"Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?"

Benutzer96053 

Planet-Liebe Berühmtheit
Hallo zusammen! :smile:

Erstmal vorweg - bei uns ist noch kein Nachwuchs unterwegs, trotzdem machen wir uns schon Gedanken, wie wir Grundsätzliches in der Erziehung handhaben würden.

Das Thema Religion ist ja immer heikel. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit fragen wir uns natürlich, ob wir unseren Kindern irgendwann die Weihnachtsgeschichte nahebringen werden oder nicht. Wir sind beide nicht sonderlich religiös, obwohl ich sehr strengreligiös aufgewachsen und bestens vertraut bin mit allen biblischen Geschichten. Ich bin mir noch sehr unsicher, wie viel ich unseren Kindern nahebringen will oder ob unsere Kinder doch recht atheistisch aufwachsen werden.

Wir handhabt ihr das, die ihr schon Kinder habt? Erzählt ihr euren Kindern biblische Geschichten, an die ihr eventuell selber nicht glaubt? Erzählt ihr ihnen, dass alles Quatsch ist (sofern ihr das glaubt) und nehmt ihnen den Glauben? Immerhin glauben sie ja meist auch an den Weihnachtsmann/das Christkind und den Osterhasen...

Oder wie habt ihr das vor, falls ihr irgendwann Kinder habt (sofern ihr welche wollt)?
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich kann dir nur erzählen, wie ich aufgewachsen bin: Ich bin grundsätzlich nicht religiös erzogen worden, meine Eltern sind nicht gläubig. Trotzdem habe ich die Weihnachtsgeschichten/Bibelgeschichten vorgelesen bekommen (in der Schule) und meine Eltern haben mir was vom Christkind erzählt. Für mich war das alles einfach Teil von Weihnachten. Wieviel Wahrheit und Tiefsinnigkeit da vorhanden ist, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Es hat mir auch nicht geschadet, denke ich. Ich würde mir diesbezüglich also vermutlich nicht so große Gedanken machen. Für mich waren Bibelgeschichten ähnlich wie Geschichten aus der Sagenwelt oder der griechischen Mythologie. Irgendwas wahres wird dran sein, aber was genau wahr ist, das lässt sich eben nicht immer genau einschätzen. Und einem Kind ist das wohl auch ziemlich egal. Ich habe auch ohne Probleme Geschichten über Zeus gehört, ohne dass ich dann daran geglaubt habe, dass es einen Zeus gibt, der Blitze wirft.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Noch ist bei mir bisschen hin mit den Kindern, aber momentan ist meine Einstellung die, dass ich meine Kinder mit Religion in Berührung kommen lassen möchte. Ich verbinde mit der Kirche auch viele schöne Dinge: Weihnachten, Ostern, die Mädchenjungschar, St. Martinstag und die Laternenumzüge, schöne Geschichten, tolle Lieder, die Kommunionsvorbereitung,...
Man kriegt auch viele wichtige Werte vermittelt und es gibt einem auch irgendwie einen Halt. Auch, wenn man mal Phasen hat, in denen man sich vom Glauben abwendet: Man hat das Wissen, dass da im Hintergrund noch was ist.
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Mir gehts da ähnlich wie Lotusknospe, und ich muss sagen, ich fand es gut.

Familiär bin ich quasi gar nicht mit der Bibel an sich in Berührung gekommen, und Weihnachten war für mich auch nie etwas religöses. Aber das Christkind, die Könige, sowas gehörte einfach zu Weihnachten. Generell wurden mir Bibelgeschichten, wenn ich damit in Berührung kam, später im Kindergarten zum Beispiel, wie alle Märchen erklärt. Das sind Geschichten, die jemand geschrieben hat, weil er damit ein Botschaft vermitteln wollte. Man darf sie nicht wortwörtlich lesen und man darf eine eigene Meinung dazu haben.
Und man muss respektieren, wenn andere eine andere Meinung haben. Jeder darf auf seine eigene Weise etwas aus Geschichten lernen, aber Geschichten sind niemals die Realität.

Ich war jedoch auch immer ein ziemlich eigensinnig, unabhängiges Kind, vielleicht brauchen andere mehr Hintergründe dazu? Mir hat das als Erklärung gereicht, und tut es heute noch.

Für mich und meine Wesenzüge der einzig gesunde Zugang zu Religionen generell.
 

Benutzer138875 

Beiträge füllen Bücher
Ich selber bin weder gläubig noch restlos ungläubig und würde mich am ehesten als Agnostiker bezeichnen.
Ich zweifle an der Existenz einer höheren, überweltlichen Instanz, kann diese aber mit meinem begrenzten Überblick, schlüssig, weder verneinen, noch bestätigen.

Was meine Kinder betrifft, so ist mir vor allem wichtig, dass sie ihre eigenen Überlegungen zu diesem Thema anstrengen.
Wenn sie Fragen zur biblischen Geschichte haben, erzähle ich das, was aus meiner Schul- und Konfirmationszeit hängen geblieben ist und bemühe mich das Gesagte nicht zu kommentieren. Natürlich fragen sie dann nach unserer Sicht der Dinge.
Ich sage, was mich skeptisch macht, aber bewerte das nicht endgültig. Sollen sie ihre eigenen Gedanken verfertigen, wenn diese dann, früher oder später in den Glauben oder die Ungläubigkeit führen, so haben sie es selbst entschieden.
Akzeptieren kann ich beides.

Christlich motivierte Feste wie Ostern und Weihnachten feiern wir ohne frommen Überbau, als gesellige Feiern und mit (Vor)Freude. Als Weihnachtsmann war ich, trotz all meiner Skepsis, auch schon verkleidet. Nur beim Osterhasenkostüm,
da würde ich mich stets sträuben. :zwinker:
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Ich finde es unproblematisch,Weihnachtsgeschichten seinen Kindern zu erzählen. Im Endeffekt sind es Geschichten, die einige Leute etwas zu ernst nehmen, die aber für Kinder nicht diese Bedeutungsschwere haben. Es ist ein Teil von Bräuchen und Kultur unserer Wurzeln, denen ich meinen Welpen jetzt auch nicht vorenthalten wollen würde, nur weil Religion damit verbunden ist. Für mich rangiert das auf einem Level mit Märchen und die finde ich ja auch nicht weiter bedenklich.

Der Gedanke, seine Kinder vor religiöser Indoktrinierung zu schützen, ist nachvollziehbar und auch nicht unwichtig, aber vor Weihnachten als solches gibt es ja keinen "Schutz" und es ist vielleicht auch nicht sinnvoll, ihnen das vorzuenthalten. Ist doch an sich eine ganz erfreuliche familiäre Angelegenheit für die Kleinen und kann auch ohne viel Religion praktiziert werden.
 
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Benutzer96776 

Beiträge füllen Bücher
Ich bin schon religiös, jedoch praktiziere ich meinen Glauben nicht sehr ausgiebig.
Es ist mir jedoch schon ein Anliegen, meinen zukünftigen Kindern zwanglos (!) das Christentum näherzubringen.
Das soll nicht heißen, dass ich sie jede Woche in die Kirche schleppe (abgesehen davon tu ich das ja auch selbst nicht), aber Grundsätzliches über den Glauben/ die Bedeutung des Christentums will ich ihnen sehrwohl beibringen, wie z.B. die Bräuche vom Heiligen Nikolaus oder dem Christkind.

Ich würde ein Baby selbstverständlich auch taufen lassen, das ist bei uns so üblich und auch ich finde diese Zeremonie sehr wichtig und schön, da würde ich gar nicht groß darüber nachdenken.

Dennoch, wie schon gesagt, wie sehr sich das Kind dann mit Religion beschäftigen möchte, bleibt ihm selbst überlassen, von der Taufe abgesehen würde ich ihm nichts "aufdrängen", bin in der Hinsicht nicht sehr konservativ oder erzkatholisch, sehe das nicht ganz so streng.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich halte ja bekanntlich überhaupt nichts von jeglicher Form von Glaube und Religion (naja... der Pastafarianismus ist schon irgendwie cool... aber die Pastafari nehmen sich und ihren Glauben ja auch nicht sonderlich ernst.) und möchte meine Kinder dementsprechend auch möglichst lange von religiöser Indoktrination fernhalten, sofern sie sich nicht irgendwann im entsprechenden Alter selbst und aus freien Stücken dazu entscheiden sollten, irgendeiner Glaubensgemeinschaft angehören zu wollen.

Aber gleichzeitig habe ich selbst Weihnachten vor allem als Kind als sehr schönes Familienfest erlebt und finde es auch heute noch schön, dass die Familie an diesem Fest zusammenkommt, sich den Bauch mit leckerem Essen voll schlägt und vor allem die Kinder mit leuchenden Augen schöne Geschenke auspacken können und sich freuen dürfen, wie ein Schneekönig.
All diese schönen Dinge sollen meine Kinder auf jeden Fall auch mal erleben. Man kann ja auch problemlos Weihnachten ohne den ganzen christlichen Ballast feiern. :zwinker:

Und natürlich werde ich meine Kinder auch über die religiösen Ursprünge dieses schönen Familienfests aufklären und ihnen auch erklären, welche Geschichte die Christen als Anlass für dieses Fest ansehen.
So etwas gehört doch einfach zur Allgemeinbildung - genau wie auch sonst ein grobes Wissen über die Weltreligionen, ihre Bräuche, Traditionen, usw. Immerhin haben Glaube und Religion im Laufe der Geschichte immer wieder eine wichtige Rolle gespielt und sind leider auch heute noch von großer gesellschaftlicher und politischer Relevanz.
 

Benutzer150198 

Meistens hier zu finden
Off-Topic:
Hahaha, immer diese merkwürdigen Zufälle: Gerade lerne ich für meine Deutsch-Klausur über na was wohl Faust, möchte mich drücken und begebe mich auf Planet Liebe und dann sehe ich dieses Zitat :grin: Eindeutiges Zeichen: Ich sollte lernen :zwinker: :ROFLMAO:
 
K

Benutzer

Gast
Sollte ich irgendwann einmal eigene Kinder haben (sollen) werde ich ihnen definitiv nix dergleichen von Weihnachtsgeschichte und Bibel erzählen.
Ich selbst bin in einem atheistischen Haus aufgewachsen und dementsprechend erzogen wurden. Für mich gibt es keinen Gott (oder Götter etc.) und genauso werde ich meine Kinder erziehen (sofern ich welche haben werde).
 
G

Benutzer

Gast
Ich bin auch absolut unreligiös aufgewachsen - wir waren zu Weihnachten nie in der Kirche, genauso wenig wie Ostern und Weihnachtsgeschichten wurden mir auch nie erzählt. Die kenne ich aus dem Kindergarten (katholische Gegend) und aus der Grundschule. Ich war beim Krippenspiel sogar einmal Maria und hatte keine Ahnung, was ich machen sollte :grin:

Ostern wurde und wird bei uns irgendwie nie gefeiert, was ich aber nie vermisst habe und Weihnachten war für mich immer ein Familienfest, das ich nicht mit einer Religion in Verbindung gebracht habe. Vermisst habe ich da nie was.

Hätte ich jetzt eigene Kinder und die würden mich konkret fragen, was es mit der Weihnachtsgeschichte auf sich hat, würde ich mir Mühe geben, ihnen all das zu erzählen, was ich darüber noch weiß (oder ich würde ihnen den Anfang von "das Leben des Brian" zeigen *hust*) und hinzufügen, dass Mama damit nicht wirklich viel am Hut hat. Mich auf eigene Faust hinsetzen und ihnen etwas vom Jesuskind in der Krippe erzählen, werde ich aber voraussichtlich nicht.

Taufen lassen würde ich meine Kinder nicht. Ob sie sich später einmal der Religion zuwenden wollen, sollen sie selbst entscheiden, wenn sie alt genug sind.

Off-Topic:
Mir fällt grade ein, dass ich z.B. die Geschichte von Moses bis zu dem Film "Der Prinz von Ägypten" gar nicht im vollen Umfang kannte. Habe den damals mit meiner Mutter im Kino gesehen und war vollkommen entsetzt darüber, wie ein angeblich gütiger Gott hingehen und alle Erstgeborenen töten kann, nur weil ihre Eltern die "falsche" Religion haben. Danach war ich mir sicher, mit diesem Gott, der unschuldige Kinder tötet, nichts zu tun haben zu wollen.
 

Benutzer157184 

Klickt sich gerne rein
Ich durfte mir das aussuchen, obwohl mein alter Herr katholisch und meine Ma evangelisch waren und bin damit gut gefahren. Weihnachten, Ostern und Allerheiligen gab es bei uns, auch ohne daß ich getauft worden wäre. Mitternachtsmessen und Martinsfeuer fand ich als Kind immer spannend - die Frage im Religionsunterricht, wo mir Jesus schon überall im Leben begegnet wäre, entlockt mir allerdings bis heute maximal ein Kopfschütteln.

Ein bisschen gruselig fand ich die Herausforderung, in einer Kita zu stehen und von einem freudestrahlenden Mädchen mit Weihnachtsbilderbuch in der Hand über "das Jesuskind" peinlichst genau befragt zu werden - gelöst habe ich das mit einem Lächeln, dem Publikumsjoker und einem Stoßgebet, daß mir so etwas bitte nie nie wieder passieren möge.

Für meine Kinder werde ich die Vorgehensweise meiner Eltern in diesem Punkt wohl übernehmen. Das liegt auch daran, daß es meines Erachtens nach aus kognitiver Sicht keinen Sinn macht, einem Wesen, das überhaupt noch nicht im Besitz seiner vollen geistigen Kapazität ist, Treueschwüre abzuverlangen. Respekt, Liebe, Achtsamkeit, Mäßigung, Mut und was ich Glauben sonst an wichtigen Botschaften abgewinnen kann, sind nicht einer einzigen Religion eigen, sondern vielleicht einfach der gemeinsame Boden, auf dem alle Wesen unter dieser Sonne stehen können, bis Mutter Natur ein Machtwort spricht und sie alle durcheinanderpurzeln.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Meine Mam ist mosaischen Glaubens (in den Akten steht "isr.", und nach streng jüdischem Regeln wäre ich und meine Geschwister Juden. Der Pa ist katholisch, aber von der sehr milden Sorte, und aufgewachsen bin ich in der "Zwingli-Stadt". Bei dieser Konstellation st klar dass Religion eher ein Thema ist als eine ernsthafte Vorschrift.
Ich selber bin gläubig, aber ich denke dass ich aus der Bibel nur das lebe was mir und anderen Menschen hilft, und der Rest ist für mich ein Geschichtenbuch, und kein "Anti-Darwin".

Ich werde meinen Kindern die Weihnachtsgeschichte gern erzählen, denn sie ist eine schöne Geschichte. Viel wichtiger ist es aber den Kindern zu zeigen, wie schön die Welt sein könnte, und wie wir zu ihr Sorge tragen müssen! Die heutige Welt wird nämlich um kein Haar besser, wenn wir Weihnachten in "Winterfest" (und Ostern in "Frühlingsfest") umbenennen. Was dann so heidlisch daher kommt ist bloss ein Versuch das Weihnachtsgeschäft zu retten

Ob die Kinder dann gläubig werden oder nicht, das bleibt eh offen. In meiner Familie gibt es beides, und wir kommen gut mit einander aus.

Eines möchte ich nicht machen: den Kindern "die verschiedenen Religionen" wie in einem Verkaufsregal "vorstellen", und dann können sie sich eine passende aussuchen. So geht Glaube nicht.
 

Benutzer141862 

Sehr bekannt hier
Ich bin in einem atheistischen Land aufgewachsen, meine Familie ist nicht religiös und die Bibel habe ich auch nie gelesen. Ergo - ich habe vom Anfang an sehr wenig Ahnung von Weihnachtsgeschichten und anderen christlichen Themen, war aber eher agnostisch. Einige intensive Efrahrungen mit Religion haben mich dann später atheistisch gemacht. Weihnachten und Co. feiere ich überhaupt nicht :grin:

Meine Kinder würde ich atheistisch erziehen bzw. ihnen Grundideen von verschiedenen Religionen als Denkanstöße beibringen. Soll mein Partner religiös sein (was ich allerdings für sehr unwahrscheinlich halte), würde ich ihn bitten, die Bibelgeschichten den Kindern als Märchen zu erzählen und die ganze Erziehung möglichst säkularisiert zu halten.
 

Benutzer15352 

Beiträge füllen Bücher
Ich werde es wohl wie @Jinx halten. Habe als Kind im tiefsten Bayern zwar Fragmente von katholischer Religion mitbekommen und war sehr oft in der Kirche, aber sonderlich behagt hat mir das alles nicht. Bin auch nicht getauft und habe Zeit meines Lebens den Ethikunterricht besucht (beides würde ich bei meinen Kindern genauso handhaben), habe aber dennoch an Gott geglaubt bis ich 11 war :grin:. Ich möchte später versuchen, meinem Nachwuchs die Varianz von Glauben zu erklären und die verschiedenen Religionen, ohne dass ich selbige anpreise oder als totalen Humbug abkanzle. Mein Kind soll gläubigen Menschen gegenüber tolerant sein ohne selbst glauben zu müssen und wenn es mich oder seinen Vater fragt, werden wir auch ehrlich antworten, dass wir beide nicht glauben. Aber ich möchte meinem Kind weder einen Glauben aufdrängen noch meinen Atheismus als das einzig Wahre verkaufen. Wird wohl eine schwierige Gratwanderung.
 
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