Freunde Ich würde am liebsten vor meinem eigenen Leben davon laufen

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Benutzer110765 

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Hallo Community,
ich glaub ich muss hier ein bisschen ausschweifen, entschuldigt bitte.
Ich hab immer mal wieder Phasen, in denen es mir sehr schlecht geht. Ich hatte früher Depressionen, die ich durch eine Therapie weitestgehendst in den Griff bekommen habe. Doch es kommen immer mal wieder Tiefs, weil ich mit meinem Leben höchst unzufrieden bin. Ich möchte das ändern, doch ich bin meist unfähig bzw. bekomme dies durch mein sehr geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl einfach nicht hin.

Vor drei Jahren bin ich in eine Großstadt gezogen, weit weg von meinen Eltern. Das war ca. 1 Jahr nach meiner Therapie. Dieser Schritt war sehr wichtig für mich, weil meine Depressionen durch meine Lebensumstände ausgelöst wurden. Keine Freunde, keine Hobbies, Streit mit den Eltern, Stress in der Schule, unglückliche Kindheit. Ich war zu der Zeit schon 4 Jahre mit meinem Exfreund zusammen. Wir sind zusammen her, aber in getrennten Wohnungen.
Das erste Jahr ging es mir wirklich sehr schlecht. Die Umstellung hat mir doch sehr zu schaffen gemacht, genauso wie der tägliche Stress als Studienanfängerin und die immer weiter zerbröckelnde Beziehung zu meinem Exfreund.
Hier hat mir eine ehemalige Freundin sehr geholfen, nennen wir sie Tina.
Tina und ich befanden uns in etwa derselben Situation und waren ziemlich froh, dass wir uns hatten. Ich hegte von meiner Seite aus eigentlich eine sehr gute Beziehung zu Tina und hatte Freundschaft in diesem Maße noch nie kennen gelernt. Wir unternahmen viel, lenkten uns gegenseitig von unserem Kummer ab, gaben uns gegenseitig Halt in schwierigen Situationen. Sie half mir mich von meinem Exfreund abzukapseln, bis ich mich von ihm trennte, sie war für mich in der Trennungszeit da. Wir versprachen uns, dass wir uns gegenseitig hochziehen werden, Freunde finden und ein gutes Leben führen.
Irgendwann lernte Tina ihren Exfreund kennen. Die beiden waren schon ein paar Monate zusammen, als sie mich in seinem Freundeskreis vorstellte. Ich, gerade frisch getrennt, fühlte mich wie die Königin der Welt. Ich sprudelte vor Selbstbewusstsein, mir ging es so gut wie noch nie.
In diesem Freundeskreis lernte ich einen jungen Mann kennen. Nennen wir ihn Julian. Ich verliebte mich unglaublich in ihn. Es dauerte einige Monate, bis wir zusammen kamen. Darauf folgten ein wunderbares nächstes halbes Jahr. Alles war perfekt, ich war verliebt wie noch nie. Die Beziehung erfüllte mich ganz und gar. Die Freundschaft zu Tina bestand weiterhin und auch, so machte es zumindest den Anschein, nahm mich sein Freundeskreis herzlichst auf. Alles lief perfekt, ich war so glücklich und mir ging es so gut.

Doch irgendwann wurde alles ganz anders. Tinas leben änderte sich von einem auf den anderen Moment sehr stark. Ihre Eltern trennten sich, kaum verkraftbar für sie. Ihre Lebensbasis löste sich auf.
Sie wurde dadurch ein ganz anderer Mensch. Verschloss sich, weinte viel. Ich kam nicht mehr an sie ran.
Irgendwann hörte sie von einem auf den anderen Tag auf mit mir zu sprechen. Ich verstand es nicht, versuchte mit ihr zu reden, mich zu verabreden. Wir sahen uns sehr oft (durch den Freundeskreis meines Freundes), saßen stillschweigend nebeneinander am Küchentisch, sie blockte mich ab. So vergingen einige Monate.
Ich war zu tiefst verletzt, hatte eine gute Freundin verloren. War wieder enttäuscht worden, bekam selbstzweifel, fing an mich zu fragen, was an mir falsch sei. Irgendwann schluckte ich es einfach und wollte wieder stark und selbstbewusst sein. Ich fing an mich über sie zu ärgern, mich emotional von ihr zu trennen.

Mit dem Freundeskreis meines Freundes lief es indessen nicht so besonders gut, wie es am Anfang aussah und wie ich es mir erhoffte (und immer noch erhoffe).
Ich hatte/habe die ganze Zeit immer nur das Gefühl, dass ich eine Art Mitbringsel bin. Ich bin dort kein eigener Mensch, sondern Julians Freundin.
Man muss dazu sagen, ich bin ein sehr verschlossener Mensch. Ich habe große Anlaufschwierigkeiten. Es gibt Menschen, mit denen verstehe ich mich auf Anhieb, kann stundenlang mit ihnen quatschen (z.B. Tina), doch diese Menschen sind sehr selten. Mit allen anderen Menschen habe ich so meine Schwierigkeiten, ich kann schlecht auf sie zugehen. Gehen sie nicht auf mich zu, dann passiert eigentlich so gut wie garnichts. Und von diesen Personen ging/geht leider niemand auf mich zu.
So fühlte ich mich in den Monaten auch immer weniger geborgen in Julians Freundeskreis.

Eines Tages schrieb mich Tina an, sie habe sich von ihrem Freund getrennt. (Ich wusste, dass sie dieses Vorhaben schon länger in die Tat umsetzen wollte)
Ich fragte nach, wie es ihr geht, ob mit ihr alles in Ordnung sei. Sie bejahte dies. Dann machte ich mir weiter keinen Kopf, verbrachte ganz normal meinen Unitag.
Abends fragte sie mich, ob wir was machen können. Ich war seit Wochen verabredet und schlug vor, dass sie doch mitkommen könne. Im Endeffekt tat sie dies auch, obwohl sie vorerst noch Angst davor hatte, ihrem Exfreund zu begegnen.
So vergingen wieder einige Wochen, wir redeten kaum miteinander. Doch ich merkte, wie es ihr von Tag zu Tag besser ging.
Jedoch merkte ich auch etwas anderes. Sie fing an, sich in dem Freundeskreis ihres Exfreundes und gleichzeitig auch Freundeskreis meines Freundes, eine richtig gute Stellung aufzubauen. Sie schloss mit allen möglichen Menschen tiefe Freundschaft. Gleichzeitig merkte ich, dass die Menschen in diesem Freundeskreis noch viel verschlossener und abweisender zu mir wurden.

Heute sieht es so aus, dass ich mich noch nie so unwohl in Julians Freundeskreis gefühlt habe wie jetzt. Ich habe das Gefühl, dass Tina irgendwann anfing gegen mich zu intrigieren. Dies äußert sich durch Verhaltensweisen von bestimmten Personen, die mir nur so erklärbar sind.
Ich wusste vorher schon, dass man es sich mit ihr eigentlich nicht verscherzen darf.
Sie ist ein sehr egoistischer Mensch und steht gerne im Mittelpunkt, hat immer recht, ihr gehört eben die Welt. Das sie über andere Menschen schlechte Dinge sagt (die zum größten Teil nur auf ihre subjektive Wahrnehmung, Zickereien, Eifersüchteleien beruhen), habe ich in der Zeit in der ich noch mit ihr befreundet war selbst zu gut kennen gelernt. Ich habe dann versucht mich dort rauszuhalten.
Jetzt ist es nunmal so, dass sie sich mit den Menschen, über die sie früher schlecht bei mir geredet hat zusammen geschlossen hat. Von diesen werde ich gnadenlos ignoriert und ausgeschlossen. Diese Menschen gehören jedoch auch zu dem Freundeskreis von Julian, wäre dies nicht so, wäre es mir ja sonderlich egal.
Ich habe irgenwann versucht, mich mit ihr auszusprechen. Dabei kam raus, dass sie unglaublich darüber beleidigt ist, dass ich nicht an dem Tag, als sie sich von ihrem Freund trennte alle Hebel in Bewegung setzte, um zu ihr zu fahren, mit ihr was zu unternehmen, dass ich sowieso immer zu allem Nein sagen würde und für nichts Geld hätte, darauf hätte sie keine Lust (dabei hat sie sich wochenlang nicht bei mir gemeldet, meine Versuche sich zu verabreden ignoriert).

Eigentlich habe ich auf solche Kindereien keine Lust. Jedoch leide ich so sehr unter der jetzigen Situation, dass ich jetzt hier so gut wie niemanden mehr habe. Von Julian mal abgesehen. Doch dem kann ich nicht 24 Stunden am Tag an der Backe hängen. Außerdem sind es seine Freunde um die es hier geht.
Ich fühle mich unglaublich alleine und unwohl. Ich vergrabe mich immer mehr zuhause, steigere mich in meinen Unikram rein. Ich sitze so sehr in einem Tief, dass ich seit Wochen überlege, ob ich die Stadt nicht einfach mit Sack und Pack verlassen soll.
Doch 1. muss ich meinen Abschluss machen und 2. ist meine Beziehung zu Julian so sehr gewachsen, dass ich diesen auf keinen Fall verlassen möchte, auch er würde daran zerbrechen.
Mein Selbstbewusstsein ist durch diese Sache so eingeknickt, es ist nicht mehr vorhanden, wenn es dies denn jemals war.
Ich frage mich täglich, was an meiner Person eigentlich so falsch ist. Ich dachte immer ich wäre eine ganz nette und evtl. auch liebenswerte Person. Ich hasse es, wie mit mir umgegangen wird.
Ich fühle mich, als ob ich in einer Spirale gefangen bin, aus der ich keinen Ausweg finde.
So hab ich mir mein Leben hier nicht vorgestellt.

Leicht verzweifelt,
Orangen-Limonade
 

Benutzer35148 

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Befürchtest Du dass Julian doch mehr zu Tina halten dürfte, und dass er doch immer wieder etwas mit ihr tun will?

Eigentlich hast Du die beste Entschuldigung dafür, Dich von ihnen fern zu halten: Dein Uni-Stress.
Auch wenn man sich gewisse Auszeiten gönnen sollte, ein Freundschaftskrieg gehört nicht dazu.
Wenn Du Dich in den falschen Kreisen fühlst, fahre den Kontakt zu diesen Personen zurück.
Kennst Du nicht genügend andere nette Studenten?
Mach Deinen Abschluß und zieh dann um und pfeif auf die anderen. Es gäbe wohl nur unnötigen Stress mit ihnen.
Es geht um Dich.
 

Benutzer110765 

Benutzer gesperrt
Nein, Julian verabscheut Tina. 1. Wegen den Spielchen, die sie mit mir getrieben hat, 2. wegen den Spielchen die sie mit ihrem Exfreund getrieben hat. Er hat sie schon ziemlich früh durchschaut.
Julian hält immer zu mir und findet es einfach unmöglich, was seine Freunde mit mir treiben.
Und vor allem, dass sie bei diesen Spielchen mitziehen, obwohl sie Tina erst seit wenigen Monaten richtig kennen und mir, der Freundin eines langjährigen Freundes, keine Chance mehr geben.
Ich möchte hier mal anmerken, dass die Menschen um die es hier geht alle zwischen 21 und 28 Jahren alt sind, größtenteils Studenten. Ich fühl mich manchmal wie im Kindergarten.

Der Uni-Stress hält mich ja auch größtenteils von ihnen fern.
Ich möchte aber hier mal ganz deutlich betonen, dass ich keine knallharte Karriere-Frau bin. Mein Studium und vermutlich auch später die Arbeit, wird mich in meinem Leben nicht erfüllen. Das ist ja das Problem.
Ich wünsche mir einen guten Job, der mir gefällt, um meine Familie zu ernähren. Das ist auch ein realistisches Ziel für mich, dass ich durchaus erreichen werde. Jedoch habe ich im Leben eigentlich andere Prioritäten. Dazu gehört Familie, Liebe, Freundschaft. Das Studium alleine füllt mich einfach nicht aus, wenn es dies tun würde, dann säße ich nicht hier um zu schreiben. Ich fühle mich eher hundselend, weil ich den ganzen Tag nichts mehr anderes tu, weil ich mich ablenken möchte und auch nicht so recht weiß, wohin mit mir. Weil ich außer Julian kaum noch jemanden hier habe.

Mit Julian bin ich jetzt auch schon 1,5 Jahre zusammen. Das verhält sich auch nicht so einfach. Er und ich haben uns einfach gefunden, wir wollen auch nicht mehr ohne den anderen sein. Unsere Liebe ist dafür schon zu stark und wächst von Tag zu Tag. Ich habe mich in einer Beziehung noch nie so gut gefühlt. Wir verstehen uns ohne Worte, vertrauen uns blind, streiten niemals, haben wunderbaren Sex und erfreuen uns an jeder Minute, die wir an dem anderen haben. Ich habe oft das Gefühl, dass er der Richtige für mich ist. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als das es mir wieder gut geht und ich in seinen Freundeskreis integriert werde.

Richtige Freundschaft zu erleben, ist eine der Erfahrungen, die ich in meinem Leben gerne mal machen möchte. Freundschaft ohne Enttäuschungen.
Deshalb war es auch immer ein sehr großer Wunsch, in diesen Freundeskreis integriert zu werden.
Ich hatte auch genug Zeit. Doch aufgrund meiner übermäßigen Schüchternheit, Verschlossenheit und auch Angst (da ich schon viele sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe), hat diese Zeit dann doch nicht gereicht. Ich hätte eben wohl noch ein bisschen länger gebraucht.
Jetzt ist die Chance wohl vergangen, nachdem Tina ordentlich dazwischen funkt.
Ich frage mich nur ständig, wieso das Ganze? Was habe ich getan, dass man so mit mir umgeht?
Bin ich selber Schuld? Hab ich Tina wohlmöglich schlecht behandelt?
Ich kann es verstehen, dass manche Menschen vorurteilbehaftet sind, dass sie sich beeinflussen lassen.
Nur ich hätte so gerne die Chance, zu beweisen, dass es es doch Wert ist mich kennen zu lernen und Freundschaft mit mir zu schließen.
Ich weiß nur nicht so recht wie ich das anstellen soll.
Ich sehe diese Menschen mindestens einmal die Woche. Einzelne davon sogar täglich. Manche studieren mit mir, manche wohnen in der Nähe, oft sind sie bei Julian zu besuch.
Vielleicht fühlten sie sich von mir auch vor den Kopf gestoßen? Weil ich eben immer lange brauch zum auftauen. Ich traue mich nicht mal anzurufen, Verabredungen auszumachen. Aber das haben sie bei mir ja eigentlich auch nicht getan.
Aber hab ich wohlmöglich zu wenig von mir selbst Preis gegeben?

Ich kenne auch andere Personen, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Doch tiefe Freundschaft aufzubauen, gelingt mir hier auch nicht so recht. Ich habe auch den Fehler gemacht, diese Menschen dem Freundeskreis vorzustellen. Allesamt wurden mit Kusshand aufgenommen und dümpeln seitdem auch regelmäßig dort rum. Die sind halt eben offener als ich und schaffen diesen Sprung schneller.

Weg ziehen wäre wirklich die letzte Option. Ich würde doch auch nur vor meinen Problemen weg laufen oder?
Jedoch weiß ich auch nicht so recht, wie ich diese angehen soll.
 

Benutzer35148 

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Vielleicht hat das ganz andere Gründe. Diese Tina mag befürchtet haben, dass Du ihr den Rang abläufst weil Du so anders bist. Vielleicht hat sie gemerkt wie sich mehr und mehr Leute für Dich interessieren, und das hat ihr gestunken, weil wie Du schriebst, sie nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stand.
Es sieht zwar wie Kindergarten aus ("mit dir spiel ich nicht mehr"), aber auch wenn Kinder direkt und dadurch auch irgendwie grausam sein können, es sind mehr oder weniger Erwachsene die Dir das antun.

Wenn Julian noch gut bei den anderen dasteht und sich davon nicht beirren lässt, wird es sicherlich etwas schwerer sein, ihn davon zu überzeugen, von dort wegzugehen.
Du müsstest Dich also eine Weile mit der Situation arrangieren und es runterschlucken.
Irgendwann wird Tina vielleicht einen derartigen Blödsinn erzählen, den auch die anderen dann hoffentlich leicht durchschauen werden.
Bis dahin, halte durch, und versuch möglichst wenig mit ihr und ihren "Freunden" zu tun.
 
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