Mein Leben vor dem Scherbenhaufen. Hoffnungslos, Wut, Traurigkeit, pure Verzweiflung.

Benutzer119255  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Guten Abend Ihr Lieben,

ich bin neu hier und möchte mich gleich ausheulen. Danke schonmal an alle, die dies Lesen. Danke!

Ich versuche mich auch kurz zu fassen. Ich bin 25, Flugbegleiterin und nebenbei Model. Nach Außen hin erscheine ich unbekümmert, offen und vielleicht sogar oberflächlich. Doch leider ist das Ganze nur eine Fassade, die ich mir über die Jahre aufgebaut habe.

Heute zerbrach sie. Es ist nicht mein erster Rückschlag. Doch diesmal fühlt es sich anders an: Verzweifelnder, frustrierender, hoffnungsloser. Ich bin völlig am Boden und komme aus dem Heulen nicht mehr raus. Ich weiß nicht mehr ein, noch aus. Bin ich wütend? Bin ich traurig? Beides? ich weiß es nicht :cry:...

Seit meiner Kindheit wurden meine Mutter und ich von meinem Vater terrorisiert. Teilweise hatten wir Angst um unser Leben. Von meiner Mutter wurde mir eingetrichtert, dass unser Familiengeheimnis bleiben musste. Und so spielte ich meinen Mitschülern die heile Welt vor. Zuhause bettelte ich meine Mutter an, meinen Vater zu verlassen - doch vergebens. Mit der Zeit fiel es mir immer schwerer, die Fassade aufrecht zu erhalten und so distanzierte ich mich immer mehr von der Außenwelt.

Egal, wie verzweifelt ich war. Nach Außen hin schaffte ich es immer, mein "Gesicht zu wahren". In Wirklichkeit wuchs in mir die Wut und Verzweiflung. Immer wieder versuchte ich mich, von dem Ganzen zu lösen, begann sogar ein Studium im Ausland. Doch der Teufelskreis zog mich immer wieder zu sich. Zu Groß war die Sorge um meine Mutter. Ich konnte sie doch nicht im Stich lassen! Und so brach ich das Studium ab und zog wieder zu meinen Eltern, um für meine Mutter da zu sein. Selbst für meinen Vater wollte ich da sein - ist er (inzwischen nicht mehr gewaltbereit, aber nicht weniger launisch und egoistisch) wegen seinem Verhalten sehr unbeliebt und einsam. Meine Mutter ist über die Jahre verbittert, kalt und extrem reizbar geworden. Schon lange hat sie keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden, meidet ihre Familie... Und so siechen die beiden alleine vor sich hin, bekriegen sich gegenseitig und spielen nach außen hin aber weiterhin die heile Familie.

So wollte ich sie nicht lassen. Sie sind doch meine Eltern, die ich trotz Allem liebe! Ich stellte mein eigenes Leben nach hinten, versuchte zwischen beiden zu vermitteln. Versuchte meine Mutter dazu zu bewegen, meinen Vater zu verlassen. Versuchte, versuchte, versuchte... immer vergebens. Ich ertrug ihre Launen. Ich ertrug seine Launen. Irgendwann müssen meine Mühen doch fruchten, dachte ich.

Mit der Zeit begann ich abzustumpfen und hörte auf zu kämpfen. Inzwischen reichte es mir, wenn ich wusste, dass gerade "Waffenstillstand" zwischen beiden herrscht und ich nicht Angst haben muss, dass einer dem anderen etwas antut.

Irgendwie war mir die Ganze Zeit klar, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Irgendwann muss ich aufgeben und mich um mich selbst kümmern. Nach wie vor spiele ich meinen Freunden die Unbekümmerte vor, die nur wegen Geldmangel bei ihren Eltern wohnt. Nicht, weil sie verzweifelt versucht, ihren Eltern helfen will. Seid über 8 Jahren hatte ich keine ernsthafte Beziehung mehr, wollte ich doch zuerst die Sache mit meinen Eltern hinter mich bringen. Mein Studium liegt auf Eis.

