Ich wurde gezähmt...

Benutzer150061  (32)

Ist noch neu hier
Ich hoffe hier im Forum auf Menschen mit Lebenserfahrung zu treffen, die mir ein paar aufschlussreiche Gedanken zu meinem Problem mitteilen können.

Ich war drei Jahre lang mit jemandem zusammen. Vor kurzem sind wir auseinander gegangen. Es war keine sehr glatte Trennung. Eher ein Entgleiten, dass meiner Wankelmütigkeit zuschulden kam. Deshalb haben wir immer noch sporadisch (schriftlichen) Kontakt. Was ich ihr bei unserem letzten persönlichen Gespräch gesagt habe, war, dass ich sie nicht mehr liebe und dass es vielleicht das beste wäre, wenn wir uns trennten. Es kam einfach so aus mir heraus, jedoch ohne feste Überzeugung. Ich hatte auch Angst davor. Nur wollte ich sie nicht länger mit meinen Zweifeln quälen, die mich schon nach dem ersten Beziehungsjahr immer wieder geplagt haben und die ich stets offen geäußert habe.

Wir haben uns kennen gelernt, als ich gerade eine sehr schwierige depressive Phase hinter mir gelassen hatte. Unsere Beziehung war für mich die erste und gleichzeitig war sie der erste Mensch, den ich an mein Innerstes heran lassen konnte. Damals war ich 21. Aus der anfänglichen Freundschaft entwickelte sich eine intime Freundschaft und schließlich das, was man allgemeinhin "Beziehung" nennt (womit ich jetzt die zusätzliche körperliche Ebene meine). Leider musste ich mir und irgendwann auch ihr eingestehen, dass sich bei mir niemals leidenschaftliche Gefühle eingestellt hatten, wie ich sie aus Phasen des unglücklichen Verliebtseins kannte. Das war möglicherweise der Hauptauslöser meiner immer wiederkehrenden Zweifel.

Unsere Geschichte nagt immer noch an mir. Ich möchte eigentlich an zwischenmenschliche Beziehungen glauben. Leidenschaft ist doch nur eine vergängliche Facette in der Liebe, die langfristig nicht viel Wert hat.

Ich habe mir eine Pro- und Contraliste für unsere Beziehung gemacht:

Pro:
+ Sie und ich waren Seelenverwandte, teilten den gleichen Humor, viele Ansichten und Interessen (Musik, Reisen, Kochen etc.)
+ wir konnten offen über alles sprechen, selbst Eifersucht war kaum ein Problem
+ wir waren intellektuell auf Augenhöhe
+ sie war sportlich, schlank, modisch und generell alles andere als hässlich

Contra:
- in der Beziehung herrschte kaum Leidenschaft, wir waren herzlich zueinander, aber irgendwo auch nüchtern
- sie entsprach nie meinem optischen "Idealtypen"
- sie hatte manchmal eine bestimmte Ausdrucksweise und eine harte Art ihre Stimme einzusetzen, was ich manchmal als unsexy empfand
- der Sex wurde aus diesen Gründen immer seltener
- ich verspürte manchmal noch einen großen Drang weitere sexuelle Erfahrungen außerhalb der Beziehung zu sammeln

Ich will daran glauben, dass die negativen Punkte zu bearbeiten sind. Ich weiß nur nicht wie. Ich war damit überfordert. Wir haben auch über alternative Beziehungsformen gesprochen, aber damit war sie nie einverstanden. Vielleicht habe ich solche Themen auch zu unsensibel angesprochen. Schließlich beteurte sie mir immer wieder, dass sie mich tatsächlich inbrünstig liebe und ich sie damit verletzen würde.

Ich habe das Gefühl, dass unser Leben durch die vergangenen drei Jahre miteinander verwoben wurde und ich deshalb eine Verantwortung für sie trage.
Auf der anderen Seite bin ich gerade in einer Phase in der ich erstmals ein solides Selbstvertrauen entwickele (ich frage mich, ob unsere "Trennung" das nicht auch begünstigt hat) und ich verspüre das Bedürfnis mich noch etwas auszuprobieren. Ich möchte meine Freiheit auch mal auskosten, statt wie bislang nur Angst vor ihr zu haben.

Ich bin sehr gespannt, was ihr zu meiner Geschichte sagt!
Vielen Dank für's Lesen :smile:
 
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Benutzer130914  (36)

Beiträge füllen Bücher
Ich möchte dir in erster Linie mal einen Orthographie-Oskar überreichen - ich musste nicht den Deutsch-Facebook / Facebook-Deutsch Duden zur Hand nehmen :smile:

Ich muss aber dennoch fragen, WAS genau du denn nun wissen möchtest von "Menschen mit Lebenserfahrung"? Mir scheint das allgemeine Problem entgangen zu sein. Überlegst du ob man die Beziehung reanimieren könnte? Oder weil du glaubst die Verantwortung für sie mitzutragen?

Vielleicht kannst du darauf nochmal kurz eingehen. Ich finde das Verhalten prinzipiell sehr angemessen und auch reif, kann dich in gewissen Dingen verstehen. Allerdings weiß ich nun nicht ob du dafür nur die Bestätigung suchst oder dir jemand ins Gewissen reden soll? :ashamed:
 
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Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Für mich klingt das so wie Du es beschreibst - inklusive Deiner Pro-Kontra-Liste - sehr nüchtern und leidenschaftslos. Eben so wie Du schon sagst, dass Deine Gefühle für sie eher einer tief empfundenen Freundschaft entsprechen, als einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung. Es scheint Dir in der Beziehung einfach auch an Attraktion und sexueller Spannung gefehlt zu haben - und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ihr daran groß arbeiten können hättet.

Von daher war die Trennung wohl ein richtiger und nötiger Schritt - Ich sehe es nämlich durchaus so, dass auch eine langfristige Beziehung etwas Feuer, Spannung und Leidenschaft braucht. Nicht immer und rund um die Uhr, aber immer wieder. Von daher kann ich Dir eigentlich nur raten, jetzt wirklich mit dieser Beziehung abzuschließen, Deine Freiheit etwas zu genießen und zu schauen was kommt. Es könnte gut sein, dass Du Dich dann irgendwann wenn Du dann mal die richtige kennen lernst selbst überrascht, mit dem was diese Spannung und Gefühle Dir geben können. Und Dich fragst, wie Du auf den Gedanken kamst, darauf vielleicht dauerhaft verzichten zu können. :zwinker:
 

Benutzer150039  (24)

Ist noch neu hier
Es fehlt das gewisse etwas in eurer Beziehung.

- Das ist das einzige was ich noch ergänzen kann.
 
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