dennoch stark aufpassen, je nachdem für was man hingeht und noch wichtiger: wie alt ist der “Patient“. Ich selbst hab leider auch schon eine ganz schlechte Erfahrung gemacht, als ich Teenager war.
 

Benutzer35148 

Beiträge füllen Bücher
Wenn man sich zuviele amerikanische TV-Serien und Filme anschaut, könnte man denken dass es für jeden Furz irgend eine Therapie gibt.
So eine Art "Modeerscheinung"... wer keine Therapie oder keine Selbsthilfegruppe besucht, ist nicht normal.
Und das mindert doch gewaltig den Stellenwert einer richtigen Psychotherapie.

Das größte Probleme sehe ich jedoch bei der Wirksamkeit.
Können die Betroffenen wirklich und tatsächlich "austherapiert" werden?
Seien es Ängste, eingeschliffene Fehlverhalten, schwere Depressionen usw., werden sie rückfällig oder nicht?

Wenn sich in meinem Bekanntenkreis jemand zu einer Psychotherapie entscheiden sollte, würde ich das je nach Fall begrüßen und unterstützen oder nur den Kopf schütteln. Aber veurteilen auf keinen Fall.
Sollte die Therapie wirklich notwendig sein, dann Hut ab dass dieser Schritt getan wird.

:engel:
 

Benutzer172216 

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Was denkt ihr? Wird es von der Gesellschaft im Allgemeinen akzeptiert, wenn man eine Psychotherapie macht, oder wird durchschnittlich eher gedacht, dass man dann "verrückt", "schwach", "wehleidig" o. ä. ist?

Ich mache derzeit eine Therapie...jetzt auch schon länger. Erst stationär, dann Tagesklinik, mittlerweile nur noch zweimal wöchentlich. Ich war sehr krank und mir ging es sehr schlecht. Ohne die Therapie....naja....irgendwann....ihr wisst schon. Wer weiß, ob es mich jetzt noch gäbe. Heute geht es mir recht gut, ich habe nach wie vor Baustellen, die ich noch abarbeiten muss, aber im Grunde geht es mir gut....ich bin glücklich. Die Therapie war bei mir nötig und hat mir gut geholfen, trotzdem habe ich von vielen gehört oder gemerkt, dass sie es für schwach halten. „Anstellerei“ „man muss sich nur mal ein bisschen zusammenreißen“ „anderen geht es viel schlechter“ oder auch „dir geht es doch gut, du hast ja alles“.
Insgesamt ist die Akzeptanz wohl besser geworden, aber psychische Erkrankungen werden auch immer noch ein Stück weit als Spinnerei abgetan. Ein gebrochenes Bein kann man sehen, das versteht jeder, eine gebrochene Seele sieht niemand.
 

Benutzer172589  (35)

Benutzer gesperrt
Ich muss sagen, dass eigentlich alle Menschen die ich kenne die eine Psychotherapie gemacht haben sagen, dass es absolut nichts gebracht hat.

Von daher erschließt sich mir der Nutzen nicht ganz. Allgemein denke ich, dass eine Psychotherapie meist dann empfohlen wird, wenn die Ärzte nicht weiter wissen.
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
Redakteur
Ich muss sagen, dass eigentlich alle Menschen die ich kenne die eine Psychotherapie gemacht haben sagen, dass es absolut nichts gebracht hat.
Dann heißt das wohl, dass niemand davon eingesehen hat, dass er Unterstützung braucht. Ob das hilft oder nicht, hat man komplett und ausschließlich selbst in der Hand.

Allgemein denke ich, dass eine Psychotherapie meist dann empfohlen wird, wenn die Ärzte nicht weiter wissen
Falsch.
 

Benutzer172589  (35)

Benutzer gesperrt
Dann heißt das wohl, dass niemand davon eingesehen hat, dass er Unterstützung braucht.

Im Gegenteil. Die Menschen brauchten Unterstützung und die haben sie auch bekommen. Aber nicht von irgendeiner fremden Psychotante, sondern von Freunden, Partner, Jesus, etc.

Ich frage mich sowieso was Menschen dazu bewegt mit ihren Problemen zu einem Seelenklämpner zu gehen anstatt mit Freunden darüber zu reden. Die kennen einen doch am besten und wissen was gut für einen ist.
 

Benutzer131884 

Sehr bekannt hier
Ich frage mich sowieso was Menschen dazu bewegt mit ihren Problemen zu einem Seelenklämpner zu gehen anstatt mit Freunden darüber zu reden. Die kennen einen doch am besten und wissen was gut für einen ist.
Genau aus diesem Grund! Immer wenn einer meint zu wissen, was gut für mich ist, am besten noch besser als ich selbst (wüsste ich es, dann bräuchte ich keine Hilfe), dann läuten alle Alarmglocken. Da entziehe ich mich schnell einer Übergriffigkeit.
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
Redakteur
wissen was gut für einen ist.
Und übernehmen dafür auch die Verantwortung und können einschätzen, wann du dich selbst gefährdest und wann du Medikamente brauchst, weil deine Gehirnchemie durcheinander ist und können das Eine.von Anderen unterscheiden.
Jouh, ist klar.
 

Benutzer166918  (32)

Öfters im Forum
In meinem privaten Umfeld ist das völlig akzeptiert. Trotzdem kenne ich genügend Leute, die auf Verbeamtung, abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung etc. gewartet haben bzw. die ihre Therapie verschwiegen haben.
 

Benutzer172216 

Benutzer gesperrt
Im Gegenteil. Die Menschen brauchten Unterstützung und die haben sie auch bekommen. Aber nicht von irgendeiner fremden Psychotante, sondern von Freunden, Partner, Jesus, etc.

Ich frage mich sowieso was Menschen dazu bewegt mit ihren Problemen zu einem Seelenklämpner zu gehen anstatt mit Freunden darüber zu reden. Die kennen einen doch am besten und wissen was gut für einen ist.

Du warst noch nie bei einem „Seelenklempner“, oder?!

Das Tolle an Psychologen ist, die wissen, was sie da machen. Und die lassen dich reden und erzählen und dann stellen sie ein, zwei Fragen und daraufhin findest du selber für dich die Lösung. Sie führen dich nur dahin und sagen dir nicht, was für dich richtig ist, denn das kann man nur selbst entscheiden.

Die meisten anderen Menschen wollen dich nur in eine Form pressen, Psychologen helfen dir, dich selbst zu finden.
 

Benutzer172589  (35)

Benutzer gesperrt
Chuggington Chuggington :
Doch ich war bei reichlich Psychologen und Psychiatern.
Stimmt die haben mich alle reden lassen und mir auch Fragen gestellt. Aber eine Lösung habe ich dennoch nicht gesehen. Im Gegenteil. Mir hat nie einer dieser Psychoheinis geglaubt und während ich meine Zeit mit Menschen vergeudet habe dir mir nicht glauben wollten starben immer mehr und mehr Neuronen in meinem Gehirn ab. Da hätte ich genauso gut mit meiner künstlichen Zimmerpflanze reden können.

Und genau da liegt der Unterschied zu Freunden: Die glauben mir.
 
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