Na ja, heute dann die Explosion. Meine Mutter rastete wegen einer Kleinigkeit aus (Ich verneinte ein Paket für sie anzunehmen, da ich nächste Woche verreise. Sie wurde irgendwann so wütend, dass sie mir drohte mich rauszuschmeißen). Es war nicht das erste Mal, dass sie sich so verhielt, doch diesmal konnte ich nicht mehr. Ich konterte und wurde wütend. Die Situation eskalierte und die ganze Wut und Verzweiflung brach aus mir aus. Meine Mutter flippte völlig aus, sprang wie verrückt umher, hielt mir den Mund zu: ich solle doch aufhören zu schreien, bevor die Nachbarn es mitbekämen und die Polizei käme. Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen, es machte mir Angst.

Es war nicht das Erste Mal, dass so etwas passierte. Aber diesmal machte es Klick in meinem Kopf. Meine Mutter ist völlig wahnsinnig! Sie braucht Hilfe... meine Vater braucht Hilfe. Aber ich kann ihnen nicht helfen, ich brauche ja selbst inzwischen Hilfe - so verzweifelt wie ich bin. Aber wie soll ihnen jemand helfen, wenn sie es nicht einsehen? Niemand! Es ist hoffnungslos!

Aber soll ich deshalb weiter ihre Launen ertragen? Mein Leben hinten anstellen und dafür auch noch beschimpft werden? ich bin 25! Ich kann nicht mehr :cry:... Ich bin gerade so verzweifelt. Am liebsten würde ich gleich morgen meine Sachen packen und verschwinden. Aber ich kann es einfach nicht. Ich kann meine Eltern nicht im Stich lassen. Zu groß die Angst, dass sie sich etwas antun (Damit drohen sie immer) Aber gleichzeitig ertrage ich es nicht länger :cry:. Sollte ich einfach egoistisch sein, und nur noch an mich selbst denken? Doch wie fange ich nach so vielen Jahren wieder an, ein eigenes Leben zu führen? Und gleichzeitig plagt mich das schlechte Gewissen, jemanden in Stich gelassen zu haben :cry:

Was denkt ihr? Tut mir leid für das chaotische Geschreibsel, ich weiß gerade einfach gar nichts mehr :frown:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Vorweg: ich habe gerade selber heftigsten Streit mit meinen Eltern, daher könnte meine Antwort ein wenig eingefärbt sein :zwinker: (aber der Grundtenor wird gleich bleiben)

Hi erstmal,

ich denke, es wird dringendst Zeit, dass Du Dich von Deinen Eltern löst. Du bist 25, willst eigentlich studieren, willst ein (ganz) anderes Leben führen, als Du es jetzt tust. Unabhängig und selbstbestimmt. Genau das machst Du nicht. Du lässt Dein Leben bestimmen, von Deinen Eltern bzw. ihren Problemen.
Ist das egoistisch? Ja, aber gesund und absolut nötig. Denk mal bitte weiter: Deine Eltern werden jetzt grob 50-60 Jahre alt sein, werden also aller Vorraussicht nach noch 20-30 Jahre leben. Dann bist Du selber 50. Und was dann?
Ich male jetzt mal ganz schwarz: Du bist psychisch selber am Ende, Du hast mit Glück noch 'nen Job am Boden gefunden, mit Modeln ist eh nix mehr, für Studium, Ausbildung etc ist der Zug schon lange abgefahren. Ab und zu gab's nochmal einen Mann in Deinem Leben, aber so wirklich hast Du niemanden an Dich herangelassen, Du bist also Single. Freunde hast Du im Laufe der Jahre auch verloren, da es Dir nie gut ging und Du immer nur Zeit und Kraft für Deine Eltern aufbringen musstest.
Klingt scheiße? Das willst Du nicht? Da habe ich jedes Verständnis für und genau deswegen finde ich, solltest Du jetzt (nicht später irgendwann) ein wenig Egoismus an den Tag legen.

Noch ein Gedanke: Deine Eltern haben Dich in die Welt gesetzt, also sind sie in der Verantwortung, dass es Dir gut geht. Nicht andersherum. Und wenn sie es nicht schaffen, dass es Dir mit ihnen gut geht, dann solltest Du die Konsequenz ziehen und ohne sie Dein Glück suchen. Sie sind alt genug, sich um sich selber zu kümmern. Wenn sie es nicht können oder wollen, dann ist das ihr Problem.

Und noch ein Gedanke: wenn Du willst, dass Deine Mutter auszieht, dann zeig ihr quasi, wie das geht. Zieh selber aus. Damit setzt Du einerseits ein Signal, dass Dein Vater nicht immer und überall die Hand d'rauf hat und es könnte sogar sein, dass Du ihr den Druck nimmst, wegen Dir weiter auf heile Familie zu machen.

Mir ist sonnenklar, dass Du nicht von einem Tag auf den anderen den Kontakt abbrechen kannst (auch wenn es vll das Beste wäre). Ich merke es gerade an mir selbst. Irgendwie bleiben Eltern immer Eltern und man legt ganz automatisch andere Maßstäbe an als an andere Menschen. Dennoch: schaff Luft zwischen Euch. Erstmal ausziehen, sie aber dennoch weiter besuchen. Diese Besuche dann langsam runterfahren. So dass Du Dich daran gewöhnst und sie auch. Und Du vll siehst, dass sie sich auch ohne Dich am Leben lassen.
Kümmer Dich wieder mehr um Dich. V.A. Dein Studium. Bitte gib das nicht auf, Du würdest Dir das nie verzeihen, wenn Du älter bist. Versuche, wieder mehr mit Deinen Freunden/Bekannten zu machen. Vielleicht ein Hobby suchen oder wieder aufnehmen. "Ablenkung" heißt das Zauberwort. Dich wieder auf Dich besinnen und nicht Dein Leben von deren Unfähigkeit, mit Problemen umzugehen, bestimmen lassen.

Ich wünsch Dir alles Gute!
Mark11
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier

Kurz und bündig: Packe sofort Deine Sachen und verschwinde.

Mit jeder Stunde machen Dich Deine Eltern mehr kaputt. Du bist bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hold Dir professionelle Hilfe und rette Dich vor Deinen Eltern - und vor Dir selbst.
 

Benutzer111071 

Sorgt für Gesprächsstoff
Auch von mir kurz und knapp: Du hast es bereits selbst erkannt: Deine Eltern brauchen Hilfe und Du kannst die Ihnene NICHT geben! Du brauchst selber Hilfe...

Ergo: chelle hat Recht! Pack deine Sachen und verschwinde...
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Ich kann mich allen Vorrednern nur anschliessen: Es ist definitiv an der Zeit, dass Du Dich jetzt um Dich selbst kümmerst - denn Deine Eltern haben ihr Leben hinter sich, Du aber Deins noch vor Dir!
Wenn Du ausziehst, hat das nichts damit zu tun, dass Du Deine Eltern im Stich lässt, denn sie sind alt genug, ihr Leben zu führen. Wenn die beiden sich untereinander bekriegen, ist das nicht Dein Bier. Sie müssen selbst zusehen, wie sie untereinander klar kommen.

Es geht hier um Dich, um Deine Zukunft. Heisst: Schnür Dein Ränzlein und mach Dich vom Acker.
 

Benutzer119255  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo,

vielen lieben Dank für die Antworten.

Mark11 Das tut mir leid, dass du ebenfalls Streit hast. Ich hoffe, das sich das bald legt.

