Schule Lehrer als Vater

Benutzer156248  (22)

Ist noch neu hier
Hallo, ich bin neu in diesem Forum aber stelle trotzdem mal eine Frage.
Erstmal ein paar Grundinfos, ich bin weiblich, 17 Jahre alt und gehe in die elfte Klasse, Gymnasium. Ich bin erst seit kurzer Zeit in der Oberstufe aber habe einen super netten Tutor. Und genau das ist mein Problem.
Mein Vater ist, als ich zwölf war an Krebs gestorben. Meine Mutter ist blind und, was ich ihr nicht verübeln kann, seit dem mehr mit sich selbst beschäftigt. Meine Schwester ist schon ausgezogen und somit bleibt mir leider niemand, mit dem ich reden könnte.
Ich hab seit dem Tod meines Vaters nie wirklich darüber nachgedacht, sondern eher alles verdrängt. Jetzt ist es aber so, dass ich mir seit dem unterbewusst immer wieder einen Vaterersatz gesucht habe und das eben meistens in meinen Lehrern. Ich hatte auch einen Klassenlehrer, dem ich mich mal so halb anvertraut habe aber er hat sich wie erwartet distanziert und nicht weiter dazu geäußert. (ich habe ihn in mathe behalten und er ist ein wirklich netter, verständnisvoller mensch aber helfen konnte er mir nicht)
Jetzt ist da mein Tutor, mit dem ich mich super verstehe aber sofort fing das wieder von vorne an, wie schon bei fünf anderen lehrern, ich träume von ihm, ich stelle mir vor, dass er für mich da ist, mich in den arm nimmt, beschützt, tröstet und behütet, ich sehne mich nach ihm, würde ihm am liebsten alles erzählen. Den ganzen schmerz, der mich überkommt wenn ich doch mal an meinen vater denke, teilen und ein bisschen liebe und trost erfahren.
Ich möchte ihm so gern alles erzählen aber ich habe angst, ihn abzuschrecken oder dass er sich distanziert wie mein mathelehrer. Ich weiß, dass er nienals ein Vater für mich sein kann, oder seinen job riskieren würde etc. aber solche Gefühle verfolgen mich schon seit fast fünf jahren. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, damit einfach abfinden geht nicht, das versuche ich schon so lange.
Vielleicht könnt ihr mir ja helfen
Vielen Dank schon mal für eure mühe, das hier zu lesen und eventuell zu antworten
Lg Alea
 

Benutzer155418 

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Tut mir leid wegen deinen Vater:knuddel::frown:

Erst mal du muss dich nicht schämen das du eine Vaterfigur suchst, ist in deiner Situation auch sehr verständlich.

Leider trifft es den/die Falschen.:cautious: Du kannst gerne deine Tagträume haben, wenn sie dich trösten und eine gutes Gefühl geben.

ABER und jetzt wird jetzt hart werden für dich, weil es all deine Illusionen zerstören wird.
Sprich diese Lehrer nicht drauf an:confused: Sie arbeiten nur in der Schule und sind nicht für den Elternersatz zuständig. Es wird für sie sicher sehr unangenehm sein, wenn eine Schülerin sich so sehr ihnen gegenüber mit den Privatenproblemen öfnet und solch intiemen Gedanken preis gibt.

Hoffe das war nicht zu hart jetzt:knuddel:

Wenn du jemanden zum ausreden und als Vaterersatz brauchst, was währe mit Freunden deiner Mutter die euch nahe stehen? Onkel, Opa, Bekannte...?
Sonst gibt es sicher Betreuungssysteme wo es sehr Familier zugeht und du dich auch an männliche Betreuer wenden kannst.
 

Benutzer156248  (22)

Ist noch neu hier
Hey, danke für deine schnelle Antwort.
Ich bin mir dessen bewusst aber andererseits sagt unser tutor, wir können mit ihm über alles reden....
Verwandte hab ich leider keine, seit mein vater nicht mehr da ist, will sein bruder, also mein onkel nichts mehr mit uns zu tun haben und mein opa ist auch schon tot. Mütterlicherseits hab ich gar keine verwandte. Meine Mutter hat auch keine freunde, ist für sie sehr schwer, leute kennen zu lernen. Von solchen Betreuungssystemen hab ich noch nie gehört, weiß nicht ob es hier so etwas gibt. Diese Tagträume geben zwar ein gutes Gefühl aber andererseits machen sie mich kaputt, weil sie eben nicht real sind und ich weiß, dass sie es niemals sein werden. Ich kann aber auch nicht damit aufhören, da das immer eher unterbewusst geschieht....
 

Benutzer155418 

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andererseits sagt unser tutor, wir können mit ihm über alles reden....

Kenne ich, ist aber nur so lange in Ordnung, wenn das Problem mega oberflächlich ist. :unsure:

Von solchen Betreuungssystemen hab ich noch nie gehört,

Gibt es auch nicht direkt so das man da Vater, Mutter, Kind spielt, sondern eher in der Form das man Kindern und Jugendliche aus schwierigen verhältnissen (was auch immer das sein mag) hilft.

Wenn es ein kleineres Zentrum ist kann das unter Umständen sehr Familier werden und man kann sich da an die immer gleichen Betreuer wenden. Der Vorteil ist sie helfen wirklich wenn du "väterlichen" Beistand brauchst.

