Promovieren mit Kind – realistisch oder Illusion?

Benutzer157288 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo liebe Leute, bin neu hier und brauche Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema. Habe den Beitrag schon mal in einem anderen Forum gepostet, allerdings kam wenig Feedback bisher. Deshalb versuche ich hier mal mein Glueck.
Meine Situation ist folgende: Bin Anfang 30, gluecklich verheiratet, (noch) kinderlos und stehe kurz vor dem Masterabschluss. Habe damals nach meinem Bachelor einige Jahre gearbeitet; ausreichend Berufserfahrung ist also vorhanden. Es war schon immer mein ganz grosser Traum, nach dem Master zu promovieren, da ich gerne in die Forschung gehen und an der Uni arbeiten wuerde. Mein Mann unterstuetzt mich in dieser Hinsicht voll und ganz. Natuerlich moechten wir auch mal Nachwuchs haben. Mein Mann meint, ich solle mir diesbezueglich nicht zu viel Druck machen. Jedoch bin ich der Meinung, dass ein Kind nach dem Doktorat (ich rechne mit ca. 3-4 Jahren) ziemlich spaet werden koennte, da man ja von vielen Seiten hoert, dass eine Schwangerschaft nicht immer auf Anhieb klappt. Wuerde mir mind. 2 Kinder wuenschen. Moechte aber nicht erst mit Ende 30 bzw. Anfang 40 Mutter werden, da ich das schon als ziemlich spaet empfinde. Leider laesst sich dies ja nicht planen, da die Natur hier ihre eigenen Gesetze hat. Ein befreundetes Paar von uns hat mit der Kinderplanung angefangen als beide 38 waren (haben sich spaet kennengelernt), schwanger wurde sie jedoch erst mit 42. Das Kind ist zum Glueck gesund, jedoch ist der Wunsch vom 2. Baby leider nicht mehr erfuellbar.
Gibt es jemanden unter euch, der waehrend des Doktorats schwanger wurde? Ist das zeitlich zu schaffen ohne das Kind bzw. die Doktorarbeit zu vernachlaessigen? Unterstuetzung vom Partner, Eltern & Schwester waeren bei mir jedenfalls gegeben. Freue mich ueber Meinungen und Erfahrungen. Danke euch!

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Benutzer91095 

Team-Alumni
Welches Fach? Welches Arbeitsverhältnis?

Generell gibt es leider keinen günstigen Zeitpunkt für ein Kind, wenn man Karriere machen möchte. Wenn's denn aber sein muss :zwinker: dann ist angeblich das Doktorat noch der beste Zeitpunkt für ein Kind. Da hast du vergleichsweise am meisten Flexibilität. Wenn du zusätzlich noch Partner und Familie hast, die dich voll unterstützen, musst du es nur noch mit dir selbst vereinen, wie du dich da um die zwei Babys gleichzeitig kümmern möchtest und wo du Abstriche machen willst. Irgendwo Abstriche machen wirst du müssen, das ist wohl auch klar. Unterschätze aber nicht den psychischen Stress, den du dir bei einer Promotion aufhalst.
 

Benutzer50955 

Sehr bekannt hier
Zur Planung: Wie soll das denn nach dem Master (der noch nicht da ist), dem Suchen eines geeigneten Doktorvaters, der Themenfindung, der Doktorarbeit und mit 2 Kindern weitergehen? Dann bist du...Anfang 40!? (du willst ja sicher auch etwas Zeit mit den Kindern verbringen etc.)
Wer eine akademische Karriere anstrebt, macht das doch meist sehr gradlinig. Durch die Schulverkürzung, frühere Einschulung, BA/MA etc. haben viele doch mit Anfang 30 schon ihren Dr. Und hangeln sich dann oft von Befristung zu Befristung...

Nix gegen schöne berufliche Pläne. Aber mit Anfang 40 und 2 Kindern bei deutlichem Angebotsüberhang (Bewerber) am Arbeitsmarkt für akademische Stellen...würde ich mir manche Dinge nochmal ganz genau überlegen. Böse gesagt: Da ist der Zug doch quasi schon abgefahren.
 
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Benutzer150539 

Sehr bekannt hier
Die Frage nach dem Fach stellt sich bei mir auch gerade zuerst.

Habt ihr für die Diss ne bestimmte Zeitspanne vorgegeben? Falls nicht, würd ich auch sagen, falls du genug Unterstützung hast, wäre es während der Diss am "Idealsten". Kommt aber natürlich darauf an, ob du 4 Jahre Feldforschung machen möchtest oder nach 2 Jahren mit genug Daten nur noch Schreiben musst (oder sowieso eine reine Literatur-Arbeit machen kannst).

Eine unserer Professorinnen (Medizin) hat uns letztens ihren Weg erzählt, mit dem Fazit, dass es irgendwie nie den passenden Zeitpunkt gibt. Zum Glück gibt es viele Fachrichtungen, die die Promotion von Frauen stark unterstützen und auch "Spät-Promovierte Frauen" bevorzugen.
 
G

Benutzer

Gast
Ich würde auch noch den finanziellen Aspekt ins Spiel bringen: Je nach Fachbereich sieht die Entlohnung auch nicht zu üppig aus.

Andererseits hat die Promotion, vor allem an einer Uni, in der Hinsicht auch Vorteile. Je nach Fachbereich ist man da bezüglich der Zeiteinteilung sehr flexibel und kann teilweise auch viel von zu Hause aus arbeiten. Problematisch könnte maximal der Lehrauftrag sein, wenn man ggf. einen Studenten nicht sauber genug betreuen kann.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Bester Zeitpunkt für ein Kind ist wohl tatsächlich nie. In meiner Gruppe hat es noch keiner gebracht, schwanger zu werden. Nachwuchs gibt es aber unter Alumnis, die ihren PhD hier erhalten haben. Auch in der Nachbargruppe wüsste ich von keinen einzigen Fall, wo eine Frau (oder Mann) das durchgezogen hätte.

Ich bin allerdings mit einem Paar befreundet, dass ein Kind vor dem PhD produziert hat. Bzw. er macht gerade den PhD während sie schon im Berufsleben steht. Die bekommen das erstaunlich gut gemanaged. Möglich ist das also schon. Ob es sich für dich ausgeht hängt wohl näher von den Umständen ab. Professoren werden dir aus naheliegenden Gründen von diesem Vorhaben abraten, also würde ich die nicht unbedingt fragen. Wichtig zu klären ist, inwieweit dein PhD Familienplanung abdeckt. Für mich hat das keine Relevanz, aber so viel ich weiß, ist hier in Holland, wo ich meinen PhD mache, sowas mit inbegriffen. Dementsprechend bekommst du wohl mehr Zeit für das Schreiben der Arbeit und bleibst weiterhin finanziert. Wie sich das in Deutschland gestaltet, weiß ich leider nicht.

Zu klären ist auch, inwieweit sich dein Kerl da für das Kind / die Kinder einsetzen kann.
 

Benutzer85989 

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Auch mir hat sich die Frage gestellt in was für einem Fachbereich du dich befindest.
An meinem geisteswissenschaflichen Institut haben mehrere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen ihr/e Kind/er während der Promotion bekommen und hatten/haben auch einen verständnisvollen Doktorvater gehabt.
Aber es hängt auch davon ab, was dein Partner macht. Arbeitet er vollzeit und verdient auch ein volles Gehalt? Wenn ja, dann ist das immerhin schon mal eine gute Voraussetzung, aber ihr müsst auch im Hinterkopf behalten, wie ihr das mit der Kinderbetreuung vereinbaren wollt. Wenn du etwas länger in Elternzeit bleiben willst, dann zieht das sich entsprechend auch und es zieht sich auch, wenn ihr ein Kind habt um eventuell mehrere Jahre. Wie sieht es in deinem Umfeld aus? Habt ihr deine und seine Familie in der Umgebung, die auch bereit dazu wären einzuspringen, wenn du und dein Mann nicht könnt?
 

