In Deutschland ist kein Platz für einen liebenswerten Menschen

Benutzer23616 

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Aber, leider: das muss man so hinnehmen, wenn man nicht eine echt gute Idee hat, wie man auf halblegalem Wege zum Ziel kommen kann.
Denn, ja: ich glaube, wenn ein Gesetz das absolut fundamentale Gerechtigkeitsempfinden verletzt, sollte man versuchen, sich zur Wehr zu setzen. Denn sonst endet man irgendwann moralisch da, wo die Leute waren, die andere Leute in Zugwaggons gen Osten geschickt haben.

Mich stört diese blinde Gesetzesgläubigkeit auch.

Ich kann ja mal eine Anekdote erzählen, die positiv lief. Wir hatten in der Schule einen Jungen (7. Klasse), der sehr gut in der Schule war, hätte locker sein Abi gemacht etc. Blöderweise Serbe, und die Region kühlte sich weiter ab, d.h. galt als sicher. An einen Schulabschluss oder vergleichbares war dort aber nicht zu denken, wegen der Infrastruktursituation.

Er sollte mitsamt der Familie abgeschoben werden. Die waren auch alle voll integriert.

Wir habens dann über eine Öffentlichkeitskampagne, öffentliche Androhung zivilem Ungehorsams ("Schulasyl") und eine Petition an den Landtag geschafft das die Aufenthaltsgenehmigung bis zu seinem (Leider nur Hauptschul-) Abschluss verlängert wurde.

Insofern: man kann was tun! Es gibt auch bei Euch Flüchtlingsräte, -initiativen oder wie auch immer die sich nennen. Die wissen im ersten Schritt weiter.
 
A

Benutzer

Gast
Länder wie den Irak oder Afghanistan als "sicher" zu bezeichnen ist schon ein absoluter Hohn, das ist schlicht pervers. Ich erinnere mich noch an einen Artikel aus der Zeit, ist auch Online: Zurück in den Krieg
Wo es um die Diffenrenzen zwischen Auswärtigem Amt und dem Beschluß der Innenministerkonferenz über Abschiebungen nach Afghanistan (und Irak) geht. Denn das AA hält die Lage keineswegs für "sicher", im Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage in Afghanistan, der im Juni des vergangenen Jahres verfasst wurde, heißt es:

»Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich nicht verbessert«. Allerorts würden »gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen« toben. Vor allem Frauen würden in den Kriegswirren systematisch Opfer von Verbrechen. Es gebe ständig »Übergriffe gegen Frauen und Oppositionelle« durch Warlords. Frauen könnten nicht mit einer »Verwirklichung elementarer Menschenrechte« rechnen, da der Geist der Taliban weiter herrsche. Und wenn sich Frauen nach Sexualverbrechen an staatliche Stellen wenden, würde dies oft »mit ihrer Inhaftierung enden«. Conclusio des Berichtes: Abschiebungen nach Afghanistan »sind nicht ohne Risiko für Leib und Leben möglich«.

Das Dein Freund in fünf Jahren auch noch die Sprache gelernt und sich integriert hat, besonders bitter. Das nicht umsonst zu den Grundrechten im Grundgesetz zählende Asylrecht ist schlicht nicht mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde. Und ausgerechnet der von Roland Schill nomierte Udo Nagel war der Hansel, der vermutlich bestens bewacht von der BW eine Tour durch Kabul machte und meinte, alles bestens, Kabul sei sicher.

Und das verrückte ist, es geht gerade einmal um 16.000 Menschen. Damit sich ein paar profilneurotische Länderinnenminister "als harte Hunde" darstellen können, werden 16.000 Menschen zurück in die Hölle geschickt. Fünf Millionen Gastarbeiter waren kein Problem, als die Wirtschaft sie "brauchte", bei einer handvoll Kriegsflüchtlinge zeigt sich dann das wahre Gesicht Deutschlands.

Denn, ja: ich glaube, wenn ein Gesetz das absolut fundamentale Gerechtigkeitsempfinden verletzt, sollte man versuchen, sich zur Wehr zu setzen. Denn sonst endet man irgendwann moralisch da, wo die Leute waren, die andere Leute in Zugwaggons gen Osten geschickt haben.
Exakt so sehe ich das auch. Ich kenne ein Frankfurter Wohnprojekt die seit Jahren darum kämpfen einen afrikanischen Flüchtling zu schützen. Bisher mit Erfolg, wenn die Gesetze unmenschlich sind, muß man sich persönlich dagegenstellen. Öffentlichkeit suchen, Lärm veranstalten. Denn viele Gesetze mögen "gut gemeint" sein und werden oft auf ein bestimmtes "Problem" zugeschnitten. Doch wenn der Einzelfall nicht mehr wahrgenommen wird und die Ungerechtigkeit zum Himmel stinkt, dann muß man etwas dagegen tun.
LG
 

Benutzer65532 

Meistens hier zu finden
Hallo,

ich habe mittlerweile mit meinem Bekannten telefoniert.
Er lebt nun sogar seit sechs Jahren hier. Also ein Jahr mehr als ich dachte. Die Behörde hat ihm genau die Gründe als Abschiebungsanlass genannt, die ich vorher schon angeführt hatte.
Afghanistan gilt als sicher, er ist noch nicht lange genug hier, um bleiben zu können, also soll er wieder zurück.

Er hat sich jetzt mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt und so wie ich das verstanden habe, wird der Fall nochmal geprüft.
Er hat in den ganzen sechs Jahren weder Geld vom Arbeitsamt noch vom Sozialamt bezogen und arbeitet zur Zeit 15 Stunden am Tag. Das einzige was er sich in dieser Zeit hat zuschulden kommen lassen, war einmal mit einer Fahrkarte zu fahren bei der er verpeilt hatte, dass die seit einem Tag abgelaufen war. Aber das sollte ja kein Abschiebungsgrund sein.

Der Anwalt möchte nun ein Visum für ein weiteres Jahr erwirken.
Wenn er das durchsetzt und er in diesem Jahr weiterhin arbeitet ohne Mist zu bauen, wäre er dann lange genug da, um Chancen für einen dauerhaften Aufenthalt zu haben.

Ich wollte ihn schon zum Ausländerbeirat und sonstwohin schleppen. Aber es hörte sich nun schon alles nicht mehr so dramatisch an. Vielleicht wollte er mich jetzt auch einfach nur beruhigen. "Hey, ich lasse mich doch nicht einfach weg schmeißen", meinte er.

Er weiß auf jeden Fall, dass seine Freunde hinter ihm stehen und eine Abschiebung nicht einfach so hinnehmen würden ohne zumindest die legalen Mittel ausgeschöpft zu haben.

Ich hoffe, dass es doch noch Gerechtigkeit gibt.
Danke an euch.

Lg batida
 

Benutzer77549 

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Ich habe auf dem Sofa gesessen, geheult und mich geschämt, deutsche Staatsbürgerin zu sein.
äähh..hallo?:ratlos: Wenn ich jetzt gemein wär, würde ich sagen: Du kannst ja gerne wegziehen:grin:
Nee..also mal ganz im ernst
@TS tut mir echt Leid für deinen Kumpel:geknickt: aber freut mich zuhören das es noch chancen gibt
 

Benutzer78464 

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Der Anwalt möchte nun ein Visum für ein weiteres Jahr erwirken.
Wenn er das durchsetzt und er in diesem Jahr weiterhin arbeitet ohne Mist zu bauen, wäre er dann lange genug da, um Chancen für einen dauerhaften Aufenthalt zu haben.

na also, klingt doch schon besser! :jaa:

Er weiß auf jeden Fall, dass seine Freunde hinter ihm stehen und eine Abschiebung nicht einfach so hinnehmen würden ohne zumindest die legalen Mittel ausgeschöpft zu haben.
aha, aja. und dann? Kommen dann die illegalen oder wie darf man das verstehen?! :ratlos:
 

Benutzer67966 

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Wenn ich jetzt gemein wär, würde ich sagen: Du kannst ja gerne wegziehen:grin:

Und? Bist Du gemein?

aha, aja. und dann? Kommen dann die illegalen oder wie darf man das verstehen?! :ratlos:

Es gibt legale und illegale Mittel. Auch wenn es insgesamt schwierig werden könnte, will man die legalen Mittel zumindest ausschöpfen. Das empfindet die TS besser als fromm wie ein Lamm zur Schlachtbank zu laufen.

Ich finde den Sprachgebrauch jetzt nicht so zweideutig, dass ich dort hinein kriminelle Absichten interpretieren müsste. Es sei denn, ich suchte Streit.
 

Benutzer45395 

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sorry, aber ich finds gut, dass solche leute wie dein bekannter wieder in ihre heimatländer geschickt werden.

ich werde meine meinung auch kurz erleutern.
afgahnistan liegt nach dem ende des talibanregimes noch immer am boden. es braucht dringend afgahner und afgahnerinnen die gebildet sind und anpacken können und etwas neues aufbauen wollen. nach deinen äusserungen schliese ich, dass dein bekannter ein fleissiger und eben kein dummer mensch ist. solche sind die zukunft von afgahnistan. ihr land brauch sie, leute die sich nicht auf die taliban und el-kaida-scheisse einlassen. ohne solche menschen sehe ich keine zukunft für afgahnistan.
 

Benutzer76442 

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sorry, aber ich finds gut, dass solche leute wie dein bekannter wieder in ihre heimatländer geschickt werden.

ich werde meine meinung auch kurz erleutern.
afgahnistan liegt nach dem ende des talibanregimes noch immer am boden. es braucht dringend afgahner und afgahnerinnen die gebildet sind und anpacken können und etwas neues aufbauen wollen. nach deinen äusserungen schliese ich, dass dein bekannter ein fleissiger und eben kein dummer mensch ist. solche sind die zukunft von afgahnistan. ihr land brauch sie, leute die sich nicht auf die taliban und el-kaida-scheisse einlassen. ohne solche menschen sehe ich keine zukunft für afgahnistan.

Vergiss das bitte schnell wieder. Die Idee ist gut gemeint, wird aber nicht funktionieren!

Zum Thema:
Ich hatte jetzt so eine Idee. Ob es Euch etwas bringt, weiss ich nicht. Wenn sich Dein Freund als für seinen Arbeitgeber als unersetzlich erwiesen hat, könnte man das nicht bei den Behörden vorbringen?

Ansonsten trifft es genau dieser Satz: Summum ius, summa iniuria. Frei übersetzt: Das Gesetz wurde buchstabengetreu befolgt, das Ergebnis ist das größtmögliche Unrecht. Schade!
 

Benutzer23616 

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afgahnistan liegt nach dem ende des talibanregimes noch immer am boden. es braucht dringend afgahner und afgahnerinnen die gebildet sind und anpacken können und etwas neues aufbauen wollen. nach deinen äusserungen schliese ich, dass dein bekannter ein fleissiger und eben kein dummer mensch ist. solche sind die zukunft von afgahnistan. ihr land brauch sie, leute die sich nicht auf die taliban und el-kaida-scheisse einlassen. ohne solche menschen sehe ich keine zukunft für afgahnistan.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist m.E. momentan so katastrophal, das es die Menschenwürde gebietet, niemanden dahin abzuschieben.

Ich bin kein Experte, das ist meine aus der Presse entnommene Meinung.
 

Benutzer23616 

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Ich persönlich vertraue ja eher unserer Regierung als irgendeiner BILD-Zeitung :smile:

Ich meinte mit Medien seriöse Medien, sorry.

http://www.zeit.de/online/2008/02/Montagskolumne-Joschka-Fischer-Afghanistan schrieb:
Im Süden und Osten Afghanistans werden die Taliban militärisch stärker. Die Zahl der Selbstmordattentate und Sprengstoffanschläge hat sich überall im Land vervielfacht, und die Legitimation der Zentralregierung in Kabul unter Präsident Karsai hat weiter abgenommen. Der Aufbau der afghanischen Polizei hat sich (unter deutscher Führungsverantwortung, die mittlerweile von der EU übernommen wurde) zu einem Desaster entwickelt, der Rauschgiftanbau und -export haben ebenfalls kontinuierlich zugenommen, und in den umkämpften Gebieten stockt der Wiederaufbau.

http://www.merkur.de/2008_02_So_stark_wie_nie.25721.0.html?&no_cache=1 schrieb:
Die wichtigste Folge des Wiedererstarkens Al-Kaidas ist eine steigende Zahl von Anschlägen, die von ihrer Führung mitgeplant und mitorganisiert wurden. Dies betrifft vor allem Afghanistan und Pakistan

http://www.n24.de/politik/article.php?articleId=180989&teaserId=187074 schrieb:
Im Jahr 2004 kommt es zu drei Selbstmordanschlägen in Afghanistan. In den Jahren danach steigt die Zahl dramatisch.

2005 zählen die Vereinten Nationen bereits 17 Männer, die im Glauben an den Dschihad und das ihnen versprochene Paradies ihr Leben opfern. Im Folgejahr nehmen die Selbstmordanschläge um mehr als das Sechsfache auf 123 zu. 2007 reißen über 140 Selbstmordattentäter mehrere hundert Menschen am Hindukusch mit in den Tod.

Diese Quelle hier wird dir besonders gefallen: das auswärtige Amt der Bundesregierung:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Afghanistan/Sicherheitshinweise.html schrieb:
Trotz Präsenz der Internationalen Schutztruppe ISAF kann es landesweit zu Attentaten kommen. Die Sicherheitskräfte der Regierung sind nicht in der Lage, Ruhe und Ordnung zu gewährleisten.

(...)

In weiten Landesteilen besteht keine medizinische Versorgung. Im Hinblick auf spezifische Krankheitsrisiken wird auf tropenärztliche Beratung verwiesen.
 

Benutzer17303 

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Ich diskutiere nicht mehr mit dir.

diese entscheidung und deine vorarbeit erspart mir einiges an schreibarbeit, weil ich beim lesen der beiträge eigentlich gerade einsteigen wollte. aber nachdem du das wesentliche schon gesagt hast, spare ich mir das. danke!
 

Benutzer8194  (37)

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wie wärs mit ner heirat?
nur mal so in den raum geworfen....
 

Benutzer17303 

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Wurde schon vorgeschlagen, gibt aber moralische Bedenken, die ja auch nicht von der Hand zu weisen sind.

naja die moral hätte sie meiner meinung nach da voll auf ihrer seite, wenn dann sinds rechtliche bedenken. legitimität geht halt oft nicht einher mit legalität.
 

Benutzer12616  (32)

Sehr bekannt hier
Immer wieder traurig, so etwas zu lesen, auch wenn wir uns vor Augen halten sollten, dass dies kein Einzelfall ist, sowas geschieht hier tagtäglich.

Ich bin aber erleichtert, dass die Welt noch nicht ausschließlich aus ignoraten Egoisten besteht, sondern es offenbar doch noch ein paar Wesen gibt, deren Gerechtigkeitssinn weiter geht, als bis zum Popstarsfinale.

Ich kann dir, Batida, leider keine konkreten Ratschläge geben, ich möchte euch Beiden aber ausreichend Glück wünschen, doch noch eine Lösung zu finden.

An dieser Stelle würde ich gerne mal auf http://www.proasyl.de/ verweisen, sofern es mir erlaubt sein sollte.
 
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