Für Adressen würde ich mich an deiner Stelle an einen Schulpsychologen wenden, der kennt sicher welche in dieser Form. Oder an das Jugendamt die haben normal auch mehrer Adressen.
Sonst andere Jugendberatungsstellen.

Einfach anrufen und nach fragen.
 
G

Benutzer

Gast
Hi,

Ich möchte mich ohne viel hinzuzufügen den Vorrednern anschließen.

Ein Vorschlag wäre vielleicht ein Verein/ Stiftung für Halbwaisen zu kontaktieren. Hier hilft dir das Internet.

Oder wenn es mal akut ist kannst du auch einfach den Hörer nehmen und dir bei der Telefonseelsorge alles vom Leib quatschen. Habe ich auch schon gemacht und es tut gut mal mit einer unabhängigen Person zu sprechen.

Ich würde wohl keinen Lehrer mit dem ich täglich Kontakt habe ansprechen. Aber Schulpsychologen oder Vertrauenslehrer sind auch immer gute Anlaufstellen.
 

Benutzer123446 

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Liebe Alea,

eine sehr gute Freundin von mir hatte früher ein ähnliches Problem wie du und sie hat immer nach "Ersatzeltern" gesucht.
Es tut weh, wahnsinnig weh, zu verstehen, was einem da eigentlich fehlt. Wer einem fehlt. Was man brauchen würde. Und was man einfach nicht findet - du bist sehr reflektiert und sagst selbst, dass eben z.B. der Tutor niemals ein Vater für dich sein kann oder seinen Job riskieren würde. Und dennoch suchst du - nur zu verständlich.

Und trotzdem sind allgemein Lehrer hier nicht die geeigneten Ansprechpartner. Lehrer können dir weiterhelfen auf der Suche nach Unterstützung, aber sie arbeiten in der Schule. Sie leben nicht mit ihren Schülern zusammen oder für ihre Schüler. Und wenn sie nach Hause gehen, dann müssen sie die Probleme des Tages auch vergessen lernen, weil einen sowas sonst auffressen kann. Es kann einfach schmerzhaft sein für dich, wenn du registrieren musst, dass auch dein Tutor das vielleicht gerne sein möchte - intensiver Ansprechpartner etc. - es aber nicht sein KANN.

Ich weiß nicht, ob du das hören kannst und willst, aber in meinen Augen brauchst du professionelle Unterstützung, und zwar von Menschen, die in diesem Gebiet geschult sind. Das muss kein Therapeut sein (kann aber), aber auf der o.g. Website kannst du vielleicht Ansprechpartner finden. Da du selbst sagst, dass du deine Trauer verdrängt hast, ist das eine Überlegung Wert.

Ich weiß leider nicht, was für Betreuungszentren Strolchi meint. Fakt ist aber: jemand kann dir Beistand leisten und für dich da sein, aber derjenige wird vermutlich nicht so da sein, wie du es brauchen würdest. Vielleicht nie so, wie du es dir wünschen würdest. Und ich glaube, dass du deshalb noch Unterstützung brauchst, um über deinen großen und schmerzhaften Verlust irgendwie wegzukommen. Halbwegs. Auch wenn es sehr schwer ist.
Ich wünsche dir dafür alles Gute!
 

Benutzer156248  (22)

Ist noch neu hier
Wow ok, erstmal ein riesiges Dankeschön an euch alle. Ich hab mir die Seite mal angesehen und da gibts ja wirklich viel zu lesen, wusste gar nicht, dass es sowas gibt.
Sowas wie ein Therapeut oder so ist etwas schwierig. Zum einen hatte ich sowas als Kind schon mal und sehr schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb kann ich mich schlecht jemandem anvertrauen, den ich nicht kenne, ausgenommen ich bin anonym wie hier.
Zum anderen möchte ich eigentlich nicht, dass meine mutter was davon mitbekommt...
Vielleicht gibts da aber auch alternativen.
 

Benutzer123446 

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Vielleicht kannst du dich direkt ans Jugendamt deiner Stadt wenden? Dort kannst du eventuell Beratungsstellen erfragen. Die sind häufiger eher anonym und deine Mutter erfährt nichts.
In größeren Städten gibt es sozialpsychiatrische Dienste oder Kriseninterventionsstellen. Ersteres ist für Erwachsene mit psychischen Schwierigkeiten gedacht, zweiteres meistens für Erwachsene in Krisen. Aber beide Stellen sind sehr oft gut vernetzt und können dich möglicherweise besser "weiterleiten" als das Jugendamt. Die sind zum Teil sehr überlastet und es kommt stark darauf an, an wen man gerät.
Auch Kinder- und Jugendpsychiatrien sind sehr gut mit Kriseninterventionen für Jugendliche vernetzt, oder Selbsthilfegruppen, oder, oder, oder. Das wäre auch möglich.
Falls du möchtest, schick mir die nächstgrößere(n) Stadt(Städte), die von dir aus sinnvoll erreichbar sind, per PM. Je nach Region (insb. Süddeutschland/Mitteldeutschland) kann ich dir vielleicht Anlaufstellen nennen.

Ich kann verstehen, dass die Hemmschwelle bzgl. Therapeut nach einer schlechten Erfahrung sehr groß ist, aber vielleicht überlegst du dir es nochmal. Das ist sehr personenabhängig, es gibt sehr gute und sehr schlechte Therapeuten.
 
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