Fernbeziehung Meinungsverschiedenheiten, Spannungen, etc., auf Distanz

Benutzer101356 

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Aus meiner inzwischen 2,5 Jahre andauernden Fernbeziehung, wo wir uns inzwischen immerhin auf einen Wochenendbesuch pro Monat eingependelt haben, kann ich verschiedene Punkte meiner Vorschreiber bestätigen (meine persönliche Erfahrung, natürlich):

--> Pro Videotelefonie! Ganz, ganz, ganz eindeutig! :grin:

--> Nicht sofort bei allem nachbohren (kommt sicher auch auf den Typ des anderen an). Wir sprechen schon an, wenn wir den Eindruck haben, dass gerade was nicht ok ist. Aber ein "ja" wird auch einfach mal stehen gelassen (auch wenn beide wissen, dass nicht alles super ist :zwinker: - nur nochmal bekräftigt, dass man jederzeit über alles reden kann, wenn der andere will) - das ist für mich auch ein Stück Respekt vor den Grenzen des anderen. Solange nicht dauernd allen Gesprächen ausgewichen wird (und danach klingen deine Beschreibungen ja nicht), muss man nicht jedes Mal ein Fass aufmachen. Gerade wichtige Dinge wollte ich v.a. am Anfang nicht über Skype bereden - eben weil mir die körperliche Nähe bei kritischen Themen wichtig war. Und wenn's wirklich wichtig ist, kann man Sachen auch noch 2 Wochen später ansprechen - andere Themen verflüchtigen sich vielleicht auch bis dahin.

--> Gerade weil ihr ja noch nicht sooo lange zusammen seid: mit der Zeit fällt es leichter, sowohl Dinge anzusprechen, als auch Dinge entspannt stehen zu lassen bzw. gleich richtig einzuordnen (wie Ratsuchende beschrieben hat). Also gebt euch Zeit, Vertrauen aufzubauen. Für ihn, dass er Dinge dann ansprechen kann, wenn er möchte, und dass du ihm den Raum gibst (gerade wenn man vielleicht selbst noch aussortiert, ob man ein Thema wirklich ansprechen muss). Für dich, dass er sich schon melden wird, wenn es etwas zentrales zu besprechen gibt.

--> Ich finde es wichtig, dass beide sich bemühen, nach einer Unstimmigkeit/Streit die negative Stimmung abzuhaken und nicht noch tagelang mit sich ziehen. Und ja, man kann dabei "über seinen Schatten springen". :zwinker: Wenn es beim Skypen nur etwas gegrummelt hat, versuchen wir das zu klären bzw. auch bewusst abzuhaken (hat sich erledigt/können gerade eh nichts machen und wird vertagt/ist doch eigentlich eh nicht so wichtig) und auf ein anderes Thema zu gehen - dann schließt man das Gespräch noch schön ab. Wenn es wirklich gekracht hat (und ja, wir streiten inzwischen schon mal über Skype, lässt sich nicht vermeiden), hat sich für uns eine Gesprächspause bewährt. "Schatz, ich kann/will da gerade nicht weiter darüber reden. Lass uns jetzt bitte auflegen und später nochmal reden". --> nicht einfach auflegen (!!), Zeit zum Abkühlen/Ablenken nehmen/geben (müssen halt beide mitziehen) und später nochmal reden, evtl. mit etwas mehr Ratio etwas klären und/oder zumindest versöhnlich das Gespräch beschließen.
Wenn mein Partner tagelang schlecht drauf wäre (auch wenn du ihm keinen Vorwurf machst, aber die gedrückte Stimmung kriegt er ja mit), nachdem er mir einen Gedanken aus der Nase gezogen hat, den ich ihm ja gar nicht unbedingt hätte sagen müssen/wollen - das fände ich nervig bis verletzend. Und da könntest du wirklich bei dir selbst ansetzen, auch im Nachgang: "Gibt es wirklich einen Grund, dass ich mich noch blöd fühle? Er hat mit mir darüber geredet/sich entschuldigt/nochmal angerufen... , er verhält sich so lieb wie immer - Kaykay, entspann dich mal!"

Ganz allgemein hat (Streit-)Kommunikation in einer (gesunden!) Fernbeziehung viel damit zu tun, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen, sich bei spontanen Ausbrüchen auf die Zunge zu beißen und lieber mit etwas mehr Abstand die wichtigen Dinge später zu besprechen, und dem anderen grundsätzlich guten Willen zu unterstellen (z.B. er hat sich gerade blöd ausgedrückt, aber er meinte es wirklich nicht böse - abhaken und nicht mehr nachtragen). ... Wobei, das alles würde in den allermeisten Fällen auch vor Ort sehr helfen. :tongue:
 

Benutzer135586 

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Redakteur
So, jetzt aber :smile:

Ich glaube, irgendwie ist der Eindruck entstanden, dass ich irgendwelche Schuld bei jemandem suche. Dem ist nicht so. Ich unterstelle auch niemandem bösen Willen. :schuettel: Ich bin auch mehr als bereit, mich mit mir selbst und meinen Gefühlen auseinanderzusetzen, da ich ohnehin schon den Eindruck habe, dass ich mich manchmal ein wenig verrückt mache. Und das möchte ich gar nicht.

Grundsätzlich haben wir beide sehr ähnliche Bedürfnisse, gerade was Nähe und Kommunikation betrifft. Wir sprechen beide gerne lieber Dinge an, als sie runterzuschlucken und wenn es mal Spannungen gibt, was nun wirklich nicht oft vorkommt, ist die Umarmung danach sehr sehr wichtig.

Wir beide gehen auch sehr stark davon aus, dass wir diese Missverständnisse so gut wie nie hätten, wenn wir nicht einer Fernbeziehung wären. Aber es ist nun mal, wie es ist, die Distanz macht die Kommunikation umso wichtiger, heißt wir müssen halt das Beste draus machen.

Folgende Hinweise habe ich mir jetzt mal gemerkt, die ich für mich als hilfreich und sinnvoll empfunden habe:

Videotelefonie: Gehe ich absolut mit, ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum wir das bisher noch nicht umgesetzt haben, ist aber jetzt für nächste Woche das erste Mal geplant :grin:

Zeit und Vertrauen: Ratsuchende , dein Beitrag gibt mir das Gefühl, verstanden zu werden und das erleichtert mich eine ganze Menge. Uns fehlt einfach (noch) die gemeinsame Routine, wir sind jetzt erst gerade dabei dieses tiefe Grundvertrauen füreinander zu entwickeln. Mit jedem Treffen wird es besser, und es wir auch noch besser werden, sobald wir im nächsten halben Jahr mehr Zeit füreinander haben und uns dementsprechend über längere Zeit sehen können.

Selbstreflexion: Die Fragen von dir, Ali Mente finde ich soweit ganz gut, teilweise habe ich die mir schon selber gestellt, werde mich damit aber noch intensiver auseinandersetzen müssen.

Ich denke auch, dass ich gelassener sein müsste, wäre für mich gut, für ihn und für die Beziehung. Wahrscheinlich bin ich auch einfach vorgeprägt durch bisherige Beziehungen, wo Dinge gerne runtergeschluckt worden und dann hinterher ganz ganz dicke explodiert sind. Das will ich einfach nicht mehr haben. Einfach nein. Aber das muss ja mit ihm nicht der Fall sein, glaub ich auch nicht, dass es so sein wird. Hier wären wir dann wieder beim Punkt Vertrauen, das vor allem auch mit der Zeit wächst :zwinker:

Wir werden uns eh nochmal zusammensetzen und darüber reden, dann könnten wir gemeinsam schauen, wie jeder Einzelne für sich handeln könnte, um mit solchen Missverständnissen/Situationen am besten umzugehen.

Ich wäre detaillierter auf eure Beiträge (ich weiß sie sehr zu schätzen!) eingegangen, ist mir aber leider immer noch aus Zeitgründen nicht möglich. Bin schon wieder auf dem Sprung. :seenoevil:
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Kann er denn auf die Frage "Ist alles ok?" auch sagen "Nein, aber ich mag gerade nicht darüber reden?" ohne, dass die Stimmung dann versaut ist?

Ich bin auch ein an sich kommunikativer Mensch, aber manchmal ist telefonieren auch einfach anstrengend, man fühlt sich nicht in der Stimmung, will dieses Fass jetzt nicht aufmachen, kommt nicht in den Flow usw. Gerade wenn man weiß, dass man danach eben nicht kuschelnd einschlafen kann.
Da finde ich es wichtig, diesen Opt-Out zu haben – und ein kurzer Themenwechsel führt dann ja sogar manchmal eher dazu, dass man doch noch darüber sprechen möchte. Vielleicht aber eben auch wirklich nicht.

Vom Gefühl her solltest du ihm mehr dahingehend vertrauen, dass er wichtige Dinge wirklich anspricht und dass er entscheiden kann, was bei ihm wichtig ist. Und wenn er sagt, dass das gerade nicht wichtig ist, das akzeptieren. Ansonsten kann es halt wirklich passieren, dass Telefonate irgendwann gefühlt nur noch "Problemtelefonate" sind und primär als anstrengend empfunden werden.
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wir reden offen über alles mögliche, gibts mal Anlass zu Diskussionen, reden wir eben, wenn wir uns treffen. Und danach ists halt geklärt und aus der Welt geschafft. Problemklärungen per Telefon oder Whatsapp gibt es nicht, davon halte ich nix.
 
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