Inzwischen hat sich meine innerliche Lage wieder beruhigt. Ich kann wieder Atem Fassen und klar denken. Es ist die einzige richtige Entscheidung, meine Sachen zu packen. Es ist schwer, wenn man die letzten 2/3 Jahre nur eine "Mission" hatte und dann einsehen muss, dass es zwecklos war und man aufgeben muss. Was mache ich jetzt plötzlich? Es wird sich leer und verloren anfühlen. Aber es ist der richtige Weg. Ich habe mich direkt auf die Suche nach Wohnungen gemacht (in der Nähe, damit ich sie doch im Auge behalten kann) und werde dann zum nächstbesten Zeitpunkt ausziehen.

Da ich gestern so daneben war, habe ich noch ein paar Sachen vergessen zu erwähnen. Leider wird meine Mutter im Moment von einer Sekte besucht. Sie ist für die natürlich leichte Beute und ich befürchte, dass sobald ich weg bin, die Sekte dann freie Fahrt hat. Heute hat sie sich schick gemacht und ist irgendwohin gegangen. Sie geht sonst nie weg. Ich vermute doch sehr, dass sie die Sektenmitglieder aufgesucht hat. Das macht mir echt schon Sorgen.

Was denkt ihr dazu? Wie gehe ich am besten vor? Klar, ich werde ausziehen und den Krieg zwischen meinen Eltern werde ich jetzt auch kalt ignorieren. Aber das mit der Sekte? Das ist ja leider gleich noch eine Stufe weiter :frown:. Dankeeee
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier
Ich habe mich direkt auf die Suche nach Wohnungen gemacht (in der Nähe, damit ich sie doch im Auge behalten kann) und werde dann zum nächstbesten Zeitpunkt ausziehen.

NEIN!

Hör sofort damit auf. Du bist nicht der "Wärter" deiner Eltern. Such Dir Deine Wohnung möglichst weit weg. Du mußt lernen Deine Eltern loszulassen - Du schädigst Dich nur weiter selbst.

Was denkt ihr dazu? Wie gehe ich am besten vor? Klar, ich werde ausziehen und den Krieg zwischen meinen Eltern werde ich jetzt auch kalt ignorieren. Aber das mit der Sekte? Das ist ja leider gleich noch eine Stufe weiter :frown:. Dankeeee

So gehst Du am Besten vor: Such Dir sofort Hilfe, die Dich dabei unterstützt, Dich von Deinen Eltern zu lösen. Deine Eltern sind nicht Deine Kinder, sie sind für sich selbst verantwortlich. Du kannst sie nicht erziehen und nicht 24h am Tag überwachen. Sollten sie in eine Sekte wollen, werden sie da auch reinkommen - Du kannst und darfst dafür keine Verantwortung übernehmen!
 

Benutzer98634 

Verbringt hier viel Zeit
Bin mir fast sicher, dass die Probleme deiner Mutter viel weiter zurückliegen als in der Zeit, die sie deinen Vater kennt. Dieses Mund zuhalten und der Ausdruck des Wahnsinns in ihrem Gesicht als du nicht in ihrem Sinne funktioniert hast sowie die Tatsache, dass sie Halt bei einer Sekte sucht, sprechen dafür. Sie bräuchte dringend psychologische Hilfe um Dinge, die vermutlich bis in ihre Kindheit zurückreichen, aufzuarbeiten. Es gibt bestimmte erlebte Vergangenheitsmuster, die die Geborgenheit, die eine Sekte mit ihren streng reglementierten Verhaltensregeln bietet, für solche Menschen attraktiv erscheinen lässt.

Aus den Gründen, die meine Vorschreiber schon angesprochen haben, fühle ich mich nicht ganz wohl dabei, dir zu raten, dich diesbezüglich in großem Still zu engagieren. Für dich wird momentan das Wichtigste sein, Abstand zu deinen Eltern zu bekommen.

Ich wünsche dir viel Glück und Erfolg. LG :smile:
 
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