Mobbing Ich lasse mein Leben den Bach runter gehen

Benutzer70345 

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Hallo ihr Lieben,

In den letzten Monaten Gerät in meinem Leben alles außer Kontrolle, ich verursache es selber, aber kann es irgendwie nicht stoppen.
Ich lebe seit Jahren in einer glücklichen Beziehung, wir wohnen zusammen, ich mache gerade Abitur. Ich bin intelligent, könnte und will einiges erreichen.
Als ich meine Freundin kennen gelernt habe, habe ich mich stark zum positiven verändert ( Aussage meines Umfeldes). Ich habe 20 kg abgenommen, mich anders gekleidet, bin erwachsen geworden, habe angefangen Verantwortung zu übernehmen.

Dann wurde ich psychisch krank, war wegen Magersucht, schweren Depressionen und einer PTBS in stationärer Behandlung. Jetzt mach ich seit über einem Jahr Therapie. Ich dachte es geht psychisch wieder aufwärts, den Rest empfand ich als gut (Schule, Beziehung, finanzielle Lage).

Seit einem halben Jahr ist es gefühlt jedoch schlimmer als je zuvor. Ich habe angefangen zu Rauchen, obwohl ich IMMER total dagegen war. Meine ganze Familie raucht und ich fand das immer furchtbar. Es weiß aus der Familie auch keiner.
Ich habe angefangen wahllos Essen in mich reinzustopfen und innerhalb von 3 Monaten 18kg zugenommen. Ich habe das Thema in der Therapie mal angesprochen, aber entweder scheint sie es nicht für sehr wichtig zu halten oder ihr ist gar nicht aufgefallen WIE VIEL ich zugenommen habe.
Ich fühle mich unwohl, meine Kleidung passt kein bisschen mehr. Deswegen will ich auch nicht raus, schwänze viel, habe mich noch mehr als durch die Depressionen eh schon (das soll keine Etschuldigung sein) zurückgezogen.
Ich hasse mich für das Rauchen, ich hasse mich für die Fressattacken. Es ist peinlich.
Auch unsere finanzielle Lage hat sich durch das Rauchen und das viele Essen sehr verschlechtert. Wir kommen kaum noch über die Runden.
Ich habe Drogen immer sehr verabscheut, mich von drogenkosnumierenden Menschen stets fern gehalten. Nun habe ich 3 Monate lang jeden Tag gekifft, seit 3 Monaten nur noch selten (nicht einmal jede Woche) aber ich tue es noch.

Durch die Therapie beginne ich auch, Zusammenhänge zu erkennen zwischen Erlebtem und dessen Auswirkungen auf mich wie ich jetzt bin.
Das macht mir Angst, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Klar habe ich das in der Therapie irgendwie auch mal angesprochen, aber es war nie so wichtig wie anderes. Gerade ist sie eh noch im Urlaub 2 Wochen.

Es ist gerade einfach furchtbar schlimm. Ich bin alleine, meine Freundin Arbeitet. Heute Abend sollten wir auf eine Party, wir haben vor Wochen zugesagt und heute wurde nochmal gefragt ob wir kommen und wir:"Ja klar". Aber ich sitze hier, habe gerade wieder Unmengen gegessen und geraucht und will mich einfach nur verkriechen.
Das Wochenende sollte ich bei meiner Mutter und meinen Geschwistern verbringen. Ich habe es schon so oft verschoben, ich kann das auf keinen Fall absagen. Aber ich will einfach nur unter meiner Bettdecke liegen und allein sein. Ich habe auch kein offenes Verhältnis zu meiner Mutter, sodass ich ihr erzählen könnte wie schlecht es mir geht und das ich deswegen lieber zu Hause bleiben möchte. Sie weiß kaum etwas über mich. Sie hält mich für einen komplett anderen Menschen (wurde in der Therapie auch öfter thematisiert).

Ab heute sind Ferien, aber ich war eh nicht da, wie die letzten Tage. Ich lasse alles laufen, obwohl ich im April schon mein Abi mache und viel zu tun hätte.

Ich weiß, ich sollte mich aufraffen, Sport machen, mich ablenken, wieder mehr auf meine Ernährung achten, aus dem Haus gehen.
Auch meine Freundin sagt das und motiviert mich. Beziehungsweise versucht es. Aber es klappt einfach nicht. Gar nichts.

Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll, damit ich wieder ich werde. Denn ich fühle mich gerade, als wäre ich jemand ganz anderes.
 

Benutzer120843  (33)

Sorgt für Gesprächsstoff
Das klingt sehr traurig. Welche Ziele hast du im Leben? mittelfristig und langfristig? was motiviert dich um aufstehen jeden Tag?
 

Benutzer70345 

Verbringt hier viel Zeit
Ziele?
Naja, erstmal mein Abitur möglichst sehr gut zu bestehen.
Danach studieren. Ich möchte seit Jahren Psycologie studieren, habe Praktika absolviert, mir Empfelungsschreiben für Stipendien besorgt. Ich möchte Psychotherapeutin werden. Eigentlich. Aber der weg ist lang, die Therapieausbildung verdammt teuer. Und naja, dann kommt noch dazu, das ich plötzlich auf der anderen Seite sitze, nämlich als Patientin. Ich bin im Moment alles andere als psychisch stabil.
Und das muss man in diesem Beruf sein. Ich möchte den Menschen irgendwann ja auch helfen können. Und ich weiß gar nicht, ob nach dem ganzen es überhaupt noch möglich ist irgendwann eine gute Psychotherapeutin zu sein.

Was mich zum aufstehen bewegt? Um ehrlich zu sein nahezu nichts. Ich bleibe ja auch oft einfach liegen. Ich bin antriebslos. Ich gehe keinen Hobbys mehr nach. Habe fast alle meine Freunde (bis auf einem) verloren. Ich hoffe einfach, dass es irgendwann wieder besser wird.
 

Benutzer113230  (30)

Öfter im Forum
Man könnte nun sehr tiefgründige Anmerkungen machen oder dir einfach sagen was sache ist.
Machst du so weiter wirds bestimmt nicht besser.

Ich kann dir sagen was ICH tun würde wäre ich deine Freundin und würde dich so sehen.

Ich würde jetzt sofort deine Zigaretten, dein Gras nehmen und das alles verbrennen, dann alles was man Essen kann einschließen (das klingt hart, total ungerecht), aber wenn du selbst schon einsiehst das du dich total hängen lässt, gibs relativ wenig mittel. Und die
Jetzt mach ich seit über einem Jahr Therapie.
Scheint ja totaler Müll zu sein, wenn ich das mal so sagen darf. allerdings wenn ich mir einrede (so ein Mensch bin ich zum Glück nicht) das ich etwas nicht schaffe, würde ich es auch nicht schaffen.

Allerdings solltest du dir auch klar machen, das deine Lage auch deine Freundin in Mitleidenschaft zieht.
Wenn du sagst das Geld reicht kaum noch, dann ist das zwar nicht deine Schuld im Sinne "du böse", sondern weil du dich da in Gewässer bewegst, die nicht nur dir schaden.


Ich lasse alles laufen, obwohl ich im April schon mein Abi mache und viel zu tun hätte.
Wenn ich du wäre hätte ich genug zu tun. Was möchtest du hören? Du schaffst das? Du kannst das? Das wird deine Freundin jeden Tag sagen. Was willst du wirklich hier hören ?

Alles was du geschildert hast weißt du, du weißt das du ein Problem hast, welches du nicht lösen willst, du könntest es.
Wiealt bist du ? Wenn du Abi machst, ne Wohnung hast, 18 ? Du willst dich jetzt so hängen lassen? Wo willst du in 10 Jahren stehen ?

Du weißt was es zu tun gibt, willst du in 10 Jahren nicht alleine sein, solltest du darüber nachdenken was dir wirklich wichtig ist. Deine Freundin ? Sie wird nicht unendlich Kraft für 2 Leute haben. Deine Bildung ? Ohne Abi wirds schwer und dein Studium kannste dann eh abschreiben.


Ich möchte Psychotherapeutin werden.
Die Noten dafür sind dir bestimmt bekannt. 1.0. Sogut wie keine Ausnahmen.
Auf dein Studienfach gibs soviele Bewerber wie langen nicht.


Soll in deiner Akte stehen starker Drogenkonsum? Mit welcher Ausrede willst du da kommen? Ich hatte Depressionen/Angst/ ich wollte nicht aufstehen? Es gibt tausende wie dich, die sich einreden ich schaff dies und jenes nicht.
Du wärst nicht die einzige und nicht die letzte. Aber leider jemand auf der Liste die keiner gerne führt, Krankheiten sind schlimm, aber man kann sich auch dahinter verstecken.



Du bist intelligent, dann zeig es, setzte das um was du eh schon weißt, du hast hier vieles genannt was dich in die richtige Richtung führen würde, hör auf dich einzubuddeln und zu verstecken.

Es klingt hart was ich geschrieben habe, ich wünsch dir trotzdem alles gute.

Ps: Du musst dich eh bald fertig machen du hast heute ne Party :cool:
 

Benutzer106281  (30)

Verbringt hier viel Zeit
Das klingt für mich teilweise nach PTBS wenn ich ehrlich bin dazu muss ich sagen das ich kein Arzt bin ^^, ich denke das beste ist darüber reden, oder such dir Hilfe, auch wenns schwer fällt. Das wichtigste sind Freunde und Familie die können einem da durch helfen und Halt geben.
 

Benutzer110436  (37)

Sehr bekannt hier
Blackbird, du bist so feinfühlig wie ein Iltis in der Paarungszeit -.-
@ TS: Wann hat das mit deinen starken Depressionen angefangen? Was war der Auslöser? Kannst du das irgendwie näher einkreisen, sodass du an diesem Punkt ansetzen kannst?

Gibt es irgendwas, das dich noch motivieren kann? Deine Freundin oder deine Familie?
Wenn du das Gefühl hast, dass du in der Therapie nicht ernst genommen wirst oder deine Probleme falsch eingeschätzt werden, dann solltest du das auch genau an dieser Stelle ansprechen. Anders kann dir da auch keiner helfen.

Die Sache ist die: Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation und habe auch kürzlich regelmäßige Sitzungen bei einem Psychologen angefangen. Von alleine geht das selten gut und Aussagen wie "Naja, man muss sich einfach aufraffen" oder "Mach es doch einfach" sind Humbug. Die helfen nicht und "einfach" ist da schonmal gar nichts. Das darfst du aber auch keinem übel nehmen. Wer dieses Gefühl bzw. diese Blockaden nicht kennt, kann sich nur schwer in deine Situation hineinversetzen. Aber es hilft schon, wenn die Leute es zumindest ansatzweise verstehen.

Mitleid oder gar Getätschel bringen ebenso wenig. Dadurch fühlst du dich in der Dramatik deiner Situation noch bestätigt. Ist wie bei Hunden. Wenn ein Hund Angst hat und du ihn versuchst zu beruhigen, dann merkt er, dass wirklich etwas nicht stimmt.

Dein Ansatz: Probleme in der Therapie ansprechen und ggf. den Therapeuten wechseln. Ganz wichtig.
Finde Dinge, die dir Spaß machen, auch wenn sie erstmal nicht "effizient" sind, in Bezug auf deine Zukunft etc.
Bitte deine Freundin, dass ihr mehr gemeinsam macht, dass ihr rausgeht und euch wieder ein wenig auf eure gemeinsame Beziehung konzentriert. Das sind Punkte, die dein Selbstwertgefühl wieder ein wenig nach oben treiben.

Das mit dem Kiffen solltest du lassen. Da kann ich leider nicht mehr zu sagen. Du scheinst nicht süchtig zu sein, sondern suchst verzweifelt nach einem Ausweg. Mach dir bewusst, dass die Drogen dir nicht helfen, sondern alles noch schlimmer machen. Die Zigaretten sind nicht gesund, aber sie sind momentan dein kleinstes Problem. Darum hänge dich nicht zu sehr daran auf. Wenn die Zeit gekommen ist, findest du schon die Kraft zum Aufhören.

Was deine berufliche Zukunft betrifft: Was glaubst du, wie viele Psychologen selbst in Behandlung sind/waren, weil sie mit dem ganzen Druck und dem Leid anderer Leute nicht fertig werden? Wenn du das alles erstmal hinter dir hast, dann kannst du auch problemlos diesen Berufsweg einschlagen. Mach dir da mal keine sorgen :smile: Davon abgesehen: Schau mal, was du schon alles erreicht hast. Du hast Kontakte gesammelt, Praktika, Empfehlungsschreiben. Du bist da auf einem sehr guten Weg. Wie viele können das schon von sich behaupten?
Nur lass dich davo nicht unter Druck setzen. Mach es, weil du es noch willst, nicht weil andere es von dir jetzt erwarten. Wenn du das alles nicht mehr möchtest, dann kommt was anderes. Glaube jemandem, der seine Berufswahl aus vielerlei Gründen schon zig mal umgeworfen hat und jetzt mehr als glücklich damit ist :smile:

Alles passiert aus einem bestimmten Grund, das habe ich schon seit langem festgestellt. Auch du wirst noch herausfinden, warum es dir gerade so geht. Vielleicht deshalb, weil du nach dieser Phase noch besser weißt, wie man sich in deiner Lage fühlt. Vielleicht kannst du anderen deshalb später noch besser helfen. Wer weiß :smile: Sieh deine Situation als eine Chance, dir selbst klarzumachen, was du möchtest und wer du bist. Zeige es dir selbst, niemandem sonst. Du musst immer beachten, dass alles, was du tust, für deine Zukunft und für dich wichtig ist, nicht für andere. Das sollte dir aber auch in der Therapie klargemacht werden. Ich wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Gute und viel Glück. Es gab schon viele Menschen, die vor dir das gleiche Problem hatten und die sind jetzt sehr glücklich. Darauf solltest du hinarbeiten.

Liebe Grüße :smile:
 
S

Benutzer

Gast
Wie gehts dir nach den Sitzungen? Ich erspare mir mal einen langen Text, weil helfen wird er dir eh nicht. Tritt dir deine Freundin/Freund denn in den Hintern? Hat zeitgleich aber auch ein verständnisvolles Auge auf deinen Zustand?

Ich kann dir jetzt etliche Dinge schreiben, die "einfach" und zielführend sein könnten, ich glaube aber kaum das du in der Verfassung bist das nützliche aus diesen Zeilen zu verinnerlichen. Deine Krankheit ist nicht schön aber ebenso wenig eine Entschuldigung für rein garnichts und du ganz allein wirst immer der Jenige sein der unter falschen Entscheidungen zu leiden hat. Leider glaube ich, das man mit Worten ob verständnisvoll oder auf die Arschtritt-Variante bei dir nicht viel zum umdenken bewirken kann. Ich für meinen Teil denke, das du den Blick für das wesentliche verloren hast. Dir ist nicht mehr bewusst, dass deine Handlungen, die deiner Krankheit geschuldet sind, dich eigentlich nur noch weiter in den Strudel ziehen.

Andernfalls ergibt es kein Sinn warum ein Mensch aus eigener Kraft aus einem tief nicht mehr herauskommt. Hast du dir schon mal die Frage gestellt wie du dein Bild von dir selber wieder begradigen kannst? Oder sagen wir mal wie kannst du selber wieder in der Lage sein nicht zu flüchten? Ob es nun das Essen oder die Zigaretten sind. Ist dein Selbstwertgefühl so gering, dass du der Meinung bist damit nie wieder aufhören zu können? Was hindert dich daran es einfach zu tun, auch wenn die Umstände mit so einer Krankheit nicht einfach seien mögen. Aber die Krankheit verschlingt ja nicht deine Intelligenz. Was hast du getan oder was hat dich verändert als es dir besser ging unabhängig von deiner Freundin/Freund?

Ist doch etwas länger geworden....
 

Benutzer120843  (33)

Sorgt für Gesprächsstoff
Was mich zum aufstehen bewegt? Um ehrlich zu sein nahezu nichts. Ich bleibe ja auch oft einfach liegen. Ich bin antriebslos. Ich gehe keinen Hobbys mehr nach. Habe fast alle meine Freunde (bis auf einem) verloren. Ich hoffe einfach, dass es irgendwann wieder besser wird.

Und da liegt dein Problem. Du brauchst etwas, das dir wieder Lebensfreude gibt. Du sagtest, du hast einen Partner? wie ist denn die Beziehung derzeit, alleine er sollte doch ein Grund sein dich aufzurappeln?

Mir ging es auch ein Jahr lang so wie dir und die Trendwende hat erst mein Job und neue Bekannte gebracht. Man braucht manchmal so einen kleinen Schubser um selbst wieder handlungsfähig zu werden.

Falls es dir hilft und du etwas gläubig bist, dann hol dir Kraft aus der spirituellen Ebene. :zwinker:
 

Benutzer70345 

Verbringt hier viel Zeit
Erstmal vielen Dank für eure Antworten!
Ich habe sie aufmerksam gelesen und viel für mich aufgenommen.

Ich war gestern dann auf der Party und gerade auch bei meiner Familie.
Daher wollte ich nur ein kurzes Update geben und werde euch morgen abend, dann bin ich wieder zu hause, ausführlich Antworten.

UPDATE:
Gerade erst Hunde muede hier angekommen. Ich Berichte morgen früh, nehmt's mir nicht übel.
 
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