AMA Ich bin Journalist

Benutzer160853  (34)

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Dieser AMA-Thread ist für mich auch eine Art Experiment. In Zeiten, in denen offensichtlich ein großes Misstrauen gegen Medien vorherrscht, das mit dem Begriff "Lügenpresse" nur begrenzt zu fassen ist, bin ich auf (mögliche) Fragen gespannt.
Vielleicht gelingt es mir zumindest einige Vorurteile gegen Medien und Journalisten abzubauen.
Aufgrund der teils sehr heftigen Reaktionen auf Artikel glaube ich, dass dieses Thema vielleicht interessant ist.
 

Benutzer96776 

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Na dann leg ich gleich mal mit ner Frage los:

Wie sehr beeinflusst deine eigene politische Einstellung deine Artikel bzw. welche Art von Artikeln verfasst du überhaupt am häufigsten?
 
G

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Gast
Hast du mitten in einem Artikel dir schon mal die Frage gestellt: "Bin ich wirklich objektiv? Muss ich das anders schreiben?"
 

Benutzer160853  (34)

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Na dann leg ich gleich mal mit ner Frage los:

Wie sehr beeinflusst deine eigene politische Einstellung deine Artikel bzw. welche Art von Artikeln verfasst du überhaupt am häufigsten?

Tagesaktuelle Nachrichten, Kommentare und Reportagen sind gegenwärtig die Textsorten, die am zahlreichsten vorkommen.
Bei tagesaktueller Berichterstattung spielt dies keine Rolle, weil Nachrichtenjournalismus in der Regel über Geschwindigkeit funktioniert. Für mich ist wichtiger, dass ich schneller bin als andere.
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Was bist du denn für ein Journalist?

Ich habe eine klassische Printausbildung. Meine Schwerpunkt sind Politik, Tagesaktuelles und Sport
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Hast du mitten in einem Artikel dir schon mal die Frage gestellt: "Bin ich wirklich objektiv? Muss ich das anders schreiben?"

Ja das kommt öfter vor. Das sollte zum journalistischen Standard gehören. Tatsächliche Objektivität ist aber kaum möglich, weil natürlich auch ein Zeitungsschreiber keine Maschine ist und eigene Überzeugungen und Weltsichten hat
 

Benutzer158264 

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Bei tagesaktueller Berichterstattung spielt dies keine Rolle, weil Nachrichtenjournalismus in der Regel über Geschwindigkeit funktioniert. Für mich ist wichtiger, dass ich schneller bin als andere.
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Aber ist das nicht der größte Rotz überhaupt?
Dass in Zeiten des schnelllebigen Internets nur noch Geschwindigkeit zählt, macht doch nach und nach die ganze Branche kaputt. Gutes Beispiel ist hier das ehemalige Nachrichtenmagazin Focus. Ist quasi unlesbar geworden.

Bist du wirklich dafür Journalist geworden? Oder ist dein jetziger Aufgabenbereich nur eine Art Zwischenstufe, die halt notgedrungen genommen werden muss?
 

Benutzer160853  (34)

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Ich mache diesen Beruf schon aus Überzeugung, weil dafür der Weg in den Beruf zu steinig gewesen ist.
Geschwindigkeit war schon immer wichtig. Früher war allerdings nach dem Redaktionsschluss bis zum kommenden Morgen der Nachrichtenmarkt fast eingeschlafen. Medien sollten aufpassen, dass sie nicht für Klicks und Reichweite auf jedem Zug aufspringen. Die Gerüchte rund um den Amoklauf in München haben dies eindeutig belegt.
Ich sehe ganz allgemein den "Ticker-Journalismus" problematisch. Man kann nicht im Sekundentakt fundierte Informationen liefern.
 

Benutzer15352 

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Glaubst du, dass Print tot ist :tongue:?

So wie ich dich verstehe, schreibst du für eine Tageszeitung. Hast du eine unbefristete Anstellung oder arbeitest du auf Zeilenbasis?
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Welcher artikel hat dich selbst am meisten berührt?

bist du schon einmal in gefahr gewesen?
 

Benutzer155728 

Sehr bekannt hier
Ich stelle bei unserer Lokalzeitung fest, dass Artikel, die von der Redaktion selbst verfasst wurden, über lokale Ereignisse, schon nicht so selten schlampig recherchiert wurden. Das geht mit falschen Bildunterschriften los, oder es werden gar Zusammenhänge falsch dargestellt.

Dabei handelt es sich wie gesagt, um von mir selbst verifizierbare Nachrichten.
Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass die "große" Berichterstattung eine ähnliche Qualität hat, kann ich dann Zweifel an den handwerklichen Fähigkeiten der Journalisten schon nachvollziehen.

Ist das aus deiner Erfahrung ein eher spezifisches Problem MEINER Lokalzeitung? Falls nicht, wie erklärst du dir das?
 

Benutzer137391  (46)

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erzähl doch bitte mal etwas über deinen beruflichen wertegang... :smile:
das thema ist bei uns (bei meinem sohn, 13) brandaktuell...
er hat seine liebe zum schreiben entdeckt und arbeitet mit großem eifer an seiner schule bei der schülerzeitung mit..
bei einem schulprojekt hatte er jetzt einige tage gelegenheit als "journalist" zu arbeiten und "in echtzeit" von den geschehnissen zu berichten.. (sogar mit presseausweis :grin: )

er löchert uns nun mit vielen fragen.. und klar, er ist noch recht jung, wir würden ihm da aber gern infos geben bzw. ihn in die richtung fördern (er ist/ war grad unser sorgenkind und endlich hat er wieder spaß an einem thema)

wie schwierig war für dich denn der start? korrigier mich wenn ich falsch liege.. aber ich denke es ist schon recht schwer eine "gute (fest)anstellung" zu finden, oder?
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Bist du zufrieden mit deinem Beruf und kannst ihn so ausfüllen, wie du gerne möchtest? Ich kenne selbst einige Journalisten, die über die Entwicklung der Medien nur schimpfen und sich nicht wohl fühlen, so wie sie arbeiten müssen. Viele sind freiberuflich, und die, die es nicht sind, arbeiten nicht dort, wo sie gerne möchten. Außerdem können sie nicht so arbeiten, wie sie es selbst für gut halten. Ist das bei dir ähnlich?

Betreibst du auch investigativen Journalismus oder sind es eher schnelle Geschichten, die du schreibst?

Außerdem schreibst du, du machst den Job aus Überzeugung. Kannst du genauer ausführen, was für eine Überzeugung das ist?
 

Benutzer160853  (34)

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Glaubst du, dass Print tot ist :tongue:?

So wie ich dich verstehe, schreibst du für eine Tageszeitung. Hast du eine unbefristete Anstellung oder arbeitest du auf Zeilenbasis?

Da muss ich natürlich mit nein antworten.Print wird sich aber noch verstärkter auf einordnende Hintergrundberichterstattung konzentrieren müssen. Eine Zeitung, die nur die Nachrichten des letzten Tages zusammenfast wird verlieren.

Ich arbeite überwiegend als "fester Freier", also regelmäßig für mehrerer Zeitungen
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Welcher artikel hat dich selbst am meisten berührt?

bist du schon einmal in gefahr gewesen?

Ernsthaft in Gefahr nur einmal und das war auch gleich am Anfang.
Das war ein Artikel über einen Kindermord
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Ich stelle bei unserer Lokalzeitung fest, dass Artikel, die von der Redaktion selbst verfasst wurden, über lokale Ereignisse, schon nicht so selten schlampig recherchiert wurden. Das geht mit falschen Bildunterschriften los, oder es werden gar Zusammenhänge falsch dargestellt.

Dabei handelt es sich wie gesagt, um von mir selbst verifizierbare Nachrichten.
Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass die "große" Berichterstattung eine ähnliche Qualität hat, kann ich dann Zweifel an den handwerklichen Fähigkeiten der Journalisten schon nachvollziehen.

Ist das aus deiner Erfahrung ein eher spezifisches Problem MEINER Lokalzeitung? Falls nicht, wie erklärst du dir das?

Das ist natürlich sehr schwer zu beantworten. Ich will daher etwas grundsätzlicher werden. Gerade im Bereich der lokalen Berichterstattung fehlt es an Personal. Das bedeutet, dass diese Knappheit mit "freien Mitarbeitern"abgefedert werden muss. Im Gegensatz zu mir sind dies aber keine ausgebildeten Journalisten, sondern Personen, die sich etwas dazuverdienen. Deren Qualität reicht von sehr gut bis erschreckend schwach.
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Bist du zufrieden mit deinem Beruf und kannst ihn so ausfüllen, wie du gerne möchtest? Ich kenne selbst einige Journalisten, die über die Entwicklung der Medien nur schimpfen und sich nicht wohl fühlen, so wie sie arbeiten müssen. Viele sind freiberuflich, und die, die es nicht sind, arbeiten nicht dort, wo sie gerne möchten. Außerdem können sie nicht so arbeiten, wie sie es selbst für gut halten. Ist das bei dir ähnlich?

Die Arbeitsbedingungen sind in der Tat ein Problem, Das betrifft nach meiner Wahrnehmung aber eher Arbeitszeiten, soziale Sicherheiten und gelegentlich auch die Vergütung. Thematisch bin ich breit aufgestellt und bin daher nicht von einer Zeitung abhängig. Mit den Themen, die ich bearbeite, bin ich nicht unzufrieden. Aber es gibt natürlich Themen, die einem auf der Seele brennen, und Dinge, mit denen man einfach Geld verdient.

Betreibst du auch investigativen Journalismus oder sind es eher schnelle Geschichten, die du schreibst?
Ich würde "investigativ" als zu groß erachten. Aber ich habe in der letzten Zeit einige längere Reportagen geschrieben.
In der Regel ist eher tagesaktuelle Hintergrundberichterstattung

Außerdem schreibst du, du machst den Job aus Überzeugung. Kannst du genauer ausführen, was für eine Überzeugung das ist?
Zunächst macht mir die Arbeit einfach Spaß. Aber es gibt schon zwei Überzeugungen: Ich halte es für wichtig, dass Medien zur Transparenz bei Entscheidungen beitragen. Das Betrifft die Weltpolitik bis zum Straßenbauprojekt in der Kommune.
Damit verbunden ist die Überzeugung, dass man Entscheidungsträgern aufs Dach steigen muss.
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erzähl doch bitte mal etwas über deinen beruflichen wertegang... :smile:
das thema ist bei uns (bei meinem sohn, 13) brandaktuell...
er hat seine liebe zum schreiben entdeckt und arbeitet mit großem eifer an seiner schule bei der schülerzeitung mit..
bei einem schulprojekt hatte er jetzt einige tage gelegenheit als "journalist" zu arbeiten und "in echtzeit" von den geschehnissen zu berichten.. (sogar mit presseausweis :grin: )

er löchert uns nun mit vielen fragen.. und klar, er ist noch recht jung, wir würden ihm da aber gern infos geben bzw. ihn in die richtung fördern (er ist/ war grad unser sorgenkind und endlich hat er wieder spaß an einem thema)

wie schwierig war für dich denn der start? korrigier mich wenn ich falsch liege.. aber ich denke es ist schon recht schwer eine "gute (fest)anstellung" zu finden, oder?

Ich habe nach meinem Abitur Politik und Germanistik studiert. Im Studium habe ich Praktika absolviert und dann bei der Lokalzeitung volontiert. Später habe ich die Zeitung verlassen und bin seitdem freiberuflich tätig. Mit 13 wechseln Berufsziele natürlich schnell aber ich halte die Mitarbeit an einer Schülerzeitung für diesen Berufszweig für einen guten ersten Schritt.
Je nach Bundesland muss ein Schulpraktikum absolviert werden.Ich würde dafür Kontakt mit der örtlichen Lokalzeitung aufnehmen.
Vielleicht ermöglicht die Lokalzeitung auch außerhalb eines möglichen Pflichtpraktikums ein Ferienpraktikum. Dann könnte irgendwann eine freie Mitarbeit folgen und so etabliert man sich Schritt für Schritt. (Mögliche weitere Fragen gerne per PN)
Es ist irgendwann der Gang durch ein Nadelöhr.
Es gibt sehr wenig gute und sichere Stellen, die nicht über Seilschaften in Medienhäusern vergeben werden
 
G

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Gast
Wie intensiv werden von dir fertig geschriebene Artikel hinsichtlich des Inhalts nochmal von höherer Stelle korrigiert oder gar zensiert? Gabs schon mal einen Fall à la "das können wir so nicht schreiben"?
 

Benutzer11466 

Sehr bekannt hier
Bei tagesaktueller Berichterstattung spielt dies keine Rolle, weil Nachrichtenjournalismus in der Regel über Geschwindigkeit funktioniert.
Ist das tatsächlich ein Thema? Gerade das bedruckte Papier kann gegen Onlinemedien und erst recht die Klatschbörsen von Fratzenbuch und Zwitscher doch nur verlieren. Da würde ich mir Gründlichkeit und Innehalten sowie saubere und tiefgründige Recherche wünschen. Vieles von dem dem, was entweder Politiker selbst raushauen oder von den Medien hochsterilisiert wird, ist eigentlich keine Zeile und keine Druckerschwärze wert. Wenn dann auch noch angeblich seriöse Medien ohne nachzudenken Gerüchte von der BLÖD übernehmen, wird's grenzwertig.

Wenn ich mich auf einem Gebiet selbst auskenne, staune ich immer wieder, wie wenig viele Journalisten von einem Thema verstehen. Nur ein Beispiel: Die Stuttgarter Zeitung hielt sich nach dem Zugunglück von Bad Aibling ziemlich lange am angeblichen Zugfunkloch an Teilen der Strecke auf. Daß der Bahnverkehr so organisiert ist, daß er grundsätzlich ohne (Funk)Verbindung zum Lokführer läuft, interessierte nicht; die Tatsache, daß das Funkloch für den Unfall nicht ursächlich gewesen sein kann, ebenfalls nicht.

Mein ganz besonderer Freund sind die Koniferen (Witz!) von der Deppen-Presse-Agentur, bei der ich bis heute staune, daß die noch Kunden haben. Die können oft genug nicht mal in die Wikipedia blicken, bevor sie was raushauen. Den Standard fürs digitale Antennenfernsehen, DVB-T, und den fürs digitale Radio, DAB+, durcheinanderzuwerfen muß man erst mal schaffen - ebenso, wie vor dem Veröffentlichen nicht nachzuschauen, ab wann der Citroën DS Kurvenlicht bekam...
er hat seine liebe zum schreiben entdeckt und arbeitet mit großem eifer an seiner schule bei der schülerzeitung mit..
Ausprobieren soll sich der Sohnemann auf jeden Fall und gut schreiben zu können schadet nie. Er soll sich aber auf jeden Fall ein Studium suchen, das ihm im Zweifelsfall einen Plan B bietet. Feste, gar gutbezahlte Stellen im Journalismus sind rar und viele Freie können von ihrer Arbeit kaum leben.

Gutes Beispiel ist hier das ehemalige Nachrichtenmagazin Focus. Ist quasi unlesbar geworden.
War das jemals lesbar? Über dessem anfänglichen Erfolg (der durch eine aggressive Werbekampagne befördert wurde) schüttelten ja nicht nur Journalisten die Köpfe...

Nebenbei nutzte der Burda-Verlag jahrelang ein Lücke bei den Auflagenmeldungen: Mit kostenlosen Bord- und Lesezirkelexemplaren hübschte man die Zahlen auf. Viele Anzeigenkunden schauten sich immer nur die Gesamtzahlen an, statt mal Abos und tatsächlich verkaufte Hefte zusammenzurechnen... (War und ist völlig legal; machten und machen viele andere auch - aber wenn man in dem Geschäft unterwegs ist, sollte man sich davon nicht blenden lassen.)
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer84435 

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Ein Hauptproblem von Journalisten ist meines Erachtens, dass sie sehr oft keine Ahnung von speziellen Themen haben, über die sie berichten.

Beispielsweise rollen sich mir als Ingenieur häufig die Fußnägel hoch, wenn ich - selbst in renommierten Zeitungen - die Bereiche Wissenschaft und Technik lese und was dort teilweise für Halbwissen bzw. regelrechter Unsinn steht.

Liegt wohl daran, dass immer weniger Quereinsteiger aus diesen Fachbereichen dort tätig sind und stattdessen Leute eingestellt werden, die "Journalistik" ö.Ä. studiert haben.

Lustig finde ich häufig auch die Kritiken zu Serien/Filmen. Da macht der Journalist auf Pseudo-Intellektuell, haut ein paar Fremdwörter raus und blamiert sich mit Halbwissen bis auf die Knochen. Beispiel aus der Zeit von vor ein paar Wochen: Serien: Fetische des Fernsehens Dümmlicher Text, offensichtlich null Ahnung von der Serie, von Kommentatoren auf allen Kanälen in der Luft zerfetzt.

Ich würde den Journalisten empfehlen, sich auf ihr Kerngeschäft - Politik & Wirtschaft - zu konzentrieren. Für diverse Fachthemen - z.B. Technik, Serienkritiken - gibt es mittlerweile haufenweise Blogs, Youtube-Channels, etc. die sich viel besser mit der Materie auskennen.
 

Benutzer160853  (34)

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Wie intensiv werden von dir fertig geschriebene Artikel hinsichtlich des Inhalts nochmal von höherer Stelle korrigiert oder gar zensiert? Gabs schon mal einen Fall à la "das können wir so nicht schreiben"?

Nein, im Gegenteil. Ganz zu Beginn erlebte ich das Gegenteil. Ich berichtete über ein unterklassiges Fußballspiel, bei denen es zu rassistischen Beleidigungen kam.
Diesen Vorfällen habe ich breiten Raum gegeben und dafür Rückendeckung erhalten.
Es kann vorkommen, dass Geschichten geschoben werden. Dann ist das Thema allerdings entweder noch unausgereift oder es passt nicht zur aktuellen Schwerpunktsetzung.
Wenn es eine Direktive gäbe, dass ein Thema so oder so beleuchtet werden müsste, wäre in den Redaktionen Krieg.
Es gibt allerdings "Blattlinien". Diese sollen den Erwartungshorizont der Leser erfüllen. Ein Leser der TAZ erwatet andere Weltsichten als der Leser der Welt. Das ist nach meiner Überzeugung aber völlig OK
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Ein Hauptproblem von Journalisten ist meines Erachtens, dass sie sehr oft keine Ahnung von speziellen Themen haben, über die sie berichten.

Beispielsweise rollen sich mir als Ingenieur häufig die Fußnägel hoch, wenn ich - selbst in renommierten Zeitungen - die Bereiche Wissenschaft und Technik lese und was dort teilweise für Halbwissen bzw. regelrechter Unsinn steht.

Liegt wohl daran, dass immer weniger Quereinsteiger aus diesen Fachbereichen dort tätig sind und stattdessen Leute eingestellt werden, die "Journalistik" ö.Ä. studiert haben.

Lustig finde ich häufig auch die Kritiken zu Serien/Filmen. Da macht der Journalist auf Pseudo-Intellektuell, haut ein paar Fremdwörter raus und blamiert sich mit Halbwissen bis auf die Knochen. Beispiel aus der Zeit von vor ein paar Wochen: Serien: Fetische des Fernsehens Dümmlicher Text, offensichtlich null Ahnung von der Serie, von Kommentatoren auf allen Kanälen in der Luft zerfetzt.

Ich würde den Journalisten empfehlen, sich auf ihr Kerngeschehäft - Politik & Wirtschaft - zu konzentrieren. Für diverse Fachthemen - z.B. Technik, Serienkritiken - gibt es mittlerweile haufenweise Blogs, Youtube-Channels, etc. die sich viel besser mit der Materie auskennen.

Das würde ich nicht so absolut stellen.Aber gerade im Lokalen in der Fläche, muss ein Redaktionsmitglied zwischen Politik, Kultur, Vereinsleben und Sport alles beherrschen. Das ist relativ undankbar.
Der Königsweg ist weiterhin das Volontariat.
Ich habe meine Schwerpunkt in den Bereichen Politik und Sport, die ich bedienen kann. Alles andere lasse ich gerne andere machen. Hier liegt der Vorteil, dass ich hauptsächlich freiberuflich tätig bin
 

Benutzer11466 

Sehr bekannt hier
Ein Hauptproblem von Journalisten ist meines Erachtens, dass sie sehr oft keine Ahnung von speziellen Themen haben, über die sie berichten.
Stimmt - schrieb ich ja auch.
Für diverse Fachthemen - z.B. Technik, Serienkritiken - gibt es mittlerweile haufenweise Blogs, Youtube-Channels, etc. die sich viel besser mit der Materie auskennen.
So schüttest Du aber das Kind mit dem Bade aus. Für viele Dinge gibt es Spezial- oder Fachzeitschriften - um deren Korpulenz (Witz!) ist es meist gut bestellt.

Natürlich gibt es Blogs und Youtube-Kanäle, die kompetent und technisch hervorragend gemacht sind. Es gibt aber deutlich mehr, die noch dünnere Bretter bohren als die Mehrzahl der Journalisten, mit dem deutse Sprak auf Kriegsfuß stehen tun und (im Falle von Videos) einfach handwerklich schlecht gemacht sind. Zudem weißt Du bei irgendwelchen Internetgeschichten noch weniger, ob deren Macher nicht noch andere Interessen haben.

M.a.W.: Die Damen und Herren Preßbengel müssen sich mehr anstrengen, wenn sie ernstgenommen werden wollen. Ich erlebe bei einigen (nicht allen) Journalisten Arroganz die einhergeht mit Beratungsresistenz. Meine liebsten sind eine bestimmte Sorte TV-Journalisten, Typ: "Ich bin vom Fernsehen."
 

Benutzer160853  (34)

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Es ist vermutlich bei allen Dingen im Leben so, dass es gute und schlechte Vertreter eines Berufszweigs gibt.
Bei der großen Anzahl von Titeln im Zeitschriftenmarkt können nicht nur potenzielle Pulizerpreisträger darunter sein
 
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