Kinderwunsch jain?

Reaper0309
Benutzer175515  (30) Meistens hier zu finden
  • #1
Richtet sich vorwiegend an Menschen mit Erfahrungen im Kinder kriegen/ erziehen.

Ich bin seit ein paar Monaten in einer Beziehung mit einer tollen Partnerin.
Sie ist drei Jahre älter als ich und hat mir von Anfang an kommuniziert, dass sie gerne Kinder möchte und damit auch keine 5 Jahre warten will.
Das war und ist für mich okay.

Für mich wäre es auch okay Zuhause zu bleiben und in Elternzeit zu gehen.

Was mich umtreibt ist die Weltlage momentan, Ukraine, USA/ Russland/ Iran, die Wahlen und Entwicklung der Politik/Wirtschaft.

Oder das Klima? Das eigentlich noch am ehesten.

Ich habe den Gedanken immer unterbewusst gehabt, dass Kinder für mich dazugehören.

Trotzdem stelle ich mir seit einigen Monaten immer die Frage, ob das nicht verdammt selbstsüchtig ist?

Ich habe schonmal versucht mich mit "älteren" darüber zu unterhalten, aber da kam oft nur die Antwort "ja wenn du danach gehst, war immer der falsche Zeitpunkt".

Für mich stand auch immer fest, dass ich als Elternteil verantwortungsvoll gegenüber meinem Kind sein möchte und ich frage mich inwiefern ich da überhaupt Einfluss drauf habe und ein Kind zu zeugen, nur um es zu "haben" die richtige Herangehensweise ist?

Der Schritt an sich macht mir tatsächlich kein Kopfzerbrechen an sich.

Aber ist es normal, dass man diese Gedanken hat und sich sowas fragt?
 
Florence Blackwell
Benutzer205991  (67) Öfter im Forum
  • #3
Trotzdem stelle ich mir seit einigen Monaten immer die Frage, ob das nicht verdammt selbstsüchtig ist?
Wenn Du die obigen Überlegungen anstellst, sehe ich per Se nicht soviel Selbstsucht, sondern Verantwortungsbewusstsein.
Es ist ja alles nicht von der Hand zu weisen und da braucht es schon Mut, seinen Kindern diese Herausforderungen mit auf den Weg zu geben.
Aber wer nicht blind diesen Schritt geht, hat meiner Meinung nach, schon die richtigen Gedanken um es umzusetzen.
 
Schnecke106
Benutzer85763  (44) Beiträge füllen Bücher
  • #4
Ich habe auch immer mal wieder Zukunftssorgen, aber wenn ich mir die Vergangenheit so anschaue, dann gab es die Sorgen (und Gründe für Sorgen) eigentlich fast in jedem Jahrzehnt.

Von der Entscheidung Kinder zu bekommen hätte es mich nicht abgehalten. Kinder sind für mich auch Hoffnungsträger, im Idealfall wachsen junge Menschen heran, die etwas besser machen wollen. Ein wenig Selbstsucht ist vermutlich auch dabei.
 
E
Benutzer216998  (59) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #5
Die Menschheit (und alle anderen Tiere) wären längst ausgestorben, gäbe es nicht den Instinkt... und letztlich bin ich ihm dankbar, denn meine Kinder sind (außer meiner Frau) das beste, was mir im Leben passieren konnte.
 
V
Benutzer163532  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #6
Das ist eine sehr persönliche Entscheidung, die natürlich jeder Mensch für sich treffen muss.
Gedanken wie "Diese Welt ist nicht mehr lebenswert" lösen bei mir Gefühle aus, die ich lieber nicht hätte. Daher versuche ich dem auch nicht nicht zu verfallen und nicht ständig zu denken: "Was ist das bloß für eine Scheißwelt, in der wir leben."

Trotzdem stelle ich mir seit einigen Monaten immer die Frage, ob das nicht verdammt selbstsüchtig ist?
Kinderkriegen ist immer egoistisch. Kein Mensch kriegt Kinder aus selbstlosen Gründen, das ist immer egoistisch, immer ein Ich-Wunsch. Ich möchte Mutter/Vater werden, ich möchte eine Familie. Das Kind fragt nicht danach, geboren zu werden, für die Gesellschaft macht man das auch nicht.

Wir haben den Luxus, in einer kriegslosen und krisenarmen Zeit großgeworden zu sein (bezogen auf Deutschland natürlich nur). Dass aktuelle Entwicklungen in der Welt besonders Angst machen, finde ich nur logisch.
Menschen haben aber immer Kinder bekommen, zu Kriegs- und zu Krisenzeiten. Am Ende bleibt es eine persönliche Entscheidung.
Ich finde es jedenfalls nicht verwerflich, als Mensch den Wunsch nach Fortpflanzung zu haben. Auch in heutigen Zeiten.
Genauso habe ich aber großes Verständnis dafür, wenn Menschen sich dagegen entscheiden, aus genannten Überlegungen heraus. Die Entscheidung kann einem niemand abnehmen.
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #7
Kinder wurden schon immer gezeugt, egal in welcher Krise sich die Menschheit gerade befand 🤷‍♀️

Die Frage ist eher - möchtest du wirklich Kinder oder machst du dir und deiner Freundin etwas vor?

Und wie es sich hier auf Erden entwickelt- das wissen wir alle nicht.

Ich selbst habe 3 Söhne und sie sind das beste was mir je passieren konnte.
Ich bereue es nicht sie zu haben.
 
Topfrose
Benutzer215713  (42) Verbringt hier viel Zeit
  • #8
Richtet sich vorwiegend an Menschen mit Erfahrungen im Kinder kriegen/ erziehen.
Off-Topic:

Darf ich mal fragen, warum du diese spannende Frage "vorwiegend" an Eltern richtest? Das hat doch mit der eigentlichen Erziehung gar nichts zutun.
 
Reaper0309
Benutzer175515  (30) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #9
Wenn Du die obigen Überlegungen anstellst, sehe ich per Se nicht soviel Selbstsucht, sondern Verantwortungsbewusstsein.
Es ist ja alles nicht von der Hand zu weisen und da braucht es schon Mut, seinen Kindern diese Herausforderungen mit auf den Weg zu geben.
Aber wer nicht blind diesen Schritt geht, hat meiner Meinung nach, schon die richtigen Gedanken um es umzusetzen.

Du hast es nett gemeint (danke). Aber zugleich den Widerspruch sehr schön dargestellt, der mir nicht gelungen ist.

Wie kann man Verantwortungsbewusstsein zeigen, indem sich der Situation voll bewusst ist und dann trotzdem Kinder kriegen.

Wären es jetzt nur Dinge wie Inflation, Sanierungsstau, Fachkräftemangel, wäre ich ja bei dir und würde sagen, dass es Herausforderungen sind.

Aber Dinge wie die Klimakrise sind Dinge auf die weder ich, noch meine Kinder irgendwie Einfluss nehmen können.

Man weiß, dass die Erde einfach eine tickende Zeitbombe ist.

Wenn es mich jetzt schon jeden Tag fertig macht, wir könnte ich das verantwortungsvoll an meine Kinder weitergeben?
 
Reaper0309
Benutzer175515  (30) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #10
Off-Topic:

Darf ich mal fragen, warum du diese spannende Frage "vorwiegend" an Eltern richtest? Das hat doch mit der eigentlichen Erziehung gar nichts zutun.

Das ist eine sehr persönliche Sache und hat damit zu tun, dass ich oft auf PL von User:innen Antworten zu Themen bekommen habe, wo mir sehr wenig Ahnung, oder auch sehr wenige Empathie begegnet ist.

Das möchte ich nicht mehr, weil es mich trigggert.

Zzr eigentlichen Frage:
Ja wir leben alle in einer harten Zeit.
Aber Kinder zu haben, heute, oder zu Krisenzeiten die früher gewesen sind belastet Menschen anders, als Singles.

Man hat Verantwortung von ein, oder mehrere Lebewesen und hat auf ihr Glück nicht immer Einfluss.

Deshalb wäre es mir einfach sehr daran gelegen, dass hier nicht jeder seinen Senf dazugibt, ohne einen Mäh Ahnung davon zu haben wie es ist, wenn auf einmal Schulen schließen, wenn dein Kind gemobbt wird, wenn dein Kind vermeintlich eine schlechte Zukunft vor sich hat.

Das sind Ängste und ich möchte Beiträge von Menschen lesen, die sich diesen Ängsten gestellt haben, oder diese Ängste ganz real empfinden.

Weil die mich weiterbringen.

Wenn du etwas übers Joggen lernen willst, fragst du auch am besten mehrere Jogger?
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #11
Aber Dinge wie die Klimakrise sind Dinge auf die weder ich, noch meine Kinder irgendwie Einfluss nehmen können.

Man weiß, dass die Erde einfach eine tickende Zeitbombe ist.

Wenn es mich jetzt schon jeden Tag fertig macht, wir könnte ich das verantwortungsvoll an meine Kinder weitergeben?
Wenn das dein Hauptthema ist und dich das jeden Tag fertig macht, solltest du keine Kinder bekommen.

Denn du solltest trotz der Situation ein Anker sein können und das bist du dann nicht.

Ich selber sehe es "weitsichtiger" oder auf lange Sicht.
Wir Menschen zerstören unsere Spezies, ja auch mit den Lebensraum.
Das Positive dabei ist, dass sich der Planet Erde wieder erholen wird.
Ein Besuch in einem Naturkundemuseum kann da heilend wirken, wenn man sich der Erdgeschichte bewusst wird.
Wir sind einfach nur ein Wimpernschlag in der ganzen Zeit der Erde.
Die Zeit, die wir hier auf Erden haben, versuchen wir bewusst zu leben und zu genießen und den Tieren und Pflanzen, denen ich helfen kann, den helfe ich auch.
Habe einen großen Garten und hier finden Tiere immer zu Essen und vor allem zu trinken.
Wir lieben es die Insekten zu beobachten.

Würde ich mir rund um die Uhr nur noch Sorgen machen, verbittert sein, nur noch das Schlechte überall sehen, hätte ich längst Selbstmord gemacht.
 
Florence Blackwell
Benutzer205991  (67) Öfter im Forum
  • #12
Reaper0309 Reaper0309
Danke dass Du " seh ich anders Zeichen erklärt hast
Ich versuche es zu erklären- nett gemeint alleine hab ich es nicht

Aber Dinge wie die Klimakrise sind Dinge auf die weder ich, noch meine Kinder irgendwie Einfluss nehmen können
Die klimakrise ist da, schon lange, leider auch lange weitgehend verschnarcht, keine Frage. Und sie zeigt sich unerbittlich in katastrophalen Auswirkungen.

Allerdings darf man eines nicht vergessen: es gibt unzählige ( wirklich unzählige ) Beispiele für Möglichkeiten, da entgegen zu wirken. Und die Menschen, die das machen, und da macht es die Summe nicht die einzelne Aktion, stehen nicht im Fokus.
Wissenschaftler Startups arbeiten unermüdlich im Bauwesen ( ein Beispiel) da lässt sich vieles zum positiven verändern. Recycling ganzer Großbauten, Städtebegrünung ect ect das Essverhalten ect
Umdenken ist das Notwendige
Kinder lernen heute unglaublich viel von der Kita an was positives zu tun ist, glaube mal wohl, die verinnerlichen die Ideen und möchten sie umsetzen.
Das hab bitte auch mal im Fokus.
Natürlich können wir alle dasitzen und kotzen, glaube mir danach ist mir auch.
Wenn ich höre was die AFD für ne gequirlte Sch… Bar jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis verzapft.. dann zum Beispiel und wenn sich dazu unreflektierte Menschen zustimmend äußern 🤢
Dann würde ich mich am liebsten freuen über jeden potentiellen Elternteil der sich gründlich Gedanken macht und dann ein Kind in die Welt setzt mit vernünftigen Gedanken mit Ideen die in die richtige Richtung weisen und es mit Willenskraft umsetzen möchte.
Diese jungen Menschen gibt es bereits und ich danke ihren Eltern aufs herzlichste
Ein riesengroßer Lichtblick in dieser Welt
 
Zuletzt bearbeitet:
Florence Blackwell
Benutzer205991  (67) Öfter im Forum
  • #13
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #14
Ich habe schonmal versucht mich mit "älteren" darüber zu unterhalten, aber da kam oft nur die Antwort "ja wenn du danach gehst, war immer der falsche Zeitpunkt".
Das würde meine Mum zun Beispiel nicht bestätigen. Ich hab ein großes Geschwister, und ich hätte auch noch kleinere gehabt - wäre nicht, als sie mit mir schwanger war, Tschernobyl passiert. Die Sache ansich, aber auch sehr eindrucksvoll die Gesellschaft. Sie und einige andere junge Mütter hatten sich zusammengeschlossen und einen Geigerzähler gekauft, weil sie dem "ach, das passt schon mit dem Gemüse" und "ach, vom Spielplatz haben wir etwas Sand abgetragen, da können die Kinder wieder spielen" nicht trauten. Wie oft sie dafür angefeindet, teils angegriffen wurden - nicht von Personal im Laden, aber von anderen Einkaufenden oder Eltern - die es einfach nicht wissen wollten, die in aller Ruhe ihre Augen davor verschließen wollten.

Und auch wenn sie sehr, sehr gerne Kinder von mir sehen würde - das war schon immer Traum - versteht und unterstützt sie meine Entscheidung dagegen, sagt, jetzt würde sie auch keine Kinder bekommen. Meine Nichte hat sich aus gleichen Gründen dagegen entschieden. Das Ding ist ja, den Nachwuchs würde man vermutlich sehr, sehr lieben - und wie sollte ich einem Wesen das ich so liebe ein Leben in der absehbaren Zukunft antun können? Wissentlich, aus Egoismus? Für mich geht's nicht.

Sorry fürs letztliche abschweifen in eigene Meinung, nur das "irgendwas war ja schon immer" mancher Personen verärgert mich arg, das wollte ich so nicht stehen lassen - und ich kann Deinen Konflikt da sehr gut verstehen, auch wenn ich meine Entscheidung schon getroffen habe.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #15
Off-Topic:

Man weiß, dass die Erde einfach eine tickende Zeitbombe ist.
Nur am Rande: Das ist sie nicht. Nur werden Menschen und viele andere Tiere eines Tages aussterben, wenn das Klima sich weiter kräftig verändert. So wie die Dinosaurier. Die Erde existiert weiter, Leben verschwindet, kommt wieder.

Ich kann viele deiner Gedanken gut nachvollziehen. Ich halte es auch für vollkommen normal, dass man zweifelt, überlegt. Es ist eine immens große Entscheidung. 🙂

Ich hatte eine Menge Zweifel, als ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. Aus vielen Gründen! Arbeit, die Patchwork-Situation, keine Unterstützung vor Ort… aber ich wollte ein Kind, und ich dachte mir: Wir schaffen das!

Und dann hatte man viele Monate, um sich auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das war gut.

Es wird immer Kriege, Krisen und Katastrophen geben. Es werden hoffentlich trotzdem weiter so viele Kinder geboren, dass neue Generationen heranwachsen, die etwas verbessern können (ich bin Optimist, und Joseph Gordon-Levitt ist ein Grund dafür! 😊).

Ich hoffe, du kannst gemeinsam mit deiner Partnerin eine Entscheidung treffen, die euch beide glücklich macht.
 
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banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #16
Mir kommen deine Gedanken sehr bekannt vor.

Früher wollte ich immer eine Familie gründen. - Erst mal, weil man das halt so macht und dann, weil ich Kinder wirklich toll finde und u.A. weil mir mein Ehrenamt mit Kindern so viel Spaß gemacht hat. Mangels Partnerin konnte ich diesen Wunsch nicht verwirklichen.

In den letzten Jahren kamen bei mir dann immer größere Zweifel auf, die mich dazu bewogen haben, meinen Kinderwunsch aufzugeben.
Ich will meinen hypothetischen Kindern kein Leben in unserer kaputten Welt zumuten, in der viele äußerst unschöne Entwicklungen absehbar sind - von Klimawandel, der uns schon jetzt ordentlich um die Ohren fliegt und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nur noch schlimmer wird über den politischen Rechtsruck, der in vielen Staaten menschenverachtende Parteien und Politiker an die Macht bringt bis zur ständig wachsenden Gefahr des nächsten großen Krieges.
Ich setzte doch keine Kinder in diese Welt, wenn absehbar ist, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben unter ziemlich beschissenen Umständen vor sich haben.

Weiterhin habe ich erkannt, dass der heute leider unumgängliche Spagat zwischen möglichst viel Erwerbsarbeit von beiden Elternteilen und mehr schlecht, als recht funktionierender Betreuung der Kinder in entsprechenden Einrichtungen für mich überhaupt erstrebenswert ist. Und ich habe auch große Zweifel, ob das gute Rahmenbedingungen für meine Kinder wären.

In meiner Kindheit war es möglich, mit dem Gehalt meines Vaters als Handwerksmeister ein ordentliches Familienleben mit Eigenheim, Auto und regelmäßigen Urlauben in Europa zu finanzieren. Meine Mutter hat sich tagsüber um den Haushalt und nach der Schule oder dem Kindergarten um mich gekümmert. Abends und am Wochenende hatte mein Vater genügend Zeit und Energie für mich. Und ich hatte abseits der Schule genügend Zeit für mich alleine, für Treffen mit einzelnen Freunden und für den Sportverein, der mein "safe space" war, während ich in der hässlichen Gruppendynamik der Schule immer zu den Opfern gehört habe.
Ich bin kein Freund dieser starren Rollenverteilung zwischen Mann und Frau und hätte mir für mein Familienleben eher Teilzeit-Jobs und geteilte Aufgaben im Haushalt für beide Elternteile gewünscht. Aber damit kommt man heutzutage ja kaum über die Runden. Da ist eher der Spagat zwischen zwei Vollzeit- oder fast-Vollzeit-Jobs und unzuverlässiger Kita angesagt, in dem man kaum noch gemeinsame Zeit für Eltern und Kinder hat.
Und wenn mein Kind nach mir kommen und in der Hackordnung der schulischen Gruppendynamik ziemlich weit unten landen sollte, würde es auch massiv unter der Ganztagsschule leiden, zu der es heute kaum eine Alternative gibt.

Von daher bin ich inzwischen durchaus froh, dass ich meinen Kinderwunsch nicht verwirklichen konnte, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass mir das Familienleben unter den heutigen Rahmenbedingungen überhaupt nicht gut tun würde.

Natürlich könnte man auch sagen, dass es gerade in der heutigen Zeit total wichtig wäre, dass sich die vernünftigen Leute trauen, Kinder zu zeugen und diese dann zu möglichst guten Menschen erziehen, die ihren Beitrag zur Lösung der ganzen Probleme leisten. Das ist ein ziemlich schöner und hoffnungsvoller Gedanke.
Allerdings bin ich leider der Meinung, dass es dazu längst zu spät ist und dass sich viele extrem unangenehme Entwicklungen auch mit noch so vielen "guten" Menschen nicht mehr aufhalten lassen.


Meine Cousine und ihr Mann haben vor kurzem eine Familie gegründet. Ich freue mich für die beiden und freue mich auch über das Baby in der Familie. Aber ich habe auch verdammt große Sorgen, wie es für dieses Baby in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter geht. Und ich will mir gar nicht ausmalen, wie viel größer diese Sorgen wären, wenn es um mein eigenes Kind ginge.

Ich habe schonmal versucht mich mit "älteren" darüber zu unterhalten, aber da kam oft nur die Antwort "ja wenn du danach gehst, war immer der falsche Zeitpunkt".
Mein Eindruck ist, dass viele ältere Menschen die Gefahren der heutigen Zeit und der nahen Zukunft massiv unterschätzen.
Die Generationen nach dem Krieg hatten einfach das große Glück, in einer Zeit zu leben, in der es immer irgendwie aufwärts ging - angefangen mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.
Natürlich gab es dann auch so was wie den kalten Krieg, der durchaus zu einem "heißen" Krieg hätte werden können, oder Tschernobyl. Das hat bestimmt auch Sorgen verursacht. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass das vergleichbar mit den ganzen Sorgen der heutigen Zeit ist. (Aber vielleicht täusche ich mich da auch. Ich habe das ja nicht direkt miterlebt, wie die älteren Leute.)
 
Hryna
Benutzer36171  Beiträge füllen Bücher
  • #24
Ich habe drei Kinder und habe manchmal Momente der Panik, weil ihnen vermutlich mal Schlimmes widerfahren wird. Das hört ja bei der Klimakrise nicht auf. Ich denke da auch an Krankheiten, psychische Probleme und andere Schicksale. Die Schwere dessen, was ich ihnen "angetan" habe, dadurch dass sie leben (müssen), ist mir durchaus bewusst.

Ich hoffe einfach, dass sie unterm Strich trotz allem gern leben / gern gelebt haben werden. Darauf kommt es am Ende ja an. Dass man trotz aller Krisen und Probleme Gutes erlebt und fühlt und das überwiegt.
 
M
Benutzer30735  Sehr bekannt hier
  • #29
Das was banane0815 banane0815 sagt und ich finde, hier im Artikel Geburtenrückgang weltweit: Forscher analysiert Ursachen ist vieles sehr gut beschrieben.

Meine größte Sorge sind die Klimakatastrophe, KI, soziale Medien und als Frau natürlich Unvereinbarkeit von Mutterschaft und Erwerbsarbeit und damit verbundene riesige finanzielle Einbußen.

Wenn man sich die Lebensrealität der Boomer-Generation vs Millenials ansieht, sieht man ja ganz deutlich, dass die Produktivität massiv gestiegen ist und die Gehälter so gut wie nicht. Selbst wenn jemand eine Familie möchte - wo soll die Leben bei den Preisen?

Ich wollte immer Kinder, hatte aber nicht die Rahmenbedingungen. Mittlerweile, mit Ende 30 weiß ich es nicht mehr. Es wundert mich null, dass v.a. Frauen sich gegen Kinder entscheiden. Es wird (und ja! Auch und v.a. in Deutschland) viel zu wenig für die Vereinbarkeit von Kind und Karriere getan und eine Frau kann offenbar nicht beides haben. Zumindest nicht wenn sie sich nicht komplett kaputt machen will und/oder das nötige Kleingeld hat für eine verlässliche Betreuung.
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #31
Ich finde es grade mega empathie- und respektlos von dir, dass du genau das schreibst wovon ich explizit geben hatte abzusehen.

Diese Stammtischparolen haben noch nie geholfen und du erinnerst mich grade massiv an Friedrich Merz.
Ich muss sagen, dass ich aber ähnlich denke und zu meiner Jugendzeit, als ich massive Selbstmordgedanken hatte, eher wie du dachte.

Damals beschäftigte ich mich mit Massentierhaltung, Amnesty International, Greenpeace.
Einfach mit dem Thema Mensch und was er alles vernichtet und schlecht behandelt.
Eine Freundin hatte dieselben Gedanken wie ich und wir sprachen immer vom gemeinsamen Selbstmord.
Ich schrieb negative Gedichte.

Heute versuche ich mein Leben dennoch zu genießen.
Meine Selbstmordgedanken hörten auf, als ich beim DRK eintritt und plötzlich einen Sinn in meinem Leben sah.
Ich konnte anderen Menschen helfen.
Ich war Teil einer Gemeinschaft.
Das gab mir so unheimlich viel Halt.

Heute liebe ich meinen Garten, meine Tiere, meine Kinder, meinen Beruf.

Ich bin alleinerziehend mit 3 Söhnen, arbeite 70%, gehe in der Freizeit in den Chor.
Habe Freude am Singen, Backen, Gärtnern, an meinen Tieren.
Meine Jungs werden immer selbstständiger und entwickeln sich zu tollen jungen Männern.
Ich bin unheimlich stolz auf sie.

Wir können uns nicht alles leisten, aber wir haben ein schönes Zuhause, machen Ausflüge, gehen auch mal Essen - uns geht es gut.

Und ja - schaut man in Entwicklungsländer und/oder Kriegsländer geht es den meisten von uns hier in Deutschland gut.

Aber man kann auch einfach alles schwarz sehen und im dunklen Loch gefangen bleiben.

Oder man geht als gutes Vorbild voran und lebt ein Leben voller Freude und etwas Nachhaltigkeit.
Meine Schwester kümmert sich beruflich um Fledermäuse, mein Schwager um Ameisen, Amphibien und Vögel, eine Freundin arbeitet in der Freizeit auf einer Igelauffangstation, eine andere Freundin hilft bei der Krötenwanderung.

Man kann sich sozial engagieren.

Ich glaube um aus diesen negativen Gedanken rauszukommen, sollte man ins Handeln kommen.
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #35
Es ist auch kein Wunder wenn man davon depressiv wird.
Sobald ich ins Auto steige und von Sturzfluten, Erdbeben, heißesten Sommern, Kriegen in Gaza/Iran/Ukraine, Femiziden, Anschlägen, Möglichkeit, dass Deutschland aus Schengen austritt etc. höre, merke, dass das Leben einfach immer teurer wird, man immer mehr in der Arbeit gefordert wird und gleichzeitig Angst haben muss dass die KI einen ersetzt. Da muss man schon SEHR resilient sein, dass das nichts mit einem macht.
Man braucht eben einen Ausgleich.
Muss seinen Sinn finden - in was das auch immer ist.
Wie gesagt, hatte ich das auch mal in meinem Leben.

Aber wenn man das nicht kann oder findet, sollte man vom Gedanken Kinder zu bekommen auch eher absehen - denn für Kinder sollte man psychisch stabil sein und einfach ein Anker sein können.
 
Finwe
Benutzer118204  Beiträge füllen Bücher
  • #43
Wir haben zwei Kinder, eins davon ist ein Wunschkind. Deine Gedanken treiben mich ab und an auch um. Dennoch bereue ich meine Familie nicht. Meinen Kindern sind die Probleme bewusst und sie sind mittlerweile alt genug, auf ihre eigene Weise damit umzugehen. Und wenn nur noch jene Kinder bekommen, denen die Welt gleich ist, wird sich wirklich nichts mehr zum besseren ändern. Damit mag man dem potenziellen Nachwuchs etwas erspart haben, auf der anderen Seite hat man ihn vielleicht auch um ein schönes Leben betrogen.

In der kurzen Spanne eines Menschenleben dürfte es für potenzielle Kinder am wichtigsten sein, wie gut sie von ihren Eltern ins Leben geführt werden. Darauf aufbauend können sie auch ihren Weg gehen.

Was mir beim Blick auf die ganzen Katastrophen auch immer wieder auffällt, sind die viele kleine und positive Dinge, die sich hinter diesen großem Katastrophen verstecken. Soziale Projekte, gegenseitige Hilfe und gemeinschaftliche Angebote. Leider bekommt so etwas nicht so viel Aufmerksamkeit wie Angst und Schrecken. Es lässt sich allerdings auch finden, auch durch meine Kinder, die mir immer wieder Dinge zeigen, die ich selbst noch nicht entdeckt habe.

Ich kann jeden verstehen, der angesichts der weltweiten Umwälzungen keine Kinder bekommen möchte. Auf der anderen Seite habe ich auch genug Kinder erlebt, die ihren Weg in dieser Welt gefunden haben. Manche sogar besser, als es ihnen in der Vergangenheit möglich gewesen wäre.
Ich persönlich bin sehr dankbar für meine beiden Kinder und wollte sie um nicht in der Welt mehr missen.
 
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Reaper0309
Benutzer175515  (30) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #47
Und wer sagt, dass ich/wir nicht die Realität sehen?
Du erklärst den Leuten mit Sorgen (z. B. mir), warum sie keine haben sollten, sinngemäß mit der Begründung: das du ja auch keine hast.

ich diskutiere hier nicht.
Möchte nur wissen ob ich es verstanden habe, weil es nach dem klingt wie ich das handhabe.
Akzeptanz damit, dass man es eh nicht ändern kann und das Beste draus zu machen?

"Zustimmung"/ "sehe ich anders"? Vertiefe es auch nicht weiter.

Habt ihr darüber schon mal gesprochen?
Ich habe deine anderen Beiträge bis grade eben ignoriert, weil ich mit der Art und Weise nicht so richtig klar komme.
Es freut mich, dass du aus deinem Leiden einen Ausweg gefunden hast und optimistisch in die Zukunft schauen kannst.

Allerdings diskutierst du zunehmend an dem Thema vorbei und ich würde dich respektvoll bitten, ohne verletzt zu sein, zu akzeptieren das deine Ansätze nicht helfen.
 
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #52
Off-Topic:

Akzeptanz damit, dass man es eh nicht ändern kann und das Beste draus zu machen?
Fast. Sehen wie übel es ist und wissen dass man im Großen nichts ändern kann, mit diesem Wissen leben - und ja, das ist permanent präsent - aber trotzdem für mich das beste rausholen, soweit es mit meinem Gewissen vereinbar ist. Spaß zu haben, Freude zu empfinden - das ist problemlos vereinbar. Flugreisen oder Kinder in die Welt zu setzen wäre es nicht.


die will unbedingt
In dem Fall könntest Du natürlich in Deine Überlegungen aufnehmen, dass es diesen Nachwuchs vermutlich eh geben wird, ob mit oder ohne Dich. Du als Mann bist da ja nochmal in einer anderen Position als ich.
 
Duracellhäschen
Benutzer211462  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #78
Du siehst die Differenz in dem Zeitrahmen und die sehe auch ich.

Aber ich finde ich gehe damit relativ gelassen um?
Och ich finde du musst da keine Ansprüche an dich haben, besonders gelassen damit umzugehen, wenn deine Wünsche an sehr wichtige und weitreichende Meilensteine in deinem Leben nicht voll umgesetzt werden können, weil sie mit den Wünschen deiner Partnerin kollidieren.

Ganz anderer Fall und ganz andere Tragweite, aber ich wollte eigentlich so schnell keine neue Beziehung und hab mir viele Monate Zeit mit der Entscheidung gelassen, nur um dann 5 Minuten nach meiner Zusage zu denken: verdammt, was ich getan?
Erst nochmal sehr viel später war ich richtig fine damit und selbst in der Rückschau, so sehr ich meinen Partner und unsere Beziehung schätze, hätte ich auch nichts gegen ein bisschen mehr Singledasein gehabt. Was ich sagen will: eigene Wünsche lassen sich nicht immer ändern oder beschleunigen, ohne dass dabei was auf der Strecke bleibt.

Ich glaube mittlerweile, dass die Entscheidung sowohl für als auch gegen Kinder eine zutiefst persönliche "egoistische" Entscheidung ist und auch sein muss.

Ich denke, dass der einzige langfristig tragende Grund, Kinder zu kriegen, der ist, weil man das selber will.
Ich glaube nicht dass einen z.B. Altruismus, weil man der Welt oder dem Kind was Gutes tun will, über 20+ Jahre durch die Elternzeit durchträgt. Auch nicht weil Partny eins will.
Womöglich gilt das auch andersrum? Entscheide ich mich wegen der Weltlage gegen ein Kind, könnte ich das langfristig ebenso bedauern, weil ich eigentlich schon gern eins gehabt hätte?
Das ist einfach eine sehr persönliche Entscheidung die man für sich ganz alleine treffen muss. Vielleicht kann man es am Ende auf das eigene Bauchgefühl reduzieren. Will ich ein Kind? Ich halte es für sinnvoll, diese Entscheidung, egal wie sie ausfällt, ganz "egoistisch" auf Basis der eigenen Wünsche zu treffen. Schließlich muss man ja auch mit den Konsequenzen der Entscheidung leben, so oder so.
 
Z
Benutzer96053  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #83
Wenn man z.B. miterleben muss, wie das eigene Kind unter den Folgen des Klimawandels leidet, wie es vielleicht hungern muss, weil es massive Ernteausfälle gab, oder wenn man es im schlimmsten Fall zu Grabe tragen muss, weil im Krieg eine Bombe die Schule dem Erdboden gleich gemacht hat, könnte vielleicht auch Reue aufkommen.
Man macht sich angreifbar mit Kindern, das muss einem klar sein. Es müssen nicht die Weltkatastrophen sein, es können Behinderungen sein, die unbekannterweise weitervererbt werden, das Kind kann durch Krankheit oder Unfall sterben, kann leiden.
Wenn ich ein Kind bekomme, gehe ich das Risiko ein, dass dieses Kind leidet und so ziemlich jeder Mensch hat schon gelitten. Eltern bereuen ihre Kinder auch nicht, wenn sie durch Krebs, einen Autounfall oder durch eigenes Versagen sterben.

Ich alleine kann die Überpopulation der Welt nicht regulieren, aber durch meine Erziehung könnte ich ein kleines Puzzleteil für eine bessere Welt erzeugen. Mein Sohn hat mit vier Jahren Autos "entworfen", die während der Autofahrt auch Müll aufsammeln und recyclen, wer weiß, was er irgendwann aus seinem Leben macht? Vielleicht ist er es, den mal jemand braucht, wenn er sagt: "Man darf jeden lieben, den man will!" Oder jemand, der anderen einen Safe Space bietet. Vielleicht verhindert seine Wahlstimme als Erwachsener mal, dass rechte Parteien das Land regieren.

Heute ist die Verantwortung in der Erziehung klar "mehr" als nur die Ernährung und Versorgung des Kindes, man hat einen so viel weitreichenderen Erziehungs- und Bildungsauftrag, als was unsere Eltern und Großeltern vielfach wahrgenommen haben. Die richtigen Werte und Normen in die nächste Generation weiterzutragen, ist eine wesentliche Verantwortung, der man sich stellen muss, wenn man Kinder in die Welt setzt und ob sich dazu imstande fühlt, ist die eigentliche Frage, Reaper0309 Reaper0309 . Von dem, was ich von dir im Forum in den Jahren, die du hier aktiv bist, gelesen habe, würde ich dir das zutrauen, auch wenn du das schlussendlich ganz alleine wissen musst.

Ich fand es schön, was Luisa Neubauer sagte, als sie auf das Thema angesprochen wurde:


"Ein Kind zu bekommen ist ein Liebesbeweis für diese Welt."
 
Zuletzt bearbeitet:
Milk&Apple
Benutzer200985  Verbringt hier viel Zeit
  • #85
Bei aller berechtigten Verzweiflung über unsere Welt, die wirklich schon mal besser aussah und Sorge vor der Zukunft, die ich als Ehrenamtlerin im Umwelt/Klimaschutz regelmäßig hautnah miterlebe und natürlich auch selbst empfinde, finde ich es dennoch schade, dass zu wenig darüber gesprochen wird, wie privilegiert wir gleichzeitig auch sind in 2026. Wir haben viele Rechte und Möglichkeiten, die wir teils vor 20/30/40 Jahren noch nicht hatten. Von vor 100 Jahren will ich gar nicht sprechen. Themen, die noch vor 30 Jahren Tabus waren, werden heute offen(er) besprochen und ein Bewusstsein für sie geweckt. Als Historikerin, die sich viel mit den 1960er/70ern/80er-Jahren beschäftigt hat, habe ich da vielleicht einen etwas anderen Zugang zu.

Als kleines Beispiel finde ich schockierend, wie vor nicht allzu langer Zeit Missbrauch an Kindern totgeschwiegen wurde und daher viele Menschen, die z.B. im sozialen Bereich arbeiten gar nicht dahin geschult wurden, diesen zu erkennen bzw sich richtig zu verhalten in solchen Fällen. Ich spreche nicht von den 1950ern, sondern von viel späteren Zeiten. Nicht, dass es nicht heute noch genug Menschen gäbe, die lieber wegschauen, aber das Bewusstsein ist doch ein anderes. Auch für Themen wie Mental Health, chronische Krankheiten, Neurodiversität usw. Ich könnte noch mehr aufzählen. Für ein heute geborenes Kind wäre es total normal, die Möglichkeit zu haben, auch einen gleichgeschlechtlichen Partner zu heiraten. Das ist ein unfassbares Privileg.

Für mich (!) persönlich wäre die Weltlage kein Grund auf Kinder zu verzichten. Mir würden da eher andere Dinge einfallen wie gesellschaftliche Benachteiligung von Eltern, besonders Müttern, mangelnde Betreuungsmöglichkeiten, finanzielle Sorgen, Einschränkung der persönlichen Freiheit... Das wäre vor 20 Jahren auch nicht so viel anders gewesen. Aber letztendlich bist du derjenige, der es wissen muss und ein Verzicht auf Kinder aufgrund der Weltlage und Sorge vor der Zukunft ist ein absolut legitimer Grund.
 
Zuletzt bearbeitet:
Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #86
aber da kam oft nur die Antwort "ja wenn du danach gehst, war immer der falsche Zeitpunkt".
Und das stimmt. Optimal waren die Bedingungen noch nie. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Denn selbst wenn dem so wäre, kann das in ein paar Jahren wieder ganz anders aussehen.

Ich würde mich bei der Fragestellung nicht auf Aspekte konzentrieren, die ich nicht beeinflussen kann - wie z.B. das politische Weltgeschehen - sondern auf die, die in meiner Macht liegen.

Du kreierst für deine Kids ja eine Welt in den ersten Lebensjahren und die entscheidet darüber, wie sie die Welt da draussen später wahrnehmen und sich in ihr bewegen werden.

Kinder schauen sich ja nicht mit 2-3 Jahren die Nachrichten an, sondern was sich daheim abspielt und wie das emotionale Klima Zuhause ist.

Du hast also ziemlich viel Einfluss darauf, wie deren Kindheit wird - angefangen von der richtigen Partnerwahl bis hin zum Parenting Style oder das Finanzielle.

Kannst du dir deine Partnerin denn grundsätzlich als Mutter vorstellen ? Mutter ist ja eine gänzlich andere Rolle als bloß Freundin zu sein.

Und kindliche Bedürfnisse sind nun wahrlich auch kein Buch mit 7 Siegeln. Kinder brauchen in erster Linie psychologische Sicherheit und einen sicheren Hafen, von dem sie aus die Welt erkunden können und das dann auch gefördert und nicht durch ängstliche Eltern gehemmt wird.

Und was am Ende auf deinem Konto landet, beeinflusst du auch zu großen Teilen selbst - sofern du bereit dazu bist, den dafür notwendigen Weg auch zu gehen, immer mal wieder in deine persönliche Entwicklung zu investierst und damit fachlich und menschlich zu wachsen. Geld ist dann nur eine logische Konsequenz dessen.

Als ich meine erste Tochter bekommen habe, war ich noch mitten im Studium und rein objektiv betrachtet, waren die Voraussetzungen jetzt auch nicht rosig. Aber als ich von meiner ungeplanten Schwangerschaft erfahren habe, war da direkt eine Klarheit in mir: Ich ziehe das jetzt durch und erschaffe eine schöne und sichere Welt für sie.

Und das ist uns gelungen. Beide bezeichnen ihre Kindheit als sehr schön.

Ich weiß nicht, ob ich mich so entwickelt hätte, wenn sie nicht gewesen wären. Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, dass sie in unser Leben gekommen sind.

Am Ende ist das einfach nur eine Entscheidung, die dir die Umstände oder Ratschläge anderer nicht abnehmen können. 🤷

Und eine tatsächliche Entscheidung erkennst du daran, dass du dich dem Ziel vollends verschreibst. Alles andere ist nur ein (passiver) Wunsch.
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #87
Bei aller berechtigten Verzweiflung über unsere Welt, die wirklich schon mal besser aussah und Sorge vor der Zukunft, die ich als Ehrenamtlerin im Umwelt/Klimaschutz regelmäßig hautnah miterlebe und natürlich auch selbst empfinde, finde ich es dennoch schade, dass zu wenig darüber gesprochen wird, wie privilegiert wir gleichzeitig auch sind in 2026. Wir haben viele Rechte und Möglichkeiten, die wir teils vor 20/30/40 Jahren noch nicht hatten. Von vor 100 Jahren will ich gar nicht sprechen. Themen, die noch vor 30 Jahren Tabus waren, werden heute offen(er) besprochen und ein Bewusstsein für sie geweckt. Als Historikerin, die sich viel mit den 1960er/70ern/80er-Jahren beschäftigt hat, habe ich da vielleicht einen etwas anderen Zugang zu.
Natürlich gab es in den letzten 100 Jahren oder so viele zivilisatorische Errungenschaften, von denen wir heute profitieren.
Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschheit gerade dabei ist, mit dem Arsch einzureißen, was zuvor erreicht und aufgebaut wurde.
Grundlegende bürgerliche Freiheiten werden schon seit 9/11 zurückgefahren, um ein trügerisches Sicherheitsgefühl zu erzeugen. Und die rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Bewegungen, die gerade überall an die Macht kommen, bekämpfen alle Errungenschaften der letzten Jahrzehnte für Frauen, sowie alle erdenklichen Minderheiten, wie queere Menschen, behinderte Menschen, usw.

Von daher befürchte ich, dass meine hypothetischen Kinder auf viele der zivilisatorischen Errungenschaften (die ich nicht gerne als "Privilegien" bezeichne) verzichten müssen, die wir aktuell noch haben.
 
Milk&Apple
Benutzer200985  Verbringt hier viel Zeit
  • #88
die ich nicht gerne als "Privilegien" bezeichne)
Das sind sie aber leider.
Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschheit gerade dabei ist, mit dem Arsch einzureißen, was zuvor erreicht und aufgebaut wurde.
Das kann sein, ist aber Spekulation.
Wir wissen nicht, was in 20, 50, 100 Jahren ist. Ich für meinen Teil glaube, dass es trotzdem auch gute Dinge geben wird. Einiges wird vielleicht anders sein, manches schlechter und das ist traurig. Aber manches wird (wahrscheinlich) auch gut sein. Aber das führt an dieser Stelle vielleicht zu weit, sind ja nicht im Politik-Forum.

Ich persönlich möchte nicht wie meine Mutter (Ja, gibt auch Boomer die extrem unter der Weltlage leiden) oder meine Schwester sein, die absolut pessimistisch in die Zukunft gucken. So sehr, dass mein 10-jähriger Neffe schon Angst vor der Zukunft hat. Es ist nicht so, dass ich es nicht verstehen könnte. Und man sucht sich ja auch selbst nicht unbedingt aus, wie optimistisch oder pessimistisch man ist. Aber ich weigere mich, alle meine Hoffnungen in die Zukunft zu verlieren. Ich habe seit über 15 Jahren Depressionen und wenn ich nicht irgendwie auch ein bisschen Optimistin wäre, wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Vielleicht wäre ich überhaupt nicht mehr da.

Wenn man wirklich so pessimistisch in die Zukunft guckt, ist ein Kind vielleicht wirklich nicht das Richtige. Ich persönlich verbinde mit der Geburt eines Kindes (sofern sie gewollt ist) immer etwas Hoffnungsvolles, auch wenn ich selbst keinen wirklichen Kinderwunsch habe.

Und dieses Denken hier:
Ich würde mich bei der Fragestellung nicht auf Aspekte konzentrieren, die ich nicht beeinflussen kann - wie z.B. das politische Weltgeschehen - sondern auf die, die in meiner Macht liegen.
hat mir in meinem Leben schon oft geholfen bei anderen Themen.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #89
Ich kann eigene Entscheidungen bereuen, aber doch nicht die Entscheidung meiner Eltern.
Aber natürlich kann man bereuen je geboren zu sein, tun es aber nicht wirklich viele.
Und natürlich kann man viele Entscheidungen eigener Eltern bereuen.
Off-Topic:
Aber ich habe schon gewisse Zweifel, wie lebenswert mein Leben tatsächlich ist, da ich den Eindruck habe, dass ich es immer nur schaffe, in einem der drei großen Lebensbereiche (Schule/Studium/Arbeit, Privat- und Sozialleben, und Liebesleben) eine gutes Level zu erreichen, während es in den anderen zwei Bereichen ziemlich beschissen läuft.
Weiterhin befürchte ich, dass die äußeren Umstände (Klimawandel, Rechtsextremismus, Krieg, usw.) in nicht allzu ferner Zukunft so übel werden, dass ich das Leben nicht mehr lebenswert finden kann.
Du zweifelst dein Leben bereits jetzt an und dann bald rein prophylaktisch für die Zukunft auch noch. Dabei gibt es Tausende die Krieg wirklich erlebt haben und genau deswegen froh sind am Leben zu sein und die genau diese Erlebnisse als Ansporn sehen, im Leben glücklich zu sein. Sie haben überlebt und damit dieser Geschenk nicht vergeudet wird, machen sie etwas aus ihrem Leben.
Natürlich gab es immer irgendwelche Probleme.
Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass das früher so absehbar
Weil es keine Medien, Forscher und Erklärer gab, Mechanismen sind aber die gleichen.
und insbesondere im Falle des Klimawandels mit so viel wissenschaftlicher Evidenz untermauert war, wie heute.
Alles eine Sache der Perspektive. Wärst du glücklich verliebt, würdest du nicht 24/7 Probleme im Kopf wälzen, dabei wären diese genauso da wie jetzt. Aber dein Fokus wäre woanders.
Und deshalb habe ich einfach große Zweifel, ob wir in ein paar Jahren noch lebenswerte Lebensumstände haben.
Behalte gerne deine Zweifel, das spricht womöglich Depression aus dir. Ja, wir werden anders leben, aber sicher nicht gleich 2030.
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #90
Weil es keine Medien, Forscher und Erklärer gab, Mechanismen sind aber die gleichen.
Aha. Vor 20-50 Jahren gab es keine Medien, Forscher und Erklärer. Das finde ich jetzt schon etwas verblüffend.

Alles eine Sache der Perspektive. Wärst du glücklich verliebt, würdest du nicht 24/7 Probleme im Kopf wälzen, dabei wären diese genauso da wie jetzt. Aber dein Fokus wäre woanders.
Dass ich gerade ein Auge auf eine ziemlich süße, junge Frau aus meinem Sportkurs geworfen habe (ohne unsterblich in sie verliebt zu sein, was mir sehr recht ist, weil ich Verliebtheit total unangenehm finde) ändert überhaupt nichts an meinem Blick auf die Welt und ihre Perspektiven für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #91
Aha. Vor 20-50 Jahren gab es keine Medien, Forscher und Erklärer. Das finde ich jetzt schon etwas verblüffend.
Ich finde es verblüffend, dass du beim "früher" und Kriege an 2005 denkst. Ich denke an 1940 und nein, zu dem Zeitpunkt waren wir weder so vernetzt wie heute noch so ausgebildet, allein die Quote der Studentinnen sagt schon alles.
Dass ich gerade ein Auge auf eine ziemlich süße, junge Frau aus meinem Sportkurs geworfen habe (ohne unsterblich in sie verliebt zu sein, was mir sehr recht ist, weil ich Verliebtheit total unangenehm finde) ändert überhaupt nichts an meinem Blick auf die Welt und ihre Perspektiven für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.
Du bist derzeit nicht glücklich verliebt.
Dein Vergleich ist verblüffend, was hat ein Auge auf jemanden zu werfen gemeinsam mit glücklich / gegenseitig verliebt zu tun?
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #92
Ich finde es verblüffend, dass du beim "früher" und Kriege an 2005 denkst. Ich denke an 1940 und nein, zu dem Zeitpunkt waren wir weder so vernetzt wie heute noch so ausgebildet, allein die Quote der Studentinnen sagt schon alles.
Ich habe bei "Natürlich gab es früher auch Probleme" nich an dein "früher und Kriege" gedacht, sondern eher an so was, wie die Zeit des kalten Krieges.

Du bist derzeit nicht glücklich verliebt.

Dein Vergleich ist verblüffend, was hat ein Auge auf jemanden zu werfen gemeinsam mit glücklich / gegenseitig verliebt zu tun?
Ich kann das überfordernde Gefühl der Verliebtheit schlecht mit dem Wort "glücklich" in Verbingung bringen. :confused:
Sich gegenseitig zu lieben könnte schon schön sein. Aber unter Verliebtheit verstehe ich den überfordernden, unsicheren Schwebezustand, der vielleicht mal zu gegenseitiger Liebe führen könnte. Und den mag ich überhaupt nicht.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #93
Ich habe bei "Natürlich gab es früher auch Probleme" nich an dein "früher und Kriege" gedacht, sondern eher an so was, wie die Zeit des kalten Krieges.
Obwohl du dich auf diese Textpassage von mir bezogen hast?
Diese Katastrophenszenarien gab es schon immer, gerade im Krieg
Ich kann das überfordernde Gefühl der Verliebtheit schlecht mit dem Wort "glücklich" in Verbingung bringen. :confused:
Sich gegenseitig zu lieben könnte schon schön sein.
Dann ersetze glücklich verliebt mit sich gegenseitig lieben, völlig egal.
Aber unter Verliebtheit verstehe ich den überfordernden, unsicheren Schwebezustand, der vielleicht mal zu gegenseitiger Liebe führen könnte. Und den mag ich überhaupt nicht.
Das berühmte Haar in der Suppe.
 
many--
Benutzer65590  (42) Beiträge füllen Bücher
  • #94
Ich liebe meine Tochter über alles, sie ist der wichtigste Mensch und das hellste Licht in meinem Leben, ich kann mir eine Welt ohne sie nicht vorstellen.

Wenn ich mit meinem Wissen von heute noch einmal entscheiden könnte, ob ich 2018 ein Kind in die Welt setzen wollte - ich würde es nicht tun. Ich würde ihr das Geschenk machen und ihr diese Welt ersparen.

Ich gehe recht sicher davon aus, dass meine Generation noch durch einen vernichtenden Krieg oder ein ähnlich traumatisches Ereignis gehen wird. Ich gehe weiterhin davon aus, dass, selbst wenn uns dieses Szenario erspart bleibt, die Lebensumstände für die Generation meiner Tochter in dystopischem Maße schlechter sein werden als die meiner Generation - durch das politische, aber vor allem das geologische Klima. Gerade wir im reichen, sicheren Westen, speziell Europa, werden einen beispiellosen Wohlstandsverlust erleben, der uns, wenn klimatische Extremszenarien eintreffen werden, an den Rand unserer Überlebensfähigkeit bringen werden.

Wenn ich könnte, würde ich meinem Kind all das ersparen.
 
M
Benutzer193947  (35) Verbringt hier viel Zeit
  • #95
Ich alleine kann die Überpopulation der Welt nicht regulieren, aber durch meine Erziehung könnte ich ein kleines Puzzleteil für eine bessere Welt erzeugen. Mein Sohn hat mit vier Jahren Autos "entworfen", die während der Autofahrt auch Müll aufsammeln und recyclen, wer weiß, was er irgendwann aus seinem Leben macht? Vielleicht ist er es, den mal jemand braucht, wenn er sagt: "Man darf jeden lieben, den man will!" Oder jemand, der anderen einen Safe Space bietet. Vielleicht verhindert seine Wahlstimme als Erwachsener mal, dass rechte Parteien das Land regieren.
Das hast du schön geschrieben und das ist auch meine Meinung zu dem Thema.
Ist es egoistisch, Kinder zu bekommen? Sicher.
Habe ich es in der Hand, meine Kinder so zu erziehen, dass sie die Welt später ein bisschen besser machen? Ich versuche es zumindest.
Werden sie Krisen erleben und evtl in einem Krieg oder eine Naturkatastrophe sterben? Ja, kann passieren, aber ich werde alles dafür tun, dass sie bis da hin ein gutes, erfülltes Leben haben.
 
E
Benutzer216998  (59) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #96
Mal ganz auf den provokanten Punkt gebracht:
Ich bin froh, dass niemand für mich entschieden hat, dass meine Nichtexistenz besser für mich gewesen wäre als mein Leben.
Um meinen Kindern die Wahl zu lassen, musste ich sie in die Welt setzen.
 
Schnecke106
Benutzer85763  (44) Beiträge füllen Bücher
  • #97
K
Benutzer239570  (47) dauerhaft gesperrt
  • #98
Bei anderem Krisen bestand immer die Hoffnung, dass sie überwunden werden, und zwischen den Kriegen waren lange Phasen des Friedens.

Die Klimakatastrophe hingegen schreitet wenn nicht unaufhaltsam, so aber ohne den entschiedenen Willen der Mehrheit zur Abhilfe, immer weiter voran und macht die Erde immer weniger lebenswert.

Wir haben keine Kinder auf den sterbenden Planeten gesetzt und sind froh darüber, jeden Tag.
 
Reaper0309
Benutzer175515  (30) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #99
Für die Schreiberinnen und Schreiber: ich bin momentan nicht daheim. Ich lese ab und zu Beiträge aber seid mir nicht böse, wenn ich grsde nicht antworte.
 
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