Gefühlschaos Partner reist alleine in die Heimat

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Hallo zusammen!
Ich bin seit circa zwei Monaten schon komplett am Ende und möchte einfach mal die Meinung anderer hören.
Ich bin mit meinem Partner seit fünf Jahren zusammen. Mein Partner ist kein Deutscher (er kommt aus einem Land, welches ziemlich stark von Klischees und Vorurteilen behaftet ist, deswegen nenne ich es hier auch nicht, da ich nicht unnötige Konflikte heraufbeschwören möchte). Mein Partner hat seine Familie seit sieben Jahren nicht gesehen und ich kann es voll und ganz verstehen, dass er sie endlich wieder in seinen Armen halten möchte. Wären da nur nicht ein paar Probleme:
Da ich selbst nur über Skype ein paar Worte mit seiner Familie über all die Jahre austauschen konnte (sprechen unterschiedliche Sprachen), ist sie für mich immer noch ein großes Rätsel. Mein Partner hat mir auch die ersten zwei Jahre in der Beziehung wichtige Dinge über seine Familie verheimlicht, was mich im Nachhinein sehr verletzt hat, da mir Ehrlichkeit immer sehr wichtig war. Wir leben seit drei Jahren zusammen und haben die letzten Jahre sehr viel miteinander durchgemacht (zwei sehr nahestehende Familienmitglieder meinerseits verstorben, Geldsorgen, Existenzängste,…). Kurz: das Schicksal hat uns ziemlich aneinander geschweißt und wir lernten füreinander da zu sein. Mein Partner hat mir nach einiger Zeit auch sehr viel über seine Familie erzählt. Naja, wie soll ich sagen… zu 95% Prozent erzählte er mir nur Negatives von ihnen. Er wurde oft verletzt, ja teilweise auch misshandelt (körperliche Gewalt). Nun wurde der absolute Albtraum Realität: Mein Partner möchte für drei Wochen im November seine Familie besuchen. Er hat bereits Visa und Flug gebucht. Nächste Woche ist es soweit. Ich wäre gerne mitgeflogen. Nicht weil ich so darauf brenne seine Familie kennenzulernen, sondern eher, dass ich ihn von den toxischen Verwandten schützen könnte. Leider bin ich aber momentan beruflich zu sehr eingespannt. Er hat mir früher immer versprochen, dass wir zusammen dort hinfliegen. Dass ich auch alle kennenlerne. Ich habe die letzten Wochen so oft mit ihm darüber gesprochen, dass er doch warten soll, bis ich auch mitreisen kann und bis sich generell die Lage mit Corona entspannt. Es ist so, als würde ich mit einer Mauer sprechen. Mein Partner reist in ein Land, in dem Menschenrechte so gut wie nicht vorhanden sind. Ich mache mir große Sorgen um ihn. Ich will mir garnicht vorstellen, zu was er wieder gezwungen werden könnte, welche Gehirnwäsche er durchleben wird. Ob er überhaupt nochmal zurück kommen kann. Er kommt mir völlig naiv vor, so als hätte er nichts aus seiner Vergangenheit gelernt. Ich habe Angst, dass sie ihn ausnutzen werden oder erpressen (seine Familie hat wenig Geld, lebt ärmlich). Mein Partner verdient gut und das weiß seine Familie. Darum betteln sie jetzt schon um Handys und Tablets (mein Partner will ihnen nichts kaufen, er hat früher genug für seine Familie gearbeitet).
Ganz ehrlich, ich vertraue meinen Partner zu 100%, aber seiner Familie kann ich leider kein bisschen über den Weg trauen. Zu viele negative Dinge sind passiert.
Was sagt ihr? Wie würdet ihr handeln? Wir lieben uns ja trotzdem sehr, sind mittlerweile auch schon verlobt. Wäre da nur nicht diese Reise…
 
Hilfreichste Antwort
Willkommen in einer binationalen Beziehung. Es ist häufiger so, dass Familie in anderen Kulturen einen völlig anderen Stellenwert hat als in der Deutschen. Auch das finanzielle Ausnehmen oder, im positiveren Fall, die finanziellen Verpflichtungen sind leider nicht selten, ich sehe es im Freundeskreis. Das belastet die Betroffenen oftmals enorm, klar. Man ist weit weg von daheim und kann seinen Lieben entweder nur finanziell helfen, teilweise unter größten Schwierigkeiten für den eigenen Lebensunterhalt, oder wird emotional erpresst um finanzielle Hilfe und es wird selbstverständlich erwartet, dass die "reichen" Freund:innen oder Familie einspringen, falls man es selbst nicht schafft. Die Erwartungshaltungen an den Ausbildungsweg und das...

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Also Sorge um sein Wohlergehen ist ja gut und schön, und sicherlich auch berechtigt. Aber mal ganz ehrlich: deine Reaktion auf seine Reise, und vor allem dein übertriebenes Bedürfnis ihn “schützen” zu wollen klingt eher als wärst du seine Mutter, nicht seine Partnerin. Vor allem wenn es dir schon seit 2 Monaten so geht…das ist ja schon regelrechte Verlustangst :what:

Gibt es einen Grund weswegen du bei ihm so unsicher und klammernd bist? Auf Dauer würde ich das (an deiner Stelle) erstickend finden.
Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen! Natürlich sind das immense Verlustängste. Das war mir schon immer klar, weil ich eben ein Trauma erlitten habe vor ein paar Jahren als meine Eltern binnen eines halben Jahres verstorben sind und ich als junge Heranwachsende Frau alleine alles managen musste. Ich stand plötzlich vor dem nichts mit einem Haus und einem Berg an Schulden. Und weil das ganze nicht gereicht hat, kämpften wir (mein Partner und ich) auch noch darum, dass er nicht abgeschoben wird. Ich hatte damals täglich Panikattacken, weil ich dachte es könnte jeden Moment so weit sein und er wird abgeschoben. Zum Glück konnten wir das damals gemeinsam lösen und er hat einen Aufenthaltstitel bekommen und durfte endlich wieder arbeiten. Ich hatte die letzten zwei Jahre solche Ängste überhaupt nicht mehr, weils keinen Grund dafür gab und ich mich sicher fühlte. Aber seitdem ich von seiner Reise weiß, gehts mir halt wieder total besch*****. Natürlich kann ich ihn verstehen, warum er seine Familie besuchen möchte. Nur leider kann ich diese Ängste schlecht unterdrücken und darf mir halt nichts ankennen lassen.
Ich war auch deswegen früher in Therapie, um das ganze zu verarbeiten, aber ich hatte eben seitdem auch keine Gründe mehr um Angst zu haben. 😢
Wahrscheinlich bin ich deswegen auch so „bemutternd“ ihm gegenüber, einfach aus der Angst wieder jemanden zu verlieren.
 

Benutzer175862 

Öfter im Forum
Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen! Natürlich sind das immense Verlustängste. Das war mir schon immer klar, weil ich eben ein Trauma erlitten habe vor ein paar Jahren als meine Eltern binnen eines halben Jahres verstorben sind und ich als junge Heranwachsende Frau alleine alles managen musste. Ich stand plötzlich vor dem nichts mit einem Haus und einem Berg an Schulden. Und weil das ganze nicht gereicht hat, kämpften wir (mein Partner und ich) auch noch darum, dass er nicht abgeschoben wird. Ich hatte damals täglich Panikattacken, weil ich dachte es könnte jeden Moment so weit sein und er wird abgeschoben. Zum Glück konnten wir das damals gemeinsam lösen und er hat einen Aufenthaltstitel bekommen und durfte endlich wieder arbeiten. Ich hatte die letzten zwei Jahre solche Ängste überhaupt nicht mehr, weils keinen Grund dafür gab und ich mich sicher fühlte. Aber seitdem ich von seiner Reise weiß, gehts mir halt wieder total besch*****. Natürlich kann ich ihn verstehen, warum er seine Familie besuchen möchte. Nur leider kann ich diese Ängste schlecht unterdrücken und darf mir halt nichts ankennen lassen.
Ich war auch deswegen früher in Therapie, um das ganze zu verarbeiten, aber ich hatte eben seitdem auch keine Gründe mehr um Angst zu haben. 😢
Wahrscheinlich bin ich deswegen auch so „bemutternd“ ihm gegenüber, einfach aus der Angst wieder jemanden zu verlieren.
Dann wuerde ich an deiner Stelle die Therapie fortsetzen, denn da ist ja offenbar doch immer noch was im Argen. Tu dir selbst den Gefallen, denn niemand verdient es mit solchen Aengsten konfrontiert zu sein. Auch wenn du es vor deinem Partner versteckst um ihn nicht zu belasten wird er sicher auch etwas mitbekommen, und irgendwann wird es auch bei ihm seine Spuren hinterlassen.
 

Benutzer171320 

Verbringt hier viel Zeit
Ich war auch deswegen früher in Therapie, um das ganze zu verarbeiten, aber ich hatte eben seitdem auch keine Gründe mehr um Angst zu haben. 😢
Ich kann Dir nur raten, nimm die Therapie wieder auf. Dein Verhalten tut weder Dir noch Deinem partner gut. Und vorallem kannst Du jetzt gar nicht geniessen, dass er noch da ist.

Ich würde mir an Deiner Stelle unbedingt Hilfe suchen, damit Du nicht alleine bist, wenn er wirklich weg ist und sich auch mal Tagelang nicht meldet.
 
3 Woche(n) später

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Hallo ihr Lieben,

Ich habe vor ein paar Wochen schon dieses Thema in einem anderen Threat geteilt. Nun hat sich die Situation aber gravierend verändert.
Kurz zur Vorgeschichte:
Mein Partner wollte nach 8 Jahren seine Familie besuchen (leben im Ausland, leben sehr traditionell). Ich hatte früher die Angst, dass er vielleicht nicht mehr zurück kommen kann wegen Corona oder weil seine Familie ihn zu irgendetwas zwingen könnte. Ich war von Anfang an dagegen, dass er dort hin fliegt und für drei Wochen dort bleibt. Irgendwann habe ich mich damit aber abgefunden und hab ihn dabei unterstützt.
Seine Familie ist ziemlich toxisch. Das habe ich schon früh bemerkt, da sie grundsätzlich nur um Geld betteln und meinem Freund wichtige Dinge verheimlicht haben (z.B. den Tod seiner Mutter). Zusätzlich kommt noch körperlicher und psychischer Missbrauch dazu.
Ich war gespannt wie es sein wird, wenn er sie besuchen wird.
Und naja, wie soll ich sagen? Ich hatte zu 100% Recht.
Die ersten Tage rief er mich mehrmals täglich an, weinte am Telefon wie schlimm es dort sei, dass er niemandem vertrauen kann und wie unglücklich er ist. Alle meine Vorurteile haben sich nur bestätigt. Ich wollte ihm das aber auch nicht vorhalten und versuchte ihn immer zu beruhigen und redete ihm gut zu.
Über die letzten drei Wochen hat er sich aber massiv verändert. Er sagte mir nämlich damals, bevor er abreiste, dass er sich von seinen Verwandten zu nichts zwingen lässt und dass er niemandem mehr Geld geben wird.
Nun, er hat sich ziemlich schnell windelweich reden lassen. Er hat ihnen alle Geld geschenkt und hat sich wie ein Hund behandeln lassen. Er hat sich zu unzähligen Sachen zwingen lassen und spielte einfach mit. Er macht Dinge für seine Familie, davon könnte ich nur träumen, dass er mal für mich sowas machen würde.
Was mir dabei wirklich schwer im Magen liegt ist folgendes:
Er geht zu Feiern zu seinen Verwandten oder lädt diese ein, feiert trotz Schlafmangels Nächte lang durch mit ihnen und liest ihnen jeden Wunsch von den Augen ab.
Sowas würde er hier bei mir niemals machen. Wenn mein Freund nämlich etwas nicht machen mag, egal wie sehr man bettelt, dann macht er das auch nicht. PUNKT. Keine Diskussion.
Wie oft waren wir schon auf Familienfeiern und mussten viel zu früh gehen, weil er keinen Bock mehr hatte. Maximal zwei Stunden bei meinen Verwandten (die ihn übrigens mehr unterstützen und helfen, als es seine Familie je getan hätte. Dazu, er versteht sich ja auch voll gut mit meinen Verwandten, es gab noch nie ernsthafte Konflikte) und wir mussten gehen weil er müde war oder einfach keine Lust mehr hatte. Er tut für seine Familie alles. Wirklich alles. Obwohl sie ihn nur anlügen und ausnutzen. Für mich würde er sowas niemals tun. Das kränkt mich sehr. Weil ihm das Wohlergehen und Glücklichsein seiner Familie wichtiger ist, als meines. Er ist noch nicht mal zuhause, er würde morgen kommen wenn dein COVID Test negativ ausfällt. Aber ich freue mich überhaupt nicht mehr auf ihn. Ich bin so dermaßen enttäuscht, weil mir in den letzten drei Wochen aufgefallen ist, wie er eigentlich unsere Beziehung vernachlässigt und einen Schei** drauf gibt ob ich glücklich bin.
Ich bin wirklich keine Prinzessin auf der Erbse. Ich verlange kein Geld oder Materielles, was ich einfach mir wünschen würde, wenn ich auch einmal so viel Zeit und Wertschätzung erhalten würde, wie er es seiner Familie gibt.
So wie er sich jetzt verändert hat, erkenne ich meinen Partner kaum mehr.
 

Benutzer177597 

Öfter im Forum
Er hat nach 8 Jahren ohne persönlichem Kontakt, Menschen besucht, die ihm offenbar wichtig sind - so wie es aussieht, unabhängig vom Vergangenen. Für 3 Wochen. :grin: Und du machst ein Fass auf, stellst gleich einmal die Beziehung in Frage und schreibst etwas von "So viel Zeit und Wertschätzung".

Bin ich der einzige, der das Drama hier nicht so ganz versteht?
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer150472 

Verbringt hier viel Zeit
Er hat nach 8 Jahren, ohne persönlichem Kontakt, Menschen besucht, die ihm offenbar wichtig sind - so wie es aussieht, unabhängig vom Vergangenen. Für 3 Wochen. :grin: Und du machst ein Fass auf, stellst gleich einmal die Beziehung in Frage und schreibst etwas von "So viel Zeit und Wertschätzung".

Bin ich der einzige, der das Drama hier nicht so ganz versteht?
Ich verstehe beide seiten ein wenig.. die ts übertreibt schon sehr. Aber ihren frust und Enttäuschung kann ich schon nachvollziehen.
Aber deswegen gleich an ihrer Beziehung zu zweifeln finde ich auch durchaus zu viel.
 

Benutzer143952  (27)

Sehr bekannt hier
Du willst also einen Partner der sich dazu genötigt fühlt Dinge mit dir zu machen auf die er überhaupt keine Lust hat, damit du dich Wertgeschätzt fühlst? Denn nichts anderes tut er ja wenn er bei seiner Familie ist, die er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat.
 

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Du willst also einen Partner der sich dazu genötigt fühlt Dinge mit dir zu machen auf die er überhaupt keine Lust hat, damit du dich Wertgeschätzt fühlst? Denn nichts anderes tut er ja wenn er bei seiner Familie ist, die er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat.
Im Leben nicht. Nein! Es geht darum, dass man manchmal (nein nicht alltäglich) für seinem Partner zuliebe Kompromisse eingeht. Ich fühle mich so endlos dumm. Wie oft habe ich schon Dinge für ihn gemacht, obwohl ich das gar nicht wollte. Jetzt fällt mir auf, dass all das, was er seiner Familie gibt, nie für mich getan hat. Verstehst du? Natürlich will ich nicht, dass er sich ständig zu irgendwelchen Sachen zwingt meinetwegen. Natürlich soll er glücklich sein. Aber ich bemerke zunehmend, wie er unsere Beziehung die letzten Jahre vernachlässigt hat. Ich hoffe das ist jetzt ein bisschen klarer formuliert.
 

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Zumal, liebe TS, du selbst ja schon deutlich festgestellt hast, dass er sehr unter der "Fuchtel" seiner Familie steht. Er kann sich davon nicht abgrenzen. Nicht wenn er da gerade räumlich vor Ort ist und damit mitten drin. Nicht, ohne noch vor dem Heimflug ganz viel Porzellan zu zerschlagen und damit womöglich Wunden zu reißen, die nie mehr heilen. Selbst ohne kulturelle Besonderheiten, die von unseren deutschen abweichen, gibt es schon Familienstrukturen die maximal dominierend sind und wie ein Perpetuum mobile in ihrer Pathologie sich selbst aufrecht erhalten. Man wird als Co-Abhängiger Teil dieser Pathologie, der man sich nur entziehen kann durch absoluten Bruch! Er hat bereits mit einer deutlichen Abgrenzung begonnen. Er hat die pathologischen, toxischen Strukturen seiner Familie erkannt und eingeordnet, und grenzt sich schon allein räumlich ab- sucht Distanz. Das alles ist ein Prozess. Es braucht Zeit.
Dass er sich mit einigen Familienmitgliedern gut versteht, sie gern hat, an ihnen auch gute Seiten sieht, das kannst du ihm doch nicht ernsthaft vorhalten, und ihnen neiden? Er agiert menschlich. Mehr noch: Er agiert loyal und zugewandt. Und wenn er in diesen drei Wochen nicht nur verzweifelt ist und Trübsal bläst, sondern auch Freude, womöglich sogar gute Gespräche und neue Perspektiven mit einigen Familienmitgliedern hat, dann ist das doch was Tolles!
Wenn du empfindest, er widmet dir nicht das nötige Interesse oder die dir zustehende Wertschätzung und Zuwendung, dann ist das ein ganz eigenes Thema, das mit seiner Familie nichts zu tun hat. Das musst du separat mit ihm klären. Und für dich festlegen, inwiefern du Bewegung diesbezüglich von ihm einforderst. Es kann doch auch nicht Lösung sein, dass du sagst: Wenn er sich von seiner Familie ganz und gar abwendet, dann ist es für dich erträglich, dass er sich dir nicht hinreichend zuwendet. Wenn er aber den Kontakt zu seiner Familie pflegt, und ihnen mehr Zuwendung und Kompromisse bietet, dann ist es nicht mehr okay. Du musst doch unabhängig davon dafür einstehen können, was dir im Zwischenmenschlichen mit ihm und dir wichtig ist!
 

Benutzer143952  (27)

Sehr bekannt hier
Ich fühle mich so endlos dumm. Wie oft habe ich schon Dinge für ihn gemacht, obwohl ich das gar nicht wollte. Jetzt fällt mir auf, dass all das, was er seiner Familie gibt, nie für mich getan hat. Verstehst du? Natürlich will ich nicht, dass er sich ständig zu irgendwelchen Sachen zwingt meinetwegen. Natürlich soll er glücklich sein. Aber ich bemerke zunehmend, wie er unsere Beziehung die letzten Jahre vernachlässigt hat. Ich hoffe das ist jetzt ein bisschen klarer formuliert.
Eure Beziehung und seine Familie sind aber doch 2 Paar Schuhe. Wie gesagt - er macht die Dinge für seine Familie ja anscheinend nicht aus freien Stücken sondern aus falschem Ehrgefühl der Familie gegenüber.

Also wenn er eure Beziehung schleifen lässt, dann hat das nichts mit seiner Familie zu tun sondern mit ihm. Er lässt sie ja schliesslich schon seit Jahren schleifen und nicht erst seit er bei seiner Familie war, dir fällt es nur jetzt erst auf.
 

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Eure Beziehung und seine Familie sind aber doch 2 Paar Schuhe. Wie gesagt - er macht die Dinge für seine Familie ja anscheinend nicht aus freien Stücken sondern aus falschem Ehrgefühl der Familie gegenüber.

Also wenn er eure Beziehung schleifen lässt, dann hat das nichts mit seiner Familie zu tun sondern mit ihm. Er lässt sie ja schliesslich schon seit Jahren schleifen und nicht erst seit er bei seiner Familie war, dir fällt es nur jetzt erst auf.
Vollkommen richtig! Natürlich hat das nicht per se mit seiner Familie zu tun. Das ist mir klar. Aber jetzt sticht es erstmals mir ins Auge, wie er diese Beziehung vernachlässigt hat. Und das schmerzt halt bitterlich. Weil ich sehe wie ich Vollidiot mich hinten anstelle für die Beziehung und er eben nicht.
 

Benutzer183126 

Klickt sich gerne rein
Ich kann Dich schon verstehen, L Love_Elements . Mich würde es auch schmerzen, wenn mir so deutlich vor Augen geführt werden würde, dass der Wert Eurer Beziehung für ihn nicht der gleiche ist, wie für Dich. Und dass er ausgerechnet seine Familie so darüber stellt, die sich nicht mal sonderlich Mühe gegeben hat, ihn gut zu behandeln, ist schon bitter. Nur befürchte ich, liegt da der Hund begraben. Dein Partner ist da doppelt belastet. Zum einen scheint er aus einer Kultur zu entstammen, da ist der Zusammenhalt der Familien von elementarer Bedeutung. Das hat man in oft in wirtschaftlich schwächeren Ländern, wo es weder eine sichere Rente, noch ein finanzielles Auffangnetz gibt, wenn man beruflich Pech hat. Es ist praktisch gar nicht anders möglich, als den Zusammenhalt der Familie über alles zu stellen und dass bereits mit der Muttermilch einzuimpfen. Und da ist es zweitrangig, ob die Familie immer alles richtig macht.

Dazu kommt, dass Dein Partner auch stark um die Zuneigung seiner Familie zu ringen scheint. Das hat man gar nicht mal so selten bei Menschen, die als Kind vernachlässigt oder misshandelt wurden. Sie hoffen bis zu ihrem Lebensende, dass sie eben doch geliebt wurden und somit alles in Ordnung ist. Der eigene Wert wird eben komplett von der Liebe der Eltern abhängig gemacht.
Dein Partner steckt da sehr tief drin, einmal emotional, wie auch kulturell. Er kann nicht anders, selbst wenn er wieder und wieder verletzt wird. Aus dem Hamsterrad kommt er nicht raus.
Es gibt durchaus Partnerschaften, die kulturelle Unterschiede meistern können. Da müssen nur beide Partner wollen und vor allen Dingen sich auch bewusst sein, dass die Verantwortung zum Gelingen bei beiden gleichermaßen liegt. Deinem Partner ist es aber nicht bewusst. Er sieht sich nur unter Druck gesetzt, von Dir, wie auch von seiner Familie.
Ich weiß nicht, wie Dein Verhältnis zur Familie ist. Wenn Ihr Euch gut versteht und das anscheinend ohne Mühe und Druck, kann ich mir schon vorstellen, wie schmerzhaft es für ihn sein kann, so etwas mit anzusehen. Es erinnert ihn daran, was er eben nicht hat. Es ist vielleicht gar nicht seine Ignoranz, die Familientreffen frühstmöglich verlassen zu wollen, sondern reiner Selbstschutz.

Ganz ehrlich, ich sehe da wenig Raum für Dich. Da er mehr mit dem Verhältnis zu seiner Familie beschäftigt ist, scheinen dir Ressourcen nicht auch noch für die Beziehung mit Dir zu reichen. Er hat da keine Kontrolle drüber. Impulsiv fügt er sich sofort wieder dem Willen der Familie, obwohl er weiß, dass es ihm nicht gut tut.
Unter diesen Umständen ist die Prognose eher düster für Euch.
Du hast eben auch Deine Bedürfnisse, die er aber nicht befriedigen kann. Du wirst die Enttäuschung auch nicht unterdrücken können. Wenn man immer und immer wieder das Nachsehen hat, ist man irgendwann frustriert.
Die Probleme innerhalb seiner Familie werden Dir aufs Auge gedrückt werden. Finanziell, wie auch emotional. Du wirst in Eurer Beziehung automatisch für das aufkommen müssen, was er in seine Familie reinsteckt. Du wirst seinen Frust abbekommen, wenn er wieder enttäuscht wurde. Nebenbei darfst Du mit ansehen, wie Du Dich zwar um die Beziehung bemühen darfst, allerdings von ihm nichts erwarten kannst, weil er seine ganze Kraft in des Verhältnis zur Familie steckt. Und er wird da nichts Falsches dran sehen. Hier in unseren Breitengraden wird durchaus geraten, mit der eigenen Familie zu brechen, sollte die einem nicht guttun.
Er stammt aber aus einer Kultur, da kommt der Bruch mit der Familie Hochverrat gleich. man wird ihn dafür verantwortlich machen.
 

Benutzer152906 

Meistens hier zu finden
Ich hoffe das ist jetzt ein bisschen klarer formuliert.

Ehrlich gesagt Nein ....

Du willst, dass Dein Partner glücklich ist und so wie das klingt, wird er mit den Dingen, die er dort gemacht hat, nicht glücklich sein. Und Du siehst Dich jetzt als "der große Arsch", weil er das nicht auch für Dich tut? Ist es nicht so, dass Du froh darüber sein solltest, dass Du ihn nicht so behandelst und er sich nicht von Dir derart unterbuttern lässt?
 

Benutzer157013 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Themen zusammengefügt. Es handelt sich ja quasi um die Fortsetzung.
 

Benutzer148761  (33)

Meistens hier zu finden
Hat er denn gesagt, dass er jetzt Spaß hat und aus Eigeninteresse die Nächte durchfeiert oder könnte das eher erzwungen sein durch die Familie´?
 

Benutzer186935  (23)

Ist noch neu hier
Hat er denn gesagt, dass er jetzt Spaß hat und aus Eigeninteresse die Nächte durchfeiert oder könnte das eher erzwungen sein durch die Familie´?
Er jammert nonstop, hat aber mir gegenüber so eine große Klappe und prahlt, „dass er sich nichts gefallen lässt und zu nichts zwingen lässt“ und dann wenns darauf ankommt lässt er alles mit sich machen. Und wenn ich nachfrage, warum er das mit sich machen lässt kommt keine Antwort. Ich verstehe halt nicht warum man anderen die Macht gibt mit einem so umzugehen. Bei mir kann er sich ja auch durchsetzten. Aber das ist wie ein Rattenschwanz. Ich lasse ja auch zu dass es mir deswegen schlecht geht.
 

Benutzer187100  (58)

Sorgt für Gesprächsstoff
Weil ich sehe wie ich Vollidiot mich hinten anstelle für die Beziehung und er eben nicht.

Diese Art von Gefühlen kenne ich. Aus früheren Freundschaften, aus meiner Ehe, auch im Arbeitsumfeld. Immer dann, wenn ich über meine Kräfte hinausgehe, mir buchstäblich den Allerwertesten aufreiße und dann das Gefühl habe, daß das nicht in gleichem Maß erwidert wird. Böse Falle! Wann immer ich dann genauer hinschaue, stelle ich fest, daß ich über meine Grenzen nicht selbstlos hinausgegangen bin, sondern meist die Sehnsucht dahintersteckt, genau das zurückzubekommen. Quasi so eine Art „ich tanz dir vor, was ich von dir gerne hätte“.

Ich verstehe deine Angst und deine Verletztheit, besonders auch vor dem Hintergrund deiner Verluste, die du erleben mußtest. Und ich verstehe auch, wie fassungslos man mitunter sein kann wenn man miterlebt, wie stark und anscheinend zwingend wirkende Familienbande selbst nach jahrelanger Distanz noch immer aktiv sind, das habe ich im Freundeskreis durch verschiedene Kulturkreise auch so miterlebt.

Jetzt hattest du also ein paar Wochen Zeit, in denen du Gelegenheit hattest, nicht nur weitere Ängste aufzubauen, sondern vielleicht auch ein wenig zu spüren, wie es ist, nicht hautnah die Belastungen des Partners mitzutragen, nicht? Und da ist jetzt also auch bissl Luft gewesen, wieder ein wenig besser die eigenen Bedürfnisse, Sehnsüchte zu spüren, die im Miteinander doch oft nicht so richtig wahrgenommen werden können, weil das Ich hinter dem Wir zurückstecken muss?

Das ist sicher kein schönes Gefühl. Aber eine prima Gelegenheit, so eine Art „emotionale Standortbestimmung“ für dich zu machen, unabhängig davon, wie dein Freund zu dir zurückkommt. Die kann dir dabei helfen, zu überprüfen, ob und wie du mit ihm weitermachen willst. Auch „negative“ Gefühle sind dabei kein Beinbruch: Enttäuschung, Frust, Verlustängste und dergleichen sind gute Hinweise, an welchen Stellen du ein wenig mehr auf dich selbst achten musst, was letztendlich nicht nur dir, sondern auch eurer Beziehung gut tun kann, wenn du sie beachtest.
 

Benutzer175862 

Öfter im Forum
Der arme Mann.
Du merkst offenbar gar nicht, dass du genauso fordernd und bedrängend bist wie seine Familie.
Ich hoffe er bemerkt es selbst und zieht Konsequenzen.
 

Benutzer178411  (20)

Öfter im Forum
Ehrlich gesagt weiß ich gar so richtig was ich sagen soll.
Einerseits verstehe ich deine Gedanken und auch dass du dich unfair behandelt fühlst.
Auf der anderen Seite denke ich mir, dass du extrem fordernd, übergriffig, anmaßend und einengend bist. Legst du bei dir selbst die eigenen Maßstäbe an wie bei ihm?
Wenn er sich bei dir so eingeengt fühlt, wie du es hier mit deinen Schilderungen vermuten lässt, würde es mich nicht wundern wenn er jetzt weit weg von dir Auch mal über die Stränge schlägt. Es klingt auch etwas so, dass er von dir eingeschüchtert ist. Alles keine gute Zeichen.
Auf jeden Fall hat für ihn in seiner Kultur Familie und Heimat einen ganz anderen Stellenwert als für dich in unserer. Vielleicht hab ich es überlesen, aber woher er genau kommt bzw. Wie er geprägt ist, hast du nicht geschrieben oder?
In anderen Kulturen ist es Gang und gebe dass Familie Geld und waren von den im Ausland lebenden Angehörigen bekommen. Sie immer unterstützt werden. Offenbar macht er auch das auch. Ober da jetzt zu gezwungen wird, wer weiß das schon.
Ich befürchte aber, dass du in erster Linie an dir und deinem Anspruchsdenken arbeiten solltest. Ansonsten glaube ich nicht, dass das auf Dauer mit euch gut gehen und halten wird:
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren