Mein Papa liegt auf der Intensivstation...

Benutzer44735  (40)

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@ Flowerlady: Deinen Beitrag fand ich sehr eindrucksvoll. Vielen Dank dafür! Zum einen tut es mir natürlich leid für Deinen Opa, zum anderen hat mich Dein Geschichte zuversichtlicher gestimmt! Und ich finde es toll, wie souverän Du mit der Situation umgehst! :smile:

@ Emilia16: dabke für den Link! Der war sehr interessant. Fast alles dort trifft auf meinen Vater zu. Irgendwie beruhigen, dass das normal ist und sogar einen namen hat...

@ salsa75: und ob du mir weiterhelfen konntest! jetzt weiß ich wenigstens, womit ih es zu tun habe! und dass die medis zu den suchtgiften gehören. das erklärt ja einiges!
und ich hoffe sehr, dass er sich daran nicht erinnern kann. denn diese zeit wird die schlimmste überhaupt für ihn sein. danke!
 

Benutzer67523 

Sehr bekannt hier
Hi,

mein Vater ist von einer Hirnblutung schwer geschaedigt worden, kann sich nicht mehr konzentrieren, kaum sprechen, ist links vollstaendig und rechts teilweise gelaehmt, ist natuerlich ein vollstaendiger Pflegefall.

Was soll ich sagen? Man kann es nie akzeptieren, muss aber damit leben. Man merkt sehr deutlich, dass ein solcher Patient trotz allem letztendlich nur eine Nummer unter vielen andern ist, fuer das Pflegepersonal (das allerdings sehr viel sehr unangenehme Arbeit einfach Tag fuer Tag fuer sehr wenig Geld erbringt), fuer die staatlichen Institutionen, die mehrere Monate benoetigen, um auf ein dringendes Gesuch (zum Beispiel zur Verwendung einer Decke, auf die er nicht allergisch reagiert) ueberhaupt einzutreten.

Neben all dem Leid, das Eurer Familie dadurch entsteht, wird es vor allem heissen, sich beharrlich, aber anstaendig durchzusetzen anfangen, um ihm sein Leben bzw. seine Genesung zu vereinfachen. Macht Euch ab sofort kompetent, lest Buecher ueber Krankenkassen, Erwerbsausfall, Invalidenversicherungen, lest Texte ueber Umgang mit einem Pflegefall in der Familie (wenn's denn soweit zu kommen droht) und macht Euch medizinisch soweit als moeglich schlau, informiert Euch ueber gute Reha-Kliniken, etc.

Zum Luftroehrenschnitt: Hatte mein Vater auch. Sieht zwar krass aus, ist's aber nicht, beugt auch Infektionen der Atemwege besser vor, man kann einen Patienten nicht beliebig lange intubiert lassen. Nur das Sprechen wird schwieriger. Ist die Beatmung mal nicht mehr notwendig, gibt's auch Sprechkanuelen, wo ein Teil der Luft durch den Mund geht und das Sprechen besser ermoeglicht.
Manche Luftroehrenschnitte laesst man dann spaeter einfach zuwachsen, manche muss man operativ verschliessen. Diese operative Verschliessung fuehrt manchmal zu ziemlichen Horrorbildern, die auch nicht soooo tragisch sind, wenn Luft nach der Operation zuerst unter die Haut geht. Dann blaeht sich das Gesicht stark auf, erholt sich aber rasch wieder, und man muss Antibiotika nehmen.

Ganz wichtig ist vor allem eines: Eine Person alleine, und auch kleine Gruppen (eine Familie) haben nie die Kraft, mit einem Pflegefall daheim zurecht zu kommen. Das ist massiv viel Arbeit und eine sehr hohe psychische Belastung, 24 Stunden am Tag, 7 Tage pro Woche, 12 Monate im Jahr. Denk dran....Krankenschwestern haben Schichten und zwischendrin mal frei und Urlaub - man kann selber kein Pflegeheim aufbauen.

Ich hoffe sehr, dass bei Deinem Vater alles nicht so schlimm rauskommt und er sich gut erholt!
Viel Glueck!
 

Benutzer69125 

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@ hurryhurryhurry: Zunächst einmal: die Sache mit deinem Vater tut mir sehr leid, es ist bestimmt nicht einfach für dich!

Aber man muss ein wenig vorsichtig sein - der Vater der TS befindet sich in einer völlig anderen Situation, wird wieder genesen und kein Pflegefall werden - auch wenn die Rehabilitation dauern wird, keine Frage. Allerdings halte ich "Horrorgeschichten" nicht für wirklich hilfreich!

Zum Luftroehrenschnitt: Hatte mein Vater auch. Sieht zwar krass aus, ist's aber nicht, beugt auch Infektionen der Atemwege besser vor, man kann einen Patienten nicht beliebig lange intubiert lassen. Nur das Sprechen wird schwieriger. Ist die Beatmung mal nicht mehr notwendig, gibt's auch Sprechkanuelen, wo ein Teil der Luft durch den Mund geht und das Sprechen besser ermoeglicht.
Manche Luftroehrenschnitte laesst man dann spaeter einfach zuwachsen, manche muss man operativ verschliessen. Diese operative Verschliessung fuehrt manchmal zu ziemlichen Horrorbildern, die auch nicht soooo tragisch sind, wenn Luft nach der Operation zuerst unter die Haut geht. Dann blaeht sich das Gesicht stark auf, erholt sich aber rasch wieder, und man muss Antibiotika nehmen.


Wenn er völlig selbständig wieder atmen kann und auch die Kraft hat alles was sich in der Lunge ansammelt aufzuhusten, wird man ihm die Kanüle entfernen. Im Normalfall - und da gebe ich dir recht - lässt man den Luftröhrenschnitt dann zuwachsen.
Ein operativer Verschluss - und hier kommt der Punkt wo ich diese "Horrorgeschichte" einfach nicht gutheißen kann - kommt 1. nur äußerst selten vor und im Rahmen dieser seltenen Verschlüsse ist das was du beschreibst eine Komplikation und nicht der Normafall bzw. etwas das häufig vorkommt.
Das was du beschrieben hast ist ein sogenanntes Emphysiem - kann in seltenen Fällen allerdings auch ohne operativen Verschluss vorkommen (hab das in den ganzen Jahren allerdings erst einmal gesehen) und wird keinesfalls mit Antibiotika behandelt.

So, nicht bös sein, aber es war mir jetzt noch ein Bedürfnis das aufzuklären. Ich glaube wenn man ohnehin schon verunsichert ist, macht der TS das sonst vermutlich unnötige Angst.
 

Benutzer44735  (40)

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@ hurryhurryhurry: das ist eine schlimme sache mit deinem vater! ich kann absolut verstehen, wie belastend das sein muss.

aber so krass, wie du es geschildert hast ist es bei uns zum glück nicht.
er hat zwar einen luftrährenschnitt aber das sieht längst nicht so dramatisch aus wie die intubation über den mund samt guedeltubus. finde ich jedenfalls.
und laufen wird er auch wieder können. er hat verdammtes glück gehabt. dafür bin ich wahnsinnig dankbar!

und das medizinische wissen und bei mir zum größten teil vorhanden. und was ich nicht weiß frag ich halt auif der station. :smile:



es gibt auch neuigkeiten: mein papa macht große fortschritte. heute wurde er zum ersten mal von der beatmung abgemacht. hat mich total gefreut. es geht also bergauf! :grin: :grin: :grin:
 

Benutzer69125 

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es gibt auch neuigkeiten: mein papa macht große fortschritte. heute wurde er zum ersten mal von der beatmung abgemacht. hat mich total gefreut. es geht also bergauf! :grin: :grin: :grin:

Schön ist das!!!

Und du hast völlig recht - einfach immer vor Ort nachfragen, da kann man die meisten Missverständnisse auf die einfachste Art und Weise aufklären. Ich bin auch immer froh wenn die Angehörigen gleich direkt fragen. Aufdrängen mag ich mich nämlich nicht, ich versuche den Besuchern mit ihrem Angehörigen soviel Zeit wie möglich untereinander zu ermöglichen - was halt leider nicht immer so einfach ist. Wird aber auch oft falsch interpretiert (keiner kümmert sich um meinen Angehörigen...dabei nimmt man eigentlich nur auf die Besuchszeit Rücksicht *g*) Also einfach drauf los fragen!!!
 
3 Monat(e) später

Benutzer44735  (40)

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ich wollte nur mal berichten, wie es bei uns weitergegangen ist.

mein papa ist wieder vollständig gesund geworden! :herz: :herz: :herz:

er hat zwar öfter mal schmerzen wo die verletzungen waren aber er geht nächste woche wieder arbeiten :smile:
er kann wieder ganz normal laufen und seine geistigen fähigkeiten sind wieder vorhanden wir vorher auch.
ich glaube, es kann sich niemand vostellen, wie unendlich dankbar ich dafür bin!
ich hatte ja mal geschrieben, dass es das schönste geschenk meines lebens wäre, wenn er wieder laufen könnte. und genau so ist es gekommen :grin:

manchmal habe ich den eindruck, dass das für mich viel ergreifender ist als für ihn selber. aber das kommt sicher daher, weil ich die komplette zeit mitbekommen habe und wustte, wie es um ihn steht, während er in narkose lag. ich hatte ja immer angst, dass er gelähmt bleiben könnte.

aber trotz der schwere des unfalls ist alles wieder gut geworden!
da wird einem mal wieder sehr bewusst, wie verdammt wichtig jeder einzelne mensch ist.

ich möchte mich bei allen bedanken, die mir geschrieben haben und mir verständnis entgegegn gebracht haben! :herz:
 

Benutzer62510  (58)

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Vielen Dank für die Rückmeldung!
Ist ja wirklich wunderbar, daß es ihm wieder so gut geht. :smile:
 

Benutzer47015 

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das ich doch mal ne sehr gute nachricht, das freut mich für euch
 

Benutzer86413  (29)

Meistens hier zu finden
Da kommen beim lesen wieder Gefühle hoch, die will ich gar nicht beschreiben :kopfschue

Mein Vater hatte auch einmal einen Unfall, er ist einem Kind ausgewichen und bekam dann auch einen Luftröhrenschnitt und wurde in ein Koma versetzt. Inzwischen gehts ihm zwar wieder super, aber die Narben am Hals und am Arm errinern mich immer wieder an diese schreckliche Zeit :cry:

Seitdem bin ich im Roten Kreuz um zu lernen was man machen kann, falls man selber in so eine Situation kommt!

Ich wünsche deinem Vater eine schnelle Genesung und dir Kraft, die kommende - schwierige - Zeit zu überstehen :knuddel:

Off-Topic:
@hurryhurryhurry: Bei einer Intubation kann man GAR nicht mehr sprechen, denn es wird einem eine Sonde in den Halsrachenraum geschoben, die die Zunge zurück hält. Danach kann man entweder einen Zugang legen, beatmen oder eine Magensonde legen. Ein Luftröhrenschnitt ist keine Intubation!
 

Benutzer75021 

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Schön nochmal von dir zu lesen, ist ja schön das es deinem Papa wieder besser geht. :smile:
Ja, solche Schicksalsschläge sind schrecklich, aber sie schweißen die Familie zusammen und machen einem bewusst, wie wertvoll das Leben und vor allem die Familie ist. :herz:
 
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