Kontaktabbruch zu Vater - und Mutter akzeptiert das nicht

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Würdest du den Selbstschutz aufgeben oder aufweichen und wieder eine Runde Karusell fahren, würde der Gedanke ... wieder abstossend werden.
Das stimmt. Das ist meine Befürchtung.

Ich habe gestern noch recht lange mit dem Herzensmann gesprochen. Er hält meine Mutter für durchaus noch empfänglich für Argumente und fähig, zu reflektieren. Er hält es darum für ratsam, nochmal ein persönliches Angesicht-zu-Angesicht-Gespräch mit ihr zu führen. Den Rahmen derzeit zu stecken, ohne dass "er" irgendwie als Anhängsel zumindest in der Nähe ist, hält er aber auch für nicht möglich.
Ich schätze das insgesamt anders ein als er: Ich denke, Reflektion würde erforderlich machen, dass sie ihr Verhalten und Empfinden, ihre eigenen Rechtfertigungen vor sich, die sie nicht nur durch die letzten Monate, sondern durch Jahrzehnte getragen haben, infrage stellen müsste- und somit ihren Lebensentwurf und ihre Persönlichkeit. Diesen tiefen Schmerz wird sie sich schon aus Selbstschutz nicht zufügen. Sie wird vielleicht in dem Moment des Gespräches sogar eine gewisse Gedankenspielerei zulassen, wird aber danach für sich und "ihn" wieder Rechtfertigungen finden.

Ich habe kürzlich einen youtube-Kanal entdeckt, der sich Narzissmus widmet, und dort gestern einen Beitrag geschaut, der sich mit narzisstischen Großeltern und darin begründeten Familienstrukturen befasst. Wow! Meine gesamte Familie väterlicherseits ist wie eine Karikatur. Eine überzeichnete Variante ebendieser Beschreibungen. Ein einziges, voll ausgeprägtes Klischee.
 

Benutzer6428 

Doctor How
Hey du!

Ich kann deinen Partner verstehen.... Ich meine das nicht böse...er hat einfach kaum / keine Erfahrung mit solchen Dingen.
Aussagen wie "von Angesicht zu Angesicht" sind Floskeln. Natürlich kommuniziert man mehr, wenn man sich direkt sieht. Wenn man Gefühle im Gesicht und der Körperhaltung des anderen zusätzlich wahrnehmen kann. Auf der anderen Seite hat das deine Mutter über die vielen vielen Jahre auch nicht wirklich gerührt. Das versteht er leider nicht. Wer in einer sehr heilen Welt aufgewachsen ist und noch nie mit solchen oder ähnlichen Menschen zu tun hatte, begreift gar nicht, dass es da draußen Menschen gibt, die für Argumente gar nicht empfänglich sind, auch wenn es den Anschein hat.

Meine Vorstellung von selchen Dingen ist so: Es verhält sich wie eine stark stark eingefahrene Spur, wo über Jahrzehnte in eine Matschstraße tiefe tiefe Reifenspuren entstanden sind. Man kann jetzt mit einem normalen VW Polo mit Kraft und Mühe dagegen lenken und man wird ab und zu auch aus dieser Spur ausbrechen, rutscht dann aber ganz schnell wieder hinein. Gerade wenn man die anderen Straßen gar nicht sehen kann oder will und wenn dann die Bemühung aufhört, weil man ja, in deinem Fall, die Tochter nicht 24 Stunden am Tag am Telefon hat.
Vielleicht hilft dieses Bild deinem Partner. Sie ist, und war nie, dazu bereit wirklich etwas zu ändern. Manchmal kommt ein Gedanke, der in eine andere Richtung strebt, der wird aber von dem Gesamtstrom ihrer Gedanken ganz schnell geplättet. Er würde die ganze Straße gefährden. So lange der Gedanke nützlich ist, wird er beibehalten.

Das was du machen kannst, wenn du weiterhin mit ihr Kontakt haben willst ist, sie quasi zu bestimmten Dingen zu erziehen, die nicht bzw. nicht direkt gegen diese eingefahrenen Spuren gehen. Regeln, die sie halt einhält, weil die komisch verwirrte, schwangere und hormonverseuchte Tochter das halt so will. Die muss man dann aber mit harten Konsequenzen erzwingen. Ein Beispiel dafür wäre dann "Du erwähnst beiläufig eine mögliche Kontaktaufnahme mit meinem Vater: 2 Wochen kein Kontakt; Du machst Pläne mit meinem Vater zu uns zu kommen ohne auch nur zu fragen: 2 Monate kein Kontakt."
Ob man sowas will, ist halt fraglich, weil es ein ewiger Kampf ist, der nie wirklich "entschieden" wird. Sie wird immer dagegen drücken und sie wird schwache Momente abwarten. Nach 10 Jahren durchhalten, erreicht man vielleicht ein neues "normal" und es wird insgesamt weniger...davor würde ich aber nicht darauf hoffen.
 

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Ich kann deinen Partner verstehen.... Ich meine das nicht böse...er hat einfach kaum / keine Erfahrung mit solchen Dingen.
Ich kann ihn da auch verstehen. Zumal er -wie ich selbst ja auch- meine Mutter durchaus schätzt und lieb hat.
Es verhält sich wie eine stark stark eingefahrene Spur, wo über Jahrzehnte in eine Matschstraße tiefe tiefe Reifenspuren entstanden sind.
Schöne, klare Allegorie.
Ob man sowas will, ist halt fraglich, weil es ein ewiger Kampf ist, der nie wirklich "entschieden" wird.
Ja, ein Kampf wird es bleiben, wenn ich den Kontakt zu ihr erhalten will.

Das derzeit einzig Gute in diesem Gesamtkonstrukt ist, dass "er" sich gänzlich raushält und zurückgezogen hat, weil er seinen narzisstischen Aufmerksamkeitsdrang nicht von uns gefüttert bekommt.
Sie nährt ihn allerdings nur allzu gut.
 

Benutzer174652 

Verbringt hier viel Zeit
hy du erdbeere du ...
hast du eigentlich schon mal was systemisches gemacht - aufstellungsarbeit mit guten leuten??
herzliche grüße, s.
 

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Hallo SAMSARA SAMSARA , das finde ich einen interessanten Gedanken, werde ihn auf jeden Fall in die nächste Therapiestunde nehmen,
weiß bisher aber nicht so recht, welche Erwartungen ich daran knüpfen dürfte, weil ich mir vermutlich gar nicht so unklar darüber bin, wo und wie zueinander wir stehen.
Spannend würde wohl die Einsicht, wo fühlt jeder sich am wohlsten, wenn wir uns wie anders zueinander aufstellen.
Um das herauszufinden bräuchte es wohl wirklich menschliche Stellvertreter statt Püppchen. Mal gucken, ob das sich unter der abschwächenden Corona-Situation wieder verwirklichen lässt.
Danke für die Idee.
 
4 Monat(e) später
Ein Update Neu

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Ihr Lieben...
tatsächlich haben wir -meine Eltern und meine Kernfamilie- uns seit dem Sommer zwei Mal wiedergesehen.

... Ich hatte im Juli wegen einer anderen Problematik nochmal einen Klinikaufenthalt in einer neurologischen Klinik.
Infolge der Vielzahl an dort betreuten neuropathologischen Krankheitsbildern überrascht es nicht, dass die auch mit psychologischen und psychotherapeutischen Angeboten ganz hervorragend ausgestattet sind.
Dort nun konnte ich meine Familien-Problematik mit hinnehmen, und habe nochmal ganz neue Ansätze bzgl. des Umgangs damit erhalten. Wir haben dort wirklich mal eine Aufstellung umsetzen können. Daraus konnte ich nicht allzu viele neue Schlüsse ziehen, aber ich habe mich in Vielem bestätigt gefühlt, was unsere Positionen zueinander und daran haftende Empfindungen anbelangt.
Für die Therapeutin war das insofern aufschlussreich, weil sie die nächsten, auch jetzt gelebten Schritte auf diese Erkenntnisse aufbaut:

