Lyrikfrage Dinggedicht!

Benutzer79428 

Meistens hier zu finden
Hallo,
ich muss mich in der Schule gerade genauestens mit Dinggedichten befassen.

Hier mal kurz eine Definition:
Dinggedicht, das: Gedichttypus, deutlich ausgeprägt seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Mörike, Conrad Ferdinand Meyer); ein (Kunst-) Gegenstand oder ein Lebewesen wird distanziert und objektiviert erfaßt, beschrieben und dadurch letztlich nicht nur symbolisch, sondern oft auch subjektiv gedeutet, z. B. Rilkes Dinggedichte oder Eduard Mörikes 'Auf eine Lampe'.

Das bekannteste Dinggedicht "Der Panther" von Rilke kennt ihr bestimmt. Es gibt mehrere weitere bekannte Dinggedichte wie z.B. "Der römische Brunnen", u.a.

Soweit sogut... die grobe Bedeutung habe ich nun verstanden, aber was ich mich noch frage ist, ob das Ding das beschrieben wird auch wirklich mit der Symbolik, die es verkörpert, zutun haben muss? Der Panther verkörpert Gefangenschaft u.s.w. - und er fühlt sie auch. Aber könnte beispielsweise auch ein zerbrochenes Fenster für eine zerbrochene Beziehung/zerbrochenes Glück allgemein stehen in einem solchen Gedicht?

Kann mir das vielleicht jemand beantworten? Finde dazu nix im Internet...

Achja noch eine Frage: haben Dinggedichte ein bestimmtes Metrum oder Reimschema?
 

Benutzer37  (36)

im Ruhestand
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Wenn es so gemeint war, ob eine total subjektive Verknüpfung zwischen Ding und Symbolik hergestellt werden kann, die objektiv nicht besteht, antworte ich mal mit einem bekannten Dinggedicht:

Conrad Ferdinand Meyer: Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Die tiefergehende Symbolik umfasst hier die Beziehung zweier Menschen zueinander. Mit dieser Thematik haben zwei Segel an sich nichts zu tun; diese Symbolik schreibt ihnen erst der Dichter zu.
Und es handelt sich um ein Dinggedicht.
Ergo: Das Ding kann nicht nur für das stehen, was es wirklich ist beziehungsweise was mit ihm verknüpft ist, sondern auch für die subjektive Assoziation, die es beim Dichter oder bei sonstwem auslöst.
Ein Dinggedicht über ein zerbrochenes Fenster könnte also durchaus auch zerbrochenes Glück thematisieren.


Zur zweiten Frage: Nö :tongue: . Ein Dinggedicht ist an kein bestimmtes Metrum gebunden. Der Begriff "Dinggedicht" ist mehr ein inhaltlicher denn ein formaler Begriff.
Nichtsdestotrotz haben viele Dinggedichte ein festes Metrum, was aber wohl eher mit der Zeit zusammenhängt, in welcher sie verfasst wurden.
 
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