Hilfestellungen bei Vergewaltigung und anderer Gewalt

Benutzer137773 

Öfter im Forum
Es geht mir um eine Sache, die ich bis jetzt im Missbrauchs-Forum sehr oft aufgefallen ist: Es wird oft sehr schnell dort postenden Vergewaltigungsopfern geraten, zur Polizei zu gehen. Während das einem natürlich erst einmal als die richtige Handlungsweise vorkommt, raten jedoch Hilfsorganisationen oft davor ab, das gleich als ersten Schritt zu setzen.
Nicht, weil damit auch nur irgendwie ein (mutmaßlicher) Täter geschützt werden soll, sondern weil die Polizei Anzeige erstatten muss - und damit das Opfer normalerweise die ganze Last eines Prozesses aufbekommt, der nicht notwendigerweise gewonnen werden kann.
Vergewaltigungsprozesse sind berüchtigt für ihre ungewissen Ausgänge, einfach weil eine Vergewaltigung oft sehr schwer zu beweisen ist (Sex per se einfacher, aber Sex alleine ist nunmal nicht ein Beweis für den fehlenden Willen). Und ein Prozess, der für ein Vergewaltigungsopfer schlecht ausgeht, einfach als Mangel von Beweisen, stürzt das Opfer üblicherweise in eine schwere Krise - dann hat es nämlich amtlich, dass niemand ihr/ihm glaubt (auch wenn hier rechtsstaatlich einwandfrei gehandelt wurde).

Daher eine ernste Bitte an die User: Nicht gleich jedem Vergewaltigungsopfer, dass hier um Rat fragt, sagen, dass es zur Polizei gehen soll. Sondern an Hilfsorganisationen weiterleiten.

Ich kann keine konkreteren Tipps geben, da ich in dem Bereich weder ausgebildet noch irgendwie tätig bin - mein Wissen darüber stützt sich lediglich auf Interviews und Gespräche mit Beratern/Helfern. Es gibt jedoch eine Menge Organisationen im deutschsprachigen Raum (mir bekannt z.B. weisser-ring.de), auf die in solchen Fällen eher als Erstanlaufstelle verwiesen werden sollte, als die Polizei. Und diese Organisationen helfen dann auch mit Anzeige, und begleiten beim Prozess.

Noch einmal zusammenfassend: während die Anzeige nach der Vergewaltigung vielleicht die erste Reaktion wäre, die dem Gerechtigkeitsempfinden am ehesten entspricht (zumindest im legalen Raum), ist es keineswegs gegeben bzw. auch nicht übermäßig wahrscheinlich, dass damit dem Opfer geholfen, bzw. der Täter tatsächlich erwischt wird. Noch dazu wenn solche Situationen schlichtweg unmöglich übers Internet per Forenbeitrag detailliert genug beurteilt werden können.
 

Benutzer109947 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich habs mal ins richtige Unterforum verschoben :smile:
 

Benutzer124226 

Beiträge füllen Bücher
Ich finde es generell gut erstmal an eine Hilfsorganisation zu verweisen und sich dringend jemandem (z.B. Eltern) anzuvertrauen.
Andererseits finde ich es auch nicht gut eine Vergewaltigung nicht anzuzeigen aus Sorge, dass der Prozess vielleicht nicht gewonnen werden kann. Das ist in meinen Augen der falsche Weg.
Jetzt mal ganz krass gesagt, sollen alle die vielleicht mit ihrem Vergewaltiger befreundet oder ein Paar gewesen sind und kaum bis gar keine Verletzungen davon getragen haben auf keinen Fall zur Polizei gehen? Klar ist das als Aussenstehender über das Internet sehr schwer alles zu beurteilen, aber ich finde es nicht gut einer Anzeige aus dem Weg zu gehen. Das sollte nicht als ersten Rat genannt werden, da hast du Recht. Aber ein Rat sollte es schon sein. Es ist eine Straftat und die muss in meinen Augen zur Anzeige gebracht werden. Allerdings in Verbindung mit Psychologischer Hilfe und Aufklärungen über den eventuellen Prozessverlauf. Darauf haben wir hier aber leider keinen Einfluss.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Lieber TE , das ist mir auch klar, aber was bringt das den den betroffen. wenn sie gleich lesen, dass der Rechtsweg eine Sackgasse ist kommen eventuell viele zu dem Entschluss , dass es gar keine Gerechtigkeit gibt. Selbstjustiz oder Suizid aus Verzweiflung halten ein.

Das Problem ist mitunter, dass es noch viel zu viele Frauen gibt die mit der "ach ich bin vergewaltigt worden -Nummer " (und es nicht sind ) durchkommen weil sie fingierte Zeugenaussagen aus dem Hut zauber. Das macht der Glaubwürdigkeit richtiger Betroffener natürlich noch weiter einen Abbruch.

Es ist eine Face , wenn man so was hier ließt von Unsicherem Ausgang und jedes Jahr im Durchschnitt sich 10 mutmaßliche Vergewaltiger im Rezessionsverfahren oder bei Aufrollung entweder als die Falschen oder eben als Opfer eines Racheakts darstellen.

Die justiz ist mitunter total überfordert und kann auch rechtskräftig nicht mehr nahliegend verurteilen, weswegen durch Internationales Menschenrecht , Straftäter die mehr als 7 Monate auf ihre Verhandlung warten auf freien Fuß gesetzt werden.
 

Benutzer150418 

Verbringt hier viel Zeit
Mir hat meine Psychologin damals auch geraten, auf eine Anzeige zu verzichten aus den vom TE geschilderten Gründen und auf die Befürchtung gestützt ich würde am Prozess und den damit verbundenen Demütigungen zerbrechen.

Ich hab mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und habe viel über Gerechtigkeit nachgedacht.
Ich habe mich gefragt, womit ich eher leben kann...
Damit, den Prozess zu verlieren - nach einem quälenden, erniedrigenden Kampf, während dem ich keinen Frieden finde...
Oder damit, dass der Täter keine gesetzliche Strafe bekommt, aber dafür irgendwann eine höhere Gerechtigkeit ihn ereilt.
Ich habe mich für letzteres entschieden und es nie bereut.

Wenn der Kerl 2 Jahre bekommt - am besten noch auf Bewährung oder eben gar keine Strafe, dann habe ich umsonst gelitten während dem Prozess, umsonst seinen Hass und seine Rachegefühle auf mich gezogen (Ja, ich hatte auch Angst vor ihm...) - aber Frieden kann ich so keinen finden.
Gerechtigkeit ist doch im Grunde nur, dass ich selbst meinen Frieden damit mache und ein normales, glückliches Leben führen kann. Ein Prozess macht auch nicht ungeschehen, was kaputt gegangen ist und eine Bestrafung des Täters lindert auch keine Schmerzen, macht rein gar nichts besser. Nichtmal im Gefängnis würde er darunter nur annähernd so leiden, wie ich - schließlich muss ich für den Rest meines Lebens damit klar kommen, während der Täter so und so zu seinem normalen Leben zurück findet. Eine Weile im Knast verbringen oder eben nicht ändert nichts an meinem Zustand also kann ich einen Prozess auch gleich aus meinem Lebensplan streichen und direkt mit der Aufarbeitung anfangen.

Aber das ist nur meine Meinung und Erfahrung. Entmutigen will ich damit niemanden. Ich weiß nur, ich hätte auf jeden Fall nicht mit einem verlorenen Prozess leben können. Das wäre für mich des Todesstoß gewesen.
 

Benutzer137773 

Öfter im Forum
Ich finde es generell gut erstmal an eine Hilfsorganisation zu verweisen und sich dringend jemandem (z.B. Eltern) anzuvertrauen.
Andererseits finde ich es auch nicht gut eine Vergewaltigung nicht anzuzeigen aus Sorge, dass der Prozess vielleicht nicht gewonnen werden kann. Das ist in meinen Augen der falsche Weg.
Jetzt mal ganz krass gesagt, sollen alle die vielleicht mit ihrem Vergewaltiger befreundet oder ein Paar gewesen sind und kaum bis gar keine Verletzungen davon getragen haben auf keinen Fall zur Polizei gehen? Klar ist das als Aussenstehender über das Internet sehr schwer alles zu beurteilen, aber ich finde es nicht gut einer Anzeige aus dem Weg zu gehen. Das sollte nicht als ersten Rat genannt werden, da hast du Recht. Aber ein Rat sollte es schon sein. Es ist eine Straftat und die muss in meinen Augen zur Anzeige gebracht werden. Allerdings in Verbindung mit Psychologischer Hilfe und Aufklärungen über den eventuellen Prozessverlauf. Darauf haben wir hier aber leider keinen Einfluss.

Natürlich sollten Vergewaltigungen auch zur Anzeige gebracht werden - aber der Rat dazu sollte nicht aus einem Internetforum kommen, sondern eben von Organisationen, die dabei auch helfen können, und genug Erfahrung haben, zu beurteilen, wie der Prozess verlaufen wird, bzw. wie und ob das Opfer den Prozess überhaupt verwinden kann.

Nachdem hier ja eher eine Erstanlaufstelle ist, sollte der Rat, zur Polizei zu gehen, eben nicht von hier kommen. Ausnahmen kann es natürlich geben - nämlich dann, wenn das Opfer immer noch in Gefahr ist.
[DOUBLEPOST=1427107744,1427107535][/DOUBLEPOST]
Lieber TE , das ist mir auch klar, aber was bringt das den den betroffen. wenn sie gleich lesen, dass der Rechtsweg eine Sackgasse ist kommen eventuell viele zu dem Entschluss , dass es gar keine Gerechtigkeit gibt. Selbstjustiz oder Suizid aus Verzweiflung halten ein.

Deswegen braucht es auch Einfühlungsvermögen. Man soll natürlich nicht den Opfern direkt sagen: "Geh nicht zur Polizei", sondern eben: "Geh zu einer Hilfsorganisation, die helfen dir dann auch mit einer Anzeige, wenn du das willst."

Natürlich ist es eine schlechte Idee, gleich zu sagen, dass man nicht zur Polizei gehen soll, damit nimmt man dem Opfer ja nur einen Ausweg, bzw. vermittelt, dass es da keine Chance hätte.


Das ist auch der Grund, warum ich einen eigenen Thread dazu gemacht habe - es wäre ziemlich übel, wenn ich in den einzelnen Threads hier immer mit "Geh nicht zur Polizei" kommen müsste, genau dann hätte man nämlich den von dir beschriebenen negativen Effekt.
 
4 Woche(n) später

Benutzer152748  (35)

Ist noch neu hier
Grundsätzlich alle zur Polizei zu schicken finde ich ebenfalls nicht richtig. Im Vordergrund sollte die Stabilisierung des Opfers stehen und ein Prozess ist da weniger hilfreich. Diverse Organisationen können allerdings Betroffenen helfen einen Prozess anzugehen, wenn diese das wünschen.
Hierbei ist unbedingt die Verfassung des Opfers abzuklären und wie er/ sie generell zu den Geschehnissen steht.
Ein verlorener Prozess kann viele endgültig aus der Bahn werfen aber ebenso gibt es Opfer, die sich wünschen, ihren Peiniger offen an den Pranger zu stellen. Eben um zu verhindern, dass dieser einfach sein Leben weiterleben kann als wäre nichts passiert und/ oder auch als Warnung für andere. Leider wird der Missbrauch, solcher Anschuldigungen aus Rache oder ähnlichen Motiven immer mehr, was für tatsächliche Opfer schrecklich ist, da ihnen weniger geglaubt wird aber das ist wieder ein anderes Thema.
Es ist jedenfalls alles sehr individuell und ich finde es gut, dass mit diesem Thread die Leute etwas sensibilisiert werden sollen, nicht zu voreilig mit ihrem Rat zu sein.
 

Benutzer86779  (36)

Sehr bekannt hier
Das stimmt schon alles, allerdings muss man auch sehen, dass die Chance zu einer Verurteilung deutlich höher ist wenn man gleich zur Polizei geht und spuren gesichert werden können, als wenn man 2 Wochen wartet.

es kommt natürlich ganz auf den Fall an, aber generell ist eine zeitnahe Spurensicherung für die Ermittlung schon sehr hilfreich.
 
1 Woche(n) später
B

Benutzer

Gast
Ich glaube, das kommt arg auf die Person drauf an. So ein Prozess braucht sehr viel Kraft, davor muss man als Opfer erst mal gute Unterstützung kriegen, um das auch mental durchzustehen. Ich kenne aber auch eine Betroffene, die vor allem wütend war und den Prozess kaum abwarten konnte. Natürlich war auch hier die psychologische Beratung ein Muss, aber es war ihr klar, dass sie ihren Frieden damit finden wird.

Das Beste ist wohl, man versucht herauszuspüren, was die Person jetzt am ehsten braucht. Sind es Auskünfte zur Vorgehensweise, um den Täter dranzukriegen, oder eine Stabilisierung der Verfassung?
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Das stimmt schon alles, allerdings muss man auch sehen, dass die Chance zu einer Verurteilung deutlich höher ist wenn man gleich zur Polizei geht und spuren gesichert werden können, als wenn man 2 Wochen wartet.
Wobei hier ja auch viele nicht unmittelbar nach einer Vergewaltigung/ nach einem Missbrauch posten, sondern doch schon deutlich später. Und dann ist es ja (leider) so, dass die Spuren schon verwischt sind.
 
2 Monat(e) später

Benutzer154608  (40)

Ist noch neu hier
Ich denke, dass es trotzdem durchaus legitim ist dem Opfer weiterhin zu raten auf die Polizei zuzugehen. Natürlich gibt es viel zu viele Fälle, in denen das Opfer von 10 Psychologen begutachtet wird, die wiederum 20 verschiedene Meinungen haben (siehe Falla Kachelmann in dem der beschuldigte Täter kein einziges Mal vor einem Psychologen aussagen musste). Doch wird den Opfern manchmal auch rechtgegeben was sehr positive Konsequenzen mit sich zieht. Wir müssen uns auch überlegen was passiert, wenn keiner mehr anklage erheben würde! Es würde doch allen Tätern zeigen, dass ihr Handeln theoretisch strafbar ist faktisch aber nicht geahndet wird. Ich glaube dies wäre ein Schritt in die falsche Richtung. Denn auch wenn es kein positives Urteil für das Opfer gibt, ist der Ruf des Angeklagten für immer beschädigt.
Ich glaube du hast Recht TE, dass das Opfer bei einer Anklage verlieren kann, der Täter hat jedoch schon (mindestens teilweise) verloren.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren