Gefühlschaos Partner reist alleine in die Heimat

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Hallo zusammen!
Ich bin seit circa zwei Monaten schon komplett am Ende und möchte einfach mal die Meinung anderer hören.
Ich bin mit meinem Partner seit fünf Jahren zusammen. Mein Partner ist kein Deutscher (er kommt aus einem Land, welches ziemlich stark von Klischees und Vorurteilen behaftet ist, deswegen nenne ich es hier auch nicht, da ich nicht unnötige Konflikte heraufbeschwören möchte). Mein Partner hat seine Familie seit sieben Jahren nicht gesehen und ich kann es voll und ganz verstehen, dass er sie endlich wieder in seinen Armen halten möchte. Wären da nur nicht ein paar Probleme:
Da ich selbst nur über Skype ein paar Worte mit seiner Familie über all die Jahre austauschen konnte (sprechen unterschiedliche Sprachen), ist sie für mich immer noch ein großes Rätsel. Mein Partner hat mir auch die ersten zwei Jahre in der Beziehung wichtige Dinge über seine Familie verheimlicht, was mich im Nachhinein sehr verletzt hat, da mir Ehrlichkeit immer sehr wichtig war. Wir leben seit drei Jahren zusammen und haben die letzten Jahre sehr viel miteinander durchgemacht (zwei sehr nahestehende Familienmitglieder meinerseits verstorben, Geldsorgen, Existenzängste,…). Kurz: das Schicksal hat uns ziemlich aneinander geschweißt und wir lernten füreinander da zu sein. Mein Partner hat mir nach einiger Zeit auch sehr viel über seine Familie erzählt. Naja, wie soll ich sagen… zu 95% Prozent erzählte er mir nur Negatives von ihnen. Er wurde oft verletzt, ja teilweise auch misshandelt (körperliche Gewalt). Nun wurde der absolute Albtraum Realität: Mein Partner möchte für drei Wochen im November seine Familie besuchen. Er hat bereits Visa und Flug gebucht. Nächste Woche ist es soweit. Ich wäre gerne mitgeflogen. Nicht weil ich so darauf brenne seine Familie kennenzulernen, sondern eher, dass ich ihn von den toxischen Verwandten schützen könnte. Leider bin ich aber momentan beruflich zu sehr eingespannt. Er hat mir früher immer versprochen, dass wir zusammen dort hinfliegen. Dass ich auch alle kennenlerne. Ich habe die letzten Wochen so oft mit ihm darüber gesprochen, dass er doch warten soll, bis ich auch mitreisen kann und bis sich generell die Lage mit Corona entspannt. Es ist so, als würde ich mit einer Mauer sprechen. Mein Partner reist in ein Land, in dem Menschenrechte so gut wie nicht vorhanden sind. Ich mache mir große Sorgen um ihn. Ich will mir garnicht vorstellen, zu was er wieder gezwungen werden könnte, welche Gehirnwäsche er durchleben wird. Ob er überhaupt nochmal zurück kommen kann. Er kommt mir völlig naiv vor, so als hätte er nichts aus seiner Vergangenheit gelernt. Ich habe Angst, dass sie ihn ausnutzen werden oder erpressen (seine Familie hat wenig Geld, lebt ärmlich). Mein Partner verdient gut und das weiß seine Familie. Darum betteln sie jetzt schon um Handys und Tablets (mein Partner will ihnen nichts kaufen, er hat früher genug für seine Familie gearbeitet).
Ganz ehrlich, ich vertraue meinen Partner zu 100%, aber seiner Familie kann ich leider kein bisschen über den Weg trauen. Zu viele negative Dinge sind passiert.
Was sagt ihr? Wie würdet ihr handeln? Wir lieben uns ja trotzdem sehr, sind mittlerweile auch schon verlobt. Wäre da nur nicht diese Reise…
 
Hilfreichste Antwort
Willkommen in einer binationalen Beziehung. Es ist häufiger so, dass Familie in anderen Kulturen einen völlig anderen Stellenwert hat als in der Deutschen. Auch das finanzielle Ausnehmen oder, im positiveren Fall, die finanziellen Verpflichtungen sind leider nicht selten, ich sehe es im Freundeskreis. Das belastet die Betroffenen oftmals enorm, klar. Man ist weit weg von daheim und kann seinen Lieben entweder nur finanziell helfen, teilweise unter größten Schwierigkeiten für den eigenen Lebensunterhalt, oder wird emotional erpresst um finanzielle Hilfe und es wird selbstverständlich erwartet, dass die "reichen" Freund:innen oder Familie einspringen, falls man es selbst nicht schafft. Die Erwartungshaltungen an den Ausbildungsweg und das...

Benutzer148761  (33)

Meistens hier zu finden
Jetzt fällt mir auf, dass all das, was er seiner Familie gibt, nie für mich getan hat. Verstehst du? Natürlich will ich nicht, dass er sich ständig zu irgendwelchen Sachen zwingt meinetwegen. Natürlich soll er glücklich sein. Aber ich bemerke zunehmend, wie er unsere Beziehung die letzten Jahre vernachlässigt hat
Kannst du da ein paar Beispiele nennen? Was gibt er seiner Familie konkret, was er dir verwehrt und was du dir wünschen würdest? Und hast du auch ein paar Beispiele, wie er die Beziehung vernachlässigt?
 

Benutzer97517 

Meistens hier zu finden
Ups... das faellt dir jetzt erst auf?

OK das kann passieren und ja es ist schmerzlich aber vermisch das nicht. Analysiere das Problem so gut es geht vom Blickwinkel einer dritten Person. Was wuerdest du einer Freundin raten wenn ihr ganau das passiert. Meist fuehrt das in die richtige Richtung weil das Ego nicht oder wesentlich weniger involviert ist und man die Situation ohne Angst von den Konsquenzen beurteilen kann.

Du schreibst das er dich anruft und weint. Hoehr ihm zu, zeige Verstaendnis aber geb ihm keine Tips mehr wie er sich verhalten soll. Werf ihm nicht vor das er vor der Familie einknickt.
Nun zu dir... du beschwerst dich fuer dieses Ungleichgewicht in der Beziehung. Du hast es (nun) bemerkt, ich verstehe dich, frage jedoch was machst DU dagegen? Denn gluecklich bist du ja nicht damit.

Kleiner Tip, mach nicht seine Probleme zu deinen. Etwas was ich gerade auch bitterlich lernen muss...

LG
 

Benutzer152906 

Meistens hier zu finden
Auf der anderen Seite denke ich mir, dass du extrem fordernd, übergriffig, anmaßend und einengend bist. Legst du bei dir selbst die eigenen Maßstäbe an wie bei ihm?

Magst Du mich (oder wenigstens die TE) mal darüber aufklären, aus welchen Sätzen Du jetzt diesen Vorwurf konstruierst?

Wenn er sich bei dir so eingeengt fühlt, wie du es hier mit deinen Schilderungen vermuten lässt, würde es mich nicht wundern wenn er jetzt weit weg von dir Auch mal über die Stränge schlägt. Es klingt auch etwas so, dass er von dir eingeschüchtert ist. Alles keine gute Zeichen.

Ich war so schockiert über das gelesene und dachte, ich hätte mich total im Thema vertan. Aber auch nachdem ich alle Posts der TE nochmal gellesen habe, frage ich mich ... woher nimmst Du diese Ideen?

Auf jeden Fall hat für ihn in seiner Kultur Familie und Heimat einen ganz anderen Stellenwert als für dich in unserer. Vielleicht hab ich es überlesen, aber woher er genau kommt bzw. Wie er geprägt ist, hast du nicht geschrieben oder?
In anderen Kulturen ist es Gang und gebe dass Familie Geld und waren von den im Ausland lebenden Angehörigen bekommen. Sie immer unterstützt werden. Offenbar macht er auch das auch. Ober da jetzt zu gezwungen wird, wer weiß das schon.
Ich befürchte aber, dass du in erster Linie an dir und deinem Anspruchsdenken arbeiten solltest. Ansonsten glaube ich nicht, dass das auf Dauer mit euch gut gehen und halten wird:

Anspruchsdenken? Ihr Freund geht hin und sagt: "ich sehe es nicht mehr ein, ganz viel Geld in meine alte Heimat zu schicken und mit meinem Arbeitsschweiß die Familie dort zu versorgen. Das sollen sie mal schön selbst machen". Dann will er dahin fahren und sagt: "ich werde denen definitiv kein Geld geben" ... und wo seine Freundin jetzt feststellt: "hat er doch gemacht" ... kommt woher ein Anspruchsdenken, was sie "zurückfahren" soll?
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren