interpretatorische Freiheit bei Klavierstücken

Benutzer23445 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo,

wenn man ältere Klavierstücke spielt (z.B. "Für Elise"), dann ist man ja auf die Noten angewiesen. Originalaufnahmen vom Komponisten gibts in der Regel nicht (wobei es hier sogar Ausnahmen gibt), naheliegenderweise. Wenn man sich Aufnahmen dieser Stücke von aktuellen Pianisten anhört, dann stellt man fest, dass diese immer exakt nach den Noten spielen. Ich finde jedoch (und neige auch dazu), wenn man in die Stücke ein bisschen Theatralik und eigene Interpretation hineinlegt, hier und da ein Päuschen und so, dann wirken sie viel lebendiger, während die "Originalaufnahmen", die man so auf CD hört, doch eher hölzern klingen (halt "Noten-exakt").

Ich frage mich, was ist nun "richtig"? Der Komponist war ja darauf angewiesen, sein Stück in der "urform" auf Notenpapier festzuhalten, aber hat er es auch so gemeint? Spielt man falsch, wenn man da ein bisschen von abweicht, oder ist das durchaus im Sinne des Komponisten, der mit seinen Noten letzendlich nicht das fertige Stück, sondern nur die Blaupause dazu abliefert, welches man dann selber interpretieren kann? Oder ist nur exakte, notengetreue Wiedergabe das einzig richtige?

Was meint ihr?

Gruß
Jan
 

Benutzer23631  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Hallo Jan!

Ich glaube, daß es absolut in Ordnung ist, wenn Du die Stücke nach Deinen Inspirationen veränderst (*schwell*). Jeder Pianist oder Klaviervirtuose, gibt den Sachen die er spielt, eine eigene Note. Jeder Mensch, der solche Musik gerne hört, hat seine "Lieblingkünstler" in dem Gebiet.

"Der Komponist war ja darauf angewiesen, sein Stück in der "urform" auf Notenpapier festzuhalten[...]"

Man sagt ja nicht umsonst "Geschriebenes ist tot". Natürlich kannst Du die Stücke nach belieben modellieren.

Gruß Jan
 
A

Benutzer

Gast
Der Aussage, daß zeitgenössische Pianisten die Stücke "noten Exakt" spielen, kann ich nicht zustimmen.

Alle guten Pianisten interpretieren die Stücke anders. Es sind aber nur Nuancen. Feinheiten, die die Musik erst ausmachen.
Schlechte Pianisten neigen allerdings dazu, bei der Interpretation maßlos zu übertreiben. Das Stück hört sich dann schwülstig und ordinär an. :zwinker:

Ich finde es schon etwas vermessen, von Pianisten, die immerhin Jahre studiert haben und sich in der Regel mit dem Werk, der Person des Komponisten und mit Musikinterpretation im Allgemeinen ausgiebig auseinandergesetzt haben, zu behaupten, ihr Spiel wäre hölzern.

Versuche lieber, von ihnen zu lernen!

P.S. Als ich angefangen habe, Klavier zu spielen, habe ich auch "emotional überschwenglich" gespielt. Wenn ich das heute höre, kommt mir das kalte Grausen.
Das ist wie mit Wein - zuerst mag man nur den billigen, süßen Wein. Später neigt man eher zu trockenen, hochklassigen Weinen.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Hallo Jan

Ich spiele Violine und nur nebenbei ein wenig Klavier, aber ich denke, das Problem ist das gleiche.
Es kommt halt auch drauf an, ob ich für mich allein spiele, dann inprovisiere ich manchmal und erlaube mir sehr grosse Freiheiten, oder ob ich z.B. für die Maturnote vorspielen muss, wo dann so grämliche Experten beiwohnen (oder "beischlafen" und dann durch Fehler geweckt werden). Wenn du mit Anderen zusammen spielst, kannst du dir vieleicht noch weniger Willkür erlauben.

Profis werden dann an Standards gemessen, auch diese sind aber der Mode unterworfen und nicht für immer gültig.
Ich habe vor dem Matura Vorspiel auch CD's angehört, aber ich musste dann doch meine eigene Version spiele.

Abgesehen davon glaube ich dass es unter den Pianisten auch relativ musikferne Tastensportler gibt, die einen Coach haben. Der bringt ihnen dann mühsam bei wie sie die Sache zu spielen haben, nebenbei auch noch wie sie auf dem CD Cover aussehen, welche Hobbies sie outen sollen usw.
 
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