Planetarium Onlineportal "Zanzu" soll bei der Sexualaufklärung von Migranten helfen

Benutzer90972 

Team-Alumni
Was bedeutet Homosexualität? Was passiert mit dem Körper in der Schwangerschaft? Was macht überhaupt die Beckenbodenmuskulatur? Wie funktioniert der weibliche Zyklus?

Das ist nur eine kleine Auswahl von Fragen, die bestimmt auch nicht jede(r) beantworten kann, der das deutsche Schulsystem durchlaufen hat. Angebote zur sexuellen Bildung werden zwar immer mehr ausgebaut, erreichen aber leider immer noch nicht jeden oder müssen sich gegen massive Proteste behaupten. Schwieriger wird es für die Menschen, die nie Sexualkunde hatten, in deren Herkunftsländern Sex noch immer ein Tabu ist und bestimmte L(i)ebensweisen vielleicht sogar unter Strafe stehen.


Quelle: BZgA (Zanzu.de)
„Zanzu“ ist ein Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das durch eine Kooperation mit dem flämischen Expertenzentrum für sexuelle Gesundheit "Sensoa" entstanden ist. In vielen Ländern wird Sexualkunde nicht unterrichtet - oder Sex ist gar ein Tabu-Thema. „Vor allem zu uns geflüchtete Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben, erhalten hier einen diskreten und direkten Zugang zu Wissen in diesem Bereich“, sagt Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium. Das Portal sei aber kein Produkt der Flüchtlingskrise. Seit Jahren seien die Vorbereitungen für das Angebot gelaufen. Die aktuellen Entwicklungen würden dem Thema nun aber durchaus eine noch größere Relevanz geben.

Nicht nur rein biologische Abläufe werden in dem Portal erklärt. Es geht auch über rechtliche Bestimmungen in Deutschland, einen Einblick in das Gesundheitssystem und Beratungsmöglichkeiten. Die Informationen können in 13 verschiedenen Sprachen gelesen werden: Von Arabisch, über Russisch, Rumänisch, Spanisch und Türkisch. Wer (noch) nicht lesen kann, kann sich die Informationen durch einen Klick auch vorlesen lassen. Zeitnah soll das Angebot sogar um die Gebärdensprache erweitert werden.


Quelle: BZgA (Zanzu.de)
Durch Piktogramme und Bilder werden die Besucher des Portals an die Thematik herangeführt. Das sich manche an den Bildern und Piktogrammen stören könnten, ist den Machern bewusst. Nicht nur Youtuber Hagen Grell verwies bereits auf die Problematik der transportierten Vorurteile, die er mit "Schwarzer Penis in weißer Vagina" zusammenfasste.
Zanzu richte sich an Erwachsene und um zu erklären wie man ein Kondom korrekt verwendet, sei es schlicht notwendig einen Penis abzubilden. Vielfalt kann und soll auch im Rahmen der Piktogramme dargestellt werden. Befragungen der von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen unterstützen die Macher - die Bilder wurden als "angemessen" eingestuft, die Reaktionen von kooperierenden Ärzten waren "durchweg positiv".

Grundsätzlich steht jedem der Zugriff auf Zanzu frei. Zielgruppe des Portals sind zunächst aber Berater, Mediatoren und Fachleute, die je nach Anlass und Personengruppe Material und Thematik auswählen und vermitteln können.
Das langfristige Ziel ist es, das Portal internationaler zu gestalten. Dazu müssen vor allem die rechtlichen Regelungen und Informationen zu den jeweiligen Gesundheitssystemen angepasst werden.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Zanzu
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Pressemitteilung "Fachkonferenz: Die sexuelle Gesundheit von Migrantinnen und Migranten stärken" (02/16)
Tagesspiegel: Link wurde entfernt
Passauer Neue Presse: Sex ist kein Tabu-Thema: Onlineportal "Zanzu" klärt Migranten auf
SZ: Zanzu: Sexualkunde für Migranten
Huffington Post: Portal "Zanzu" der Bundesregierung soll Flüchtlinge aufklären - doch daran gibt es Kritik
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Benutzer6428 

Doctor How
Sehr gute Aktion!
Je mehr es sowas gibt, um so besser! Ich glaube, dass Wissen und Bildung eines der absolut wichtigstens Pfeiler von Frieden ist.
 

Benutzer150539 

Sehr bekannt hier
Die Flut an Informationen ist ja gewaltig :eek: leider hab ich das System noch nicht ganz verstanden (hab mich etwas durchgeklickt und dann aktiv nach Themen gesucht, wurde nur über Umwege fündig) - und gleichzeitig fehlt mir eine Feedback-Möglichkeit
Z.B. :
- Wird bei der Monatshygiene nur von OB und Binden gesprochen, da wäre eine Erwähnung weiterer Möglichkeiten (Z.b. Menstasse) nicht verkehrt
- Bei Homosexualität von Männer wird nur von "homosexuell" gesprochen, bei Frauen von "Homosexuelle oder Lesben". (mir fehlt das wort "schwul" als Alltagsbegriff)

Aber sonst: Respekt, aber es wird viel Arbeit sein, ein solch umfängliches Tool aktuell zu halten..
 

Benutzer133456  (49)

Beiträge füllen Bücher
Das ist mal eine prima Idee. Ich hoffe allerdings, dass die Verantwortlichen es verstehen, die Zielgruppe auch wirklich zu erreichen. Es geschieht so oft, dass hochrelevanter Inhalt komplett im Rohr krepiert, weil dieser Aspekt naiv behandelt wird.

Ich nehme an, die Inhalte wurden strategisch mit direkter Einbindung der Zielgruppen formuliert? Also, es sassen Abgesandte mit Oeffentlichkeitsarbeitserfahrung aus diesen Gruppen mit am PC, als die Texte geschrieben und die Bilder ausgewaehlt wurden? (sorry, an mir nagt die Zynik)
:whistle:
 
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