AMA Künstliche Befruchtung

Benutzer123446 

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Ich weiß nicht, ob es da Bedarf gibt, aber ich stolper immer wieder darüber, dass verdammt viel Unkenntnis und Falschinformationen beim Thema "künstliche Befruchtung" durch die Welt geistern. (Die mich auch ärgern, weil man da noch in so einem "Tabu" drin sitzt, das bei stärkerer Aufklärung IMHO nicht sein müsste.)

Wie ich schon mehrfach breitgetreten habe, habe ich mich einer entsprechenden Behandlung unterzogen (ICSI, Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) und ja. Ich beantworte gerne Fragen, Sachfragen, persönliche Fragen, solange sie nicht zu privat werden und z.B. meinen Mann betreffen.
Ich möchte durchaus auch auf kritische Fragen eingehen, wenn Bedarf besteht :zwinker:

Zu mir: Ich bin mittlerweile 35, habe wohl seit meiner Pubertät das PCO-Syndrom (wobei das damals noch niemand so genannt hat...), einen Kinderwunsch sowie den besten Ehemann der Welt.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
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Stimmt es, dass man mit genug Geld so viele künstliche Befruchtungen wie nötig in die Wege leiten kann? Und wenn nicht, ist man auf das angewiesen, was die Krankenkasse zahlt?
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
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Wie viel geld habt ihr schon investiert?

Könntest du den ablauf einer icsi beschreiben?
 

Benutzer78178 

Meistens hier zu finden
Wie viele Behandlungen hast Du hinter Dir? Wie viele Kinder habt ihr?

Sehr spannendes Thema!
 

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich bin mittlerweile 35, habe wohl seit meiner Pubertät das PCO-Syndrom (wobei das damals noch niemand so genannt hat...), ...
Wurde denn schon in deiner Pubertät festgestellt, dass da ein "Problem" bei dir vorliegt, mal unabhängig vom Namen - oder wurde das erst festgestellt, als du deinen Kinderwunsch beim Arzt geäußert hast?
 

Benutzer123446 

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Ich find es ja schön, dass Leute nachfragen. :smile:

Stimmt es, dass man mit genug Geld so viele künstliche Befruchtungen wie nötig in die Wege leiten kann? Und wenn nicht, ist man auf das angewiesen, was die Krankenkasse zahlt?
Puh, das kann ich nicht wirklich sagen.
Das hängt meiner Erfahrung nach tatsächlich davon ab, wie weit man zu gehen bereit ist - das meine ich auch räumlich. Allerdings kann ich im Wesentlichen für "meine" Klinik sprechen und darüber, was ich von anderen direkt mitbekommen habe.
Die Kliniken in Deutschland gehen mit ihren Statistiken alle ins Deutsche IVF-Register ein. Meine Erfahrung bzw. "sekundäre" Erfahrung ist die: Falls die Ärzte den Eindruck haben, dass es "nichts wird", dann stoppen sie. Auch, um ihre Statistiken sauber zu halten. Das kann für betroffene Paare (z.B. mit idiopathischer Sterilität, die dann mit "wir können nicht helfen" weggeschickt werden) ein ganz schöner Mist sein.
Unsere haben das auch beim Erstgespräch durchaus aufs Tablett gebracht, dass man sich auch überlegen sollte, wie weit man gehen will und darauf achten soll, was die Behandlung mit einem macht.
Es gibt, denke ich, sehr unterschiedliche Kliniken. Ich glaube, wenn man ohnehin z.B. nach Spanien geht (es gibt da Kliniken, die grade auch u.a. deutsche Patienten ansprechen, weil das Gesetz einfach bei uns strenger ist) dann wird man da auch recht lange weitermachen können. Ich kann mir vorstellen, dass das durchaus auch für manche Kliniken in Deutschland gilt - wobei dem auch Grenzen gesetzt sein werden, wenn z.B. das Alter der Frau und die Eizellqualität eine Spende erforderlich machen würden.

Zum Thema Kassenzuschuss...
IMHO ist es meistens ein Mittelweg. Die Kasse bezuschusst unter bestimmten Voraussetzungen 50-100% (je nach Kasse, bei PKV ist es komplexer) von drei Versuchen. Dazu kommen Kryozyklen, die nicht bezuschusst werden und ggf. "Wunschleistungen". Insofern braucht man für eine KiWu-Behandlung immer recht viel Geld.

Wie viel geld habt ihr schon investiert?
Könntest du den ablauf einer icsi beschreiben?

Eine genaue Zahl ist schwierig zu nennen, ohne genau nachzurechnen, was kompliziert ist wenn man alle Medikamente mit einbezieht. Etwa 5000€, würde ich sagen.

Zum Ablauf:

Vor der ICSI erfolgt eine umfangreiche Diagnostik inkl. HIV-Test bei beiden Partnern.
Dann gibt es je nach Alter und vermutetem Ansprechen der Frau auf die Behandlung verschiedene Protokolle, ich beschreibe mal "meines" und auch den Ablauf in meiner Klinik - da gibt es Unterschiede in der Häufigkeit von Blutentnahme und Ultraschall.

Am Zyklusanfang geht man in die KiWu-Klinik (Erstgespräch und Anträge müssen vorher komplett durch sein natürlich), bekommt Blut abgenommen und einen Spritzenplan. Dann spritzt man zunächst FSH oder eine Kombi aus FSH und LH, um die Reifung der Eizellen zu stimulieren. Nach ein paar Tagen wird Blut entnommen und Ultraschall gemacht, um das Wachstum zu kontrollieren, entsprechend wird die Spritzendosis angepasst. Etwa ab dem 6.Spritzentag gibt man eine zusätzliche Spritze, um den Eisprung zu unterdrücken.
Dann wird der Tag der Punktion festgelegt, zwischendrin ist nochmal eine oder zwei Blutentnahmen.
36 Stunden vor der Punktion spritzt man eine HCG-Lösung, um den Eisprung auszulösen. Dann hat man einen Tag "spritzenfrei". (Das ist ganz nett, da ich zwischenzeitlich 4 Spritzen pro Tag in meinen Bauch gehauen habe inklusive der bei mir nötigen Heparinspritze.)
Die Punktion wurde immer unter Vollnarkose gemacht. Es werden dabei die Follikel durch die Scheide "aufgestochen" und die Eizellen so entnommen. Der Mann muss vorher schon Sperma abgeben.
Nach der Punktion erhält man dann eine Info darüber, wie viele Eizellen entnommen werden konnten und wie viele reif waren. Meine Klinik strebt zwischen 10-12 Follikel an, weil ihrer Erfahrung nach die Qualität der Eizellen bei höherer Zahl sinkt und das Überstimulationsrisiko erhöht ist.
(Ich hatte nur eine leichte Überstimulation und das ist echt schmerzhaft!)
Die befruchteten Eizellen werden dann in Kultur gegeben, je nachdem wie man möchte für 2 oder 5 Tage. Die 5-Tages-Kultur wird nicht von der Kasse übernommen, wir haben sie aufgrund der besseren Chancen machen lassen.
Eigentlich findet dann der Transfer statt, wenn aber eine Überstimulation vorliegt oder die Blutwerte zu schlecht sind, werden die Embryonen eingefroren, wenn man das will (ich kenne niemanden, der das nicht will, kostet aber auch extra). Eine Schwangerschaft würde eine Überstimulation noch befeuern.
Man erhält dann auf jeden Fall eine Info darüber, wie viele Embryonen in welchem Stadium eingefroren wurden.
Etwa 2 Wochen später ist dann der Bluttest, jeweils an 2 Tagen mit einem Tag Abstand dazwischen, um die Entwicklung des HCG-Werts zu prüfen.

Wie viele Behandlungen hast Du hinter Dir? Wie viele Kinder habt ihr?
Ich habe zwei ICSIs und zwei Kryoversuche hinter mir, wobei es nur 2x zum Transfer kam. Ich habe leider noch kein Kind geboren, wir hoffen aber ganz fest.

Wurde denn schon in deiner Pubertät festgestellt, dass da ein "Problem" bei dir vorliegt, mal unabhängig vom Namen - oder wurde das erst festgestellt, als du deinen Kinderwunsch beim Arzt geäußert hast?
Es wurde leider nicht als Problem thematisiert. Das kam erst mit dem Kinderwunsch. Vorher war es die lapidare Feststellung "zu viele männliche Hormone, wenn sie abnehmen, geht das weg". (Ohne weitere Erläuterung) Das hat leider überhaupt nicht gestimmt. Hilfe bekommen hab ich erst, als ich mit unerfülltem Kinderwunsch aufschlug. Die meisten Ärzte hat das vorher nicht interessiert, es hat auch niemand einen Hormonstatus gemacht, obwohl ich die entsprechenden Merkmale (Hirsutismus, polyzystische Ovarien, unregelmäßige Zyklen) aufwies.
 

Benutzer164526 

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Wie ich schon mehrfach breitgetreten habe, habe ich mich einer entsprechenden Behandlung unterzogen (ICSI, Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) und ja. Ich beantworte gerne Fragen, Sachfragen, persönliche Fragen, solange sie nicht zu privat werden und z.B. meinen Mann betreffen.
Zu mir: Ich bin mittlerweile 35, habe wohl seit meiner Pubertät das PCO-Syndrom (wobei das damals noch niemand so genannt hat...), einen Kinderwunsch sowie den besten Ehemann der Welt.
Kann jetzt sein, dass Du dazu selbst nichts schreiben möchtest, weil es Deinen Mann betrifft, aber weil das ja hier auch zur allgemeinen Aufklärung dienen soll, möchte ich es dennoch anmerken:

Die usrprüngliche Form dessen, was der Volksmund "künstliche Befruchtung" nennt, ist eigentlich eine natürliche Befruchtung im Glas, lat. In-vitro-Fertilisation, kurz IVF. Ursprüngliche Zielgruppe waren Frauen mit Eileiterschäden (tubare Sterilität). Bei diesen Patientinnen ist keine Befruchtung der Eizelle im Eileiter und/oder kein Transport der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter mehr möglich. Daher sind Ärzte auf die Idee gekommen, Eizellen direkt aus den Eierstöcken der Patientin zu entnehmen und in einer Petrischale mit dem aufbereiteten Sperma des Partners in Kontakt zu bringen. Abgesehen von dem Ort, an dem die Befruchtung stattfindet, erfolgt die Befruchtung dabei jedoch weitgehend auf natürliche Art und Weise. Anschließend wartet man ab, bis der Embryo in etwa denselben Entwicklungsgrad erreicht hat wie er normalerweise nach Passage des Eileiters erreicht wird, und implantiert den Embryo dann mittels eines Katheters in die Gebärmutter. Nach der ersten erfolgreichen IVF im Jahre 1978 war das 15 Jahre lang das einzige was ging.

Tatsächlich konnte man damit aber längst nicht allen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch helfen, da eben (anders als der Volksmund glaubte) noch immer eine natürliche Befruchtung erforderlich war. Wenn die Ursache der Unfruchtbarkeit in der Spermaqualität des Mannes oder in einer Inkompatibilität zwischen den Eizellen der Frau und den Spermien des Mannes liegt, hilft eine solche IVF nämlich nicht, weil sich dann auch in der Petrischale keine natürliche Befruchtung herbeiführen lässt.

Bei einer IVF mit ICSI wird hingegen von den Ärzten gezielt ein Spermium ausgewählt (meist einfach nur nach Aussehen). Dann wird die Eizelle mittels einer Saugkanüle fixiert, und das ausgewählte Spermium wird mittels einer Stechkanüle direkt in die Eizelle injiziert. Auch hierbei ist natürlich nicht garantiert, dass es zu einer Befruchtung kommt, denn zumindest die Prozesse, die nach dem Eindringen des Spermiums in die Eizelle ablaufen, müssen dafür ja immer noch funktionieren. Wenn das Problem jedoch lediglich darin besteht, dass das Spermium nicht auf natürlichem Wege in die Eizelle eindringen kann, lässt sich dieses Hindernis hiermit überwinden.

Wenn die Fertilitätsstörung allein auf Seiten der Frau liegt, die Spermaqualität des Mannes gut ist, und nichts auf eine Inkompatibilität zwischen Eizellen und Spermien hindeutet, reicht aber auch heute noch eine IVF aus. Wenn stattdessen eine ICSI erfolgt, deutet dies normalerweise daraufhin, dass entweder das Spermiogramm des Mannes nicht gut war, oder aber bei vorangegangenen IVF-Versuchen die Befruchtungsrate schlecht war bzw. keine Befruchtung stattgefunden hat.
 
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Benutzer123446 

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Bei einer Fertilitätsstörung wie PCOS ganz klar nur auf Seiten der Frau würde man in den meisten Fällen keine IVF wählen, sondern mit einer IUI anfangen, also Spermien in den Uterus einspülen. Bzw. überhaupt erstmal mit Clomifen und Ähnlichem behandeln.

Kommt eine IVF erst später in Frage, würde man heute dann meist erst eine Eileiterspülung machen bzw. eine Bauchspiegelung, um zu wissen, ob hier die Probleme liegen.

Bei IVF und ICSI (auch eine IVF wird bei nicht ausreichendem SG gemacht, die geforderten Parameter sind aber andere) gibt es keine Notwendigkeit einer Eileiterspülung.
Bei idiopathischer Sterilität greift man zumindest wie ich das erleb ebenfalls häufiger zur ICSI, weil die Ursachen nicht ganz klar sind.
Oder wenn Paare dies für sich selbst entscheiden (da eine mögliche Nullbefruchtung eine wirkliche psychische Belastung darstellt... das darf man nicht unterschätzen). Manche Paare entscheiden sich deshalb für eine 50/50-Lösung, also die Hälfte der Eizellen wird per IVF, die andere Hälfte per ICSI befruchtet, auch wenn die Krankenkasse nur den IVF-Anteil bezahlt.
 
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Benutzer164526 

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Bei einer Fertilitätsstörung wie PCOS ganz klar nur auf Seiten der Frau würde man in den meisten Fällen keine IVF wählen, sondern mit einer IUI anfangen, also Spermien in den Uterus einspülen. Bzw. überhaupt erstmal mit Clomifen und Ähnlichem behandeln.
Aber Clomifen und IUI ist ja nicht das was gemeinhin unter einer "künstlichen Befruchtung" verstanden wird.

Bei idiopathischer Sterilität greift man zumindest wie ich das erleb ebenfalls häufiger zur ICSI, weil die Ursachen nicht ganz klar sind.
Oder wenn Paare dies für sich selbst entscheiden (da eine mögliche Nullbefruchtung eine wirkliche psychische Belastung darstellt... das darf man nicht unterschätzen). Manche Paare entscheiden sich deshalb für eine 50/50-Lösung, also die Hälfte der Eizellen wird per IVF, die andere Hälfte per ICSI befruchtet, auch wenn die Krankenkasse nur den IVF-Anteil bezahlt.
Hängt natürlich auch von den behandelnden Ärzten ab. Aber es gibt schon gute Gründe dafür, bei einem astreinen Spermiogramm erstmal eine herkömmliche IVF ohne ICSI zu versuchen. Und damit meine ich jetzt nicht die (in Relation zum Rest) läppischen Mehrkosten für die ICSI, die man dann selbst übernehmen müsste. Vielmehr sind die Schwangerschaftsraten bei einer herkömmlichen IVF höher als bei einer ICSI.
 

Benutzer65313 

Toto-Champ 2008 & 2017
Off-Topic:
Ich denke, was gemeinhin unter der künstlichen Befruchtung verstanden wird, hängt vom Wissensstand der jeweiligen Person ab und ist nicht unbedingt allgemein zu beurteilen.


Ich würde dann gerne zum AMA zurückkehren - auch wenn das vielleicht eine Frage ist, die ich auch ergoogeln könnte :ashamed: Kannst du mal die ganzen zehntausend Abkürzungen erklären? :grin:

Macht es für euch einen Unterschied, ob das Kind "künstlich" gezeugt wird oder "natürlich"? Man hört ja immer wieder von Paaren, für die das nicht in Frage kommt oder die damit nicht ganz klar kommen.

Off-Topic:
Ich wünsche euch weiterhin alles Gute, und danke auch für diesen interessanten Thread :smile:
 

Benutzer164526 

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Weißt Du welches Stimulationsprotokoll bei euch zum Einsatz kommt? Lang, kurz, Antagonisten? Hattest Du unter Überstimulation zu leiden?
 

Benutzer102949 

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Wie lange wünscht ihr euch schon ein Kind und wie sehr belastet euch das als Paar? Ich habe den Eindruck, entweder man zerbricht daran oder man schweißt noch mehr zusammen. Was gilt für euch? Gibt es bei euch einen "Schuldigen" oder seid ihr beide gleichermaßen davon betroffen? Wenn nicht, wie fühlt sich das an für denjenigen? Hat man nicht das Gefühl, man sei dem anderen etwas schuldig .... oder als sei man ein Mensch zweiter Klasse (obwohl das absoluter Bullshit ist, aber das Gefühl sagt einem manchmal ja doch etwas anderes, obwohl man weiß, dass das Blödsinn ist)? :ashamed: Habt ihr Angst, dass sich der andere vielleicht für jemand anders entscheiden könnte, wenn es nicht klappen will, obwohl der Wunsch so groß ist? Habt ihr einen Plan B, wenn es auch nach Jahren nicht klappt und irgendwann die finanziellen Mittel und psychische Belastung vollkommen ausgeschöpft sind?
Und mir fällt gerade noch etwas ein: Habt ihr manchmal das Gefühl, ihr steigert euch selbst zu sehr in dieses Wunschdenken hinein, so nach dem Motto, was man sich wünscht, das muss unbedingt eintreten, koste es, was es wolle.

Ich hoffe, meine Fragen sind nicht zu persönlich/aufdringlich. Aber das sind so die Sachen, die ich mich oft frage, wenn ich von künstlicher Befruchtung lese. Ich habe hierzu schon reihenweise Dokus gesehen + Artikel gelesen (in meinem Freundeskreis gibt es zur Zeit noch niemanden, der so eine Prozedur in Kauf nehmen musstee), wo ich letztlich total baff war, wie viel die Menschen auf sich nehmen, um endlich ein Kind zu bekommen. Ich ziehe meinen Hut vor euch und vielen anderen, denn ich weiß nicht, ob ich, oder ob wir mit einer solchen Belastung klar kommen würden. Ich weiß allerdings ganz sicher, dass unser KiWu niemals groß genug war (und ob er es jemals sein wird? :hmm:) um solche Belastungen auf uns zu nehmen. Also nochmal: Hier fragt ein völlig Außenstehender, der sich nur bedingt in eure Situation hineinversetzen kann. Bitte nicht auf den Schlips getreten fühlen. :knuddel:
 

Benutzer85763 

Sehr bekannt hier
Danke für den spannenden Thread! Eine Freundin von mir war ebenfalls in Kinderwunschbehandlung, da habe ich mit bekommen wie schwer das alles sein kann.

Bietet die Klinik (oder zumindest einige davon) eigentlich auch psychologische Unterstützung für Paare an?

Wie bekommt man die vielen Termine während der Behandlung mit der Arbeit in Einklang, ohne dass der Arbeitgeber "Lunte riecht"? Das stelle ich mir zum Teil echt schwer vor.
 

Benutzer123446 

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Off-Topic:
T tiefblick77 , ich möchte mit dir hier nicht über Spitzfindigkeiten diskutieren. Nicht nur hier in "meinem" Thread finde ich deine Art zu diskutieren sehr anstrengend. Solltest du ehrliche, interessierte Fragen haben, gehe ich gerne darauf ein, dein restliches Geplänkel (das durchaus korrekturwürdig wäre) lasse ich außer Acht und werde das auch weiterhin tun.


Danke für die lieben Wünsche, Bria Bria :smile:
Kannst du mal die ganzen zehntausend Abkürzungen erklären? :grin:
Macht es für euch einen Unterschied, ob das Kind "künstlich" gezeugt wird oder "natürlich"? Man hört ja immer wieder von Paaren, für die das nicht in Frage kommt oder die damit nicht ganz klar kommen.
Kann ich :grin:
Über folgendes wird man stolpern, wenn man Kinderwunschseiten besucht:
GvnP: Geschlechtsverkehr nach Plan. Dabei wird zumindest so, wie ich das kenne, Zyklusmonitoring betrieben, stimuliert und der Eisprung ausgelöst.
IUI: Intrauterine Insemination. Das ist eine Variante, die einige Paare mit unklaren Störungen am Behandlungsanfang machen, wobei das (aufbereitete) Sperma zum passenden Zeitpunkt direkt in die Gebärmutter eingespült wird.
IVF: In-Vitro-Fertilisation. Dabei werden die (meist stimulierten) Eizellen der Frau (also eben so einige...) und das (aufbereitete) Sperma zusammengebracht, die Spermien befruchten die Eizellen "eigenständig".
ICSI: Intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Das Prozedere vor der Befruchtung ist wie bei der IVF, aber die Spermien werden einzeln in die Eizellen eingespritzt. Das wird gemacht, wenn die Eizell-"Schale" quasi zu hart ist oder die Spermien unbeweglich.
Beide Verfahren (IVF und ICSI) können bei einem guten Zyklus auch als "natural"-Variante mit nur einer Eizelle gemacht werden, da macht aber nicht jede Klinik mit.
Etwas spezieller noch:
P-ICSI und IMSI: Bestimmte Formen der Spermienselektion.
Und nicht direkt zusammenhängend, aber man stolpert auch drüber:
OHSS: Ovarielles Hyperstimulations-Syndrom. Unlustig! Kann lebensbedrohlich werden und wird versucht zu vermeiden, so gut es geht.

Wie das Kind gezeugt wurde, macht für uns keinen Unterschied... das überschneidet sich vielleicht jetzt ein bisschen mit meiner Antwort an littleLotte littleLotte , mal sehen. Für mich ist der einzige Unterschied, der mich manchmal immer noch etwas traurig macht, dass ich dieses klassische "Hibbeln" nicht habe. Aber ansonsten ist dieses Kind aus Liebe entstanden und ein Kind zweier Menschen, die zusammen eine Familie gründen wollen. Nur das zählt.
Am Anfang der Behandlung habe ich mich aber, grade zu "Diskussionszwecken", mit dem Thema auseinandergesetzt und habe meine persönliche Antwort quasi in der Theorie der "Natürlichen Künstlichkeit des Menschen" gefunden. Zusammengefasst besagt diese (philosophische) Anschauung, dass in der Natur des Menschen liegt, dass er ein Kulturwesen ist und eben nicht ein reines Naturwesen.
Je länger ich mich mit dem Themenkomplex befasst habe, umso besser ist es mir gelungen, die Sicht auf Fruchtbarkeit medizinisch werden zu lassen und von ihrem durchaus überhöhten Sockel herunterzuholen.
Bei der Frage kommt eben für mich dieser Aspekt dazu: Ich habe ein medizinisches Problem, dafür hole ich mir Hilfe. So, wie ich Schilddrüsenhormone substituiere, so, wie ich Heparin spritze, so, wie Verwandte Insulin spritzen - meine Eierstöcke und diverse Hormongeschichten funktionieren nicht, also lasse ich mir von unserer hochentwickelten Medizin helfen.
Mit dieser Sichtweise, zu der ich aber auch zu 100% stehe (also Fruchtbarkeit nicht als etwas Mystisches, sondern etwas Medizinisches zu sehen), macht es eben keinen Unterschied für mich, wie das Kind gezeugt wurde. :smile:

Weißt Du welches Stimulationsprotokoll bei euch zum Einsatz kommt? Lang, kurz, Antagonisten? Hattest Du unter Überstimulation zu leiden?
Das Antagonistenprotokoll (Verlauf habe ich oben schon mal beschrieben).
Und ja, ich hatte eine Überstimulation, aber keine schwere. Ich konnte einfach mehrere Tage lang nicht laufen und hatte Schmerzen sowie Übelkeit.

Liebe littleLotte littleLotte ,
es heißt ja "Ask me anything", wenn ich was nicht beantworten will, sag ich das schon :smile:
Ich versuche mal, die Fragen zu gliedern.
1. Wie lange wünscht ihr euch schon ein Kind und wie sehr belastet euch das als Paar? Ich habe den Eindruck, entweder man zerbricht daran oder man schweißt noch mehr zusammen. Was gilt für euch?
2. Gibt es bei euch einen "Schuldigen" oder seid ihr beide gleichermaßen davon betroffen? Wenn nicht, wie fühlt sich das an für denjenigen? Hat man nicht das Gefühl, man sei dem anderen etwas schuldig .... oder als sei man ein Mensch zweiter Klasse (obwohl das absoluter Bullshit ist, aber das Gefühl sagt einem manchmal ja doch etwas anderes, obwohl man weiß, dass das Blödsinn ist)? :ashamed:
3. Habt ihr Angst, dass sich der andere vielleicht für jemand anders entscheiden könnte, wenn es nicht klappen will, obwohl der Wunsch so groß ist?
4. Habt ihr einen Plan B, wenn es auch nach Jahren nicht klappt und irgendwann die finanziellen Mittel und psychische Belastung vollkommen ausgeschöpft sind?
5. Und mir fällt gerade noch etwas ein: Habt ihr manchmal das Gefühl, ihr steigert euch selbst zu sehr in dieses Wunschdenken hinein, so nach dem Motto, was man sich wünscht, das muss unbedingt eintreten, koste es, was es wolle.
1. Wir wollen seit 2 Jahren Kinder und sind damit auch noch nicht lange "dabei". Ich habe ehrlich gesagt den Eindruck, weder noch so richtig... aber ganz bestimmt nicht, dass es uns auseinander gebracht hat. Man steckt da gemeinsam drin und so doof es klingt, aber es gibt dann auch Erlebnisse, die man nicht hätte, wenn man nicht in der KiWu-Klinik wäre. Und das ist dann vielleicht doch zusammenschweißend. Aber ja, vielleicht... was eher zusammenschweißt als die Behandlung, ist die gegenseitige aufrichtige Versicherung, dass man ineinander ein großes Glück gefunden hat, das man, Kinderwunsch und seine Erfüllung hin oder her, nicht aufgeben wird und will.

2. Es liegen bei uns beiden Probleme vor. Anfangs war für mich eher schlimm, dass ich begonnen habe, mich "unweiblich" zu fühlen, sowohl wegen der männlichen Hormone als auch wegen der ausbleibenden Regel, dem Hirsutismus usw. Mein Mann hat dann angefangen, mich damit zu necken, das hat meine Weltsicht etwas gerade gerückt und mich verstehen lassen, dass ich trotzdem weiblich bin (und ich bin teilweise schon gerne klischeeweiblich mit langen Haaren und Kleidern und so). Das Thema "Ich bin schuld" kam bei mir anfangs schon auf, aber wir sind viel im Gespräch, insofern war das bald vom Tisch.
Und hilfreich ist eben, wie oben schon geschrieben, für mich auch die medizinisch-sachliche Sicht.
Ich finde, Fruchtbarkeit wird oft überhöht, die Gebärmutter als sakraler Urquell dargestellt und was weiß ich. :zwinker: Und daraus entsteht natürlich das Gefühl, ein Manko zu haben, schuld zu sein, fehlerhaft. Wenn man sich auf die medizinische Sicht konzentriert, dann kann man das gut rational sehen.

3. Nein. Anfangs ja, jetzt nicht mehr. Dazu haben wir zuviel miteinander durch, u.a. eine Fehlgeburt, und dazu lieben wir uns schlichtweg zu sehr.

4. Den Kinderwunsch verarbeiten, glücklich kinderlos sein, schöne Urlaube machen, vielleicht trotzdem ein Haus kaufen, unseren Hobbys nachgehen und eigentlich so weiterleben wie bisher. Für ein Adoptivkind sind wir vermutlich dann zu alt, ggf. würden wir es versuchen. (Aber im Moment sieht es nicht aus, als wäre das nötig :zwinker:)

5. Nach den Stimulationen ging es mir manchmal so, dass ich keine Kraft mehr hatte. Da wissen wir aber auch beide, dass wir stoppen, wenn es zuviel wird. Wenn wir oder auch nur ich körperlich und psychisch zu sehr belastet werden, dann ist Ende.

Bietet die Klinik (oder zumindest einige davon) eigentlich auch psychologische Unterstützung für Paare an?

Wie bekommt man die vielen Termine während der Behandlung mit der Arbeit in Einklang, ohne dass der Arbeitgeber "Lunte riecht"? Das stelle ich mir zum Teil echt schwer vor.
Nein, unsere bietet das nicht an. Ich bin aber parallel bei einer Therapeutin, die ich zu Anfang der KiWu-Zeit aufgesucht habe. Mir hilft das, ja.

Wir haben oft Termine ganz in der Früh (also so um 7.00Uhr). Da ich meistens erst gegen 11.00Uhr anfangen muss bzw. ich mir meinen wöchentlichen Dienstplan recht flexibel legen kann, haben wir das gut hinbekommen. Die Punktionen waren dann halt Zystenentfernungen, wenn jemand nachfragt... :whistle:
 

Benutzer28811  (32)

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Danke für diesen Thread Eswareinmal Eswareinmal ich verfolge deine Geschichte gespannt und finde die Art wie ihr das angeht und "durchsteht" wirklich bewundernswert. Du wirkst auf mich unglaublich stark und gefestigt, ganz große Achtung vor dir und deinem Mann. Ich bin mir sicher viele lesen hier interessiert mit und ich danke dir für deine Offenheit.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du bald schwanger bist!:herz:
 

Benutzer164526 

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Off-Topic:
T tiefblick77 , ich möchte mit dir hier nicht über Spitzfindigkeiten diskutieren. Nicht nur hier in "meinem" Thread finde ich deine Art zu diskutieren sehr anstrengend. Solltest du ehrliche, interessierte Fragen haben, gehe ich gerne darauf ein, dein restliches Geplänkel (das durchaus korrekturwürdig wäre) lasse ich außer Acht und werde das auch weiterhin tun.
Wenn Du etwas für korrekturbedürftig hältst, dann korrigiere es halt. Ist doch kein Problem. Die Information, dass Du mich als "sehr anstrengend" empfindest, ist zwar interessant, aber ich schreibe sowas nur, wenn ich andere gezielt vor den Kopf stoßen möchte, und mir fällt auch kein anderer nachvollziehbarer Grund ein, warum man sowas öffentlich schreiben sollte. Insofern gehe ich einfach mal davon aus, dass das auch Deine Absicht war.

[doublepost=1508251664,1508248848][/doublepost]
Das Antagonistenprotokoll (Verlauf habe ich oben schon mal beschrieben).
Stimmt, habe die Stelle jetzt gefunden. Speziell bei PCO ist das Antagonistenprotokoll glaube ich ohnehin schon länger recht verbreitet.

Dennoch die Frage: Haben eure Ärzte euch da vorher drüber informiert, welche Protokolle es gibt, was die Vor- und Nachteile sind, etc. pp.?

Und auch im Hinblick auf andere Fragen wie z.B. die Anzahl der zu transferierenden Embryonen: Wie gut fühltet ihr euch da generell aufgeklärt?
 

Benutzer123446 

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Dennoch die Frage: Haben eure Ärzte euch da vorher drüber informiert, welche Protokolle es gibt, was die Vor- und Nachteile sind, etc. pp.?

Und auch im Hinblick auf andere Fragen wie z.B. die Anzahl der zu transferierenden Embryonen: Wie gut fühltet ihr euch da generell aufgeklärt?
Mh, also darüber, welche Protokolle es gibt, wurde nicht genau aufgeklärt, da hatte ich mich vorher schon informiert und dachte mir schon, dass es auf Antagonisten rausläuft. Die Ärztin hat erklärt, bei PCOS sei das für sie zunächst Mittel der Wahl, falls es nicht anschlüge, könne man weitersehen. Sie hat die Vorteile geschildert und das klang für mich in Kombi mit meinem Hintergrundwissen plausibel.

Generell wurde uns viel erklärt, wir konnten aber auch grundsätzlich alles fragen. Wirklich alles. Beim ersten Gespräch saß ich mit einer DinA4-Seite voller Fragen da, und ich konnte sie alle stellen, ohne dass wir angemosert wurden. :smile:
Das liegt aber sicher auch an unserer Ärztin. Sie hat sich auch z.B. bzgl. der Anzahl der Embryonen klar geäußert und von einem bzw. zwei Embryonen gut begründet zu- oder abgeraten.
Wie gesagt, ich bin auch eine ziemlich gut informierte Patientin und entsprechend konnte ich vieles mitgestalten. Das ist vermutlich nicht bei allen so.
 

Benutzer78178 

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Ich habe zwei ICSIs und zwei Kryoversuche hinter mir, wobei es nur 2x zum Transfer kam. Ich habe leider noch kein Kind geboren, wir hoffen aber ganz fest.

Entschuldige, das war dann wohl ein Fettnäpfchen :ashamed:. Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht böse. Ich drücke Euch die Daumen, dass es ganz schnell klappt.:knuddel:

Wie sieht es denn mit Medikamenten (abgesehen von den Spritzen) aus? Musst Du da viel schlucken? In welchem Turnus? Sind die Tabletten groß? Was muss Dein Mann medikamentös nehmen?
 

Benutzer164526 

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Wie gesagt, ich bin auch eine ziemlich gut informierte Patientin und entsprechend konnte ich vieles mitgestalten. Das ist vermutlich nicht bei allen so.
Was waren denn Deine primären Informationsquellen bzw. wie hast Du Dich vorbereitet und die Klinik oder das Behandlungszentrum ausgewählt?
 

Benutzer123446 

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Danke für die lieben Wünsche!
Und kein Problem. :smile:

Wie sieht es denn mit Medikamenten (abgesehen von den Spritzen) aus? Musst Du da viel schlucken? In welchem Turnus? Sind die Tabletten groß? Was muss Dein Mann medikamentös nehmen?

Es gibt ja immer Behandlungszyklen, während der Medikamente genommen werden müssen. Während der ICSI-Phase muss ich nichts schlucken, nur Spritzen. Im Kryozyklus muss ich Estradioltabletten (klein, teilweise so wie die Pille) einnehmen und ggf. auch Progesteron schlucken. Das sind Kapseln, die finde ich aus irgendwelchen Gründen eklig. :ashamed:
Aber die nehme ich v.a. vaginal, oral nur wenn nötig. Und v.a. nehme ich noch wegen dem PCOS Metformin, das sind die größten Tabletten.
In welchem Turnus ist schwer zu sagen, da die Abstände zwischen den Behandlungszyklen individuell sind. Bei uns wurde wenig Pause gemacht, im wesentlichen nach der Fehlgeburt und weil wir Urlaub hatten. Wenn es wiederholt zum Implantationsversagen kommt, also keine Einnistung stattfindet, macht man oft noch andere Untersuchungen und deshalb wird dann eher eine längere Pause gemacht. Grundsätzlich gilt aber die Zusage von der Kasse für ein Kalenderjahr, braucht man länger, muss man das verlängern lassen.
Ach so, mein Mann muss gar nichts nehmen. Das Medizinische ist alles Frauensache, bis auf die Blutentnahme für den HIV-Test sowie den notwendigen Beitrag für die Befruchtung.:zwinker: Dafür muss er jede Menge seelisch-moralische Unterstützung leisten.
 
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