Nur 6 Stunden am Tag arbeiten. Ist das schwedische Modell auch für deutsche Firmen realistisch?

Benutzer156660  (33)

Benutzer gesperrt
Hallo ihr Lieben,

mich würde Eure Meinung da mal interessieren. Ist das Model auch in Deutschland realistisch?

Grundsätzlich wäre das sicherlich nicht schlecht. Aber wer weniger arbeitet, verdient ja auch weniger. Da wird es doch sicherlich dann erste Probleme geben?
 

Benutzer151218 

Verbringt hier viel Zeit
Naja erstmal muss man Bedenken, dass die Schweden ein anderes Volk mit einer anderen Mentalität sind. das heißt allein aus der Perspektive kann man das nicht so einfach in deutschland aufziehen. dann zum andern gibt es in deutschland viel mehr Großunternehmen und Fabriken, die viele Arbeiter und viel Arbeit haben: Porsche, Audi, BASF etc. Für die würde es gegebenenfalls bedeuten mehr Leute zu engagieren oder aber Produktion zu senken.
Wenn die Unternehmen (jetzt wird es wirtschaftlich) mehr Löhne zahlen erreichen wir tendenziell eher eine Vollbeschäftigung (siehe magisches Viereck), aber auch sinkende Löhne. Wenn die Löhne gleich bleiben würden, würde die Inflation nämlich steigen, so aber sinkt der Wohlstand in der Bevölkerung. Eine Steigerung der Produktivität wäre möglich, dann steigt auch das Wirtschaftswachstum weiter, was auf lange Sicht wieder steigende Löhne bedeuten könnte. So wirklich absehbar ist das alles aber nicht. Es ist hier eine sehr verzweigte Situation in der es sehr stark von der Reaktion der Unternehmen darauf ankommen würde.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ganz unwirtschaftlich, rein persönlich: Da ich zurzeit den Luxus habe, mir meine Arbeitszeiten weitestgehend frei legen zu können (sowohl was Anfang und Ende als auch die Dauer betrifft) muss ich schon sagen, dass 6 Stunden bei mir echt eine ganz gute Zeit sind, bzw. 7 Stunden Anwesenheit und eine Stunde (unbezahlte) Pause.
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ist ja eh ein Hohn, dass wir trotz allem Fortschritt heute tendenziell kaum weniger arbeiten als vor 100 Jahren :argh:

Und dass tendenziell lieber 8h mäßig produktiv abgerissen werden als mal 4-6h richtig produktiv. Einfach nur, weil man halt 40h arbeiten muss.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich sehe es ähnlich wie Schweinebacke Schweinebacke . Imho schaffen es die wenigstens 8h effektiv zu arbeiten. Ich würde auch lieber meine 8 oder 9h auf Arbeit anwesend sein und dafür nachmittags nochmal ne Pause machen.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich habe es ja schon vor kurzem in einem anderen Thread erwähnt:

Unser auf einem dauerhaften, exponentiellen Wirtschaftswachstum beruhendes Wirtschaftsmodell ist aus zwei Gründen zum scheitern verurteilt:
1. Es gibt nur begrenzte Ressourcen.
2. Angesichts einer endlichen Anzahl an Menschen ist auch die Nachfrage endlich.

Da gleichzeitig immer mehr Arbeiten von Maschinen, Robotern, usw. übernommen werden oder zumindest mit technischen Hilfsmitteln in immer kürzerer Zeit erledigt werden können, wird die zur Befriedigung der begrenzten Nachfrage nötige Arbeit immer weiter abnehmen.
Wenn wir nun versuchen, diese Arbeit halbwegs gerecht auf die verfügbaren Arbeitskräfte aufzuteilen, landen wir automatisch bei einer sinkenden Arbeitszeit jeder einzelnen Arbeitskraft.
Dementsprechend sollte es mittelfristig auch möglich sein, die individuelle Arbeitszeit (natürlich ohne Lohnausgleich) zu senken.
 

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich arbeite jetzt auch nicht mehr, geht also jetzt schon. Und meine Mitarbeiter meinetwegen auch, sofern der Staat das finanzieren kann.
 

Benutzer52594 

Verbringt hier viel Zeit
Funktioniert nicht.
Alle Firmen maximieren den Gewinn. Egal ob auf 6 oder 8 h angestellt, die Leute müsssen solange arbeiten bis alles erledigt ist. Und damit es keinem zugut geht werden Leute entlassen, wenn die Aufgaben in der Regelarbeitszeit erledigt werden. Dann machen die übriggebliebenen unbezahlte Überstunden damit der Kunde zufrieden ist.
Ergebnis:
- Kunde hat sein Produkt
- Angestellter hat Überstunden gekloppt um seinen Job zu behalten und wurde ruhiggestellt
- Unternehmer hat mehr verdient
- der Rest bezieht H4 und genießt sein Öttinger Edelpils
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
In schon Personal schwachen Branchen wie Pflege und Gastronomie , nicht umsetzbar. Dazu koennte ich dann echt nicht mehr von meinem Geld leben .

Klar Ökonomisch gesehen , hat man dadurch eine bessere Abdeckung, weil wenn von 4 Einer Fehlt kompensieren die anderen 3 die man dann hat .

Vom Staat aus gesehen der Untergang des Sozialsystems oder der Mindestlohn müsste auf 15 € angehoben werden.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Erst einmal muss man sagen, dass das auch in Schweden nicht die Regel ist und man auch nicht unbedingt wie vorher bezahlt wird:

Besser läuft es in schwedischen Techunternehmen, die im Sechsstundentakt arbeiten. Hier wird dann aber auch nur für sechs Stunden bezahlt. Linus Feldt etwa ist Chef des App-Entwicklers Filimundus und bietet seinen Mitarbeitern seit letztem Jahr den Sechsstundentag an.
Business Insider: Aus Schweden kommt der Sechs-Stunden-Arbeitstag (und wir sollten alle mitmachen) 30.09.2015 | Nachricht | finanzen.net

Für das gleiche Geld würde ich gerne nur 6h pro Tag arbeiten. Ob ich produktiver wäre? Keine Ahnung, dafür müsste wohl auch allgemein etwas in der Firma passieren. Wenn ich von 6h dann 4h in Meetings sitze, von denen ich im Nachhinein denke, dass sie mir nichts gebracht haben und ich dann in den restlichen 2h meine normale Arbeit noch machen soll, dann klingt das gerade nicht entspannter.
 

Benutzer75070 

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Ich persönlich fände 6 h arbeiten auch viel besser. Zurzeit haben wir eine 42 h-Woche und zu wissen, dass man 9 Stunden auf der Arbeit sein muss, wo ich doch locker alles in 6 bis 7 Stunden schaffen könnte, ist unglaublich demotivierend.
 

Benutzer84435 

Meistens hier zu finden
Ich habe es ja schon vor kurzem in einem anderen Thread erwähnt:

Unser auf einem dauerhaften, exponentiellen Wirtschaftswachstum beruhendes Wirtschaftsmodell ist aus zwei Gründen zum scheitern verurteilt:
1. Es gibt nur begrenzte Ressourcen.
2. Angesichts einer endlichen Anzahl an Menschen ist auch die Nachfrage endlich.

Das ist aus folgenden Gründen nicht richtig:
a) Rohstoffe können durch technologischen Fortschritt immer effizienter genutzt werden. So hat sich z.B. der Fahrzeugbestand in Deutschland in den letzten 25 Jahren um etwa 40% erhöht, der Verbrauch von Erdöl ist hingegen um über 12% gefallen.
b) Rohstoffe können durch andere substituiert werden. Im Bereich der Automobilindustrie können z.B. Verbrennungsmotoren durch E-Fahrzeuge und entsprechende erneuerbare Energien ersetzt werden.
c) Wirtschaftswachstum wird nicht alleine durch die Verwendung von Rohstoffen erzeugt, sondern immer mehr von Dienstleistungen und anderer nicht-materieller Güter.
d) Theoretisch könnte man in einigen Jahrzehnten auch weit über den Planeten Erde hinaus Rohstoffe abbauen.
e) Eine endliche Nachfrage ist eine falsche Annahme, die schon Keynes zu Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Der Mensch erschafft sich selbst permanent eine neue Nachfrage durch neue Produkte.

Da gleichzeitig immer mehr Arbeiten von Maschinen, Robotern, usw. übernommen werden oder zumindest mit technischen Hilfsmitteln in immer kürzerer Zeit erledigt werden können, wird die zur Befriedigung der begrenzten Nachfrage nötige Arbeit immer weiter abnehmen.
Wenn wir nun versuchen, diese Arbeit halbwegs gerecht auf die verfügbaren Arbeitskräfte aufzuteilen, landen wir automatisch bei einer sinkenden Arbeitszeit jeder einzelnen Arbeitskraft.
Dementsprechend sollte es mittelfristig auch möglich sein, die individuelle Arbeitszeit (natürlich ohne Lohnausgleich) zu senken.

Das sehe ich ebenso. Wenn selbst hochqualifizierte Arbeiten immer mehr durch bessere Roboter und KI erledigt werden, kann auch die meiste Arbeit reduziert werden. Nötig wären dafür aber Rahmenbedingungen. Beispielsweise müsste man ein Grundeinkommen einführen und Kapital viel stärker besteuern um dies zu finanzieren. Eine massive Lohnerhöhung ohne Erhöhung der Produktivität des Arbeitnehmers macht keinen Sinn, also muss man einen Ausgleich durch den Staat organisieren.
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Ich arbeite regelmäßig 5-6 Std (ohne Pause) und schaffe da meistens genauso viel wie die Vollzeitkollegen, die 2x Pause machen und sich jedes Mal wieder einarbeiten müssen und sich viel häufiger Schwäctzchen auf dem Flur gönnen. Ich ziehe meine Zeit dann auch durch.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Das ist aus folgenden Gründen nicht richtig:
a) Rohstoffe können durch technologischen Fortschritt immer effizienter genutzt werden. So hat sich z.B. der Fahrzeugbestand in Deutschland in den letzten 25 Jahren um etwa 40% erhöht, der Verbrauch von Erdöl ist hingegen um über 12% gefallen.
b) Rohstoffe können durch andere substituiert werden. Im Bereich der Automobilindustrie können z.B. Verbrennungsmotoren durch E-Fahrzeuge und entsprechende erneuerbare Energien ersetzt werden.
c) Wirtschaftswachstum wird nicht alleine durch die Verwendung von Rohstoffen erzeugt, sondern immer mehr von Dienstleistungen und anderer nicht-materieller Güter.
d) Theoretisch könnte man in einigen Jahrzehnten auch weit über den Planeten Erde hinaus Rohstoffe abbauen.
e) Eine endliche Nachfrage ist eine falsche Annahme, die schon Keynes zu Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Der Mensch erschafft sich selbst permanent eine neue Nachfrage durch neue Produkte.
Es mag ja durchaus sein, dass das Wachstum noch eine ganze Weile so weiter gehen kann... aber die ganzen Raumfahrt-Geschichten - sei es nun der Abbau von Rohstoffen im Weltall oder die Besiedelung anderer Planeten ist allerhöchstens weit entfernte Zukunftsmusik.
Und da es auch nicht nur um materielle Ressourcen geht, sondern auch Zeit eine Ressource ist und ein Mensch nur sehr bedingt multitaskingfähig ist und sich ganz sicher nicht aufteilen kann, kann er nicht beliebig viele Güter und Dienstleistungen gleichzeitig, bzw. in einem begrenzten Zeitraum (wie z.B. seiner Lebenszeit) nutzen, weshalb die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen selbstverständlich beschränkt ist.

Das sehe ich ebenso. Wenn selbst hochqualifizierte Arbeiten immer mehr durch bessere Roboter und KI erledigt werden, kann auch die meiste Arbeit reduziert werden. Nötig wären dafür aber Rahmenbedingungen. Beispielsweise müsste man ein Grundeinkommen einführen und Kapital viel stärker besteuern um dies zu finanzieren. Eine massive Lohnerhöhung ohne Erhöhung der Produktivität des Arbeitnehmers macht keinen Sinn, also muss man einen Ausgleich durch den Staat organisieren.
Natürlich muss man das System ändern, so dass von einer Steigerung der Produktivität nicht nur die Unternehmen und die "oberen Zehntausend" profitieren, sondern alle Bürger.
Ein Bedingungsloses Grundeinkommen (möglicherweise auch in Form einer negativen Einkommenssteuer, o.Ä.) könnte dazu durchaus ein geeignetes Mittel sein.
 

Benutzer10752 

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Familienfreundlicher ist das Modell auf jeden Fall.

Mit einem normalen 8-Stunden-Tag, der mit Mittagspause 9 Stunden dauert, und dann vielleicht noch wegen etwas Mehrarbeit auch mal regelmäßig 9,5 oder 10 Stunden, plus Pendeln, ist man halt wirklich sehr schnell von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends aus dem Haus.

Die Kinder sieht man so nicht. Das mag früher noch irgendwie gegangen sein, als die Löhne so lagen, dass man als die typische deutsche Einverdiener-Familie gut über die Runden kam, heutzutage kann es sich ja kaum noch jemand leisten, wenn ein Ehepartner als "Hausfrau/mann" zu Hause bliebe.

Nebenbei bemerkt war es bis vor wenigen Jahrzehnten noch üblich, dass jeder samstags gearbeitet hat. In manchen anderen Ländern (Asien) ist das bis heute so. Diese (historischen oder realen) Gesellschaften würden wohl auf die Frage, ob man denn einfach den Samstag streichen könne, wohl auch entrüstet sagen "Nein, da geht ja wertvoller Produktivität verloren!" oder "Das würde die Wirtschaft niemals mitmachen."

Deutschland scheint es ja nicht geschadet zu haben. (Jetzt mal ausgeklammert, dass es viele Freiberufler und Führungskräfte gibt, die samstags arbeiten...).
 

Benutzer3277 

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Nein, unrealistisch. Der Deutsche ist dafür bekannt, gern und viel zu arbeiten. Nicht umsonst ist Germany immer an der Spitze, sei es bei Wirtschaftskraft oder Export, und das trotz zweier verlorener Weltkriege. Ich kenne Leute, die freiwillig auf ihren Jahresurlaub verzichten, um in der Firma zu arbeiten. Oder die am Strand ständig mit der Firma telefonieren.

Sprichwort: "Der Amerikaner schießt sich tot, der Russe säuft sich tot, der Deutsche arbeitet sich tot".
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
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Nein, unrealistisch. Der Deutsche ist dafür bekannt, gern und viel zu arbeiten. Nicht umsonst ist Germany immer an der Spitze, sei es bei Wirtschaftskraft oder Export, und das trotz zweier verlorener Weltkriege. Ich kenne Leute, die freiwillig auf ihren Jahresurlaub verzichten, um in der Firma zu arbeiten. Oder die am Strand ständig mit der Firma telefonieren.

Sprichwort: "Der Amerikaner schießt sich tot, der Russe säuft sich tot, der Deutsche arbeitet sich tot".
Gegen die Japaner sind wir aber Waisenknaben. Da hat man gefühlt drei Tage Urlaub im Jahr und so mancher nimmt lieber den Strick als eine Kündigung :ninja:
 

Benutzer3277 

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Gegen die Japaner sind wir aber Waisenknaben. Da hat man gefühlt drei Tage Urlaub im Jahr und so mancher nimmt lieber den Strick als eine Kündigung :ninja:

Das stimmt natürlich auch (zumindest habe ich davon gehört), und es gibt sicher noch ein paar Länder.
[doublepost=1444080083,1444079350][/doublepost]Es gibt ja das Beispiel DDR. Wie ich hörte wurde da oftmals die Arbeitszeit vertrödelt durch stundenlanges Warten auf fehlendes Arbeitsmaterial oder einfach nur 3 Std. Geburtstag feiern bis hin zu Betriebsausflügen während der Arbeitszeit. Oder man kam montags erst Mittag auf Arbeit weil man am Wochenende gefeiert hatte. Das Ergebnis ist bekannt, die (Mangel-)Wirtschaft brach irgendwann zusammen (1989). Aber: Viele ExDDR-Leute schwärmen noch heute von dieser Mentalität, sich "nicht tot machen zu müssen". Klar, mit 6 Std. am Tag würde Germany schnell weg sein von der Weltspitze....
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich kenne das schwedische Modell leider nicht. Aber ich wüsste jetzt keinen Grund, warum etwas, das in Schweden funktioniert, in D nicht funktonieren sollte.
 
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