Kaum Sex in der Beziehung, aber viel Zuneigung - Zwischenfall mit anderem Mann

Benutzer187175 

Ist noch neu hier
Hallo ihr Lieben,

Ich bin seit mittlerweile sieben Jahren eigentlich glücklich vergeben. Zwischenmenschlich ist alles wirklich wunderschön, er ist im Endeffekt mein bester Freund und wir haben auch schon einige Stürme mehr als gut als Paar überstanden und gemeinsam gemeistert (damit meine ich vor allem externe Herausforderungen). Wir haben nur ein großes Problem und das ist der Sex. Mein Freund ist mein erster Partner und hat mich quasi an dieses Thema herangeführt und ich konnte mich nie beklagen, wir haben gemeinsam dann auch sehr viel Neues entdeckt und ausprobiert. Leider hat sich das im Verlauf der letzten ca. zweieinhalb bis drei Jahre graduell gravierend verändert und er hat nur noch alle paar Monate Lust auf Sex. Ich kann mich nicht genau erinnern, aber glaube das letzte Mal muss im April oder so gewesen sein. Wir haben schon so oft darüber gesprochen und versucht, herauszufinden, was sich bei ihm verändert hat, aber er sagt immer, dass er es nicht weiß und das glaube ich ihm auch. Er hat aufgrund traumatischer Erfahrungen in seiner Vergangenheit (Flucht) immer wieder depressive Episoden, aber das war bereits als wir uns kennen lernten der Fall und er sagt selbst, dass das nicht der Grund ist.
Wir versuchen zwar gemeinsam daran zu arbeiten und ich versuche ihm mit dem größtmöglichen Verständnis zu begegnen, aber das Ganze hinterlässt auch seine Spuren bei mir. So habe ich zum Beispiel vor mittlerweile einer gefühlten Ewigkeit aufgehört, die Initiative zu ergreifen, weil die ständige Ablehnung - auch wenn ich weiß, dass das nicht seine Absicht ist - auf Dauer einfach zu weh tut und ich mich so irgendwo auch mit der Zeit super unweiblich und nicht begehrenswert fühle, was sich sicher nie, aber gerade auch mit meinen erst gut 25 Jahren einfach sehr deprimierend anfühlt. Ich liege dann oft neben ihm und habe solche Sehnsucht nach ihm, die bloßes Kuscheln und Küssen (was wir durchaus viel tun) einfach nicht stillen kann, trage diesen inneren Kampf dann aber meist mit mir selber aus und liege ewig wach.

Ihm ist das Problem natürlich auch bewusst und macht ihn dementsprechend ebenso fertig. Wenn es dann von ihm aus alle paar Monate mal zu sexuellen Handlungen kommt, macht er sich entsprechend leider so einen großen Druck, dass es manchmal entweder gar nicht klappt oder es wenn nur auf das Standardprogramm hinausläuft, weil er dann den Anspruch hat, dass es perfekt sein muss und entsprechend eben lieber die sichere Bank fahren will. Beim nächsten Mal hat er dann das Scheitern im Kopf und macht sich nur noch mehr Druck. Ich versuche zwar immer wieder, ihm klar zu machen, dass es das nicht sein muss und auch den Druck hinaus zu nehmen, in dem ich ihm signalisiere, dass nicht jedes intensivere Rummachen nun bedeuten muss, dass er gleich "performen" muss, aber das hilft leider auch nur bedingt.

Das ist die Ausgangssituation und Teil eins meines Problems, auch wenn ich im Alltag mittlerweile tatsächlich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich es größtenteils ausblenden kann und meistens damit mehr oder weniger zurecht komme.

Zumindest dachte ich das bis vor Kurzem. Teil zwei meines Problems ist ein Mann, den ich im beruflichen Kontext (kein Kollege) kennengelernt habe und mit dem sich mittlerweile eine Art Freundschaft entwickelt hat. Ich hatte da wirklich keinerlei Hintergedanken, aber beim letzten Treffen war da mit einem Mal wie aus dem Nichts diese Spannung. Wir haben herumgefrotzelt wie ich es wirklich mit allen meinen Freunden tue und plötzlich hatte er mich mit einem "na warte!" auf seinen Schoß gezogen, vergrub seine Hand in meinen Haaren und küsste sich meinen Hals hoch zu meinen Lippen. Ich hatte damit null gerechnet und war dementsprechend perplex, dass ich ihn erst stoppen konnte, als er seine Hände bereits unter meinem Pulli und an meinen Brüsten hatte. Mir fällt es unglaublich schwer, mir das vor mir selber einzugestehen, aber leider kann ich weder leugnen, dass ich im ersten Moment bis ich mir der Situation klar war instinktiv zurückgeküsst habe noch dass sich seine Berührungen unglaublich gut angefühlt haben und wenn es nur nach meinem Körper gegangen wir ziemlich sicher im Bett gelandet wären. Es ist außer dem Kuss und dem kurzen Gefummel ja nichts weiter passiert, weil ich ihn dann weggeschoben habe, aber ich kann mich nicht mal ansatzweise erinnern, wann ich zuletzt so leidenschaftlich angefasst wurde. Und während da einerseits das schlechte Gewissen ist, kann ich gleichzeitig seitdem kaum aufhören an seine Berührungen zu denken.

Entschuldigt bitte den Roman und ich hoffe, ihr verurteilt mich nicht. Ich dachte, ich hätte die Situation unter Kontrolle oder zumindest für den Moment meinen Frieden damit geschlossen, aber augenscheinlich war das nur eine Illusion und ich fühle mich gerade echt ein bisschen verloren :/
 

Benutzer187100  (58)

Sorgt für Gesprächsstoff
Wäre Sex mit anderen für dich/euch eine Option? Habt ihr das schon mal besprochen?
 

Benutzer186169  (38)

dauerhaft gesperrt
Das ist ziemlich unvermeidlich, dass in der Situation sowas passieren kann. Wobei dieser Mann schon sehr forsch war. Kein Kollege aber doch regelmäßig in der Nähe?
Ich denke du musst mit deinem Partner daran offen arbeiten.
Die Gefühle sind jedoch alle nachvollziehbar.
 

Benutzer172492 

Meistens hier zu finden
Wenn er sich da so massiven Druck macht, klingt das für mich wie ein Teufelskreis, der euer Sexleben in diesem Zustand hält.
Dass das nicht so weitergehen kann ist spätestens jetzt klar; du bist eben eine Frau und ein Mensch mit Bedürfnissen.

Ist er derzeit in therapeutischer Behandlung? Ich fände auch eine Paartherapie überlegenswert. Bei ProFamilia kann es diese vergünstigt geben.
Ich würde mit ihm sprechen und sagen, dass es nicht so weitergehen kann und ihr daran therapeutisch was tun müsst. Denn alleine bekommt ihr das ja offensichtlich nicht hin. Ist auch keine Schande, aber es ist wichtig sich das einzugestehen und Hilfe zu holen.

Eigentlich wäre das schon früher wichtig gewesen, denn mal ehrlich, das ist eine tickende Zeitbombe und ich kann deinen temporären Aussetzer gut verstehen.
Ich würde den Kontakt zu dem anderen Mann abbrechen und meinem Partner nicht unbedingt davon erzählen. Es könnte ihn unnötig verletzen und den Druck noch mehr erhöhen, das braucht ihr gerade nicht auch noch.
Wenn er allerdings auch beim zweiten Ansprechen therapeutischer Möglichkeiten nicht einsichtig ist, könnte es nötig sein, damit er die Ernsthaftigkeit der Lage erkennt.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ist dein Partner in entsprechender Behandlung?
Nimmt er Medikamente?

wie lang geht das schon mit den Depressionen? Die 3 Jahre oder länger?
Was unternimmt er dagegen?

Das wäre für mich alles entscheidend.
3 Jahre so gut wie keinen Sex ist das eine, eine psychische Krankheit ist noch mal was anderes und die zeigt sich ja bei weitem nicht nur durch Lustlosigkeit im Bett.
 

Benutzer187175 

Ist noch neu hier
Hey, erstmal vielen Dank euch allen für eure Empathie, ich hatte echt ein bisschen Angst, dass vor allem der zweite Teil für ordentlich Gegenwind sorgen würde und komme ja eh schon kaum mit meinem eigenen schlechten Gewissen klar.

C Cadabras Ich verstehe, dass das in der Beschreibung gerade vielleicht ein bisschen forsch wirkt, aber tatsächlich mache ich ihm da überhaupt keinen Vorwurf, dass er die Situation so interpretiert hat. Und auch wenn das von meiner Schilderung her gerade vielleicht ein bisschen anders wirkte, war er super zärtlich und - als ich das ganze abgebrochen und ihm transparent kommuniziert habe warum - super verständnisvoll, entschuldigte sich sogar und meinte, ich muss mir keine Sorgen machen. Im Endeffekt hat er bei seiner Avance nur leider wirklich absolut alle richtigen Knöpfe bei mir auf die Art und Weise gedrückt, wie ich es mir so sehr von meinem Partner zurückwünschen würde. Das ist definitiv auch ein Grund dafür, warum ich so spät wieder zu mir gekommen bin und mich das Kopfkino von diesem Moment nicht mehr loslassen will. Das war das erste Mal seit Langem, dass ich mich wirklich einmal wieder richtig als Frau begehrt gefühlt habe und nicht - so hart das gerade klingt (würde ich gegenüber meinem Partner auch nie so sagen) als Protagonistin in einem alle paar Monate stattfindenden Pflichtprogramm.

Ansonsten lässt sich der Kontakt mit ihm als Kooperationspartner auf der Arbeit kaum vermeiden - ein Kontaktabbruch wie von ugga ugga vorgeschlagen, ist kaum realistisch - ganz abgesehen davon, dass ich ihn schlichtweg als Person und mittlerweile Freund charakterlich sehr schätze, umso mehr angesichts seiner einfühlsamen Reaktion auf meine Ablehnung.

Frau Mann Frau Mann Puh, das ist die Frage. Bis zu dieser Situation hätte ich von meiner Seite aus gesagt "Niemals!", ich bin einfach auch außerhalb meiner Beziehung einfach super unerfahren und war immer überzeugt, dass ich Sex zur in einer Beziehung ausleben möchte. Wenn ich mir aber ansehe, wie ich mich in dieser Situation gefühlt habe, bin ich mir ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, wie unverrückbar das wirklich für mich noch ist. De facto wäre das in der jetzigen Situation aber eine einseitige Öffnung, es hängt ja nicht an "uns", sondern an seiner allgemein mangelnden Lust. Was die Meinung meines Partners dazu angeht: Schwierig zu sagen. In schlechten Momenten fielen von ihm schon solche Gedanken, in dem Kontext, dass es ihm wichtiger ist, dass ich glücklich bin als dass er derjenige ist, der dafür verantwortlich ist. Wenn ich das wirklich ernsthaft als Option ansprechen wollen würde, müsste ich mir aber wirklich sehr genau über die Herangehensweise Gedanken machen, damit er nicht denkt, ich bin allgemein unglücklich mit ihm, das unterstellt er sich nämlich selbst auch gerne mal, wenn es ihm gerade schlecht geht.

C Cadabras und krava krava : Die depressiven Phasen hatte er schon als ich ihn kennengelernt habe, seine Flucht hat da leider tiefe seelische Wunden hinterlassen. Er ist gerade nicht in Behandlung, nein. War er schon mal, als es das letzte Mal ganz schlimm war und er vor allem auch schwere Schlafstörungen deswegen hatte, aber hat da super schlechte Erfahrungen gemacht, weil die einzige Möglichkeit kurzfristig Hilfe zu bekommen, eine von der Krankenkasse vermittelte kurz vor der Rente stehende und damit nicht mehr sehr motivierte Therapeutin war, die nicht viel mehr gemacht hat, als ihm nachdem er quasi alle seine Traumata auf den Tisch gepackt hat, zu sagen, er soll sich rezeptfreie Schlafmittel holen. Insofern ist er da leider so ein bisschen ein gebranntes Kind und eher skeptisch, einen erneuten Versuch zu starten.
 

Benutzer186759  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Die Sache mit der Therapie muss dein Freund Ernst nehmen, erst Recht, wenn er ein unverarbeitetes Trauma hat.
Dass er wegen dieser unmotivierten Therapeutin jetzt wenig Vertrauen in weitere Versuche hat, ist nachvollziehbar, aber da muss er am Ball bleiben.
Vielleicht versuchst du ihm das nochmal nahe zu legen und sichere ihm deine Unterstützung zu (z.B. in dem du anbietest, mit ihm Therapeuten im Netz zu suchen, wo ER dann anrufen kann (wichtig, muss er machen!)).

Zum Thema Sex und Beziehung öffnen: ganz schwierig, wenn dein Freund depressiv ist. Er würde dem eventuell sogar zustimmen, einfach aus Angst, dich sonst zu verlieren und damit aber in Wahrheit garnicht klar kommen. Das könnte seinen Zustand weiter verschlechtern, ich wäre da vorsichtig.

Hast du mit ihm denn mal drüber gesprochen, ob er Wünsche und Fantasien hat, die er mit dir noch ausleben will, sodass er eventuell durch den Reiz des Neuen nochmal einen kleinen Motivationsschub bekommt?

Ansonsten wäre Paar-/Sexualtherapie auch eine Möglichkeit.
 
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