Prüfungsangst

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Wer kennt das nicht, bei großen Prüfungen ist Nervosität ziemlich normal. Bei Klausuren ist das bei mir recht locker. Natürlich bin ich vorher nervös, aber sobald ich anfange die Aufgaben durchzuarbeiten ist es mit der Aufregung schon wieder vorbei.
Anders ist es allerdings bei Präsentationen. Ich studiere Architektur und muss daher in beinahe jedem Fach mehrmals im Semester Präsentationen halten und mich überfordert das jedesmal. Es übt immer so einen Druck in mir aus, wenn ich vor 50-60 Leuten präsentieren muss. Alles konzentriert sich nur auf mich und das, was ich sage. Es kam bisher leider schon ein paar Mal vor, dass ich mittendrin eine Blockade hatte und überhaupt nichts mehr wusste, dabei war alles direkt vor meinen Augen. Ich hätte es nur ablesen müssen, aber ich kam mir auf einmal vor wie ein Lebewesen von einem anderen Stern. Wenn ich nur daran denke, wenn bei der Bachelorthesis ALLE Dozenten der Fachrichtung in der ersten Reihe sitzen, mich und meinen Entwurf kritisch beäugen, ich würde am liebsten den Kopf in den Sand stecken und gar nicht mehr rauskommen.
In ein paar Wochen habe ich wieder eine große Entwurfspräsentation und ich scheiße mir deswegen jetzt schon ins Hemd. Ich weiß einfach nicht wie ich diese chronische Nervosität in den Griff kriegen kann, denn ich bin jedesmal gut vorbereitet, gehe die Präsi manchmal 100x durch bis ich's im Schlaf auswendig kann und trotzdem hab ich dauernd wieder einen Durchhänger, furztrockenen Mund, Schweißausbrüche, Zittern am ganzen Körper, Stammeln, blubb. Ich kriege das einfach nicht gebacken.

Gut, ich muss sagen, ich war noch nie der Mensch, der gerne vor einem Publikum steht. Jedoch konnte ich das früher noch ziemlich gut wegstecken. Eine 3,5 stündige Theateraufführung vor einer überfüllten Aula hat mich noch lange nicht so nervös gemacht wie heute vor 50 Leuten. Das ist doch nicht mehr normal?
Wenn ich so darüber nachdenke, meine ich sogar zu wissen, wann das richtig extrem bei mir anfing. Vor etwa 2 Jahren musste ich wieder einmal eine Präsentation halten. Das Fach hatte ich bei zwei Dozenten, die manchmal extrem harsch kritisieren können. Die nehmen sich kein Blatt vor den Mund und haben schon öfters Studenten bloßgestellt. Damals hat es mich ein wenig erwischt und sie haben mich (nur mich, nicht meine Gruppe) ausgepickt ohne Ende, an die Wand geklatscht, ausgefragt und ich wusste es einfach nicht. Am liebsten hätte ich grade angefangen zu heulen, aber das wäre ja die größte Blamage gewesen.
Ich lege dafür nicht meine Hand ins Feuer, aber ich habe schon das Gefühl, dass ich seitdem tierisch Schiss hab, dass sich soetwas nochmal wiederholt. Nur wenn ich dauernd die Blockade kriege fordere ich es ja geradezu hinaus ...

Jetzt die Frage: Wie gehe ich damit um? Entspannungsübungen kurz davor - könnt ihr vergessen. Wenn ich eine halbe Stunde vorher schon bald in Ohnmacht falle kann ich keine Entspannungsübungen machen. Das ist genauso effektiv wie wenn dir jemand sagt "Denke nicht an einen grün-weiß karrierten Elefanten! DENK BLOß NICHT DRAN!" Vielleicht kennt das jemand von sich selber und kann mir trotzdem ein paar knifflige Tipps geben, die mir vielleicht helfen in anspruchsvollen Momenten nicht völlig neben mir zu sein und besser mit dem Druck klarzukommen?
 
I

Benutzer

Gast
Ich kenne diesen Druck vor Präsentationen, geht mir nicht anders. Bei mir geht es sogar so weit, dass ich nach 2-3 Minuten nicht mehr richtig atmen kann, weil ich vor lauter Nervosität "vergesse" auszuatmen. Und irgendwann passt dann halt keine Luft mehr in die Lunge :grin:

Tipps für das "Vorher" kann ich dir auch nicht geben, weil da bei mir auch nichts hilft. Aber IN der Präsentation mache ich an sinnvollen Stellen Pausen und atme ganz bewusst zwei oder drei Mal ganz tief durch. Und ich schaue grundsätzlich entweder an einen Punkt an der Wand, meine Notizen oder ausschließlich eine einzige Person an. Sobald ich anfange, den Blick schweifen zu lassen und merke, dass alle Augen auf mich gerichtet sind, wird alles nur schlimmer. Sieht wahrscheinlich total bescheuert aus, aber wenns hilft...
Und noch etwas: Während ich rede, mache ich mir ganz bewusst, was ich da eigentlich rede. Ich versuche, relativ langsam zu reden, weil ich dabei gleichzeitig auf das momentane Wort achten und mir zusätzlich die nächsten Sätze zurecht legen kann. Irgendwann, nach ein paar Minuten, habe ich das relativ gut drin und die Nervosität legt sich langsam etwas.

Ich hoffe, ich konnte dir wenigstens ein bisschen helfen :zwinker:
 

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Ich kenne diesen Druck vor Präsentationen, geht mir nicht anders. Bei mir geht es sogar so weit, dass ich nach 2-3 Minuten nicht mehr richtig atmen kann, weil ich vor lauter Nervosität "vergesse" auszuatmen. Und irgendwann passt dann halt keine Luft mehr in die Lunge :grin:

Das kenne ich auch, ist allerdings idR mein geringstes Problem. Dann komme ich mir zwar etwas "aufgeblasen" vor (im wörtlichen Sinn :grin: ), aber das ist noch vernachlässigbar. ^^

Und noch etwas: Während ich rede, mache ich mir ganz bewusst, was ich da eigentlich rede. Ich versuche, relativ langsam zu reden, weil ich dabei gleichzeitig auf das momentane Wort achten und mir zusätzlich die nächsten Sätze zurecht legen kann. Irgendwann, nach ein paar Minuten, habe ich das relativ gut drin und die Nervosität legt sich langsam etwas.

Danke! Ich bin leider ein Mensch, der manchmal sehr viel und sehr schnell redet. Dabei kann es passieren, dass ich anfange holprig zu reden, das macht mich noch nervöser und dann verliere ich irgendwann den Faden. Das muss ich mir bei Präsentationen unbedingt abgewöhnen. Selbst wenn ich mir einen Spicker zurecht gemacht habe, komme ich mir wieder so blöd vor, wenn ich vor der versammelten Mannschaft stehe, jeder ist gespannt und wartet und ich suche erst mal, bei welchem Stichpunkt ich bin... schwierig.

Aber es fällt an mir selbst auf, es hängt tatsächlich davon ab bei welchem Dozent ich die Präsentation halte. Wenn ich weiß, der ist anspruchsvoller, der hakt ewig nach und haut gerne mal einen Spruch raus, dann klappt das bei mir weniger als bei einem Prof, der entgegenkommend ist und einen nicht gegen die Wand klatscht.
 
I

Benutzer

Gast
Danke! Ich bin leider ein Mensch, der manchmal sehr viel und sehr schnell redet. Dabei kann es passieren, dass ich anfange holprig zu reden, das macht mich noch nervöser und dann verliere ich irgendwann den Faden. Das muss ich mir bei Präsentationen unbedingt abgewöhnen. Selbst wenn ich mir einen Spicker zurecht gemacht habe, komme ich mir wieder so blöd vor, wenn ich vor der versammelten Mannschaft stehe, jeder ist gespannt und wartet und ich suche erst mal, bei welchem Stichpunkt ich bin... schwierig.

Ich mache das immer so, dass ich meinen Notizzettel so genau und detailliert wie möglich schreibe. Teilweise habe ich da auch fast schon richtige Sätze drauf stehen, weil mich das viel, viel sicherer macht. Und dann schaue ich halt während ich rede ganz genau auf den Stichpunkt, den ich gerade präsentiere. Dann eine kurze Pause zum durchatmen - nächster Stichpunkt. Und alles möglichst langsam vorgetragen, damit ich mir immer bewusst bin, was ich da gerade rede.
Wie gesagt, wenn man das einmal in der Präsentation drin hat, geht das meist auch bis zum Ende gut :zwinker:

Wegen der Professoren würde ich mir vorher gar nicht so große Gedanken machen. Ich hatte in der Schule immer einen total anspruchsvollen Musiklehrer, bei dem wir in einer Präsentation eine Liedanalyse vorstellen mussten. Musik war eh schon nicht wirklich mein Fach, von daher wusste ich meistens nicht einmal so genau, was ich da eigentlich erzählen sollte. Kombiniert mit der angenommenen Erwartungshaltung des Lehrers habe ich mir schon Tage vorher total Gedanken gemacht. Und weißte, was im Endeffekt raus kam? Der Lehrer war total zufrieden, hat keine Fragen gestellt und mir am Ende 'ne 2+ gegeben.
Man kann sich also auch wirklich zu viele Gedanken machen und ich glaube, wenn du vorher schon Angst vor dem Professor hast, kommt es am Ende auch wirklich so, wie du es dir in Horrorvorstellungen ausgemalt hast. Versuch mal, das Thema ganz professorenunabhängig anzugehen, vielleicht hilft das :zwinker:
 

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Ich mache das immer so, dass ich meinen Notizzettel so genau und detailliert wie möglich schreibe. Teilweise habe ich da auch fast schon richtige Sätze drauf stehen, weil mich das viel, viel sicherer macht. Und dann schaue ich halt während ich rede ganz genau auf den Stichpunkt, den ich gerade präsentiere. Dann eine kurze Pause zum durchatmen - nächster Stichpunkt. Und alles möglichst langsam vorgetragen, damit ich mir immer bewusst bin, was ich da gerade rede.
Wie gesagt, wenn man das einmal in der Präsentation drin hat, geht das meist auch bis zum Ende gut :zwinker:

Liest du dann alles immer ab? Das möchte ich eigentlich nicht, denn bei mir war es zumindest so, dass ich dann gar keinen Redefluss mehr hatte und es fällt auf, wenn alles abgelesen wird - und es langweilt vor allem. Mir sind Stichpunkte schon viel lieber, denn wenn ich überlegen muss wie ich die in Sätze umformuliere und sie in meine Präsentation einbinde, dann rede ich automatisch langsamer, was mich widerum sicherer macht.

Man kann sich also auch wirklich zu viele Gedanken machen und ich glaube, wenn du vorher schon Angst vor dem Professor hast, kommt es am Ende auch wirklich so, wie du es dir in Horrorvorstellungen ausgemalt hast. Versuch mal, das Thema ganz professorenunabhängig anzugehen, vielleicht hilft das :zwinker:

Das wird bestimmt nicht leicht, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen. Ich möchte auch versuchen, ob ich das Publikum nicht irgendwie völlig ausblenden kann. Normalerweise gucke ich auch niemanden an, aus denselben Gründen wie du. Das macht mich nur noch nervöser.
 
I

Benutzer

Gast
Also ich formuliere mir da keinen Text. Aber manche Stichpunkte finde ich halt so blöd, dass ich da einen (Halb-)Satz draus mache. Am Ende sind aber von 30 Stichpunkten vielleicht 4 als Halbsatz geschrieben. NUR ablesen finde ich auch blöd, aber man kann auch beim Lesen so tun, als formuliere man gerade erst :tongue:
Aber wenn du die Stichpunkte brauchst, dann belass es ruhig dabei, ich wollte nur mal ein paar meiner Methoden beschreiben :zwinker:

Wie gesagt, versuch mal, dich nur auf eine, höchstens zwei Personen zu konzentrieren, die du außer deinen Notizzetteln noch anguckst. Das sieht zwar tatsächlich nicht besonders schön aus, aber wenn du so entspannter bist, finde ich, rechtfertigt das das Nichtangucken. Ich habe in der Schule bei Vorträgen immer Leute angeguckt, die mir besonders sympthisch waren UND die nicht irgendwie ausgerechnet an dem Tag eine ausgefallene Frisur oder so etwas hatten. Das lenkt dann nämlich wieder ab :grin:
 
S

Benutzer

Gast
Ich finde es gar nicht schlimm, wenn Du während einer Präsentation kurz auf Deine Notizen guckst und dann ruhig weitersprichst. Das wirkt mMn professioneller, als wenn Du hastig alles runterspulst und Dich sichtbar unwohl fühlst. Langsam zu sprechen, ist auch für den Zuhörer von Vorteil, denn im Regelfall sind das alles neue Informationen, die erstmal verarbeitet werden müssen.

Was das mögliche Feedback angeht: Es ist schade, dass Du eine schlechte Erfahrung gemacht hast, aber es war eben nur _eine_, und vielleicht solltest Du Dir das immer wieder ins Gedächtnis rufen. Und am besten überlege Dir schon jetzt Handlungsstrategien, falls es wider Erwarten doch nochmal zu einer solchen Situation kommen sollte. Wie könntest Du reagieren, was genau könntest Du sagen? Wenn Du für den Ernstfall gewappnet bist, lässt Dich das auch gelassener werden.

Und nun mal positiv denken: Du bist doch mittlerweile schon fast ein Profi und Übung macht den Meister :smile:
 

Benutzer109947 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hey, das kenne ich nur zu gut. :zwinker:
Allerdings ist es bei mir genau anders rum: bei Klausuren schiebe ich Panik ohne Ende, bei Präsentationen bin ich eigentlich ganz locker... das mag ich einfach!

Bei Klausuren ist immer dieser "jetzt-alles-oder-nichts"-Druck da. Alle sitzen da und kotzen das Wissen aus, dass sie sich vorher reingepauckt haben. Bei Präsentationen kann man immer noch irgendwie halbwegs improvisieren, falls man einen totalen BlackOut hat... frei nach dem Motto: sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit :grin: Außerdem ist eben diese gewisse Interaktion mit dem Publikum vorhanden. Naja, dass muss einem liegen.

Zum Thema Notizen: Niemand, auch nicht der beste und größte Redner der Welt wird total blank in einen Vortrag gehen. Benutze deine Notizen als "Rettungsanker", wenn du nicht mehr weiter weißt. Solange du nicht alles abliest ist das überhaupt kein Problem. Und wenn man sich mit dem Thema, über das man referieren soll, auskennt, kann man einen Vortrag auch gut aus dem "Stegreif" halten... mehr oder weniger.

Und wegen "versprechen"... jeder macht mal Fehler. Das ist nur menschlich. Auch Professoren, TV-Reporter, Politiker, etc... versprechen sich manchmal. Solange es kein sinnloses rum stammeln ist, macht das gar nichts...

Was ich empfehlen kann ist eine Art Präsentations-Training. Das kannst du auch gut daheim oder mal privat durchführen. Alles was du brauchst ist eine Kamera und ein Thema, dass die gefällt oder bei dem du dich auskennst. Versuch mal, dich während einem Vortrag zu filmen und das Ganze später per Video zu analysieren. Du wirst feststellen, dass du dich selbst als nervöser und unsicherer wahrnimmst, als es nach außen tatsächlich den Anschein hat. Oder Gesprächspausen... die kommen dir selbst viel länger vor, als dem Publikum. Deswegen ist man meistens auch zu schnell bei den Vorträgen :smile: Oder eben Analyse von Gesprächstempo, -lautstärke, Wortwahl, Körpersprache... Das ist wahnsinn, wieviel du dadurch verbessern kannst.

Ich musste sowas während meiner Ausbildung öfters machen und das hat mir sehr geholfen, grade in Bezug auf Präsentationen oder Vorträge an der Uni. Kann ich wirklich nur empfehlen :jaa:

Übung macht den Meister!
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer82517 

Verbringt hier viel Zeit
Ohja, das kenn ich. Bei meinem ersten Referat in der Schule hätte man auf mir Tee kochen können und ich hab vorher überlegt, ob ich mich nicht in den australischen Busch absetzen soll. Mir ist es auch ca. bis ins Hauptstudium noch ziemlich schwer gefallen und ich musste mich immer wahnsinnig überwinden. Imo wirds nur durch Erfolgserlebnisse leichter und umgekehrt. Als ich dann irgendwann gemerkt hab, dass ich eigentlich ganz gut präsentieren konnte, fiels mir auch immer leichter. Ich hab meistens positive Kritik bekommen und irgendwann hat es mir fast Spaß gemacht.
Überleg dir erst mal was deine Stärken sind und bau deine Präsentation darum auf. Bei mir war es die klare Aussprache, wild gestikulieren und Blickkontakt halten konnte ich am Anfang überhaupt nicht. Also hab ich versucht, alles über die Sprache zu lösen, möglichst frei zu halten, an der ein oder andern Stelle mal die Situation mit Humor und Wortwitz aufzulockern und bei dämlichen Fragen so rumzudrucksen, dass es klang, als würde ich Ahnung haben, konnte ich auch immer ganz gut :grin:

Naja und dann halt die ganzen klassischen Tipps. Viele Diagramme/Abbildungen/Darstellungen bzw. markante Folien. Nicht so überladen, dass es ablenkt, aber so dass du die Aufmerksamkeit ein bisschen von dir wegziehen kannst. Ich hab dann meine Folien auch immer auf dem Notebook vor mir und kann mir damit alle Satzanfänge und Inhalte ziemlich leicht merken.
Freier sprechen! Ich hab am Anfang auch versucht meine Referate wie ein Tonband zu halten, aber je mehr man an so einer starren Linie festhängt, desto wahrscheinlicher sind Blackouts, sobald eine Sprosse fehlt. Ich weiß, es fällt am anfang schwer loszulassen, weil man nix mehr hat, woran man sich klammern kann, aber so kann man dann auch on-the-fly Passagen umschieben, wenn du bei einer doch länger erzählt hast als geplant und plötzlich beim übernächsten Stichpunkt bist. Allgemein ist man einfach viel flexibler.
Für den full blackout einfach deinen Zuhörern erklären, wo das Problem ist. Nur dazusthen und den Blackout schön einwirken zu lassen, führt gerne mal in die Angstspirale. Wenn du stattdessen erklärst, dass du eigentlich noch was dazu sagen wolltest, aber es gerade nicht parat hast und später noch mal drauf zurückkommst, fällt es dir a) oft schon direkt wieder ein und b) wirkt es dann fast geplant und vollkommen unspektakulär, vor allen Dingen wenn man noch die Ruhe bewahrt.
Zum langsam sprechen die Folien nie zu lang machen, sodass man kontinuierlich Pausen beim umschalten hat, die dich wieder runterbremsen und natürlich selbst ein bisschen darauf achten, dass man nicht abhebt. Schon in der Vorbereitung immer mit kurzen prägnanten Sätzen statt Thomas-Mann-Halbseitern arbeiten.
Beim Blickkontakt mit wenigen Personen anfangen und, wenn das klappt, Frequenz erhöhen und öfters mal durch die Runde schauen und auf dämliche Proffragen kann man nur versuchen, sich möglichst gut vorzubereiten. Man kann auch versuchen, ihnen Brotkrümel hinzuwerfen. Ich hab einmal in einem Seminar absichtlich drei Punkte offen gelassen, die nicht so wahnsinnig interessant waren, aber wo ich mir dachte, da fragt er garantiert mal nach. Jo, hat er bei allen dreien. Ich hab dann natürlich so getan, als würde ich mir angestrengt ne Antwort aus den Fingern saugen und hab ihn dann an die Wand genagelt.
Das geht natürlich nicht immer, aber wenn man noch nen groben Plan "außenrum" hat, vielleicht sogar ein paar Zusatzfolien, die man dann aus dem Ärmel ziehen kann, kann auch oft auch ne Brücke zu völlig weltfremden Proffragen bauen.
 

Benutzer78178 

Meistens hier zu finden
Ich würde dir empfehlen, weg von den Notizzetteln!
In der Schule hatte ich auch immer meine Notizen (Stickpunkte, für dne roten Faden) dabei, weil ich immense Probleme mit der Nervosität hatte. Ich bin auch jetzt noch megamäßig aufgeregt, aber seit ich meine Notizzetteln zu Hause lasse, und dem roten Faden im Kopf folge, bekomme ich sehr gutes Feedback für meine Präsentationen... Vertrau dir, dass du das kannst! Auch ohne Zettel.
 
A

Benutzer

Gast
kann mir trotzdem ein paar knifflige Tipps geben, die mir vielleicht helfen in anspruchsvollen Momenten nicht völlig neben mir zu sein und besser mit dem Druck klarzukommen?

Einer meiner besten und sympathischten Profs empfahl uns ein Gläschen Wein vor dem Vortrag :smile: Lockert die Zunge und nimmt ein wenig die Hemmungen. :drool: Kann durchaus helfen.

Ist aber wirklich eine schwierige Sache und es kann auch nicht jeder vor vielen Menschen sprechen - und dann noch mit negativen Vorerfahrungen. Vielleicht klammerst Du Dich zu sehr an das Ganze? Du scheinst derart verkrampft zu sein, schon Tage vorher, dass das nie funktionieren kann.

Heutzutage werden sicher alle Vorträge entlang einer ppt-Präsentation gehalten, oder? Dann verwerfe als erstes Mal irgendwelche Stichounkte und hangel Dich an Deinen Folien entlang. Sprich frei und erläutere das, was du auf Deine Folie gezimmert hast. Niemand außer Dir weiß, wenn Du was vergessen hast. Auf Nachfragen kannst Du ja recht einfach reagieren, denn ds Wissen hast du Dir ja angeeignet.

Sei Dir auch bewusst, was Du da machst: niemand wird Dir dn Kopf abhacken oder dich von der Hochschule werfen, nur weil der Vortrag vielleicht suboptimal war. Nein, Du bist dort, um Deine Ergebnisse zu präsentieren, anderen zu erläutern, woran Du arbeitest, was Du herausgefunden hast, was Du weißt und der Rest nicht (mit Ausnahme von ein paar Profs, aber Profs fragen eh immer Dinge ach, die schwer zu beanworten sind^^). Und: Du bist für den Zuhörer nicht wichtig, sondern das, was Du erzählst. Und da musst du Dir einfach sicher sein, dass Du das richtige erzählst und noch ein paar dinge mehr zu erzählen hättest, wenn die Zeit lang genug wäre :smile:

Wenn möglich, beschäftige Dich am vortag/ vorabend nicht mehr mit dem Vortrag. Mache was anderes, geh mit Freunden was trinken, spielen, laufen, was auch immer. Es wird nicht besser, wenn Du nachts noch über was wäre wenn grübelst.

Klingt einfach, das ist mir auch klar. Aber Du brauchst etwas emotionale Distanz zu Deinem Job - und Dein Job ist es in diesem Moment, den Zuhörern den Inhalt zu vermitteln. Nicht mehr, nicht weniger.

Meine besten Vorträge sind übrigens die, die ich auf der Zugfahrt zur Veranstaltung erst vorbereite - da habe ich überhaupt gar keine Zeit, lang drüber nachzudenken. Alternativ bereite ich auch nichts vor, weil ich den vortrag schon mal zig wochen vorher gehalten habe und einfach diesselbe Präsentation nochmal nehme :smile:
 

Benutzer77893 

Meistens hier zu finden
Die besten Präsentationen sind immer Powerpointfolien mit wichtigen Stichpunkte per Projektor und dann komplett frei reden. Kein Zettel bzw. etwas ablesen, das schläfert das Publikum durch die meist monotone Stimmlage ein. Man sollte die Zuhörer auch nicht als "feinde" betrachten, sondern wie Freunde die einem bei etwas interessanten zuhören. Und so sollte man auch den Vortrag gestallten. Man sollte nicht den Anspruch für sich erheben das es perfekt ist, sondern es wie ne Unterhaltung unter Freunden sehen (Ich nehme z.B. meist die menge der Leute gar nicht wahr) . Ich weis nicht ob du verstehst was ich meine...
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Erst mal vielen Dank an euch! Da sind schon viele Tipps dabei, die ich mir beherzigen kann. :smile:

Das Verrückte ist, wenn ich eine Powerpointpräsentation halte - über ein Thema, mit dem ich mich vorher intensiv auseinander gesetzt habe - dann funktioniert das eigentlich immer recht gut. Das, was mir hilft ist, dass ich weiß, dass alle viel eher auf die Folie gucken als auf mich. Und ich kann mich immer ein bisschen hinter dem Laptop verstecken. ^^
Erst letztes Semester habe ich ein wahnsinnig spannendes Thema gehabt und dafür eine Präsentation vorbereitet. Lief wie am Schnürchen und das hat sich auch in der Note geäußert.
Bei Entwurfspräsentationen ist das aber anders. Man arbeitet eher selten mit Folien, sondern hängt Plakate auf und die muss man präsentieren. Der Prüfling steht also immer direkt daneben und deshalb macht mich das so wahnsinnig. Man kann fast sagen, ich fühle mich in diesem Moment völlig nackt. So läuft das auch bei der Bachelorthesis.
Aufgrund der schlechten Erfahrung vermute ich, dass mitunter meine negative Einstellung ihren erheblichen Beitrag dazu leistet. Vorher zerbreche ich mir gerne den Kopf, was alles schief gehen kann und ich male mir die schlimmsten Situationen aus. Grober Fehler, ich weiß. Nur ist das gar nicht so einfach das in den Griff zu kriegen.
Ich merk's ja vor allem, wenn vor mir dutzende Leute präsentieren und ich mir denke "Oh scheiße, dazu kann ich gar nichts sagen. Was mache ich nur?" Je länger ich anderen zuschaue, desto schlimmer wirds. Ich versuche zwar immer, so früh wie möglich an die Reihe zu kommen, nur klappt das auch nicht immer.
Der Trick mit dem bewussten Auslassen ein paar Informationen, mit dem Ziel dass danach gefragt wird, klingt gut.
Meistens wird man nicht weiter ausgefragt, sondern bekommt eine Rückmeldung zum Entwurf. IdR bin ich nach meiner Präsentation auch deutlich gelassener und habe weniger ein Problem auf das einzugehen, was mir die Profs sagen. Klappt idR auch ganz gut.

Ich fasse das mal grob zusammen:
1. vorher ein Glas Wein trinken ( :grin: ), nur zur Beruhigung (ich glaube wirklich, dass da was Wahres dran ist :grin: )
2. langsam Sprechen und Pausen einbinden
3. bewusst Informationen auslassen
4. Publikum entweder ausblenden oder als "Freunde" betrachten, die einem gespannt zuhören
5. Blickkontakte vermeiden (dazu hat mir mal jemand anders gesagt, wenn dann soll ich die Augenbrauen angucken.)
6. zur Sicherheit einen Spickzettel vorbereiten

Meistens präsentiere ich vorher vor Freunden und die geben mir dann auch immer eine Rückmeldung. Das hilft schon, nur ist das bei der "richtigen" Präsentation eben doch immer etwas anderes. Wenn ich selbst übe bin ich immer viel sicherer. Die Idee mit der Videoaufnahme finde ich daher gut, dass ich mich bei einem Vortrag mal selber analysieren kann.
 
S

Benutzer

Gast
Aufgrund der schlechten Erfahrung vermute ich, dass mitunter meine negative Einstellung ihren erheblichen Beitrag dazu leistet. Vorher zerbreche ich mir gerne den Kopf, was alles schief gehen kann und ich male mir die schlimmsten Situationen aus. Grober Fehler, ich weiß. Nur ist das gar nicht so einfach das in den Griff zu kriegen.

Weißt Du, es ist gar nicht so nachteilig, sich Horrorszenarien auszumalen. Nur der Fehler, den die meisten machen ist der, dass sie die Gedanken am schlimmsten Punkt abbrechen lassen. Du stellst Dir vllt. vor, wie Du Deine Präsentation hältst und dass Dein Prof lauter unangenehme Fragen stellt und Du darauf keine Antwort weißt, rot wirst, Schweißausbrüche bekommst usw. Und STOP. Leider wird dann oft abgebrochen. Wie wäre es, wenn Du diese Situation zu Ende denkst, aber mit einem _positiven_ Ausgang? Vorstellung: Ich werde rot und fange an zu stottern. Mögliche Handlung: Ich atme tief durch und mache eine kurze Pause, sammle mich und antworte: "Es tut mir leid, darauf weiß ich momentan keine Antwort, werde dies aber noch recherchieren." Das ist jetzt natürlich nur ein Beispiel, welches Du mit Deinen eigenen Horrorszenarien bzw. möglichen Handlungsalternativen beleben solltest. Und diese Gedankenabläufe kann und sollte man auch trainieren; sich in einen Entspannungszustand bringen und bis zum Ende denken, nicht vorher abbrechen.

So verlieren diese Situationen ihren Schrecken, weil man sich nicht mehr so hilflos fühlt.
 

Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
Also ich kenne das mit der Prüfungsangst ziemlich gut.

Mittlerweile bin ich aber deutlich entspannter. Wieso? Ich arbeite mit positiven, selbsterfüllenden Prophezeihungen. Vor einem Vortrag oder einer Präsentation bringt mir, genau wie Dir, ein "Nicht nervös sein!" gar nichts - damit setzt man sich doch nur selbst unter Druck und ist erst recht nervös.
Daher sage ich mir "Ja, Du bist jetzt nervös (damit aktzeptiere ich den Zustand, macht mich schon mal ruhiger). Aber Du kannst das. Denn Du bist gut vorbereitet, Du weißt, was Du sagen willst und Du hast hier viel Arbeit reingesunken, also Dein Bestes gegeben (scheißegal, was die anderen so sagen und tun). Du wirst ruhig und gelassen präsentieren.
Du wirst ruhig und gelassen präsentieren. Du wirst ruhig und gelassen präsentieren. (Wie ein Mantra)"
Ich bin dann immer noch ein wenig aufgeregt, aber sehr viel weniger.

Im Endeffekt ist es ein Problem des Selbstvertrauens. Du vertraust nicht in Dich selbst und Deine Fähigkeiten, das zu meistern - und bist deswegen nervös, vergleichst Dich zu Deinem eigenen Nachteil mit anderen und machst Dich kirre.
Versuche, umdenken zu lernen. Erkenne an, was die Anderen machen, versuche zu genießen, dass Du da gerade gebündelte Informationen vorgesetzt bekommst, die jemand anderes für Dich zusammengestellt hat. Oder sieh Dir an, was Dich an dem, wie sie es gemacht haben oder wie sie präsentieren, im Positiven inspiriert. Ist es die entspannte Haltung? Dann klau Dir das einfach :zwinker:
Im Idealfall merkst Du aber nur, dass sie hier gerade genau wie Du einen Vortrag halten, der auch nicht wesentlich besser oder schlechter ist als Deiner. Mach Dich selbst nicht so nieder. Du hast doch gut gearbeitet und kannst das auch zeigen. Und wenn ein Prof nachfragt und Du weißt es nicht: Passiert. Im schlimmsten Fall musst Du nur die Prüfung wiederholen (was ziemlich sicher nicht passieren wird, da Du Dich ja gut vorbereitet hast). Und wenn der Prof harsch oder sehr kritisch ist, dann ist er das ja scheinbar nicht nur bei Dir - es liegt also nicht an Dir (wobei ich verstehen kann, dass einem solche Menschen nervös machen. Wem ginge das nicht so. Notfalls denkt man sich "Du bist mir egal, Du Erbsenzähler. Ich bleibe ruhig, denn ich kann das. " :zwinker: ).
Du solltest Dir bewusst machen, dass diese Angst vor Präsentationen nichts mit der realen Präsentationssituation zu tun hat. Du hast da richtig existentielle Ängste, als würde Dein Leben bedroht oder Du gleich gefressen.
Dazu sag Dir immer wieder, dass es schon schiefgehen wird und Dich niemand umbringt. Du packst das :smile:


EDIT: Starlas Idee mit den positiven Bildern bzw Handlungsabläufen find ich auch ziemlich gut. Wenn Du Dir vorstellst, wie Du es schaffst, ist das auch wieder eine positive selbsterfüllende Prophezeihung :zwinker:
Sportler wie zB Turner machen das mit ihren Bewegungsabläufen genauso. Wenn die nicht richtig klappen wollen, spielen sie sie im Kopf durch. Und wenn es zu einer Stelle kommt, bei der es immer wieder hakt, dann spielen sie die so lange durch, bis sie nicht mehr hakt. Wenn sie anschließend an die Geräte gehen, ist der 'Haken' tatsächlich raus. So arbeiten Sportpsychologen, also wird wohl was dran sein :zwinker:
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Benutzer

Gast
Off-Topic:
@unklar

Genau, das ist ein Baustein aus der kognitiven Verhaltenstherapie, hilft z.B. auch Angstpatienten gut :smile:
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Nur ein kleiner Tipp: Bereite dich so gut vor, dass du deutlich mehr weisst, als du deinem Publikum überhaupt erzählen kannst oder willst. Dann musst du wenig Angst vor möglichen Fragen haben.

Ansonsten halte ich Stichwortzettel in der Hand durchaus für sinnvoll. Ich habe das früher auch immer gemacht - und obwohl ich fast nie auf den Zettel schauen musste, haben mir die Zettel doch ein gewisses Sicherheitsgefühl für den Fall eines Blackouts vermittelt und ich musste mir nicht überlegen, was ich mit der Hand machen soll, weil ich schon die Zettel in der Hand hatte.
Inzwischen verzichte ich zwar darauf, aber wenn man Angst vor Vorträgen hat, würde ich das nicht unbedingt empfehlen.
 

Benutzer82517 

Verbringt hier viel Zeit
3. bewusst Informationen auslassen

Nur noch mal hierzu, damit es nicht falsch rüberkam: Nicht wahllos, zu viel und vor allen Dingen keine wichtigen Informationen auslassen, damit deine Präsentation keine inhaltlichen Löcher bekommt, sondern nur ein paar Randnotizen, die den Zuhörer vielleicht doch interessieren könnten und es so wirkt, als würde man sich im anschließenden Diskurs weit über die Grenzen der eigentlichen Präsentation auskennen. Man bekommt dafür recht schnell ein gutes Gespür.

Und vielleicht auch nicht gleich versuchen, alles auf einmal umzusetzen :zwinker:
 

Benutzer77893 

Meistens hier zu finden
Nur noch mal hierzu, damit es nicht falsch rüberkam: Nicht wahllos, zu viel und vor allen Dingen keine wichtigen Informationen auslassen, damit deine Präsentation keine inhaltlichen Löcher bekommt, sondern nur ein paar Randnotizen, die den Zuhörer vielleicht doch interessieren könnten und es so wirkt, als würde man sich im anschließenden Diskurs weit über die Grenzen der eigentlichen Präsentation auskennen. Man bekommt dafür recht schnell ein gutes Gespür.

Und vielleicht auch nicht gleich versuchen, alles auf einmal umzusetzen :zwinker:

Das hört sich auch sinnvoller an als Informationen auslasen. Du willst also sagen bewusst Brotkrumen hinwerfen in der Hoffnung das man später darauf hin angesprochen wird und somit eventuelle Fragen schon vorher abschätzen kann.
 

Benutzer82517 

Verbringt hier viel Zeit
Größtenteils ja. Es geht mir natürlich weniger darum, da einen teuflischen Plan auszuhecken mit dem man seine Zuhörer manipuliert. Man kann das ganze auch im größeren Kontext der Inhaltsgestaltung sehen.
Am Anfang ist man ja immer geneigt, sein Thema möglichst umfassend zu präsentieren, ist ja auch erst mal Sinn der Sache. Informationen wegzulassen, fühlt sich also erst mal falsch an, wie man es aus Klausuren oder was auch immer gewöhnt ist. Deshalb hab ich solche Nebenkriegsschauplätze auch mindestens noch auf irgendeine Folie geknüllt, wenn ich schon keine Zeit mehr hatte, es zu besprechen.
Die aufnehmbare Informationsmenge deiner Zuhörer ist aber sowieso begrenzt, eine gute Präsentation definiert sich also immer auch über die Inhalte, die man weglässt bzw. die gesamte Priorisierung. Es geht also nicht unbedingt darum, perfide alle möglichen Fragen schon vorauszusagen, sondern die Präsentation so zu strukturieren, dass man einen leicht verdaulichen Schwerpunkt hat, der bei allen hängen bleibt, und gleichzeitig nicht schon sein ganzes Pulver zu verschießen, um noch Spielraum für solche Fragen zu haben. Dass man so manchmal ganz gut abschätzen kann, welche Fragen kommen, ist dann eher ein Nebeneffekt.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren