Pat-Situation: Studium, Hobbies und Liebesleben

L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #1
Hallo zusammen, in letzter Zeit habe ich eine große Unzufriedenheit hinsichtlich meines (nicht wirklich vorhandenem) Liebeslebens festgestellt, zu der ich bereits zwei Threads eröffnet hatte, die mir jeweils noch einmal andere Sichtweisen eingebracht haben. Seitdem bin ich noch mehr am reflektieren und glaube, dass das Problem meine Lebensbedingungen generell sind, ich da aber gerade auch wenig Raum zur Veränderung sehe:
Ich studiere ein zeitintensives und anspruchsvolles Fach, gleichzeitig habe ich das Privileg, ein wirklich gutes Stipendium zu haben, was ich halten möchte und dadurch von mir selbst hohe Leistungen und Regelstudienzeit von mir abverlange. Dadurch versuche ich, viel Zeit in mein Studium zu stecken, merke aber, dass das gerade nicht ausreicht, um sehr gute Leistungen zu erbringen.
Viel Zeit geht nämlich für meine Ehrenämter im Begabtenförderungswerk und in der Jugendarbeit drauf. Beides führe ich sehr gerne aus, gerade in der Jugendarbeit möchte ich in meinen "besten Jahren" jetzt nicht kürzer treten, da ich sonst einfach viel verpassen würde, was ich später nicht nachholen kann. Das hat für mich absolute Priorität.
In der Konsequenz habe ich extrem wenig Zeit, um Freunde abseits von Studium und Ehrenamt zu treffen, bin eher selten auf Partys oder feiern, was das Kennenlernen von potentiellen Partnerinnen erschwert. Hinzu kommt, dass mein Glaubensansatz beim Dating durch vorangegangene Erfahrungen sehr negativ eingestellt ist, weswegen ich es nicht einsehe, dort mehr Zeit reinzuinvestieren, wenn die Chancen sowieso schlecht stehen. Gleichzeitig merke ich aber, wie sehr mir Bindung und Nähe fehlt und es mir immer schwieriger fällt, beides auch nur freundschaftlich zuzulassen, weswegen ich Angst habe, dass es sich verschlimmert, wenn ich meinen Lebensstil weiter so fortsetze.
Zusammengefasst: Ich bräuchte mehr freie Zeit, um Bindungen aufzubauen und zu lernen, dieses zuzulassen. Diese habe ich aber nicht, da ich so entweder mein Stipendium riskieren würde, da meine Leistung im Studium abfällt oder aber ich müsste im Ehrenamt kürzer treten, was ich erstens nicht möchte und zweitens meine sozialen Kontakte noch mehr schmälern würde.
Was also jetzt tun? Ich merke, dass es mir unter den aktuellen Umständen nicht gut geht. Gleichzeitig würde es mir bei einer Änderung wahrscheinlich auch schlechter gehen, da ich Dinge, die mir wichtig sind, aufgeben müsste. Ich fühle mich da gerade stark in einer Pat-Situation, aus der ich keinen direkten Ausweg sehe. Was würdet ihr machen?
 
SchafForPeace
Benutzer12529  Echt Schaf
  • #2
Gleichzeitig würde es mir bei einer Änderung wahrscheinlich auch schlechter gehen, da ich Dinge, die mir wichtig sind, aufgeben müsste.
Gibt es wirklich nur die Option, etwas komplett zu canceln, oder könntest du auch einfach den Zeitaufwand reduzieren?
Wieviel Zeit bringst du für das Ehrenamt auf?
 
Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #3
Was würdet ihr machen?
Priorisieren...

Du machst für mein Empfinden zu viele Baustellen gleichzeitig auf - das ist natürlich nicht realistisch. Denn deine Ressourcen sind nun einmal begrenzt.


Diese habe ich aber nicht, da ich so entweder mein Stipendium riskieren würde, da meine Leistung im Studium abfällt
Diesen Zusammenhang, den du hier aufmachst, verstehe ich nicht ganz. Leistung hat doch nur bedingt mit der investierten Zeit zu tun. Ich meine, knallst du dir den Stoff einfach trocken in den Kopf?
Wie lernst du ?

Ich selbst bin ein globaler / holistischer Lerntyp mit einer starken Fähigkeit zum Pattern Recognition (Mustererkennung).

Ich musste also immer das große Ganze sehen und mir dann Zusammenhänge autodidaktisch erschließen. Das Prinzip dahinter hat mich im ersten Zug mehr interessiert als die Details.

Das ist eine Top Down Strategie - vom Großen ins Kleine und nicht umgekehrt.

Harvard hat zur Gedächtnisforschung und Lernpsychologie einige interessante Paper publiziert. Vielleicht machst du dich damit vertraut und wirst effizienter beim Lernen, so dass mehr freie Zeit für andere Dinge übrig hast.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #4
Ich finde, Leistung hat sehr wohl was mit investierter Zeit zu tun. Wenn ich mich aus Zeitmangel mit Übungsblättern bis zur nächsten Abgabe kaum auseinandersetzen kann und nur in Büchern rumstochere, bis ich irgendwo die richtige Lösung finde, sie aber kaum verstehe, dann lerne ich kaum. Mit mehr Zeit könnte ich mich mehr mit den Inhalten auseinandersetzen und müsste nicht nur von Deadline zu Deadline denken.

Klar, Priorisieren ist da das richtige Wort, aber wie? Ehrenamt möchte ich nicht ruhen lassen, da mir das einfach viel zu wichtig ist. Das Stipendium möchte ich nicht verlieren, ergo muss ich mehr Zeit in das Studium stecken. Egal, bei welchem der beiden Punkte ich also Zeit einsparen würde, ich würde deutlich unglücklicher werden.
 
Metallfuß
Benutzer177659  (42) Sehr bekannt hier
  • #5
Psychosoziale Beratung der Uni in Anspruch nehmen und mit deren Hilfe priorisieren wäre noch eine Möglichkeit, wenn du alleine festhängst.
 
SchafForPeace
Benutzer12529  Echt Schaf
  • #6
Ehrenamt möchte ich nicht ruhen lassen, da mir das einfach viel zu wichtig ist.
Wie zeitaufwendig ist das denn pro Woche? Du musst ja nicht komplett ruhen lassen, sondern könntest ja vielleicht auch erstmal Stunden reduzieren. Oder ist das, unabhängig vom persönlichen Empfinden, nicht umsetzbar?
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #7
Psychosoziale Beratung der Uni in Anspruch nehmen und mit deren Hilfe priorisieren wäre noch eine Möglichkeit, wenn du alleine festhängst.
Es ist halt glaube ich hauptsächlich, dass ich schlecht Nein sagen kann zu Aufgaben, die sonst von keinem übernommen werden
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #8
Wie zeitaufwendig ist das denn pro Woche? Du musst ja nicht komplett ruhen lassen, sondern könntest ja vielleicht auch erstmal Stunden reduzieren. Oder ist das, unabhängig vom persönlichen Empfinden, nicht umsetzbar?
Es sind eigentlich immer projektbezogene Arbeiten, keine festen Stunden pro Woche. Wenn ich dann in Projekt X drin bin, habe ich auch den Anspruch an mich, das durchzuziehen und das Team nicht hängen zu lassen. Der zeitliche Aufwand variiert, aber dadurch gibt das immer einen hohen mental load, weil es eben immer im Hinterkopf ist
 
SchafForPeace
Benutzer12529  Echt Schaf
  • #9
Wenn ein Team so ist, dass man es nicht "im Stich lassen" mag, besteht es vermutlich aus Leuten, die es verstehen können und auch ausgleichen können, wenn jemand nicht jedes Projekt mitmacht oder ab und zu weniger intensiv mitarbeiten kann, als es sonst der Fall ist :smile: Die Leute wollen dann doch auch, dass es jedem so gut wie möglich geht aus dem Team. Und wenn dazu gehört, dass sich eine Person ab und zurück nimmt, um mehr Zeit für eine möglichst gute Ausbildung für dessen berufliche Zukunft zu haben, ist das sicherlich total in Ordnung. Und es ist auch fürs Team besser, als wenn du plötzlich komplett aussteigen müsstest, falls es wegen des Studiums auf einmal gar nicht mehr klappt mit dem Ehrenamt

weil es eben immer im Hinterkopf ist
Ein Grund mehr, nicht mehr jedes Projekt mitzumachen, so lange du studierst :smile:
Ich finde es gut, dass du so engagiert bist, aber es ist auch wichtig, dass du dich nicht vergisst
 
U
Benutzer183259  (54) Verbringt hier viel Zeit
  • #10
Was würdet ihr machen?
Mich als erstes fragen, ob es beim Studium sehr gute Leistung sein müssen, wenn gute ausreichen.
Kannst du das Lernen noch irgendwie optimieren?

Wieviel schläfst Du?
Wie pingelig bist du im Haushalt?
 
dark horse
Benutzer188767  Meistens hier zu finden
  • #11
Da der Tag aber nur 24 Stunden hat, und du die Dinge priorisiert die du jetzt betreibst, bleibt nur noch die Akzeptanz, oder eine Veränderung wenn der Leidensdruck steigt, oder Prioritäten sich ändern…
Ich an deiner Stelle würde das Ehrenamt kürzen. Aber das willst du nicht ändern. Dir bleiben noch Ferien, oder die Zeit nach dem Studium. Ich sehe diesen Post als auskotz Thread. Und der ist vollkommen legitim. Es wäre schön, wenn der Tag mehr Stunden hätte:knuddel:
 
O
Benutzer207972  (35) Verbringt hier viel Zeit
  • #12
Es ist halt glaube ich hauptsächlich, dass ich schlecht Nein sagen kann zu Aufgaben, die sonst von keinem übernommen werden
Das wäre ja mal ein Punkt, an dem man ansetzen kann. Nein sagen kann man üben. Besonders, wenn man sich außerdem klar macht, wieso man ständig ja sagt, obwohl es einem eigentlich nicht gut tut.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #13
Ein Grund mehr, nicht mehr jedes Projekt mitzumachen, so lange du studierst
Interessant, ich sehe es gerade eher umgekehrt: solange ich studiere habe ich den Freiraum, mir meine Zeit selbst einzuteilen. Wenn ich zwei Wochen am Stück für ein Ehrenamt unterwegs bin, geht das. Später im Berufsleben ist das schwieriger. Bei vielen Entscheidungen, ob ich zu etwas ja sage, denke ich mir oft "Wann, wenn nicht jetzt?". Ich möchte einfach nicht bereuen, etwas nicht getan zu haben, denn wer sagt mir, dass die gleiche Chance wieder kommt?
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #14
Wieviel schläfst Du?
Wie pingelig bist du im Haushalt?
Ich versuche 7 bis 7,5 h Schlaf pro Tag zu schaffen. Im Semester, wenn Abgabe an Abgabe ist, sind es manchmal weniger, aber an sich achte ich da mittlerweile schon drauf, weil ich auch da schon lernen musste, was einfach zu wenig ist.

Als pingelig würde ich mich im Haushalt nicht betiteln, aber als ordentlich und gründlich. In meiner WG bin ich der, der am meisten hinter dem Putzplan hinterher ist (wobei die anderen auch nicht wesentlich unordentlicher sind als ich), hauptsächlich aber auch, weil ich die To-Do in der Woche halt durch haben und meine Absprachen einhalten möchte.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #15
Ich an deiner Stelle würde das Ehrenamt kürzen.
Ehrenamt bedeutet in meinem Fall auch extrem viele soziale Kontakte, die mir sonst einfach komplett fehlen würde. Ich liebe das Team, in dem ich da arbeite und fühle mich nirgendwo sonst mehr wertgeschätzt als da. Ohne diese sozialen Kontakte würde ich mich deutlich einsamer fühlen.
 
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LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #20
Du verknüpfst Freundschaft und Beziehung sehr an gebraucht werden. Erinnert mich an die Beerdigung meines Schwiegervaters, wo es hieß "für viele wird er als nützlicher und praktischer, handwerklich begabter Freund in Erinnerung bleiben". Liebe und Freundschaft sollte nie an deine Nützlichkeit geknüpft sein. Natürlich ist es schön, wenn man anderen helfen kann, auch meine "Love language" ist "Act of Service", aber - und das ist ganz wichtig - dies sollte NIE die Grundlage der Beziehung (egal ob platonisch oder romantisch) sein. (Der Redner auf der Beerdigung hat genau das auch näher beleuchtet.)
Freundschaften halten es aus, wenn man sagt, dass man Mal nicht kann. Dass man Mal Pause braucht. Lade die Leute aus deinem Ehrenamt doch Mal zu dir ein, Esst eine Pizza oder trinkt ein Bier, schaut ein Fußballspiel zusammen, was auch immer, damit aus dieser nützlichen Beziehung eine echte Freundschaft wachsen kann.
Und genau das kannst du auch mit Uni-Leuten machen. Freundschaften erwachsen nicht im Tutorium oder in der Übung, sondern darin, dass man sich außerhalb des Unikosmos trifft.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #21
Das Problem ist, das sowas bei mir extrem viel Zeit braucht, da ich Probleme habe, solche "nicht-Tätigkeitsgebundenen" Bindungen (auch platonisch) einzugehen. Ich sehe all die Leute durchaus auch Mal außerhalb des jeweiligen Kontexts zu Geburtstagen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten, es fällt mir aber extrem schwer, sowas zu initiieren. Solange eine gemeinsame Tätigkeit im Vordergrund steht, gibt mir das die Sicherheit, dass mich die anderen nicht direkt fallen lassen, weil sie Mal kein Bock auf mich haben. Bei "freien" Treffen und Verabredungen fehlt mir diese Sicherheit. Ich bin gerade ganz langsam dabei, mich an Freundschaften zu gewöhnen, die gut halten, ohne eine gemeinsame Tätigkeit zu haben, aber das braucht eben Unmengen an Zeit und bringt mir vielleicht in ein paar Jahren was, aber nicht jetzt.
 
Crazyküken
Benutzer182891  (35) Öfter im Forum
  • #25
Aber ist ja gut, dass es dir bewusst ist. Der Leidensdruck muss halt groß genug sein. Mit 21 muss man sich ja nicht stressen lassen, auch wenn die Gesellschaft das anders sieht. Du machst schon deinen Weg.
 
S
Benutzer190912  (50) Verbringt hier viel Zeit
  • #30
Ich muss bei dem Thread an unseren Nutzer Elavio denken.......
Bei mir entsteht der Eindruck dass Du vor Dir selbst davonläufst, Deine Zeit so verplanst dass Du Dich nicht mit Dir selbst beschäftigen musst. Wie war das denn in der Schulzeit, warst Du da auch so engagiert mit vielen Dingen?
Ich glaube, Du musst Dich selbst finden, Dich mit Deinen Schwächen und Ängsten auseinandersetzen und sie im ersten Schritt akzeptieren. Es klingt abgedroschen, aber Du musst Dich selbst lieben können und Dich selbst kennen bevor Du Dich auf eine Beziehung mit einem anderen Menschen einlassen kannst. Damit meine ich weder Deine Noten oder Dein Stipendium oder Dein ehrenamtliches Engagement, das sind Äußerlichkeiten sondern in Dir drin, Deine Persönlichkeit.
Aktuell bist Du im Hamsterrad, das kannst Du so weiterlaufen lassen. Vielleicht ergibt sich ja sogar ein Zufallstreffer.
Raus aus der Komfortzone wäre, das Ehrenamt entweder zu beenden oder deutlich zurückzufahren und zu Dir selbst zu kommen.
Wie notwendig eine Therapie wäre ist schwer zu beurteilen da kaum etwas über Deinen "emotionalen Lebenslauf" bekannt ist
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #39
Außerdem - es kann ja auch sein, dass du so eine Person triffst und dich verliebst, wenn du nicht danach suchst. Wenn du sie kennengelernt hast setzt dein Verstand eventuell eh aus.
Alles schon passiert, bis es dann eben zu Nähe kam - da gab es dann im Kopf ne radikale Wende, die ich mir nicht erklären kann. Genau das steht mir ja im Weg, weil sie dann oh Wunder keine Lust mehr auf mich hatte, wenn ich auf einmal so verklemmt und unentspannt bin.
Das führt dann dazu, dass ich mich einfach noch weniger mag, wenn ich es selbst in solchen Situationen nicht hinbekomme, mich auf eine Person einzulassen, obwohl die ausgestreckte Hand nur annehmen müsste
 
Crazyküken
Benutzer182891  (35) Öfter im Forum
  • #40
Was meinst du mit unentspannt? Wie hast du dich dann genau verhalten, als sie dir näher kam. Beschreib gerne mal. Und ja ich kann das nachvollziehen, dass du da mit Kritik an die Sache rangegangen bist dir selbst gegenüber. Vielleicht kannst du versuchen da milde mit dir umzugehen, da es ja wirklich die ersten Annäherungen deines Lebens waren. Ist meiner Meinung nach verständlich, dass da die Stimme zittert, die Hand schweißnass wird und die Füße aus Pudding sind. Ich denke, da geht es vielen ähnlich wie dir.

Und wie ist es in anderen sozialen Situationen mit Frauen?
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #41
Vielleicht kannst du versuchen da milde mit dir umzugehen, da es ja wirklich die ersten Annäherungen deines Lebens waren.
Das stimmt nicht, es gab schon mehrere, die aber nicht so weit gingen wie die letzte. Alle endeten aber immer gleich.
Wie hast du dich dann genau verhalten, als sie dir näher kam. Beschreib gerne mal.
Mit Annäherung meine emotionale, nicht körperliche, denn letztere ist kein Problem. Also, hier einmal die letzten Ereignisse:
Wir kannten uns schon vorher etwas, aber nicht so sehr. Ne gewisse Spannung war aber irgendwie in der Luft. Wir trafen uns dann mehr oder weniger zufällig beim Feiern, kamen uns ziemlich schnell näher und haben dann rumgeknutscht. Soweit, so schön, nichts hat sich komisch angefühlt, ich hab mich entspannt verhalten.
Dann fragt sie, ob wir Gras über die Sache wachsen lassen wollen oder nicht: Und damit hat sich bei mir dann alles gedreht, weil das eben eine längerfristige Sache impliziert.
Wir hatten dann genau ein Date, bei dem ich nicht wusste, was ich sagen, tun oder worüber wir reden sollen. Es war dann auch das letzte.
Also: Obwohl ich sie anziehend und attraktiv finde, hat sich in dem Moment, als sie vorschlägt, mehr draus werden zu lassen, sich alles in mir gedreht und ich konnte mich nicht drauf einlassen.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #46
Vor Aufregung, oder weil du gemerkt hast, dass es doch nicht so dolle passt mit ihr?
Hm, ich würde eher sagen Innere Blockade. Wie gesagt, ich habe mich selbst nicht mehr verstanden, also ich plötzlich mächtig Überwindung brauchte, auf eine indirekt Frage nach einem Date von einer Frau, die ich sympathisch und attraktiv finde, einzugehen. Das hat sich auch auf dem Date fortgesetzt: für jede Bewegung habe ich sehr viel Überlegung und Überwindung gebraucht, auch wenn ich überhaupt nicht weiß, wieso. Beim "nur Rumknutschen" vorher beim Feiern war das alles überhaupt kein Problem. Klar, das war ein bisschen neu und vielleicht ungewohnt, hat mich aber so gut wie keine Überwindung gekostet und ich habe mich auch nicht unsicher gefühlt. Diese extreme Wende in wirklich Sekunden bei ein und der selben Person verstehe ich einfach nicht.
Auch, wenn ich sie jetzt ab und an zufällig wieder treffe, grüßen wir uns, reden nett miteinander, aber eben nix Tiefgründiges. (Bis auf dass ich die ganze Zeit "Was wäre wenn es anders gelaufen wäre"-Gedanken haben und mich jede Begegnung mit ihr im Nachgang deswegen echt ein bisschen belastet, aber in der Situation an sich ist alles entspannt).
 
S
Benutzer152906  (47) Beiträge füllen Bücher
  • #54
Aber was soll ich ihr denn erzählen?

Das ist Deine Entscheidung. Aber z.B. ihr erklären, das Du total von ihr hingerissen warst und das sich das von einem Moment auf den anderen geändert hat. Dass das eventuell auf eine Bindungsangst zurückzuführen ist, Du sie aber immer noch toll findest. Und am Besten wäre natürlich ein ernst gemeintes "an dieser Angst arbeite ich gerade". Nur zumindest DAS sehe ich kein bißchen.

Wenn sie für sich entschieden hat, dass es nicht passt, dann ist das doch ihr gutes Recht? Was soll ich da jetzt wieder angekrochen kommen und das nicht respektieren?

Wenn in einer 5jährigen Beziehung eine Seite sagt: "ich will mich trennen weil ...." findest Du es auf jeden Fall respektlos, wenn man sagt: "o.k. verstehe .... ich würde mich gerne ändern ... gibst Du mir bitte noch eine Chance?"


Du bist Dir darüber im Klaren, das Du Dir Deine Zeit vermutlich wegen einer Bindungsangst total vollknallen lässt. Das ist in 2facher Hinsicht nicht "ideal". Du hast damit keine Zeit, Dich mit der Angst auseinander zu setzen und daran zu arbeiten .... UND Du zeigst den Menschen in Deiner Umgebung, dass sie Dir einfach alles aufdrücken können. Sie brauchen sich auch nicht groß darum Sorgen zu machen, ob das nicht ein bißchen viel ist ... Du sagst ja immer "ja".

Das die Frauen denen Du begenest dann nicht "reihenweise auf Dich abfahren" wundert mich dann ehrlich gesagt überhaupt nicht.

Du befindest Dich in einem sehr ungesunden Kreislauf ... Du lässt Dir Deinen Tag vollknallen, hast dann keine Zeit für zwischenmenschliches, jammerst aber gleichzeitig rum, dass das zwischenmenschliche nicht klappt. Und daran arbeiten willst Du auch nicht ... u.a. weil Du die seltsame Denke hast, das weniger Ehrenamt gleichzusetzen wäre mit "die im Stich lassen".

Wenn sich ein Nagel in den Reifen gebohrt hat, dann kann man weiterfahren .... auch dann, wenn der Reifen langsam immer weniger Luft hat. Man kann sagen "ich kann den Reifen nicht selbst reparieren" und "ich habe keine Zeit ihn zur Reparatur zu bringen" ... und "ich habe zwar das Geld dafür, aber ich will es nicht dafür ausgeben, das mir jemand den Reifen repariert, denn das ist eigentlich ein Klacks und das kann ja jeder Idiot".

In dieser Geschichte gibt es jede Menge Stellschrauben ... wenn man aber immer nur die Ausrede vorschiebt, wieso man nicht handelt, dann ändert sich eben auch nichts. Und es ist eigentlich (wie in Deiner Situation) völlig klar, dass der Reifen irgendwann so kaputt sein wird, das es nicht mehr weitergeht. Du kannst also übertragen auf Deine Situation jetzt immer weiter machen ... bis Du so unglücklich bist und Du zusammenbrichst. Oder Du sagst Dir sehr viel früher (und wo es noch einfach ist, das zu reparieren): so geht es nicht weiter ... ich muss was ändern ... daher mache ich jetzt XYZ.

Und das Schöne ist eben, das Du nicht zunächst Jahre investieren musst, um überhaupt einen Ansatzpunkt zu finden. Sondern das liegt alles klar vor Dir. Nur die fixe Idee (siehe auch weiter unten): das lässt sich eh nicht ändern, also warum soll ich es überhaupt versuchen? hält Dich bislang noch davon ab.

Naja, wenn ich mein Ehrenamt aufgeben würde, würde ich schon deutlich mehr Zuhause sitzen

Warum gibt es in Deinem Denken eigentlich nur 0 oder 100?

um mich mit einer Bindungsangst zu befassen, die ich eh nicht wegbekommen werde.

Und wieso denkst Du das? Ängste lassen sich besiegen ... wenn man es aber gar nicht erst versucht, dann natürlich nicht.
 
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L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #61
Ja ... Und? Das Date lief nicht so wie erwartet (für Euch beide vermute ich mal). Von daher ändert diese Information (für mich jedenfalls) nichts daran, das Du ihr das erklären und um eine zweite Chance ersuchen könntest.
Naja, wenn sie Interesse hätte, würde sie dies ja weiter irgendwie signalisieren. Wenn ich bei ihr jetzt wieder ankomme würde ich mich wie jemand fühlen, der kein Nein akzeptiert.

was hat dieser Typ eigentlich auf der Uni verloren
Obviously studiere ich nicht Psychologie, denn darin bin ich einfach nicht so gut. Uni heißt ja nicht allwissend, oder werfe ich jedem, der nicht in der Lage ist, sich die spezielle Relativitätstheorie durch das Internet selbst beizubringen vor, an der Uni nichts verlorenen zu haben? Das ist nämlich für mich total easy, für viele andere aber nicht und da habe ich tatsächlich auch Verständnis für. Wenn dir meine Fragen zu unterkomplex sind, musst du ja nicht antworten, aber ich muss mir nicht vorwerfen lassen, warum ich in einem Forum denn überhaupt Fragen stelle.
Ich habe probiert, zu googlen, was mich aber eben auf besagte vagen Aussagen brachte. Das einzig konkrete war, sich regelmäßig aufzuschreiben, was man gerade im Leben gut oder schlecht findet, was ich auch seit über zwei Jahren tue. Geholfen hat es aber eben noch nicht.
Sie hat daran gearbeitet
Ja aber was heißt dieses "daran arbeiten" konkret? Wenn ich ein an meiner Laufkondition arbeiten möchte, dann gehe ich laufen. Wenn ich an meinen Kenntnissen in einem bestimmten Fachbereich arbeiten möchte, dann lese ich dazu ein Buch. Aber wie arbeite ich bitte an einer Angst und dann noch an einer, die nicht durchgehend, sondern nur in bestimmten besonderen Situationen auftritt?
 
S
Benutzer229587  (58) Ist noch neu hier
  • #62
Ja aber was hilft es mir dann, mich damit auseinander zu setzen? Das ich irgendwie ne Bindungsangst habe, das weiß ich. Aber was bringt mir das jetzt?
Hängt davon ab, was du in deinem Leben vermisst. Du kannst die Angst auch einfach akzeptieren und weitermachen wie bisher. Die Konsequenz wäre möglicherweise ein Verzicht auf wirkliche Beziehungen. Aber zum Glück gibt es ja Professionelle, die Girlfriend Sex anbieten :zwinker:
Weil es in einem vorherigen Post hieß, dass man sie nur erkennen und damit umgehen, sie aber nicht komplett weg bekommen würde
Tja, wir Menschen funktionieren eben nicht digital mit Nullen und Einsen, und was wir täglich an "perfekter" Selbstinszenierung in den Sozialen Medien vorgespiegelt bekommen, solltest du nicht glauben oder gar imitieren. Aber vielleicht bist du für die Erkenntnis auch einfach noch zu jung.

Ich zitiere hier mal einfach einen gewissen W. Ambros:
Der Weg zu dir selber hört nie auf,
hinter dir geht's abwärts
und vor dir steil bergauf."


Ich denke, damit bin ich dann auch raus hier. Deine Reaktionen wirken auf mich nicht wie die eines selbstreflektierten Menschen, der echte Lösungen für seine Probleme sucht. Es ist immer leicht, zu jammern. Sich zu ändern, erfordert deutlich mehr Mut. Und manchmal auch Schmerz.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #63
äre vll nicht eine Tätigkeit im Studigremium etwas für dich, als Alternative zu deinem sonstigem Ehrenamt?
Man kommt als Studierendenvertreter mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt, gerade weil man der "Mittler" zwischen Dozenten und Studis ist. Frauen gibt es da zuhauf und wenn man ne coole Gruppe hat, entstehen auch nicht selten Freundschaften, welche dann wiederum neue Bekanntschaften mit anderen ermöglichen.
Das habe ich tatsächlich schon probiert, macht mir aber nicht so viel Spaß wie mein anderes Ehrenamt. Ich würde sagen, dass ich bei meinem aktuell ausgeübten Ehrenamt wirklich ein Maximum an Personen habe, die ich (auch gut) kennenlerne, auch ist der Frauenanteil hoch (wobei ich natürlich nicht das Ehrenamt ausübe, um mich da durch die Reihen zu flirten wie manch andere bei uns).
An der Art des Ehrenamts liegt es glaube ich nicht.
 
S
Benutzer229587  (58) Ist noch neu hier
  • #64
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #65
Hängt davon ab, was du in deinem Leben vermisst. Du kannst die Angst auch einfach akzeptieren und weitermachen wie bisher. Die Konsequenz wäre möglicherweise ein Verzicht auf wirkliche Beziehungen. Aber zum Glück gibt es ja Professionelle, die Girlfriend Sex anbieten
Dass das keine Lösung ist, ist uns glaube ich allen klar.
Deine Reaktionen wirken auf mich nicht wie die eines selbstreflektierten Menschen, der echte Lösungen für seine Probleme sucht. Es ist immer leicht, zu jammern. Sich zu ändern, erfordert deutlich mehr Mut. Und manchmal auch Schmerz.
Auch wenn es nicht so scheint, ich versuche mich wirklich auf eure Lösungsstrategien einzulassen, aber gerade verstehe ich sie einfach nicht. Die einzige konkrete Maßnahme, die ich bis jetzt rausgelesen habe, ist mir professionelle Hilfe zu suchen. Aber was würden die dann machen?
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #66
Auch dazu kann man massenweise Bücher oder Online-Ratgeber finden, die man dann liest
Habe ich getan. Richtige Ängste habe ich bei mir auch schon erfolgreich mit Konfrontation bekämpft, aber für mich ist die Bindungsangst einfach gerade so ungreifbar und unlogisch, dass mir Lösungsstrategien noch ferner erscheinen.
 
Mirella
Benutzer136760  Beiträge füllen Bücher
  • #67
für mich ist die Bindungsangst einfach gerade so ungreifbar und unlogisch, dass mir Lösungsstrategien noch ferner erscheinen.
Es gibt Menschen, die sich das eigene Leben so voll mit Aktivitäten packen, dass kein Platz bleibt für Freizeit und damit auch echte Bindung.
Wenn du dich für andere immer nur dadurch interessant machst, dass du etwas leistest, lässt du keinen Raum für "zweckfreie" Bindung.
Und da würde ich ansetzen: Bindung ohne "Nützlichmachen" etablieren.

(Ich gehe auch stark davon aus, dass das bei dir ein erlerntes Programm ist, frei nach dem Motto, "ohne Leistung bin ich nichts wert" . )
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #68
Und da würde ich ansetzen: Bindung ohne "Nützlichmachen" etablieren.
Ok, das ist wirklich nochmal ein Ansatz. Ich versuche das auch schon, was aber wegen Zeit eben manchmal kritisch ist (sowohl bei mir als auch bei der jeweils anderen Person). Viele haben halt schon ihre Bindungen.
(Ich gehe auch stark davon aus, dass das bei dir ein erlerntes Programm ist, frei nach dem Motto, "ohne Leistung bin ich nichts wert" . )
Ja, das denke ich auch. Deswegen würde ich es ja so gerne los werden.
 
Fantasy.
Benutzer172046  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #69
Ich denke, bei dir ist gerade noch einiges unstrukturiert, das sich aber eigentlich ganz gut zusammenbringen lässt.

Erstes ist die von dir so benannte Bindungsangst.
Zweiteres ist dein Denken in Absolutheiten.
Drittens geht es bei beiden Aspekten um Sicherheit.

Das ich irgendwie ne Bindungsangst habe, das weiß ich. Aber was bringt mir das jetzt?
Ich sehe es halt einfach nicht ein, dass ich mich jetzt aus meinem Schaffen zurück nehmen soll, um mich mit einer Bindungsangst zu befassen, die ich eh nicht wegbekommen werde.
Es ist nicht die Tatsache, dass du nicht weißt, wie du an deiner Bindungsangst arbeiten kannst, die dich hier stoppt, sondern die Auffassung, dass die sowieso nie ganz weggehen wird, und der damit einhergehende Absolutheitsanspruch.

Dadurch verliere ich ja letztlich nur Zeit und Energie, die ich anders nutzen könnte, die meisten in meinem Umfeld setzen sich ja auch nicht ewig mit sich selbst auseinander.
Woher weißt du das?

Etwas, das ich auch erst lernen musste, ist Folgendes: Selbstreflexion bedeutet auch, sich im echten Leben auszuprobieren. Fehler zu machen, gegen Wände zu rennen, peinliche Situationen zu erleben, verletzt zu werden.
Du wirst deine Energie verschwenden müssen, bevor du lernen kannst, wie du sie im sozialen Bereich gut einbringen kannst. Solange du dazu nicht bereit bist, wirst du dort nicht weiterkommen.

Ich habe hier von LULU1234 mal die schöne Metapher gelesen, dass Angst wie eine Straße ist. Erst läuft man einmal irgendwo entlang, dann sind Fußspuren im Gras zu sehen. Ein paar Leute folgen dieser Spur und es bildet sich eine kleine Schneise. Immer mehr Leute laufen dort entlang, also wird es ein kleiner Pfad, der irgendwann zu einem richtigen Weg getrampelt wird. Soll heißen: Je öfter du einem Gedankengang folgst, desto eher gräbt er sich ein, und desto eher wird dein Gehirn diesen "Gedankenpfad" wieder entlanggehen.
Es hilft also nur, 1. die Angst zu erkennen (den Schritt hast du bereits gemacht), 2. ganz bewusst an etwas anderes zu denken und den Gedanken zu negieren (auch wenn es sich nach einer Lüge anfühlt) und 3. trotz der Angst handeln.

Es ist ein kleiner Teufelskreis: Im Leben gibt es keine Absolutheiten, keine Garantien, keine Sicherheiten. Die Sicherheit muss aus dir selbst kommen. Das ist keine Sicherheit "Ich kann alles schaffen, ich bin toll", sondern die Sicherheit "auch, wenn etwas schiefgeht, kann ich das verkraften, und ich werde irgendwann einen Weg finden, damit umzugehen". Das musst du dir aber selbst beweisen, indem du es erlebst. Du bist aber auch schon 21 und nicht 12. Du hast bestimmt schon Situationen gehabt, die du letztendlich gut überstanden hast, auch wenn sie anfangs nicht gut liefen. Kannst du dir davon mehr in Erinnerung rufen? Wie bist du damit umgegangen, wie hast du in der Situation gehandelt? War sie am Ende so schlimm, wie befürchtet? Was hast du daraus für dich mitgenommen?

ist mir professionelle Hilfe zu suchen. Aber was würden die dann machen?
Hauptsächlich an Punkt 2 und 3 arbeiten. Also, dir dabei helfen, regelmäßig andere Gedankengänge einzuschlagen - das muss man dann aber auch zulassen. Und sich ganz konkrete, auf die Situation bezogene nächste Schritte auszudenken, wie man diese Gedankengänge auch physisch verankert (bezogen auf eine Verhaltenstherapie). Ob du unbedingt professionelle Hilfe brauchst, kann ich nicht sagen, es wäre in jedem Fall eine Möglichkeit, bei der du auch dazu gezwungen wärst, dir regelmäßig Zeit einzuräumen. Aber auch das wird dich Zeit und Energie kosten.

Ich sehe für dich folgende erste konkrete Handlungsansätze:
1) Initiiere Treffen mit anderen ohne offiziellen Grund - wenn die Überwindung zu hoch ist, überlege dir andere Gründe. Gemeinsam lernen, gemeinsam zum Sport gehen, ein neuer Kinofilm der rauskommt, ein Konzert, zu dem du nicht alleine gehen möchtest, der Klettergarten, der bald schließen wird und den du vorher nochmal gesehen haben wolltest... Überlege dir, mit wem du gern mehr Zeit verbringen würdest, unabhängig vom jetzigen Beziehungsstand, und dann schau, dass du für diese Personen irgendwie mehr Zeit aufbringst.
2) Stell mehr Fragen. Menschen sind so unterschiedlich. Wenn du eine Person kennenlernst, bei der du dir Freundschaften oder mehr vorstellst, kannst du mit Fragen einfaches Interesse zeigen, mehr über mögliche Treffen herausfinden oder auch lernen, wie sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen gestalten.
3) Was für Gesprächsthemen hast du mit anderen Menschen für gewöhnlich? Könntest du dort auch tiefergehende Fragen stellen oder etwas von dir selbst erzählen? (Könntest im Sinne von - sind eure Gesprächsthemen sowieso schon tief oder geht da theoretisch noch mehr? Das war keine Aufforderung dazu, dir Ausreden auszudenken, warum das eine doofe Idee wäre. Es ist selten so eine doofe Idee, wie man sich vorstellt.)
4) Was lässt dich sicher fühlen? Wo fühlst du dich sicher? Kannst du das bewusst nutzen, um ins Handeln zu kommen?
Beispiel: Du fühlst dich im Bett sicher, also legst du dich ins Bett und fragst von dort aus jemand anderen nach einem Treffen. Oder: Du fühlst dich sicher, wenn du dich nützlich machen kannst, also verknüpfst du ein Hilfsangebot mit einem zwanglosen Treffen (z.B. Hilfe bei einem Unithema und anschließend entspanntes Pizzaessen ohne Verpflichtungen).

Wenn du die Energie und Zeit gerade nicht aufbringen willst, darfst du trotzdem unglücklich mit deinem sozialen Umfeld sein und dir mehr oder tiefere Freundschaften und eine Beziehung wünschen.
Aber erwachsen werden heißt nicht, keine Fehler zu machen, sondern die Konsequenzen seiner Entscheidungen zu tragen. Und wenn du gerade entscheidest, das nicht priorisieren zu wollen, musst du mit den Konsequenzen dessen leben. Wenn du das nicht kannst, ist der Leidensdruck groß genug, dass du die Energie aufbringen solltest.
 
S
Benutzer229587  (58) Ist noch neu hier
  • #70
Auch wenn es nicht so scheint, ich versuche mich wirklich auf eure Lösungsstrategien einzulassen
Sorry, das hatte ich anders interpretiert.

Was Fantasy schreibt, finde ich ziemlich gut auf dein Problem anwendbar. Gerade die Bereitschaft, Risiken einzugehen, führt im Leben zwar manchmal zu Misserfolgen, ist für Erfolg aber unerlässlich. Um Erfolg zu haben, müssen die meisten Menschen auch ein paar Mal auf die Fresse gefallen sein. Na und? Krone richten und weiter probieren.

Nochmal zum Gedanken der Angst. Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff Bindungsangst den Kern trifft, mir scheint eher, bei dir könnte es Angst vor Zurückweisung sein. Also nicht die Angst vor der Bindung, sondern die Angst, dass deine Zielperson keine Bindung will. Das ist ja komplett entgegengesetzt. Und für diese Angst bin ich ein echter Fachmann :zwinker:

Wenn ich sage, die Angst bleibt Teil von einem selbst, will ich damit nicht sagen, dass ich bis heute unfähig bin, einer Frau mein Interesse zu zeigen, definitiv überhaupt nicht. Ich hab eben mit der Zeit gelernt, damit umzugehen und mich nicht so sehr von ihr packen zu lassen. Je offener ich meine Ambitionen zeige, umso weniger Chancen gebe ich meiner Angst, Druck zu erzeugen, und umso besser wird das Ergebnis. Und sprich mal mit Leuten, die bei der Partnerwahl total entspannt wirken. Auch die haben Angst, lassen sich nur nicht (mehr?) von ihr dominieren.
 
S
Benutzer152906  (47) Beiträge füllen Bücher
  • #71
Naja, wenn sie Interesse hätte, würde sie dies ja weiter irgendwie signalisieren.

Hast Du noch Interesse? Und wenn ja ... Du signalisierst es aber nicht, richtig?

Wenn ich bei ihr jetzt wieder ankomme würde ich mich wie jemand fühlen, der kein Nein akzeptiert.

Du hast das "Nein" doch damals akzeptiert. Klar könnte man argumentieren: "einmal Nein, gleich immer Nein". Aber ich habe im Bekanntenkreis diverse Menschen, die durch einen zweiten Versuch Jahre später zusammen gekommen sind und wo beide heute glücklich darüber sind, das eben diese Ansicht nicht verfolgt wurde.

Aber klar ... hier im Forum wirst Du nicht wenige Personen finden, die der Idee "jetzt müsste sie kommen, sonst ist das übergriffig" folgen. Deine Entscheidung, ob Du das auch so siehst / danach handeln willst.

Obviously studiere ich nicht Psychologie, denn darin bin ich einfach nicht so gut. Uni heißt ja nicht allwissend, oder werfe ich jedem, der nicht in der Lage ist, sich die spezielle Relativitätstheorie durch das Internet selbst beizubringen vor, an der Uni nichts verlorenen zu haben? Das ist nämlich für mich total easy, für viele andere aber nicht und da habe ich tatsächlich auch Verständnis für. Wenn dir meine Fragen zu unterkomplex sind, musst du ja nicht antworten, aber ich muss mir nicht vorwerfen lassen, warum ich in einem Forum denn überhaupt Fragen stelle.

Es ist völlig in Ordnung Fragen zu stellen ... ich hatte wohl nur eine zu hohe Erwartung an logisches bzw. mathematisches Verständnis (hat nichts mit Psychologie zu tun).

Ich habe probiert, zu googlen, was mich aber eben auf besagte vagen Aussagen brachte. Das einzig konkrete war, sich regelmäßig aufzuschreiben, was man gerade im Leben gut oder schlecht findet, was ich auch seit über zwei Jahren tue. Geholfen hat es aber eben noch nicht.

Also wenn ich z.B. auf Amazon.de gehe und Bindungsangst eingebe, werden mir ein Haufen Bücher angezeigt. Oder wie gesagt ... wenn man selbst keinen Weg findet, fragt man jemanden der sich damit auskennt (Psychologe / Psychotherapeut).

Ja aber was heißt dieses "daran arbeiten" konkret? Wenn ich ein an meiner Laufkondition arbeiten möchte, dann gehe ich laufen. Wenn ich an meinen Kenntnissen in einem bestimmten Fachbereich arbeiten möchte, dann lese ich dazu ein Buch. Aber wie arbeite ich bitte an einer Angst und dann noch an einer, die nicht durchgehend, sondern nur in bestimmten besonderen Situationen auftritt?

Ich bin kein Psychologe, aber bei bestimmten Ängsten hilft ggf. die Konfrontation. Also bei mir war es z.B. so, das ich mit meinem Problem, fremde Personen anzusprechen / anzurufen immer besser klargekommen bin, nachdem ich mich den Situationen gestellt habe. Sprich wenn ich in einem Geschäft etwas kaufen wollte und das nicht gefunden habe .... nicht rausgehen ... nicht solange suchen bis man es doch findet ... sondern zu einem Angestellten hingehen und fragen. Geht natürlich auch, wenn man weiß wo das Produkt zu finden ist.

Was Deine Situation angeht, könnte das natürlich nochmal schwieriger sein. Bevor Du aber jetzt haufenweise Bücher kaufst etc. würde ich halt auch erst einmal einen Ganz zum Psychologen empfehlen. Denn vielleicht ist es ja wirklich gar keine Bindungsangst, sondern etwas anderes.
 
FeelTheSoul
Benutzer180833  (35) Öfter im Forum
  • #72
L_Muse3 L_Muse3

Wenn du konkrete Tipps brauchst, wie man Bindungsangst überwindet, kann ich dir das Buch von Stefanie Stahl "Von Jein zu Ja" empfehlen.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #73
Ich habe hier von LULU1234 mal die schöne Metapher gelesen, dass Angst wie eine Straße ist. Erst läuft man einmal irgendwo entlang, dann sind Fußspuren im Gras zu sehen. Ein paar Leute folgen dieser Spur und es bildet sich eine kleine Schneise. Immer mehr Leute laufen dort entlang, also wird es ein kleiner Pfad, der irgendwann zu einem richtigen Weg getrampelt wird. Soll heißen: Je öfter du einem Gedankengang folgst, desto eher gräbt er sich ein, und desto eher wird dein Gehirn diesen "Gedankenpfad" wieder entlanggehen.
Es hilft also nur, 1. die Angst zu erkennen (den Schritt hast du bereits gemacht), 2. ganz bewusst an etwas anderes zu denken und den Gedanken zu negieren (auch wenn es sich nach einer Lüge anfühlt) und 3. trotz der Angst handeln.
Das ist ein guter Gedanke, danke, das werde ich mal ausprobieren. So ergibt Glaubensansätze ändern auch plötzlich Sinn.
2) Stell mehr Fragen. Menschen sind so unterschiedlich. Wenn du eine Person kennenlernst, bei der du dir Freundschaften oder mehr vorstellst, kannst du mit Fragen einfaches Interesse zeigen, mehr über mögliche Treffen herausfinden oder auch lernen, wie sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen gestalten.
3) Was für Gesprächsthemen hast du mit anderen Menschen für gewöhnlich? Könntest du dort auch tiefergehende Fragen stellen oder etwas von dir selbst erzählen? (Könntest im Sinne von - sind eure Gesprächsthemen sowieso schon tief oder geht da theoretisch noch mehr? Das war keine Aufforderung dazu, dir Ausreden auszudenken, warum das eine doofe Idee wäre. Es ist selten so eine doofe Idee, wie man sich vorstellt.)
An sich kann ich mit Menschen über wirklich vieles reden. Ich gelte eher als kommunikativer Typ, der Leute schnell in Gespräche verwickeln kann, wenn ich denn will. Wenn einmal ein Gespräch da ist, ist das an sich kein Problem und ich glaube, ich stelle da auch schon einige Fragen. Aber trotzdem danke für den Tipp.
4) Was lässt dich sicher fühlen? Wo fühlst du dich sicher? Kannst du das bewusst nutzen, um ins Handeln zu kommen?
Beispiel: Du fühlst dich im Bett sicher, also legst du dich ins Bett und fragst von dort aus jemand anderen nach einem Treffen. Oder: Du fühlst dich sicher, wenn du dich nützlich machen kannst, also verknüpfst du ein Hilfsangebot mit einem zwanglosen Treffen (z.B. Hilfe bei einem Unithema und anschließend entspanntes Pizzaessen ohne Verpflichtungen).
Ich glaube das nützlich machen ist wirklich n großes Ding. Beispiel: In meinem Ehrenamtsteam war ich immer ganz ok vernetzt, aber jetzt auch nicht super close mit allen. Vor Kurzem habe ich dann eine Leitungsfunktion übernommen, bei der es halt mein Job war, mit allen zu reden und zu schauen, dass es ihnen gut geht. Da hatte es ja einen Sinn, dass ich mit Leuten über ihre Gefühle, Emotionen und Bedürfnisse rede und fiel mir auch überhaupt nicht schwer. Auch waren die Rückmeldungen von Seiten des Teams positiv und man hat sich mit mir als Gesprächspartner für solche Themen wohl gefühlt und geschätzt.
Ein großes Ding in meinem Kopf ist glaube ich, dass ich mich nicht aufdrängen möchte, da ich damit als Teenager mal wirklich schlechte Erfahrungen gemacht habe und plötzlich quasi ohne richtigen Freundeskreis da stand.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #74
Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff Bindungsangst den Kern trifft, mir scheint eher, bei dir könnte es Angst vor Zurückweisung sein.
Hm, könnte auch sein, aber das oben beschriebene Erlebnis hat mir echt n bisschen die Augen geöffnet damals. Ich dachte jahrelang, dass meine Nervosität bei Dates normal sei bzw. es die Angst vor Zurückweisung wäre. Aber nach dem rumknutschen war die Schwelle ja schon lange überwunden. Dass dieses negative Gefühl erst bei der von ihr initiierten Frage "Was soll das mit uns jetzt sein" einsetzte, signalisiert mir eigentlich schon ziemlich deutlich, dass es mit Bindung und nicht mit körperlicher Nähe oder dergleichen zusammenhängt.
Glaube, das kommt auch so ein bisschen aus Teeny-Jahren. Ich hatte mal mehr für ne sehr gute Freundin empfunden, was in ner großen Emotionalen Abhängigkeit von beiden Seiten (wobei es für sie nur freundschaftlich war) endete. Als dann mehr oder weniger von heute auf morgen die Freundschaft zerbrach, habe ich wirklich gelitten und wollte meine Emotionen nie wieder so abhängig von einer Person machen und habe mich deswegen auch ein gutes Stück verschlossen.
 
L_Muse3
Benutzer193781  (21) Sorgt für Gesprächsstoff
  • Themenstarter
  • #75
Hast Du noch Interesse? Und wenn ja ... Du signalisierst es aber nicht, richtig?
Hm, hier und da haben wir immer mal wieder Kontakt, wenn dann auch eher von mir initiiert nach Zufallsbegegnungen. Aber ja, vielleicht sollte ich das ein bisschen mehr zeigen. Wie gesagt, aus Respekt vor ihrer Entscheidung hatte ich den Ball eigentlich mehr bei ihr gesehen.
logisches bzw. mathematisches Verständnis
Das habe ich dank meines Studiums eigentlich, mir fehlt nur oft der Zugang zu und der Bezug auf mich selbst.
aber bei bestimmten Ängsten hilft ggf. die Konfrontation
Das finde ich hier eben so schwierig. Ich habe schon viele "Ängste" (wahren eher kleinere Unsicherheiten) genau so überwunden. Das waren aber immer Situationen, die ich mehr oder weniger selbst reproduzieren konnte. Das erste Date mit ihr kann ich nun einmal nicht wiederholen und es gibt auch nicht Frauen, die bei mir Schlange stehen, damit ich auf nem Date meine Bindungsangst konfrontieren kann.
 
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