Ich habe in der ambulanten Therapie zuvor schon eine ganze Reihe von Baustellen mittlerweile aufgearbeitet bekommen. Es hat mir wirklich geholfen, für viele Dinge Ventile zu finden, gewisse Empfindungen zuzulassen, ohne sie bedrohlich zu finden, auch im Hinblick auf meine Eltern/meinen Vater.
In all den vergangenen Monaten hat der auf mich ausgeübte Druck jedoch immer weiter zugenommen, dieser Kampf gegen die Kontaktverweigerung, diese Versuche, mich und meine Entscheidung zu unterwandern, das Heran- und Hereinziehen anderer mir wichtiger Personen...
Die "neue" Therapeutin nun verfolgt den Ansatz, diesem Druck gewissermaßen auszuweichen, indem ich den Kontakt zulasse, unter Anwendung bestimmter gedanklicher Werkzeuge und Kommunikationsmittel, sodass Folgendes passiert:
Bisher, in den letzten Monaten bei aufrechterhaltenen Kontaktabbruch zu meinem Vater, war es gewissermaßen so, als wäre ich ein Haus mit geschlossenen Fenstern, und "jemand" (meine Mutter) wirft mit Steinchen an die geschlossenen Scheiben. Ich reagiere nicht - die Steine werden größer. Ich reagiere nicht - die erste Scheibe erleidet einen Sprung im Glas. Meine Fensterläden werden geschlossen. "Jemand" versucht erst, durch Zerren und Rütteln sie wieder aufzubekommen; das gelingt nicht. - "Jemand" nimmt die Axt. Und wirft danach wieder mit Steinen gegen geschlossene Scheiben. Die Scheiben brechen, der Putz bröckelt...
Ich stand also vor der Entscheidung, zu meiner Mutter ebenso wie zu meinen Vater einen generellen Kontaktabbruch zu initiieren, oder etwas Anderes anders zu machen, damit es mich nicht kaputt macht.
Was habe ich geändert:
Ich bin immer noch das Haus. Jemand wirft immer noch mit Steinen auf meine Fenster. Wenn ich aber weiß, dass "jemand" in Kontakt mit mir ist, mache ich vorab die Fenster an beiden Seiten ganz weit auf, und lasse die Steine geradewegs direkt hindurch sausen - und ich nehme keinen Schaden, weil sie hinter meinem Grundstück, hinter meinem individuell abgesteckten Persönlichkeitsbereich, landen.
Meine Eltern waren -gemeinsam- zum Schulanfang unserer Großen im August bei uns, und nun nochmal vergangenes Wochenende, sechs Wochen nach der Geburt ihres Enkelsohnes, um ihn kennen zu lernen.
Ich merke, auch in den Telefonaten mit meiner Mutter zwischendrin, dass meine neue Kommunikationsstruktur zum Einen mir ganz persönlich gut tut, weil sie dafür sorgt, dass ich mich noch besser abgrenzen kann, und für mich stehe. Das gilt insbesondere auch für meine eigene Kommunikation mit mir selbst! Zum Anderen führt der neue Umgang mit meinen Eltern dazu, dass ich viel weniger kämpfen muss:
Meine Mutter hat, was sie will. Sie kämpft folglich nicht mehr (sie hat ja für das Ziel "wieder Kontakt herstellen" gekämpft, die Wertigkeit dieses Kontaktes hat sie bis heute in ihre Überlegungen nicht einbezogen); die "Steine", die sie schmeißt, sind immer kleiner geworden, und jetzt (derzeit) lässt sie es ganz. Meinem Vater wird mehr noch als zuvor die Nahrung seiner narzisstischen Fütterung entzogen, denn ihm fehlt nun der Kampf für seine vermeintlichen Rechte durch meine Mutter. Zugleich greifen hier wieder die neu erlernten Kommunikationstricks, die sein Geltungsbedürfnis schlicht in die Leere laufen lassen. Zwei, drei Mal hat er versucht, seine manipulativen, giftigen Pfeile zu schießen. Seit er merkt, sie prallen nicht nur ab, sie treffen schlicht nicht mehr, hat er sich von mir abgewandt. Ich bin nicht hinreichend interessant.
Beide Treffen verliefen also so, dass sie zu unseren Bedingungen stattfanden (und hier greift auch, dass mein Herzensmann eben für mich und unsere Familie einsteht), und dass insb. mein Vater sich jetzt selbst von mir abwendet und mich schlicht in Ruhe lässt. Es war eine Art tangentiale Koexistenz.
Es resultierte, dass meine Eltern bekommen haben, was sie forderten und wollten (gemeinsam zu Besuch kommen dürfen, Enkel sehen, sich eingeladen fühlen und gut versorgt werden), und sich trotzdem fehl am Platz fühlten (dies bekannte meine Mutter im gestrigen Telefonat, mit dem Hinweis darauf, dass sie es nicht greifen könne - schlicht nicht wisse, warum), und deshalb selbst nur kurz bei uns sein wollten. Sie haben beide Male, trotz des Fahrweges von fast 300km, es gerade mal einen knappen Tag hier ausgehalten. Und gedenken auch nicht, besonders bald wieder herzukommen.
Letztlich hat sich also durch Zulassen des Kontaktes meine Situation stabilisiert: Ich habe noch seltener Konfrontationen oder überhaupt Kontakt mit meinen Eltern. Zugleich gebe ich nun Bedingungen vor, denen zu folgen sie bereit sind, und ich muss folglich deutlich weniger kämpfen, was meine Seele gerade entlastet.

Ich weiß, dass das wahrscheinlich wieder nur eine Phase, ein Zwischenstadium, ein Plateau ist. Im Moment aber ist es okay so.
Was mich ein wenig traurig macht, ist, dass ich in diesem Zusammenhang aber merke, wie entfremdet mir meine Mutter mittlerweile ist, und dass ich den Kontakt zu ihr auch immer weniger brauche, geschweige denn wünsche. Und das schmeckt gerade noch bitter...
 

Benutzer172636 

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Off-Topic:

Ich bin immer noch das Haus. Jemand wirft immer noch mit Steinen auf meine Fenster. Wenn ich aber weiß, dass "jemand" in Kontakt mit mir ist, mache ich vorab die Fenster an beiden Seiten ganz weit auf, und lasse die Steine geradewegs direkt hindurch sausen - und ich nehme keinen Schaden, weil sie hinter meinem Grundstück, hinter meinem individuell abgesteckten Persönlichkeitsbereich, landen.
Magst du hier etwas genauer ausführen, wie das funktioniert? Ich verstehe die Metapher, wüsste aber nicht, wie das umgesetzt werden könnte. Es freut mich, dass es für dich funktioniert :smile:
 

Benutzer174652 

Verbringt hier viel Zeit
ja ...
(gute) familienaufstellungen sind ja was systemisch wirksames ...

vermutlich ist die jetzige situation vor allem die summe aller in diesem beitrag erzählten aber auch der in den letzten monaten geschehenen dinge ...

fein, dass es dir so gut geht! <3
 

Benutzer171033 

Öfter im Forum
Magst du hier etwas genauer ausführen, wie das funktioniert? Ich verstehe die Metapher, wüsste aber nicht, wie das umgesetzt werden könnte. Es freut mich, dass es für dich funktioniert
Nun, zum ersten bedeutet das ganz viel eigenes Loslassen. Ich habe akzeptiert, dass meine Eltern keine große Bereicherung für mein Leben (mehr) sind oder sein werden, und dass dies zu sein auch nicht in ihrer Verantwortung liegt. Ich habe also meine Erwartungshaltung bzgl. einer erfüllten (erwachsenen) Eltern-Kind-(Enkel)-Konstellation losgelassen. Das erspart Enttäuschungen. Ich habe jedoch aus meinen Erfahrungen eine Erwartungshaltung bzgl. ihres Verhaltens, das bedeutet, sie sind in ihrem Denken und Handeln ziemlich voraussehbar. Das macht sie für mich zum einen berechenbar, zum anderen auch lenkbar und bedeutet die Voraussetzung für dieses "Fenster Öffnen".

Ich meine ich das auch wörtlich, nicht nur metaphorisch: Ich lade sie wieder ein bzw. wehre mich nicht gegen ihre Besuche. Sie sind mir als Gast willkommen. ("Ich öffne die Fenster -und Türen"). Damit nehme ich ihnen einen wichtigen Angriffspunkt, an dem insb. meine Mutter sonst weiter bohren würde, dauerhaft.
Zugleich gibt mir das eigene Handlungsoptionen wieder; ich gestalte jetzt (wider meines ersten Erwartens) deutlich mehr und proaktiver innerhalb dieser Beziehung.
Und das ist dann auch schon der nächste Punkt: Ich bin gastfreundlich zu ihnen. Aber nach meinen Bedingungen-
zum Beispiel kochen wir nun, wenn meine Eltern da sind, ausschließlich so, wie wir gern essen. Meine Eltern essen gern deftig und fleischlastig. Wir sind, wenn man so will, Flexitarier, die seltenst Fleisch oder Wurst essen, und nur ab und zu Fisch. Also gibt es halt bei uns abwechslungsreich gewürztes Gemüse, mit Liebe zubereitet, aber nicht dem Gusto meiner Eltern nachlaufend.
Wenn wir abends müde sind, und sie noch wach bleiben wollen bei uns, dann gehen wir trotzdem zu Bett und wünschen höflich gute Nacht. ("ich öffne die Fenster" und ermögliche ihnen die Erwartungshaltung, noch wach zu bleiben; ich lasse ihre Steine (Erwartungshaltung des sich weiter Unterhaltens oder gemeinsamen Spielens etc.) durchfliegen, indem ich mich durchlässig für ihre Bedürfnisse mache, sondern meinen nachgehe, solange sie sie nicht klar und konkret äußern.)
Wenn wir Ausflüge machen, dann reisen wir getrennt zum Zielort an, damit wir unser eigenes Tempo halten können (nochmal auf den Spielplatz, Einkauf auf dem Heimweg etc.). Wir gehen damit auf ihre Bedürfnisse ein, indem wir sie wahr- und ernst nehmen ("Ich öffne") und ihnen nicht im Weg stehen, sich nach diesen zu richten, und zugleich bieten wir -wieder- keine Angriffsfläche, uns in unseren Bedürfnissen beschneiden lassen zu müssen (Hier gab es in der Vergangenheit oft auch regelrechte Schimpftiraden meines Vaters, wenn man sich seinem Tempo nicht vollkommen angepasst hat).

Gemäß seines Persönlichkeitsprofils neigt mein Vater dazu, Menschen direkt zu beleidigen, sie an ihren Schwachstellen zu greifen und genau da zu zu stechen. Auch hier hat sich ein loslassen bei mir abgespielt, und das war wohl der wesentlichste Prozess, um diesen jetzt wieder zugelassenen Kontakt leicht zu nehmen: Ich weiß und habe verinnerlicht, dass sich sein Verhalten gar nicht gegen mich als Person richtet, sondern "für ihn" arbeiten soll, dass ich nur in dem Konstrukt leider und zufällig das Pech habe, seine Tochter zu sein. Dadurch kennt er eben meine Schwachstellen und arbeitet mit meinen Angriffsflächen. Sonst wäre eben ein anderer dran... Diese Erkenntnis allein (nicht der rationale Gedanke, sondern das Empfinden dessen nach Verinnerlichung) ermöglicht mir nun folgenden Umgang: Wenn er mich angreift oder beleidigt (im August u. A. z.B. "Du bist ja auch vollkommen blöde! Wie kann man nur so bescheuert sein! [...]"), dann sage ich jetzt sinngemäß "Vielen Dank für deinen Gedanken. Danke für deine Sicht der Dinge." ohne noch weiter darauf einzugehen, oder eine Diskussion loszubrechen. ("Ich öffne die Fenster, und die Steine fliegen hindurch") -Seine Angriffe laufen ins Leere. Was bei ihm bleibt, ist Verblüffung und Rückzug, denn seine Aggressionen sind ja darauf ausgelegt, dass das Gegenüber beleidigt reagiert und kontert. Daraus bezieht er ja sein Futter. Ich begebe mich aber nicht mehr in eine Position der Rechtfertigung oder des Konterns. Somit verliert er die Lust, mit mir in Kommunikation zu gehen.

Ich hoffe, das erläutert ein wenig verständlicher die oben gebrauchte Metapher. Es sind zahlreiche Beispiele, die alle in die gleiche Richtung wirken. Im Grunde ist es jetzt eine sich wiederholende Grundeinstellung, die ich auf alle Handlungen und Interaktionen mit meinen Eltern anzuwenden versuche. Im Gesamtbild wie in der kleinen Einzelsituation.
 

Benutzer172636 

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Danke, jetzt verstehe ich es. Klingt wirklich gut und sinnvoll und es freut mich, dass es euch und dir gut tut :smile:
 
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