Benutzer89563 

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Ich denke, man muß da mehrere Dinge bedenken.

Manche Promotions-Themen sind ein Wettlauf gegen die Zeit sprich, das Ende ist ziemlich festgelegt. Beispielsweise haben Großforschungsprojekte oft einen bestimmten Zeitplan, und können nicht wegen einer Person verschoben werden. Besteht deine Aufgabe darin, etwas dafür zu entwickeln, das eben in drei Jahren fertig sein muß, wird das mit Kind ein Problem. Trotz aller Unterstützung bist du vor und nach der Geburt ne ganze Weile weg vom Fenster.

Anderereits bist du mit deiner Zeiteinteilung oft extrem flexibel, kannst mit gewissen Einschränkungen quasi kommen und gehen, wann du willst. Homeoffice war bei uns ziemlich normal, und Meetings waren meistens Videokonferenzen, da viele von uns auch oft an ganz anderen Orten waren.

Bei uns hatten wir ein promovierendes Pärchen, das mittendrin ein Kind bekam. Sie meinte zwar, daß sie vor und nach der Geburt zu Hause schonmal was lernen und was aufschreiben könnte, aber daraus wurde nichts. Vorher ging's ihr nicht so gut, und nachher schlief sie auch, wenn das Kind schlief. Es gab da also Verzögerungen. Allerdings war grade die Flexibilität beider Elternteile etwas später natürlich sehr Vorteilhaft.

Und wenn das Kind etwas älter ist, haben viele Unis gleich eigene Kitas und Kindergärten, was sicher auch von Vorteil ist.

Und dann ist da eben das Finanzielle. Wenn dein Partner ausreichend Geld nach Hause bringt, ist das alles sicher kein Problem. Bei uns ist es normal, daß ein Promovierender eine halbe Stelle bekommt. Das ist war nicht soo viel, aber man muß bedenken, daß andere Menschen für diesen Lohn 100% arbeiten müssen, und auch Kinder groß ziehen.
Es ist allerdings schon ein Vorteil, wenn Arbeit und Promotion eine Einheit sind. Nicht überall bekommt man eine Stelle, und wenn man neben der Promotion einen völlig unabhängigen anderen Arbeitsplatz hat, kann das ohne Kind bereits stressig sein.
Allerdings solltest du dir auch im Klaren sein, daß die Stellen an der Uni alle befristet sind. Sowas wie Kündigungsschutz schützt vor Kündigung, aber nicht vor Vertragsende, und nicht vor ausbleibender Verlängerung.
 

Benutzer6428 

Doctor How
Wie alles im Leben ist es eine Frage der Planung.
Planung bedeutet, dass man sich ein erreichbares Ziel steckt und dann daran arbeitet, dass es auch erreicht wird.

Wie schon einige andere User angedeutet haben, gibt es mehrere Faktoren, die das Ganze zum scheitern brignen können.
Die Fachrichtung ist ein erster Punkt, der angestrebte Job ein zweiter.
Mit Kind muss ohnehin alles perfekt durchorganisiert sein und es müssen auch jede Menge Notfallpläne existieren, die in Kraft treten, wenn das Kind mal (wieder) krank ist.
Dein Partner muss genügend Geld heim bringen um alles finanzieren zu können, auch dann noch, wenn ihr umziehen müsst, weil die gewünschte Diss nicht in einer Uni in der Nähe angeboten wird und dann nochmal, wenn ihr Deutschlandweit oder sogar international mobil sein müsst, weil es den gewünschten Job ebenfalls nicht in einer Uni in der Nähe gibt.

In deinem Fall ist der Gedanke nichtmal übertrieben, denn in vielen Fachrichtungen sieht das genau so aus. Mit einem Kind ist man aber eben nicht mehr so flexibel. Da hängen anfangs Hebammen mit dran und später Kinderärzte und eine Betreuung (die man mancherorts gleich beim positiven Schwangerschaftstest anmelden sollte, weil sonst keine Plätze mehr da sind (danke, liebe CDU) und noch vieles vieles mehr. Je nach Berufsfeld des Partners, kann der auch nicht immer einfach den Job wechseln und dazu kommt dann jedes Mal noch eine Probezeit, die ebenfalls eine Unsicherheit mit rein bringt.

Ich möchte dich nicht von deinem Vorhaben abbringen, ich möchte dir nur sagen: Was immer du tust, plane es DURCH! Dazu gehört verdammt viel, gerade wenn man es zum funktionieren bringen will. Plane es so, dass du am Ende auch die Arbeit findest, auf die du hin arbeitest, sonst wäre das gesamte Unterfangen nachher für die Füße.

Dass du nicht mit 40 Mutter werden willst, kann ich auf der anderen Seite übrigens auch sehr sehr gut verstehen...
 

Benutzer82687 

Meistens hier zu finden
Ich sehe es bei einem befreundeten Päärchen. Seine Frau hat mitten in der Promotion ihr Kind bekommen und bei denen ist es zwar stressig, aber sie bekommen es sehr gut hin. Da ist auch der Rückhalt der Familie gegeben. Ohne das sähe es sicher ganz anders aus.
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Während die Doktorranten am Lehrstuhl meines Mannes zu 80% in ihrem Büro sitzen und 1-2 mal im Jahr nach Italien zu "Konferenzen" fahren müssen (Skifahren in den Alpen), haben andere Bekannte von mir alle 3 Wochen im Flugzeug gesessen und sind für Gastbeiträge um die halbe Welt gereist und waren quasi nie zu Hause: Kommt also SEHR aufs Fach, den Prof und deine Arbeit als solche an.
 

Benutzer58054  (39)

Sehr bekannt hier
Alle promovierenden Mùtter die ich kenne haben ihre Promotion abgeschlossen oder sind dabei (Juristen, Biologen, Soziologen, Zahnmediziner). Sie arbeiten oft sehr strukturiert und effizient, da die Kita um 17 Uhr schließt und der Mann (Vollzeit-AN) noch nicht zu Hause ist.

Im günstigsten Fall promovierst du und finanzierst dich über ein Stipendium, so musst du nicht noch 20h oder mehr pro Woche arbeiten. Solltest du gerne Lehrerfahrung sammeln, kannst du das oft auch trotzdem machen, hast aber den Druck nicht so.
 
4 Monat(e) später

Benutzer157288 

Sorgt für Gesprächsstoff
Erstmal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten, Meinungen und Erfahrungen! Mittlerweile ist schon wieder etwas Zeit vergangen... Um kurz auf eure Fragen einzugehen: Mein Mann arbeitet Vollzeit im Management und verdient so viel, dass ich theoretisch gar nicht arbeiten gehen müsste. Unsere Eltern leben übrigens ganz in der Nähe, sind nicht mehr berufstätig und wären bereit, uns bezüglich Kinderbetreuung zu unterstützen. Habe inzwischen meinen Master in der Tasche und Aussicht auf eine PhD-Stelle in Form eines Forschungsprojektes mit einer Zeitdauer von drei Jahren (im Fachbereich Geisteswissenschaften) auf 65% Basis. Diese Stelle entspricht genau meinen Vorstellungen. Da auch Reisetätigkeit dazugehört (ein Großteil der Datensammlung findet im Ausland statt), werde ich das Kinderthema vorläufig ruhen lassen. Den perfekten Zeitpunkt dafür wird es sowieso nie geben. Ich werde alles in Ruhe auf mich zukommen lassen.
 
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