Maas will Vergewaltigungsparagrafen ausweiten

Benutzer41990  (31)

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http://www.spiegel.de/politik/deuts...des-sexualstrafrechts-vorlegen-a-1026984.html

Justizminister Heiko Maas will den Paragraphen 177 des StGB ("Vergewaltigungsparagraphen") ausweiten. Künftig soll dieser auch folgende Situationen abdecken:
  • Opfer, die aus Angst vor dem Täter keinen Widerstand gegen sexuelle Übergriffe leisten,
  • Frauen, die Vergewaltigungen in Schockstarre über sich ergehen lassen, weil der Täter sie überrumpelt hat,
  • Fälle, in denen der Vergewaltiger zwar gewalttätig war, aber diesen Zwang nicht gezielt einsetzte, um den Sex zu ermöglichen.
  • Geregelt werden sollen schließlich zudem Fälle, in denen das Opfer nur dachte, es sei in einer schutzlosen Lage, tatsächlich aber Hilfe erreichbar war.

Als Mann steht man dann zukünftig mit einem Bein im Knast und muss bei sexuellem Kontakt mit Frauen auf deren Gutmütigkeit hoffen, oder wie? :ratlos:
 

Benutzer41990  (31)

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Du findest diesen Vorstoß also legitim, oder wie darf ich das interpretieren? Vergewaltigungsvorwürfe sind ja jetzt schon schwierig für Männer, aber mit so einer Verschärfung könnte jede Frau auch nach einvernehmlichen Sex daraus eine Vergewaltigung konstruieren, ohne, dass der Mann je das Gegenteil beweisen könnte. Das war mit meiner Formulierung gemeint.
 

Benutzer118751 

Öfter im Forum
Na, wenn sie in Schockstarre fällt oder apathisch wird weißt du bescheid. :zwinker:

Tatsächlich wurde eine Freundin von mir vergewaltigt, kam damit aber nicht durch, weil der Vorgang wegen der oben genannten Punkte eben nicht als Vergewaltigung gewertet wurde.
Wenn du an den Typ Frau gerätst, der dir sowieso etwas in die Schuhe schieben will, bist du jetzt nicht gefährdeter als vorher. Es stimmt allerdings tatsächlich, dass Frauen mit so etwas viel zu oft durchkommen. Vielleicht sollte man sie vorher etwas besser kennenlernen.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Das ist immer ein zweischneidiges Schwert.

Anders gesagt, CoolBoy CoolBoy : Wenn man sich als Frau bei einer Vergewaltigung nicht wehrt, weil man Angst vor Gewalt oder gar Tötung hat – ist es dann okay, wenn der Täter damit davon kommt?

Meiner Meinung nach sind diese Punkte schon im bestehenden Paragraphen enthalten, zumindest, wenn man ihn so interpretiert.
 

Benutzer95651  (36)

Beiträge füllen Bücher
Es ist schon verdammt traurig, wenn (viele) Frauen in jedem Mann einen Vergewaltiger sehen und (viele) Männer denken, dass jede Frau ihnen eine Vergewaltigung anhängen kann :schuettel:
 

Benutzer63857  (57)

Sehr bekannt hier
Wenn es nach mir ginge müsste sich jeder Mann sofort in die Hose scheißen, wenn er nur daran denkt an eine Vergewaltigung und oder einen Missbrauch denken zu wollen. Daher halte ich den Vorstoß zwar durchaus für richtig aber derzeit für absolut verfrüht. Viel wichtiger wäre es wenn Frauen mal endlich durchweg anfangen würden die Beweise einer Vergewaltigung und oder eines Missbrauches zu sichern statt sie als erstes zu vernichten. Da wo es mal echt wichtig und richtig wäre den Männern die Stirn zu bieten da ziehen sie aber weiterhin den Schwanz ein. Und bevor sie das nicht durch die Bank weg alle begriffen haben sind solche Gesetzesänderungen absolut verfrüht und dem was wirklich wichtig wäre stünden sie sogar im Weg. Erst muss Frau begreifen sich bei sowas auf die Hinterbeine zu stellen und dann kann man sie mit solchen Gesetzenänderungen weiter unterstützen. Vorher nicht.
 
B

Benutzer

Gast
Du findest diesen Vorstoß also legitim, oder wie darf ich das interpretieren? Vergewaltigungsvorwürfe sind ja jetzt schon schwierig für Männer, aber mit so einer Verschärfung könnte jede Frau auch nach einvernehmlichen Sex daraus eine Vergewaltigung konstruieren, ohne, dass der Mann je das Gegenteil beweisen könnte. Das war mit meiner Formulierung gemeint.
Leider ist es naiv zu glauben, dass uns die Gesetze vor allen Gefahren schützen. Vergewaltigungen können sehr oft nicht bewiesen werden - daher reichen Vorwürfe allein auch i.d.R. nicht aus, um unschuldige Menschen aus persönlichen Gründen ins Gefängnis zu bringen. Kann der Fall aber tatsächlich vor Gericht gebracht werden, ist der auf das Opfer ausgeübte Druck oft subtil und obwohl der gesunde Menschenverstand bestätigt, dass es sich um Nötigung handelte, gibt es keine gesetzliche Grundlage, die das Opfer dabei auch schützt! Dass man versucht, das zu ändern, kann ich nur befürworten.

Die meisten sexuellen Straftaten werden in nahen Familien- und Bekanntenkreisen begangen. Natürlich spielen da Faktoren wie Druck und Manipulation eine grosse Rolle. Die Gesetzteslage gemäss Maas würde diese Faktoren berücksichtigen, bzw. Argumente entkräftigen, in denen man sich auf die scheinbare Handlungsfähigkeit des Opfers beruft.
 
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Benutzer41990  (31)

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Anders gesagt, CoolBoy CoolBoy : Wenn man sich als Frau bei einer Vergewaltigung nicht wehrt, weil man Angst vor Gewalt oder gar Tötung hat – ist es dann okay, wenn der Täter damit davon kommt?
Nein, ist es nicht. Aber enthält das bisherige Gesetz wirklich eine Lücke?

Meiner Meinung nach sind diese Punkte schon im bestehenden Paragraphen enthalten, zumindest, wenn man ihn so interpretiert.
Meiner Meinung nach - und der des Rechtswissenschaftlers Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am BGH, ist das auch der Fall. Ich finde den Vorstoß deswegen unnötig und potenziell schädlich.


Hast du denn vor, einen dieser Punkte zu erfüllen?
Hast du denn vor, dich sinnvoll an der Diskussion zu beteiligen, oder willst du lieber weiter durch unangebrachte Suggestivfragen vom Thema ablenken?

Das Problem, welches ich in diesem Vorstoß sehe, ist, dass so dem (bereits vorhandenen) Missbrauch des Vergewaltigungsparagraphen weiterer Vorschub geleistet und der Sache insgesamt somit ein Bärendienst erwiesen wird. Mit diesen Punkten lässt sich nämlich quasi jeder einvernehmliche Sex auch im Nachhinein in eine Vergewaltigung umdeuten. Das prominenteste und traurigste Beispiel des Missbrauchs dieses Paragraphen ist wohl folgendes: http://www.sueddeutsche.de/panorama/bgh-entscheidung-toedliche-luege-1.2188085
Hier hat der Vorwurf der Vergewaltigung ausgereicht, um das Leben eines Menschen zu zerstören.
 
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Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Nein, ist es nicht. Aber enthält das bisherige Gesetz wirklich eine Lücke?
Je nach Interpretation schon. Kennst du zB den Fall, bei dem ein gewalttätiger Ehemann seine Frau anal vergewaltigte und freigesprochen wurde mit der Begründung, die Frau hätte ja um Hilfe rufen (und damit ihre Kinder rufen) können?
Mit diesen Punkten lässt sich nämlich quasi jeder einvernehmliche Sex auch im Nachhinein in eine Vergewaltigung umdeuten.
Das glaube ich nicht.
 

Benutzer41990  (31)

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Je nach Interpretation schon. Kennst du zB den Fall, bei dem ein gewalttätiger Ehemann seine Frau anal vergewaltigte und freigesprochen wurde mit der Begründung, die Frau hätte ja um Hilfe rufen (und damit ihre Kinder rufen) können?
Edit: Hab's gefunden. Vor diesem Hintergrund ist meine eingangs geäußerte Sorge wohl eher unbegründet. Aber wofür brauchen wir diesen Gesetzesvorstoß denn dann überhaupt? Gesetzgeber und Justiz gehen in diesem Punkt scheinbar ziemlich weit auseinander.

Das glaube ich nicht.
Richtet man sich nach diesem Vorstoß, so würde es ausreichen, wenn eine Frau die Augen schließt, den Mann gewähren lässt, sich nicht wehrt und dann hinterher behauptet, sie habe aus Angst vor dem Mann alles über sich ergehen lassen und sich deswegen nicht gewehrt.

Wer sich die Ausführungen von Thomas Fischer zu diesem Thema durchliest, versteht denke ich das Problem ein bisschen besser. Auch abseits dieses Themas finde ich seine fachlichen und prägnanten Kommentare sehr lesenswert.
 
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Benutzer137374  (49)

Benutzer gesperrt
http://www.spiegel.de/politik/deuts...des-sexualstrafrechts-vorlegen-a-1026984.html
Justizminister Heiko Maas will den Paragraphen 177 des StGB ("Vergewaltigungsparagraphen") ausweiten. Künftig soll dieser auch folgende Situationen abdecken:
Als Mann steht man dann zukünftig mit einem Bein im Knast und muss bei sexuellem Kontakt mit Frauen auf deren Gutmütigkeit hoffen, oder wie? :ratlos:
Das ganze klingt doch sehr nach politischem Sommerloch. Gibt es ein Osterloch? Grundsaetzlich sind die Forderungen bereits abgedeckt. Ob eine Frau nur wild schreit oder in Schockstarre verfaellt, darf niemand sie vergewaltigen. In der Regel gibt es aber keine Zeugen, wenn zwei Personen miteinander Sex haben. Gibt es dann keine Beweise, dass das uneinvernehmlich war, ist es voellig egal, wie man die Gesetze verschaerft.
 

Benutzer123649 

Planet-Liebe ist Startseite
und dann hinterher behauptet

Behaupten und beweisen. Eine Frau, die ein Mann der falschen Vergewaltigung bezichtigen will, schafft das auch ohne die vorgeschlagenen Erweiterungen des Tatbestandes. Ein Vergewaltigungsprozess ist ungeachtet dessen für die tatsächlich vergewaltigte Frau so schwierig wie für den falsch beschuldigten Mann. In der Justiz ist und bleibt das ein schwieriges Thema. Es wird immer diskutiert werden.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Behaupten und beweisen. Eine Frau, die ein Mann der falschen Vergewaltigung bezichtigen will, schafft das auch ohne die vorgeschlagenen Erweiterungen des Tatbestandes. Ein Vergewaltigungsprozess ist ungeachtet dessen für die tatsächlich vergewaltigte Frau so schwierig wie für den falsch beschuldigten Mann.
Das denke ich auch.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hast du denn vor, dich sinnvoll an der Diskussion zu beteiligen, oder willst du lieber weiter durch unangebrachte Suggestivfragen vom Thema ablenken?
:rolleyes:

Ich kenne nicht die genaue Rechtslage, aber nach dem was ich weiß war und ist Vergewaltigung ohne Gegenwehr ein schwieriges Thema. Daher finde ich es sehr sinnvoll, wenn auch nicht-physischer Zwang in die Gesetzesformulierung aufgenommen wird. Wie schon gesagt wurde, muss die Vergewaltigung nach wie vor bewiesen werden. Und wer jemanden unter Ausnutzung von Schockstarre, Angst und Drohpotenzial sexuell missbraucht, wird nicht zu Unrecht verurteilt.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Ich fände es gut wenn sie die Vergewaltigung von der unbedingten Penetration mal wegnehmen würden . Dann hätten auch mal Männer die von einer Frau vergewaltigt wurden eine reelle Chance .

Ich sehe es zwar als notwendig an das besser im Gesetz darzustellen um Fehlinterpretationen durch Juristen auszuschließen, aber die Baustelle sollte anderswo gesetzt werden.

Dazu gehört für mich vor allem ein wirklich erhöhtes Strafmaß bei Vortäuschung einer Vergewaltigung.

Gerade weil im Fall einer Vortäuschung und hier falschen Verdächtigung , allein durch den Vorwurf das Soziale Leben , des unschuldig Beschuldigten sowieso ruiniert ist. Und vor allem weil es die Glaubwürdigkeit richtiger Vergewaltigungsopfer Schadet und für diese ein Schlag ins Gesicht ist.


Zu den Bedenken von CoolBoy CoolBoy ,
Die Teile ich zum Teil auch. Aber ich sehe es auch anders herum. Wie will Frau den Nachweisen, dass der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich war , wenn er es war ?

Also für mich als Laie kaum nach zu vollziehen wie das funktionieren soll.

Es läuft doch dann wie vorher , dein Ruf ist egal ob Schuldig oder unschuldig ruiniert.
 

Benutzer9517  (31)

Benutzer gesperrt
Wie soll man in diesem intimen Bereich Behauptungen und Beweise werten? In manchen Fällen ist dies praktisch unmöglich! Weil aber die Tat schwer wiegt, muss das Gericht trotzdem zu einem Urteil kommen. Und dieses Urteil wird allzu leicht der jeweiligen Mode folgen.

Ein Beispiel: "Vis haud ingrata". Vor noch gar nicht so langer Zeit wurde die Abwehr des Opfers (selbstredend einer Frau) als Teil dies Liebesspiels gewertet. Wehrte sich die Frau, dann durfte das der Mann als eine Form der Ermunterung werten... Entsprechend schlecht standen die Chancen für das Opfer, mit der Klage durchzukommen.
Heute ist das - sagen wir mal: extrem anders. Nicht weil das Gesetz geändert hat, sondern der Diskurs. Wer schützt uns vor einem Rückschlag? Das gibt den Gerichtsurteilen etwas windiges, modisches.

So gesehen müsste ich für eine präzisere Fassung des Paragraphen sein. Nur fürchte ich, dass die Richter durch das mangelnde Auslegungstraining noch denkfauler und noch weltfremder werden.
 

Benutzer142352 

Öfter im Forum
Wirklich schwierig wird es sicher immer bei einer Vergewaltigung in einer Beziehung und besonders bei dem Gedanken an eine Trennung oder Rachegefühlen.
 

Benutzer151786 

Sehr bekannt hier
Ein Beispiel: "Vis haud ingrata". Vor noch gar nicht so langer Zeit wurde die Abwehr des Opfers (selbstredend einer Frau) als Teil dies Liebesspiels gewertet. Wehrte sich die Frau, dann durfte das der Mann als eine Form der Ermunterung werten... Entsprechend schlecht standen die Chancen für das Opfer, mit der Klage durchzukommen.
Auch damals wurde schon zwischen wirklicher und gespielter Gewalt/Gegenwehr unterschieden.

So gesehen müsste ich für eine präzisere Fassung des Paragraphen sein. Nur fürchte ich, dass die Richter durch das mangelnde Auslegungstraining noch denkfauler und noch weltfremder werden.
Was verstehst du unter "mangelndem Auslegungstraining"? Im Strafrecht herrscht Analogieverbot, man muss sich also möglichst nahe am Wortlaut orientieren und eben gerade nicht großzügig auslegen.

Die ernsthafte Sorge mancher Männer, deshalb zukünftig mit einem Bein im Knast zu stehen, finde ich doch sehr bedenklich. Es sollte wohl halbwegs machbar sein, mit einer Frau zu schlafen ohne davor oder währenddessen gewalttätig zu sein oder die Frau dabei in Angst oder Schockstarre zu versetzen.

Genauso absurd ist es anzunehmen, dass es nach einer solchen Gesetzesanpassung plötzlich scharenweise Frauen geben wird, die sich bewusst strafbar machen und einen Mann einer Vergewaltigung bezichtigen, die nicht stattgefunden hat, nur um ihm eins auszuwischen. Oder welche Motivation sollte sonst dahinterstecken? Die Sorge ist doch völlig realitätsfern. Wer so etwas vorhat, könnte es im Übrigen genauso jetzt schon tun.

Das Problem ist so oder so - ob nun Lüge oder Wahrheit - immer die Beweisbarkeit. Und das wird sich nicht ändern, nur weil die Fälle, die im Grunde auch jetzt schon unter Ziff. 1-3 fallen, noch mal konkretisiert werden. In dubio pro reo galt und gilt auch weiterhin.
 
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