Könntet ihr euch eine sog. LAT-Beziehung vorstellen (Living Apart Together)?

Benutzer172492 

Meistens hier zu finden
Das ist eben auch ein Stück weit Empathievermögen und Akzeptanz von anderen Lebensformen/ Persönlichkeitsstrukturen, Art_emis Art_emis .

Kann ich nachvollziehen, dass ein lieber Freund problemlos tagelang bis zu einer Woche allein in seiner Wohnung sein kann, obwohl ich da selbst völlig anders gestrickt bin? Begrenzt. Ich brauche aber auch regelmäßig meine Zeit für mich und fühle mich damit sehr wohl, also stelle ich mir das Bedürfnis bei ihm einfach deutlich stärker vor.
Glaub ich dran, dass es ihm so geht und er trotzdem ein guter und verbindlicher Freund ist? Ja. Ich habe ihn in Freundesgruppen erlebt und wir führen seit 15+ Jahren eine verbindliche Freundschaft.

Kann ich mir jemand derart Introvertierten in einer Beziehung mit mir vorstellen? Nö. Aber ist ja nicht schlimm. Seine Freundin ist sehr glücklich mit ihm.
 

Benutzer186901 

Ist noch neu hier
wenn ich meine Beziehung als absolut gut und verbindlich betrachte, warum reicht es dann nicht aus ein eigenes Zimmer zu haben in das ich mich ggf. zurück ziehen kann?
Weil ein eigenes Zimmer in der gemeinsam genutzten Wohnung bei weitem nicht das selbe ist, wie eine eigene Wohnung. Dort kann es jederzeit passieren, dass der Partner reinkommt (oder auch nur anklopft) weil er ein wichtiges Anliegen hat (das eventuell in dem Moment sogar wichtiger ist, als der Wunsch nach Ungestörtheit). Außerdem bleiben dabei immer noch die gemeinsam genutzte Küche und das gemeinsam genutzte Bad (und eventuell Schlafzimmer), der Wunsch bzw. das Bedürfnis z.B. nach einem anstrengenden Arbeitstag alleine zu sein, lässt sich hier eben nicht wirklich erfüllen.
Ein eigenes Zimmer (z.B. Arbeitszimmer) werden auch die meisten Menschen die ganz klassisch zusammenwohnen haben. Für mein persönliches Bedürfnis nach "Allein-Zeit" reicht ein Zimmer allein eben nicht aus.

Ist das dann wirklich Verbindlichkeit?
Warum sollte es in dieser Konstellation keine wirkliche Verbindlichkeit sein? Wenn beide Partner diese Lebensvorstellung teilen und demzufolge an einem Strang ziehen können und eine gemeinsame Zukunft planen, beide die Vorteile dieser Konstellation im selben Maße zu schätzen wissen und auch gerne füreinander da sind, falls mal Hilfe/Unterstützung benötigt wird?
 

Benutzer172492 

Meistens hier zu finden
Oder anders gefragt: Wenn ich meine Beziehung als absolut gut und verbindlich betrachte, wieso brauche ich dann eine gemeinsame Wohnung?

Das kann man in beide Richtungen drehen. Letztlich müssen die Wünsche da halt zusammenpassen.
 

Benutzer186405  (50)

Sorgt für Gesprächsstoff
"Warum benötige ich unbedingt einen Ort in einem anderen Gebäude/einer anderen Stadt, weit weg von meinem Partner?"
Oder auch "warum muss ich mein eigener Herr über etwas sein, anstatt mich mit meinem Partner zu einigen/zu arrangieren?
Weil MAN SELBST z.B. so gestrickt oder auch geworden ist. Oftmals sind das einfach Persönlichkeitsstrukturen, wie als ob man Morgen- oder Abendmensch ist, denen man Freiraum gewähren möchte oder gar muss, ohne deshalb irgendeine Wertung dem anderen gegenüber oder der Beziehung beider zueinander zu geben.
 

Benutzer174233  (33)

Öfter im Forum
Ich kann das durchaus akzeptieren, wenn jemand so leben möchte. Ich versuche auch bestimmt nicht anderen meine Lebensweise aufzuzwingen. Das darf ja jeder für sich selbst entscheiden.

Im Gegenteil, ich beteilige mich ja aus ernstem Interesse an dieser Unterhaltung, weil ich gerne dazu lerne, mir Toleranz sehr wichtig ist daher versuche ich gerade hier Erkenntnisse und Verständnis zu erlangen für diese andere Lebensweise.
Da kommen dann aber eben solche Fragen auf, weil ich mich bisher damit noch nie befasst habe.

Für mich selbst kann ich es mir zwar nach wie vor nicht vorstellen, aber es wird etwas klarer warum so ein Lebensmodell für andere sinnvoll zu sein scheint.
 

Benutzer186759  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Wenn ich meine Beziehung als absolut gut und verbindlich betrachte, wieso brauche ich dann eine gemeinsame Wohnung?
Leute ticken eben unterschiedlich. Die einen können das gut nachvollziehen, für die andern ist es eher befremdlich und umgekehrt.

Ich selbst könnte z.B. niemals in einer WG leben, weil ich da nicht genügend Raum für mich hätte.
Bei Schulausflügen im 4er Zimmer zu pennen, war für mich die Hölle und bei nem Betriebsfest mit Hotelübernachtung musste ich schonmal nen Doppelzimmer mit nem Kollegen teilen. Habe ich ebenfalls gehasst.

Das LAT-Modell wäre für mich augenscheinlich also reizvoll.
Wenn ich aber eine Partnerschaft eingehe, ist genau dieses "ich gebe ein Stück weit meinen individuellen Raum auf und teile diesen mit meiner Partnerin" ein Zeichen für Verbindlichkeit.
Wenn ich das Gefühl, ich könnte mit dieser Person nicht zusammen leben, habe, dann ist das nicht die richtige Partnerin für mich.
Dazu ist die Anfangszeit der Beziehung für mich da, um das auszuloten.

Und "Verbindlichkeit", ganz objektiv betrachtet, hat ein LAT-Paar nunmal (meistens, nicht immer) weniger, weil eben viele Dinge jeder für sich hat/regelt und nicht gemeinsam.
Ein LAT-Paar ohne Kind könnte ja z.B. von heute auf morgen sagen "passt nicht mehr mit uns, machs gut" und jeder hat dadurch keine Dinge zu regeln.
Es gibt (idR) keinen gemeinsamen Mietvertrag, kein gemeinsames Auto, keine gemeinsamen Versicherungen, kein gemeinsames Konto, keine gemeinsamen Anschaffungen, die man irgendwie auseinander-fummeln müsste.
Natürlich ist das "weniger Verbindlich".
Sagt ja keiner, dass Verbindlichkeit nur emotional vorliegen kann. Ein liebevolles LAT-Paar kann sicher wesentlich mehr emotionale Verbindlichkeit haben, als ein "normales" Paar, das nebeneinander herlebt, keine Frage.
Ich versteh aber schon, worauf Schweinebacke Schweinebacke hinaus wollte.

Ist ja aber auch legitim, jeder wie er mag.
 

Benutzer163532  (37)

Sehr bekannt hier
Was versteht ihr unter "Verbindlichkeit" in diesem Kontext?
Ich glaube, ich begreife nicht, was das genau meint bzw. wieso es ans Zusammenleben bzw. nicht Zusammenleben geknüpft ist.
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Für mich, als Person die sich das Modell nicht wirklich vorstellen kann, stehen da halt solche Fragen im Raum, wie "wenn ich meine Beziehung als absolut gut und verbindlich betrachte, warum reicht es dann nicht aus ein eigenes Zimmer zu haben in das ich mich ggf. zurück ziehen kann?"
"Warum benötige ich unbedingt einen Ort in einem anderen Gebäude/einer anderen Stadt, weit weg von meinem Partner?"
Oder auch "warum muss ich mein eigener Herr über etwas sein, anstatt mich mit meinem Partner zu einigen/zu arrangieren?"
Ist das dann wirklich Verbindlichkeit?
Da spielt dann wohl auch das individuelle empfinden bzw. die eigene Definition von Verbindlichkeit eine große Rolle, denke ich.

Das sind ja absolut legitime Fragestellungen, vor allem wenn man selbst eben anders tickt bzw ein andere Nähebedürfnis hat. Und es ist für alle immer sehr viel wertschätzender wenn man formuliert, dass "ach, echt, kann ich mir für mich gar nicht vorstellen" und dann die Fragen dazu stellt, wenn es einen interessiert und sonst einfach nicht urteilt.

Für mich kann ich nur antworten, weil meine Seele das braucht um ganz zu sein.
Als ich 10 war kam meine Mutter zu früh heim und meine zwei Stunden ganz alleine in der Wohnung wurden damit zerstört. Mit einem Ausraster von dem sie heute noch redet, hab ich sie angebrüllt, dass es ÜBERHAUPT Nicht hilft, wenn sie still in einem andern Raum ist, so lange ich WEISS dass sie da ist und atmet :grin:

Das war bisher mit jeder anderen Person so, auch wenn ich sehr lange mit jemand passendem einen engen Raum teilen kann. Allerdings dann, wenn es entweder MEIN Raum ist, und ich Einrichtungen oder Regeln nicht diskutieren muss, oder eben weiß, es ist temporär.

Aber auf eine notwendige, völlig unbewertete Art entspannt sein, kann ich nur alleine. Das haben vielleicht eher Menschen, die tendenziell darum bemüht sind, die Erwartungen anderer zu erfüllen und möchten, dass es jedem im Umfeld gut geht und sich deshalb automatisch zurück nehmen. Ich finde es allerdings dazu auch einfach verschwendete Lebenszeit, über Organisation des Kühlschranks zu diskutieren, wenn man die Zeit auch nutzen kann eingekuschelt einen Film zu schauen.
Ich persönlich kann Zweisamkeit viel mehr schätzen, wenn sie nicht irgendwie in einen vollen Alltag eingebaut werden muss, wo es mir schnell auf die Nerven geht, mich darum auch noch zu kümmern. Ich brauche die Nähe anderer Menschen nicht genug, um all die Mühe, die es mitbringt, in Kauf zu nehmen.

Meine Gegenfrage wäre, warum muss ich mich mit jemandem arrangieren unter Mühe, wenn das meiner Art und meinem Wesen keinen Vorteil bringt? Also WAS wäre ein Vorteil für MICH daran, Einrichtungskompromisse einzugehen, die ich blöd finde, und mich über anderes Putzverhalten als meines zu ärgern? Was bekäme ich dadurch dazu, was ich OHNE das nicht auch haben kann?
Das Empfinden anderer und deren Akzeptanz, dass meine Beziehung damit "echter" ist, weil man über solche Dinge streiten "muss"? Sich ärgern "muss"?

Das ist als würde ich meiner Freundin, die seit Jahren eine Putzfrau für die Familie zahlt, weil an den Diskussionen fast die Beziehung zerbrochen wäre, dass sie eigentlich "betrügt", weil es nur echt ist, wenn sie sich so lange damit auseinander setzt, bis eine Lösung zwischen ihnen beiden gefunden ist. Woher kommt dieser feste Glaube, Streits über solche banalen Nichtigkeiten, die die Atmosphäre doch vergiften, MÜSSTEN sein, damit man WIRKLICH zusammen ist?

Schlussendlich ist alles eine Kosten/Nutzen Rechnung. Zusammenwohnen nimmt mir viel, das mit wichtig ist, und dafür gibt es mir einfach nicht genug zurück, als dass die Rechnung positiv ausfallen würde. Nichts Besonders Tolles am Zusammenwohnen kann ich "nur damit" haben, so dass ich das "Opfer" bringen müsste.
 

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
Wenn es keine äußeren Umstände gibt, die einen aneinander binden, dann finde ich das durchaus weniger verbindlich.
Das sind doch aber nur einige Aspekte von ganz, ganz vielen, die einen verbindlich an den Partner binden.
Ich bin, wenn ich eine Beziehung eingehe, ausgeprägt verbindlich, nämlich auf emotionaler Ebene.
Für mich sind es überhaupt nicht die äußeren, meist materiellen Dinge, die eine Beziehung für mich verbindlich machen.
Ich habe mich jedenfalls ohne mit der Wimper zu zucken scheiden lassen, als die emotionale Komponente ein Ende gefunden hatte, trotz Kind, gemeinsamer Wohnung, gemeinsamen finanziellen Verpflichtungen und engstens verknüpftem Alltag.
Deshalb ist der Schluss, dass solche Beziehungen weniger wirklich, echt und verbindlich wären, so einfach falsch.
Ich finde es sogar irritierend, wenn den äußeren Verbindlichkeiten eine so große Rolle zugesprochen wird, sind doch die emotionalen Werte für mich der Kern einer jeden Beziehung und das, was richtig wehtut, wenn eine Beziehung endet.
wenn ich meine Beziehung als absolut gut und verbindlich betrachte, warum reicht es dann nicht aus ein eigenes Zimmer zu haben in das ich mich ggf. zurück ziehen kann?"
Wie VRod95 VRod95 brauche ich einfach regelmäßig das absolute Alleinsein. Keine Begegnungen im Flur, der Küche oder dem Bad, keine Gespräche, keine Rücksichtnahme.
Mit meinem Mann kann ich trotzdem gut zusammenleben, weil er maximal Rücksicht darauf nimmt und wir beide so oft mehrtägig nicht zuhause sind, dass ich mein Bedürfnis meist unterbringe. Corona war am Anfang auch deshalb für mich echt schrecklich.
anstatt mich mit meinem Partner zu einigen/zu arrangieren?
Worüber denn? Es gibt für mich schlicht nichts, wo Uneinigkeit herrscht?
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich glaube ehrlich gesagt, vielen gibt dieses "es ist jemand da" (egal ob "wenn ich heimkomme" oder "wenn ich traurig bin" oder wobei auch immer) so viel, dass man diese kleinen Streits und Nervigkeiten dafür in Kauf nimmt und sich sagt, das muss eh so sein.

Mir gibt das einfach nichts.
Ich "brauche" das nicht, dass jemand da ist, wirklich nicht. Wenn jemand nettes zu einem guten Zeitpunkt da ist, ist das immer ein Bonus, ja. Aber ich "brauche" es nicht, es fehlt mir eigentlich nichts, wenn es nicht so ist. Eigentlich stört es mich sogar :grin: Die besten Erinnerung habe ich an Momente, in denen ich alleine war. Klar ist es schön mit andern Menschen und einiges ist zu zweit sogar sehr viel schöner. Aber sicher ist das kein Faden, der sich durch mein Leben zieht.
Ich bin GERNE wochenlange allein in meiner Wohnung, gewählt, nicht gezwungen.

Und diese Haltung, dass man Negatives haben MUSS und aussitzen MUSS, damit man Positives haben kann, gehört für mich in die preußische Pflichterfüllung und das katholische Himmelsprinzip :zwinker:

Welche Regel außerhalb dieser Prinzipien gibt vor, dass ich eine gewisse Menge Negativität unbedingt haben MUSS? Wenn ich die Chance habe, immer dann Kuchen zu haben, wenn ich Kuchen haben will - warum sollte ich dann trocken Brot essen?
Weil es "dazu gehört?" Tut es doch gar nicht in meinem System? Das ist doch "selbstgemacht" dass es dazugehören muss. Mir fehlt einfach der Befriedigungsmechanismus, Verzicht oder Hindernisse ausgestanden zu haben, wenn ich von vornherein weiß, diese Hindernisse müssten gar nicht da sein. Dieses Brot könnte ganz realistisch auch Kuchen sein.

Also klar, ganz generell, muss man im Leben unangenehme Dinge tun und Probleme lösen, ja. Aber warum muss ich sie mir MACHEN um einen Echtheitscharakter für andere darzustellen, wenn ich sie in dem Bereich doch auch vermeiden könnte? Ich kauf mir doch auch nicht zu kleine Schuhe, damit ich barfuß gehen dann mehr schätze, wenn ich direkt passende Schuhe haben kann??
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Es gibt (idR) keinen gemeinsamen Mietvertrag, kein gemeinsames Auto, keine gemeinsamen Versicherungen, kein gemeinsames Konto, keine gemeinsamen Anschaffungen, die man irgendwie auseinander-fummeln müsste.
Nein. Das ist schlichtweg falsch. Mit meiner Ex-Frau (wir haben 14 Jahre in getrennten Wohnungen und die letzten 5 Jahre in einer gemeinsamen Wohnung gelebt - und nein, die gemeinsame Wohnung war nicht der Trennungsgrund :grin:) hatte ich schon im ersten Jahr eine gemeinsame Waschmaschine gekauft (was als Student schon eine merkliche Ausgabe war), später hatten wir ein gemeinsames Auto, ein gemeinsames Konto (eher ein Sparkonto für gemeinsame Anschaffungen) hatten wir ebenso.
Ich weiß echt nicht, woher diese schwarz-weiß-Denke kommt, nur, weil man gerne traditionell lebt...


Natürlich ist das "weniger Verbindlich".
Und noch einmal, auch wenn eine bestimmte Gruppe User hier immer so tut, als ob das ein echter Fakt wäre: wieso ist ein kalter, emotionsfreier juristischer Vertrag verbindlicher, als ein total inniges zugewandtes Paar, das den Rest seines Lebens miteinander verbringen möchte, aber eben in getrennten Wohnungen? Einen Vertrag kann man jederzeit auflösen, eine Beziehung, in der man wirklich liebt, nicht.
 

Benutzer186405  (50)

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich glaube ehrlich gesagt, vielen gibt dieses "es ist jemand da" (egal ob "wenn ich heimkomme" oder "wenn ich traurig bin" oder wobei auch immer) so viel, dass man diese kleinen Streits und Nervigkeiten dafür in Kauf nimmt und sich sagt, das muss eh so sein.
Wenn ich traurig bin finde ich das, nicht immer, aber oft, sogar belastender. Da will ich hemmungslos schluchzen oder bewegungslos rumliegen ohne gehemmt darauf zu achten, dass ich mit diesem Verhalten auch jemand anderen berühre.
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Wenn ich traurig bin finde ich das, nicht immer, aber oft, sogar belastender. Da will ich hemmungslos schluchzen oder bewegungslos rumliegen ohne gehemmt darauf zu achten, dass ich mit diesem Verhalten auch jemand anderen berühre.

Off-Topic:
Geht mir auch so, aus Rücksicht, niemanden zu verstören bin ich in Gesellschaft nie so ... entspannt verzweifelt, wie ich es als Ventil alleine einfach auch brauche.
IMMER wenn ich Belastungen irgendwohin kommuniziere endet es damit, dass ich mich gezielt zusammenreiße und beteuere, ist nicht so schlimm, weil mich die Überforderung des Gegenübers zusätzlich stresst. Allerdings lebe ich auch hinter permanenten Schilden gegen die projizierten Emotionen meines Umfelds und je platter ich bin, desto dünner ist das Schild. Dann trifft mich nicht nur meine eigene Überforderung, sondern auch die des Gegenübers mit voller Wucht. Alleine ist es so viel besser.
 

Benutzer186405  (50)

Sorgt für Gesprächsstoff
IMMER wenn ich Belastungen irgendwohin kommuniziere endet es damit, dass ich mich gezielt zusammenreiße und beteuere, ist nicht so schlimm, weil mich die Überforderung des Gegenübers zusätzlich stresst.
Kommt noch hinzu, dass ich mich dann auch meist nicht erklären möchte o.ä.
Die Anteilnahme des anderen, wenn ich bspw. heulend zusammenbreche, ist zwar durchaus nachvollziehbar, ich möchte aber nur heulend zusammenbrechen und nicht erklären warum ich heulend zusammenbreche.
 

Benutzer186759  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
wieso ist ein kalter, emotionsfreier juristischer Vertrag verbindlicher, als ein total inniges zugewandtes Paar, das den Rest seines Lebens miteinander verbringen möchte, aber eben in getrennten Wohnungen?
Ich hab überhaupt keine Wertung vorgenommen. Ich hab nur gesagt, dass gemeinsame Anachaffungen/Veträge/Konten Verbindlichkeiten sind (sag deiner Bank mal, dass dein Kreditvertrag keine Verbindlichkeit wäre, die husten dir eins 😉) und das sowas bei LAT-Paaren durch getrennten Wohraum weniger vorkommt.

Dass du eine gemeinsame Waschmaschine mit deiner Ex hattest ist ja schön. Nicht-LAT-Paare schaffen sich einen gemeinsamen Hausstand an.
Da muss bei der Trennung eben nicht entschieden werden, wer dem andern 200€ für die Waschmaschine gibt.

Ich versteh dich und ich weiß auch, dass nicht alle gleich sind, behaupte ich ja nicht. Daher sagte ich "idR = in der Regel" und nicht "generell" oder "immer".
Hier haben ja schon viele gesagt, sie wollen "IHREN Raum" haben.
Das beißt sich dann ein wenig für mich, dass man dann trotzdem alle möglichen Anschaffungen zusammen tätigt.
Mag vorkommen, vereinzelt (wie bei dir mit der Waschmaschine) oder auch gehäuft, aber ich denk schon, dass es bei einem Haustand häufiger weitaus mehr gemeinsame "Verbindlichkeiten" gibt, als bei zwei getrennten.
Wie gesagt: nicht emotional, aber sich finanziell aufeinander einzulassen ect ist eben auch eine Form von Verbindlichkeit, finde ich jedenfalls.
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Wie gesagt: nicht emotional, aber sich finanziell aufeinander einzulassen ect ist eben auch eine Form von Verbindlichkeit, finde ich jedenfalls.
Für mich nicht, tatsächlich.
Emotional ist die einzige für mich ernstliche Verbindlichkeit, alles andere lässt sich lösen.

Einen Kredit kann man auch gemeinsam abzahlen, wenn man jeweils bei neuen Partnern ist, ein Haus lässt sich verkaufen, oder eben regeln. Kinder lassen sich aufteilen und werden immer einen Teil im Leben haben, egal ob der andere Elternteil dabei ist oder nicht.

Ich finde, man hängt sich zu sehr an äußerlichen Verbindlichkeiten auf, weil man irgendeine Sicherheit will, dass es "hält" und weil man "das so macht, wenn man es ernst meint". ICH persönlich kann mich sehr viel leichter von Geld trennen, als von Gefühlen.
Das einzige was mir in einer Trennung je weh getan hat, war der Verlust von dem, was das erste Jahr versprochen hat, was sein könnte. Geldverlust könnte mir niemals so weh tun, wie zerbrochene Träume.

Jemanden also wieder in mein Leben zu lassen, in so enger Verbindung, dass er die Macht hat, meine Träume zu zerschlagen ist die einzige Verbindlichkeit, die mich wirklich "bindet".

Das ist einfach eine Frage der Definition wem gegenüber etwas verbindlich ist - mein Kredit ist nicht meinem Partner, sondern meiner Bank gegenüber verbindlich. Und so weiter.
Kinder sich auch MIR verbindlich, nicht uns gemeinsam als Einheit. Alles lässt sich lösen - am schwersten und am schmerzhaftesten aber die emotionalen Teile. Und dort meistens die des "was hätte sein können" mehr als die des "was wirklich ist".

(...ich habe weder Kredite noch Kinder mit jemandem :zwinker: das sind Formulierungen zur Lesbarkeit)
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Da muss bei der Trennung eben nicht entschieden werden, wer dem andern 200€ für die Waschmaschine gibt.
Äh, doch. Und für die Spülmaschine und den TK-Schrank und das gesamte Mobiliar und dieses und jenes und für diese scheiß-teure pottenhässliche Deko-Vase, die sie auf einmal angeschleppt hatte, auch :grin:


Hier haben ja schon viele gesagt, sie wollen "IHREN Raum" haben.
Das beißt sich dann ein wenig für mich, dass man dann trotzdem alle möglichen Anschaffungen zusammen tätigt.
Nochmal: wieso dieses schwarz-weiß-Denken? Was ist so schwer daran, zu verstehen, dass sich Menschen einfach mehr Freiheiten nehmen als Andere? Ich kenne z.B. ein Paar mit getrennten Wohnungen aber einem gemeinsamen Mega-Luxus-Wohnmobil (das ja schon den Gegenwert einer kleinen ETW hat), mit dem sie ständig - meist gemeinsam, aber auch alleine - unterwegs sind.
Ein anderes Paar hat eine gemeinsame FeWo an der See. Es muss doch nicht zwingend dieses entweder-oder geben (was übrigens auch ein Grund ist, warum ich solche neudeutsch-dummen Begriffe wie hier "LAT" nicht gerne benutze. Denn diese Schubladisierung engt die Beschreibung und damit das Verständnis eines (in diesem Fall) Lebensmodells extrem ein. Wie man ja auch an der Diskussion hier sieht.


Off-Topic:

finde ich jedenfalls.
Völlig ok. Klingt halt auch ganz anders als "Das ist Fakt" :zwinker:
 

Benutzer186759  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Äh, doch. Und für die Spülmaschine und den TK-Schrank und das gesamte Mobiliar und dieses und jenes und für diese scheiß-teure pottenhässliche Deko-Vase, die sie auf einmal angeschleppt hatte, auch :grin:
Ja das meine ich ja. Hab ich mich blöd ausgedrückt/ein Wort vergessen.
Ich meinte "man muss dann nicht NUR klären, wer die Waschmaschine bekommt", sondern eben den kompletten Haustand.

Das Ganze ist halt ne individuelle Philosophie-Frage.
Wie schon erwähnt: ich hab auch gerne meine Ruhe. Bin gerne auch mal allein.
Die Bude einzurichten, wie ich will, ist toll.
Mein Zeug hinzustellen, wo ich will? Super Sache.
Für mich selbst bedeutet Partnerschaft dann aber eben, dass ich nicht "Ich und wer anderes, zusammen" bin, sondern ein "wir" drauß wird.
Und für mich selbst gehört, für was Langfristiges, Ernstes, ein gemeinsames Leben eben auch dazu, dass man Wohnraum und Besitz zu großen Teilen teilt.
Erst dann ist das für mich ein richtiges, verbindliches "wir".

Da kann jeder seinen Ansatz wählen wie er mag, ist ja völlig legitim. Am Ende des Tages muss jeder glücklich sein, das ist die Hauptsache 😉
 
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